|
|
Offizieller Name: Volksrepublik Bangladesch (Gana Prajatantri Bangladesh )
Hauptstadt: Dhaka
Fläche: 143.998 km²
Landesnatur: Größter Teil Schwemmlandebene mit Ganges-Delta im S, im 0 westbirmanische Randkette, im N Zwischenstromland
Klima: Subtropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit u. reichen Niederschlagen
Hauptflüsse: Ganges, Jamuna, Meghna
Höchster Punkt: Mount Keokradong 1230 m
Regierungsform: Parlamentarische Republik mit Mehrparteiensystem
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 4 Provinzen mit 21 Bezirken
Parlament: Parlament mit 300 direkt gewählten Mitgliedern; 30 weitere Sitze
sind für weibliche Mitglieder reserviert; Wahl alle 5 Jahre
Nationalfeiertag: 26. März
Einwohner: 126.947.000 (1999); 161.083.804 (geschätzt für Juli 2012)
Bevölkerungsdichte: 882 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 21% (1999)
Bevölkerung unter l5 Jahren: 35% (1999)
Analphabetenquote: 59% (1999)
Sprache: Bengali, Englisch u.a.
Religion: Moslems (meist Sunniten) 88%, Hindus 11% |
Hunger in Bangladesh
Concert for Bangladesh 1991
| Bangladesch
Im Volksmund nennen die Einheimischen ihren Staat Bangladesch immer noch "Sonar Bangia", das "Goldene Bengalen" und erinnern damit an die wirtschaftliche Blüte vergangener Zeiten. Heute ist dieser Name nicht mehr als eine Lagebeschreibung des Landes, das den überwiegenden Teil des östlichen Bengalen einnimmt und zum Teil aus der Deltalandschaft von Ganges und Brahmaputra besteht. Mögen auch die Phantasie und die Abendsonne die breiten Wasserläufe, die das flache Land durchziehen, in goldene Ströme verwandeln, die Zukunft von Bangladesch sieht weniger glänzend aus.
Der erst 1971 gegründete und somit jüngste Staat Südasiens gehört zu den dichtbesiedeltsten Ländern der Erde. Bangladesch ist heute ein Synonym für Armut, Bevölkerungsexplosion, Unterentwicklung und Naturkatastrophen. 47 Prozent der Bevölkerung kämpfen ums Überleben: rund 67 Millionen Menschen haben hier pro Tag weniger als 1 EUR zum Leben! Alljährlich treten die großen Flüsse über die Ufer und überfluten immer folgenschwerer den Lebensraum der Bevölkerung.
Ebenso regelmäßig brechen verheerende Wirbelstürme über das Land herein. Die Menschen stehen den Problemen hilf- und schutzlos gegenüber als wäre es ihr unabänderliches Schicksal.
Bangladesch ist Teil des südasiatischen Subkontinents und gehört überwiegend zum Tiefland von Bengalen. Dieses besteht aus der Schwemmlandebene des Mündungsdeltas von Ganges und Brahmaputra und deren Hauptmündungsarmen Padma, Jamuna und Meghna.
Das Tiefland weist nur geringe Höhenunterschiede auf und liegt nur wenige Meier über dem Meeresspiegel. Eine Ausnahme bilden die Chittagong-Berge im Südosten des Landes, die schon zu den südostasiatischen Faltengebirgen gehören und Höhen bis 1230 m erreichen.
|
|
Auf die Fotos klicken zum Vergrößern !
