Willkommen in Chile

world.muz-online.de -- Länderauswahl Südamerika -- spirit.muz-online.de
[Geschichte] [Der Staat] [Die Menschen] [Literatur] [www-Links]


translate this page



Offizieller Name: Republik Chile
Hauptstadt: Santiago de Chile
Fläche: 756.626 km²
Landesnatur: Im O Anden, nach W anschließend die mittleren Hochebenen, im W Küstenkordilleren
Klima: Im N tropisch-subtropisches Wüstenklima, in Mittelchile warm-gemäßigtes Winterregenklima, im S kühles, niederschlagsreiches Klima
Hauptflüsse: Lao, Maípo, Maule, Bío-Bío
Höchster Punkt: Ojos des Salado 6880 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident (seit Januar 2006 Staatspräsidentin)
Verwaltung: 13 Regionen, 40 Provinzen
Parlament: Abgeordnetenhaus mit 120 auf 4 Jahre gewählten Abgeordneten und Senat mit 39 auf 8 Jahre gewählten und weiteren 9 ernannten Mitgliedern
Einwohner: 15.019.000 (1999); 15.980.912 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 20 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 85% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 28% (1999)
Analphabetenquote: 4% (1999)
Sprache: Spanisch
Religion: Katholiken 77%


"El ultimo rincón des mundo", "das Ende der Welt", nannte man Chile einst. Auf diese Bezeichnung ist man keineswegs zufällig verfallen, denn Kap Hoorn, der Südzipfel von Chile, ist tatsächlich das Ende der bewohnten Welt.
Zum Territorium des Landes zählen auch die im Pazifik gelegenen und in die Weltliteratur eingegangenen Juan-Fernandez-Inseln, auf denen der Seemann Alexander Selkirk, Daniel Defoes "Robinson Crusoe", im Jahre 1705 ausgesetzt wurde.
Ebenso steht die von einer rätselhaften polynesischen Kultur geprägte Osterinsel unter chilenischer Hoheit. Darüber hinaus erhebt das Land Anspruch auf einen 1,25 Millionen Quadratkilometer großen Sektor der Antarktis.
Seiner außergewöhnlich großen Nord-Süd-Ausdehnung verdankt Chile ein vielseitiges Landschaftsbild. Es reicht von den weitläufigen Fjorden in den kühl-gemäßigten, ja fast subpolaren Waldregionen über die in fruchtbare Hügelländer eingesenkten Seen, hinter denen sich als eindrucksvolle Kulisse die mit ewigem Schnee bedeckten Anden erheben, bis zu den tropischen Wüsten, den unwirtlichen Einöden aus Sand und Steinen. Doch die Schönheit der Natur ist auch im Zeitalter des Tourismus vielen noch weitgehend unbekannt.
Internationale Verbreitung und Anerkennung haben die Nobelpreisträger von 1945 und 1971, Gabriel Mistral (1889-1957) und Pablo Neruda (1904-1973), der chilenischen Literatur verschafft. Doch seit dem Militärputsch von 1973 und der sich anschließenden Diktatur des Generals Augusto Pinochet (1915-2006) haben die politischen Verhältnisse das Bild Chiles in der Weltöffentlichkeit geprägt, überschattet von immer neuen Meldungen über massive Menschenrechtsverletzungen, Folter und Mord gegen die eigene Bevölkerung.
Chile gehört zu den stärker industrialisierten Ländern Südamerikas. Die Entdeckung reicher Kupfer- und Salpetervorkommen im 19. Jahrhundert versprach der bis dahin armen spanischen Kolonie zunehmenden Wohlstand und zog viele Einwanderer an, hauptsächlich Briten, Deutsche und Franzosen.

Der Ackerbau setzte im Gebiet Chiles hingegen weit später ein als in den zentralen Andenstaaten. Erst um die Zeitenwende wurde er von einwandernden Stämmen mitgebracht. Bekannt geworden sind die sehr unterschiedlichen Kulturen der frühen chilenischen Stämme unter dem Namen Atacameño.

