Willkommen in Kolumbien

[Kolumbien] [Erziehung und Religion] [Die Menschen] [Das Land] [Entwicklungen]
[MenschenrechtsverteidigerInnen in Kolumbien]
[Literatur] [www-Links]


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Offizieller Name: Republik Kolumbien
Hauptstadt: (Santa Fé de) Bogotá
Fläche: 1.138.914 km²
Landesnatur: Von W nach O Küstentiefland, Hochgebirgszone der nördlichen Anden, Llanos des Orinaco und Amazonastiefland
Klima: Tropisch, in unterschiedlichen Höhenlagen starke Differenzierung
Hauptflüsse: Cauca, Magdalena, Guaviare
Höchster Punkt: Cristóbal Colón 5775 m
Einwohner: 41.564.000 (1999); 42.954.279 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 37 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 75% (1999)
Sprache: Spanisch, indianische Sprachen
Religion: Katholiken 95%
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 32 Departamentos, Hauptstadtdistrikt
Parlament: Kongress, bestehend aus Repräsentantenhaus mit 165 Mitgliedern und Senat mit 102 Mitgliedern; Amtsdauer jeweils 4 Jahre
Nationalfeiertag: 20. Juli


Kolumbien im äußersten Nordwesten Südamerikas ist eines der schönsten Länder der Erde: vom Tourismus noch weitgehend unberührte Palmenstrände, schneebedeckte Andengipfel, endlose Savannen der Llanos und undurchdringliche Regenwälder an den Nebenflüssen des Amazonas liegen hier dicht beieinander. "Wer auf dieses Land seinen Fuß setzt, den lässt die Sehnsucht nimmer los", schrieb bereits vor über 180 Jahren der Weltreisende Alexander von Humboldt (1769-1859).

Doch nicht nur die Natur hat Kolumbien reich bedacht. Die archäologischen Stätten von Tierradentro und San Augustín im Südwesten brauchen den Vergleich mit den alten Indio-Hochkulturen Mexikos oder Perus nicht zu scheuen. Der mit Goldstaub bedeckte "El Dorado" lockte die Spanier ins Land. Wie sonst in keinem anderen Land in Südamerika ist in Kolumbien die spanische Kolonialzeit lebendig: weiße Häuser mit schmiedeeisernen, mit Geranien geschmückten Balkonen, die gepflasterte Plaza mit Regierungsgebäuden, Denkmal und Kathedrale, enge Gassen, Palmen in den Patios. Bummelt man durch die Altstadt von Bogotá, Cartagena, Popayán oder Villa de Leyva, glaubt man, im Andalusien des 17. oder 18. Jahrhunderts zu sein. Nicht umsonst nennt sich Bogotá das "Athen Südamerikas" und stammt Lateinamerikas zur Zeit erfolgreichster Schriftsteller Gabriel García Márquez (* 1928) aus Kolumbien.
Kolumbien, das ist auch das Land des Kaffees, der Orchideen, der Schmetterlinge und Kolibris. Schließlich ist es das Land buntgemischter, verschiedenartigster ethnischer Gruppen. Fröhliche Gelassenheit und heiße Salsa-Rhythmen prägen die vorwiegend von Schwarzen und Mulatten besiedelten tropischen Küsten an Karibik und Pazifik. In sich gekehrt und melancholisch begegnet man den Indios auf den kalten Hochebenen der Anden. Mit riesigen Zebuherden durchziehen die Llaneros, die Cowboys der Llanos, die menschenleeren Steppen und Savannen des Ostens.

Während noch bis vor kurzem "unentdeckte" Indianer auf Einbäumen den Amazonasdschungel durchstreiften, hat in den Bürohochhäusern der überwiegend von Mestizen und Weißen bewohnten Städte in den klimatisch angenehmen mittleren Höhen der Anden längst die moderne Technik ihren Einzug gehalten.

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Erziehung und Religion

Etwa 8% der kolumbianischen Bevölkerung über fünfzehn Jahren können weder lesen noch schreiben - eine für ein Land der "dritten Welt" recht niedrige Analphabetenquote. Kolumbien verfügt über viele Universitäten und Hochschulen, jedoch kann mangels fianzieller Mittel die Masse der Bevölkerung dieses Angebot nicht nutzen.