|
Das Klima in Bangladesch wird vom Monsun bestimmt. In den regenreichen Monaten von
Juni bis September fallen 75% der jährlichen Niederschlagsmengen. Ebenso wie die Temperaturen ist die Luftfeuchtigkeit über das ganze Jahr relativ hoch. Nur in den Wintermonaten sinken die Temperaturen durch kühle, trockene Winde auf 19°C ab. Während dieser Zeit wird die fruchtbare Region mit ihren immergrünen
tropischen Regenwäldern und zahlreichen Reisfeldern von einem Netzwerk stark verzweigter Wasserläufe bewässert. Diese entspringen überwiegend im Himalaya. Dort wird aber durch die fortschreitende Abholzung des Gebirgsmassivs und seiner vorgelagerten Gebiete der Erosionsprozeß beschleunigt. Folglich werden die Flüsse
immer stärker mit Sedimenten angereichert, die sie auf ihrem Weg zum Golf von Bengalen im Tiefland von Bangladesch oder im Küstenbereich absetzen. Daraus resultiert eine zunehmende Versandung und Erhöhung der Flußläufe. Wenn dann zu Zeiten der starken Monsunregen die Flüsse die Schmelzwässer aus dem Himalaya nicht mehr auffangen können und wenn schwere Stürme das Wasser vom Meer in das Landesinnere peitschen, wird das Wasser zur tödlichen Gefahr.
Trotz der Gefahr von Überschwemmung und Hochwasser wird unter dem enormen Bevölkerungsdruck in Bangladesch jedes verfügbare Stück Land kultiviert. Dabei wird die ursprüngliche Naturlandschaft zugunsten von Reisanbauflächen immer weiter zurückgedrängt. Reis ist das Hauptnahrungsmittel der Bewohner und wird in Form von Naßreis auf rund 80% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche angebaut. Durch Züchtung von Reissorten mit langen Halmen ist der Reisanbau selbst unter schwierigen Bedingungen auch während des Monsuns möglich. In Verbindung mit künstlichen Bewässerungssystemen werden somit in vielen Teilen des Landes zwei bis drei Ernten
pro Jahr erzielt. Die Erträge sind jedoch nicht sehr ergiebig. Eine Ursache für die geringe Produktivität ist die aus der Bevölkerungsexplosion und dem Landdruck resultierende Flurzersplitterung, wodurch die vorherrschenden Kleinbetriebe auf nur kleinen Betriebsflächen oft unterhalb der Rentabilitätsgrenze arbeiten. Zum anderen können aus Kapitalmangel weder die erforderlichen Maßnahmen zur Mechanisierung durchgeführt noch ertragreicheres Saatgut gekauft und ausreichender Pflanzenschutz geleistet werden.
Gleiches gilt für die neben dem Reis wichtigen Selbstversorgungsprodukte wie Weizen, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Zuckerrohr und Tee. Dabei wäre eine Intensivierung gerade des Reisanbaus im Blick auf die steigenden
Bevölkerungszahlen und den jährlich wachsenden Bedarf an Nahrungsmitteln dringend erforderlich. Allerdings ist die landwirtschaftliche Nutzfläche mit einem Anteil von rund zwei Dritteln an der Gesamtfläche von Bangladesch praktisch erschöpft.
Die traditionell führende Kulturpflanze dieser Region war Jute, das jedoch im Zeitalter des Kunststoffs an Bedeutung verloren hat. Trotz stark zurückgehender Erträge ist Bangladesch aber immer noch weltweit der drittgrößte Produzent von Jute.
Das rohstoffarme Bangladesch besitzt nur äußerst begrenzte Möglichkeiten für eine industrielle Entwicklung, die sich daher auf die Verarbeitung der im Land angebauten Produkte wie Jute und Tee beschränkt. Die Erdgasvorkommen sichern einen Teil des Energiebedarfs und ermöglichen den Aufbau einer petrochemischen Industrie. Die vom Staat initiierten Entwicklungspläne sollen mit billigen einheimischen Arbeitskräften und ausländischen Investoren die Wirtschaft des Landes ankurbeln, ebenso wie die in allerjüngster Zeit eingeleiteten Bemühungen um die Etablierung des internationalen Tourismus, für den allerdings die Infrastruktur gegenwärtig noch unzureichend ist.
|
|
Bangladesch ist stärker als jedes andere Land bei seinen Vorhaben auf finanzielle Auslandshilfen angewiesen. Entwicklungsgelder und -projekte können aber nur dann zum Erfolg führen, wenn das Grundproblem, die bedrohliche Übervölkerung des Landes, gelöst wird.
 |
Der Staat
Die junge Geschichte der Volksrepublik Bangladesch, die weitestgehend die Landschaft Ostbengalens einnimmt, beginnt mit dem Jahr 1971. Zu diesem Zeitpunkt verkündete sie ihre Unabhängigkeit von Pakistan, das 1947 gegründet worden war. Bis dahin war die Geschichte Bengalens eng mit der Vergangenheit Gesamtindiens verbunden.
