Willkommen in Botsuana (Botswana)

[Afrikas Aufsteiger] [Botsuanans Erfolgsrezept] [Die Schulausbildung] [Landesprobleme]
[Botsuana - die Schweiz von Afrika] [Die Bevölkerung] [Entwicklungen]
[Literatur] [www-Links]


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Hauptstadt: Gaborone
Fläche: 581.730 km²
Landesnatur: Größter Teil zentrales Becken der Kalahari, im NO Salzpfannen, im NW Binnendelta des Okavango
Klima: Subtropisches Klima mit nur geringem Niederschlag im Sommer
Hauptflüsse: Okavango, Limpopo
Höchster Punkt: Otse Mountain 1489 m
Tiefster Punkt: 513 m nahe der Flüsse Shashe und Limpopo
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 11 Distrikte
Parlament: Nationalversammlung bestehend aus 40 für 5 Jahre gewählten Mitgliedern und beratendes "House of Chiefs" (15 Mitglieder)
Einwohner: 1.597.000 (1999); 1.640.115 (geschätzt Juli 2005); neben denen, die zu der Sotho-Tswana Gruppe (Bantu-Familie) gehören, gibt es ca. 50.000 Buschmänner, 35.000 Hereros, ca. 12.000 Nichtafrikaner, darunter ca. 4.000 Europäer
Bevölkerungsdichte: 3 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 46% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 41% (1999)
Analphabetenquote: 26% (1999)
Sprache: Setswana, Englisch
Religion: Christen ca. 50%, Anhänger von traditionellen Religionen 49%, Moslems
Exportgüter: Bergbauprodukte (Diamanten, Gold, Mangan, Kohle, Nickel, Kupfer), Fleisch, Viehzuchtprodukte
Importgüter: Nahrungsmittel, Getränke, Tabak, Maschinen, elektronische Ausrüstungen, Textilien, Schuhe, mineralische Brennstoffe, Fahrzeuge, Transportausrüstungen, Metalle und Metallwaren, chemische Erzeugnisse


In der vorkolonialen Zeit lebte die Bevölkerung in den traditionellen Großdörfern der Stammeskönigreiche der Tswana. Die gesellschaftliche Ordnung basierte auf Sklavenhalterschaft und auf Tributleistungen. Um 1850 begann die koloniale Durchdringung: 1885 bezogen die Briten das Gebiet in ihren südafrikanischen Herrschaftsbereich ein. Von 1910-1966 verwaltete Großbritannien Botsuana als Protektorat. Heute ist der Staat eine Präsidialrepublik mit einem Mehrparteiensystem. Trotz der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Südafrika schloss sich Botsuana der Gruppe der Frontstaaten an, die die Apartheid bekämpften. Präsident ist seit 1998 Festus Mogae (* 1939).

Afrikas Aufsteiger

Botsuana wird heute gern als die Schweiz Afrikas dargestellt. Und tatsächlich ist Botsuana eine afrikanische Erfolgsstory. Botsuana verfügt auf internationaler Ebene über eine Kreditwürdigkeit, wie sie nur eine Hand voll afrikanischer Länder vorweisen kann. Nach internationalen Maßstäben steht es auf der gleichen Stufe wie Griechenland und Israel. Das Bruttoinlandsprodukt wächst real jährlich um 6 Prozent. Fast 75 Prozent der Bevölkerung können lesen und schreiben. Die staatlichen Schulen sind kostenlos.

Jeder Bürger findet in einem Umkreis von höchstens etwa 30 Kilometern medizinische Versorgung. Und die Demokratie ist mustergültig: Sie war seit der Unabhängigkeit 1966 dauerhaft stabil, es gibt mehrere Parteien, und sie gilt als zuverlässiger und internationalen Erhebungen zufolge durchsichtiger als beispielsweise Italien.
Eine Antwort auf Botswanas Erfolg ist der Diamantenabbau in der Kalahari-Wüste. Und tatsächlich ist die Grube Iwaneng die ertragreichste Diamantenmine der Erde.
Als drittgrößter Diamanten-Produzent der Erde fördert Botsuana jährlich fast ein Drittel aller produzierten Diamanten auf der Welt - ein Geschäft von rund 8,5 Milliarden Euro Umsatz. Die Fördermenge ist fast eineinhalbmal so hoch wie beim schärfsten Konkurrenten Russland und zweieinhalbmal so hoch wie in Südafrika.

