Willkommen in Bolivien

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Offizieller Name: Republik Bolivien
Hauptstadt: Sucre
Fläche: 1.098.581 km²
Landesnatur: Im W Hochgebirgsregion der Anden, im O Tiefland der Llanos und des Gran Chaco
Klima: Tropisches Klima mit 5 je nach Höhenlage unterschiedlichen Klimazonen
Hauptflüsse: Río Grande, Río Mamoré, Río Beni
Höchster Punkt: Nevado del Illimani 6880 m
Tiefster Punkt: 90 m über dem Meeresspiegel, nahe Fortaleza am Río Beni
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 9 Departamentos
Parlament: Nationalkongress bestehend aus Abgeordnetenhaus mit 130 Abgeordneten und Senat mit 27 Mitgliedern, jeweils auf 5 Jahre gewählt
Nationalfeiertag: 6. August
Einwohner: 8.142.000 (1999); 8.857.870 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 7 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 63% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 39% (1999)
Analphabetenquote: 14% (1999)
Sprache: Spanisch, Ketschua, Aymará
Religion: Katholiken 92,5%


Einführung

Bolivien, die Wiege der andinen Kultur und lange Zeit Schatzkammer des spanischen Königreiches, ist heute das Armenhaus Südamerikas. Der Binnenstaat reicht bis hoch auf das Dach der Anden, was dem Land den Namen "Tibet Amerikas" eingebracht hat. Die Staatsfläche der Republik Bolivien hat sich durch eine verhängnisvolle Geschichte verlorener Kriege um die Hälfte reduziert. Sie beträgt noch rund eine Million Quadratkilometer, auf denen nur 8,1 Millionen Einwohner leben. Im Norden grenzt das Land an Peru, im Osten an Brasilien, im Südosten an Paraguay, im Süden an Argentinien. und im Westen an Chile.
Bolivien kann mit einem großen Landschaftsreichtum aufwarten: Schneebdeckte Gipfel und schroffe Schluchten wechseln ab mit endlosen Ebenen und ausgedörrte Sand- und verkrustete Salzwüsten mit tropischen Regenwäldern, auf öde Gras- und Strauchpampas folgen sattgrüne, fruchtbare Landstriche. Trotz aller Vielfalt kennzeichnen zwei geographische Großräume das Land: das andine Hochland im Westen und das tropische Tiefland im Osten.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt im regenarmen Andenhochland. Nur 20% aller Einwohner besiedeln das östliche Tiefland, das zwei Drittel der gesamten Staatsfläche einnimmt.
Bolivien hat zwei Hauptstädte. In der Verfassung wird zwar Sucre (164.000 Einwohner) als offizielle Hauptstadt genannt, doch hat längst La Paz in den Anden, die höchstgelegene Millionenstadt der Welt, diese Funktion übernommen, zumal auch der bolivianische Präsident hier residiert.

Titikaka Lake - Tiquina

Gegliedert ist die Republik Bolivien in neun Departamentos, die im politischen Aufbau in etwa den bundesdeutschen Ländern gleichen. Offizielle Landessprachen sind Spanisch und - seit 1976 - auch die beiden Indianersprachen Ketschua und Aymará. Staatsreligion ist der römisch-katholische Glaube. Daneben leben einige zehntausend Protestanten und eine kleine jüdische Gemeinde im Lande.

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Der Staat

Die Republik Bolivien ist eine der glücklosesten Nationen der Welt. "La Paz", der Name der Metropole, bedeutet "Friede". Innenpolitischen Frieden hat dieses Land aber sehr selten erlebt. Mit zweihundert Putschen oder Putschversuchen in etwa 160 Jahren liegt es einsam an der Spitze. Unter den zahlreichen Militärdiktaturen blieben politische Freiheit und sozialer Fortschritt nur ein Traum.
Aber auch in den außenpolitischen Auseinandersetzungen wurde Bolivien zum "Prügelknaben" seiner Nachbarn, an die es so manches rohstoffreiches Gebiet und seinen einzigen Zugang zum Meer verlor.

