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Offizieller Name: Republik Paraguay
Hauptstadt: Asunción
Fläche: 406.752 km²
Landesnatur: Im W Aufschüttungsebene des Gran Chaco, im O Hügel- und Tafelland, im Zentrum Tiefland des Paraguay
Klima: Im N tropisch, sonst subtropisch
Hauptflüsse: Paraguay, Paraná, Río Verde
Höchster Punkt: 680 m nahe Villarica
Tiefster Punkt: 55 m am Zusammenfluss von Paraguay und Paraná
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Einwohner: 5.358.000 (1999); 6.347.884 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 13 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 56% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 39% (1999)
Analphabetenquote: 7% (1999)
Sprache: Spanisch, Guaraní
Religion: Katholiken 94%
Importgüter: Erdöl u. -produkte, Transportmittel, Maschinen, chem. u. pharmazeut. Produkte, Eisen u. Stahlwaren, Tabakwaren, Nahrungsmittel
Exportgüter: Sojabohnen, Ölsaaten, Baumwolle, Fleisch, Holz, Pflanzenöl, Tabak, Quebracho-Extrakte, Häute, Felle
Das Land
Paraguay, das Land im Herzen Südamerikas, erschließt seine Einzigartigkeit dem Reisenden nur langsam. Es lockt weder durch sichtbare Zeugnisse indianischer Kulturen noch durch herausragende koloniale Bauwerke oder spektakuläre landschaftliche Phänomene.
Paraguay ist neben Bolivien der einzige südamerikanische Staat ohne Zugang zum Meer. Der Río Paraguay - jener Strom, der dem Staat seinen indianischen Namen gab - durchzieht das Land und bildet eine Grenze zwischen dem flachen und dem gebirgigen Teil, "La Occidental" und "La Oriental" genannt.
Die Landschaften
Der westliche Teil, der Chaco Boreal, nimmt fast zwei Drittel der gesamten Landesfläche ein. Er umfasst den nördlichen Teil der Großlandschaft Gran Chaco, der zentralen Tieflandzone Südamerikas. Sandige und tonige Ablagerungen bilden eine kaum merklich nach Westen ansteigende Aufschüttungsebene, die durch inselförmige Erhebungen unterbrochen wird. Die Böden sind nur wenig fruchtbar, boten kaum Anreiz zu Kolonisation und werden erst in letzter Zeit partiell, meist für die Rinder- und Schafzucht, genutzt.
Die Ostregion, das historische Paraguay und Kernland des heutigen Staates, gliedert sich in das Zentrale Tiefland und das durch eine breite Bruchstufe davon abgesetzte, nach Osten anschließende Amambayplateau, das bereits zum Brasilianischen Bergland gehört. Das hügelige Zentrale Tiefland, ein 100 bis 200 km breiter Streifen entlang des Ostufers des Paraguay, ist der eigentliche Kernraum und relativ dicht besiedelt. Im mittleren Abschnitt ragen isolierte Tafelberge, massive Gebirgsstöcke und kuppige Einzelberge auf. Durch seine Regenwälder setzt sich dieses vielgestaltige Bergland deutlich von dem Tiefland ab, das durch den Wechsel von offenen Grasländern mit Baumgruppen, lichten Baumsavannen und Galeriewäldern an den Flussläufen parkähnlichen Charakter aufweist. Nach Südwesten geht diese Parklandschaft in ein schwer zugängliches Sumpfgebiet über, die Neembucússümpfe. |
Die Wirtschaft
Der Flusslauf des Paraná, der in Brasilien entspringt und bei Buenos Aires in den Río de la Plata mündet, wurde ebenso wie die meisten Städte und Dörfer der Ostregion durch den Bau des Itaipú-Wasserkraftwerks stark verändert. Um auch in Paraguay die nötigen infrastrukturellen Voraussetzungen für eine Wirtschaftsentwicklung zu schaffen, wurde in den 1970er Jahren mit dem Bau des paraguayisch-brasilianischen Gemeinschaftsprojekts begonnen. Heute beliefert es vor allem die Industriemetropole São Paulo mit Billigstrom, während Paraguay, wie vorauszusehen, kaum mehr als 3% der verfügbaren Energie verbrauchen kann. Von dem weiter stromabwärts gemeinsam mit Argentinien errichteten Wasserkraftwerk Yaciretá, das infolge von Finanzierungsschwierigkeiten allerdings erst im Herbst 1994 in Betrieb genommen werden konnte, werden vor allem bessere Wirtschaftsimpulse erwartet.
