Willkommen in Kamerun

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Offizieller Name: Republik Kamerun
Hauptstadt: Yaoundé
Fläche: 475.442 km²
Landesnatur: Küstentiefland, anschließend Hochland von Kamerun, weiter nördlich Hochland von Adamaoua, im N Anteil am Tschadbecken
Klima: Tropisch-feuchtheiß
Hauptflüsse: Sanaga, Benue, Logone
Höchster Punkt: Kamerunberg (Mount Faka) 4095 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 10 Provinzen
Parlament: Nationalversammlung mit 180 für 5 Jahre gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 20. Mai
Einwohner: 15.800.000 (2001); 18.467.692 (geschätzt Juli 2008); über 200 Ethnien: ca. 40% Bantu, 20% Semibantu und Adamawa, sudansprachige Ethnien, Pygmäen, Fulbe, und Hausa; ca. 20.000 Europäer
Bevölkerungsdichte: 38 Ew./km²
Stadtbevölkerung: 49%
Analphabetenquote: 37%
Sprache: 80% Französisch, 20% Englisch, Bantu-Sprachen, Semibantu-Sprachen, Fang, Bamileke, Duala und Ful; Gbaya (Adamawa-Usangi-Sprachen), Weskos (englisch basierte Kreolsprache) u.a.
Religion: Christen 53% (Katholiken 26%), Anhänger indigener Religionen 40%, Moslems 22%
Exportgüter: Erdöl 49%, Kaffee 3%, Kakao- und Kakaoprodukte 11%, Aluminiumoxid 4%, Baumwolle und Textilfasern 5%, Kautschuk, Bananen, Palmkerne und Palmöl, Fleischkonserven


Geschichtlicher Überblick

"Ganz Afrika in einem Dreieck" lautet die zutreffende Tourismus-Werbung des von Äquatornähe über 1200 km nordwärts bis in den Sahel reichenden Kamerun. "Ganz Afrika", weil das in kolonialer Zeit in Dreiecksform zusammengeschnittene Territorium mit rund 200 Stämmen und über 120 Sprachen, mit seiner Fülle an Klima- und Vegetationszonen sowie landschaftlichen Formationen die Vielfalt des afrikanischen Kontinents widerspiegelt.
Für Europa entdeckt wurde das schon lange von verschiedenen Völkern besiedelte Kamerun 1472 von dem portugiesischen Seefahrer Fernando Póo. Beeindruckt vom Krabbenreichtum nannte er den Wuri-Fluss "Rio Camaroes", woraus sich der Name Kamerun entwickelte. Doch das feucht-heiße Klima und die Unzugänglichkeit der sumpfigen Küstenregion hielten sowohl Portugiesen als auch die auf sie folgenden holländischen Händler davon ab, sich dauerhaft in ihr niederzulassen. Für den Handel, zunächst mit Sklaven aus dem Hinterland, bedienten sie sich deshalb der Vermittlung der Küstenstämme, besonders der Dualas.

Deutsche Kolonie wurde Kamerun nur deshalb, weil der kaiserliche Kundschafter Gustav Nachtigal dem in gleicher Mission reisenden britischen Emissär fünf Tage zuvorkam und - während die Europäer noch auf der Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 den Kontinent unter sich aufteilten - einen Schutzvertrag mit den Duala-Häuptlingen unterzeichnete.
Der Versuch der Dualas, ihr Privileg des einträglichen Handels zwischen Küste und Hinterland gegen deutsche Interessen zu verteidigen, war Auslöser für die blutigen Auseinandersetzungen von 1897 bis 1901. Auch die weitere Ausbreitung militärischer und administrativer Kontrolle sowie der Bau von Eisenbahn und Straßen und die Anlage von Plantagen waren nur gewaltsam möglich.
Durch den Sieg der Alliierten im Ersten Weltkrieg wurde Kamerun Frankreich und Grßbritannien als Völkerbundmandat zugeteilt.

Der kleinere Westteil wurde an die benachbarte britische Kolonie Nigeria angegliedert. Frankreich verwaltete seinen Teil als selbständige Einheit, der es 1958 die interne Autonomie und 1960 die Unabhängigkeit gewährte.
Bereits 1948 war die Partei "Union des Populations du Cameroun" (UPC) gegründet worden. Mit ihren Forderungen nach sofortiger Vereinigung beider Landesteile und gemeinsamer Unabhängigkeit war sie bei der Masse der Bevölkerung vor allem im westlichen Teil so populär, dass die Kolonialmacht ihre Veranstaltungen gewaltsam unterdrückte und die UPC 1954 verbot. Die so in den Untergrund gezwungene Bewegung wurde bis nach der Unabhängigkeit mit erheblichem militärischen Einsatz französischer Truppen bekämpft, ihre Führer verfolgt und ermordet.