Formal besteht eine fünfjährige Schulpflicht, jedoch gehen fast 20% der Kinder überhaupt nicht zur Schule und jedes dritte Kind erreicht keinen Schulabschluss.
Nicht nur auf dem Gebiet der Schulbildung - für Kinder der Oberschicht stehen hervorragende Privatschulen und Universitäten zur Verfügung - zeigen sich die krassen sozialen Gegensätze im Entwicklungsland Kolumbien. 50% der Bevölkerung verdienen weniger als 100 US-Dollar im Monat und leben meist in armseligen Häusern und Hütten, während ein Bruchteil der Kolumbianer ein Drittel aller verfügbaren Waren konsumiert. Besonders deutlich zeigen sich die sozialen Gegensätze auf dem Land, wo die wenigen Großgrundbesitzer mehr als die Hälfte des bewirtschafteten Landes besitzen.

Mit viel Engagement versuchte in letzter Zeit die katholische Kirche - über 90% der Kolumbianer sind Katholiken - die sozialen Verhältnisse zu bessern. Priester, die wie Camilo Torres militant die "Theologie der Befreiung" vertreten, engagierten sich dabei politisch, teilweise sogar in den Reihen der Guerilla. Gerade die sozialen Unterschichten Kolumbiens bestehen aus sehr gläubigen Menschen, die ein recht naives Christentum praktizieren: Verehrung von Heiligenbildern, Bittprozessionen und Wallfahrten.

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Die Menschen

Wie die meisten amerikanischen Staaten bietet Kolumbien ein buntes Bild der verschiedensten Ethnien. Mit 58% stellen die Mestizen, Nachkommen von Indio-Frauen und spanischen Eroberen, heute die Mehrheit der über 42 Millionen Kolumbianer. Die zweitstärkste Gruppe sind die Weißen mit 20% vor den Mulatten mit 14%. Zu den Weißen, die meist spanischer Herkunft sind, zählen auch die Kreolen, die in Südamerika geborenen Nachkommen der Spanier. 4% der Bevölkerung sind Schwarze, während die Ureinwohner, Indios, nur noch etwa 1% ausmachen.

Die Siedlungsgebiete der einzelnen Bevölkerungsgruppen sind deutlich von den Klimazonen geprägt: In den feuchtheißen Regionen am karibischen Meer und am Pazifik sowie in den Tälern des Río Cauca und Río Magdalena leben vor allem Schwarze, Mulatten und Zambos (Mischlinge von Schwarzen und Indios). Mestizen gibt es vor allem in Bogotá, auf der Halbinsel Guajira sowie in allen höher gelegenen Gebieten der Anden. Die schätzungsweise über 400.000 in Kolumbien noch lebenden Indios gliedern sich in über zweihundert Stämme. Offiziell gibt es in Kolumbien keine Diskriminierung, doch sind soziale Schranken unübersehbar: Schwarze und Indianer stellen in der Regel die soziale Unterschicht, während die Weißen auch heute noch die dominierende Oberschicht bilden.

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Das Land

Landesnatur
Als einziges Land in Südamerika grenzt Kolumbien an zwei Ozeane, im Norden an das Karibische Meer des Atlantiks, im Westen an den Pazifik. Drei Andenketten - die Cordillera Occidental - durchziehen das Land von Süden nach Norden. Wie sein kleinerer Nebenfluss, der Río Cauca, fließt auch der fast 1600 km lange Río Magdalena, Kolumbiens bedeutendster Strom, in einem tektonischen Graben. Von ewigem Schnee bedeckte, über 5000 m hohe Vulkane, die "Nevados", prägen das Bild der mittleren und östlichen Kordilleren, letztere bieten in bis zu 2800 m hoch liegenden Becken günstige Klima- und Anbaubedingungen.