Zwischen Diktatur und Demokratie
Das Jahr 1952 brachte die Grundpfeiler der alten feudalistischen Gesellschaft ins Wanken. Die "Revolution von unten", deren Anführer Paz Estenssoro (* 1907) war, brachte Landreformen, die Verstaatlichung der großen Minen und das allgemeine Wahlrecht. Die indianischen Arbeiter und Bauern wurden zum ersten Mal in das politische Leben mit einbezogen.
Aber die Zeit der Demokratie währte nur kurz. Schon 1964 übernahm General René Barientos Ortuño (1919 - 1969) die Macht. In die Geschichte eingegangen ist Barrientos aber vor allem durch den Tod Ernesto ("Ché") Guevaras (1928 - 1967). Denn das Idol der revolutionären Jugend wurde beim Versuch, eine Guerillabewegung aufzubauen, am 9. Oktober 1976 auf Befehl des damals in La Paz regierenden Barrientos erschossen. 1971 putschte sich der Oberst Hugo Banzer (1926-2002) an die Macht. Es begann die siebenjährige Ära des "Banzerato", eine Zeit maßloser Unterdrückung jeglicher Opposition.
Seit 1982 wird der Andenstaat wieder von verfassungsmäßig gewählten Präsidenten regiert. 1989 trat Jaime Paz Zamora (* 1939) das Präsidentenamt an. Der neue Mann, ein ehemaliger Marxist, glaubte, dass nur mit einem radikalen Sparprogramm die soziale und ökonomische Misere zu beheben wäre. Zudem musste er sich dem Druck des internationalen Währungsfonds beugen, der eine Kreditgewährung von der Kürzung der öffentlichen Ausgaben abhängig machte. Auch der Nachfolger Paz Zamoras Gonzalo Sánchez de Lozado (* 1930) versuchte, eine neoliberale Politik in Übereinstimmung mit dem IWF zu betreiben. 1997 wurde erneut Hugo Banzer Präsident, der jedoch im Mai 2002 nach einem langen Kampf mit dem Krebs starb. Banzer wurde von Jorge Quiroga bereits 2001 ersetzt. Nach den Wahlen im August 2002 wurde der nun 72jährige Sanchez de Lozada erneut zum Präsidenten gewählt.
Um die bolivianische Wirtschaft ist es schlecht bestellt. Trotz reicher Bodenschätze und fruchtbarer Landstriche zählt das Land auch heute noch zu den unterentwickelten Staaten der "Dritten Welt". In Südamerika ist Bolivien das ärmste und am wenigsten entwickelte Land. In zu großem Umfang und zu lange wurden die nationalen Reichtümer von der kleiinen Oberschicht des Landes und ausländischen Gesellschaften besessen. Eine soziale Wirtschaftspolitik, die auch der Bevölkerungsmehrheit ein gesichertes Auskommen verschafft hätte, verfolgten die Politiker nie. Und so haben vor allem an Boliviens Erzen die ausländischen Investoren profitiert.



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Bergbau und Landwirtschaft
Immer noch sind die Bodenschätze der "Cordillera real", der östlichen Kordillere, wichtigster Pfeiler der Volkswirtschaft. Allein die Zinnminen des Andenstaates bringen einen großen Teil des Exportwertes ein. Unter der Dornbuschsavanne des "Gran chaco", dem Grenzgebiet zu Paraguay, wurden reichhaltige Erdgas- und Erdöllager entdeckt und erschlossen. Und so hat Erdgas heute dem Zinn als Hauptexportprodukt den Rang abgelaufen.
Neben Zinn werden auch kleinere Vorkommen von Gold, Zink, Silber, Kupfer und Blei abgebaut. Da Bolivien über keinen eigenen Meereszugang verfügt, müssen die einheimischen Bergbauprodukte per Eisenbahn an die Küste des Pazifik gebracht werden. Wegen der hohen Transportkosten sind die bolivianischen Erze auf dem Weltmarkt allerdings benachteiligt.

Fast die Hälfte der Erwerbstätigen arbeiten als "campesinos" in der Landwirtschaft. Doch reichen deren Erträge nicht einmal zur Ernährung der eigenen Bevölkerung aus. Angebaut werden vor allem Kartoffeln, Mais, Reis, Maniok, Baumwolle, Zuckerrohr, Kaffee, Kakao und viele tropische Früchte. Ein landwirtschaftliches Produkt allerdings, über das man in La Paz nicht gerne in der Öffentlichkeit redet und das in keiner Statistik auftaucht, bringt weit mehr ein als alle übrigen bolivianischen Erzeugnisse zusammen: Kokain.

