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Willkommen in Algerien
[Geschichtlicher Überblick] [Der Staat] [Das Land] [Entwicklungen ab 2007]
[Literatur] [www-Links] |
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Offizieller Name: Demokratische Volksrepublik Algerien
Hauptstadt: Algier
Fläche: 2.381.741 km²
Landesnatur: Von N nach S Tellatlas, Hochland der Schotts, Saharaatlas und Sahara, im SO Gebirgsmasive Hoggar und Tassili
Klima: Im N mediterran, im S extrem arid
Hauptflüsse: Shilif
Höchster Punkt: Tahat 3005 m
Tiefster Punkt: Schott Melrihr -31 m
Regierungsform: Präsidiale Republlik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 48 Bezirke
Parlament: Nationalversammlung mit 180 auf 5 Jahre direkt gewählten Abgeordneten; Rat der Nation mit 144 Mitgliedern
Nationalfeiertag: 1. November (Tag der Revolution von 1954)
Einwohner: 30.774.000 (1999); 32.531.853 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 13 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 59% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 37% (1999)
Analphabetenquote: 36% (1999)
Sprache: 70% Arabisch (Algerisch), 30% Berbersprachen (Tamazight, Kabylisch u.a.), Französisch
Religion: Moslems 99% (Sunniten); Minderheiten von Katholiken und Protestanten
Exportgüter: Erdöl u. Erdgas, Eisenerz, Phosphate, Wein
Importgüter: Maschinen, Nahrungsmittel, Fahrzeuge |
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Geschichtlicher Überblick
Algerien, das mittlere der drei Maghreb-Länder, ist das am wenigsten bekannte von ihnen. Zwar ist es nach dem Sudan das zweitgrößte Land Afrikas und spielte nach dem blutigen Unabhängigkeitskrieg eine wichtige Rolle in der internationalen Politik - doch die landschaftliche Schönheit, die kulturelle Vielfalt und der historische Reichtum des Landes wurden vom Tourismus noch kaum entdeckt. |
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Den von der Hauptstadt Algier abgeleiteten Namen des Landes kann man so verstehen, dass Algerien das weite Hinterland von Algier ist. Die drei anderen größeren Städte haben erst durch die Industrialisierung nach der Unabhängigkeit eine gewisse Bedeutung erlangt. Der Name der Hauptstadt selbst (arabisch: Al Jaza'ir) bedeutet einfach "die Inseln" und bezieht sich auf zwei kleine vor der Altstadt von Algier liegenden Inseln. Wie viele andere Städte Nordafrikas ist auch Algier aus einer ursprünglich römischen Siedlung entstanden.
Die einheimischen Berber hatten schon im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. eine hochentwickelte Kultur mit einer eigenen Schrift, die in veränderter Form heute noch von den Tuareg verwendet wird. Ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Phönizier aus dem östlichen Mittelmeerraum auch an der Küste des heutigen Algerien ihre Handelskolonien, die nach dem Verfall der Mutterstädte unter die Herrschaft der mächtigen Handelsmacht Karthago kamen. Nach der Zerstörung Karthagos im Jahre 146 v. Chr. und der Unterwerfung der numidischen Königreiche wurden die Städte und das Hinterland zur römischen Provinz (46 v. Chr.). Die zahlreichen, zum Teil gut erhaltenen Ruinen römischer Garnisonstädte und anderer Siedlungen (Timgad, Djemila, Tipasa und andere) zeugen von der Blütezeit des Landes unter den Römern. Den Römern folgten nach dem Niedergang ihres Reiches die Wandalen (429-534) und Byzantiner (ab 534), die die Invasion der Araber nicht verhindern konnten. Die zum Islam bekehrten Araber breiteten sich um die Mitte des 7. Jahrhunderts von Ägypten nach Westen aus und unterwarfen innerhalb weniger Jahrzehnte den ganzen Maghreb. Ab 1519 kam Algerien unter türkische Oberherrschaft und wurde später endgültig Teil des Osmanischen Reiches. Die Türken machten Algier zur Hauptstadt des von ihnen beherrschten Algerien und legten die Grenzen des Landes nach Osten und Westen fest. Auf das Hinterland übten sie allerdings kaum Einfluss aus.
