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Offizieller Name: Republik Sierra Leone
Hauptstadt: Freetown
Fläche: 71.740 km²
Landesnatur: Küstentiefland mit vorgelagerten Inseln, das nach O über Steilstufen zur von Savannen bewachsenen Niederguineaschwelle ansteigt
Klima: Tropisch-feuchtheiß
Hauptflüsse: Kaba, Rokel, Sewa
Höchster Punkt: Loma Mansa 1948 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 4 Provinzen und 1 Stadtgebiet
Parlament: Repräsentantenhaus mit 68 für 5 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 27. April
Einwohner: 4.717.000 (1999); 6.144.562 (geschätzt für Juli 2007)
Bevölkerungsdichte: 66 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 37% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 45% (1999)
Analphabetenquote: 69% (1999)
Sprache: Englisch, Mande-Sprachen
Religion: Moslems 39%, Christen 8%, Anhänger von traditionellen Religionen
Exportgüter: Bergbauprodukte (Gold, Diamanten, Rutil, Bauxit), Kakao, Kaffee, Kolanüsse, Gewürze, Piasava-Fasern, Tabak, Palmöl, Palmkerne
Importgüter: Maschinen und Transportausrüstungen, Nahrungsmittel, mineralische Brennstoffe, Schmiermittel, lebende Tiere
War es das Grollen der tropischen Gewitterstürme gegen die Bergkette (Sierra) oder die Form der Berge selbst, die den portugiesischen Seefahrer Pedro de Cintra um das Jahr 1460 veranlasste, dem von ihm entdeckten Küstenstreifen Westafrikas den Namen Sierra Leone ("Löwenberge") zu geben? Dabei ist Sierra Leone eigentlich kein Gebirgsland. Es dehnt sich von der durch Flussmündungen und zahlreiche Halbinseln aufgelösten mangrovenbestandenen Küstenebene leicht ansteigend über die große innere Ebene bis auf die trockene, savannenbedeckte Nordguineaschwelle mit Höhen von 1800 m aus. In dem von deutlichen Regen- und Trockenzeiten geprägten Land ist der ursprüngliche Regenwald längst ein Opfer von Brandrodungen und wildem Bergbau geworden.
Geschichte und Politik
Als Mitte des 16. Jahrhunderts die ersten britischen Händler feste Handelsstützpunkte an der Westküste Afrikas anlegten, waren Sklaven das wichtigste "Handelsgut". 1797 wurde auf Betreiben der britischen Antisklavenbewegung ein 250 km² großes Gebiet um die spätere Hauptstadt Freetown ("die stadt der Freien") erworben, um dort befreite Sklaven sowie einige mittellose Briten anzusiedeln.
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1808 wurde der Besitz der Sierra-Leone-Gesellschaft britische Kronkolonie. Gegen die Kolonisierung des Hinterlandes leisteten die Einheimischen bis Ende des 19. Jahrhunderts erbitterten bewaffneten Widerstand, doch wurde es 1896 unter britisches Protektorat gestellt.
Die Nachfahren der aus Europa und Amerika repatriierten Sklaven, die Kreolen oder Krios, sahen sich als "Zivilisatoren" der einheimischen Afrikaner. Sie entwickelten sich zur nationalen Elite in Handel, Verwaltung und Wissenschaft.
Heute beträgt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung kaum mehr als 2% und ihre wirtschaftliche Vorrangstellung haben sie größtenteils an die kleine Minderheit der im Land lebenden Libanesen verloren. Ihren politischen Einfluss büßten die Kreolen endgültig ein, als Sir Milton Margai (1895-1964) Premierminister der 1961 in die Unabhängigkeit entlassenen parlamentarischen Monarchie wurde. Die antikreolische Sierra Leone People's Party (SLPP), deren Führung Margai 1954 übernahm, wurde von den Stämmen der Temne und Mende unterstützt, die mit jeweils über 30% den Großteil der aus insgesamt 17 ethnischen Gruppen zusammengesetzten Gesamtbevölkerung stellen. |  |
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1976 gewann die Oppositionspartei "All People's Congress" (APC) unter Führung Siaka Stevens' (1905-1988) die Wahl. Der als progressiv eingeschätzte Stevens hätte verfassungsgemäß das Amt von Albert Margai (1910-1980), seit dem Tod seines Bruders Regierungschef, übernehmen können, doch wurde dies durch einen Militärputsch verhindert. Erst ein Jahr später brachte ihn eine erneute Militärrevolte an die Macht. Nach Gründung der Republik 1971 und Einführung des Einparteiensystems 1978 wurde sein Regime immer autoritärer. Putschversuche und massenhafte Streiks folgten. Als Stevens 1985 seine Präsidentschaft aus Altersgründen an Joseph Saidu Momoh (* 1937) übergab, befand sich die Wirtschaft in einem desolaten Zustand. |
Seit 1990 kam es zu Kämpfen mit aus Liberia eingedrungenen Rebellen (Revolutionary United Front, RUF). Im Jahr darauf trat eine neue Verfassung in Kraft, die ein Mehrparteiensystem vorsah. 1992 stürzte das Militär Momoh und setzte die Verfassung wieder außer Kraft.
