Willkommen in Mexiko

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[Mexiko] [Die Menschen] [Volkskultur] [Die Wirtschaft] [Schweinegrippe] [Entwicklungen]
[Mexiko-Krise 1995] [Literatur] [www-Links]


Offizieller Name: Vereinigte Mexikanische Staaten
Hauptstadt: Mexiko-Stadt (Ciudad de México)
Fläche: 1.958.201 km²
Landesnatur: Von W nach O: Halbinsel Niederkalifornien, pazifische Küste, im N als Tief-, im S als Bergland ausgeprägt; westlich Sierra Madre, Hochland von Mexiko, östlich Sierra Madre und Küstenebene am Golf von Mexiko. Nach S wird das Hochland von jungvulkanischem Gebirge begrenzt. Im SO die Halbinsel Yucatán
Klima: Im N subtropisch, im S tropisch feucht-heiß
Hauptflüsse: Balsas, Santiago, Yaqui
Höchster Punkt: Citlaltépetl 5700 m
Tiefster Punkt: nahe Mexicali -10 m
Regierungsform: Präsidiale Bundesrepublik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 31 Bundesstaaten und Bundesdistrikt Mexiko-Stadt
Parlament: Parlament mit Abgeordnetenkammer (500 für 3 Jahre gewählte Abgeordnete) und Senat (128 für 6 Jahre gewählte Mitglieder)
Natinalfeiertag: 16. September
Einwohner: 95.365.000 (1999); 106.202.903 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 50 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 74% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 33% (1999)
Analphabetenquote: 9% (1999)
Sprache: Spanisch
Religion: Katholiken 90%, Protestanten 5%


Mexiko

Während viele Länder mit wenigen Stichworten gekennzeichnet werden können, gelingt dies bei Mexiko nicht.

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Das gilt schon für den politischen Bereich.
Zwar hat das Land von 1910 bis 1917 eine blutige Agrar-Revolution erlebt, doch seit Jahrzehnten zeigt es eine erstaunliche Stabilität, zumal im Vergleich mit dem übrigen Lateinamerika.
Die Mexikaner sind zwar das größte Volk spanischer Sprache, aber daneben sind noch rund 50 präkolumbianische Sprachen lebendig. Entsprechend vielfältig ist das Volksleben. Aber auch an Zeugnissen der altamerikanischen Kulturen, der Kolonialarchitektur und der Kunst des 20. Jahrhunderts wird Mexiko im lateinamerikanischen Subkontinent kaum übertroffen.

Das Wappen Mexikos bezieht sich auf die legendäre Gründung der Aztekenhauptstadt (heute Ciudad de Mexico) im Jahr 1325, deren Lage von den Göttern durch einen Adler mit einer Schlange im Schnabel angezeigt worden sein soll. Es wurde ebenfalls 1821 eingeführt und mehrfach abgeändert, zuletzt am 17.09.1968. Im Zuge dieser Änderungen trug der Adler zwischen 1864 und 1867 eine Krone, und seit 1823 eine Schlange im Schnabel.

Amate Papier ("Papel Amate")
Die Herstellung von Amate-Papier wurde insbesondere auch wegen seiner wichtigen Funktion bei den religiösen Otomí-Zeremonien lebendig erhalten. Die ausgeschnittenen Figuren stellen unterschiedliche gute und böse Geister dar und werden bei bestimmten Zeremonien genutzt, z.B. für eine gute Mais-Ernte wie auch zum Heilen kranker Menschen. Die rechts dargestellte Figur stellt den Herrn der Berge dar. Jede Familie muss die regelgetreue Herstellung von Amate-Papier beherrschen um es dann einem Schamanen geben zu können, der die Figuren für die jeweilige Zeremonie ausschneidet.

In der Naturlandschaft reicht das Spektrum vom aktiven Vulkanismus bis zum ewigen Schnee, vom tropischen Regenwald bis zur Wüste; und dem entspricht die Fülle unterschiedlichster Agrarprodukte. Zur Naturausstattung gehören das Silbererz, jahrhundertelang die Hauptquelle des Reichtums, sowie enorme Erdölvorräte, aber auch die Lage zwischen zwei "warmen" Meeren, wodurch Mexiko zum wichtigsten Touristenziel der Tropen wurde.
Verteilung und Erscheinungsformen von Siedlung und Bevölkerung sind in Mexiko außerordentlich vielgestaltig. Einfachsten Waldlandindianern und Waldhackbauern, die noch kaum einen Kontakt zur Außenwelt haben, aber auch zahlreiche Analphabeten in den Städten, stehen qualifizierte Fabrikarbeiter und Kaufleute, hochspezialisierte Wissenschaftler und international anerkannte Künstler gegenüber.
Als einziges Land der sogenannten Dritten Welt grenzt Mexiko an den höchstentwickelten Industriestaat der Erde. Doch der Versuch, diese Grenze zu überschreiten, um Arbeit in den USA zu finden, bleibt für viele Mexikaner eine unerfüllte Hoffnung.

Dabei gehört die Bevölkerungszunahme Mexikos zu den höchsten der Welt, und es steht zu befürchten, dass die Hauptstadt bald zur größten Metropole überhaupt heranwächst. Immerhin hat eine beachtliche Industrialisierung Mexiko zu einem sogenannten Schwellenland werden lassen, doch in ihrer Folge ist es auch zur gefährlichen Auslandsverschuldung gekommen.
Das Schlagwort "Land der Gegensätze" ist demnach wohl gerechtfertigt. Und es gilt auch für Mexikos Lagebeziehungen, in denen einerseits eine Übergangsstellung, andererseits scharfe Abgrenzungen zwischen dem Norden und dem Süden der Neuen Welt zum Ausdruck kommen. In der Kulturentwicklung kommt Mexiko eine trennende Rolle zu. Die kaum besiedelten Trockenräume im Norden bildeten in vorspanischer Zeit einen breiten Grenzsaum der mesoamerikanischen Hochkulturen, wie beispielsweise die der Azteken und Maya, gegenüber den Indianern Nordamerikas, die über die Wildbeuterstufe nicht oder erst spät hinausgekommen waren. Das spanische Interesse im Norden beschränkte sich auf die isoliert liegenden Silberminen.

