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USA: Geschichte

Im Jahre 1497 überquerte John Cabot (um 1450-1498) im Dienst der englischen Krone den Nordatlantik. Wie Christoph Kolumbus (1451-1506) suchte auch er einen Seeweg nach Indien, fand aber unbekanntes Land: die Ostküste Nordamerikas.

Fortan betrachtete die englische Krone diesen Teil des amerikanischen Kontinents als ihren Besitz. Bis zur Gründung von Kolonien verging indes mehr als ein Jahrhundert. 1607 entstand in Virginia die erste Kolonie, der bald andere folgten.

Neben Siedlern, die durch Aussichten auf Grundbesitz oder gewinnreichen Handel verlockt wurden, auszuwandern, waren es vor allem Angehörige der in den europäischen Religionskriegen bedrohten radikal-protestantischen Gemeinschaften, die Siedlungen an der Ostküste Nordamerikas gründeten. Sie wollten, wie es im Mayflower-Vertrag der puritanischen "Pilgerväter" (1620) heißt, ein "bürgerliches Gemeinwesen zu unserer besseren Ordnung" schaffen. Und sie waren von der Hoffnung auf die Erfüllung biblischer Verheißungen durchdrungen.

Der protestantisch-puritanische Geist dieser glaubensstrengen, anspruchslosen und hart arbeitenden Siedler hat die amerikanische Gesellschaft stark geprägt. Einige Kolonien, so Mary-land und Rhode Island, garantierten allen Einwanderern schon früh Religionsfreiheit und die Toleranz ihrer Bekenntnisse. Nordamerika wurde - und blieb - damit Zufluchtstätte für viele religiös oder politisch Verfemte und Verfolgte. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein siedelten die Einwanderer nur im schmalen Küstenstreifen vor den Appalachen. Das Gebiet jenseits der Höhen wurde von Frankreich beansprucht. In zwei Kriegen versuchte Großbritannien, die Herrschaft über Nordamerika zu erringen. Der Siebenjährige Krieg führte 1763 schließlich zum Sieg über Frankreich, das sowohl Kanada als auch den zwischen Mississippi und Appalachen gelegenen Teil "Louisianas" an Großbritannien verlor.

Der Unabhängigkeitskampf
Dieses riesig erweiterte Kolonialreich schien zwar nach außen gesichert, wurde nun aber von innen bedroht. Großbritannien versuchte, seine Kriegsschulden durch eine Steuer- und Handelsgesetzgebung zu mindern, welche vor allem die Kolonien in Nordamerika traf. Der Unmut unter den inzwischen mehr als zwei Millionen Einwohnern äußerte sich in Forderungen nach Mitbestimmung, in Steuerboykotten und Ausschreitungen. Nach der "Boston Tea Party" von 1773, bei der britische Handelsschiffe geplündert wurden, spitzte sich der Konflikt zu. Großbritannien schloß den Hafen und löste das Oberhaus von Massachusetts auf. 1774 kam es bei Boston zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen. 1776 erklärten sich die Kolonien für unabhängig, indem sie sich in einem von Thomas Jefferson (1743-1826) verfaßten und von Ideen der Aufklärung durchdrungenen Dokument auf die Grundrechte ihrer Bürger beriefen.
Großbritannien entsandte neue Truppen. Sie zwangen die Aufständischen zum Rückzug. Dem erschöpften, von George Washington (1732-1799) nur noch mit Mühe zusammengehaltenen Aufgebot kam Frankreich zu Hilfe. Dies führte zur Wende. 1781 kapitulierten die Briten. Zwei Jahre später erkannten sie im Frieden von Versailles die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten an.
Bald nach dem Friedensschluß nahmen die Abgeordneten der dreizehn Staaten in Philadelphia die Arbeit an einer Verfassung des Staatenbundes auf, die 1791 in Kraft trat. Es folgte eine Zeit sprunghaften Wachstums. 1848 erreichten die USA mit der Eroberung von Neu-Mexiko und Kalifornien ihre heutigen Grenzen im Südwesten. Die Zahl der Einwohner hatte sich seit dem Unabhängigkeitskrieg verzehnfacht. Indes war es nicht gelungen, den sich immer mehr verschärfenden Konflikt über die Sklavenfrage zu lösen. Die Südstaaten, deren Wirtschaft von der billigen Arbeitskraft der rund vier Millionen Negersklaven abhängig war, bestritten dem Kongreß, der Bundesregierung und dem Obersten Gerichtshof das Recht zu Eingriffen in ihre wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Als 1860 Abraham Lincoln (1809-1865), einer der entschiedensten Anwälte der Sklavenbefreiung, zum Präsidenten gewählt wurde, trennten sie sich als "Konföderierte Staaten von Amerika" vom Bund. Alles trieb auf einen Bürgerkrieg zu. Er wurde von den Konföderierten wie von den Truppen der Nordstaaten, die für den Erhalt der Union und die Sklavenbefreiung kämpften, unter hohen Verlusten geführt. Nach vier Kriegsjahren unterlag der Süden der Übermacht des Nordens. Alsbald wurde die rechtliche Gleichstellung der Schwarzen in der Verfassung verankert.