Hier befinden sich die wichtigsten Wirtschafts- und Anbaugebiete Kolumbiens. Der höchste Berg des Landes, der 5775 m hohe Pico Cristóbal Colón, erhebt sich in der Sierra Nevada de Santa Marta unmittelbar an der karibischen Küste. Fast unbesiedelt sind die endlosen Grassteppen der Llanos im Osten und die immergrünen Regenwälder im Südosten Kolumbiens. Bei Leticia im Süden zieht sich eine rund 120 km lange Grenze am Amazonas entlang.
Kolumbien liegt in den inneren Tropen, die Temperaturen bleiben somit das ganze Jahr über fast unverändert. Die Jahreszeiten sind durch die Regenzeit von April bis Oktober und die Trockenzeit von November bis März gekennzeichnet. Entscheidend wird das Klima von den Höhenzonen geprägt.
In der feucht-heißen Tierra caliente (bis 1000 m) - hierzu gehören die Karibik- und Pazifikküste, die Llanos und die Amazonastiefebene - wird das Landschaftsbild durch tropische Regenwälder und Savannen bestimmt. Ausgesprochen trocken ist allerdings die halbwüstenartige Guajira-Halbinsel im äußersten Norden. Die subtropische Tierra templada (1000 - 2000 m), in der die Millionenstädte Cali und Medellin liegen, ist das Land des Kaffees, der Orchideen und Südfrüchte. Erheblich kühler ist es bereits in der Tierra fria (2000 - 3000 m), in der die Hauptstadt Bogotá liegt. Oberhalb von 3000 m (Tierra helada) beginnt die baumlose Páramo-Steppe, bei etwa 4500 Metern der ewige Schnee.
Kolumbiens Tierwelt bietet die gesamte Artenvielfalt des tropischen Südamerika: Ameisenbären, Tapire, Pumas und Jaguare, Riesenschlangen, Piranhas und Kaimane. Kolumbien rühmt sich auch, das vogelreichste Land der Erde zu sein. Man trifft auf Kolibris, Reiher, Tukane, Papageien, Kondore und viele andere exotische Arten. Die hier lebenden Schmetterlinge gelten als die schönsten Südamerikas.

Landwirtschaft
Nach Brasilien ist Kolumbien der zweitgrößte Kaffee-Exporteur der Welt. Die Kaffee-fincas liegen in der Tierra templada und sind meistens Familienbetriebe. Auf vulkanhaltiger Erde findet der "café suave" (milder Kaffee) ideale Bedingungen. Kaffee ist mit Abstand der wichtigste Faktor im - legalen - kolumbianischen Wirtschaftsleben, rund 50% aller Exporte macht immer noch "Café de Columbia" aus. Weniger bekannt ist, dass das südamerikanische Land in den letzten Jahren nach den Niederlanden zum bedeutendsten Blumenexporteur (Rosen, Nelken) der Welt aufgestiegen ist. Eine große Rolle in der Landwirtschaft spielen in den tropischen Gebieten außerdem Bananen, Südfrüchte, Reis, Baumwolle und Zuckerrohr. Auf den kühleren Hochebenen werden Mais, Weizen und Kartoffeln angebaut. Viehzucht, vor allem von Rindern, wird in großem Stil in den Llanos betrieben.
Da alle Ansätze zur Agrarreform bisher keinen Durchbruch brachten, bestimmt immer noch der Großgrundbesitz die kolumbianische Landwirtschaft. Der größte Teil der Bauern lebt trotz günstiger Voraussetzungen (drei Ernten im Jahr) als Kleinbauern ("campesinos"), Pächter oder Tagelöhner von der Hand in den Mund. So ist es nicht verwunderlich, dass sich inzwischen der Anbau von Marihuana und der Handel mit Kokain zum "bedeutendsten" Agrarsektor entwickelt haben.

Bodenschätze
Kolumbien ist das goldreichste Land Südamerikas. Berühmt ist es jedoch vor allem als das Land der Smaragde (Foto: auf der Suche nach Smaragden bei Muzo - siehe auch: Smaragde). Kolumbien verfügt zudem über die größten Platin- und Kohlevorkommen Südamerikas. Vor einigen Jahren hat man in El Cerrejón auf der brütend heißen Guajira-Halbinsel den größten Kohletagebau der Welt in Angriff genommen. Daneben gibt es noch Eisenerz, Kupfer, Zink, Mangan, Quecksilber, Schwefel, Blei, Uran, Titan und vor allem Erdöl, das das Land von Öl-Importen unabhängig macht.
Für eine Industrialisierung sind also gute Voraussetzungen vorhanden, und die Industrie hat in Kolumbien seit dem Zweiten Weltkrieg einen beachtlichen Aufschwung erlebt. Hauptsächlich handelt es sich hier um Konsumgüter (Lebensmittel, Getränke, Textilien, Lederartike) sowie Produktionsmittel (Zement, Stahl, Chemikalien). Investitionsgüter (Maschinen, Industrieanlagen) müssen meist noch eingeführt werden.

