Willkommen in Guadeloupe (F)

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Guadeloupe ist ein vollintegrierter Teil des französischen Staates und damit auch Teil der Europäischen Union; Zahlungsmittel ist - wie in Frankreich - der EURO.

Hauptstadt: Basse-Terre
Status: Übersee-Departement (Département d'outre-mer seit 1946); französische Überseeregion (seit 1982); französisch seit 1635.
Parlament Conseil général mit 42 Mitgliedern; Conseil régional mit 41 Mitgliedern; Wahl alle 6 Jahre; 4 Vertreter in der französischen Nationalversammlung und 2 im Senat.
Staatsoberhaupt: Staatspräsident von Frankreich, vertreten durch einen Präfekten
Fläche: 1628 km²; Inseln Basse-Terre (848 km²), Grande-Terre (590 km²), Îles des Saintes (13 km²), La Désirade (22 km²), Marie-Galante (158 km²). Anmerkung: Seit Februar 2007 wurde der französische Teil von Saint-Martin (53 km²) und Saint-Barthélemy (21 km²) von Guadeloupe abgetrennt und zu zwei eigenen überseeischen Gebietskörperschaften (collectivité d'outre-mer) aufgewertet. Neben acht bewohnten Inseln gibt es kleinere unbewohnte Inseln.
Klima: tropisches Klima mit moderat hoher Luftfeuchtigkeit; Regenzeit zwischen Juni und Oktober - in dieser Zeit auch Gefahr von Wirbelstürmen; vulkanische Aktivitäten.
Höchster Punkt: Vulkan Soufrière, 1.500 m
Einwohner: 453.000 (2005); ca. 77% Mulatten, 10% Schwarze, 10% Kreolen, 25.000 Inder.
Sprache: Französisch, Créole, Englisch
Religion: Katholiken ca. 95%, Zeugen Jehovas ca. 1,7%, Hindus und Anhänger afrikanischer Religionen ca. 3%, Protestanten ca. 1%
Wirtschaft: Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Tourismus (hauptsächlich aus den USA). 1998 kamen 693.000 Besucher. Hauptanbauprodukte für den Export sind Bananen und Zuckerrohr. Wichtigste Industrien sind Zuckerproduktion, Rumdestillation und Getreideverarbeitung. Guadeloupe ist auf Importe und Zuschüsse aus dem Mutterland angewiesen. Guadeloupe leidet unter hoher Arbeitslosigkeit (ca. 28%)


Das Land

Aus der Luft erlebt der Reisende Guadeloupe als einen Schmetterling im Karibischen Meer. Der Umriss der beiden Inseln Grande-Terre und Basse-Terre, die der schmale kanalartige Meeresarm Rivière Salée trennt, gleicht auffällig den Flügeln eines Falters. Wer jedoch über die verbindende Brücke von einem Flügel zum anderen fährt, wird erstaunt feststellen, dass ihre unterschiedliche Landschaft auf typische Weise die beiden Gesichter der Karibik zeigt: das offene der flachen Strände auf Grande-Terre und das geheimnisvolle der tropischen Regenwälder auf Basse-Terre.
Zusammen mit den benachbarten Inseln Les Saintes, Marie Galante und La Désirade bildet Guadeloupe ein französisches Überseedépartement. Zusammen mit Martinique bilden diese Inseln die Französischen Antillen. Guadeloupe ist Teil der Leeward-Inseln.

Grande-Terre
Grande-Terre, der östliche Teil Guadeloupes, der zum äußeren Bogen der Kleinen Antillen gehört, ist ein niedriges, durch verschiedene eindrucksvolle Karsterscheinungen geformtes Kalkplateau.

Das Zuckerrohr hat im Verlauf der letzten Jahrhunderte den tropischen Regenwald verdrängt, und der Blick reicht weit über langgestreckte Palmenalleen auf die malerischen Kleindörfer der Plantagenarbeiter.
Ein 40 km langer Sandstrand säumt die sanfte karibische Seite dieses Flügels von Pointe-à-Pitre bis Pointe des Châteaux. Hier erfüllen Meer, Palmen, Sand und Buchten karibische Postkartenträume, hier findet der Urlauber alle Annehmlichkeiten einer französisch geprägten Hotellerie.

