Willkommen in Indien (Teil 1)


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[Tourismus] [Goa] [Bundesstaaten und Hauptstädte] [Erdbeben 2001 in Gujarat] [www-Links -- Literatur]

INDIEN - Teil 2: Die Menschen - Die Wirtschaft - Monsanto, mit Gift und Genen - Die Naxaliten





Offizieller Name: Republik Indien
Hauptstadt: Neu-Delhi
Fläche: 3.287.263 km² (einschl. indischer Teil von Jammu und Kaschmir)
Landesnatur: Im N Himalaya, im Zentrum Schwemmlandebene, im S Dekanhochland, gesäumt von den West- und Ostghats
Klima: Im S tropisches, im N subtropisches Monsunklima
Hauptflüsse: Ganges, Yamuna, Krishna, Narbada, Godavari, Brahmaputra
Höchster Punkt: Gangtschhendsönga 8586 m
Regierungsform: Parlamentarische bundesstaatliche Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 28 Bundesstaaten, 7 Unionsterritorien
Parlament: Zweikammerparlament mit Staatenkammer (Rat der Staaten) mit 245 Mitgliedern und Unterhaus (Haus des Volkes) mit 543 für 5 Jahre gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 26. Januar
Einwohner: 998.056.000 (1999); 1.065.070.607 (2004); 1.210.190.000 (2011) Siehe: timesofindia.indiatimes.com
Bevölkerungsdichte: 304 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 28% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 33% (1999)
Analphabetenquote: 44% (1999)
Sprache: Die Zahl der in Indien gelisteten lebendigen Sprachen beläuft sich auf 387. Anderen Angaben zufolge variiert die Zahl zwischen 845 und 1652 Sprachen und Dialekten. Nationale bzw. offizielle Sprachen sind Assamesisch, Bengali, Gujarati, Hindi, Kannada, Kashmiri, Malayalam, Marathi, Oriya, Panjabi, Sanskrit, Sindhi, Tamil, Telugu, Urdu, Englisch. Hindi, inklusive einer Zweitsprache, wird von etwa der Hälfte der Bevölkerung gesprochen.
Religion: Hindus 80%, Moslems 11%, Christen 2%, Sikhs 2%
Exportgüter: Edelsteine, Maschinen, Fahrzeuge, Bekleidung, Leder und -waren, Eisenerze, Fischereiprodukte, Gewürze, Tee, Hightech-Exporte
Importgüter: Erdöl, Maschinen, pflanzliche Öle, Eisen, Stahl, Fahrzeuge, Chemiefasern, Perlen und Edelsteine

Indien, eines der größten Länder der Erde, ist reich an Kultur und Tradition, aber auch an Widersprüchen und Gegensätzen, die sowohl seine Faszination ausmachen als auch Ursache für viele Probleme sind. Indien, das bedeutet Armut der Massen und Reichtum einer kleinen Minderheit, reformbedürftiges Agrarland und Industrienation, Dürrekatastrophen und "Grüne Revolution", tropischer Regenwald und vergletscherte Gebirgsregionen, Götterwelt und Bürokratie, alte Paläste und neue Slums.

Kein anderes Land vereinigt so nachhaltig Tradition und Fortschritt, nirgends liegen Vergangenheit und Gegenwart so nah zusammen. Als eindrucksvolles Zeugnis der Vergangenheit ist das Taj Mahal in Agra, ein Meisterwerk der Baukunst der Mogulzeit, zu einem Wahrzeichen Indiens geworden. Noch immer hat Indien die Fesseln der Unterentwicklung nicht abgelegt, doch investiert es seit längerem erfolgreich in modernste Technologien bis hin zur Atomtechnik und Weltraumforschung.

