USA: Einwanderung

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein klassisches Einwanderungsland mit einer relativ kurzen Geschichte. Die US-amerikanische Nation entstand erst im 18. und 19. Jahrhundert und setzt sich aus Einwanderern und deren Nachkommen aus aller Herren Länder zusammen. Obwohl eine biologische Vermischung im "Schmelztiegel" der USA stattgefunden hat, ist das- US-amerikanische Volk immer noch ein buntes Mosaik von unterschiedlichsten Ethnien, das aber durch ein starkes gemeinsames Nationalbewußtsein verbunden ist.

Im Jahre 1800 hatten die USA eine Bevölkerung von nur 5,5 Millionen einschließlich der afrikanischen Sklaven im Süden des Landes. Heutzutage, also zweihundert Jahre später, beträgt die Einwohnerzahl rund 300 Millionen. Solch ein gewaltiges Wachstum ist nur zum Teil auf natürliche Bevölkerungsvermehrung zurückzuführen. Es entspringt in erster Linie der Einwanderung. Von 1800 bis 1990 sind schätzungsweise 90 Millionen Menschen in die USA gekommen, von denen 55 Millionen nie mehr zurückkehrten und zu US-Amerikanern wurden. Europäer waren unter den Einwanderern am stärksten vertreten.

Einwanderungswellen
Sechs große Einwanderungswellen hat es gegeben. In den Jahren von 1800 bis 1860 überwogen Einwanderer aus England, Irland, Schottland und den deutschsprachigen Gebieten, besonders aus Hessen, Preußen, aus der Rheinpfalz und Österreich. Zwischen 1860 und 1890 waren Deutsche, Briten und Skandinavier am zahlreichsten. Von 1900 bis 1914 überwogen Polen, Ukrainer und Russen sowie Südeuropäer, besonders Italiener. Ihnen folgten nach dem Ersten Weltkrieg weitere Osteuropäer, vor allem Russen, Ukrainer und Balten sowie Deutsche, Österreicher, Tschechen und Ungarn. Die vierte große Einwanderungswelle fand in den Jahren 1933 bis 1955 statt. Europäische Juden und andere politisch Verfolgte sowie Flüchtlinge des Zweiten Weltkrieges fanden in den USA Aufnahme. Die nächsten Einwanderungsschübe kamen aus Ungarn (1956), der Tschechoslowakei (1968), Vietnam und Kambodscha (nach 1974), Nicaragua (seit 1986) und Haiti. Ein nie abreißender Strom oft illegaler Einwanderer -etwa 500.000 pro Jahr - stammt aus den lateinamerikanischen Ländern, besonders aus Mexiko. Die Hispano-Amerikaner (Hispanics) einschließlich der Kubaner, Puertoricaner und Mexikaner sind die am schnellsten anwachsende Minderheit der USA, die heute bereits mehr als 30 Millionen Menschen zählt, mehr als doppelt so viele wie noch vor zwanzig Jahren.
Die letzte große überseeische Einwanderungswelle wurde durch den Vietnamkrieg ausgelöst: In den 1970er und 1980erJahren kamen etwa 400.000 vietnamesische Flüchtlinge in die USA. Neben diesen sind seit etwa 1970 Einwanderer aus Südkorea, Taiwan, China, Hongkong, Kambodscha und von den Philippinen registriert worden. Auf diese Weise ist die asiatische Minderheit in den letzten dreißig Jahren von rund 1,5 Millionen auf knapp 10 Millionen Menschen angestiegen.