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Entwicklungen

Kolumbien leidet seit den 1970er Jahren unter einem Bürgerkrieg, in dem sich die Regierung und die linksgerichteten Rebellen der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) und des Ejército de Liberación Nacional (ELN) bekämpfen. Diesem Konflikt sind bislang mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen. Der einst politisch motivierte Kampf der Guerilla ist seit einigen Jahren zu einem reinen Raubkrieg, eng verbunden mit Drogenhandel und Schutz- bzw. Lösegelderpressung, degeneriert. Rund 3,4 Millionen Menschen leben aufgrund der Kämpfe als Flüchtlinge im eigenen Land. 500.000 flohen in die benachbarten Länder, die Hälfte nach Ecuador, rund 200.000 nach Venezuela.

2006/7: »[...] Die zunehmende Ausweitung des kolumbianischen Bürgerkriegs auf die Grenzgebiete des Nachbarlandes Ecuador belastete die Beziehungen zwischen beiden Ländern sehr.«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.283.
2011: Während sich die Sicherheitslage in Kolumbien ab 2008 verbessert hat, hält noch immer die Gewalt von Narco-Terroristen in einigen ländlichen Gebieten sowie der Hauptstadt Bogotá an. Einige kriminelle Organisationen nutzen immer noch Entführungen und Geiselnahmen als politische Verhandlungsmasse. Die Tatsache, dass Kolumbien eine der höchsten Gewaltkriminalitäts-Raten weltweit hat, deutet darauf hin, wie gefährlich Bogotá ist. In der Studie zu den gefährlichsten Städten der Welt steht Bogotá auf Platz 1.
Siehe: urbantitan.com - 10 Most Dangerous Cities in the World in 2011 !!!

Der bereits zum zweiten Mal gewählte Präsident Uribe verstärkte den Druck auf die Rebellen und stockte die finanziellen Mittel im Rahmen eines Sicherheitsplans für die Aufrüstung von Polizei und Militär erheblich auf. Uribes Doppelstrategie - militärisches Vorgehen und Verhandlungen - hat mit dazu beigetragen, dass die Zahl der Entführungen von von über 3500 im Jahr 2002 auf 520 im Jahr 2008 abgenommen hat und die Zahl der terroristischen Angriffe von 1646 (2002) auf 661 (2006) zurück gegangen ist.

Seit dem 7. August 2010 ist Juan Manuel Santos amtierender Präsident Kolumbiens. Santos hatte im Wahlkampf angekündigt, die Politik Uribes und insbesondere den Kampf gegen die FARC unvermindert fortsetzen zu wollen.

Mit dem Tod des seit 50 Jahren an der Spitze der FARC stehenden legendären Führers Manuel Marulanda im Mai 2008, deutete sich eine Zeitenwende an. Seine Nachfolger sind offenbar bereit, Geiseln freizulassen. Die FARC und das ELN halten immer noch »[...] Hunderte in ihrer Gewalt, um ein Faustpfand für den Austausch von 500 inhaftierten Guerilleros in der Hand zu haben - eine Forderung, die Uribe kategorisch ablehnte. [...]«

Ingrid Betancourt

Am 2. Juli 2008 wurde Ingrid Betancourt (Präsidentschaftskandidatin von 2002 und wohl prominenteste Geisel) zusammen mit drei US-Amerikanern und elf kolumbianischen Soldaten aus der Geiselhaft befreit. Es gab seitens der Rebellen keine Gegenwehr. Ingrid Betancourt, die neben der kolumbianischen auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, fiel 2002 in die Hände der Rebellen. Gerüchten zufolge, sollen 20 Millionen US-$ an die Rebellen gezahlt worden sein, was jedoch weder von der kolumbianischen, noch von der französischen Regierung bestätigt worden ist.

