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Offizieller Name: Republik Liberia
Hauptstadt: Monrovia
Fläche: 111.369 km²
Landesnatur: Küstenebene, Anstieg in mehreren Stufen über ein stark zerschnittenes Tafelland zur Oberguineaschwelle
Klima: Tropisch-feuchtheiß
Hauptflüsse: Lofa, St. Paul River, Cess
Höchster Punkt: Mount Nimba 1752 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 11 Bezirke (Counties) 4 Territorien
Parlament: Parlament aus Senat mit 26 Mitgliedern und Repräsentantenhaus mit 64 Mitgliedern
Nationalfeiertag: 26. Juli
Einwohner: 2.930.000 (1999); 3.482.211 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 26 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 48% (1999)
Analphabetenquote: 46% (1999)
Sprache: Englisch
Religion: Moslems 20%, Anhänger von traditionellen Religionen
Importgüter: Maschinen, Fahrzeuge, Nahrungsmittel
Exportgüter: Eisenerz, Kautschuk, Nutzholz, Kaffee, Diamanten
Geschichte und politische Situation
Liberia ist die älteste afrikanische Republik und neben Äthiopien der einzige Staat des afrikanischen Kontinents, der auf eine ununterbrochene Unabhängigkeit zurückblicken kann. Sie wurde nicht zuletzt durch die philanthropische Organisation "American Colonization Society" begründet, auf deren Betreiben befreite Sklaven aus Amerika auf einem 1821 von Großbritannien erworbenen Teilgebiet Sierra Leones angesiedelt wurden. Sie gründeten die nach dem US-amerikanischen Präsidenten Monroe benannte Stadt Monrovia und proklamierten 1847 die Republik Liberia. Aber frei in dem "Land der Freiheit" war nur eine Minderheit, denn die Verfassung nach US-amerikanischen Vorbild, die Institutionen und die US-amerikanische Währung dienten allein der kleinen Gruppe der "Amerikano-Liberianer". Sie betrachteten die einheimischen Afrikaner als zu missionierende und zivilisierende "Wilde" und enthielten ihnen bis in die 1940er Jahre selbst das Wahlrecht vor. Unter Führung der seit 1883 alleinregierenden "True-Whig Party" trieben sie die einheimische Bevölkerung zur Zwangsarbeit auf die eigenen Farmen und ausländischen Kautschukplantagen. |
Als sie in den 1920er Jahren dazu übergingen, Zwangsarbeiter an spanische Plantagenbesitzer auf der Insel Fernando Poo (heute Bioko) zu verkaufen, verschlechterten sich die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA und Großbritannien.
Die von Präsident William Tubman (1895-1971) nach dem Zweiten Weltkrieg forcierte "Politik der offenen Tür" brachte umfangreiche ausländische Investitionen ins Land, mit deren Hilfe sich Liberia unter anderem zur Nation mit der größten registrierten Handelsflotte entwickelte. Von den im Land verbleibenden Gewinnen profitierte jedoch nur die kleine Herrschaftselite, so dass sich die sozialen Spannungen vertieften. Diese waren letztendlich für den Militärputsch im Jahre 1980 verantwortlich, bei dem Samuel Doe (1952-1990) die Macht übernahm und die Herrschaft der elitären Minderheit beendete. Doch mit dem Machtwechsel war für den Großteil der Bevölkerung keine Verbesserung der Lebensumstände und keine Normalisierung des politischen Lebens verbunden. Nach kurzzeitigen Kontakten zu einigen sozialistischen Staaten und Libyen intensivierte Doe die alten Beziehungen zu den USA. Nur so konnte er die seit 1980 immer wieder ausbrechenden Aufstände und Putschversuche überleben. Doch 1990 begann eine Rebellenbewegung unter Führung von Charles Taylor einen Guerillakrieg gegen die Regierung Does. Im August 1990 konnten die Rebellen die Hauptstadt erobern und Präsident Doe töten. Zwischen den in rivalisierenden Gruppen zerfallenen Rebellen kam es in der Folgezeit zu Machtkämpfen. Erst 1997 konnte Taylor zum Präsidenten gewählt werden. |
Doch seitdem wütete in dem westafrikanischen Land erneut ein heftiger Bürgerkrieg. Es handelte sich um Machtkämpfe zwischen Taylors Regierung und abtrünnigen Milizkämpfern. Die wieder aufgeflammten Gefechte führten dazu, dass seither mehr als 60.000 Zivilisten in sicherere Gebiete des Landes oder in die Nachbarländer Guinea und Sierra Leone flüchteten.