Noch immer leidet Paraguay unter der unzureichenden Verkehrserschließung, dem Mangel an Rohstoffen und ausgebildeten Arbeitskräften, fehlendem Kapital sowie dem schwach entwickelten Binnenmarkt. |  |
Deshalb wurde die Förderung exportorientierter Produktionszweige zum Hauptziel der Wirtschaftspolitik, begleitet von umfangreichen staatlichen Maßnahmen, wie z. B. Steuer- und Zollvergünstigungen, durch die multinationale Konzerne sowie private ausländische Investoren ins Land gelockt wurden.
So entstanden neben mehreren industriellen Anlagen für die Be- und Verarbeitung land-, vieh- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse neue Privat-Latifundien sowie rund 600 deutsche, japanische und brasilianische "landwirtschaftliche Kolonien". Dadurch erfuhr Paraguay seit dem Amtsantritt Stroessners eine Phase langsamer, aber stetiger wirtschaftlicher Aufwärtsentwicklung. Den Preis des Fortschritts müssen jedoch die armen Leute und kleinen Bauern zahlen, jene große Mehrheit, die am Rande des Existenzminimums lebt. Viele Bauern und Indio-Gemeinschaften hoffen seither auf Neuzuteilungen von Land, nachdem sie ausländischen Industrieunternehmen und Landkäufern weichen mussten und überwiegend unter Einsatz nackten Terrors seitens der Polizei- und Militäreinheiten vertrieben worden waren. Trotz Agrarreform befinden sich auch weiterhin über drei Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Besitz einer Handvoll Großgrundbesitzer, wobei das ausländische Kapital stark vertreten ist. |
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Die Bevölkerung
Die Bevölkerung Paraguays verteilt sich entsprechend den natürlichen Voraussetzungen äußerst ungleichmäßig über das Land. Größter Anziehungspunkt sind die Hauptstadt Asunción und ihr Hinterland, in dem heute rund drei Viertel der Bevölkerung leben.
Da Paraguay im 19. Jahrhundert kaum von den Masseneinwanderungen aus Europa berührt wurde, entwickelte es sich zu einem der ethnisch homogensten Länder Lateinamerikas. |
Etwa 90% der Bevölkerung sind Mestizen, Mischlinge aus der indianischen Urbevölkerung und den altspanischen Siedlern, die die Gegensätze beider Kulturen in sich vereinen und sie zu ihrer eigenen, unverwechselbaren Identität machten. Die Nachkommen der Ureinwohner bilden heute eine kleine, stark gefährdete Minderheit. Es ist nur ein schwacher Trost für sie, dass ihre Sprache Guaraní als zweite Landessprache heute noch von allen Paraguayern gesprochen wird.

Alfredo Stroessner und danach
Zum ersten Mal seit über 34 Jahren fand im Februar 1989 in den Straßen der Hauptstadt Asunción eine Demonstration statt, die nicht von der Polizei niedergeknüppelt wurde. Etwa 70% der Bürger der "República del Paraguay" hatten so etwas noch nie erlebt. Sie kannten nur die Militärdiktatur Alfredo Stroessners, die Anfang Februar 1989 durch einen Putsch des General Andrés Rodríguez beendet worden war. Es schien unfassbar: Mehrere zehntausend Menschen fanden sich ohne jede Angst zur Abschlusskundgebung vor dem "Panteón de los Héroes" ein, um Domingo Laíno zu hören, einen der profiliertesten demokratischen Politiker, der noch 1986 bei einem seiner wiederholten Versuche, aus dem Exil zurückzukehren, ausgewiesen worden war. Jetzt sprach nicht mehr Stroessner vor dem Panteón, und es war die Rede von freien und allgemeinen Wahlen, vom Ende der Korruption, der Staatswillkür, der Gewalt und der Folter. Die gigantische Stroessnerstatue auf dem Hügel der Hauptstadt, die gleich ihrem herrschenden Ebenbild alles und jeden zu sehen und zu kontrollieren schien, hatte ihren Schrecken verloren. |
Die Militärdiktatur Alfredo Stroessners
General Alfredo Stroessner (* 1912 - † 16.08.2006), Sohn einer guaraníischen Mutter und eines deutschen Vaters, war 1954 als Oberbefehlshaber der Streitkräfte an die Macht gekommen. Er konnte sich dabei auf eine autoritäre Verfassung stützen, die in einer langen Tradition wechselnder Diktaturen entstanden war. Aufgrund der 1967 verabschiedeten Verfassung, die die demokratischen Grundrechte und politischen Rechte garantierte, wurde Stroessner mit großer Mehrheit insgesamt achtmal in seinem Amt bestätigt. Die verfassungsmäßigen Garantien standen jedoch im ständigen Widerspruch zu einer politischen Praxis, in der der Ausnahmezustand zum Dauerzustand erklärt wurde. Nur alle fünf Jahre wurde er für 24 Stunden aufgehoben, aus Anlass von Stroessners sogenannter Wiederwahl, der jeweils besonders brutale Strafaktionen gegen Andersdenkende vorausgingen. |
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Die Position und die Autorität Stroessners wurden nicht in Frage gestellt, zumindest nicht öffentlich. Der Opposition war es nur innerhalb der von der Diktatur festgelegten Grenzen erlaubt zu agieren. Somit konnte Paraguay auf die längste und stabilste Regierung Südamerikas zurückblicken.