Google Suchtipps:  Ingrid Betancourt 
»[...] Anfang Februar 2009 setzte die FARC im Beisein nationaler und internationaler Medien sechs ihrer Geiseln auf freien Fuß, darunter den seit sieben Jahren gefangen gehaltenen ehemaligen Gouverneur des Departamentos Meta, Alan Jara, und den früheren Abgeordneten Sigifredo López. Bereits Ende Oktober 2008 war nach acht Jahren Gefangenschaft der ehemalige Abgeordnete Oscar Tulio Lizcano freigelassen worden. Mitte März 2009 kam die letzte ausländische Geisel, ein 69-jähriger Schwede, frei.
In jüngster Zeit haben von ihren Verbänden desertierte Guerillakämpfer immer häufiger mit früheren Mitgliedern der offiziell aufgelösten und entwaffneten rechtsgerichteten paramilitärischen Autodefensas Unidas de Colombia (AUC) neue Gruppierungen gebildet, die im Drogenhandel und im organisierten Verbrechen aktiv sind. Eines der größten Drogenkartelle, das Kartell des "Don Mario", dessen Chef Daniel Rendón Herrera am 15.4.2009 gefasst wurde, ging direkt aus den aufgelösten AUC hervor.

Flüchtlinge: Die Situation der Flüchtlinge im eigenen Land war weiterhin besorgniserregend: Bei einer Gesamtbevölkerung von 44 Mio. sind 3-4 Mio. Kolumbianer als Flüchtlinge anzusehen. 2008 wurden weitere 290.000 Personen gewaltsam vertrieben, im Jahr 2007 waren es 305.000 gewesen.
Betroffen von den Kämpfen war auch die indianische Bevölkerung: Am 11.2.2009 töteten FARC-Kämpfer im südwestlichen Departamento Nariño mind. 17 Indigene. Die FARC-Rebellen warfen ihnen Zusammenarbeit mit Regierungstruppen vor. Mit dem Fall befasste sich auch das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge in Genf, das eine umfassende Untersuchung des Massakers forderte und alle Seiten dazu aufrief, das internationale humanitäre Recht einzuhalten. Nach Angaben der nationalen Indianerorganisation ONIC, die 80 Ethnien und über l Mio. Indigene repräsentiert, wurden allein in der zweiten Hälfte 2008 in Kolumbien 1253 Ureinwohner getötet. Im Herbst 2008 waren Demonstrationen der Ureinwohner gegen Regierungsgewalt eskaliert: Vom 21.-28.10. hatten etwa 10.000 Indigene an einem Protestmarsch nach Calí teilgenommen. Bei Zusammenstößen mit der Polizei kamen drei Demonstranten ums Leben, mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Die Demonstranten forderten Landrechte und eine bessere Bildungs- und Gesundheitsversorgung. Ein Gespräch zwischen Demonstranten und Präsident Uribe am 2.11.2008 im Departamento Cauca brachte keine wesentlichen Ergebnisse. Angesichts der sich häufenden Übergriffe rief die ONIC die FARC am 19.2.2009 nochmals dazu auf, die Gewalt gegen Indianer einzustellen.

Regierungsmassaker: Anfang März 2009 übernahm die Regierung in einer offiziellen Erklärung die Verantwortung für ein 1990 an 43 Bauern im Nordosten des Landes verübtes Massaker und entschuldigte sich bei den Angehörigen. In einem 2006 gefällten Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte wurde Kolumbien die Schuld daran zugesprochen, den Anschlag nicht verhindert zu haben.
Ende Oktober 2008 wurden 27 ranghohe Militärs, darunter drei Generäle, aus der Armee entlassen. Sie wurden beschuldigt, im Januar 2008 elf Jugendliche aus einem Armenviertel von Bogotá entführt und erschossen zu haben, um Erfolge im Kampf gegen die Guerilla vorzutäuschen. Nachdem die Leichen der Verschwundenen Ende September 2008 in einem Gemeinschaftsgrab im Nordosten Kolumbiens entdeckt worden waren, eröffnete die Armee eine Untersuchung des Falles. Am 4.11. trat wegen der Affäre auch Heereschef General Mario Montoya zurück. Nachfolger wurde General Oscar Peña González.