Geschichte von 1866 bis 2006
Ein Jahr nachdem 1848 in Kalifornien Gold entdeckt worden war, zog der große kalifornische Goldrausch Tausende von Einwanderern an die Westküste. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen den Siedlern und den Indianerstämmen der Inneren Ebenen und des Südwestens. Eine Reihe grausamer Kriege endete mit der Niederlage der Indianer. 1876 konnten sie jedoch bei der Schlacht am Eittle Big Hörn noch einen grandiosen Sieg erringen.



Mit ihren Plantagen waren die Südstaaten lange Zeit wirtschaftlich mächtiger als viele Staaten des Nordens. Aber seitdem der Westen durch den Bau von Eisenbahnen erschlossen wurde, fiel der Süden gegenüber dem sich industrialisierenden Norden zurück. Der Bürgerkrieg, in dem weite Gebiete des Südens verwüstet wurden, schwächte ihn noch mehr. Die Zukunft der Vereinigten Staaten schien im Norden und im Westen zu liegen. Dorthin zog es die zahlreichen Einwanderer aus Ost- und Südeuropa - zwischen 1870 und 1920 kamen allein über 26 Millionen über den Atlantik.
Während die großen Eisenbahngesellschaften ihre Trassen vorschoben, suchten die Pioniere noch mit Pferdegespannen und Planwagen Wege durch die Wüsten und Gebirge des fernen Westens. Und während sich im Nordosten eine moderne Industriegesellschaft entwickelte, kämpften die Siedler noch mit den Indianern.
Der natürliche Reichtum des riesigen Landes, die rasch wachsende Bevölkerung und der große, nach außen durch Schutzzölle fast vollkommen abgeschlossene Markt ermöglichten indes ein rasches industriell-wirtschaftliches Wachstum. Als der Bau der transkontinentalen Eisenbahnlinien abgeschlossen war, schien die wirtschaftliche Entwicklung jedoch an Grenzen zu stoßen. In der wirtschaftlich und politisch führenden Schicht wuchs der Wunsch nach Eroberung neuer Märkte. Über den Pazifik hinweg wurde der Blick auf Japan und China gerichtet. Auch Mittel- und Südamerika kamen ins Blickfeld. Bereits 1823 hatte Präsident James Monroe (1758-1831) erklärt, daß die Vereinigten Staaten jeden Versuch europäischer Mächte, die Geschicke amerikanischer Staaten zu lenken, als Gefährdung ihrer Sicherheit und ihres Friedens betrachten würden. Mit dieser "Monroe-Doktrin" wurde im Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898) die Ablösung der spanischen Kolonialherrschaft in Mittelamerika und im Pazifik gerechtfertigt. Die Vereinigten Staaten waren wirtschaftlich und politisch zu einer Großmacht geworden.