Kamerun nach der Unabhängigkeit
In der 1961 von den Vereinten Nationen organisierten Volksabstimmung entschied sich der Norden West-Kameruns für den Verbleib bei Nigeria, der Süden hingegen für den Anschluss an den ehemals französischen Hauptteil.
Mit der neuen zentralistischen Verfassung von 1972 wurden das anglophone West-Kamerun und das größere frankophone Kamerun in die bis heute offiziell zweisprachige "Vereinigte Republik Kamerun" umgewandelt.
Der aus dem islamischen Norden stammende konservative Präsident Ahmadou Ahidjo (1922-1989), der seit 1958 das Land regierte, baute mit tatkräftiger französischer Militär-, Geheimdienst- und Verwaltungshilfe einen stark zentralistisch organisierten Staat auf. In dem Maß, in dem sich der Ein-Parteien-Staat zum "Kein-Parteien-Staat" wandelte, sicherten lückenlose Überwachung durch den allgegenwärtigen Geheimdienst, regelmäßige Rotation der Beamten, gezielte Postenvergabe und Einsatz der - in Zeiten des Wachstums - reichlich verfügbaren Finanzmittel das Überleben des von 1960 bis 1982 in Afrika einmaligen Überwachungsstaates.
1982 übergab Ahidjo die Macht überraschend an seinen aus dem Süden des Landes stammenden Premier Paul Biya (* 1933). Der auf französischen Eliteschulen ausgebildete katholische Technokrat setzte zwar die eindeutig pro-westliche Außenpolitik seines Vorgängers fort, baute jedoch die politische Vormachtstellung des Nordens in Regierung, Verwaltung, Militär und Geheimdienst rasch ab und leitete unter dem Druck blutiger Unruhen eine zögerliche politische Liberalisierung ein. Neben der zur "Rassemblement Démocratique du Peuple Camerounais" (RDPC) umbenannten Einheitspartei wurden 1990 erstmals konkurrierende Parteien erlaubt, und es wurde auch eine "unabhängige" Presse zugelassen. Mit dem Nachbarland Nigeria besteht ein Grenzstreit um ölreiche Inseln im Golf von Guinea.
Angesichts der noch tief im Volksbewusstsein präsenten blutigen jüngeren Geschichte und des scharfen Nord-Süd-Gegensatzes sind die Schritte zur Demokratisierung aber eher bescheiden geblieben

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Wirtschaftswunderland in Geldnöten

Die industrielle Entwicklung setzte erst mit der Erlangung der Unabhängigkeit ein und konzentriert sich im wesentlichen auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Dank Wasserreichtum und Erdölvorkommen kann Kamerun einen erheblichen Teil seines Energiebedarfs aus eigener Kraft decken. Die Bedeutung des Erdöls als Ausfuhrprodukt ist seit dem Beginn der Förderung Ende der 1970er Jahre stetig gestiegen. Die Erlöse wurden für den Aufbau der Verkehrs-, Kommunikations- und Energieinfrastruktur sowie einer Reihe halbstaatlicher Industrieunternehmen eingesetzt. Unter dem Schlagwort "liberale Planwirtschaft" vollzog sich in Kamerun ein "afrikanisches Wirtschaftswunder" mit hohen jährlichen Zuwachsraten, die jedoch nicht unweigerlich zur Hebung des Lebensstandards der breiten Masse geführt haben.
Doch die Glanzzeiten hatten mit dem starken Rückgang der Erdölpreise und dem drastischen Preissturz für die wichtigsten Exportgüter auf dem internationalen Rohstoffmarkt ein schnelles Ende. Die großen Löcher, die dadurch in das Haushaltsbudget des Landes gerissen wurden, zwangen Premier Biya seit Mitte der 1980er Jahre zu einer drastischen Sparpolitik. Unrentable Staatsbetriebe wurden stillgelegt oder privatisiert, staatliche Fördermaßnahmen im landwirtschaftlichen Bereich aufgegeben.

