Willkommen in Guatemala

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Offizieller Name: Republik Guatemala
Hauptstadt: Guatemala-Stadt (Ciudad de Guatemala)
Fläche: 108.889 km²
Landesnatur: Im SW das pazifische Tiefland, anschließend die Hochgebirgsregion der Zentralamerikanischen Kordilleren mit dem zentralen Hochland, im N die Hügellandschaft Petén und im O das atlantische Tiefland
Klima: Wechselfeuchtes tropisches Klima
Hauptflüsse: Río Negro, Río Motagua, Río de la Pasión
Höchster Punkt: Vulkan Tajumulco 4220 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Premierminister
Verwaltung: 22 Departamentos
Parlament: Kongress (Einkammerparlament) mit 113 für 4 Jahre gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 15. September
Einwohner: 11.090.000 (1999); 12.293.545 (geschätzt Juli 2006)
Bevölkerungsdichte: 102 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 40% (1999)
Analphabetenquote: 44% (1999)
Sprache: Spanisch (Amtssprache) und 24 indigene Sprachen
Religion: Katholiken 80%, Protestanten 19%
Importgüter: Brenn- und Schmierstoffe. Rohöl, Baumaterial, Maschinen, Fahrzeuge, chemische Produkte
Exportgüter: Kaffee, Baumwolle, Bananen, Zucker, ätherische Öle und Kardamom

Der Name Guatemala stammt von einem indianischen Wort ab, das "Land der Bäume" bedeutet. Beinahe die Hälfte des Landes ist von dichten Wäldern bedeckt. Guatemala ist ein von Tiefebenen umsäumtes Hochgebirgsland. Zwei Hauptketten - die Sierra Madre im Westen und die Sierra de los Cuchumatanes im Nordosten - der zentralamerikanischen Kordilleren umrahmen ein zentrales Hochland, das den Kernraum für Siedlungen und Wirtschaft bildet. Die Sierra Madre, die parallel zur Pazifikküste verläuft, wird von einer Kette von Vulkanen überragt, die teilweise noch aktiv sind. Die Kegel der höchsten, des Tajumulco (4220 m) und des Tacaná (4093 m), sind zeitweise von Schnee bedeckt. Das reich gegliederte Hochland fällt im Westen zu dem etwa 60 km breiten Schwemmlandstreifen an der Pazifikküste ab, geht im Norden in das Hügel- und Sumpfland des Petén und im Osten in das Tiefland am Atlantik über. Entlang der geologischen Bruchlinie des Motaguatales liegt eine Zone mit hoher Erdbebengefahr. Das letzte große Beben im Februar 1976 kostete 22.500 Menschen das Leben.

Klima und Vegetation
Das tropische Klima Guatemalas variiert hinsichtlich Temperatur und Niederschlagshöhe in Abhängigkeit von den unterschiedlichen Höhensturen. Es reicht vom wechselfeuchten Tropenklima im pazifischen Tiefland, von der immerfeuchten Hitze im Petén und im karibischen Tiefland über die gemäßigten Klimazonen des Hochlandes in 600-1800 m Höhe bis zum kalten Hochgebirgsklima.
Diese klimatische Grobgliederung bestimmt den Vegetationswechsel von der tropischen Fülle und Vielfalt bis zur alpinen Kargheit und damit auch die landwirtschaftlichen Produktionsmöglichkeiten. Das karibische Tiefland ist noch weitgehend von tropischem Regenwald bedeckt. Die mittleren Gebirgslagen sind reich an Kiefern- und Eichenwäldern.

Dornsträucher und Kakteen sind charakteristisch für die trockenen Beckenlandschaften des Hochlands und für die Karstlandschaft der Sierra de los Cuchumatanes. In der pazifischen Tiefebene werden auf Großplantagen, die von riesigen Viehweiden unterbrochen sind, Zuckerrohr und Baumwolle angepflanzt. Kaffee, das wichtigste Exportgut, wird an den Berghängen der Sierra Madre und von Alta Verapaz angebaut. Die von US-amerikanischen Konzernen im Motaguatal angelegten Bananenplantagen haben zwar ihre Blütezeit längst hinter sich, dennoch trägt der Export von Bananen auch heute noch nicht unerheblich zu den gesamten Exporteinnahmen bei.