Die Menschen

Mexiko ist die größte spanischsprachige Nation und nach Brasilien der bevölkerungsreichste Staat in Lateinamerika. Das mexikanische Volk besteht überwiegend aus Mestizen, also Mischlingen zwischen Weißen und Indios, denn die weißen Eindringlinge begannen bald nach der Eroberung zu Beginn des 16. Jahrhunderts, sich mit den einheimischen Indios zu mischen. Immerhin sind heute noch rund 14% reine Indios, unter denen die Nahua (Azteken) im zentralen Hochland und die Maya in Yucatán die größten Gruppen darstellen. Heute werden noch etwa fünfzig Sprachen und Dialekte gesprochen.
Seit jeher ist auch die Bevölkerungsdichte sehr ungleich. Die Trockengebiete und die tropischen Waldregionen sind sehr dünn besiedelt. In ländlichen Räumen des Hochlands werden dagegen über 100 Einwohner pro km² gezählt. Das ist durchaus mit europäischen Verhältnissen vergleichbar. Mexiko gehört zu den Ländern Lateinamerikas, in denen seit den 1940er Jahren die sogenannte Bevölkerungsexplosion ausbrach, nachdem durch systematischen Einsatz des Insektenvernichtungsmittels DDT viele Seuchen wie Malaria und Pocken in kurzer Zeit eingedämmt worden waren. In den vier Jahrzehnten von 1940 bis 1980 sank deshalb die Sterberate auf ein Drittel des ursprünglichen Wertes. Wenn auch die Geburtenrate erst in jüngster Zeit durch eine Politik der Familienplanung etwas zurückgegangen ist, gibt es seither einen jährlichen Geburtenüberschuss, der eine Verdoppelung der Bevölkerungszahl in immer kürzeren Zeiträumen bewirkt. Waren für die erste Verdoppelung der Bevölkerung noch siebzig Jahre nötig, so fand die letzte in einem Zeitraum von nur zwanzig Jahren statt. Damit nimmt selbstverständlich der Anteil der Jugendlichen immer weiter zu. So bleibt auf längere Sicht das große Problem bestehen, wie für diesen enormen Zuwachs wenigstens die Grundbedürfnisse an Lebensmitteln, Kleidung, Wohnraum, Ausbildung und Arbeitsplätzen zu beschaffen sind.

Acapulco

Eine rasante Verstädterung
Zu den auffälligsten Folgen der Bevölkerungszunahme gehört die Verstädterung. Bei der letzten Volkszählung 1995 lebten bereits 21,5 Millionen Menschen, also über 20% der Gesamtbevölkerung, in den drei größten Stadtregionen Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey, während 1940 das ganze Land nur 19,7 Millionen Einwohner hatte. Insgesamt hat sich die Bevölkerung der zehn größten Städte seit 1940 etwa verzehnfacht. Eklatanteste Beispiele für eine Bevölkerungszunahme innerhalb weniger Jahre sind Tijuana und Acapulco. Diese Städte sind von 22.000 Einwohnern auf 992.000 bzw. von 23.000 auf 697.000 angewachsen. Die Randzonen dieser Städte sind von unzähligen Hütten besiedelt, denen meist ein Anschluss an das städtische Versorgungssystem fehlt.

Doch Städte sind in Mexiko keine Errungenschaft der modernen Zeit. Vielmehr gab es schon vor der Eroberung durch die Spanier eine hoch entwickelte Stadtkultur, und in der Kolonialzeit wurden zahlreiche Städte nach einheitlicher Planung gegründet. Der beachtliche Wohlstand dieses Silberbergbaulandes entfaltete eine blühende Baukunst. Sie äußerte sich in großzügigen Innenhöfen, den sogenannten Patios, der privaten und öffentlichen Gebäude sowie in zahlreichen Klöstern und Kirchen.
Die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse der letzten Jahrzehnte haben fast überall zum Auszug der Oberschicht aus den Innenstädten geführt und Platz für moderne Geschäftsbauten geschaffen. Die verbleibenden Patiohäuser wurden mit zahlreichen armen Familien überbelegt und verkamen so zu Slums. Neuerdings sind allerdings auch in Mexiko Bemühungen um die Wahrung des kulturellen Erbes zu beobachten. So werden außer Baudenkmälern auch ganze Straßenzüge renoviert. Sanierungen mit dem Ziel einer nachhaltigen Verbesserung der Wohnverhältnisse für die unteren Schichten sind dagegen noch sehr selten. Das ist aufgrund fehlender Mittel zwar verständlich, aber die Zukunftsperspektiven der Innenstädte erscheinen in einem wenig erfreulichen Licht. In den Randbereichen gibt es mehr oder weniger ausgedehnte Viertel der verschiedenen sozialen Gruppen sowie meist sehr modern und großzügig angelegte Schulen, Krankenhäuser, Behördenbauten usw.

