Willkommen in Martinique (F)


Martinique ist ein vollintegrierter Teil des französischen Staates und damit auch Teil der Europäischen Union; Zahlungsmittel ist - wie in Frankreich - der EURO

Hauptstadt: Fort-de-France
Status: Übersee-Departement (Département d'outre-mer seit 1946); französische Überseeregion (seit 1974); Doppelstatus 2003 bestätigt; französisch seit 1635.
Parlament Conseil général mit 45 Mitgliedern; Conseil régional mit 41 Mitgliedern; Wahl alle 6 Jahre; 4 Vertreter in der französischen Nationalversammlung und 2 im Senat.
Staatsoberhaupt: Staatspräsident von Frankreich vertreten duch einen Präfekten
Fläche: 1106 km²
Klima: subtropisch mit moderater hoher Luftfeuchtigkeit; Regenzeit zwischen Juni und Oktober; Die Insel wird im Durchschnitt alle 8 Jahre von heftigen Wirbelstürmen (Hurricanes) betroffen. Der Hurrikan "Dean" traf die Insel Mitte August 2007 und richtete schwere Zerstörungen an (200 km/h, Stufe 3). Vulkanische Aktivitäten.
Höchster Punkt: Vulkan Montagne Pelée, 1.397 m
Einwohner: 398.000 (2005); ca. 87% Schwarze, Inder.
Sprache: Französisch, Créole
Religion: Katholiken 85%, Protestanten 10,5% (hauptsächlich Adventisten), Moslems und Hindus je 0,5%
Wirtschaft: Wichtigste Anbauprodukte sind Bananen (36,6% der Exporteinnahmen 1997) sowie Zuckerrohr und Ananas. Wichtigste Industriezweige sind Erdölverarbeitung (16% der Exporteinnahmen 1997) und die Rumdestillation. Die Tourismusbranche ist einer der größten Devisenbringer (die Einnahmen daraus lagen 1996 bei 382 Millionen US$). Martinique leidet unter hoher Arbeitslosigkeit (ca. 28%). Die Insel ist auf Zuschüsse Frankreichs angewiesen. "Bananenkrieg" zwischen USA und Europa 1999. Wichtiger Umschlagort für Kokain und Marihuana nach USA und Europa.


Das Land

So wie Guadeloupe ist auch Martinique, mit 1102 km² die zweitgrößte Insel der Kleinen Antillen (Windward Islands), seit 1946 französisches Überseedepartement. Auch die Geschichte beider Inseln verlief ähnlich. Als Christoph Kolumbus (1451-1506) Anfang des 16. Jahrhunderts die Antilleninsel entdeckte, fand er eine karibische Bevölkerung vor. 1635 begannen französische Siedler gegen den erbitterten Widerstand der Insulaner und mit Hilfe afrikanischer Sklaven (1783 gab es 60.000 Sklaven; Abschaffung der Sklaverei: 1848) Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen anzulegen.
Aber auch Briten und Niederländer interessierten sich für die seit 1674 in französischem Besitz befindliche Insel. Zeitweise heftig umkämpft und von Großbritannien besetzt, wurde Martinique Anfang des 19. Jahrhunderts jedoch endgültig Frankreich zugesprochen. Verwaltung, Sprache und die französische Fluglinie verbinden sie mit dem Mutterland, und die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frankreich, die der Insel einen bescheidenen sozialen Wohlstand sowie eine funktionierende Infrastruktur beschert hat, ist kaum zu brechen.

Die Landschaft
Die zum Großteil aus vulkanischen Gesteinen aufgebaute Insel teilt sich in große landschaftliche Einheiten auf: im Norden der Reichtum tropischer Regenwälder auf vulkanischen Höhen, im Süden das flachere Land der Zucker-, Ananas- und Bananenplantagen mit den weißen Stränden, den Zentren des Badetourismus, den hübschen Siedlungen der Fischer und Farmarbeiter und als Extravaganz der Natur die "Savane des Pétrifications". Unweit des Salzsees bei Sainte Anne glaubt man sich in einem Wald versteinerter Bäume, die doch nur die bizarren Ausformungen kristallin angereicherter Lavaströme sind. Ein auffallender Gegensatz besteht zwischen West- und Ostküste der Insel: Erscheint die dem Karibischen Meer zugewandte Seite lieblich, so zeigt sich die atlantische Seite der Insel eher rauh. Hier sind die Buchteneinschnitte tiefer, die See bewegter und das Wasser kühler.
Ein gut ausgebautes Straßennetz erschließt die Schönheit der Insel, verbindet sie immer wieder mit dem kulturell interessanten Ambiente und dem pulsierenden Leben der Hauptstadt, ebenso wie mit den Strandzentren einer vorzüglichen Hotellerie. So bietet Martinique mit reizenden Dörfern, einer sehenswerten Hauptstadt, mit Vulkangebirge und tropischem Regenwald, mit sanften Buchten und einer herb-schönen Atlantikküste alle Attraktionen der Karibik auf engem Raum vereint. Ein Teil der Strände ist schwarz, als wären sie direkt aus dem Kamin des grausamen Montagne Pelee geblasen worden.
1902 begrub dieser Vulkan die Stadt St. Pierre mit seinen 30.000 Einwohnern unter Lava und Asche, färbte den Strand bis auf den heutigen Tag schwarz und schuf die stets fortgesponnene Legende von einem Pompeji der Karibik.