Seit alters ein wahres Sammelbecken von Sprachen, Völkern und Kulturen, ist Indien nicht nur eine Nation, eher ein Konglomerat aus vielen verschiedenen Nationen mit eigenem Kulturgut, eigener historischer Prägung und Tradition. So gibt es allein vierzehn Hauptsprachen, von denen sich zehn auch in der Schrift voneinander unterscheiden. Der Hinduismus, der die staatsgründende und -tragende Basis für ein politisch eigenständiges Indien war, bildet die starke nationale Klammer. Das allgegenwärtige Kastenwesen, das bis heute mit Indien untrennbar verbunden ist, baut gesellschaftliche Unterschiede auf, anstatt sie abzubauen. Für Indien ist das kein Widerspruch zu seiner seit fünf Jahrzehnten andauernden demokratischen Staatsordnung.
Bevölkerungsmäßig zum zweitgrößten Land der Erde emporgeschnellt, ist Indien mit der Geißel der Überbevölkerung wie kein anderes Land gepeinigt. Monat für Monat wächst die Zahl der in Indien lebenden Menschen um mehr als eine Million, in weniger als alle eineinhalb Sekunden wird ein Baby geboren. Dennoch hat das Land die schlimmste Armut und den Hunger von Millionen Menschen weitestgehend beseitigen können. Indien ist eine Großmacht geworden - militärisch stark und gefürchtet, politisch eigenwillig und streitbar gegenüber den Supermächten, die es umwerben.



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Es ist eine stolze Nation, die das Bild Asiens insgesamt entscheidend mitprägt. Indien bleibt ein Wechselbad von Eindrücken und Empfindungen, ein Subkontinent handgreiflicher Gegensätze, dem Respekt und Verehrung gebührt.

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Der Staat

Beschleunigt durch die zunehmenden Konflikte zwischen Indien und Großbritannien und durch die Auseinandersetzungen zwischen den auf dem Subkontinent lebenden Hindus und Moslems erfolgte 1947 die Gründung zweier selbständiger Staaten, der Indischen Union mit hinduistischer Bevölkerungsmehrheit und des moslemischen Pakistan mit den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan. Mit der bis heute gültigen Verfassung von 1950 gab sich Indien den Status einer demokratischen Republik und wurde zur ersten Republik des britischen "Commonwealth of Nations". Die Teilung des Subkontinents wurde von zahlreichen Ausschreitungen zwischen Hindus und Moslems begleitet.
Mit der schwer erkämpften Unabhängigkeit stand die neue Indische Union vor gewaltigen internen territorialen Problemen. Nur etwa 55 % des neuen Staatsgebietes von Indien waren direkt von den Briten verwaltet worden; in den restlichen 45 % regierten nicht weniger als 562 Fürsten, die durch Sonderverträge mit der britischen Krone verbunden waren.
In den meisten Fällen verlief der Integrationsprozess der Fürstentümer reibungslos. Größere Schwierigkeiten bereitete die Eingliederung des moslemischen Fürstentums Kaschmir, dem allerdings ein hinduistischer Maharaja vorstand. Der Kaschmir-Konflikt löste 1948 einen Krieg zwischen Indien und Pakistan aus, der durch einen bis heute gültigen Waffenstillstand beendet wurde. Entlang der Demarkationslinie wurde Kaschmir zwischen Indien und Pakistan aufgeteilt.
Die nach der Unabhängigkeit Indiens zunächst noch weiter bestehenden französischen und portugiesischen Überseebesitzungen Pondicherry, Goa, Daman und Diu wurden 1954 an Indien abgetreten bzw. 1961 von Indien okkupiert. Erst 1975 verzichtete Portugal offiziell auf seine ehemaligen Kolonien. Sikkim wurde 1975 als indischer Bundesstaat integriert.
Seiner Verfassung gemäß ist Indien eine föderale Union mit einer dennoch starken Zentralgewalt. Sie besteht aus "Bundesstaaten" mit eigenen Parlamenten und Regierungen und "Territorien", die der Verwaltung der Zentralregierung unterstellt sind. Die bei der Unabhängigkeit vollzogene innerstaatliche Gliederung des Landes wurde zwischenzeitlich mehrfach reorganisiert, um sprachlich homogene Staaten zu schaffen.
Indien besitzt einen gut funktionierenden demokratischen und auf freien Wahlen basierenden Parlamentarismus. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der überwiegend repräsentative Pflichten wahrnimmt, während die politische Verantwortung vom Ministerpräsidenten ausgeübt wird. Das nach britischem Vorbild konstituierte Zweikammerparlament besteht aus der Staatskammer, "Rajya Sabha", die sich aus den Vertretern der indischen Bundesstaaten zusammensetzt, und aus der alle fünf Jahre direkt gewählten Volkskammer, "Lok Sabha".
Die indische Parteienlandschaft wird maßgeblich von der Partei des "Indian National Congress" bestimmt, die sich, schon als Wegbereiter des unabhängigen Indien, als Massenpartei landesweit etabliert hat. Die Namen ihrer starken Führungspersönlichkeiten - Jawa-harlal Nehru (1889-1964) und Indira Gandhi (1917-1984) - sind untrennbar mit Indien verbunden. Die meisten Parlamentsabgeordneten stellt allerdings seit 1996 die hinduistische "Bharatiya Janata Party".