Der Eroberung Algeriens durch die Franzosen gingen ab 1816 einzelne englische und französische Strafexpeditionen gegen die türkischen Korsaren voraus. Im Juni 1830 landete schließlich eine französische Armee von 37.000 Mann westlich von Algier und besetzte in wenigen Wochen die Städte Algier, Oran (wahran) und Annaba (Bône, Annabah). Als die Franzosen aber begannen, ihren Machtbereich auszudehnen, organisierte Emir Abd Al-Kader (1808 bis 1883) den bewaffneten Widerstand und führte einen "heiligen Krieg" gegen die Franzosen. Erst 1847 hatten die Franzosen den ganzen Norden bis weit hinter den Tellatlas erobert. Der Emir musste sich ihnen ergeben und wird seitdem als Nationalheld Algeriens gefeiert. |
Schon in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann langsam die Kolonisierung Algeriens durch französische Siedler, die mit einheimischen Arbeitskräften große landwirtschaftliche Güter anlegten. Als Zeichen des dauerhaften Besitzanspruches erklärte schon die Verfassuung von 1848 Algerien zum "französischen Territorium", also zu einem Teil des Mutterlandes. Nach dem für Frankreich verlorenen deutsch-französischen Krieg setzte mit etwa 500.000 Elsässern und Lothringern eine neue Welle der Kolonisierung ein. Zwischen 1880 und 1920 brachten die Franzosen durch mehrere militärische Expeditionen die gesamte algerische Sahara gegen den Widerstand der Tuareg unter ihre Kontrolle. Die Zahl der Europäer in Algerien wuchs durch immer neue Einwanderer an, bis sie in den 1930er Jahren etwa eine Million erreichte, von der aber nur die Hälfte französischer Herkunft waren.
Für die Europäer kam der Beginn des Aufstands vom 1. November 1954 insofern unerwartet, als ein Nationalbewusstsein unter den Einheimischen nicht so verbreitet war wie in den Protektoraten Marokko und Tunesien. Nachdem die Franzosen zuvor gegenüber den politischen Forderungen der Nationalisten zu keinen Zugeständnissen bereit gewesen waren, reagierten sie auf die Attentate der nationalen Befreiungsbewegung FLN mit brutalsten Einsätzen von Polizei und Armee. Charles de Gaulle (1890-1970), der im Mai 1958 mit der Unterstützung der Algerienfranzosen in Frankreich an die Macht gekommen war, musste bald erkennen, dass der Konflikt nur politisch zu lösen war. Daher verhandelte er mit der FLN. In der letzten Phase des Krieges spielte die französische Armee kaum mehr eine Rolle, während die terroristische "Geheimarmee" OAS der europäischen Siedler versuchte, durch Zerstörungen und Attentate einen Trümmerhaufen und ein politisches Chaos zu hinterlassen. Nach dem Unabhängigkeitsabkommen von Evian im März 1962 verließen die Franzosen innerhalb weniger Wochen das Land, das dann Anfang Juli 1962 die Unabhängigkeit erlangte. |
Der Wiederaufbau Algeriens wurde durch den Mangel an Fachleuten in allen Bereichen und durch politische Machtkämpfe behindert. Erst nach 1965, als Houari Boumedienne (1925 bis 1978) durch einen Staatsstreich den bisherigen Staatschef Ahmed Ben Bella (* 1919 oder 1916) gestürzt hatte, konnte die nunmehr als Einheitspartei auftretende FLN ihre Herrschaft stabilisieren, lockerte ihr Machtmonopol jedoch in der Folgezeit. Durch die Einnahmen aus der Erdölförderung gelangte das Land gleichzeitig zu einem bescheidenen Wohlstand.