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Volkskultur

Die Volkskultur Mexikos ist in jeder Beziehung derart reichhaltig, dass sie mit wenigen Beispielen nur unvollkommen beschrieben werden kann. Das gilt für Musik, Tanz und kultische Zeremonien ebenso wie für jegliche Art von Gebrauchsgegenständen und Trachten. Die Ursachen für die heutige Vielfalt des Volkslebens liegen in der farbigen Geschichte Mexikos mit ihren unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Einflüssen. Es haben ja nicht nur die großen, von den Spaniern überwältigten Indianervölker, also die Nahua (Azteken und Tolteken), die Maya, Zapoteken, Mixteken, Totonaken, Tarasken usw. ihre Spuren hinterlassen. Hinzu kamen viele kulturelle Elemente aus Spanien, aber auch aus anderen europäischen Ländern, aus Nordamerika und aus Afrika. So ist es oft gar nicht so einfach, die ursprünglichsten Formen, Farben und Muster von den späteren Zutaten zu unterscheiden; und manche sogenannten "traditionellen" Souvenirs sind überhaupt erst unter dem Einfluss der touristischen Nachfrage entstanden, wie z.B. das viel gekaufte "papel amate". Es wird zwar nach altmexikanischer Technik aus dem Bast bestimmter Bäume hergestellt, aber erst etwa seit dem Jahr 1960 mit bunten Zeichnungen bemalt und an Touristen verkauft.
Neben den Mariachikapellen aus Geigen, Trompeten und Gitarren ist die Marimbamusik für Südmexiko und Guatemala besonders typisch. Es handelt sich hier um große Xylophone mit hölzernen Resonanzkörpern, die meist von drei Musikern gespielt werden.
Die eigentümlichste Form eines kultischen "Tanzes" führen die "Indios voladores" der Totonaken vor. Zunächst tanzt ein Indio auf einer kleinen Plattform, die oben auf einem Mast angebracht ist, im Kreise herum, während er auf einer Flöte spielt und dazu trommelt. Dann lassen sich vier "fliegende Indios" an Seilen, die um die Spitze des hohen Mastes gewickelt wurden, kopfüber hinunter. Das Herabschweben vom Himmel soll auf die Beziehung zwischen den Göttern und der Erde mit der belebten Natur hinweisen und deutlich machen, dass die Nahrungspflanzen himmlischer Herkunft sind. Das wird auch dadurch symbolisiert, dass in dem Erdloch, in dem der Mast verankert ist, Feldfrüchte und das Blut geschlachteter Tiere versenkt wurden. Noch in den 1960er Jahren konnte man diesen Tanz nur bei einheimischen Festen sehen. Heute wird er in vielen Touristenorten vorgeführt.
Weben und Flechten gehören seit Urbeginn der Menschheit in vielen Gegenden der Welt zum existentiellen Handwerk. Als typisch mexikanisches Beispiel sind die im alten Stil gewebten Gürtel zu nennen, die zu den meisten mexikanischen Frauentrachten gehören und die heute auch in großer Zahl für Touristen angefertigt werden.
Die Touristennachfrage hat einerseits vielfach zu einer Verarmung der Handwerkskunst geführt, andererseits alte Techniken und traditionelle Formen erhalten oder wiederbelebt sowie viele neue Muster hervorgebracht. Auf den kleinen Märkten, die kaum von Touristen besucht werden, findet man jedoch immer noch die für die jeweilige Region typische Handwerkskunst.

Wurzeln mexikanischer Tradition
Die Vielfalt dieser Tradition wurzelt in der abwechslungsreichen Geschichte Mexikos und den zahlreichen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Einflüssen, die über Jahrhunderte hinweg in den Schmelztiegel der Nation eingingen. Die mächtigen indianischen Reiche der Maya, Azteken, Tolteken, Mixteken und Zapoteken haben alle nicht nur in archäologischer Hinsicht, sondern auch in der Folklore ihre Spuren hinterlassen.
Diese Elemente wurden mit kulturellen Einflüssen aus Spanien und anderen europäischen Ländern, aus Nordamerika bis Afrika, vermischt. Das mexikanische Allerseelenfest am 3. November ist ein klassisches Beispiel für diese Verschmelzung von verschiedenen Kulturen. Es wird als der Tag der Toten gefeiert, ein fröhlicher Festtag, an dem ganze Familiengruppen an Gräbern picknicken und gebackene, verzierte Skelette essen, die bekannt sind als Brot der Toten: eine Tradition, die zurückgeht auf das aztekische Ritual, geformtes Brot zu essen, das "Fleisch der Götter".

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Die Wirtschaft

Über Jahrhunderte bildete der Bergbau die Hauptgrundlage der mexikanischen Wirtschaft, und noch immer spielt er eine beträchtliche Rolle. Nach wie vor ist Mexiko der weltweit größte Silberproduzent; beim Schwefel nimmt das Land die vierte Position ein und auch bei anderen Bergbauprodukten gehört es zu den wichtigsten Erzeugerländern. Neuerdings findet es sich an fünfter Stelle der Erdölförderung, die durch die Entdeckung von tiefer gelegenen Vorkommen und Offshore-Gebieten einen außergewöhnlichen Aufschwung genommen hat. Die ersten Lagerstätten an der Golfküste wurden freilich schon 1907 ausgebeutet, und Mexiko stand in den 1920er Jahren an zweiter Stelle der Weltproduktion.
Es war daher ein außerordentlicher Affront gegenüber den USA und Großbritannien, als Präsident Lázaro Cárdenas (1895-1970) im Jahr 1938 die Erdölwirtschaft verstaatlichte, die in den folgenden Jahrzehnten in erster Linie zur Deckung des eigenen Bedarfs ausgebaut wurde. Über den steilen Gebirgsanstieg wurden mehrere Pipelines in das Hochland gebaut, durch die alle wichtigen Städte mit Erdölprodukten und Erdgas versorgt werden. Letzteres hat sich allgemein als Hausbrennstoff durchgesetzt und damit wenigstens in den Städten die übermäßige Nutzung von Holz und Holzkohle eingedämmt. Die Erdölzentren Poza Rica, Coatzacoalcos und Minatitlán zeigen alle Merkmale planlos wachsender Pionierstädte mit einer Umweltbelastung durch großchemische Anlagen, die selbst für Entwicklungsländer unvorstellbare Ausmaße angenommen hat.
Insgesamt hat die Industrie nach beachtlichen Ansätzen um die Jahrhundertwende in jüngerer Zeit einen enormen Aufschwung erlebt. Dabei hat die Regierung ganz bewußt eine Politik der Importsubstitution verfolgt, d. h. es darf kein Erzeugnis importiert werden, das in vergleichbarer Qualität im Lande hergestellt werden kann. Auf diese Weise werden heute nicht nur Bekleidung und Lebensmittel, sondern auch fast sämtliche Haushaltsartikel, Bau- und Installationsmaterial sowie Kraftfahrzeuge in Mexiko produziert und teilweise exportiert.