Wirtschaftslage: Nach Jahren des starken Wirtschaftswachstums geriet auch Kolumbien in den Sog der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Hatte das BIP 2007 noch um 7,5% zugenommen, so betrug die Steigerung 2008 nur noch 2,5%. Angesichts der weltweiten Rezession legte die Regierung ein umfangreiches Konjunkturprogramm auf, u.a. stellte sie etwas mehr als 9 Mrd. US-$ in den Haushalt 2009 ein, die in die Infrastruktur investiert werden sollen. Außerdem verbesserte sie die Modalitäten für die Schaffung von Investitionszonen (zonas francas). Dort sollen sich Unternehmen ansiedeln, denen für ein Mindestvolumen an Investitionen und eine Mindestanzahl an neuen Arbeitsplätzen Steuererleichterungen gewährt werden. Mindestens 25 dieser Freizonen sollen 2009 entstehen. Um die Auswirkungen der Krise abzumildern, genehmigte der IWF dem Land ein Kreditpaket in Höhe von insgesamt 10,5 Mrd. US-$.«
Zitat: Der Fischer Weltalmanach 2010, S. 308 f.

Kokain für die Welt

In Kolumbien wird weltweit das meiste Kokain produziert und deckt zur Zeit zu 80% die Weltmarktnachfrage. Schätzungen zufolge werden jährlich mehrere hundert Tonnen Kokain in die USA und nach Europa geschmuggelt.
Im Frühjahr 2007 stellten kolumbianische Ermittler einen der weltweit größten Kokain-Funde sicher: 25t Kokain im Wert von 2 Mrd. EURO (Straßenverkaufswert). Wie angenommen wurde, stammt das Kokain aus den Beständen der FARC und des größten Drogenkartells des Landes, Norte del Valle. Siehe auch: tagesspiegel.de


Meldung vom 13. Juni 2008:
»[...] Carla Bruni, singende französische Präsidentengattin, hat Kolumbien gegen sich aufgebracht. Und das ausgerechnet mit einem Liebeslied. Im Chanson "Tu es ma came" ihrer am 21. Juli erscheinenden Platte haucht Madame Sarkozy ins Mikro: „Du bist mein Stoff / tödlicher als afghanisches Heroin / gefährlicher als kolumbianischer Schnee.“ Dass mit Schnee Kokain gemeint ist, daran hat die Regierung in Bogotá keinen Zweifel und zeigt sich tief indigniert. [...]«
Aus: welt.de

»USA schnupfen, Deutschland trinkt
Amerikaner nutzen als Droge bevorzugt Kokain. In Deutschland beruhen Rausche hauptsächlich auf Alkohol. Dies zeigen Umfragen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Danach schnupften in den USA 16 Prozent der Befragten schon einmal das weiße Drogenpulver. Bei Niederländern und Deutschen gaben nur 1,9 Prozent an, Kokain konsumiert zu haben. Alarmierend ist, dass der Alkoholkonsum in Deutschland besonders früh beginnt. Bereits 82 Prozent der 15-Jährigen trinken Alkohol, mehr als in allen anderen der 17 untersuchten Länder. [...]«
Aus: FOCUS, 19/2008, S.64
Text zitiert aus:
dradio.de - DAS FEATURE
13.01.2012 · 20:10 Uhr

[Zitat] Contravía – Gegen den Strom

Wie der Reporter Hollman Morris für die Menschenrechte in Kolumbien kämpft

Von Rita Nierich und Peter B. Schumann

Bereits sein gesamtes Berufsleben berichtet der heute 43-jährige Hollman Morris über Menschenrechtsverletzungen, Gewalt und Mord in seinem Land. Er schreibt über Themen, die von den offiziellen Medien oft ausgeblendet oder verzerrt dargestellt werden.
Er hat die Brutalitäten der rechten Paramilitärs ebenso angeprangert wie die der linken Guerrilla.
Aber er hat auch die Verbrechen der Staatsorgane, vor allem der Armee, aufgedeckt.
Ganz besonders hat er sich der zahllosen Opfer unter der Zivilbevölkerung angenommen und ihre Leiden in bewegenden Fernsehreportagen geschildert.
Mehrfach wurde er mit dem Tod bedroht und musste sogar eine Zeit lang aus Sicherheitsgründen in Spanien Zuflucht suchen.
Für sein Engagement wurde Hollman Morris vielfach ausgezeichnet, im September 2011 mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg.