Die Großmacht USA
Da sie aus wirtschaftlichen und politischen Gründen einen Sieg Deutschlands über Großbritannien und Frankreich nicht dulden konnten, griffen die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg ein. Zwar weiteten die USA nach dem Kriegsende ihre wirtschaftliche Einflußzone aus, zogen sich aber bald wieder aus der europäischen Politik zurück. Wirtschaftlich wurden die Vereinigten Staaten als Kreditgeber und als Land der industriellen Produktion für den Massenkonsum führend. Auch kulturell geriet Europa in den Bann der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Die Weltwirtschaftskrise 1929 zeigte, wie stark Europa und die USA bereits verflochten waren. Die "goldenen" zwanziger Jahre endeten mit Massenarbeitslosigkeit und -armut. Mit dem "New Deal" leitete Franklin D. Roosevelt (1882-1945) eine neue Wirtschafts- und Sozialpolitik ein, unter der sich das Land langsam erholte.
Die mehrfach erklärte und von der Mehrheit der Bevölkerung geforderte Neutralität ließ sich nicht durchhalten, als das nationalsozialistische Deutschland Europa unter seine Macht zwang und Großbritannien bedrohte. Auf dessen Unterstützung durch US-amerikanische Hilfeleistungen und Hilfsversprechen antworteten Deutschland und Italien 1941 mit einer Kriegserklärung. Wenige Tage zuvor hatte Japan den US-amerikanischen Hafen Pearl Harbor auf Hawaii angegriffen. Der im Pazifik und jenseits des Atlantik geführte Krieg dauerte für die USA mehr als drei Jahre. Er endete mit den Kapitulationen des Deutschen Reichs und Japans sowie der Aufteilung Europas in eine US-amerikanische und eine sowjetische Einflußzone.
Ein Rückzug der USA aus der Weltpolitik war nun nicht mehr möglich. Als wirtschaftlich und militärisch stärkste Großmacht versuchten sie fortan, den Einfluß des Kommunismus einzudämmen. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und der Auflösung der UdSSR endete der Ost-West-Konflikt. Dadurch wurden die USA zur alleinigen globalen Führungsmacht.
Immer wieder griffen die USA mit wirtschaftlichen, militärischen und politischen Mitteln in Auseinandersetzungen jenseits der eigenen Grenzen ein, so 1950 in Korea, 1965 in Vietnam, 1991 in Kuwait, 2001 in Afghanistan und seit 2003 in Irak u.v.a. (siehe: US-Militäreinsätze und Kriege nach dem Zweiten Weltkrieg).
Präsident George W. Bush (seit 2001) kündigte den ehrgeizigen Plan einer nationalen Raketenabwehr an, was auf internationalen Protest stieß. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York (9/11/2001) und dem Beginn des "Globalen Krieges gegen den Terrorismus", klettern die Militärausgaben in bisher nie dagewesene Höhen. Die USA werden in 2006 etwa 500 Milliarden Dollar (Vgl. 1995: 272,1), oder 5% ihres BIP, für Militärausgaben aufwenden – die Hälfte der weltweiten Ausgaben. Allein der Krieg gegen Irak verschlingt bis 2006 rund 290 Mrd. Dollar (siehe: Irak-Krieg könnte USA 500 Milliarden Dollar kosten sowie The $2-Trillion War und www.cdi.org). Die Staatsschulden steigen 2006 auf mehr als 8,4 Billionen Dollar und haben damit die zuvor begrenzte Bewilligungshöhe von rund 8,1 Billionen deutlich überschritten (auch eine Folge des massiven Haushaltsdefizits, das das Congressional Budget Office, CBO, für 2006 auf 360 Milliarden Dollar prognostiziert, eine Zunahme von 13% gegenüber dem Vorjahr; siehe: Tendenz zum Euro als "Öl-Währung"?). Wie sich die Großmacht USA angesichts ihrer schwierigen Herausforderungen in den folgenden Jahren entwickeln wird, bleibt abzuwarten.



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