Einen Sonderfall stellen die "Maquiladoras" an der Grenze zu den USA dar. Es sind Lohnveredlungsbetriebe in ausländischer Hand, die Halbfertigwaren wie Textilien oder Elektronikbauteile aus dem Ausland beziehen und nach der Verarbeitung das Endprodukt wieder dorthin ausführen. Sie arbeiten also nicht für den Binnenmarkt, sondern nutzen lediglich das niedrige Lohnniveau Mexikos gegenüber dem reichen Nachbarland aus und schaffen damit Arbeitsplätze.
Auch in der Landwirtschaft hat es bemerkenswerte Produktionssteigerungen gegeben, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. Die bewässerten Ackerflächen in den Trockengebieten des Nordens wurden wesentlich erweitert, vor allem durch Staudämme in der Sierra Madre Occidental, die eine gesteigerte Landnutzung in den Küstenebenen von Sinaloa und Sonora ermöglichen.

Insgesamt konnte die landwirtschaftliche Produktion, sowohl in der Viehwirtschaft als auch im Ackerbau, durch den Einsatz von Düngemitteln, neuen Techniken und Neuzüchtungen erheblich gesteigert werden. Dies geschah überwiegend durch moderne Agrarunternehmer. Viele von ihnen leben in den Städten und gehen dort einem anderen Beruf nach. Sie haben nur wenig mit den alten Großgrundbesitzern, den sogenannten Hacendados, zu tun, noch weniger freilich mit der Masse der als Campesinos bezeichneten Kleinbauern, die ihre kaum veränderte altindianische Brandrodungswirtschaft mit dem Anbau von Mais, Bohnen und ein paar Früchten betreiben und nur mit Mühe die Grundbedürfnisse ihrer großen Familien befriedigen können. Letztere bilden den zweitgrößten Teil der Bevölkerung mit annähernd 24% der Erwerbstätigen gegenüber 22% im Industriesektor und über 50% in Dienstleistungen, Handel und Gastgewerbe.

Der Ruf der Campesinos nach Land und Freiheit ("Tierra y Libertad") war zwar nicht das auslösende Moment des Aufstandes gegen den Diktator Porfirio Diaz (1830-1915) im Jahr 1910, wohl aber die wichtigste Triebkraft für den langjährigen blutigen Bürgerkrieg. So forderte nach dem Sieg der Revolution die neue Verfassung von 1917 unter anderem eine umfassende Bodenreform. Je nach Klima- und Bodenverhältnissen sollten den privaten Landbesitzern Flächen bis zu 200 ha im Ackerbau und bis zu 500 ha in der Weidewirtschaft bleiben. Alles übrige Land fiel dem Staat zu, der es als sogenannte Ejidos an Siedlungsgemeinschaften zur individuellen oder genossenschaftlichen Nutzung weitergeben sollte. Insgesamt wurden 83 Millionen ha an 2,8 Millionen Berechtigte verteilt, das sind immerhin 59% der Agrarfläche und 74% der landwirtschaftlichen Betriebe. Doch die Reform ist über die Verteilung des Bodens kaum hinausgekommen. Es fehlen ergänzende Maßnahmen wie Schulung, günstige Kredite für Saatgut, Düngemittel, Maschinen usw. Nach wie vor dienen große Teile der Nutzfläche nur der Selbstversorgung, die aber in vielen Fällen nicht gesichert ist. Zahlreiche Campesinos müssen vor der Ernte Mais für die eigene Ernährung kaufen. Hinzu kommt der auf dem Lande ungebrochene Kinderreichtum, so daß trotz stetiger Abwanderung immer mehr Menschen von denselben Flächen leben müssen.

"Tortilla-Krise"

»[...] Anfang Februar 2007 demonstrierten in Mexiko-Stadt Zehntausende gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung Calderón. Neben einer Abkehr von der neoliberalen Wirtschaftspolitik wurden staatliche Preiskontrollen bei Grundnahrungsmitteln sowie eine allgemeine Lohnerhöhung gefordert. Ferner richtete sich der Protest gegen die am 1.1.2007 in Kraft getretenen Regelungen aus dem Freihandelsabkommen NAFTA; seither ist ein zollfreier Handel von Agrarprodukten zwischen den USA, Kanada und Mexiko möglich; die Bauern Mexikos fürchten, gegen die stark subventionierte US-amerikanische Landwirtschaft nicht konkurrenzfähig zu sein. Auslöser der Massenkundgebung war der starke Preisanstieg von Mais, aus dem Tortillas, ein Grundnahrungsmitel, bereitet werden. Ihr Preis war innerhalb eines Jahres um mehr als 60% gestiegen. Hauptgrund dafür war die starke Nachfrage von Mais in den USA, wo das Getreide für die Herstellung von Bioethanol verwendet wird. Calderón vereinbarte daraufhin mit Agrarunternehmern einen Höchstpreis für Maismehl. [...]«

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.333 ff.