Ein Porträt mit Ausschnitten aus seinen Reportagen.

Regie: Peter B. Schumann
DLF 2012 [Zitat Ende]

Die Sendung als mp3:

MenschenrechtsverteidigerInnen in Kolumbien

Kolumbien gilt trotz seiner demokratischen Verfassung seit Jahrzehnten als eines der gewalttätigsten Länder des amerikanischen Kontinents. Das Land ist geprägt durch die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen linken Guerillagruppen, rechten paramilitärischen Verbänden und den Streitkräften der Regierung, aufgrund derer mehr als zwei Millionen Menschen ihre Heimatgebiete verlassen haben und nunmehr als Flüchtlinge leben. Sowohl Angehörige der kolumbianischen Streit- und Sicherheitskräfte, als auch Angehörige der paramilitärischen Verbände und der Guerillaeinheiten sind für zahlreiche Tötungen und andere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht veranwortlich.
Die aktuelle Lage der MenschenrechtsverteidigerInnen in Kolumbien ist besonders kritisch. Sie erleiden Repressionen von Seiten der Guerilla und werden zudem von Teilen der Regierung, der Sicherheitskräfte und der paramilitärischen Verbände kriminalisiert, indem sie als ziviler Arm der Guerilla dargestellt werden. Auf diese Weise wird der Widerstand gegen die Menschenrechtsverletzungen systematisch unterwandert. Das Vorgehen gegen die MenschenrechtsverteidigerInnen reicht von Einschüchterung, Beschattung und konkreten Bedrohungen bis hin zu Verschwindenlassen und Mord. Seit 1997 wurden mehr als 25 AktivistInnen umgebracht, etwa ebenso viele konnten Anschlägen auf ihr Leben nur knapp entkommen. Zumeist ist es allein dem Einsatz von nicht-staatlichen Organisationen zu verdanken, wenn einige dieser Verbrechen aufgeklärt werden. Nur in den seltensten Fällen werden allerdings die ermittelten Täter zur Verantwortung gezogen.
Wichtige kolumbianische Menschenrechtsorganisationen, die aufgrund ihrer Arbeit in ihrem Land unter enormen Druck stehen, sind die Organización Femenina Popular (OFP), die Asociación de Familiares de Detenidos Desaparecidos (ASFADDES) und die Corporación Regional para la Defensa y Promoción de los Derechos Humanos (CREDHOS). Die Mitglieder dieser Organisationen sind massiven Bedrohungen ausgesetzt. Im Jahr 2000 wurden beispielsweise Mitglieder der ASFADDES Opfer einer Einschüchterungskampagne, in deren Zuge Mitglieder ermordet wurden, verschwanden oder durch Drohanrufe und -briefe unter Druck gesetzt wurden.
Die ASFADDES wurde 1982 durch Hinterbliebene von gewaltsam Verschwundenen als nicht-staatliche Organisation gegründet. Neben der moralischen und ökonomischen Unterstützung der Angehörigen von Verschwundenen ist ein vorrangiges Ziel ihrer Arbeit, das Schicksal der Verschwundenen aufzuklären und die Verantwortlichen zu ermitteln und vor Gericht zu stellen (weitere Informationen: http://www.asfaddes.org.co).

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.808 f.



www-Links



Menschenrechte für Kolumbien - Kolko e.V.
Menschenrechte Blog
Nestlé verletzt Menschenrechte in Kolumbien
Der Fall "Nestlé"
Vom Bürgerkrieg zum Bandenkrieg
Der "Demobilisierungsprozess" in Kolumbien lässt die paramilitärischen Gruppen weitgehend ungeschoren
Krieg
Terror als Strategie zur Bekämpfung der Gewerkschaften
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Kolumbien Ranchito
Indianer - Welt - Inka - Religion
Beziehungen zwischen Kolumbien und Deutschland
Centro de Medios Independientes
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Terra
Colombia Support Network: Human Rights for Colombia
CIP Colombia Project -- Peace Initiatives in Colombia
Periódico El Tiempo
Periódico El País
El Colombiano
Semana
Presidencia de Colombia
Bogota D.C.

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