2003. Taylor wird für den seit vierzehn Jahren wütenden Bürgerkrieg in Liberia, der mindestens 200.000 Menschen das Leben kostete, verantwortlich gemacht. Dieser gipfelte im Juni 2003 in einer Belagerung der Hauptstadt Monrovia durch die Rebellengruppe LURD (Liberianer vereint für Versöhnung und Demokratie), die über 1.000 Zivilisten das Leben kostete und viele der 1,3 Millionen Einwohner in Armut und Elend stürzte. |
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Aufgrund des starken Drucks auf die Regierung, trat Charles Taylor schließlich am 11. August von seinem Amt zurück und reiste nach Nigeria aus. Eine der Bedingungen für Taylors Ausreise war die Rücknahme der gegen ihn anhängigen Klage vor dem Kriegsverbrechertribunal für Sierra Leone. Taylor werden im Zusammenhang mit seiner Verwicklung in den sierraleonischen Bürgerkrieg Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.
Die LURD erklärte nach Taylors Ausreise den Bürgerkrieg für beendet.
Vertreter der liberianischen Regierung und der Rebellenbewegungen LURD und MODEL (Bewegung für die Demokratie in Liberia) unterzeichneten am 21. August 2003 in der ghanaischen Haupstadt Accra einen Friedensvertrag und verständigten sich über die Bildung einer Übergangsregierung unter dem 54jährigen Geschäftsmann Gyude Bryant aus Monrovia. |
Bryant – Vorsitzender der Liberia Action Party (LAP) und ein führendes Mitglied der Episkopalen Kirche in Liberia – wurde am 14. Oktober 2003 als neuer liberianischer Präsident vereidigt. Seine Amtszeit war bis Oktober 2005 vorgesehen. Er kündigte an, während der zweijährigen Amtszeit der Interimsregierung eng mit den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten, um Libiera nach vierzehn Jahren Bürgerkrieg in freie Wahlen zu führen.
Die Übergangsregierung löste das Kabinett von Moses Blah ab, der seit 2000 Vizepräsident war und nach dem Rücktritt von Präsident Charles Taylor die Amtsgeschäfte übernommen hatte. |
Am 19. September 2003 beschloss der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Entsendung einer Friedenstruppe nach Liberia, die das Waffenstillstandsabkommen zwischen der liberianischen Regierung und den Rebellengruppen überwachen, bei der Entmilitarisierung und Wiedereingliederung verschiedener bewaffneter Gruppen helfen und zentrale Einrichtungen des Landes wie Häfen schützen sollte.
Nach Einschätzung der UN waren 2003 noch rund 45.000 meist jugendliche Kämpfer unter Waffen.
Das Mandat für die "United Nations Mission in Liberia" (UNMIL) umfasste derzeit 15.000 Soldaten und 1.000 Polizisten und ist damit weltweit der größte Einsatz von "Blauhelmen" der Vereinten Nationen. |
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Der Neubeginn Herbst 2005
Die 67-jährige in Harvard ausgebildete Wirtschaftsexpertin und sechsfache Großmutter Ellen Johnson-Sirleaf, wurde im November 2005 zur neuen Präsidentin Liberias gewählt. Sie ist damit auch die erste frei gewählte weibliche Präsidentin Afrikas. Allerdings ist sie nicht um ihren Posten zu beneiden. Die Infrastruktur des Landes ist am Boden, jeder zehnte Bürger Flüchtling und 80 Prozent der Einwohner sind von Arbeitslosigkeit betroffen. Zudem findet sie eine Übergangsregierung vor, die die letzten zwei Jahre mit dem beschäftigt war, was ihre Minister als Rebellen vorher schon getan hatten: das Land auszuplündern. Die liberianischen Wähler werden Johnson-Sirleaf wohl daran messen, ob sie die Korruption im Land erfolgreich bekämpfen kann, ohne dass es zu einem neuen Plünderungsfeldzug kommt, und ob sie für ausreichend Trinkwasser, Strom sowie Arbeit sorgen kann.
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2011: Friedensnobelpreis für Ellen Johnson-Sirleaf
Für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und Frauenrechte wurde Ellen Johnson-Sirleaf 2011 gemeinsam mit ihrer Landsfrau Leymah Gbowee und der Jemenitin Tawakkul Karman der Friedensnobelpreis zugesprochen.
Der Aufstieg Liberias mit Ellen Johnson-Sirleaf
»[...] Mit der Wahl von Ellen Johnson-Sirleaf zur Präsidentin begann der Aufstieg. [...] Die Wirtschaft wachse um sieben Prozent pro Jahr, der Staatshaushalt habe sich mehr als vervierfacht, auf fast 500 Millionen Dollar. [...]
Diamanten, Gold, Eisenerz, Erdöl: Liberia setzt auf seine Bodenschätze - und verpflichtet sich zu Transparenz bei den Geldflüssen. Das trägt zu einem guten Ruf bei Investoren bei - und auch bei den internationalen Gebern. Die haben Liberia schon fast 5 Milliarden US-Dollar Schulden erlassen. Doch Liberias Probleme sind nach wie vor riesig: Die Reform des Justizwesens stockt, die Korruption reicht trotz scharfer Kontrollen bis in Johnson-Sirleafs Kabinett. [...]«
Liberia leidet besonders unter dem Defizit gut ausgebildeter Menschen, die wichtige Posten übernehmen könnten. Die Analphabetenrate wird für einige Altersgruppen mit bis zu 75% angegeben. Die Arbeitslosigkeit liegt immer noch bei 30%. Akut wichtig für dieses Land ist deshalb die Ausbildung der Menschen voranzutreiben, damit der Frieden gefestigt und das Land sich entwickeln kann.