Doch Grande-Terre hat noch mehr zu bieten als Sonnenbad und Wassersport. Seine herbere, dem Atlantik zugewandte Seite zeigt bei den Steilklippen von Pointe de la Grande Vigie und um die aus dem Meer ragenden Felsblöcke vor den Sandbuchten bei Pointe des Châteaux eine stark brandende See, deren steter Angriff den Fels zu imposanten Grotten ausgehöhlt hat.
Das Naturschauspiel steht im Kontrast zu einem anderen Spektakel: dem farbenfrohen Markt der Hafenstadt Pointe-à-Pitre, wo man neben exotischen Früchten, Gewürzen und Meerestieren aller Art auch Utensilien zur Geisterbeschwörung und Wodu-Medizin kaufen kann. Markt und Hafen bestimmen die Atmosphäre der quirligen Hauptstadt, an deren Kais der Umschlag von Gütern aus Frankreich und von Guadeloupes Exportprodukten Zuckerrohr, Rum und Früchten für das Mutterland Kolonialgeschichte und wirtschaftliche Abhängigkeiten deutlich werden lässt. Die Stadt, vor über 300 Jahren von ihrem holländischen Namenspatron, dem Fischer Pieter, gegründet, wurde nach Feuersbrünsten, feindlichen Überfällen und allein drei Hurrikanen im 20. Jahrhundert mehrfach zerstört, und doch lassen noch zahlreiche Gebäude aus der Zeit der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert mit ihren holzgeschnitzten Fassaden sowie den Säulen und Balkonen in ornamentreichem Gusseisen den Charme französischer Kolonialarchitektur spüren. Lohnenswert ist der Besuch der Hallen des Marché Central, der Basilique Saint-Pierre-et-Saint-Paul oder auch ein abendlicher Gang zum Place de la Victoire, wo die jungen Farbigen ihren Treffpunkt haben.

Basse-Terre
Basse-Terre ist ganz anders: der gebirgige Westteil Guadeloupes, der zum inneren Bogen der Kleinen Antillen gehört, ist ein einzigartiger Naturpark. Er wird von Nord nach Süd von einem vulkanischen Bergland durchzogen. Tropischer Regenwald erstreckt sich meilenweit, von den heißen Quellen bei Matouba bis an den Rand der Schwefelfelder unterhalb des knapp 1500 m hohen Vulkans Soufrière, dessen noch nicht erloschene Aktivität Basse-Terre mehrfach in Schrecken versetzte. Wanderwege und eine Autostraße machen die Eroberung des sonst undurchdringlichen Regenwaldes zu einem bequemen Abenteuer. Und immer wieder taucht aus den Wällen von Lianen, Hibiskus, Flamingoblumen und wilden Orchideen einer von über 90 Flüssen, Bächen und Seen auf, wegen der die indianischen Ureinwohner ihre Insel "Karukera" - das heißt "Schöne Wasser" - tauften.

"Schöne Wasser" gibt es vor allem auch an der Westküste von Basse-Terre. Die Korallenriffe vor Pigeon, wo man einen stilleren, aber nicht weniger komfortablen Tourismus findet als auf Grande-Terre, gelten als die reichsten Tauchgründe der südlichen Karibik.
Den Ausflug über diesen Teil der Insel beschließt der Besuch in der gleichnamigen Stadt Basse-Terre, der Verwaltungshauptstadt des französischen Überseedépartements. Die indianischen Felsbilder von Trois Rivières zeugen von kriegerischen Indianern, die Christoph Kolumbus (1451-1506), der die Inselgruppe 1493 entdeckte, den spanischen Flotten und den Franzosen bis 1635 trotzten. Bis 1815 wechselte in Guadeloupe viermal die Flagge zwischen Union Jack und Trikolore, bis der Wiener Kongress die Karibikinsel endgültig Frankreich zusprach.
Das Ende der Sklaverei kam erst 1848. Als französisches Überseedépartement ist Guadeloupe seit 1946 durch einen Abgeordneten im Pariser Parlament vertreten. Es wird von einem vom französischen Präsidenten ernannten Präfekten verwaltet, der einem Generalrat vorsteht. Wenn auch in Basse-Terre nur noch das alte Fort und die Kirche Notre Dame du Mont-Carmel an die Geschichte erinnern, so atmet der Place de Champ d'Arboud im Zentrum der Stadt doch eine eigene französische Atmosphäre, deren Leichtigkeit und Charme sich mit den lebhaften Farben und Temperamenten der tropischen Karibik harmonisch verbindet.

Generalstreik in Guadeloupe

»[...] Das öffentliche Leben auf Guadeloupe ist seit einem Monat wegen eines Generalstreiks gegen hohe Preise gelähmt, seit zwei Wochen wird auch auf der Nachbarinsel Martinique gestreikt. 15.000 Touristen mussten ihre Reise in das Antillen-Paradies stornieren. In der Nacht zum Dienstag war es erstmals zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. [...] Die Arbeitnehmer auf Guadeloupe protestieren gegen die hohen Lebensmittelpreise, für die sie die überwiegend weißen Geschäftsleute und Unternehmer verantwortlich machen. Dahinter steckt auch ein Machtkonflikt. Die kreolische Bevölkerung - ein Großteil Nachfahren von Sklaven - sehen sich unterrepräsentiert. [...]«
de.news.yahoo.com: Erster Toter bei Unruhen auf Guadeloupe (18.02.2009)