Ursprünglich buddhistisch, gelangte Bengalen ab dem 13. Jahrhundert zunehmend unter islamischen Einfluß, war bis 1576 selbständiges Sultanat, bis es dem indischen Mogulreich angegliedert wurde. Während dieser Zeit wuchs das Interesse der Europäer an
dem südasiatischen Subkontinent. Bengalen bot mit seiner damals hochentwickelten Juteherstellung und seinen weit in das Landesinnere führenden Wasserstraßen ideale Voraussetzungen für den überseeischen Handel. Das veranlaßte die Briten zur Gründung einer Kolonie. |
Mit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft wurde Britisch-Indien unter Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit in zwei Staaten aufgeteilt - Indien und Pakistan. Bengalen, selbst in einen hinduistischen Westteil und einen Ostteil
mit moslemischer Mehrheit geteilt, bemühte sich um Autonomie. Doch gegen den Volkswillen wurde Ostbengalen dem islamischen Pakistan zugeschrieben und Westbengalen wurde indische Provinz. Daraus ergab sich auf der politischen Landkarte ein bis dahin einzigartiges staatliches Territorium von zwei Landesteilen, die über 1500 km entfernt und durch Indien voneinander getrennt waren - West- und Ostpakistan. Trotz der religiösen Bruderschaft durch den Islam war die junge Geschichte Pakistans von Mißtrauen und Diskriminierungen geprägt, die ihren Ursprung in den gravierenden
Unterschieden der Sprache, der kulturellen Traditionen und der Lebensgewohnheiten beider Landesteile hatten. Sie gipfelten in der Verachtung der Bengalen von Seiten der Westpakistaner. Sie bezeichneten die Bengalen als "unreine Moslems", das sind Nachkommen konvertierter Moslems, deren Religion durch die enge Nachbarschaft zu Westbengalen hinduistischen Einflüssen ausgesetzt war, während der "reine"
Islam in Westpakistan auf arabischer Tradition basiert.
Die politische Macht konzentrierte sich auf den westlichen Teil des Landes und das bevölkerungsreichere Ostpakistan fühlte sich bei der Verteilung von staatlichen Wirtschaftshilfen grob vernachlässigt. Die ohnehin bestehenden Spannungen zwischen den beiden Landesteilen wurden noch verstärkt, als das in Westpakistan heimische Urdu die Nationalsprache für beide Landesteile werden sollte. Daraus erwachsende
Autonomiebestrebungen Ostpakistans entluden sich bei den ersten direkten Parlamentswahlen im unabhängigen Pakistan im Dezember 1970 und Januar 1971. In Ostpakistan erhielt die Awami-Liga, die unter ihrem Führer Mudschib ur-Rahman (* 1920; † 1975, ermordet am 15.08.1975) für einen selbständigen Staat kämpfte, die absolute Mehrheit. Es folgte am 26. März 1971 die Ausrufung der unabhängigen Volksrepublik Bangladesch. |
|
Die Intervention westpakistanischer Truppen führte zum Ausbruch eines brutalen und blutigen Bürgerkrieges, der eine Massenflucht von etwa zehn Millionen Menschen nach Indien auslöste. Indien nahm diese Flüchtlingsströme zum Anlaß, im Dezember 1971 selber in den Sezessionskrieg einzugreifen. Binnen zwei Wochen besetzte Indien das Land, zwang Westpakistan zur Kapitulation und bestätigte Bangladesch als souveränen Staat.