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Entwicklungen

Von Gewerkschaften organisierte Protestaktionen, die sich gegen den Ausverkauf des wichtigen Bodenschatzes Erdgas an US-amerikanische Konzerne sowie gegen die drastischen Sparmaßnahmen der Regierung richteten, hatten im Oktober 2003 den Charakter eines Volksaufstandes wobei etwa 60 Menschen ums Leben kamen. Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada ging ins Exil in die USA. Der bisherige Vizepräsident Carlos Mesa übernahm die Amtsgeschäfte, nachdem Lozada seinen Rücktritt erklärte.
Bei Massenproteste gegen die hohen Benzinpreise wurde die Forderung nach Verstaatlichung der Gas- und Ölindustrie gefordert. Daraufhin versuchte im Januar 2005 ein Bündnis politischer Gruppen in der rohstoffreichen Region Santa Cruz die Autonomie zu erlangen.
Die sozialen Unruhen im Lande zwangen Präsident Carlos Mesa im Juni 2005 zum Rücktritt.
Um zu verhindern, dass das Amt auf den konservativen Präsidenten des Senates, Hornando Vaca Díez, übergeht, setzten die Bürger ihren Protest fort.
Der Präsident des Obersten Gerichtshofes Eduardo Rodríguez wurde verfassungsgemäß als Übergangspräsident ernannt, mit der Maßgabe, Neuwahlen herbeizuführen, die am 4. Dezember 2005 stattfinden sollten.
Bei der termingerecht stattfindenden Wahl waren die beiden aussichtsreichsten Kandidaten der Anführer der Kokabauern Evo Morales, der die sozialistische Bewegung Movimiento al Socialismo vertritt und die indigene Bevölkerungsmehrheit repräsentiert, und der konservative Weiße Jorge Quiroga, der schon einmal Präsident war. Am 18. Dezember 2005 wurde Morales mit 54% der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Es war das erste Mal seit der Revolution von 1952, dass ein Präsidentschaftskandidat die absolute Mehrheit erreichte.
Evo Morales wurde am 21. Januar 2006 vereidigt. Am 1. Mai 2006 verstaatlichte Morales die Erdöl- und Erdgasindustrie des Landes.

Ein Dekret verpflichtet die internationalen Konzerne dazu, die Lizenzen dem Staat zu übergeben und die neuen Betriebsverträge innerhalb von 180 Tagen zu unterzeichnen. Firmen, die nach dem Ablauf der 180-Tage-Frist die Regierungsvorgaben nicht akzeptieren, müssen das Land verlassen, sollen aber eine Entschädigung erhalten. Bis zur Unterzeichnung neuer Verträge müssen die Unternehmen 50 Prozent ihrer Einnahmen an den Staat abführen.
Zu den betroffenen Unternehmen gehören unter anderen die spanisch-argentinische Repsol-YPF, Großbritanniens British Gas und British Patrol, Frankreichs Total, und Brasiliens Petrobras. Repsol ist dabei das am stärksten betroffene Unternehmen. Die U.S.-beheimatete Exxon-Mobile ist zwar auch aktiv in Bolivien, das aber in relativ geringem Maße.

Allerdings sind sie mit 34 Prozent an dem Erdgasfeld Itau beteiligt, das von der französischen Total entwickelt wird, wobei Total sich in jüngster Zeit mit Investitionen zurückhielt.
Den Hauptabnehmern Brasilien und Argentinien garantiert Morales die Lieferung zu moderaten Preisen.
Durch die Verstaatlichung der Gas- und Ölindustrie würden sich die Staatseinnahmen Boliviens von 460 Millionen US$ im Jahr 2005 auf etwa 780 Millionen US$ im Jahr 2007 erhöhen. Bleibt abzuwarten, ob diese Mehreinnahmen auch dem Volk zu Gute kommen.
Morales will ebenso Minenunternehmen, die Forstwirtschaft und alle anderen nationalen Reichtümer verstaatlichen.