Fast zwei Drittel seines Außenhandels wickelt Mexiko mit den USA ab, die beide zur Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) gehören. Japan und die Europäische Union sind auch wichtige Käufer. Erdöl und Erdölprodukte machen den Löwenanteil des Außenhandels aus. Als nach 1981 die Ölpreise fielen, geriet Mexiko in eine tiefe Schuldenkrise. Die Wirtschaft brach fast zusammen und ein Finanzdesaster konnte gerade noch verhindert werden.

Schweinegrippe

Seit April 2009 sollen die Menschen erneut in Angst und Schrecken versetzt werden: Es drohe eine globale Pandemie, hervorgerufen durch den Erreger des "H1N1" oder "Schweinegrippe" genannten Virus. An dem aus dem Nichts erfolgten Ausbruch dieses Erregers sollen in Mexiko bereits mehr als 100 Menschen (Stand 27.4.2009) gestorben sein.
Wegen der rasanten Zunahme von Schweinegrippe-Fällen weltweit, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11. Juni 2009 die "Schweinegrippe" als Pandemie eingestuft (höchste Alarmstufe 6). Sie gilt damit als weltweite Seuche. Siehe hierzu auch  Von der Vogel- zur Schweinegrippe.

Der fünfjährige Edgar Hernández aus dem mexikanischen Dorf La Gloria bekommt eines Tages Fieber, sein Rachen brennt und es schmerzt sein ganzer Körper. Die Leute aus dem Dorf vermuten, dass die nahegelegenen Schweinemastställe mit Edgars Erkrankung zu tun hätten, denn aus den Ställen bläst der Wind ständig einen beißender Gestank in die umliegenden Dörfer. Allein in dem nahen Städtchen Perote werden eine halbe Million Schweine gemästet. Nach vier Tagen erholt sich Edgar dann aber wieder und schon spricht auch niemand im Dorf mehr darüber: eine normale Grippe, sonst nicht. Einige Wochen später hat dann ein Labor in Kanada einen Schleimhautabstrich des Jungen untersucht, dessen Ergebnis ihn berühmt macht: »[...] Edgar hatte keine gewöhnliche Grippe. Er war mit einmem neuartigen Erreger infiziert - dem Schweinegrippevirus. Edgar geht als "niño cero" in die Geschichte ein, als erster Mensch, der an der neuen Seuche erkrankte. [...]«
Zitat aus: Der Spiegel, 10/2010, S.128.

Laut Angaben des US-Seuchenzentrums CDC ist dieser Virus aus 4 genetischen Segmenten von Mensch, Vögeln und Schweinen aus drei Kontinenten zusammengesetzt.

Siehe:
US-Seuchenzentrum CDC hat Vorräte des Virus
Panik vor Schweinegrippe: Produkt im Zeichen des Genoismus
26. April 2009: Swine Flu was cultered in a labotory
H1N1: Schweinegrippe als Beginn der globalen Pandemie
Schweine Grippe Virus 2009: Tagebuch des Killers A/H1N1 - Ist H1N1 resistent gegen Tamiflu?
Menschheit hat keine Immunität gegen mexikanische Schweinegrippe
Ist Obama immun gegen Schweinegrippe?
Amero – das dramatische Aus für den Dollar?

FEMA und der Schweinegrippevirus

Das Areal (Massengräber)
die Särge und hier

»Die Katastrophenschutzbehörde FEMA (Federal Emergency Management Agency) schafft seit Monaten schon in den meisten Bundesstaaten der USA zig Millionen von billigen Plastiksärgen an. Das ist Fakt - kann man leicht nachprüfen, auch per "Google Earth" sind diese unglaublich großen Areale nicht zu übersehen.
Desweiteren werden seit einiger Zeit überall in Amerika nachts riesengroße Massengräber ausgehoben. Macht euch schlau, die US-Regierung scheint irgendetwas vor zu haben.«
Aus: www.allmystery.de
Google Links:  fema+coffins 

Siehe auch: Avian/Swine Flu update - CDC "We may not be able to contain it" - April 25 2009 - RFI Chip

»[...] Verteilt auf 102 Länder lauern Forscher in mehr als 130 Labors auf neue Grippe-Erreger. [...] 26. Januar 2010: Der deutsche Abgeordnete Wolfgang Wodarg kritisiert im Europarat in Straßburg, dass weltweit "Millionen Menschen ohne einen guten Grund geimpft" wurden. Die Ausrufung der Pandemie durch die WHO habe den Pharmakonzernen 18 Milliarden Dollar Zusatzeinnahmen in die Kassen gespült. Allein der Jahresumsatz des Grippemittels Tamiflu ist um 435 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen. [...] Auf dem Dorfplatz von La Gloria im Mexikanischen Hochland wurde inzwischen eine 1,30 Meter große und 70 Kilogramm schwere Bronzestatue errichtet - ein Abbild von Edgar Hernández, dem Wunderknaben, der die Schweinegrippe besiegte.«
Der Spiegel, 10/2010, S.132.

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Entwicklungen

Angesichts des seit 2006 andauernden Drogenkriegs (mit Beginn der militärischen Bekämpfung der Kartelle) mit über 18.000 Toten bis einschließlich Juni 2010 »[...] und den erfolglosen Bemühungen von Polizei und Militär, die öffentliche Sicherheit im Land wiederherzustellen, breitete sich in der Bevölkerung Hoffnungslosigkeit aus. [...]
Die Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens durch den Ausbruch der sog. Schweinegrippe im Frühjahr 2009 verschärften die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise auf Mexiko zusätzlich. [...]