Die Volksrepublik Bangladesch gab sich im Dezember 1972, nunmehr selbständig und jüngster Staat Südasiens, unter Mudschib ur-Rahman ein parlamentarisch-demokratisches Regierungssystem, das nach den großen Hungernöten 1973, 1974 und 1975 in ein Präsidialsystem mit einem Ein-Parteien-Regime umgewandelt wurde. Die Awami-Liga benannte Mudschibur in BAKSAL um. Der diktatorische Regierungsstil Mudschiburs führte allerdings bald zum Aufstand der Massen und schließlich zum Putsch durch das Militär, in dessen Verlauf Mudschibur mit seiner Familie (bis auf Mudschiburs älteste Tochter Scheikh Hasina und deren Schwester Sheikh Rehana, die sich derzeit in Westdeutschland aufhielten) am 15. August 1975 ermordet wurden.
Innere Spannungen um den politischen und wirtschaftlichen Kurs führten in der Folgezeit mehrere Male zum Machtwechsel zwischen Zivilregierungen und Militärregimen. Während der Amtszeit (1977-1981) von Zia ur-Rahman (* 1936; † 1981, ermordet) wurden erste Zeichen einer Liberalisierung des politischen Systems erkennbar. Unter dem seit 1982 amtierenden Staatschef Hussain Mohammad Ershad (* 1930) fand das Land keine Stabilität. Selbst durch einen Militärputsch an die Macht gekommen, musste er 1990 zurücktreten.
Durch eine Verfassungsänderung 1991 wurde das bisherige Präsidialsystem durch das System der parlamentarischen Demokratie ersetzt. Um die politische Führung des Landes konkurrieren seither Begum Khaleda Zia (* 1945, Witwe Zia ur-Rahmans) von der "Bangladesh Nationalist Party" (BNP) - Regierungschefin von 1991 bis 1996 sowie von 2001 bis 2006 - und Sheikh Hasina Wajed (* 1947), älteste Tochter Mudschib ur-Rahmans, von der "Awami League" (AL) - Regierungschefin von 1996 bis 2001.
Mit Abschluss der Legislaturperiode im Oktober 2006, übergab Khaleda Zia ihre Regierung an eine vom Militär unterstützte Übergangsregierung. Es folgten schwere Unruhen zwischen Anhängern der verfeindeten großen Parteien BNP und AL, die den Präsidenten der Übergangsregierung dazu veranlassten, im Januar 2007 den Ausnahmezustand auszurufen.
Khaleda Zia und Sheikh Hasina, deren Regierungszeiten von Missmanagement und Massenprotesten geprägt waren, wurden wegen Verdachts der Korruption inhaftiert.
Für die Parlamentswahlen im Dezember 2008 standen jedoch beide wieder als Spitzenkandidatinnen zur Verfügung. Begum Khaleda Zia wurde gegen Kaution freigelassen und Sheikh Hasina Wajed wurde im Juni 2008 begnadigt. Am 6. Januar 2009 wurde Hasina Wajed schließlich erneut als Ministerpräsidentin vereidigt.
 |
|
| Das Land
Eigentlich kann man sagen, daß die Entstehung des modernen Staates Bangladesch mit einer
Katastrophe zusammenhängt. Am 12. November 1970, als in Pakistan gerade eine Wahl stattfinden sollte - zu jener Zeit waren das heutige Pakistan und Bangladesch noch vereint -, wurde
die Küste von Bengalen von einem grausamen Wirbelsturm heimgesucht. Über 200.000 Menschen starben und Millionen verloren ihre Lebensgrundlagen und ihren Besitz. Die unangemessene Reaktion der Behörden schürte den Eifer nationalistischer Bewegungen, trug zu
Sheikh Mudschib ur-Rahmans Wahlsieg bei und schließlich zu der Gründung eines eigenständigen Staates Bangladesch. |
Aber dieses unglückliche Land sollte häufigere Schicksalsschläge im Ausmaß des Wirbelsturms von 1970 erfahren, und die Geschichte des gesamten bengalischen Gebietes liest sich
wie eine Schauergeschichte. Etwa auf zehn Millionen wird die Zahl der Opfer geschätzt, die in
der großen Hungersnot von 1770 starben. Damals ging ein Drittel der Bevölkerung zugrunde. Der Hungersnot von 1943 fielen nach offiziellen Quellen 1,5 Millionen Menschen zum
Opfer, während andere Schätzungen die Zahl bei 3,5 Millionen ansetzen.