Wirtschaft
Etwa 60% der Bevölkerung lebt im Hochland. Hier liegt auch die Hauptstadt Guatemala (Ciudad de Guatemala), deren Einwohnerzahl sich in zwei Jahrzehnten auf mehr als 1,2 Millionen verdoppelt hat. Die große Mehrheit der indianischen Kleinbauern lebt in kleinen Streudörfern und baut mit einfachsten Mitteln vor allem Mais, Bohnen und Gemüse für den familiären Eigenbedarf und geringen Tauschhandel an. Neun Zehntel von ihnen besitzen freilich mit durchschnittlich nur 386 m² Betriebsfläche nicht genügend Land, um ihre Familie zu ernähren. Viele sind deshalb zur Saisonarbeit auf den Plantagen im Tiefland gezwungen. Wie überall in Lateinamerika ist auch hier die Landwirtschaft durch den krassen Gegensatz zwischen Minifundien und Latifundien, zwischen einer kleinbäuerlichen Selbstversorgungswirtschaft und einer großbetrieblichen Exportwirtschaft, gekennzeichnet. Während die Großbetriebe - nur 0,1% aller Betriebe - über ein Viertel des bebaubaren Landes verfügen, müssen sich fast neun Zehntel der Betriebe mit einem Fünftel der Nutzfläche begnügen. Diese seit Jahrhunderten bestehende Ungerechtigkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten noch dadurch verschärft, dass sich Politiker, hohe Offiziere sowie in- und ausländische Spekulanten mit teilweise dubiosen Methoden Land, vor allem im dünn besiedelten Norden, angeeignet haben, weil dort große Rohstoffvorkommen vermutet werden. Auf dem Hochland wurden viele verschuldete Kleinbauern von ihren Parzellen vertrieben, aus ihren Gemeinschaften und Lebensformen herausgerissen und teilweise in Barackendörfern ("Modelldörfern") zusammengepfercht. Statt Mais und Bohnen für den Eigenbedarf bauen sie nun auf Plantagen Chinakohl, Broccoli oder Melonen für den Export an. Zu Beginn der 1980er Jahre machte der unter dem Vorwand der Aufstandsbekämpfung von Armee und Todesschwadronen organisierte Terror gut eine Million Indiobauern zu Flüchtlingen. Sie tauchten in Slums unter, versteckten sich im Regenwald oder flohen nach Mexiko.

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Geschichte

Das Gebiet von Guatemala gehörte vor seiner Eroberung durch die Spanier zum Mayareich. Die Mayasiedlung Kaminaljuyú auf dem Hochland bestand schon rund 800 Jahre v. Chr. Die Spanier eroberten 1524, von Mexiko kommend, zunächst nur das Hochland. Sie machten Guatemala zum Generalkapitanat, dem sie die anderen Provinzen in Zentralamerika unterstellten. Die Eroberer zwangen den Indios das Christentum auf und überließen sie den Schatzsuchern und Kolonisten als Arbeitssklaven.
1821 schloss sich die Provinz-Oligarchie der Erhebung der zentralamerikanischen Provinzen gegen die Kolonialherrschaft an. Sie begaben sich zunächst gemeinsam unter die Schirmherrschaft des kurzlebigen Kaiserreichs von Mexiko und verselbständigten sich zwei Jahre später im Staatenbund der "Vereinigten Provinzen von Zentralamerika". Den Indios brachte die "Freiheit" eher Nachteile, weil sie nun auch den kolonialen Schutz ihres kommunalen Landbesitzes vor dem Zugriff der Oligarchie verloren. Das Bündnis von Oberschicht und Kirche machte Guatemala für ein halbes Jahrhundert zum Zentrum der klerikal-konservativen Kräfte in Zentralamerika. Die Geschichte der "Republik Guatemala" begann erst 1839 mit ihrer Herauslösung aus dem zentralamerikanischen Staatenbund. Der Diktator R. Carrera (1814-1863) verschaffte ihr durch Kriege mit den Nachbarstaaten eine Vormachtstellung auf der Landbrücke.