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Geschichte

Indiens Geschichte ist geprägt durch eine Abfolge von Eroberungszügen fremder Völker. Dabei haben alle Eroberer, ob sie über die unwegsamen Gebirgspässe des Himalaya hinweg oder vom Meer aus über den indischen Subkontinent herfielen, die Geschichte Indiens entscheidend beeinflusst und die kulturelle, ethnische, sprachliche und religiöse Vielfalt dieser Region vergrößert.
Die Träger der ältesten, sich weit über das Industal hinaus erstreckenden Besiedlung dürften die Draviden gewesen sein, deren frühe Zivilisation sich jedoch im Dunkel der Geschichte verliert. Ihre ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurückreichenden Hauptstädte Mohenjo-Daro und Harappa sind gut erhalten freigelegt worden und dokumentieren eine höchst beeindruckende städtische Zivilisationsstufe. Die Indus- oder Harappakultur rangiert infolgedessen gleichberechtigt neben den anderen berühmten antiken Hochkulturen von Ägypten, Mesopotamien und China.

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Strandverkäuferin. Candolim Beach. Goa 1986.

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Der Aurobindo-Ashram in Pondicherry. 1994.

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Der Aurobindo-Ashram in Pondicherry. 1994.

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Markt in Pondicherry. 1994.

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Pete's Restaurant in Candolim Beach. Goa 1995.

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Feiertag in Cochin / Kerala. 1998.

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Ayurveda-Kur in Mouzhikulam/Kerala. Ein seltsames Erlebnis um die Weihnachtszeit 1998.

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Am südlichsten Punkt des indischen Festlands. Kanyakumari. Vivekananda Rock Memorial. 1998.

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Pilgerort Tirumala. Verehrung des Gottes Venkateshwara. 1994.

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Sri Ranganathswamy-Tempel. Tausendsäulenhalle / Srirangam / Trichy. 1994.

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Strand von Kovalam/Kerala. 1998.

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Teepflückerinnen bei Pun Mudi / Kerala. 1998.

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Gate of India / Bombay (Mumbai). 1986.

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Delhi. Panj Pahar. 1994.

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Verbrennung einer toten Frau. Port Blair. Andaman Islands. 1994.

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Port Blair. Andaman Islands. 1994.

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Chennai (Madras). 1994.