Nach einem weiteren Militärputsch gewann Ahmad Tejan Kabbah (* 1932) als Vorsitzender der Sierra Leone People's Party die Präsidentschaftswahlen 1996. | |
Politische Stabilität kehrte dadurch jedoch nicht ein, da auch die Kämpfe mit der RUF weitergingen. Ein Großteil der Bevölkerung befindet sich auf der Flucht. Nach einem neuerlichen Putsch übernahm 1997 Jonny Paul Koroma (* 1964) die Macht. Erst eine Intervention der Friedenstruppe ECOMOG der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten brachte Kabbah 1998 zurück ins Präsidentenamt. Nach schweren innenpolitischen Unruhen wurde im November 1999 eine Regierung gebildet, der auch RUF-Mitglieder angehören.
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Die Grundlagen der Wirtschaft
Der durch das politische Chaos bedingte wirtschaftliche Niedergang ist um so tragischer, da Sierra Leone über beachtliche Bodenschätze (Diamanten, Chrom, Bauxit, Eisenerz, Titanerz, Gold, Platin), reiche Fischgründe vor der Küste und große, für die Landwirtschaft nutzbare Flächen verfügt. Die mit Brandrodung und Wanderhackbau betriebene landwirtschaftliche Selbstversorgung bildet noch immer die Existenzgrundlage für den überwiegenden Teil der Bevölkerung. Reis, Hirse und Maniok sind neben den Exportprodukten Palmkerne, Kaffee und Kakao die Hauptanbauprodukte.
Auch heute noch gehen mögliche Einnahmen aus dem Export der reichen Gold- und Diamantenvorkommen durch Schmuggel ins Ausland verloren. |
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Die Kindersoldaten in Sierra Leone
Der folgende zusammengefasste Bericht ist der Zeitschrift "Missio" entnommen, 2/2001, Toni Görtz, Foto: Erol Gurian, S. 10 ff.
Der Junge Alusine
Sierra Leone ist ein Land in Westafrika, etwa so groß wie Bayern. Bis in das Jahr 2001 hinein herrschte hier Bürgerkrieg, der vom Nachbarland Liberia angezettelt worden war. Der Kampf wurde zuletzt vor allem um ergiebige Edelsteinfelder geführt.
Rund 5400 Kinder mussten das Mordgeschäft für die Regierenden und für die Rebellenchefs erledigen. Beide Parteien versuchten, die Diamantenminen des westafrikanischen Staates unter Kontrolle zu bekommen. Zehn Jahre lang legten sie das Land in Schutt und Asche. Fast zwei Millionen Menschen sind heimatlos, über 100 000 wurden ermordet. Auf Seiten der Rebellen waren rund drei Viertel der Kämpfer Kinder und Jugendliche, darunter Jungen wie z.B. Alusine Kamara. |
Er berichtete: "Ich war im Wald unterwegs. Ich wollte meine Tante besuchen. Plötzlich ratterte eine Kalaschnikow. Ich sprang hinter einen Busch, doch die Kugeln pfiffen mir um die Ohren, und ein Mann rief, wenn du nicht rauskommst schieße ich dich in Stücke. Ich musste mit ihm gehen und seine Panzerfaust tragen. Mein neuer Chef war der Rebellenführer Colonel Hada. Ich sagte den ganzen Tag nichts, weil ich Angst hatte. Wir marschierten etwa neun Kilometer." Der Junge, der das erzählte, behauptete 14 Jahre alt zu sein. Seine Betreuer im Caritas-Camp für ehemalige Kindersoldaten waren sich einig, er war höchstens 11 Jahre. Als seine Militärkarriere begann, war Alusine also gerade neun.