Diese Einkünfte decken ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts. Sie bescheren dem Land 80 Prozent seiner Auslandseinkünfte und füllen zu 50 Prozent die Staatskasse. Unter diesen Umständen könnte man Botsuana leicht als ein ganz normales Land ansehen, das einen Glückstreffer gelandet hat. Glück war durchaus mit dabei: Als Botsuana 1966 unabhängig wurde, ein Jahr vor der Entdeckung des ersten Diamantenlagers, war es eines der ärmsten Länder der Welt. Auf einer Fläche von der Größe Frankreichs gab es nur acht Kilometer geteerte Straße.
Aber ist das die ganze Erklärung? Angola, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria oder Sierra Leone verfügen über ebenso bedeutende Mineralvorkommen. Warum sind sie weniger erfolgreich? Nicht die Ressourcen allein machen den Unterschied aus, sondern die Art und Weise, wie Botsuana Nutzen daraus gezogen hat.
"Viele Länder haben ihre Naturschätze nicht effizient genug genutzt", sagt Präsident Mogae. "Bei uns würden sich Fehler schlimmer rächen als anderswo. Bei uns grassieren Dürren. Unser Land erzeugt zu wenig Lebensmittel. Und unsere Diamanten sind ein begrenztes Wirtschaftsgut." Unter diesen Umständen schien die Zusammenarbeit mit Unternehmen wie dem Diamantenkonzern De Beers nur konsequent.
Und sie war erfolgreich. Die Diamanten werden von einer Firma namens Debswana gefördert: Sie gehört zur einen Hälfte De Beers, zur anderen dem Staat Botsuana. Nach der Übernahme von De Beers durch ein Konsortium, dem unter anderem die internationale Bergbaugesellschaft Anglo-American angehört, ist Debswana jetzt mit 10 Prozent an der neuen Firma beteiligt. Und es hat einen beachtlichen Anteil am weltweiten Diamantenhandel.
Das Kapital, das dadurch ins Land fließt, wäre wenig wert, würde es in sinnlose Großprojekte gepumpt oder auf die Schweizer Nummernkonten einiger Minister geschleust, wie dies in anderen Teilen Afrikas öfter geschah. Doch in Botsuana läuft es anders.

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Botsuanans Erfolgsrezept

Das Patenrezept für eine erfolgreiche Wirtschaft besteht darin, so der Finanzminister Baledzi Gaolathe, "dass man seine Herkunft im Auge behält: bescheiden bleiben im Handeln, Prioritäten setzen". Oberste Priorität in Botsuana liegt für ihn im Ausbau der Infrastruktur - und darin, der Wirtschaft genügend Standbeine zu verschaffen, sodass sie auch dann noch funktioniert, wenn die Diamanten einmal abgeräumt sind.
Als Binnenstaat mit nur etwa 1,7 Millionen Menschen sind Botsuanas Möglichkeiten beschränkt. Die größte Einnahmequelle nach den Diamanten ist Rindfleisch. Die Rinderwirtschaft, überwiegend von Großgrundbesitzern betrieben, bildet die Grundlage des Agrarsektors. In den riesigen Schlachthöfen Botsuanas wird mit modernsten Methoden für die europäischen und amerikanischen Abnehmer produziert. Wegen der großen Wüstenflächen gibt es jedoch wenig Möglichkeiten zur Produktionssteigerung.
Stattdessen setzt Botsuana auf den Aufbau einer Tourismus-Industrie: Dies ist auch sinnvoll, denn es verfügt über einige der bestgepflegten und sichersten Wildreservate Afrikas, darunter das Okawango-Delta und der Chobe-Nationalpark, Lebensraum für 45.000 Elefanten.
Ausländische Investoren werden mit niedrigen Steuern - die Körperschaftssteuer liegt bei gerade einmal 15 Prozent - angelockt. So will man sich als internationaler Finanzplatz positionieren. Die Politiker in Botsuana lassen sich da einiges einfallen.