In Eintracht mit den bestimmenden sozialen Schichten des Landes regierte Stroessner das Land mit diktatorischen Vollmachten gleich einem Privatbesitz. Zur Konsolidierung seiner Macht bediente er sich der Korruption und des "institutionalisierten" Schmuggels, eine Kette, die mit amerikanischen Zigaretten und Alkohol begann und mit Rauschgift endete.
Wesentliche Stützen des Dikators waren das Militär, die Polizei und der Geheimdienst - ein Staatssicherheitsapparat, der mit Hilfe von Zensur, Bespitzelungen und Willkür so diffus wie wirksam alle Bereiche der Gesellschaft durchdrang. Zum anderen fand Stroessner Rückhalt bei der Mehrheit der konservativen Colorado-Partei, die während seiner Amtszeit zur Staatspartei avancierte. Vom Richter und Offizier bis hin zum Studenten oder Straßenkehrer konnte letztlich niemand mehr ohne den Mitgliedsausweis der Partei überleben.
Die Zeit nach Stroessner
Nach dem Sturz Stroessners sprachen sich fast alle Colorado-Politiker für die demokratische Öffnung Paraguays aus. Dabei war der Anlass des Putsches weniger der Wunsch nach Wiederherstellung demokratischer Verhältnisse oder Achtung der Menschenrechte als vielmehr die zunehmende Verschlechterung der Wirtschaftslage des Landes und der bedenkliche Gesundheitszustand des Diktators. Die Frage nach der Zukunft löste innerparteiliche Auseinandersetzungen aus, bei denen Andrés Rodríguez (* 1923) den gemäßigten Flügel vertrat. Rodíguez, dreißig Jahre lang treuer Gefolgsmann Stroessners, konnte anschließend bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 1989 den Sieg davontragen.
Stroessner war unterdessen nach einem gegen ihn gerichteten Militärputsch im Februar 1989 ins Exil nach Brasilien gegangen, wo er am 16. August 2006 im Alter von 93 Jahren verstarb. Für die unter seiner fast 35-jährigen Herrschaft begangenen Verbrechen war er nie gerichtlich belangt worden.
Für die Opposition war die erste Wahl seit 1954, bei der das Ergebnis nicht schon vor der Stimmabgabe bekannt war, mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Der Hauptanteil der Oppositionsstimmen entfiel auf Laíno und die "Partido Liberal Radical Autentico". Sie trat wie alle Oppositionsparteien für gemäßigte Sozial- und Wirtschaftsreformen in einem demokratischen Rechtsstaat ein. Paraguay hat sich aus einem Alptraum befreit, in dem einzig die katholische Kirche als weder zerstörbare noch gleichschaltbare Institution Repräsentant der Menschenrechte, der Gerechtigkeit und der Freiheit war. Die zweiten Präsidentschaftswahlen nach dem Ende der Ära Stroessner gewann 1993 Juan Carlos Wasmosy (* 1938), der ebenfalls der regierenden Colorado-Partei angehört. Er wurde 1998 von seinem Parteifreund Raúl Cubas Grau (* 1943) abgelöst. Nach dessen Rücktritt wurde Luis Angel Gonzáles Macchi (* 1949) Staatschef. |
Entwicklungen
Aus den am 19. Juni 2006 abgehaltenen Kommunalwahlen ging die Colorado-Partei (ANR) wieder als Gewinnerin hervor und regiert in 234 Kommunen des Landes bzw. hat die Mehrheit in 75% der Stadtparlamente Paraguays, auch in der Hauptstadt Asunción sowie in Ciudad del Este und in Encarnación. In Asunción wurde mit der ANR-Kandidatin Evanhy de Gallegos erstmals eine Frau Bürgermeisterin.