»[...] Inzwischen bekommt der soziale Konflikt auf Guadeloupe zunehmend rassistische Untertöne, da sich unter den Arbeitgebern überdurchschnittlich viele Weiße befinden, die Nachkommen früherer Sklavenhändler sind oder von Frankreichs Festland kommen. [...]
Protestführer: "Sklaverei" und "soziale Explosion"
"Wir, die schwarze Mehrheit auf der Insel, leben noch immer wie zu Zeiten der Sklaverei", sagte Gewerkschaftsführer Elie Domota der Zeitung "Le Figaro". Domota ist Chef des "Kollektivs gegen die Ausbeutung" (LKP), das zu dem Generalstreik auf Guadeloupe aufgerufen hatte. "Guadeloupe steht am Rand einer sozialen Explosion", warnte er. "Die Regierung muss endlich damit aufhören, uns als die Eingeborenen am anderen Ende der Welt zu betrachten." [...]«
www.tagesschau.de: Massenproteste in französischen Überseegebieten (16.02.2009)

Haupteinnahmequelle auf Guadeloupe ist der Tourismus, dessen Situation derzeit als "katastrophal" bezeichnet wird. Neben dem Tourismus hat sich keine eigenständige Wirtschaft entwickelt. Die mehrheitlich dunkelhäutige Bevölkerung leidet besonders stark unter den hohen Preisen und der hoher Arbeitslosigkeit.

»[...] Doch im Kern geht es um einen alten Konflikt aus der Kolonialzeit. Weiße gegen Schwarze, eine Regierung im fernen Paris, die jahrelang nicht gegen absurde Zustände vorging. So kommen, in bester Kolonialmanier, die meisten Lebensmittel aus Paris, dem Mutterland am anderen Ende der Welt. Selbst Milch wird nicht auf den Antillen erzeugt, weshalb die Lebensmittelpreise erheblich höher sind als in Paris. Steak kostet 50 Prozent mehr als im Mutterland, grüne Bohnen gar 170 Prozent mehr. Ein weiterer Grund: 40 Prozent der Wirtschaft gehören einer kleinen (oft weißen) Clique, die aber nur ein Prozent der Bevölkerung ausmacht. [...]«
www.focus.de, Krise im Ferienparadies (19.02.2009)

Die Protestwelle erreichte nun auch die französischen Überseegebiete Martinique und La Réunion.

Guadeloupe und Martinique erheblich verseucht mit Chlordécone

Jahrzehntelanger Gebrauch des Pestizids Chlordécone, angewandt zur Schädlingsbekämpfung auf den riesigen Bananenplantagen, hat die Lebensgrundlagen des Inselparadieses zerstört. Die Verseuchung der Böden, Gewässer, der Meeresküste und der gesamten Nahrungskette wurden nachgewiesen.
Die Zunahme von Krebserkrankungen bei der Bevölkerung ist alarmierend. Nirgendwo sonst auf der Welt werden prozentual so viele Prostatakrebserkrankungen diagnostiziert wie auf Guadeloupe und Martinique. Ungewöhnlich viele Menschen auf beiden Inseln leiden an Leukämie. Bei den untersuchten Personen wurde eine erhöhte Belastung mit Pestizid-Rückständen belegt. Gleiches gilt auch für die Mehrzahl der Neugeborenen.
Der in Ufernähe gefangene Fisch, der zum Verzehr auf den Märkten angeboten wird, weist ebenso erhöhte Chlordécone-Werte auf und dürfte nicht mehr gegessen werden. Gleiches gilt für sämtliche von der Insel stammenden Lebensmittel.
Obwohl die Gefährlichkeit von Chlordécone bereits in den 1970er Jahren bekannt war, wurde es in Paris erst 1990 verboten. Für die karibischen Länder galt das Verbot ab 1993. Allerdings konnte belegt werden, dass dieses Pestizid auch noch 2003 versprüht wurde.
organicguide.com, Pesticide disaster in the French Caribbean, 22.09.2007
pan-germany.org, Pestizide aus den karibischen Bananenplantagen vergiften Mensch und Natur, 01.09.2007
csn-deutschland.de, Die Karibik hat eine Schattenseite: Prostatakrebs durch Pestizide, 19.03.2009
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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.438 f.

Literatur aus unserem Buchladen:  ► Guadeloupe & Martinique



www-Links



Frankreich
Martinique
Guadeloupe Inselbeschreibung
Guadeloupe - aktuelle Reisemedizin
France Guide - Offizielle Informationsseite über Tourismus in Frankreich
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