Die Machtkämpfe zwischen Familiencliquen brachten 1871 die "Liberalen" an die Macht, die mit der Säkularisierung der Klöster und dem Verbot der Jesuiten das klerikal-konservative Machtkartell zu brechen versuchten.
Der Diktator Estrada Cabrera, der von 1898 bis 1920 regierte, modernisierte das rückständige Land durch den Bau von Straßen, Eisenbahnen und Nachrichtenverbindungen und beteiligte es durch den Ausbau von Exportkulturen am devisenbringenden Exportgeschäft. Er diente damit den Interessen der Plantagenbesitzer, machte aber das Land außenwirtschaftlich verwundbar. J. Ubico (1878-1946), der von 1931 bis 1944 das Land regierte, wurde aufgrund seines herrischen Gehabes als "Napoleon der Tropen" berüchtigt. Sein Sturz durch einen Generalstreik schien der Oberschicht die politische Macht zu entreißen und den Ladinos den Zugang zur Macht zu eröffnen. Es waren die gewählten Präsidenten J.J. Arévalo (1904-1990) und J. Arbenz Guzmán (1913-1971), der von 1950 bis 1954 regierte, die versuchten, durch den Aufbau von Gewerkschaften, Bauernligen und Reformparteien ein Gegengewicht zur Oligarchie zu schaffen. Als Präsident Arbenz jedoch auch noch daran ging, durch Reformgesetze die Macht der Großgrundbesitzer und ausländischen Plantagengesellschaften zu brechen, wurde er durch einen Putsch gestürzt. Die USA gewährten dem Putschführer Carlos Castillo Armas (1914-1957) großzügige Unterstützung mit Geld und Söldnern. Sie blockierten mit dieser Intervention in ihrem "Hinterhof" eine friedliche Veränderung der konfliktträchtigen Besitz- und Herrschaftsstrukturen.

Das Ende der Militärherrschaft?
Nach 1954 beherrschte wieder das Militär die politische Szene. Seine Führungen veranstalteten zwar unter dem Druck der USA gelegentlich das Ritual von Wahlen, fälschten aber deren Ergebnisse nach Belieben. 1978 erhielt General R.L. García zwar nur 8,3% der Stimmen, wurde aber dennoch Präsident. Die Militärs verhängten häufig den Ausnahmezustand, trieben die Opposition in den Untergrund, folterten und mordeten. Nach Angaben von "Amnesty International" fielen diesem Staatsterror in den Jahren 1966 bis 1980 mindestens 30.000 Menschen zum Opfer. Gegen diese Willkürherrschaft organisierten sich nach 1979, ermutigt durch den revolutionären Sieg der Sandinisten in Nicaragua, mehrere bewaffnete Widerstandsgruppen.

Ihre Anschläge lösten wiederum grausame "Säuberungsaktionen" der Armee aus, die auch vor bestialischen Massakern in Indiodörfern nicht zurückschreckte. Der Terror sollte die Indios einschüchtern und sie vor einer Unterstützung der Guerilla abschrecken. Die US-Regierung sperrte zwar die Wirtschafts- und Militärhilfe, konnte aber nicht verhindern, dass das Foltern und Morden im Namen der "nationalen Sicherheit" weiterging.
In den Jahren 1985/1986 erreichte die Re-Demokratisierung im übrigen Lateinamerika auch Guatemala. Die Christdemokraten, die mit ihrem Reformprogramm besonders die Ladinos ansprachen, gewannen bei Wahlen deutliche Mehrheiten. Der neue Präsident Vinicio Cerezo Arévalo (* 1942), dem die Präsidialverfassung nach US-amerikanischem Vorbild eine starke Stellung gab, bemühte sich, das Treiben von Todesschwadronen zu beenden. Arévalos Nachfolger wurde 1991 der rechtsgerichtete Jorge Serrano Elias (* 1945). Er löste 1993 das Parlament auf und schränkte Verfassungsrechte ein. Unter dem Druck der Opposition zwang das Militär ihn zum Rücktritt. Der 1996 gewählte Präsident Alvaro Arzú Irigoyen (* 1946) schloss im Dezember 1996 ein Friedensabkommen mit der linken Guerilla, um den jahrzehntelangen Bürgerkrieg, dem rund 100.000 Menschen zum Opfer gefallen sind, zu beenden. Im November 1999 wurde Alfonso Antonio Portillo Cabrera zum Präsidenten gewählt.