Der Staat
Seit der Unabhängigkeit 1962 lautet die offizielle Staatsbezeichnung des Maghreb-Landes "Demokratische Volksrepublik Algerien". Der damalige Staatschef Ben Bella setzte eine sozialistische Politik unter deutlicher Hinwendung zur Sowjetunion durch, ohne jedoch die wirtschaftlichen Beziehungen zu Frankreich aufzukündigen.
Nach dem Amtsantritt des Staatspräsidenten Bendjedid Chadli (* 1929) im Jahre 1979 setzte sich zunächst ein politisch und wirtschaftlich pragmatischer Kurs durch. Wie frei die Wahlen in diesem Rahmen waren, zeigte sich etwa darin, dass Chadli bei seiner Wahl und seiner Wiederwahl 1984 bzw. 1988 zwar der einzige Kandidat war, aber nicht mit einem Ergebnis von 99,9% wie anderswo, sondern mit 81,2% (1988) der Stimmen gewählt wurde. Die Regierungszeit Chadlis wurde allerdings zunehmend überschattet durch gewalttätige Konflikte mit islamischen Fundamentalisten, politisch organisiert in der Islamischen Heilsfront (FIS). Der aufgrund einer Wirtschaftskrise allgemein sinkende Lebensstandard und Bestrebungen der Regierung das Land zum Westen hin zu öffnen, förderten eine Zuspitzung der politischen Auseinandersetzungen. Als die FIS 1991 den ersten Gang der Parlamentswahlen gewann, übernahm ein vom Militär beherrschter Oberster Staatsrat die Macht, verhängte den Ausnahmezustand und verbot die FIS. Die Islamisten bekämpften das Regime nun mit Terrorakten aus dem Untergrund. Eine Gewaltspirale setzte sich in Gang, die bis 2000 über 50.000 Todesopfer forderte. Zwar billigte die Bevölkerung 1996 eine Verfassungsreform, auf deren Grundlage 1997 Parlamentswahlen stattfanden - eine Stabilisierung der innenpolitischen Lage konnte damit aber nicht erreicht werden. Siehe auch: Reise- und Sicherheitshinweise. |
Im Januar 2007 gab die 1998 gegründete "Salafistische Gruppe für Verkündigung und Kampf" (GSPC) die Gründung der "Al Qaida im islamischen Maghreb" bekannt - ein Zusammenschluss von Terrorgruppen [die libysche Islamische Kampftruppe (GICL), die Islamistische Kampftruppe aus Tunesien (GICT) sowie die Islamistische Gruppe Marokkanischer Kämpfer (GICM)] unter dem Mantel von Al Qaida. Dieser neue Dachverband übernahm die Verantwortung für eine Reihe von Terroranschlägen. Die internationale Gemeinschaft ist alarmiert und befürchtet eine Revitalisierung von Al Qaida im Maghreb.
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Auf die gestiegene Zahl der Terroranschläge reagierte die Staatsmacht bisher mit verschiedenen Angriffen gegen Stellungen der Terroristen. Ende April 2007 wurde bei Gefechten mit der Armee in Si Mustarpha östlich von Algier die Nummer zwei der GSPC, Samir Saioud alias Samir Moussab, getötet. Wenige Tage vor den Parlamentswahlen im Mai 2007 verstärkten die Streitkräfte ihre Offensive, töteten bei Tebessa nahe der tunesischen Grenze und bei Tizi Ouzou und Boumerdes, östlich von Algier, bis zu 20 mutmaßliche Teroristen und zerstörten ein Lager zur Ausbildung von Irakkämpfern.