Bangladesch ist ein Opfer des Klimas und der Geographie. Die Überschwemmungen großer
Gebiete des Landes sind nicht nur ein regelmäßiges und vorhersagbares Ereignis während
der Zeit der Monsunregen, sondern sie sind genauso wichtig für das empfindliche Gleichgewicht des landwirtschaftlichen Systems, das von den neuen, extrem fruchtbaren Schlammablagerungen der Hochwasser abhängt. Jedoch haben Zeitraum und Umfang der Niederschläge zentrale Bedeutung: zuviel Niederschlag führt zu unkontrollierbaren Überschwemmungen, zu wenig zu Dürreperioden.
Auch Wirbelstürme stellen eine ständige Bedrohung dar. Diese Stürme - anderen Teilen der
Welt als Hurrikane oder Taifune bekannt - toben, ausgehend vom Golf von Bengalen, über
die Küste und die ihr vorgelagerten Inseln. Dürreperioden, Überflutungen und Wirbelstürme
führen im günstigsten Fall zu Nahrungsmittelknappheit, im ungünstigsten zu landesweiten
Hungersnöten. |
Seit der Unabhängigkeit hat Bangladesch große Anstrengungen unternommen und versucht, die ungünstigen Umweltfaktoren in den Griff zu bekommen und die schlimmsten Katastrophenschäden abzuwenden. Am meisten konzentriert sich das Land auf eine Steigerung in der Agrarproduktion, vor allem bei Reis, dem wichtigsten Grundnahrungsmittel. Aber es gibt Wege, die Nahrungsmittelproduktion noch weiter zu verbessern. Durch den Einsatz von neuen
kombinierten agrartechnischen Methoden, verbesserte Bewässerungsmaßnahmen und Drainage der Nutzfläche konnte die Reisproduktion erheblich gesteigert werden. Dennoch bleibt die
Versorgung der Bevölkerung problematisch. |
Die angerichtete Zerstörung durch den Bürgerkrieg von 1971, und die Kämpfe zwischen
indischen und pakistanischen Truppen bedeuteten für Bangladesch, daß die neue Republik ihr
Dasein in einem chaotischen Zustand beginnen mußte. Trotz der großangelegten internationalen Hilfeleistungen, die von den Vereinten Nationen koordiniert wurden, machte das Land
in der Folgezeit kaum Fortschritte. Als die UN-Truppen Ende 1973 abzogen, befand sich die
Wirtschaft des Landes immer noch in einem verheerenden Zustand.
Gerade als Mitte 1974 einige Anzeichen der Erholung sichtbar wurden, wurde das Land von
einer der schlimmsten Überflutungen seit Jahrzehnten heimgesucht. Bis zum September kamen zu den Überschwemmungen noch Hungersnöte dazu, und Zehntausende starben.
In Bangladesch haben sich die Katastrophen während der 1970er und 1980er Jahre fortgesetzt.
Überflutungen, Dürreperioden und Wirbelstürme suchten das Land mit einer erschreckenden
Regelmäßigkeit heim. 1985 wütete ein besonders zerstörerischer Wirbelsturm in den Küstengebieten. Tausende von Menschen starben und weit mehr wurden obdachlos.