Chile ist der weltweit größte Kupferexporteur.
Nach einem 25tägigen Streik im größten Kupferbergwerk der Welt (Mine La Excondida), wurde Anfang September 2006 der Forderung der 2000 Beschäftigten nach besseren Tarifverträgen und höheren Gewinnbeteiligungen nachgegeben.
Die Mine, auf die allein 5% der weltweiten jährlichen Kupferförderung entfallen, hatte aufgrund des rasanten Anstiegs der Weltmarktpreise für das Metall bereits im ersten Halbjahr 2006 einen Gewinn in Höhe von nahezu 3 Mrd. US-$ gemacht.
Siehe: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.101.
up

Geschichte

Nachdem schon vorher der chilenische Norden zunehmend unter den Einfluss der Inka geraten war, dehnte der von 1438-1471 regierende Inkaherrscher Pachacutec Yupanqui sein Reich bis an den Río Bío-Bío aus. Doch schon am Río Maule waren die Inka auf kriegerische Stämme gestoßen, die ihnen erbitterten Widerstand entgegensetzten. Araukaner wurden sie von den Inka genannt. Sie selbst allerdings bezeichneten sich als "mapuche", "Herren des Landes".
Nur wenige Jahre später begann die spanische Eroberung Chiles. Nachdem Francisco Pizarro (um 1478-1541) Ende 1532 den Inka-Herrscher Atahualpa in seine Gewalt gebracht hatte, fiel ihm zusammen mit dem Inkareich auch der Nordteil Chiles in die Hände.

Santiago de Chile

Pedro Valdivia (1500-1553) gründete 1541 am Río Mapocho die erste chilenische Stadt - Santiago de la Nueva Extremadura. Am Río Maule überschritt er die alte Inkagrenze, bis auch er am Río Bío-Bío auf die Araukaner stieß. Dort gründete er 1550 die Stadt Concepción, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts die südlichste Grenzfestung Chiles bildete.
Als Teil des Vizekönigreichs von Peru galt Chile als die ärmste Überseebesitzung der spanischen Krone. Strikte Handelsbeschränkungen - bis 1778 musste der gesamte chilenische Handel über Callao, den peruanischen Haupthafen, abgewickelt werden - sowie Plünderungen der Hafenstädte durch englische Korsaren und endlose Indianerkriege verhinderten jeden Aufschwung. Der Ruf nach Unabhängigkeit wurde immer lauter. Doch erst am 12. Februar 1818 konnte Bernardo O'Higgins (1776-1842), der in Chile heute noch als Nationalheld verehrt wird, das Land nach blutigen Kämpfen gegen das Mutterland für unabhängig erklären. Auf O'Higgins folgten erst konservative, ab 1861 liberale Präsidenten. Zug um Zug veränderte sich Chile unter den liberalen Präsidenten: Aus der "autoritären Republik" wurde die "parlamentarische Republik".
Den sogenannten "Salpeterkrieg", der von 1879 bis 1883 um die reichen Nitratlagerstätten von Antofagasta ausgetragen wurde, konnte Chile gegen Peru und Bolivien für sich entscheiden. Durch das Weltmonopol für Salpeter und den Abbau reicher Kupfervorkommen kehrte Wohlstand in das Land ein. Doch nicht alle konnten gleichermaßen daran teilhaben. Vor allem profitieren europäische und US-amerikanische Geldgeber, die Einfluss auf Chile nahmen, sowie die traditionelle Oberschicht. Die soziale Situation der Bergbau- und Industriearbeiter, die sich zum Teil in der 1921 gegründeten "Sozialistischen Arbeiterpartei" sammelten, verschlechterte sich indes zunehmend und führte zu häufigen Unruhen und Streiks. Daran konnten auch die Wirtschafts- und Sozialreformen des Arturo Alessandri (1868-1950), Führer der "Liberalen Allianz" und zwischen 1920 und 1938 mit Unterbrechungen Präsident, kaum etwas verändern, wurde doch die politische Situation des Landes durch die schweren Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 in besonderem Maße verschärft.
1938 setzte sich schließlich eine Volksfrontregierung verschiedener Linksparteien unter Pedro Aquirra Cerda (1879-1941) durch, die Chile endlich die erste fortschrittliche Sozialgesetzgebung brachte.