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Die Menschen

Der flüchtig wahrnehmende Tourist, der sich nicht nur in der Hauptstadt aufhält, gewinnt den Eindruck, ein von Indios geprägtes Land zu besuchen. In den Führungsetagen von Ministerien, Banken und Großfirmen, in Villenvierteln, in Eliteschulen und auf den pompösen Landsitzen der Großgrundbesitzer begegnet er allerdings der weißen Minderheit, die nur rund 5% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Im karibischen und pazifischen Tiefland bereichern Menschen mit schwarzer und brauner Hautfarbe ethnischer Vielfalt. Die Aussage, dass fast zwei Drittel der Guatemalteken Indios sind und von diesen wiederum zwei Drittel auf dem Hochland leben, stimmt nicht mehr. Die Landflucht aus übervölkerten Regionen und die vom Bürgerkrieg erzwungene Massenflucht haben die alten Siedlungsgrenzen verwischt. Es scheint zwar, dass es noch immer eine Mehrheit von Indios gibt, nach der Selbsteinschätzung aber eine Mehrheit von "Ladinos", also nicht mehr hundertprozentige Indios, die auch Spanisch sprechen, die die typischen Indiotrachten abgelegt haben und vorwiegend in den Städten leben.

Die weiße Oberschicht, zu der sich eine kleine Gruppe neureicher Ladinos gesellte, steht ganz oben auf der gesellschaftlichen Stufenleiter, die Indios befinden sich ganz unten und das Gros der Ladinos irgendwo dazwischen. Besonders "die da oben" und "die da unten" leben in völlig verschiedenen Welten und Kulturen.
Die Indios sind Nachfahren der Maya, also Erben einer großen Kultur. Sie gehören vorwiegend zu den Mayavölkern der Quiché und Cakchiquel und sprechen verschiedene Dialekte aus der Maya-Quiché-Sprachgruppe. Die ehemaligen Herren des Landes sind seit der Kolonialzeit mehrheitlich arme Kleinbauern, Landarbeiter, Tagelöhner und schließlich Slumbewohner, wenn sie in den Städten Arbeit suchen. Bei der schwierigen Beschäftigungssituation haben sie als ungelernte Arbeitskräfte und Analphabeten die geringsten Chancen, eine feste Arbeit zu finden. Weil sich der von Weißen und Ladinos beherrschte Staat außerhalb der Städte wenig um das Bildungs- und Gesundheitswesen kümmert, hat die "Entwicklung" den Indios wenig Gutes gebracht. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen kann mehr als ein Drittel der Erwachsenen weder lesen noch schreiben. Diese Durchschnittszahl, die in ganz Lateinamerika nur noch von Haiti übertroffen wird, verschleiert jedoch die wesentlich höhere Zahl der Analphabeten unter den Indios. Weil sie sich auch keinen Arzt leisten können, selbst wenn es einen in erreichbarer Nähe ihres Dorfes geben sollte, sterben viele Säuglinge. Weil viele Kinder früh sterben, müssen viele geboren werden. Das jährliche Bevölkerungswachstum lag deshalb in den letzten Jahren bei 2,6% und gehört damit zu den höchsten in der Welt.