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Das LandAlgeriens Staatsgebiet erstreckt sich vom dicht bevölkerten, fruchtbaren nördlichen Teil an der Mittelmeerküste bis zur menschenleeren, öden Wüste der Sahara, die nahezu 90% der Fläche ausmacht. Sowohl der Norden als auch der Süden gliedert sich in sehr verschiedenartige Landschaften und Lebensräume. |
Der Norden Algeriens ist durch die beiden in westöstlicher Richtung verlaufenden Ketten des Atlasgebirges, zwischen denen große Hochebenen liegen, gegliedert. Die Gebirge des Tellatlas reichen größtenteils bis ans Mittelmeer, steigen über der Küste oft steil an und erreichen im Jurjurah-Massiv in der Großen Kabylei mit über 2300 m die größte Höhe. Dazwischen liegen die fruchtbaren, dichtbesiedelten Küstenebenen, in denen sich auch die großen Städte Oran (Wahran) und Annaba (Annabah) befinden. Die Hauptstadt Algier (Al-Jaza'ir) ist allerdings durch die Küstenberge bedrängt. |
Die Hochebene der Schotts, wie das Gebiet der Salzseen zwischen dem Teil- und Saharaatlas genannt wird, bietet ein ganz anderes Bild: durch die flache Landschaft und die spärliche Steppenvegetation wirkt sie karg und eintönig. Von den Gebirgszügen des Saharaatlas ist das Aures-Massiv im Osten mit seinen wilden Schluchten und Zedernwäldern das landschaftlich schönste und touristisch interessanteste Gebiet. Ebenso wie in den hohen Bergen Marokkos ist hier sogar Wintersport möglich.
Der nördliche Teil der algerischen Sahara ist der Bereich der großen Oasen. Als wichtigste seien hier die Oasen des Souf im Nordosten, Ghardaia (Ghardayah), El Golea (Al-Guliah), wo über 100.000 Dattelpalmen stehen, und In Salah (Ayn Salih), der "Hitzepol" der Sahara, sowie die Oasen im Bereich des Oued Saoura (Wadi as-Sawrah) genannt. Die Wüste zwischen diesen Oasen besteht vor allem aus Steinwüste wie dem absolut ebenen Plateau von Tademait und aus den Sandmeeren des Westlichen und Östlichen Großen Erg. |  |
Ebenso menschenleer wie diese Wüstengebiete ist auch der Südwesten des Landes mit der Ebene von Tanezrouft. Die Gebirgsmassive des Hoggar (AI Hajjar, Ahaggar) und Tassili sind aufgrund der gelegentlich fallenden Niederschläge nicht so lebensfeindlich wie die Ebenen. Daher findet man in den höchsten Gebirgsregionen noch eine erstaunliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren, die auch die Lebensgrundlage der letzten Tuareg-Nomaden darstellen.
Der ungleichen Verteilung der Niederschläge und der Vegetation in Algerien entspricht auch die Besiedlung des Landes. |
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Die Bevölkerung
Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte von etwa 13 Einwohnern pro km² ist nur ein statistisch interessanter Wert, da es einerseits ausgedehnte unbesiedelte Wüsten und andererseits großstädtische Ballungsgebiete gibt.
Zur höchsten Bevölkerungskonzentration kommt es im Verwaltungsbezirk Algier mit fast vier Millionen Einwohnern auf ca. 800 km². Die Situation in den Ballungsgebieten bezüglich des Wohnungs- und Arbeitsplatzangebots wird durch das starke Bevölkerungswachstum immer prekärer. Algerien hat nämlich, bedingt durch ein gutes Gesundheitswesen und durch eine fehlende Familienplanung, eine überdurchschnittlich junge Bevölkerung. 37% der Einwohner sind unter fünfzehn Jahre alt.
Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung ist schwer festzustellen, da sich seit dem frühen Mittelalter eingewanderte Araber und ansässige Berber vermischt haben und letztere zum Teil ihre Sprache und damit das deutlichste Unterscheidungsmerkmal aufgegeben haben. Die Berber unterscheiden sich aber auch durch ihre Kultur und ihre Gesellschaftsstruktur mit kleinen, autonomen Dorfgemeinschaften. Rund 30% der Bevölkerung gelten heute als Berber. Sie setzen sich vornehmlich aus den Bevölkerungsgruppen der Kabylen in der Kabylei, der halbnomadischen Chaouia im Aurès-Gebirge, der streng religiösen Mozabiten in Ghardaïa und der wenig zahlreichen, aber legendären Tuareg zusammen.