"Am ersten Abend im Rebellenlager griffen uns Regierungstruppen an. Da hab ich zum ersten Mal miterlebt, wie Menschen totgemacht werden. Drei Rebellen wurden erschossen. Das war schrecklich. Dann haben unsere Kämpfer fünf Soldaten die Kehle durchgeschnitten, die Leichen warfen sie an den Straßenrand und die Köpfe haben sie auf Pfähle gespießt. Nach ein paar Tagen kam ich in das Trainingslager der Rebellen. Rund 300 Kinder waren da. Jeden Morgen und jeden Abend mussten wir 15 Kilometer marschieren und dabei hatten wir großen Hunger. Immer wieder mussten wir gegeneinander kämpfen. Zuerst mit Knüppeln und Holzgewehren. Manche brachen sich dabei Arme und Beine. Mit einem Jungen hatte ich mich angefreundet. Sie haben ihm eines Tages den Schädel gespalten." |
Alusine ist ein sympathischer elfjähriger mit breiter Stupsnase und traurigem Blick. Geborgenheit erlebte Alusine im Caritas-Camp von Lungi, in der Nähe der Hauptstadt Freetown, zum ersten mal. Hier wohnt er in Zelt 10 und fühlte sich zwischen 145 anderen Kindern wie ein Märchenprinz. Ruhe und Zuflucht finden im Caritas-Camp auch 24 Mädchen, die von Soldaten missbraucht wurden, die meisten haben ihre Kinder schon zur Welt gebracht. Für Alusine ist das Leben im Camp eine Befreiung.
"Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich umgebracht habe, aber ich habe niemanden die Arme und Füße abgehackt. Die Rebellen sind mit Macheten auf die Leute losgegangen und haben losgeschlagen, bis der Fuß oder die Hand ab war.
Bei den Rebellen drehte sich alles ums Kämpfen. Unser Boss war stark und schlau. Er hat immer gesiegt. Uns gaben sie vor jeden Kampf Marihuana. Dann fühlte ich mich ganz stark. Und sie haben gesagt, dass uns dann nichts passieren kann. Irgendwie habe ich mich daran gewöhnt, Leute sterben zu sehen und zu töten." In dem Caritas-Camp in Lungi helfen Psychologen und Sozialarbeiter den Jungen, mit der Last ihren Taten fertig zu werden. Wichtig ist es in der Therapie, an das Schöne und Positive der Kindheit anzuknüpfen. Denn sonst verhindern die Schrecken der Soldatenjahre jede Entwicklung. Auch Alusine war traumatisiert. Inzwischen hat er gelernt, über das Erlebte zu sprechen, was er gesehen und getan hat. Das Camp ermöglicht jedem Jungen eine Schul- und Berufsausbildung. 60 Jungen machen zur Zeit in der Umgebung von Lungi eine Lehre. Sie leben und wohnen alle in den Familien ihrer Lehrherren, bis in den Wirren des Krieges die überlebenden Familien oder eine Adoptivfamilie gefunden werden. Das eigentliche Leben spielt sich nicht im Camp, sondern in der Geborgenheit einer Familie ab.
"Bei einem Überfall auf ein Flüchtlingslager", sagt Alusine, "haben sie meinen Bruder ermordet, da konnte ich nicht mehr. Danach kamen wir an einem Fluss vorbei. Am Ufer lag ein Kanu. Ich bin reingesprungen, als die Soldaten mal nicht geguckt haben. Dann bin ich losgepaddelt, immer den Fluss abwärts. In einem kleinen Dorf, das Babara heißt, haben Blauhelmsodaten mich aufgegriffen und mich hierher nach Lungi gebracht." |
Nachts schläft Alusine jetzt auf einer Strandmatte, ohne Decke ohne Kissen. "Das macht nichts", meint er, "im Busch habe ich nur auf dem Boden geschlafen." Seitdem er hier im Camp der katholischen Kirche ist, träumt er Nacht für Nacht den gleichen Alptraum. Der Rebellenchef ist hinter ihm her und will ihn umbringen. "Wenn ich wach werde, bin ich nervös und nass geschwitzt. Ich bete zu Gott, dass er mir verzeiht und mir hilft, das alles eines Tages vergessen zu können."
Literatur Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1278 f.
www-Links
CIA - The World Factbook -- Sierra Leone
Sierra Leone Web
Washington Post
Political Resources on the Net - Sierra Leone
Human Rights
UNICEF
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Afrika Links
Sierra Leone latest News and Latest Headlines
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United Methodist Church
allAfrica.com: Sierra Leone Headlines
Ethnologue: Sierra Leone
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