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Die Schulbildung

Ein Beispiel sind die Schulen des Landes. In den besten - so in der Broadhurst Primary School in Gaborone - lernen adrett gekleidete und höfliche Sprösslinge von Ausländern und ambitionierten Einheimischen in klimatisierten Klassenräumen und reden den Besucher mit "Sir" an. Diese Schulen sind gebührenpflichtig und werden von der Minenindustrie mitfinanziert. Aber auch staatliche Schulen halten hohe Standards ein.
Mit 16 Jahren legen die Schüler eine Prüfung ab. Sie entscheidet über einen anschließenden Besuch einer der erstrangigen High Schools des Landes. Die sind hervorragend ausgestattet und haben Lehrer, die im Ausland ausgebildet wurden. Die anderen gehen auf einfachere, berufsorientierte Schulen. Und den hellsten Köpfen finanziert der Staat Botsuana das Studium an einer ausländischen Universität, einschließlich eines jährlichen Heimatflugs. Obwohl das Schulsystem keineswegs perfekt ist, gibt das Land für Bildung mehr Geld pro Kopf aus als die meisten anderen Länder Afrikas.

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Landesprobleme

Ein sehr ernstes Problem teilt Botsuana aber mit anderen afrikanischen Staaten: Etwa 18 Prozent - manche schätzen sogar 35 Prozent - der Bevölkerung sind HIV-positiv. Somit besteht im Land die größte Ansteckungsgefahr mit der Immunschwächekrankheit Aids auf dem afrikanischen Kontinent. Der in Südafrika gebürtige Dr. Jacobus Erasmus, leitender Amtsarzt im Iwaneng Mine Hospital, bewertet diese Einschätzung zwar skeptisch: "Das liegt nur daran, weil es hier genauere Statistiken gibt als in anderen Ländern." Dennoch bleibt Aids eines von Botsuanas drängendsten Problemen. Der Staat führt Verhandlungen, um Medikamente billig einkaufen und kostenlos an Infizierte verteilen zu können.

Das andere Problem von Botsuana sind seine Nachbarn. "Die Lage in Simbabwe wirkt sich auf unseren Tourismus aus", sagt Tshipa Mothibatsela, ein beratender Ingenieur. "Gewalt und Unruhen in einem unserer Nachbarländer stören den Frieden in allen südafrikanischen Ländern, weil die Region als Ganzes gesehen wird." Oder mit den Worten von Präsident Mogae: "Man kann sich seine Freunde aussuchen, nicht aber seine Nachbarn." Mit diesem diplomatischen Grundsatz hat sich Botsuana lange Zeit das politische Überleben gesichert.

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Botsuana - die Schweiz Afrikas

Das einstige britische Protektorat Betschuanaland, wie Botsuana damals hieß, galt als karg. Nur wenige Siedler ließen sich hier nieder. Selbst der britische Gouverneur residierte lieber südlich seiner Grenze.

Die Demokratie musste sich Botsuana jedoch nicht erst von den Briten beibringen lassen. Schon seit Jahrhunderten hatte man demokratisches Verhalten praktiziert, und zwar in Form der kgotla. Das sind regelmäßig stattfindende Stammesversammlungen, auf denen jeder, vom Häuptling bis zum einfachen Dorfbewohner, gleichberechtigt und ohne Angst seine Meinung äußern kann. Und auch heute wird die Redefreiheit groß geschrieben: Die Zeitungen attackieren die Regierung mit einer Heftigkeit, die Journalisten anderswo ins Gefängnis bringen oder noch Schlimmeres heraufbeschwören würde.
Hochgehalten wird bei den Botsuanern auch Loyalität und Gesetzestreue. Bei der Ankunft am Flughafen merkt man das sofort: Auf Plakaten gegen Korruption stehen die Telefonnummern von Stellen, an die man sich in Verdachtsfällen wenden kann. In den meisten afrikanischen Ländern würde man hinter solchen Maßnahmen allenfalls naives Wunschdenken vermuten. Doch in Botsuana meint man es wirklich ernst damit.
Manchmal wünscht man sich sogar fast, die Botsuana wären nicht ganz so perfekt: Denn das übrige Afrika hat - trotz Korruption und manchmal chaotischer Zustände - eine Atmosphäre, die Botsuana fehlt. Hier sind alle höflich, arbeitsam und vernünftig. Kaum ein Autofahrer überschreitet das Tempolimit. Mit seinen Ringstraßen und Glitzerfassaden aus Beton und Glas ist Gaborone wohl eine der am rasantesten wachsenden Hauptstädte der Welt, aber zugleich auch eine der unspektakulärsten.
Botsuana hat mit der Schweiz nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg gemein. Man könnte es vielleicht sogar als das am wenigsten aufregende Land in ganz Afrika bezeichnen, wo es sich aber lohnt zu investieren und wo man als Afrikaner sicherlich gern leben wollte.