Naturkatastrophen vereiteln immer wieder Bangladeschs Bestreben, in der Nahrungsmittelversorgung unabhängig zu werden. Der zweite, 1980 in Angriff genommene 5-Jahresplan, sah vor, daß 1985 die Nahrungsmittelproduktion 20 Millionen Tonnen erreichen würde. Hier kamen jedoch Naturkatastrophen dazwischen. Einer schlechten Ernte im Jahre 1982 folgte 1983 eine Rekordernte von 15,1 Millionen Tonnen, aber schwere Regenfälle und Überschwemmungen, denen 1984 eine Dürreperiode vorausgegangen waren, bedeuteten, daß die Nahrungsmittelimporte nahezu verdoppelt werden mußten. 1985 hatte der Wirbelsturm nicht so verheerende Auswirkungen auf die Landwirtschaft wie auf das Leben vieler Menschen und die Ernte war gut, aber immer noch reichlich unter den vom Plan gesteckten Zielen. Am Ende des Planungszeitraumes hatte die Nahrungsmittelproduktion lediglich 15 Millionen Tonnen erreicht.
Am Ende der 1980er Jahre wurde ein bescheidener Fortschritt erreicht, aber wieder einmal
wurde das Land im Herbst 1987, von ausgedehnten Überschwemmungen heimgesucht. Das
Ziel für die Nahrungsmittelproduktion wurde von 17,5 auf 15,5 Millionen Tonnen nach unten
korrigiert. Noch schlimmer kam es im folgenden Jahr, als die schweren Hochwasser während
der Monate August und September 75% des Landes überfluteten und im Dezember ein Wirbelsturm einfiel. Mehr als zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel wurden vernichtet und viele Häuser zerstört.
Etwa alle 2 bis 3 Jahre ereignet sich eine Katastrophe in Bangladesch, der ein Zehntel oder
mehr seiner ohnehin knappen Nahrungsmittelvorräte zum Opfer fallen. Dies ist die grausame
Wirklichkeit. Im Sommer 2004 kam es zu den schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Etwa zwei Drittel des Landes standen unter Wasser - die Hauptstadt Dhaka zu 40%.
 |
Die Menschen
Die Bevölkerung von Bangladesch stellt ethnisch und sprachlich eine deutlich wahrnehmbare Einheit dar. Rund 95% der Bewohner im Mündungsdelta von Ganges und Brahmaputra
sind Bengalen. Übereinstimmend mit der ethnischen Zugehörigkeit ist Bengali die Staatssprache, daneben dient Englisch, das mit den britischen Kolonialherren ins Land kam, als Verwaltungs- und Geschäftssprache.
Die zweitgrößte Bevölkerungruppe stellen die Bergvölker im heutigen Verwaltungsgebiet
Chittagong Hill Tracts dar. Sie lebten über Jahrhunderte von den Tieflandbewohnern getrennt
und entwickelten durch die Isolation große ethnische, religiöse und kulturelle Eigenheiten. |
|
Eine Sonderstellung nimmt die Volksgruppe der Biharis ein. Sie kamen 1947 als Moslems aus
dem benachbarten, hinduistisch-indischen Bihar nach Ostpakistan, dem heutigen Bangladesch.
Trotz ihrer Glaubensgemeinschaft mit den moslemischen Bengalen trennt beide Volksgruppen
ein tiefer Haß, kämpften die Biharis doch zu Zeiten der Autonomiebestrebungen auf der
Seite Westpakistans. Noch heute sind sie Repressalien ausgesetzt.
Als Folge der religiös bedingten Staatenaufteilung bei der Unabhängigkeit des südasiatischen Subkontinents ist in Bangladesch Islam die Staatsreligion. Allerdings sind 12% der Bevölkerung Hindus. Auch wenn das Zusammenleben zeitweiligen Spannungen ausgesetzt war, verbindet die Bengalen beider Religionen ein Nationalismus, der seine Wurzeln in der gemeinsamen Tradition und der Geschichte hat. Diese Tatsache macht die moslemischen Bengalen nach stenger islamischer Religion zu "unreinen Moslems", da ihre Religion, und somit auch ihr Staatswesen und ihre Gesellschaft, fremden Einflüssen ausgesetzt war.