Drogenkrieg: Seitdem die Regierung ihr Vorgehen gegen die mexikanische Drogenmafia [...] verschärft hatte, stieg die Zahl der Todesopfer, die im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität und deren Bekämpfung stehen. [...] Am schwersten betroffen waren die Bundesstaaten Baja California, Chihuahua, Guerrero, Michoacán, Tamaulipas, Nuevo León, Sinaloa, Durango und Jalisco. [...] Die Eskalation der Gewalt war zum großen Teil auch auf die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Drogenkartellen zurückzuführen, die sich angesichts des verschärften Drucks der Regierung einen immer heftigeren Verteilungskampf um die lukrativen Schmuggelrouten in die USA lieferten. [...]
Erschwert wurde der Kampf gegen das organisierte Verbrechen dadurch, dass die Drogenmafia ihre Verbindungen mittlerweile selbst in höchstrangige Polizei- und Sicherheitskreise ausgebaut hatte. [...]

Wirtschaft: Mexiko zeigte infolge der aktuellen globalen Wirtschafts- uhnd Finanzkrise deutliche Zeichen einer Rezession. Eine sinkende Auslandsnachfrage für mexikanische Exportgüter, gesunkene Rohölpreise und zurückgehende Direktinvestitionen führten in dem Schwellenland im 1. Quartal 2009 zum stärksten Rückgang der Wiortschaftsleistung seit 1995. [...] Zur Stützung der Wirtschaft schloss das Land ... Mitte April 2009 mit dem IWF eine Kreditvereinbarung in Höhe von rd. 47 Mrd. US-$ ab. [...]«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten , S. 357 ff.

12. Juni 2010: Mexikos Drogenkrieg fordert weitere 39 Todesopfer:
Augen verbunden, Hande gefesselt und dann erschossen, nn-online.de,

»[...] "Gescheiterter Staat"
Unlängst stellten prominente US-Vertreter wie der ehemalige Drogenzar Barry McCaffrey, der Ex-CIA-Direktor Michael Hayden und der ultrakonservative frühere Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, Newt Gingrich, Mexiko als "failed state", als gescheiterten Staat also, in eine Reihe mit Somalia und Afghanistan. Nachdem auch noch das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Joaquín Guzman, den Gründer des Sinaloa-Kartells, in seiner aktuellen Milliardärsliste aufführte, ritt Mexikos konservativer Präsident Félipe Calderón einen ungewohnt vehementen Gegenangriff: "Wie kann der größte Drogenmarkt der Welt funktionieren ohne Korruption in gewissen Staatsorganen der USA?"
Dieser Drogenmarkt bringt den mexikanischen Kartellen nach Schätzungen der US-Drogenbehörde DEA jährlich zwischen 20 und 30 Milliarden Dollar ein. Nach Zahlen des US-Gesundheitsministeriums haben im Jahr 2007 35 Millionen US-Bürger Rauschgift konsumiert, 25 Millionen rauchten Marihuana, fünf Millionen nahmen Kokain. 90 Prozent aller importierten Rauschmittel beziehen die USA aus Mexiko, dabei ist die "Volksdroge" Marihuana mit 40 Prozent Marktanteil immer noch der größte Posten, gefolgt von Kokain, Designerdrogen und schließlich Heroin, das seit den 1930er-Jahren in Mexiko fabriziert und nordwärts geschmuggelt wird. So weit die eine Seite der Statistik.

Waffen aus Amerika
Auf der anderen steht, dass neun von zehn Waffen, die Mexikos Sicherheitsbehörden im Drogenkrieg sicherstellen, in US-Waffengeschäften gekauft wurden. Erst in der Vorwoche endete in Arizona ein Musterprozess gegen einen lokalen Waffenhändler, der mindestens 700 Schusswaffen, darunter viele automatische, an Strohleute der mexikanischen Kartelle verkauft haben soll. Der Mann wurde freigesprochen, weil dem Richter die Beweisführung des Generalstaatsanwalts von Arizona nicht passte. Der drängt nun auf Revision.
Die klarste Analyse kommt direkt aus dem Weißen Haus: "Die Drogen kommen nach Norden, wir senden Geld und Waffen in Richtung Süden – und als Konsequenz haben diese Kartelle eine außergewöhnliche Macht erlangt." [...]«
Zitat: diepresse.com, Mexiko: Drogenkrieg greift auf die USA über, 25.03.2009

Marihuana in Oregon
Weil der Schmuggel von Marihuana in die USA immer schwieriger wird, gehen die Drogenkartelle verstärkt dazu über, den Stoff dort wo er konsumiert wird auch zu produzieren: im südlichen Oregon.
Marijuana Goes Mainstream in Southern Oregon

Mexico borderStreit über US-Einwanderungsgesetz
»[...] Arizona verschärft die Gangart gegenüber illegalen Einwanderern: Der Bundesstaat im Südwesten der USA hat jetzt ein Gesetz verabschiedet, das es Polizisten erlaubt, Passanten auf der Straße festzunehmen, wenn sie nicht nachtweisen können, dass sie sich legal im Land aufhalten. Dabei haben die Behörden vor allem Einwanderer aus Lateinamerika im Visier. Das neue Gesetz, das in drei Monaten in Kraft treten soll, wird auch im Nachbarstaat Kalifornien heftig diskutiert, besonders von den dort lebenden Latinos. [...]«
dw-world.de, 6. Mai 2010

Operation "Peso Shield"

Mexiko-Krise Ende 1995 - die Macht des internationalen Finanzmarktes
Aus: Die Globalisierungsfalle - Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand. Hans-Peter Martin, Harald Schumann; Rowohlt 1997, S. 64 ff.