up

Der Staat

"Por la razón o la fuerza", "mit Vernunft oder Gewalt". Auf diesem Wahlspruch ruht das chilenische Staatswappen. Doch gerade in der jüngsten Geschichte des Landes wurde diese Devise auf den Kopf gestellt, rangiert Gewalt vor Vernunft. Von politischer Freiheit und sozialem Fortschritt träumten die Chilenen. Doch die Geschichte verlief anders. Es kamen die Soldaten - und am 11. September 1973 wurde Chile eine Militärdiktatur.
Seitdem herrschte Angst im Lande; Angst vor dem Inhaftiertwerden ohne Haftbefehl, Angst vor den Folterkammern des Geheimdienstes, Angst vor dem spurlosen "Verschwinden". Dabei gab die chilenische Geschichte zu Beginn der 1960er Jahre insgesamt gesehen Anlass zu politischem Optimismus.
1964 wurde der Führer der "Christlich Demokratischen Partei" Eduardo Frei (1911-1982) mehrheitlich zum chilenischen Staatspräsidenten gewählt. Sein ehrgeiziges Programm der "Revolution in Freiheit" sollte die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes lösen. Während seiner sechsjährigen Amtszeit wurden im Zuge der Agrarreform Teile des Landes in genossenschaftliche "asientamentos" umgewandelt sowie die Teilnationalisierung der in US-amerikanischem Besitz befindlichen Kupferindustrie durchgeführt.

Freilich, was für die einen den ersten Schritt bedeutete, ging für den anderen zu weit: Die Reformen seien zu zögerlich, meinte die Linke, zu radikal, urteilten dagegen die Konservativen und entzogen dem christdemokratischen Präsidenten ihre Unterstützung.
Weit über die Reformansätze Freis ging das Programm hinaus, mit dem der Sozialist und Kandidat der aus Kommunisten und anderen Linksparteien zusammengesetzten "Frente de Acción Popular" (Volksfront), Salvador Allende (1908-1973), zu den Präsidentschaftswahlen 1970 antrat. Er strebte eine sozialistische Neugestaltung des Landes auf parlamentarischem Weg an und gewann, für viele überraschend, die Wahl.
Auf dem Weg zum chilenischen Sozialismus wurde der Großgrundbesitz enteignet und ging in Staats- und Kollektivbesitz über. Die großen Kupferminen wurden nationalisiert, Banken und Teile der Industrie verstaatlicht sowie die Einkommen der unteren Bevölkerungsschichten angehoben. Nach anfänglichen Erfolgen verschlechterte sich jedoch die wirtschaftliche Lage des Landes rapide - nicht zuletzt im Zuge der weltweiten Rezession. Kapitalflucht, Abwanderung von Führungskräften und Boykottmaßnahmen in- und ausländischer Wirtschaftskreise trugen zu wirtschaftlichen Rückschlägen bei, die von einer zunehmenden politischen Polarisierung begleitet wurden.
Im August 1973 forderte die Mehrheit des Kongresses den Präsidenten zum Rücktritt auf. Doch Allende blieb keine Zeit zum Überlegen. Am 11. September kam es zum blutigen Putsch. Allende wurde von der Armeeführung mit Unterstützung des US-amerikanischen Geheimdienstes gestürzt und kam auf "ungeklärte Weise" ums Leben.