Zitat: www.dradio.de, Liberia vor der Präsidentenwahl, 08.10.2011
Wahlen 2011
Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen haben im westafrikanischen Liberia am 11. Oktober die Präsidentschaftswahlen begonnen. Die 1,8 Millionen wahlberechtigten Liberianer können zwischen insgesamt 16 Präsidentschaftskandidaten wählen. Es deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ellen Johnson-Sirleaf und dem Kandidaten der Opposition, Winston Tubman, an.
8. November 2011: Ellen Johnson-Sirleaf gewinnt Stichwahl
Im zweiten Wahlgang erhielt Ellen Johnson-Sirleaf mehr als 90 Prozent der Stimmen. An der Wahl hatten sich etwa 37 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Ihr Herausforderer Winston Tubman hat die Wahl boykottiert und zum Boykott der Wahl aufgerufen. Die Stichwahl war von Gewalt überschattet. Mindestens ein Mensch starb bei Zusammenstößen zwischen Oppositionsanhängern und der Polizei. »[...] Viele Wähler blieben aus Angst vor weiterer Gewalt zu Hause. [...]«
Zitat: www.news.ch, Ellen Johnson-Sirleaf gewinnt Wahlen in Liberia, 10. November 2011
Siehe auch: www.suedwind-magazin.at, Erst mustergültig, dann boykottiert, 12/2011

Landschaft, Bevölkerung und Wirtschaft
Liberia besteht aus drei küstenparallelen Landschaftszonen: der niedrigen und sumpfigen Küstenzone, dem zentralen Plateau, dessen tropischer Regenwald von zahllosen Flusstälern durchzogen ist, und dem bergigen Inneren der Oberguineaschwelle mit dem Mount Nimba als höchster Erhebung (1752 m). |
| Die Mehrzahl der Liberianer lebt in der Küstenregion. Die zahlenmäßig größte Gruppe stellen die Mande-sprachigen Stämme wie Mandingo und Kapelle. Zu ihr gehören auch die Vai, die als eines der wenigen afrikanischen Völker im 19. Jahrhundert eine eigene Schrift entwickelten. Die zweitwichtigste Gruppe bilden die Kwa, zu denen neben den Bassa auch die an der gesamten Küste Westafrikas lebenden Kru-Fischer gehören. Zur dritten ethnischen Gruppe zählen die vor allem Ackerbau treibenden Gola und Kissi. |
Ungeachtet der geringen Einwohnerzahl sah sich die bäuerliche Bevölkerung, die zum Großteil reine Selbstversorgungswirtschaft betrieb, mit einer wachsenden Landknappheit konfrontiert, weil Erzminen und Großplantagen, die sich fast alle in ausländischem Besitz befinden, seit Jahrzehnten einen wesentlichen Teil des Landes beanspruchen. Als Folge des damaligen Staatsbankrotts hatte die Regierung 1926 der "Firestone Company" eine 99-jährige Konzession für die weltgrößte Kautschukplantage eingeräumt. Doch die Anfang der 1960er Jahre begonnene Ausbeutung der großen Eisenerzvorkommen von Bomi Hills und Mount Nimba hat die Kautschukplantagen zeitweise bedeutungslos werden lassen. Devisenerlöse und staatliche Einkommen waren somit von den Weltmarktpreisen des Hauptausfuhrproduktes abhängig, sein Preisverfall führte in eine tiefe wirtschaftliche Krise.
Ende der 1980er Jahre lehnten der Währungsfonds und einzelne Staaten jeden weiteren Beistand ab, und die als Vorbedingung für weitere Hilfe eingeflogenen 16 amerikanischen Finanzkontrolleure zogen nach wenigen Monaten unverrichteter Dinge wieder ab. Der Bürgerkrieg der 1990er Jahre führte Liberia an den Rand des wirtschaftlichen Ruins.

Literatur
Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.866 f.
www-Links:
Republik Liberia - Chronik
CIA - The World Factbook -- Liberia
Liberia Post -- latest news and Current Events
Governments on the WWW: Liberia
Save Liberia TLC-Africa - Internet Magazine
Lonely Planet World Guide | Destination Liberia |
Languages of Liberia
An MBendi Profile: Liberia - Overview
Political Resources on the Net - Liberia
Human Rights Watch: Liberia
WWW-VL: HISTORY: LIBERIA
Bilaterale Beziehungen zwischen Deutschland und Liberia
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