Ein neues Mischvolk
Bei ihrer Einwanderung haben manche Volksgruppen gewisse geographische Gebiete vorgezogen. So sind z. B. die Staaten Wisconsin, Minnesota und Iowa vorwiegend von Skandinaviern und Deutschen, Österreichern und Schweizern und der Staat Pennsylvania von Deutschen, Polen und Ukrainern besiedelt und kultiviert worden. Deutsche haben sich auch in großer Zahl in Texas niedergelassen, während mehr als die Hälfte aller Chinesen, fast drei Viertel aller Filipinos und die Mehrzahl der Japaner im Westen der USA, vor allem in California und Hawaii, anzutreffen sind. 75% aller Kubaner und die Mehrzahl der Flüchtlinge aus Nicaragua leben in Florida, und über 80% aller Hispano-Amerikaner sind im Südwesten des Landes zu Hause. Im ganzen gesehen hat jedoch ein bemerkenswerter biologischer und geographischer Einschmelzungs- und Mischprozeß stattgefunden, der im Laufe der Zeit Einwanderer aus den verschiedenen Ländern zu einem neuen Volk zusammengeschweißt hat. Über die Hälfte aller US-Amerikaner hat Eltern oder Großeltern verschiedener nationaler Herkunft. Auch Vermischung zwischen Menschen unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit ist sehr häufig. Diesem neuen integrierten Mischvolk der "US-Amerikaner" gehören aber auch heute nicht alle Einwohner des Landes an. Zahlreiche Bevölkerungsgruppen sind nicht hinreichend integriert, vor allem die Schwarzen, auch Afro-Amerikaner genannt, die Hispano-Amerikaner, die asiatischen Volksgruppen, und die "eingeborenen" Indianer. Die Gesetzgebung hinsichtlich der "Gleichen Bürgerrechte" und "Eingliederung" hat seit den 1960er Jahren große Fortschritte auf dem Weg zur Integration dieser Minderheiten gebracht. Grundlagen der Einheit der USA sind die vorherrschenden angelsächsischen Kulturnormen, die englische Sprache und die Stärke der amerikanischen Demokratie und ihre Symbolik: die Fahne, die Nationalhymne und der stolze Treueeid, den schon die Kinder lernen: "I pledge allegiance to the flag of the United States of America, and to the republic for which it stands, one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all . . ."

Entwicklung
Nach dem Anschlag vom 11. September 2001 wurde in den USA die Forderung nach einem verschärften Einwanderungsgesetz immer lauter. Im März 2006 verabschiedete das Repräsentantenhaus das neue Gesetz (HR4437), das vom republikanischen Abgeordneten James Sensenbrenner eingebracht und von der Antieinwanderungslobby unterstützt wurde.

Es kriminalisiert Einwanderer ohne Papiere, indem es den Aufenthalt in den USA ohne Ausweis zu einem Straftatbestand erklärt. Es fordert auch den Bau der ersten 700 Meilen einer militarisierten Grenze/Mauer zwischen Mexiko und den USA und die Verdopplung der Grenzschutztruppe US Border Patrol. Und jeder, der Migranten ohne Papiere Hilfe leistet — auch Kirchen, Menschenrechtsgruppen und soziale Einrichtungen — soll als Straftäter verfolgt werden.
Aufgrund spektakulärer Streiks und Massendemonstrationen konnte dieses Gesetz jedoch zu Fall gebracht werden. Ebenso ein Kompromissvorschlag fiel im Senat durch. Ende April 2006 war der ganze Gesetzgebungsprozess hinfällig geworden und wird wahrscheinlich auch vor den Kongresswahlen im November 2006 nicht wieder aufgenommen werden.
Der Protest Hunderttausender Menschen (organisiert von lateinamerikanischen Einwanderinnen und Einwanderer in die USA) bezog sich aber auch auf die zunehmende Ausbeutung der Migranten bei gleichzeitiger Verschärfung der Repressalien gegen Einwanderer und einer Zunahme von Rassismus.
Verschärft wurden auch die Einreisebestimmungen in die USA (siehe: USA Embassy: Einreisebestimmungen).

Jedes Jahr verlosen die USA 55.000 Greencards, die zum unbegrenzten Aufenthalt in den USA berechtigen. Jede Person kann an dieser Verlosung teilnehmen, sofern er die geforderten Bedingungen erfüllt (z.B. Hochschulabschluss und Berufserfahrung) und aus einem der zugelassenen Länder kommt (siehe: Green Card Lottery: Registration and Entry Requirements).



Siehe auch:  Migration nach Berlin - Kosten der Zuwanderung

nach oben