Wer in Guatemala "aufs Land" fährt, scheint in eine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Vergangenheit zu reisen - wenn er nicht in zerstörten Dörfern den Folgen des Bürgerkrieges begegnet. Die Indiofamilien leben in kleinen Dörfern in der Gemeinschaft von Sippen- und Stammesverbänden. Die Dörfer sind Lebensgemeinschaften, in denen vieles gemeinsam geregelt wird. Die Familien stellen mit einfachen Werkzeugen fast alles selbst her, was sie brauchen: ihre Trachten aus Schafwolle, ihre Schuhe aus Agavenfasern, ihre Mahlzeiten und Getränke. Bei aller Armut feiern die Indios gerne und trinken viel. In ihrer tiefen Religiosität verbinden sie Bräuche und Vorstellungen der Mayakultur mit den ihnen aufgezwungenen Inhalten und Riten des Katholizismus. Sie verehren christliche Heilige, vergessen aber nicht die alten Götter und Geister der Maya, die ein Opfer erwarten. Die von vielen Touristen besuchten Kultstätten der Maya, Tikal, Yaxchilán, Piedras Negras und Quiriguá, sind für sie nicht nur Erinnerung an eine verlorene Geschichte, sondern immer noch religiöse Kultstätten.

80% der Guatemalteken bekennen sich zum Katholizismus, der aber für viele nur eine Gewohnheit und Pflichtübung darstellt. Seit den 1970er Jahren haben protestantische Erweckungsbewegungen, die aus den USA finanziert werden, starken Zulauf bekommen. Die konservative katholische Kirche öffnete sich nur langsam den sozialen Problemen und Bedürfnissen von Menschen, die in ihrer Hoffnungslosigkeit für Verheißungen auf irgendein Glück anfällig sind. Aus dem religiösen Eiferer Ríos Montt wurde ein blutrünstiger Diktator, der von 1982 bis 1983 regierte und mit "Bohnen und Kugeln" Jagd auf die als Komplizen der Guerilla verdächtigten Führer der Indios machen ließ.

Die guatemaltekische Gesellschaft steckt auch nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs noch voller Gewalt, deren Opfer vor allem die Ureinwohner sind. Ihre traurigen Augen und verhärmten Gesichter drücken aus, was sie täglich erleben: Ausbeutung und Unterdrückung, Diskriminierung und Verachtung. Die Idylle einer alten Kultur und farbenfroher Feste, die zivilisationsmüde Touristen anzieht, romantisiert ihre Lebenslage. Sie sind beispielhaft für die "Verdammten dieser Erde". Wenn sich soziale Aufsteiger von ihren ethnischen und kulturellen Wurzeln distanzieren, dann droht das Erbe der Maya vollends zur Randkultur zu verkommen.

Im Kampf um soziale Gerechtigkeit trat ein katholischer Priester in Aktion: Andrés Giron wurde Ende der 1980er Jahre zum Führer der Landreformbewegung. Er arbeitete unermüdlich für die Unterprivilegierten und versuchte auf legalem Wege, brachliegendes Land und regierungseigenen Boden für die Indianer zu bekommen. Reiche private Grundbesitzer sind seit langem Ziel seines Zorns. Dies, zusammen mit seinem leidenschaftlichen Eintreten für die Rechte der Armen, kennzeichnete ihn für einige als Marxisten.