Gegen den früheren Präsidenten Luis Gonzáles Macchi, der im Juni 2006 wegen illegalen Transfers öffentlicher Gelder zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war, wurde am 4.12. eine weitere Gefängnnisstrafe von acht Jahren sowie eine Geldbuße von 500.000 USD wegen Veruntreuung von Staatsgeldern verhängt.
Auf Druck der USA beschlossen die Regierungen Paraguays, Argentiniens und Brasiliens Mitte August 2006, eine trilaterale Beobachtungsorganisation zu gründen, um den grenzüberschreitenden Drogen- und Waffenhandel sowie andere Formen der internationalen organisierten Kriminalität besser kontrollieren zu können.
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.380.
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Historischer Wandel
Die Herrschaft der konservativen Colorado-Partei, der jahrzehntelange Korruption vorgeworfen wird, endete mit den Präsidentschaftswahlen vom 20. April 2008. Die Kandidatin der seit 61 Jahren regierenden Colorado-Partei, Blanca Ovelar, erhielt nur 31 Prozent der Wählerstimmen. Ihr Herausforderer Fernando Lugo (* 1949), Kandidat des Mitte-Links-Bündnisses (Patriotische Allianz für den Wandel, APC) und frühere katholische Bischof, erhielt 41%. Da in Paraguay für den Wahlsieg die einfache Mehrheit genügt, wird Luga neuer Präsident des Landes.
Allerdings verfügen er und seine Partei, die sich für die Armen und Schwachen des Landes einsetzen wollen, derzeit nicht über eine Mehrheit im Parlament. Um regieren zu können, will Lugo mit Colorado-Dissidenten einen Pakt schließen.
Das Bündnis Patriotische Allianz für den Wandel (APC) besteht aus zehn Parteien und einem Dutzend sozialer Bewegungen von ganz links bis rechts. Fernando Luga will für die Armen und die Schwachen arbeiten und Paraguay soll für seine Ehrlichkeit und nicht mehr für seine Korruption bekannt sein (siehe: Historischer Machtwechsel in Paraguay).
Fernando Lugo wurde 1977 zum Priester geweiht und wirkte danach als Missionar in Ecuador (Steyler Missionare). 1994 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Bischof von San Pedro in Paraguay. Bereits im Januar 2005 legte er dieses Amt. An Weihnachten 2006 kündigte er an, auf das Priestertum verzichten und in die Politik einzusteigen zu wollen. Lugo, dem im Wahlkampf zwar Kontakte zur marxistischen kolumbianischen Rebellengruppe FARC unterstellt wurden, sieht sich an "Anwalt der Armen" selber in der politischen Mitte (siehe: Abgefallener Bischof wird Präsident). Er stehe der Befreiungstheologie nahe, was aber nur eine theologische Option sei und keine ideologische. Lugo, der jahrzehntelang Sozialarbeit gemacht und sich für die Bauern in der Zentralregion eingesetzt hat, wurde 2006 im Verlauf einer großen Protestbewegung gegen die Wiederwahl von Präsident Nicanor Duarte zu deren Sprecher gewählt. Daraus ist eine Unterschriftensammlung für seine Präsidentschaftskandidatur entstanden.

Der Jesuitenstaat
Das Land zwischen Río Paraná und Río Paraguay wurde seit Mitte des 16. Jahrhunderts von den Spaniern in Besitz genommen. Die indianische Urbevölkeruung, die Guaraní, konnten der Eroberung nur schwachen Widerstand leisten, so dass das Gebiet 1543 in das spanische Vizekönigtum Peru überging und als erster Ort auf amerikanischem Boden unter die Verwaltung eines mestizischen Gouverneurs gestellt wurde. Die Mestizen, die aus der Verbindung zwischen Spaniern und Guaraní hervorgingen, betrachteten sich als die "weiße Oberschicht" und begannen, die Indianer auszubeuten und sie zu Leibeigenen zu machen. Erst die Jesuitenmissionare konnten das Vertrauen der Indianer zu den Europäern zurückgewinnen. Die Padres fassten im 17. Jahrhundert die verschiedenen Stämme der Guaraní in eigene, selbstverwaltete Siedlungen, die sogenannten Reduktionen, zusammen und bauten ein Gemeinwesen auf, in dem alle Bewohner gleiche Rechte und Pflichten besaßen.