"Perle der Karibik"
Wenn das heute dörfliche St. Pierre damals als Klein-Paris der Tropen galt, so hat Martinique mit Fort de France eine bedeutende Hauptstadt, die gut 100.000 Menschen der insgesamt 400.000 Einwohner der Insel versammelt. Die Stadt, die an einer malerischen Hafenbucht liegt, imponiert durch eine intakte französische Kolonialarchitektur im Stil des 19. Jahrhunderts.
Tropischen Empire-Stil zeigen das alte Rathaus und der Justizpalast, Ornamente aus Gusseisen schmücken das Wahrzeichen der Stadt, den Glockenturm der Kathedrale Saint-Louis, Jugendstil und spanischer Modernismo machen die Bibliothèque Schoelcher zum eigenwilligsten, wenn nicht schönsten Kolonialbau der gesamten Karibik.

Großzügig angelegte Wohnhäuser mit luftigen Fassaden in üppigen Gärten zeugen vom einstigen Reichtum der Überseefranzosen, lautes Gewimmel in malerischen Gassen weckt Erinnerungen an die Fröhlichkeit provençalischen Kleinbürgertums. Bistros säumen die Straßen, an deren typisch rotkariert gedeckten Tischen die farbigen Bürger Martiniques mit gleicher Hingabe Rotwein, Käse und Muscheln genießen wie ihre französischen Verwandten im Mutterland.
Betriebsame Obst-, Fisch- und Gemüsemärkte versorgen die heftig feilschenden Kunden mit exotischen Waren und den Touristen mit bezaubernden Fotomotiven. Noch bezaubernder ist die lässig-stolze Bereitschaft der Mädchen Martiniques, sich im Stadtpark Savane fotografieren zu lassen, genießen sie doch den Ruf, die Schönsten der Karibik zu sein. In diesem Park, in dem sich allabendlich die ganze Stadt zum Boule-Spiel oder zur Plauderei mit Freunden trifft, steht die Büste von Kaiserin Josephine, Gattin von Napoleon I., die 1763 auf Martinique geboren wurde.

Heute versorgen sich Kolonie und Mutterland gegenseitig mit ihren jeweils typischen Genussmitteln: Frankreich hat fast den höchsten Rumverbrauch in Europa. Auf Martinique hingegen fließt pro Kopf mehr Champagner als in dessen europäischer Heimat. Schon früh galt die Insel in Europa als "Perle der Karibik", deren französisch-kreolische Küche und karibisch-französischer Lebensstil diesen Ruf bis heute nicht haben verblassen lassen.

Generalstreik in Guadeloupe

»[...] Das öffentliche Leben auf Guadeloupe ist seit einem Monat wegen eines Generalstreiks gegen hohe Preise gelähmt, seit zwei Wochen wird auch auf der Nachbarinsel Martinique gestreikt. 15.000 Touristen mussten ihre Reise in das Antillen-Paradies stornieren. In der Nacht zum Dienstag war es erstmals zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. [...] Die Arbeitnehmer auf Guadeloupe protestieren gegen die hohen Lebensmittelpreise, für die sie die überwiegend weißen Geschäftsleute und Unternehmer verantwortlich machen. Dahinter steckt auch ein Machtkonflikt. Die kreolische Bevölkerung - ein Großteil Nachfahren von Sklaven - sehen sich unterrepräsentiert. [...]«
de.news.yahoo.com: Erster Toter bei Unruhen auf Guadeloupe (18.02.2009)

»[...] Inzwischen bekommt der soziale Konflikt auf Guadeloupe zunehmend rassistische Untertöne, da sich unter den Arbeitgebern überdurchschnittlich viele Weiße befinden, die Nachkommen früherer Sklavenhändler sind oder von Frankreichs Festland kommen. [...]
Protestführer: "Sklaverei" und "soziale Explosion"
"Wir, die schwarze Mehrheit auf der Insel, leben noch immer wie zu Zeiten der Sklaverei", sagte Gewerkschaftsführer Elie Domota der Zeitung "Le Figaro". Domota ist Chef des "Kollektivs gegen die Ausbeutung" (LKP), das zu dem Generalstreik auf Guadeloupe aufgerufen hatte. "Guadeloupe steht am Rand einer sozialen Explosion", warnte er. "Die Regierung muss endlich damit aufhören, uns als die Eingeborenen am anderen Ende der Welt zu betrachten." [...]«
www.tagesschau.de: Massenproteste in französischen Überseegebieten (16.02.2009)

Haupteinnahmequelle auf Guadeloupe ist der Tourismus, dessen Situation derzeit als "katastrophal" bezeichnet wird. Neben dem Tourismus hat sich keine eigenständige Wirtschaft entwickelt. Die mehrheitlich dunkelhäutige Bevölkerung leidet besonders stark unter den hohen Preisen und der hoher Arbeitslosigkeit.

»[...] Doch im Kern geht es um einen alten Konflikt aus der Kolonialzeit. Weiße gegen Schwarze, eine Regierung im fernen Paris, die jahrelang nicht gegen absurde Zustände vorging. So kommen, in bester Kolonialmanier, die meisten Lebensmittel aus Paris, dem Mutterland am anderen Ende der Welt. Selbst Milch wird nicht auf den Antillen erzeugt, weshalb die Lebensmittelpreise erheblich höher sind als in Paris. Steak kostet 50 Prozent mehr als im Mutterland, grüne Bohnen gar 170 Prozent mehr. Ein weiterer Grund: 40 Prozent der Wirtschaft gehören einer kleinen (oft weißen) Clique, die aber nur ein Prozent der Bevölkerung ausmacht. [...]«
www.focus.de, Krise im Ferienparadies (19.02.2009)

Die Protestwelle erreichte nun auch die französischen Überseegebiete Martinique und La Réunion.
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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.440 f.



www-Links



Frankreich
Guadeloupe
Official Website of the Martinique Tourism Authority
France Guide - Offizielle Informationsseite über Tourismus in Frankreich
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