»Die Schlacht um Chile, 1973 – 1978

Die Schlacht um Chile begann nicht erst mit der Wahl Salvador Allendes. Bereits 1963 führte die CIA sogenannte "covert operations" durch um eine möglich Wahl Salvador Allendes zum Präsidenten zu verhindern. Mit Millionen amerikanischer Steuergelder wurden Medienunternehmen in Chile finanziert oder speziell zu Propagandazwecken gegründet um die Linksparteien zu destabilisieren. Nach der Wahl Nixons zum US-Präsidenten, legten er und Henry Kissinger das sogenannte "Project Fubelt" auf: Ziel wirtschaftliche Destabilisierung der Regierung Allende und direkte Vorbereitung eines Militärputsches. Die Operation, geleitet von CIA-Chef Richard Helms, wurde intern als "Track Two" bezeichnet, "Track One" war die erfolglose Verhinderung des Wahlsiegs der Unidad Popular gewesen. Gesamtkosten der CIA-Operation bis zum 11. September 1973: 13 Millionen US-Dollar entsprechend 35 Millionen Euro nach heutiger Wertberechnung. Am Morgen des 11.September griff das chilenische Militär unter direkter Anleitung von Pentagon-Beratern und CIA-Agenten die verfassungsmässige Regierung Salvador Allendes an. Vorausgegangen waren die Parlamentswahlen im Frühjahr 73 bei denen die Volksfront einen überwältigenden Sieg holte.Der erste Putschversuch am 29. Juni -Tarnname Tanquetazo – bei dem 22 Menschen ums Leben kamen scheiterte. Der zweite Versuch, zehn Wochen später, war erfolgreich. Luftwaffe, Marine und Infanterie folgten Augusto Pinochet als gegen 6.00 Uhr morgens über den Sender der Streitkräfte der Code "Santiago meldet Regen" verlesen wurde. Kampfjets bombardierten den Präsidentenpalast, Salvador Allende wurde gegen 14.00 Uhr erschossen. Die Junta verkündete später er habe Selbstmord begangen. Innerhalb von drei Stunden verhaftete das Militär 2.500 Linke – die Listen mit genauer Anschrift der zu Verhaftenden waren vom CIA zusammengestellt worden . [...]«
Zitat: www.laika-verlag.de -- Buch und Film "Die Schlacht um Chile, 1973 - 1978"

 Empfehlungen: "Vermisst" (DVD und Buch). Dieser politische Thriller basiert auf einer wahren Begebenheit und spielt während des Militärputsches in Chile.
 11. September 2001 und der "War on Terror"
 Neue Weltordnung - Bilderberger - Fed - Illuminati - Filme

Die Militärjunta unter der Führung von General Augusto Pinochet löste sofort das Parlament auf, die Grundrechte wurden aufgehoben, die traditionell starken chilenischen Gewerkschaften entmachtet, und zehn Jahre lang - von 1977 bis 1987 - blieben alle politischen Parteien verboten. Um jegliche Opposition schon im Keim zu ersticken, schreckte Pinochet auch vor willkürlichen Verhaftungen, Folter und Mord nicht zurück. Pinochet hob Allendes Reformwerk wieder auf, enteigneter Grundbesitz wurde zurückgegeben, verstaatlichte Betriebe reprivatisiert. Eine dauerhafte wirtschaftliche Konsolidierung gelang indes nicht. Durch die im März 1981 in Kraft getretene neue Verfassung machte er sich für weitere acht Jahre zum Präsidenten, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Rückkehr zur Demokratie
Das 1987 erlassene Parteiengesetz legalisierte mit Einschränkungen die Betätigung politischer nichtmarxistischer Parteien. Doch der Widerstand in der Bevölkerung gegen die Diktatur wuchs weiter, und im Oktober 1988 verlor Pinochet in einem Referendum die Zustimmung für eine erneute Amtsperiode. Daraufhin wurden für Ende 1989 die ersten freien Wahlen seit 1973 angesetzt, bei denen der Christdemokrat Patricio Aylwin (* 1918) einen großen Wahlsieg erringen konnte. Er war Kandidat der vereinigten chilenischen Opposition, einer aus 17 Parteien und Gruppen bestehende Mitte-Links-Koalition. Damit sprach sich die Bevölkerung Chiles innerhalb eines Jahres dreimal für die Demokratisierung des politischen Lebens aus. Eduardo Frei (* 1942), ein Sohn des früheren Präsidenten Frei, löste Aylwin 1994 als Staatschef ab. Im Januar 2000 wurde der Sozialist Ricardo Lagos Escorbar zum Staatspräsidenten gewählt.

