Willkommen in Guinea-Bissau

[Das Land] [Entwicklungen] [www-Links]


Translate this page

Offizieller Name: Republik Guinea-Bissau
Hauptstadt: Bissau
Fläche: 36.125 km²
Landesnatur: Flaches Tiefland
Klima: Tropisches Klima
Hauptflüsse: Cacheu, Geba, Corubal
Höchster Punkt: Etwa 300 m an der Grenze zu Guinea
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 8 Regionen und Hauptstadtdistrikt
Parlament: Nationalversammlung mit 102 für 5 Jahre gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 24. September (Proklamation der Unabhängigkeit; bis 1974 portugiesische Kolonie)
Einwohner: 1.187.000 (1999); 1.503.182 (geschätzt Juli 2008)
Bevölkerungsdichte: 33 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 22% (1999)
Analphabetenquote: 45% (1999)
Sprache: Portugiesisch, Crioulo (kreolisches Portugiesisch); Ful u.a.
Religion: Moslems 50%, Anhänger indigener Religionen 40%, Christen 10%
Importgüter: Konsumgüter, Maschinen, Transportausrüstungen
Exportgüter: Fische u. Krustentiere, Erd- und Kokosnüsse, Palmöl, Baumwolle, Holz

Es gibt Länder in Afrika, von denen die Weltöffentlichkeit nur wenig Notiz nimmt. Der strukturschwache Kleinstaat Guinea-Bissau gehört dazu. Eine Ausnahme bildete die Zeit des zähen Unabhängigkeitskampfes, an dessen Ende das westafrikanische Land als erste portugiesische Kolonie die über fünfhundert Jahre währende Fremdherrschaft beenden konnte.
Guinea-Bissau wurde 1446 von Nuiio Tristäo entdeckt und 1466 zu portugiesischem Besitz erklärt. Es blieb zunächst für die Seefahrer lediglich Anlauf station auf dem Weg nach Süden, bis Anfang des 16. Jahrhunderts die Portugiesen versuchten, den einträglichen transatlantischen Sklavenhandel unter ihre Kontrolle zu bringen. Nach der Abschaffung des Sklavenhandels war die Besitzung - seit 1879 portugiesische Kolonie - für Portugal von untergeordneter Bedeutung, da das Fehlen von Bodenschätzen eine Erschließung nicht lohnenswert erscheinen ließ. Portugal überließ Guinea-Bissau Monopolgesellschaften, die den Anbau von Erdnüssen und ein Steuersystem auf Kosten der einheimischen Bevölkerung durchsetzten.

Mit der Gründung der "Partido Africano da Independência de Guiné e Cabo Verde" (PAIGC) unter Führung von Amilcar Cabral (1924-1973) organisierte sich 1956 der Widerstand gegen dieses System. Als verschärfte koloniale Repressalien die Hoffnung auf eine durch Verhandlungen herbeigeführte Unabhängigkeit zunichte machten, schlug der Widerstand in einen bewaffneten Befreiungskampf um. Es begann einer der blutigsten Kolonialkriege. Auch die Ermordung Amilcar Cabrals, der Symbolfigur einer ganzen Generation afrikanischer Befreiungskämpfer, im Januar 1973 konnte das Streben nach Unabhängigkeit nicht mehr aufhalten. Noch im selben Jahr rief die PAIGC die Republik Guinea-Bissau aus. Nach der Revolution in Portugal 1974 wurde Guinea-Bissau auch offiziell in die Unabhängigkeit entlassen, nachdem die UN-Vollversammlung das Land bereits 1973 als selbständigen Staat anerkannt hatte.
Die bereits durch den Parteinamen zum Ausdruck kommende und beabsichtigte Einheit mit den Kapverdischen Inseln kam nicht zustande.

Die Vorherrschaft der Kapverder in Regierung und Verwaltung führte in Guinea-Bissau 1980 zum Staatsstreich durch Joäo Bernardo Vieira (* 1939), genannt "Nino", gegen Staatspräsident Luis Cabral (* 1931), den Bruder des ermordeten Parteigründers. Die Einheit mit den Kapverdischen Inseln wird seitdem nicht mehr verfolgt.

Probleme der Wirtschaft
Die Portugiesen hatten nach ihrem Abzug ein Land hinterlassen, das in seiner wirtschaftlichen Entwicklung weit hinter den meisten Ländern der Erde zurücklag. Portugal hatte sich stets auf die Kontrolle einiger Städte und Häfen sowie der nötigen Verbindungswege beschränkt, der Erschließung des Hinterlandes schenkte es keinerlei Aufmerksamkeit.
Die Entwicklungsmaßnahmen der ersten Regierung vergrößerten indes den Stadt-Land-Gegensatz, worin sich heute die hauptsächlichen Interessenkonflikte der Gesellschaft widerspiegeln. Daneben führten falsche Investitionsplanung, mangelhafte Koordinierung der Auslandshilfe und Vernachlässigung der Landwirtschaft, die weder die Bevölkerung ausreichend ernähren noch die verarbeitende Industrie beliefern konnte, in eine wirtschaftliche Situation, aus der Vieira das Land nur mittels Liberalisierung und Privatisierung der Wirtschaft retten zu können glaubte.