Seit der Unabhängigkeit leben nur noch wenige Europäer im Land, die meisten von ihnen als Entwicklungshelfer oder technische Experten. Die algerischen Juden wanderten größtenteils nach Frankreich und Israel aus.
Bis auf kleine Minderheiten gehören die Algerier heute dem sunnitischen Islam an, der auch als Staatsreligion in der Verfassung verankert ist. Unter den Berbern sind noch religiöse Elemente wie Marabutismus (Heiligenverehrung) verbreitet. Die Tuareg tragen Amulette als Schutz für die verschiedensten Zwecke; sie akzeptieren und praktizieren auch nicht alle Regeln des Islam. |
Die sprachliche Situation in Algerien ist kompliziert, so dass der größte Teil der Bevölkerung zwei- oder dreisprachig ist. Die Umgangssprache der meisten Algerier ist ein von berberischen und französischen Elementen durchsetzter Dialekt des Arabischen, der sich von der arabischen Schriftsprache merklich unterscheidet. Daneben wird als Verkehrssprache nach wie vor Französisch gebraucht, und die Berber sprechen zum Teil noch ihre Dialekte. Seit den 1970er Jahren wird das öffentliche Leben zunehmend arabisiert, indem zum Beispiel von zweisprachigen Inschriften die französische entfernt wird. Diese Maßnahmen richten sich zunächst gegen das Französische, aber auch gegen die Dialekte der Berber, die seit einiger Zeit ihre Kultur gegen die von den Franzosen übernommene zentralistische Politik des algerischen Staates verteidigen.
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Entwicklungen ab 2007
»[...] Die zunehmende Gewalt der islamistischen Terrororganisation Groupe Salafiste pour la Prédication et le Combat (GSPC), die sich im Laufe des Berichtszeitraums (2007/08; Anm.muz-online.de) Al-Qaida anschloss, ließ das Land nicht zur Ruhe kommen. Das von Präsident Abdelasis Bouteflika 2005 erlassene Amnestiegesetz zeigte nicht den erhofften Erfolg, nur wenige Salafisten machten von dem Angebot Gebrauch, den bewaffneten Kampf gegen Straffreiheit aufzugeben. Mit Verhaftungen und der Verhängung von Todesurteilen verschärfte die Regierung ihr Vorgehen gegen die Islamisten. Aus den Parlamentswahlen am 17.5.2007 ging das Parteienbündnis von Präsident Bouteflika als Sieger hervor, die geringe Wahlbeteilung wurde aber als Zeichen der Enttäuschung und Resignation der Bevölkerung angesichts der nicht enden wollenden Gewalt und der trotz Ölreichtum grassierenden Armut im Land gewertet.[...]«
Zitat: Fischer Weltalmanach 2008, S.52.
»[...] Angesichts der anhaltenden Terrorgewalt muss die Politik der Versöhnung von Präsident Abdelasis Bouteflika (...) als gescheitert angesehen werden. Auch die mit dem neuen Regierungschef Ahmed Ouyahia verbundenen Hoffnungen auf spürbare Auswirkungen der Wirtschaftsreformen erfüllten sich nicht. Unterdessen festigte Bouteflika seine Macht durch eine umstrittene Verfassungsänderung. [...]
Wirtschaftsbeziehungen: Unmittelbar nach Gründung der Mittelmeerunion (offizieller Name "Union für das Mittelmeer", gegründet am 13. Juli 2008 in Paris; Anm. muz-online.de) traf am 16.7.2008 Bundeskanzlerin Angela Merkel, begleitet von einer Wirtschaftsdelegation, zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Algier ein. Neben Verhandlungen über den Kauf von Rüstungsgütern im Wert von 5 Mrd. € ging es in den Gesprächen v .a. auch um eine Partnerschaft beider Länder im Erdöl- und Erdgassektor. Da Algerien für die EU-Staaten wegen seiner großen Erdöl- und Erdgasvorräte zunehmend attraktiv wird, wurden die bereits bestehenden Mittelmeer-Erdgaspipelines "TransMed" (algerische Sahara-Tunesien-Sizilien) und "Maghreb-Europa" (Algerien-Meerenge von Gibraltar-Südspanien) von 24 auf 33 Mrd. bzw. von 9 auf 12 Mrd. m³ Leitungsvermögen aufgestockt. Zudem wurde am 23.12.2008 die Verlegung der mit EU-Beteiligung gebauten Medgaz-Pipeline, die Algerien mit Spanien verbindet (Beni Saf-Almería), abgeschlossen.