Während der von schwersten Menschenrechtsverletzungen gekennzeichneten Diktaturzeit (1973-90) wurden nach Erhebungen der internationalen Menschenrechtskommission alleine in den ersten vier Wochen der Diktatur 4.000 Menschen ermordet. Amnesty International schätzt die Gesamtzahl der Toten auf 25.000. Tausende verschwanden spurlos, mindestens 28.000 Menschen wurden in Haft genommen und gefoltert, »[...] Hunderttausende Oppositionelle mussten ins Exil gehen. Nach der Rückkehr zur Demokratie blieb Pinochet u.a. auch als Senator auf Lebenszeit vor Strafverfolgung geschützt. Am 16.10.1998 wurde er in London auf Antrag der spanischen Justiz wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhaftet, jedoch nicht nach Spanien ausgeliefert und durfte aus Gesundheitsgründen am 3.3.2000 nach Chile ausreisen. [...]«

Pinochet konnte sich auch in seiner Heimat mit Hilfe juristischer Winkelzüge um seine Imunität, seinen Gesundheitszustand und seine Verhandlungsunfähigkeit bis zuletzt der Verantwortung für die während seiner Herrschaft begangenen Verbrechen entziehen.
Am 10. Dezember 2006 verstarb Pinochet im Alter von 91 Jahren. Eine Entschuldigung an die zahlreichen Opfer blieb bis zuletzt aus.
»[...] Mit dem Tod des Diktators wurden die gegen ihn laufenden Verfahren wegen Menschenrechtsverletzungen in 300 Fällen sowie ein Prozess wegen Steuerhinterziehung eingestellt. [...]

Die seit März 2006 amtierende sozialistische Staatspräsidentin Michelle Bachelet Jeria (Partido Socialista/PS), selbst Opfer der Diktatur, verbot ein Staatsbegräbnis. Pinochet wurde lediglich in einem militärischen Zeremoniell beigesetzt. [...]«

Die Verfahren gegen Verantwortliche der Militärdiktatur laufen weiter. Der bereits in Haft befindliche frühere Chef des ehemaligen chilenischen Geheimdienstes DINA, General Manuel Contreras Sepúlveda, wurde im Dezember 2006 im 11. Urteil gegen ihn zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Auch im Ausland laufen weiterhin Menschenrechtsverfahren. Paul Schäfer, der Leiter der ebenfalls in die Taten des Regimes verstrickten Deutschenkolonie Colonia Dignidad, wurde im März 2006 in Argentinien aufgespürt und nach Chile abgeschoben, wo er wegen Kindesmissbrauchs zu 20 Jahren und wegen Waffenbesitzes zu 7 Jahren Haft verurteilt wurde.
Zitate aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.99 ff.
up