Der Staats- und Verwaltungsapparat musste reduziert, die Privilegien der Beamtenschaft mussten kräftig beschnitten werden, damit Kamerun in den Genuss von Umschuldung durch westliche Staaten und Banken sowie von Beistandskrediten des Internationalen Währungsfonds kommen konnte.
Durch Diversifizierung der Außenbeziehungen hofft die Regierung, ausländische Investoren, die schon heute große Teile der inländischen Wirtschaft bestimmen, für die Erschließung weiterer Erdöl- und Gas- sowie bekannter Bauxit- und Eisenvorkommen in das Land zu ziehen, ohne dabei jedoch die Grundsätze einer eigenständigen Entwicklung aufzugeben.

Entwicklungen

» [...] Nachdem Nigeria im jahrelangen Streit um die Halbinsel Bakassi den Schiedsspruch des Internationalen Gerichtshofs von 2002 akzeptiert hatte, schlossen die rd. 3000 nigerianischen Soldaten am 14.8.2006 ihren Rückzug von der Insel ab und übergaben die Kontrolle an Kamerun. Der westliche Teil der Insel bleibt einer Vereinbarung vom Juni 2006 folgend noch für zwei Jahre unter nigerianischer Zivilverwaltung. Vor der Küste Bakassis werden Erdölvorkommen vermutet, das Gebiet befand sich seit 1960 unter nigerianischer Kontrolle. [...]
Seine 12-tägige Afrikareise begann der Präsident der VR China, Hu Jintao, am 30.1.2007 in Kamerun. Mit Präsident Biya vereinbarte er eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit und sicherte Kredite in Höhe von 54 Mio. US-$ für Telekommunikations- und Infrastrukturprojekte zu.
Eine von der Regierung in Auftrag gegebene Untersuchung zur Korruption im Regierungsapparat ergab Anfang 2007, dass der Staat jeden Monat mehrere Mio. US-$ für rd. 20.000 fiktive Beamte ausgibt. 13.000 davon waren bereits verstorben, 7000 hatten ein doppeltes Gehalt bezogen. Bereits Mitte der 1990er Jahre hatte Kamerun unter dem Druck der Weltbank 50.000 Beamte entlassen. Auf der Korruptionsliste von Transparency International belegte das Land 2006 Platz 138 von 163 erfassten Staaten. «

Zitiert aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.269.
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Die Menschen

Wie die Landschaft, so spiegelt auch die Bevölkerung Kameruns die Vielfalt des afrikanischen Kontinents wider. Am Schnittpunkt der Durchgangsrouten zwischen Sahara und Atlantischem Ozean gelegen, drängten im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche kulturelle Einflüsse in das Gebiet und machten Kamerun mit rund 200 Stämmen und Völkern zu einem Schmelztiegel Afrikas.
Zu den ältesten Bewohnern zählt die kleine Gruppe der Pygmäen, deren Lebensform als Sammler und Jäger sich über die Jahrtausende kaum verändert hat. Ihr Lebensraum ist der tropische Regenwald im Südosten des Landes, doch auch in Kamerun scheinen die letzten Zeugen einer Steinzeitkultur im Inneren Afrikas den Kampf ums Überleben zu verlieren.