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Entwicklungen

»[...] Gewaltkriminalität: Das Land leidet unter ... der höchsten Mordraten des Kontinents, allein 2006 wurden 5885 Personen ermordet (2008 über 6200, Anm. muz-online.de), 60 % mehr als noch 2003. Die meisten Verbrechen gehen auf das Konto der "Mara", in ganz Zentralamerika und den USA operierende Jugendbanden, die allein in Guatemala schon mehr Mitglieder haben sollen als die 19 ooo Mann starke Polizeitruppe. Auch hier setzt sich die Kriminalität in den überfüllten Gefängnissen fort. So stürmten 3000 Sicherheitskräfte am 25.9.2006 ein Gefängnis in der Stadt Fraijanes, das seit nahezu zehn Jahren faktisch von den Insassen kontrolliert worden war. Bei der Aktion wurden sieben Häftlinge getötet. Die Regierung des seit Januar 2004 amtierenden Präsidenten Oscar Rafael Berger Perdomo (Gran Alianza Nadonal/GA-NA) kommt bei der Bekämpfung von Gewaltkriminalität und Korruption nicht voran. Tatsächlich steht der sich immer weiter ausbreitenden Gewalt von Verbrecherbanden, Drogenkartellen und Todesschwadronen ein notorisch korrupter und ineffizienter Polizei-und Justizapparat gegenüber: So werden etwa nur 2 % der Mordfälle aufgeklärt. Höchste Militär- und Regierungskreise sind in die organisierte Kriminalität verwickelt. Die Menschenrechtsorganisation amnes-ty international weist in einem Report vom April 2007 daraufhin, dass in Guatemala verstärkt kriminelle Geheimnetzwerke aktiv sind, die sich aus ehemaligen Mitgliedern der Streitkräfte, Angehörigen der Wirtschaft und privater Sicherheitsfirmen und gewöhnlichen Kriminellen zusammensetzen. Im Dezember 2006 einigten sich die guatemaltekische Regierung und die UN auf die Einsetzung einer Kommission, die diese Geheimgruppen identifizieren und beseitigen soll. [...]
Armut: Trotz einiger Fortschritte bei der Armutsbekämpfung gehört Guatemala weiterhin zu den Ländern mit der ungerechtesten Einkommensverteilung in Lateinamerika. 56% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, 16% sogar in extremer Armut. Nach einer im März 2007 veröffentlichten Studie der Weltbank hat sich vor allem die Lage der Mayabevölkerung, die knapp die Hälfte der Einwohner Guatemalas ausmachen, in den letzten Jahren kaum verbessert. Noch immer ist sie besonders von der Armut betroffen und zudem umfassender Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt.
Außenpolitik: Nachdem sich in einem wochenlangen diplomatischen Tauziehen um den Lateinamerika zustehenden Sitz als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat weder Venezuela noch das von den USA favorisierte Guatemala hatte durchsetzen können, wurde am 7.11.2006 Panama von der UN -Vollversammlung als Kompromisskandidat in das turnusmäßig neu zu besetzende höchste UN-Gremium gewählt. Die Unterstützung der Vereinigten Staaten für Guatemala in dieser Sache ist auch ein Resultat der US-freundlichen Außenpolitik der Regierung Berger. Guatemala ist Gründungsmitglied der 2004 ins Leben gerufenen zentralamerikanischen Freihandelszone CAFTA. Im Juli 2006 hatte das guatemaltekische Parlament das Abkommen abschließend ratifiziert.
Die Verbesserung der Sicherheitslage in Mittelamerika, der Kampf gegen Drogenanbau und -handel sowie gegen Korruption und Menschenschmuggel standen im Mittelpunkt der Gespräche, die US-Präsident George W. Bush bei seinem Besuch in Guatemala, der vierten Station auf seiner Lateinamerikareise, Anfang März 2007 mit Staatspräsident Oscar Berger führte.«
Zitiert aus: DER FISCHER WELTALMANACH 2008, S. 210 f.