Die Menschen

Chile ist ein Hochgebirgsland, aber die Chilenen sind kein Bergvolk. Während weite Teile des Landes wegen geographischer und klimatischer Bedingungen beinahe menschenleer sind, kommt es in Mittelchile, dem begünstigten Siedlungs- und Wirtschaftsraum des Andenvorlandes, zu einer hohen Bevölkerungsdichte. Über 80% aller Chilenen leben hier, allein jeder Dritte in Santiago de Chile.
Im Gegensatz zu den meisten südamerikanischen Staaten ist die ethnische Bevölkerungszusammensetzung Chiles recht homogen. Sie ist das Ergebnis einer rund 400 Jahre währenden Vermischung altspanischer und indianischer Bevölkerungselemente. Bei großzügiger Auslegung des Begriffs "Mestizen" zählen 70% aller Chilenen zu dieser Bevölkerungsgruppe. In Chile indes spricht man weniger von den Mestizen denn von der "raza chilena", der chilenischen Rasse.
Doch schon während der Kolonialzeit gingen zwei sehr unterschiedliche ethnische Gruppen eigene Wege: die sich auf rein spanische Vorfahren zurückführenden "Kreolen", die als Weiße gelten und heute rund ein Viertel der chilenischen Bevölkerung stellen, sowie die indianischen Mapuche, die araukanischen "Herren des Landes". Beide Volksgruppen hielten unbeirrbar an der eigenen Kultur und Herunft fest. Allerdings mit unterschiedlichem Ergebnis.
Denn während die kreolischen Familien noch heute einen nicht unerheblichen Teil der chilenischen Oberschicht stellen, finden sich die araukanischen Mapuche am Rand der chilenischen Gesellschaft wieder. Obwohl sie bis Mitte des 19. Jahrhunderts große Teile des "Kleinen Südens" besaßen, teilen die weitaus meisten der heute ungefähr 140.000 Araukaner das Schicksal ihrer nordamerikanischen Brüder und leben in Reservationen um Temuco.
Während im nördlichen Wüstenchile noch vielleicht 10.000 Aymará-Indianer und, verteilt im Lande, kleinere Ketschua- und Chonos-Gruppen leben, sind patagonische Indianervölker wie die Alacalufes, Onas und Yanganas nahezu ausgerottet. Sie wurden durch eingeschleppte Krankheiten dezimiert oder von Neusiedlern und Goldsuchern umgebracht. In Punta Arenas hat man den ausgerotteten Indianern ein Denkmal gesetzt. Ein makabres allerdings. Denn nicht von Tortur und Tod kündet das Denkmal, sondern von "Einbettung in die Liebe des Chilenentums".
Weit mehr als die indianischen Ureinwohner prägten neben den Spaniern Briten, Franzosen und Deutsche das Land. Vor allem die Deutschen haben sich - wohl wegen ihrer späteren Einwanderung ab Mitte des 19. Jahrhunderts - ihre eigene Identität und Kultur bis in unsere Tage bewahrt, wenngleich heute im "Kleinen Süden" - der klassischen deutschen Enklave - Vermischungs- und Auflösungsprozesse kaum zu verleugnen sind. Aber nicht nur die späte Einwanderung, auch die Tatsache, dass sie als Protestanten in das bis heute überwiegend römisch-katholische Chile kamen, hat zu dieser sehr langen Isolierung geführt. Insgesamt wird die Zahl der ansässigen Deutschen auf rund 16.000 geschätzt, die der Deutschstämmigen jedoch auf über 100.000.
Die überwiegende Einheitlichkeit der chilenischen Bevölkerung spiegelt sich auch in der Sprachzugehörigkeit wider. Von den einst zahlreichen Indianersprachen hat sich lediglich das Mapuche der Araukaner erhalten können, das neben der Staatssprache Spanisch jedoch nur wenig verbreitet ist.

up

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.234 f.


Literatur aus unserem Buchladen:  CHILE

www-Links



The Santiago Times - English Language Newspaper in Santiago, Chile
Chile Post - daily news and current events
CIA - The World Factbook -- Chile
Presidencia de Chile
Lonely Planet World Guide | Destination Chile & Easter Island |
Terra Networks Chile SA
CHILE - A Country Study
Iglesia Católica en Internet
CHILE Introduction
Remember-Chile: General Pinochet and human rights abuses
Chile - Derechos Humanos - Informes
UNICEF en Chile
Proyecto Desaparecidos: Chile
Political Resources on the Net - Chile
Mujeres Chile
Languages of Chile
Bilaterale Beziehungen zwischen Chile und Deutschland
Chile [Archäologie Online : Guide]
Kunstmuseum Santiago
Chile - Fuehrer Santiago
Deutsche Schule Santiago

up