Brandrodende Bauern, Bulldozer und Motorsägen der Holzkonzerne dringen immer tiefer in den tropischen Regenwald ein, verdrängen die, die zeitlebens im Einklang mit der Natur gelebt haben, bis ihr Lebensraum endgültig zerstört ist. Staat und Missionen drohen mit ihren Versuchen, die Pygmäen sesshaft zu machen und zu "zivilisieren", deren Lebensstil, Gesellschaftsform und Kultur binnen weniger Jahrzehnte zu vernichten. Ihre eigene Sprache haben die Pygmäen längst verloren. Sie ist aufgegangen in den zahlreichen Sprachen und Dialekten der Bantustämme, die 40% der heutigen Gesamtbevölkerung ausmachen und über Jahrhunderte hinweg die Pygmäen in ihre Abhängigkeit gezwungen haben. Bantusprachige Völker, ein buntes Gemisch ohne viele Gemeinsamkeiten, stellen die Mehrheit in den südlichen Waldregionen. Bis vor wenigen Jahrzehnten lebten die meisten der alteingesessenen Bakoko, Bassa, Duala, Maka und Pangwe (Fang) vornehmlich als Hackbauern in Einzelsiedlungen oder kleinen Dörfern. Mit der kolonialen Erschließung und mehr noch mit dem Bau von Straßen ist ein wesentlicher Teil der Bevölkerung jedoch in die großen Straßendörfer bzw. in die Städte abgewandert.
Die in den Baumsavannen Mittelkameruns lebenden Mischvölker der Semi-Bantu, vor allem Bamileke und Bamum, gehören traditionell ebenfalls zu den Hackbauern, doch sind sie heute überall im Land als Händler und Kaufleute, aber auch als Verwaltungsbeamte präsent. Weil sie lange durch die vorherrschende islamische Schicht des Nordens von der politischen Macht ausgeschlossen wurden, drängen sie heute um so nachhaltiger auf eine ihrem wirtschaftlichen Gewicht entsprechende politische Beteiligung.
Der Norden Kameruns ist geprägt vom Gegensatz zwischen sudanesischen und hamitischen Völkern. Eine Reihe von Sudanstämmen, die an den meist nur saisonal Wasser führenden Flüssen südlich des Tschadsees und an den Berghängen leben, werden wegen ihres Festhaltens an Naturreligionen von den Moslems unter dem Sammelnamen "Kirdi" (Ungläubige) zusammengefasst. Sie sind sowohl als geschickte Bauern, die die schwierigen natürlichen Bedingungen der Region bewältigt haben, wie auch als kunstfertige, eisenverarbeitende Handwerker bekannt.
Das hamitische Hirtenvolk der Fulbe stammt aus dem inneren Westafrika und begründete zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine bis heute andauernde Vorherrschaft über die hier einst ansässigen Völker. Die Fulbe, die Viehwirtschaft betreiben oder als Händler in den Städten leben, sind die vorherrschende islamisierte Schicht des Nordens, ohne die landesweit keine Politik durchsetzbar ist.
Im Westen und Südosten haben die christlichen Missionen zahlreiche Gläubige gewonnen. Doch sind mit den Missionsschulen letztlich auch die Werte, Lebens- und Handlungsweisen zerstört worden, die sich aus der Erfahrung vieler Generationen mit dem Leben auf dem afrikanischen Kontinent entwickelt haben. Durch das von den Europäern importierte Welt- und Menschenbild wurde eine tiefe Kluft in das traditionelle Gemeinschaftsleben gerissen. So verlor auch die Großfamilie als wirtschaftliche, soziale und religiöse Einheit ihre integrierende Funktion. Ein Großteil der christianisierten - im Süden fast immer schulisch gebildeten jugendlichen - Einwohner lebt heute bereits in den rasch ausufernden Städten, und die Bevölkerung des sich zunehmend leerenden Hinterlands altert zusehends.
Fast alle Städte Zentralafrikas sind Gründungen der ehemaligen Kolonialmächte. Douala an der Südwestküste ist die größte Stadt Kameruns und neben der Hauptstadt Yaoundé bedeutendste Wirtschaftsmetropole. Ihr Stadtbild wird von Verwaltungsgebäuden, Geschäftshäusern und Industriekomplexen bestimmt, in denen nach wie vor mehrere tausend Franzosen als Berater in Regierung, Verwaltung, Industrie und Wirtschaft tätig sind. Sowohl in Douala als auch in den großen Städten des Nordens, Garoua und Maroua, mit ihren traditionellen Handwerkern belebten bunten Märkten trifft man Menschen vieler Völker aus den afrikanischen Nachbarstaaten, vor allem aber aus dem nordöstlichen, seit mehr als dreißig Jahren vom Bürgerkrieg heimgesuchten Nachbarland Tschad.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.762 f.



www-Links



CIA -- The World Factbook -- Cameroon
Cameroon and the IMF
The Home Page of The Republic of Cameroon
Cameroon Page
Cameroon News (!)
allAfrica.com: Cameroon
PRESIDENCE DE LA REPUBLIQUE DU CAMEROUN
Ethnologue report for Cameroon
Germain's Home Page
Kamerun
Erdölprojekt Tschad/Kamerun
Das Erdölprojekt Tschad/Kamerun
Archäologische Feldforschungen
Der Markt in Pouss und weitere Afrika-Fotos
Ehemaliges Schutzgebiet Kamerun
Vereinigte Kamerun- und Tschad Mission
Kamerun. Grundlagen, Informationen und aktuelle Entwicklungen
Bilaterale Beziehungen zwischen Kamerun und Deutschland
Brot für die Welt
Afrika im Internet - Kamerun
Vicariate Apostolic of Kamerun
Staat und Politik Kamerun
Kamerun-Berg
Mount Cameroon -- "Chariot of the Gods" -- is one of Cameroon's main tourist attractions

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