Auswirkungen der Finanzkrise: Rekordeinnahmen aus den Erdöl- und Erdgasexporten 2008 (76 Mrd. US-$ gegenüber 59 Mrd. 2007) sowie große Devisenreserven in Höhe von 135 Mrd. US-$ machten die Wirtschaft weitgehend unempfindlich gegenüber der negativen internationalen Konjunkturentwicklung. Auch der Bankensektor blieb wegen seiner Isolation von den internationalen Finanzmärkten stabil. Allerdings mussten wegen des anhaltend niedrigen Erdölpreises - im Mai 2009 sank der Preis für ein Barrel Brent zeitweise unter 60 US-$ - eine Reihe von Großprojekten in der Erdgasförderung und der Petrochemie zurückgestellt werden. Premierminister Ouyahia hatte bei seinem Amtsantritt Ende Juli 2008 ein Niveau von mindestens 60 US-$/Barrel als Voraussetzung für eine Fortführung des 2005 eingeleiteten Infrastrukturprogramms in Höhe von 200 Mrd. US-$ genannt. [...]«
Zitat: Fischer Weltalmanach 2010, S. 81 f.
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Tunesien im Januar 2011:
Proteste gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit und extrem gestiegene Lebensmittelpreise
Auslöser für die Proteste in Tunesien gegen die hohe Arbeitslosigkeit (ca. 30% der jungen Leute sind ohne Arbeit) und die teils bis zu 50% gestiegenen Lebensmittelpreise war die Selbstverbrennung des 26-Jährigen Mohammed Bouazizi Mitte Dezember in Sidi Bouzid. Mohammed, mit Abitur und ohne Arbeit, verdiente sich etwas Geld mit einem kleinen Gemüsehandel, für den er jedoch keinen Gewerbeschein hatte. Anfang Januar erlag er seinen Verletzungen. Mohammed, der bei seiner Selbstverbrennung geschrien haben soll "Schluss mit der Armut! Schluss mit der Arbeitslosigkeit!" wurde am 5. Januar von etwa 5000 Menschen zu Grabe getragen. Bei der anschließenden Demonstration ging die Polizei mit Härte vor und erschoss zwei Menschen. Daraufhin breiteten sich die Proteste im ganzen Land aus. Mohammed ist in der arabischen Welt zur Symbolfigur für den Aufstand der Benachteiligten gegen eine korrupte politische Klasse geworden.
Siehe auch www.20min.ch, Selbstverbrennung. Protestform findet Nachahmer, 22. Januar 2011: Seit der Selbstverbrennung von Mohammed Bouazizi haben sich mindestens 15 weitere Menschen in verschiedenen Länder selbst angezündet.
»Weltweit steigende Lebensmittelpreise. Hungerrevolten sind programmiert.
Spekulanten an den Terminbörsen treiben aus purer Profitgier die Nahrungsmittelpreise künstlich in die Höhe. Die Folge: Essen wird vor allem für die Ärmsten auf der Welt nahezu unerschwinglich. Und auch die UNO warnt angesichts der weltweit steigenden Preise vor neuen Hungerrevolten. Wie Milliarden Menschen leiden, wenn Lebensmittel teurer werden, zeigt Ihnen n-tv am Beispiel von Haiti.«
Zitat: www.n-tv.de, Mediathek, 23. Januar 2011
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Armut trotz Reichtum.
Hohe Arbeitslosigkeit und extrem gestiegene Lebensmittelpreise lösen eine Protestwelle im ganzen Land aus.