»[...] Die Krise hatte begonnen, als das politische Washington soeben in den Winterurlaub aufbrach. Vier Tage vor Weihnachten 1995 gab die mexikanische Regierung bekannt, ihre Landeswährung müsse erstmals seit sieben Jahren wieder abgewertet werden. Der Peso sollte fünf US-Cent und damit 15 Prozent weniger kosten als bisher. Weltweit, insbesondere in den großen Bankhäusern an der New Yorker Wall Street sowie den ihnen verbundenen Investmentfonds, breitete sich unter den Verwaltern privater Anlagegelder Panik aus. Weit über 50 Milliarden Dollar hatten sie in mexikanische Staatsanleihen, Aktien und Schuldverschreibungen investiert.
Schließlich stand Mexiko bis dahin in dem Ruf, ein finanzpolitisch solider Staat geworden zu sein, der alle Auflagen des IWF zur Sanierung von Staat und Wirtschaft vollständig erfüllt hatte. Doch nun drohte dem Vermögen der ausländischen Anleger ein massiver Wertverlust. Wer immer konnte, zog - wie zuvor schon mexikannische Insider - Geld aus Mexiko ab. Der Peso verlor in nur drei Tagen nicht bloß 15 Prozent, sondern 30 Prozent seines Gegenwertes in US-Dollar.
US-Finanzminister Robert Rubin und Stabschef des Weißen Hauses, Leon Panetta, starteten dann eine Rettungsaktion, welche die Washington Post in Anlehnung an die Operation "Desert Shield" (Wüstenschild) zu Beginn des Golfkrieges schon bald Operation "Peso Shield" taufte.
Präsident Clinton kündigte an, seine Regierung werde Mexiko mit Kreditgarantien in Höhe von 40 Milliarden Dollar beistehen. Niemand sollte befürchten müssen, der mexikanische Staat werde seine ausländischen Gläubiger nicht bezahlen.
Zur Verblüffung der Krisenmanager sorgte Clintons Stellungnahme jedoch nicht für Entlastung, die Situation spitzte sich sogar zu. Jetzt ahnten die Anleger nicht nur, dass Mexiko die Dollars ausgingen, jetzt wussten sie es. Zudem war unklar, ob Clinton die zugesagten Gelder von der neuen republikanischen Mehrheit im US-Kongress auch bekommen würde. Obwohl die mexikanische Notenbank täglich für eine halbe Milliarde Dollar Pesos kaufte, gab der Kurs weiter nach. Das war bedrohlich für Mexiko, weil importierte Waren plötzlich unbezahlbar wurden, und es war problematisch für die Vereinigten Staaten, in denen vom Mexiko-Handel Tausende Jobs abhingen. Die übrige Welt schien der Peso-Absturz noch kaum zu betreffen.
Das änderte sich ab dem 12. Januar dramatisch. Noch während dieses Tages setzte eine gespenstische Entwicklung ein, mit der kaum jemand gerechnet hat. An allen wichtigen Börsenplätzen der Welt - von Singapur über London bis New York - geriet ein Dutzend Währungen gleichzeitig unter Druck. Der polnische Zloty verlor genauso schnell an Wert wie der thailändische Baht oder der argentinische Peso. Plötzlich stießen Investoren in allen aufstrebenden Schwellenländern des Südens und Mitteleuropas, in den sogenannten "emerging markets", Aktien und Anleihen ab. Weil sie die Erlöse sofort in die Hartwährungen Dollar, D-Mark, Schweizer Franken und Yen zurücktauschten, fielen mit den Kursen der Wertpapiere auch die Kurse für die Währungen, in denen sie ausgestellt waren. Das geschah in so verschiedenen Ländern wie Ungarn und Indonesien, die wirtschaftlich nichts miteinander verband. Erstmals in der Geschichte trafen sich die Notenbank-Chefs der Länder Südostasiens zu einer gemeinsamen Notsitzung. Getrieben von der Dynamik, die sie nicht zu verantworten hatten, mussten sie ihre Währungen durch deutliche Zinserhöhungen künstlich verteuern, um die Anleger bei guter Laune zu halten. Argentinien, Brasilien und Polen folgten.
Ab dem 20. Januar, dem Ende der vierten Krisenwoche, ging auch der Dollarkurs auf Talfahrt. Nun warnte selbst Alan Greenspan, der in Banker-Kreisen für seine unbeirrbare Haltung bewunderte Chef der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed). Die sich anbahnende "weltweite Kapitalflucht" in Qualitätswährungen wie Yen und Deutsche Mark, erklärte der Fed-Chef vor dem US-Senat, bedrohe "den globalen Trend zu Marktwirtschaft und Demokratie". Gemeinsam mit Clintons Leuten drängte er seine Parteifreunde im Kongress, endlich dem Vorschlag des Präsidenten zuzustimmen und Mexiko die notwendigen Kreditgarantien zu gewähren. Noch einmal beruhigte sich die Lage für ein paar Tage, das Ende der Vertrauenskrise in die neuen Wachstumsländer des Südens und Ostens schien nahe - bis zu jenem 30. Januar. Der mexikanische Finanzminister Ortiz berichtete, sein Land sei am Ende, die letzten Dollar-Reserven seien erschöpft. Werde der Kapitalfluss nicht gestoppt, müsse er den Peso-Umtausch beschränken und die über zehn Jahre mühsam betriebene Integration Mexikos in den Weltmarkt mit einem Schlag beenden. Da Clinton für den Mexiko-Kredit keine Kongressmehrheit erwarten konnte, musste er den mit 20 Milliarden Dollar ausgestatteten Krisenfonds der Regierung ausschöpfen, der dem US-Präsidenten im Notfall zur freien Verfügung steht. Und er musste um Beistand aus anderen Kassen bitten, weil selbst dieser riesige Betrag bei weitem nicht ausreichte. Der erste Hilferuf ging an den IWF, der bereits in den zwei vorangegangenen Wochen eine Zahlungshilfe für Mexiko in Höhe von 7,7 Milliarden Dollar leistete, die größte Summe, die nach geltendem IWF-Statut überhaupt zulässig war. Doch diese Maßnahme war verpufft. Mindestens weitere zehn Miliarden wurden benötigt, um Mexiko vor der Pleite zu bewahren.
Aber durfte der IWF so mit dem ihm anvertrauten Geld umgehen ? Der Wunsch und das Drängen der Nordamerikaner und Mexikaner waren eindeutig. Aber lag eine Aufstockung des Notkredits um noch einmal zehn Milliarden auch im Interesse der vielen anderen Zahler, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Japan ? Für die formal vorgeschriebene Konsultierung blieb keine Zeit. In Bonn und Paris war es drei Uhr früh. Die Entscheidung musste aber noch diese Nacht fallen. Schon am nächsten Morgen würde das Scheitern des Clinton-Plans im Kongress öffentlich bekannt werden.
Würde dann der mexikanische Markt zusammenbrechen, gäbe es kein Halten mehr. Die Furcht vor ähnlichen Krisen in anderen Entwicklungsländern würde eine Kettenreaktion auslösen, an deren Ende ein weltweiter Finanzkrach stehen könne.
Camdessus, der Chef des IWF, setzte sich schließlich, nachdem ihm von neun in Washington anwesenden Regierungsvertretern aus dem IWF-Exekutivdirektoriums das Vertrauen ausgesprochen wurde, über alle Regeln des Fonds hinweg, er riskierte seinen Job sowie den bisherigen Ruf seiner Institution und ließ Clinton ausrichten, der IWF sei für weitere zehn Milliarden gut, insgesamt also 17.7 Milliarden Dollar.
Ein ähnliches Risiko ging kurze Zeit später auch Andrew Crocket ein, der als leitender Manager der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vorsteht, dem weltweiten Verbund der Notenbanken. An deren Sitz in Basel war es schon sieben Uhr morgens, als die amerikanische Fed bei Crocket anfragte, ob die BIZ sich an dem Stützungspaket beteiligen werde.
Um 11.15 Uhr erklärte Clinton vor der Jahresversammlung der amerikanischen Gouverneure, dass Mexiko mit Hilfe des IWF, der BIZ und der kanadischen Regierung ab sofort auch ohne Zustimmung des Kongresses ein Stützungskredit von über 50 Milliarden Dollar zur Verfügung stehe.