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Die Bevölkerung

Der größte Teil Botsuanas ist nahezu unbewohnt. Die ursprüngliche Bevölkerung, die Buschmänner mit heute vielleicht 35.000 Angehörigen, wurde nach und nach in die unwirtlichsten Teile der Kalahari zurückgedrängt. Dies wurde vor allem durch ein Landreformprogramm verursacht, das den "Rinderbaronen" das Recht der Einzäunung und ausschließlichen Nutzung der Wasserlöcher einräumte und damit den Buschmännern ihre traditionelle Lebensgrundlage entzog. Viele arbeiten heute als Hilfskräfte für die Bantubevölkerung.
Die Mehrheit der Bevölkerung lebt im Süden und Osten, wo die klimatischen Verhältnisse eine ausreichende Bodennutzung für die Ernährung garantieren. Die größte Bevölkerungsgruppe sind die Tswana, die sich in acht Stämme gliedern. Diese zu den Bantu gehörende Bevölkerung ist in mehreren Schüben erst im 17. und 19. Jahrhundert zugewandert.

» [...] Sieg der Buschleute vor Gericht: In einem aufsehenerregenden Urteil vom 13.12.2006 entschied der Oberste Gerichtshof Botsuanas in Lobatse, dass die Zwangsumsiedlung der San (Buschleute) von ihren traditionellen Siedlungsgebieten in der Kalahari-Wüste zwischen 1996 und 2002 ungesetzlich und verfassungswidrig gewesen sei. Die Regierung habe die Buschleute "gewaltsam oder versehentlich und gegen ihren Willen" vertrieben. Eine Reihe internationaler Hilfsorganisationen hatte die Buschleute dabei unterstützt, gegen ihre Vertreibung aus dem Naturschutzgebiet der Zentral-Kalahari Rechtsmittel einzulegen. Die Regierung verzichtete am 18.12. auf eine Berufung und akzeptierte damit das Urteil. Obwohl die Regierung die Buschleute nun nicht daran hindern darf, in die Gebiete zurückzukehren, verpflichtete das Gericht die Regierung nicht zur Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen wie Versorgung mit Kliniken und Schulen. Es gilt daher als unwahrscheinlich, dass tatsächlich viele Buschleute in die Gebiete zurückkehren werden. Die meisten der etwa 40.000 San haben bereits vor Jahren ihre traditionelle Lebensweise aufgegeben.
HIV/Aids: Botsuana gehörte weiterhin zu den am schwersten von HIV/Aids betroffenen Ländern der Welt. Unter den 1,765 Mio. Einwohnern des Landes waren 2005 zwischen 270.000 und 350.000 Menschen mit dem Virus infiziert, davon 140.000 Frauen. In der Gruppe der 25- bis 49-jährigen lag die Infektionsrate bei 24,1%. [...] Die durchschnittliche Lebenserwartung fiel zwischen 1990 und 2005 von 64 auf 35 Jahre - trotz der kostenlosen und umfassenden Bereitstellung von antiretroviralen Medikamenten durch die Regierung seit 1997. Die Aufwendungen für die Behandlung von HIV-positiven Menschen und die Betreuung der 120.000 Waisen entsprachen im Jahr 2006 6% des Botsuanischen Bruttoinlandprodukts.«

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.87.

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Entwicklungen

» [...] Aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage nach Rohstoffen expandierte die botsuanische Wirtschaft weiterhin. Neben Diamanten, dem traditionell wichtigsten Exportprodukt, konnte Botsuana vermehrt auch Gold sowie Kupfer und Nickel exportieren. [...] «
Botsuana hatte 2005 ein Wachstum von 6,2% (BIP 2005: 10,317 Mrd. US-$). Die Inflation lag im Jahr 2003 bei 9,2% (12,1% im Mai 2008; Hauptverursacher für den Anstieg sind die gestiegenen Kosten für Erdöleinfuhren).

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.87.

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Literatur

Reader's Digest. James Delingpole, April 2002, S. 111 f.
Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.200 f.



www-Links



Web Travel Guide
Gleichberechtigt in der Kalahari
Bilaterale Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland
Botsuana - Auf einen Blick
Am Ufer eines Okawango Nebenarms und weitere Afrika-Fotos
The Republic Of Botswana - The Government of Botswana Web Site
Botswana Page
CIA -- The World Factbook -- Botswana
Botswana Tourism
Botswana - the people

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