Da Guinea-Bissau arm an Bodenschätzen ist - die Bauxit- und Phosphatlager werden auf ihre Abbauwürdigkeit überprüft, und die Bohrungen nach vermuteten Erdölvorkommen vor der Küste haben noch zu keinem nennenswerten Ergebnis geführt -, richten sich die wirtschaftspolitischen Maßnahmen in erster Linie auf die Förderung und Modernisierung der Land-und Fischereiwirtschaft. Die Landwirtschaft wird auch heute noch überwiegend mit traditionellen Methoden betrieben. Der Anbau von Mais, Bataten, Maniok, Hirse, Zuckerrohr und Bohnen dient vor allem der Selbstversorgung, während Erdnüsse, Kopra und Palmkerne wichtige Exportprodukte sind.

Hauptanbaugebiet von Reis, dem Grundnahrungsmittel, ist die Küstenregion, jene buchtenreiche Senkungszone, der die flachen, sumpfigen, bewaldeten und dicht bevölkerten Bijagos-Inseln vorgelagert sind. Zwischen diesen Inseln und der Küste breitet sich ein seichtes Wattenmeer aus. Auf den landeinwärts gelegenen, trockeneren Flächen wachsen Ölpalmwälder.

Entwicklungen

» [...] Anfang 2007 geriet das Land in eine innenpolitische Krise. Nachdem am 4.1.2007 der ehemalige Marinechef Mohammed Lamine Sanha vor seinem Haus erschossen worden war, kam es am folgenden Tag zu Unruhen. Aufgebrachte Demonstranten machten die Regierung für die Ermordung des früheren Marinechefs verantwortlich und verwüsteten die noch im Bau befindliche neue Residenz von Staatspräsident João Bernardo Vieira. Sanha galt als Vertrauter von General Ansumane Mané, einem Widersacher Vieiras, der 2000 getötet worden war. Knapp eine Woche nach dem Vorfall suchte der ehemalige Ministerpräsident Carlos Gomes Júnior, der 2005 nach einem Machtkampf mit Vieira entlassen worden war, Zuflucht im UN-Gebäude, nachdem Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde. Gomes hatte zuvor im staatlichen Rundfunk Vieira beschuldigt, in die Ermordung Sanhas verwickelt zu sein. Die Regierung erklärte schließlich, sie verurteile den Mord, und kündigte eine lückenlose Aufklärung an.
Angesichts der zunehmenden innenpolitischen und wirtschaftlichen Instabilität sprach das Parlament am 20.3.2007 mit 54 gegen 28 Stimmen der Regierung von Ministerpräsident Aristides Gomes das Misstrauen aus, worauf dieser am 29.3. seinen Rücktritt erklärte. Nachdem bei Gesprächen mit den Führern der drei größten politischen Parteien ein Pakt für politische Stabilität geschlossen worden war, ernante der Präsident am 9.4. Martinho Ndafa Kabi zum neuen Ministerpräsidenten.
Wirtschaft: Die seit Jahren einseitig auf den Anbau und den Export von Cashewnüssen ausgerichtete Wirtschaft geriet aufgrund einer falschen Preispolitik der Regierung in der zweiten Jahreshälfte 2006 in eine schwere Krise. Die Regierung hatte 2006 den Kilopreis von 250 CFA-Francs auf 350 CFA-Francs (ca. 55 €-Cent) festgesetzt, woraufhin die zumeist indischen Abnehmer sich vom Markt des Landes zurückzogen. Bereits 2005 waren von 110.000 t Nussernte nur 93.000 t verkauft worden. Nachdem die Cashewbauern Ende 2006 erneut auf tausenden Tonnen ihrer Ernte sitzen geblieben waren, einigten sich die Regierung und die Nationale Cashew-Kommission am 24.4.2007 auf einen Kilopreis von 200 CFA. Finanzminister Issuf Sanha versprach, dass der Staat sich in Zukunft aus der Preispolitik heraushalten und die Preisregulierung den Gesetzen des freien Marktes überlassen werde. Der Chef der Cashew-Kommission, Henrique Mendes, erklärte, die Zukunft der Cashew-Industrie läge darin, die Nüsse im Land zu verarbeiten, um ihren Verkaufswert zu steigern. «

Zitiert aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.213.

tagesschau.de, Konflikt in Guinea-Bissau eskaliert, 2.3.2009
Anfang März 2009 eskaliert der ohnehin seit Monaten schwelende Konflikt zwischen Armee und Präsidenten. »[...]Bei einem Anschlag wurde der Armeechef, General Batista Tagme Na Wai, getötet.[...]« Wenig später wurde Präsident João Bernardo Vieira getötet. Zunächst hieß es, dass die Streitkräfte für den Mord an Vieira verantwortlich seien, was jedoch von der Armeeführung bestritten wird.
Guinea-Bissau hat sich zu einem der wichtigsten Drehkreuze der südamerikanischen Drogenmafia entwickelt, »[...]die über Afrika Kokain nach Europa schmuggelt. Viele kolumbianische Drogenbosse besitzen inzwischen bereits Villen in dem kleinen westafrikanischen Land. [...]«

nach oben

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.540 f.



www-Links



Beziehungen zwischen Deutschland und Guinea-Bissau
Official Website of Republic Guinea Bissau
CIA - The World Factbook -- Guinea-Bissau
GUINEA-BISSAU ai Jahresbericht 2005
Languages of Guinea-Bissau

nach oben