Zu einer Zeit, als man in Europa noch darüber stritt, ob die Indianer überhaupt eine Seele hätten, förderten die Jesuiten neben den praktischen auch die künstlerischen und geistigen Fähigkeiten der Indianer. So wurden die Jesuiten zu Vätern des Staatsvolkes der Guaraní und zu Vorläufern der "Theologie der Befreiung". Der "Jesuitenstaat", in dem Handel und Gewerbe blühten, unterstand zwar der spanischen Oberhoheit, war aber souverän und nach außen hermetisch abgeriegelt. Jedoch führte die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Missionare mit den weißen Siedlern dazu, dass die Spanier die Jesuiten 1767 des Landes verwiesen und die Guaranís mit brutaler Gewalt verfolgten oder töten ließen.

Unabhängigkeit, Kriege und Diktaturen
Als sich mit Beginn des 19. Jahrhunderts Lateinamerika die politische Autonomie gegenüber den Kolonialmächten erkämpfte, trennte sich die Provinz Paraguay 1811 vom Vizekönigtum Río de la Plata und konstituierte sich 1813 als selbständige Republik. Aus den Machtkämpfen, die der Unabhängigkeit folgten, ging José Gaspar Rodíguez Francia (1766-1849) als Sieger hervor. Er ließ sich ein Jahr später vom paraguayischen Kongress zum "Supremo de la Republica" wählen. Francia, der die Eigenständigkeit und Eigenart seines Landes zu wahren suchte, riegelte das Land weitgehend von der Außenwelt ab und regierte bis zu seinem Tod, einem Despoten gleich, mit Strenge und Brutalität. Er galt als unbestechlich, als er die Oligarchie entmachtete, die Konzentration des Privatkapitals verhinderte und den Großgrundbesitz auflöste. Darüber hinaus legte er den Grundstein für eine breitgefächerte Industrie. Produziert wurde jedoch nur das, was für die Ernährung der Bevölkerung notwendig und zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse erforderlich war. Damit war der Grundstein für die politische und soziale Struktur eines liberalen Bürgerstaates geschaffen, auf denen Francias Nachfolger weitgehend ihre Politik aufbauten. Durch die Aufgabe der Isolation setzte in Paraguay eine kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung ein, die es zu einem der fortschrittlichsten Staaten Lateinamerikas machte. Doch mit der Unabhängigkeit geriet Paraguay in das Spannungsfeld zwischen seinen großen Nachbarn Argentinien und Brasilien. Beide versuchten, es sich im blutigen Tripelallianz-Krieg zwischen 1864 und 1870 - dem Großen Krieg, wie die Paraguayer bis heute sagen - einzuverleiben. Der Versuch kostete Paraguay große Teile seines Staatsgebietes und rund 80% der Bevölkerung das Leben. Von diesem Aderlass hatte sich das Land bis zum Ausbruch des Chaco-Krieges gegen Bolivien (1932-1935) nicht erholt.
Die Geschichte des nach diesen Kriegen völlig verarmten und entvölkerten Landes ist seit 1870 durch andauernde Unruhen und Bürgerkriege bestimmt worden, die jeden Aufbauversuch nahezu unmöglich machten. Die innenpolitische Situation wurde maßgeblich von den beiden traditionellen Parteien Paraguays - den Colorados und den Liberalen - getragen, ohne dass eine der Parteien stabile Regierungen hätte bilden können. Eine Diktatur löste die andere ab, eine Kontinuität, die mit dem Sturz von General Alfredo Stroessner 1989 hoffentlich ein Ende gefunden hat.

Literatur
Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1128 f.

www-Links
CIA -- The World Factbook -- Paraguay
Beziehungen zwischen Paraguay und Deutschland
Lonely Planet World Guide | Destination Paraguay
yagua.com - Tu guía de Internet en Paraguay
PARAGUAY - A Country Study
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