In weniger als 24 Stunden brachte ein halbes Dutzend Männer so jenseits aller parlamentarischen Kontrolle mit dem Steuergeld der westlichen Industrieländer das größte internationale Kredithilfeprogramm auf den Weg, das seit 1951 vergeben wurde, übertroffen nur von den Zahlungen im Rahmen des Marshall-Plans, mit denen die Vereinigten Staaten den Wiederaufbau Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützten.
Dies, so hieß es, war die erste große Krise der neuen Welt der globalisierten Märkte. Das zentrale Argument für den Stützungskredit war, dass nur so einer Weltkatastrophe entgegengewirkt werden konnte.
Zahlreiche Kritiker interpretierten den Milliarden-Deal jedoch ganz anders. Rimmer de Vries, Ökonom bei der New Yorker Investmentbank J.P.Morgan, die sich am Mexiko-Boom nicht beteiligt hatte, sprach offen von einem "bail-out for speculators", einem Freikauf von Anlegern, die sich verspekuliert hatten. Auch Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, kritisierte, es sei "nicht einzusehen, warum der Steuerzahler den Investoren die hohen Renditen [auf die mexikanischen Schuldtitel] noch nachträglich garantieren mussten"
Willem Buiter, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Cambridge, kommentierte: Die ganze Aktion sei nichts weiter gewesen "als ein Geschenk der Steuerzahler für die Reichen".
Dieser Vorwurf widerlegt freilich nicht die Argumentation von Camdessus, Rubin und ihren Mitstreitern. Denn der Mexiko-Deal war beides: die vielleicht kühnste Katastrophenabwehr der Wirtschaftsgeschichte und ein dreister Raubzug gegen die Steuerkasse der zahlenden Länder zugunsten einer vermögenden Minderheit. Natürlich habe der Milliardenkredit den Spekulanten genutzt, antwortet der IWF-Direktor seinen Kritikern. Aber, so gesteht er ganz offen, "die Welt liegt in den Händen dieser Burschen".
In seltener Schärfe beleuchtete die Mexiko-Krise das Gesicht der neuen Weltordnuung im Zeitalter der Globalisierung. Wie noch nie zuvor demonstrierten die Akteure, mit welcher Wucht die globale ökonomische Integration das Machtgefüge der Welt verändert hat. Als seien sie von unsichtbarer Hand gesteuert, unterwarfen sich die Regierung der Supermacht USA, der einst allmächtige IWF und alle europäischen Notenbanken dem Diktat einer höheren Gewalt, deren Zerstörungskraft sie gar nicht mehr einschätzen können: dem internationalen Finanzmarkt. [...]«

Standort Deutschland. muz-online.de zum Thema Arbeit und Globalisierung

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.941 ff.

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