ALBA
Als Antwort auf die von den USA dominierten geplanten gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA, haben Venezuela und Kuba Anfang 2005 eine von US-Interessen unabhängige lateinamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft - ALBA (Alternativa Bolivariana para los pueblos de Nuestra América) - gegründet. Der ALBA traten im April 2006 Bolivien, im März 2007 Nicaragua, im Januar 2008 Dominica, im August 2008 Honduras bei.

Der Putschpräsident von  Honduras, Roberto Micheletti, erklärte am 15.12.2009 den Austritt aus der ALBA, der am 12. Januar 2010 ratifiziert wurde.

"Sucre" - gemeinsame Währung für die ALBA
Aus: de.wikipedia.org, ALBA:
»[...] Vor dem Hintergrund der Finanzkrise ab 2007 beschlossen die Mitgliedstaaten des Bündnisses am 26. November 2008 auf ihrem dritten Gipfeltreffen, eine eigene Währungszone mit einer gemeinsamen Währung zu etablieren, um eine größere Unabhängigkeit von den internationalen Finanzmärkten zu erreichen und sich vor Krisen und ihren Folgen zu schützen. In diesem Rahmen soll auch ein gemeinsamer Fonds für die Stabilisierung der Geldreserven und eine langfristig kontinuierliche Investitionspolitik eingerichtet werden. Der Name der gemeinsamen Währung soll "Sucre" lauten. Tags darauf bot der russische Präsident Dmitri Medwedew der ALBA an, dass die Russische Föderation sich dem Staatenbündnis "als assoziiertes Mitglied oder in anderer Weise" anschließen möge. Russische Nachrichtenagenturen meldeten auch, dass Russland Vollmitglied werden könne. [...] Auf dem VI. Gipfeltreffen im Juni 2009 in Maracay wurden die Staaten Ecuador, Antigua und Barbuda und St. Vincent und die Grenadinen als neue Mitglieder aufgenommen. Es wurde beschlossen, das Wort Alternativa im Namen der Organisation durch das Wort Alianza zu ersetzen. [...]
Unmittelbar vor dem Amerika-Gipfel im April 2009 in dem Karibikstaat Trinidad und Tobago kamen die Mitgliedstaaten der ALBA in Cumaná zu einem Sondergipfel zusammen. Dabei wurden die gemeinsamen Positionen beraten, darunter vor allem die Einladung Kubas zu künftigen Gipfeltreffen und die Wiederaufnahme dieses Landes in die Organisation Amerikanischer Staaten. [...]«

Aus: spiegel.de, Neue Einheitswährung. Lateinamerika probt Aufstand gegen den Dollar, 3.11.2009
Im April 2009 wurde die Gründung der Regionalwährung Sucre offiziell beschlossen.
»[...] Bereits 2010 soll die virtuelle Währung zur Abwicklung des Handels zwischen den neun Mitgliedsstaaten der "Bolivarischen Allianz für unser Amerika" (ALBA) den Dollar ablösen. [...] Nach europäischem Muster könnte der Sucre als Vorläufer für eine tatsächliche Einheitswährung dienen und erst einmal als virtuelles Geld fungieren. [...]«

Wahlen 2009
Morales erreichte bei den Präsidentschaftswahlen am 7. Dezember 2009 mehr als 60 Prozent der Stimmen. Dieses triumphale Ergebnis sei, so Morales, nicht nur ein Triumph der Bolivianer sondern aller "anti-imperialistischen Völker" und verpflichte, "den Prozess des Wechsels voranzutreiben". Morales' Bewegung zum Sozialismus (MAS) erhielt zudem rund zwei Drittel der Sitze in der Parlamentskammer, die bisher von der rechten Opposition dominiert war. Damit könnten in Zukunft Reformen ohne die Opposition in die Wege geleitet werden.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.190 f.



www-Links



Evo Morales - Ein Porträt
Presidente de la República de Bolivia
washingtonpost.com: Bolivia
CIA -- The World Factbook -- Bolivia
Lonely Planet World Guide | Destination Bolivia |
EnlacesBolivia - The bolivian database
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