»[...] Organisierte Kriminalität: Wie auch seine Vorgänger kam Colom (Álvaro Colom Caballeros, von der Unidad de la Esperanza - UNE - Staatspräsident seit 2008; Anm. muz-online.de) bei der Bekämpfung der ausufernden Gewaltkriminalität kaum voran. Neben El Salvador und Honduras weist Guatemala die höchste Mordrate auf dem amerikanischen Kontinent auf. 2008 kamen über 6200 Menschen gewaltsam ums Leben. Neben den immer gewalttätiger, teilweise auch länderübergreifend operierenden mittelamerikanischen Jugendbanden, den sog. Maras, verschärften in der letzten Zeit die Aktivitäten der Drogenkartelle aus dem benachbarten Mexiko die prekäre Sicherheitslage. Diese wichen aufgrund des seit 2006 verschärften Vorgehens der mexikanischen Regierung stärker in Nachbarländer aus und lieferten sich auch dort einen Verteilungskampf um die lukrativen Drogenhandelsrouten in die USA. Gemeinsam mit den Mexikanern versuchten guatemaltekische Behörden, das als Rückzugsgebiet der Drogenmafia dienende Grenzgebiet wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. Mit ca. 20 Mio. US-$ unterstützen die USA in den nächsten drei Jahren im Rahmen der sog. Merida-Initiative den Kampf Guatemalas gegen die Drogenkriminalität.
Am 15.7.2008 wurde Júan Carlos Martinez, der Oberste Chefermittler im Verfahren gegen die Mörder von drei salvadorianischen Politikern, die im Februar 2007 in Guatemala getötet worden waren, in der Hauptstadt erschossen. Für die Tat wurden Mitglieder eines Drogenkartells verantwortlich gemacht. Im Verlauf der Gerichtsverhandlung waren bereits vier Polizisten, die in diesen Fall verwickelt waren und Aussagen machen wollten, in der Haft ermordet worden.
Die unverändert hohe Zahl an Morden führte am 7.1.2009 zur Entlassung von Innenminister Francisco Jimenez, der durch Salvador Gandara ersetzt wurde. Bereits am 21.12.2008 war wegen mangelnder Erfolge gegen die steigende Gewalt Verteidigungsminister Marco Tulio García Franco durch Abraham Valenzuela González ausgetauscht worden.
Wirtschaft: Guatemala, einen der ärmsten Staaten Zentralamerikas, traf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hart, v.a. der Rückgang der Geldüberweisungen der Auslandsguatemalteken trug zur Verschlechterung der Lage bei. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird der Betrag von 4,4 Mrd. im Vorjahr auf 3,8 Mrd. US-$ fallen.«
Am 12.6.2009 trat Guatemala dem von Venezuela gegründeten Energieverbund Petrocaribe bei.«
Zitiert aus: DER FISCHER WELTALMANACH 2010, S. 237.

Siehe auch:  Venezuela

Wahlen 2011: Die Präsidentschaftswahlen am 6. November 2011 gewann Ex-General Otto Pérez Molina. Er gilt als konservativer Hardliner und will vor allem die Kriminalität bekämpfen. »[...] Damit steht erstmals seit Ende der Militärdiktatur vor 25 Jahren wieder ein früherer Armeevertreter an der Spitze des Landes. [...] Er versprach, die Sozialprogramme seines Vorgängers, Alvaro Colom, fortzusetzen und weiter auszubauen. "Wir werden hart kämpfen, um für Frieden, Sicherheit, Arbeit und die Entwicklung der ländlichen Gebiete zu sorgen", sagte Pérez Molina.
Colom konnte nach einer absolvierten Amtszeit nicht wieder zur Wahl antreten. [...]«
Zitat: www.zeit.de, Präsidentenwahl, 7.11.2011

Fest der Farben in Santa María de Jesús

Aus dem "Museo Ixchel del Traje Indigena" (Guatemala City)

Der Bericht wurde entnommen aus: "REVUE - Guatemala's English-language Magazine", February 2001, Seite 16
Women from Santa María de Jesús

Santa María de Jesús, auf den Neigungen vom Vulkan Agua gelegen, ist ein Fest der Farben. Die meisten seiner einheimischen Frauen tragen immer noch ihre unterscheidende Kleidung des roten, tiefroten, purpurroten und grün dicht-brokatierten huipil genannt piecha, den blauen Rock oder morga und eine rote Schärpe oder ein rotes tzute. Das traditionelle tzute ist rot, aber es gibt auch ein schwarzes für Trauer, das sich nur in der Hintergrundfarbe unterscheidet.