»Am Mittwoch (5. Januar 2011; Anm. muz-online.de) gab es in Algerien in verschiedenen Stadtteilen von Algier wütende Proteste von Anwohnern gegen rapide steigende Lebensmittelpreise. So stieg der Zucker- und Ölpreis innerhalb von 2 Wochen zwischen 10 und 50 Prozent an. Jugendliche zündeten Mülltonnen an, blockierten Straßen, bewarfen die Polizei mit Steinen und riefen Parolen gegen die Regierung. Die Demonstranten beklagen auch fehlendes Trinkwasser, Stromabschaltungen und dass es viel zu wenig anständige Wohnungen gibt.«
Zitat: www.rf-news.de, 6. Januar 2011
Siehe auch www.podcast.de, Proteste, Tote, Verletzte, 9. Januar 2011: »[...] Zwei oder drei Menschen sollen in Algerien bei den Protesten gegen die plötzlich angehobenen Lebensmittelpreise ums Leben gekommen sein; die Zahl der Verletzten wird mit etwa vierhundert angegeben. [...] Seit Januar hat es bei den Lebenshaltungskosten in Algerien einen Sprung nach oben um etwa 25 Prozent gegeben; Mehl, Zucker oder Öl wurden sogar auf einen Schlag doppelt so teuer wie bisher. [...]«
»[...] Algerien: Nichts mehr zu verlieren.
Obwohl das Land seit 2000 über 600 Milliarden Dollar durch seine Öl- und Gas-Exporte eingenommen hat, leben ganze Landesteile und fast eine Generation in Armut. Wenn man sich die Gesichter der Demonstranten auf den Straßen der algerischen Städte ansieht, fällt ganz besonders auf, wie jung sie sind.
Das Durchschnittsalter in diesem nordafrikanischen Land beträgt 27 Jahre, denn über 70 Prozent der Bevölkerung sind unter 30. Vor diesem Hintergrund erscheint es kaum überraschend, dass die Mehrheit derer, die gegen galoppierende Lebensmittelpreise und Massenarbeitslosigkeit auf die Straße geht, kaum dem Teenageralter entwachsen ist. [...]
Die Lage hat sich verschärft, seit vor Tagen der 18-jährige Azzedine Lebza zum ersten Todesopfer des Aufruhrs wurde. Es geschah in Ain Lahdjel, 250 Meilen südöstlich von Algier, als der Junge durch den Schuss eines Polizisten getroffen wurde. Noch am selben Tag folgte der 32-jährige Akriche Abdel-Fattah in Bou Smail.
Anstatt Ursachen der Wut zur Kenntnis zu nehmen, die die Menschen auf die Straße treibt, sucht Bouteflika nach einer schnellen Lösung der Krise, indem er Steuern und Importzölle kürzt. Angesichts des gescheiterten Bildungssystems, des Mangels an Arbeitsplätzen, an staatlicher Infrastruktur und an bezahlbarem Wohnraum sehen viele keinen Ausweg mehr.
Trotz der reichlichen Öl- und Gasvorräte des Landes, Algerien hat während Bouteflikas zwölfjähriger Amtszeit mehr als 600 Milliarden Dollar eingenommen, vergehen ganze Landesteile in Armut. Es gibt viele Slums am Rand großer Städte wie Algier. Deshalb versuchen jedes Jahr Tausende junger Leute das Land zu verlassen, die meisten besteigen kleine Fischerboote, um nach Spanien, Frankreich oder Italien zu gelangen. Dort hoffen sie darauf, arbeiten und Geld nachhause schicken zu können. So ist der Begriff "harragas" entstanden, was wörtlich "die, die [Grenzen] niederbrennen" bedeutet. Wenn sie in Europa ankommen, verbrennen die Flüchtlinge ihre Papiere, um ein neues Leben anzufangen. [...]«
Zitiert aus: www.freitag.de, Nabila Ramdani (Autorin), 11. Januar 2011
»Armut trotz Erdölreichtum
[...] Von seinen 34 Millionen Mitbürgern befinden sich rund 950 000 Menschen im Ausland, die meisten in Frankreich. Das sagen jedenfalls die offiziellen Statistiken, denn die "jungen Männer denken nur an illegale Auswanderung", berichtet der Oppositionspolitiker Ali Fawzi Rebaine der Zeit. [...] Keine Arbeitsplätze trotz immenser Erdgasvorräte. [...] Die enorme Flucht ins Ausland scheint erstaunlich, denn das nordafrikanische Algerien gehört mit zu den reichsten Ländern des afrikanischen Kontinents. [...] Doch Algeriens Wirtschaft ist fast völlig vom Energiesektor abhängig, der von der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Sonatrach beherrscht wird. Im Jahr 2008 entfielen 98,5 % der Warenexporterlöse auf den Energiesektor. Außerhalb der Erdöl- und Erdgasförderung gibt es allerdings nur Jobs im Agrarsektor und die sind rar. Eine Arbeitslosenquote, die von Diplomaten auf bis zu 30 Prozent geschätzt wird, lässt Millionen junger Menschen ohne Perspektive. Jeder vierte Algerier ist Analphabet. Hinzu kommt die akute Wohnungsnot. Auch Nahrungsmittel sind teuer und knapp, denn Algerien muss den Großteil seiner Grundnahrungsmittel importieren.