Bevölkerungswachstum
Bangladesch ist der dichtbesiedeltste Flächenstaat der Erde. Sein größtes Problem ist das Bevölkerungswachstum, das die sozialen und ökonomischen Verhältnisse des Landes und seiner
Einwohner folgenschwer belastet. |
Schon im kolonialen Britisch-Indien war Bengalen ein dichtbesiedelter Raum, doch hat sich die Übervölkerung nach der Unabhängigkeit des Subkontinents rasant fortgesetzt. Die momentane Wachstumsrate der Bevölkerung liegt bei rund
2,2%, und Schätzungen prognostizieren Bangladesch für das Jahr 2025 eine Einwohnerzahl
von 225 Millionen. Daraus würde sich eine unvorstellbar hohe Bevölkerungsdichte ergeben.
Schon bei der heutigen Bevölkerungszahl stößt das landwirtschaftlich genutzte Land an die
Grenzen seiner Tragfähigkeit. Die Ursachen der Bevölkerungsexplosion liegen, wie in Entwicklungsländern üblich, in der Verbesserung der medizinischen Versorgung. So hat Bangladesch eine Geburtenziffer von über 3%, die durchschnittliche Familie hat sechs Kinder. Dagegen hat die Sterbeziffer mit 1% ein für die meisten Entwicklungsländer typisches niedriges
Niveau erreicht. Allerdings ist in Bangladesch das Gesundheitswesen noch immer unzureichend ausgebaut, und Infektionskrankheiten, deren Auftreten durch die häufigen Überschwemmungen noch begünstigt wird, sind oftmals Todesursache. Die deutliche Überjüngung der Gesellschaft -über die Hälfte aller Einwohner in Bangladesch ist jünger als 20 Jahre - führt zu großen Schwierigkeiten bezüglich einer ausreichenden schulischen Bildung und Alphabetisierung.
Als folgenschwerste Auswirkung des Bevölkerungswachstums ist die unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln zu sehen. Die unzähligen Reisfelder verschleiern allzu leicht das
Problem des Hungers und lenken von der Armut der Menschen ab. Da die Ernteerträge nicht
einmal zur Deckung des Eigenbedarfs reichen, leben rund 80% der Bevölkerung unter dem
Existenzminimum. Ein Ausbau der landwirtschaftlichen Nutzfläche, die schon zwei Drittel
der Gesamtfläche von Bangladesch beansprucht, ist kaum möglich, stehen doch die kultivierbaren Landreserven in Konkurrenz zu dem dringend benötigten Lebensraum. Nur durch eine Steigerung der Ernteerträge und Erweiterung der Nahrungsmittelproduktion ließe sich die Not mildern, doch dazu fehlt das nötige Kapital. In zunehmendem Maße versprechen sich die Menschen eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen durch Abwanderung in die Städte. Noch lebt kaum mehr als ein Fünftel aller Bengalen in den Städten des Landes, deren drei größte, die Hauptstadt Dhaka, Khuina und
Chittagong, allein die Hälfte aller Stadtbewohner beherbergen. Doch die nur in Ansätzen vorhandene Industrie bietet den Menschen keine ausreichenden Arbeitsmöglichkeiten und eine
Verelendung ist meist unvermeidbar.
Eine Lösung der Probleme in Bangladesch ist nur dann möglich, wenn ein schneller und erfolgversprechender Weg zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums gefunden wird. Mit
Hilfe ausländischer Entwicklungsgelder werden unterschiedliche Projekte zur Familienplanung
durchgeführt, aber bislang konnten sie die Geburtenrate nur geringfügig senken. Zu tief sind
alte Verhaltensweisen und Traditionen verwurzelt, und zu lange lassen die notwendigen sozialen Reformen auf sich warten.

Literatur
Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.160 f.
www-Links( = Seiten von MUZ)
Aktion alte Menschen weltweit: www.helpage.de
Botschaft von Bangladesch, Berlin
-- Embassy of Bangladesh in Germany
Welcome to Virtual Bangladesh
CIA - The World Factbook -- Bangladesh
A Country Study: Bangladesh
News from Bangladesh
The Bangladesh Today
Jamaat-e-Islami Bangladesh
Languages of Bangladesh
Political Resources on the Net - Bangladesh
banglamusic.com
Globalisierung - Neoliberalismus
Islam
Hinduismus

|
|