Anfang der 1990er Jahre wurden andere tzutes beliebt: eins von San Antonio Aguas Calientes und eines auf einem Fußhebel gewebtes. Das San Antonio tzute, wie das berühmte San Antonio huipel, ist das meiste renommierte von allen. Es wird aufgrund seiner komplexen Brokattechnik und guten Streifens hoch in der Gemeinschaft geschätzt. Jedoch wird das Originalrote tzute immer noch in Santa María von einer großen Anzahl von Frauen verwendet, wie zum Beispiel bei der Dorfprozession der Jungfrau Maria.
Die Jungfrau Maria wurde sorgfältig von männlichen Mitgliedern des Kirchenkomitees mit sowohl dem roten als auch schwarzen tzute angezogen. Ein Schleier ergänzte ihr schönes Gewand. Die Jungfrau wurde gebraucht, um mehrere Mitglieder des cofradías und die reinas der Stadt zu grüßen. Seitdem sich fast alle Männer von Santa María westlich kleiden, fiel ein Paar der cofradía Mitglieder in ihren traditionellen Kleidungsstücken auf: Hemd, tzute geschnürt auf dem Kopf und der Schärpe - alles handgewebt in Rot wie auch ihre weiße Hose. Mehrere Elemente der Kleidung aus der Zeit um die Jahrhundertwende sind natürlich verloren gegangen.
So zum Beispiel der einst elegante hoch gekrönte Hut, der Bolero genannt wird, der mit einem Band dekoriert wurde. Auszeichnungen im Band wurden verwendet, um Unterschiede zwischen dem Rang der cofradía Mitglieder zu signalisieren.
Dem explosiven Tanz, dem Torito oder Little Bull, folgte eine scheinbar nie endende Explosion von Knallkörpern, die ametral-ladoras, nach dem die Heilige ihre Reise um die Stadt fortsetzte. Leider fehlten die tenanzas bei der Prozession. Wenn gefragt wurde, sagte ein Paar von Informanten, daß "sie nicht eingeladen worden waren". Tenanzas sind die Frauen, die Teil der neun für die kleineren Dorfheiligen verantwortlichen cofradías ausmachen. Diese Frauen tragen unterscheidende Artikel wie ein weißes sobrehuipil und tzute.
Über die Zeit haben die 18 cofradías von Santa María de Jesús leider die meisten ihrer Mitglieder verloren, und die übrigen, die im Amt verblieben sind, halten es aufrecht um es später ihren Kindern hinterlassen zu können. In der Ixchel Museumsveröffentlichung, "Santa María de Jesús" (1991), findet sich eine Textpassage worin Bürger, die Ende der achtziger im Zuge einer Feldforschung interviewt worden waren, meinten, dass cofradías verschwinden werden. Und anscheinend wird es nun wahr. Einige Frauen fahren fort, beide unterscheidenden Kleidungsstücke für den Verkauf zu weben, aber im Zuge der Zeit nehmen die Mitgliedsverluste mehr und mehr zu.

Das photographische Archiv des Ixchel Museums ist auf diese Art ein wichtiges Dokument des Lebens vom einheimischen Dorf cofradías geworden. Formell war es eine einfache Sammlung von während der Feldforschung aufgenommenen Photographien und großzügig von professionellen Photographen gespendeten Photographien. Jetzt ist das Archiv reorganisiert, neu belebt und absichtlich übermäßig.
Der amerikanische Verein, "Freunde des Ixchel Museums" finanziert die Wiederbelebung des Archivs. Als Teil dieses Projekts, gingen die Fotografin Anne Girard de Marroquín und die Anthropologin Barbara Knoke de Arathoon auf eine Reise nach Santa María de Jesús am 2. Januar 2001, der Tag, an dem die Stadt das Fest von einem seiner Schutzpatrone, "den süßen Namen von Jesus" feiert. Der beschleunigte Prozeß der Veränderung, die die Mayatextiltradition erlebt, macht es besonders wichtig, die Explosion der Farbe in Santa María de Jesús auf Film festzuhalten.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.530 f.




www-Links



Tropensturm "Stan" verwüstet Guatemala
REVUE - Guatemala's English-language Magazine
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