Europa hofiert algerische Militärdiktatur
Für ausländische Investoren lässt sich jedoch mit und in Algerien viel Geld verdienen: Schon jetzt ist Deutschland der viertgrößte Nahrungsmittelimporteur Algeriens. Russland versorgt die Militärs hinter dem „ewigen Präsidenten“ Bouteflika mit Waffen. Weltweit ist das Land viertgrößter Erdgas- und elfgrößter Ölproduzent und deshalb vom Westen umworben. [...]«
Zitiert aus: energieverbraucherportal.de
»[...] Demonstranten in Algerien brechen Versammlungsverbot. Auch in Algerien kam es am Samstag (22. Januar 2011; Anm. muz-online.de) zu Protesten. Mit Schlagstöcken und Schildern gingen dabei Polizisten in der Hauptstadt Algier gegen Demonstranten vor. Trotz des Versammlungsverbots hatten sie sich vor dem geplanten Auftakt eines Protestmarsches in der Zentrale der Oppositionspartei versammelt.
Vor Beginn der Veranstaltung umstellte die Polizei das Gelände und versperrte den Eingang des Gebäudes. Wer es verlassen wollte, wurde mit Stockschlägen empfangen. 42 Menschen wurden nach Angaben der Oppositionspartei Versammlung für die Kultur und die Demokratie (RCD) verletzt in Krankenhäuser gebracht. [...] Die Demonstranten forderten in Sprechchören den Rücktritt von Präsident Abdelaziz Bouteflika. [...] Die Organisatoren der geplanten Demonstration hatten an einem Balkon die tunesische direkt neben die algerische Flagge gehängt. [...]«
Zitiert aus: www.bernerzeitung.ch, 42 Verletzte bei Protesten in Algerien, 22. Januar 2011
Algerien hebt den seit 1992 geltenden Ausnahmezustand auf.
Nach fortdauernden Protesten kommt Algeriens Führung nun »[...] einer der Hauptforderungen der Regimegegner nach: Nach 19 Jahren wird der Ausnahmezustand aufgehoben, der dem Staat weitgehende Eingriffe in politische Rechte ermöglichte. [...]«[1] Der Ausnahmezustand »[...] war wegen des Kampfs gegen islamische Extremisten verhängt worden. Das algerische Kabinett beschloss die Aufhebung am Dienstag. Die amtliche Nachrichtenagentur APS meldete, die Regelung sei im Gesetzblatt veröffentlicht worden. Damit trat die Änderung in Kraft.[...]«[2]
Präsident Bouteflika hat unterdessen angekündigt, dass er aus gesundheitlichen Problemen für keine weitere Amtszeit mehr zur Verfügung stehe.
Zitat[1]: diepresse.com, Algerien hebt Ausnahmezustand auf, 22.02.2011
Zitat[2]: www.faz.net, Ausnahmezustand offiziell aufgehoben, 24.02.2011
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