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Kalkutta


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Ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. fielen die Arier, ein nomadisierendes Hirtenvolk aus den vorderasiatischen Steppenregionen, über den Hindukusch in den Subkontinent ein und drängten die Draviden in mehreren Phasen nach Süden ab. Darauf ist der bis heutige gültige Gegensatz zwischen dem "arischen Norden" und dem "dravidischen Süden" Indiens zurückzuführen, der im Laufe der Geschichte zu einer unterschiedlichen kulturellen Entwicklung geführt hat. Die arische Eroberung hat die indische Kultur am nachhaltigsten bestimmt. Es entwickelte und verfestigte sich eine Gliederung der Gesellschaft in die vier großen hierarchischen Kasten, die auch heute noch bestehen. Auch die Wurzeln des Hinduismus als Religion oder eher noch als Philosophie reichen in die arische Frühzeit zurück. Aus dem Machtstreben der Arier untereinander entstanden in Nordindien während der folgenden Jahrhunderte viele kleine selbständige Fürstentümer und Königreiche. Einblick in diese frühe Zeit Indiens geben die Veden, eine Sammlung in Sanskrit abgefasster heiliger Schriften der frühen vedisch-brahmanischen Überlieferung, die verschiedene Verfasser hatte.
Der endgültige Untergang der vedischen Kulturepoche fällt mit dem erscheinen des Gautama Buddha ( ca. 480-400 v. Chr.), dem Prinzen Siddhartha und Stifter des Buddhismus, zusammen. Sein Todesdatum gilt vielfach als erstes gesichertes Geschichtsdatum des indischen Subkontinents.

Mit der Erweiterung des politischen Machtbereichs König Bimbisaras von Magaltha, einem Zeitgenossen Buddhas, breitete sich der Buddhismus nahezu in ganz Indien aus. Diese Religion überstand den Einfluss der persischen Eroberungen, den Indienfeldzug Alexanders des Großen (356-323 v. Chr.) und fand während der Maurya-Dynastie ab 320 v. Chr. in dem legendären Kaiser Ashoka (um 290-232 v. Chr.) ihren größten Förderer.
Nach kurzlebigen Herrschaften der Griechen, Sakas und Parther eroberten die aus Zentralasien stammenden Kuschanen Nordwestindien.
Als "goldenes Zeitalter" des mittelalterlichen Nordindien gilt die Zeit der Gupta-Dynastie, während der sich der Hinduismus über ganz Indien ausbreitete und den Buddhismus verdrängte. Sie war die klassische indische Kunstepoche.
Nach anfänglichen, sporadischen Einfällen zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert erfolgte über sechs Jahrhunderte ein stürmischer Siegeslauf des Islam, der mit der Gründung des Sultanats von Delhi begann.
Zur Hochblüte und vorherrschenden Macht auf dem Subkontinent gelangte der Islam mit den mächtigen Mogulreichen des 16. und 17. Jahrhunderts. Unter den Mogulherrschern dieser Epoche gilt Akbar (1542-1605) als der bedeutendste. Der Tod Aurangsebs (1618-1707) leitete den Verfall der moslemischen Herrschaft in Indien ein.
Die europäische Kolonialära in Indien begann schon im Jahre 1498 mit der Eandung des portugiesischen Seefahrers Vasco da Gama (1469-1524) an der Malabarküste, womit zugleich die portugiesische Vorherrschaft im Indischen Ozean eingeleitet wurde. Das von Alfonso de Albuquerque (1453-1515), einem weiteren großen portugiesischen Seefahrer, eroberte Goa wurde ab 1510 zum wichtigsten Stützpunkt der Portugiesen in Indien.
Um das handelsmäßig lukrative Erbe Portugals kämpften Holländer, Dänen und Franzosen - zuletzt und mit dem größten Erfolg die Engländer. Im Jahre 1600 gründeten englische Kaufleute die "East India Company" und errichteten schrittweise ein lockeres Netz von Handelsniederlassungen auf dem indischen Subkontinent. Den anhaltenden und starken Widerstand der Bevölkerung gegen die englische Machtausweitung konnten die Engländer nur mit Unterdrückung und Zugeständnissen brechen, bis Mitte des 19. Jahrhunderts der gesamte Subkontinent von der "East India Company" kontrolliert wurde.

Als Ausdruck einer systematischen Kolonialpolitik wurde 1858 der letzte Großmogul abgesetzt, und die britische Krone übernahm die Verwaltung der rund 500 Fürstentümer. 1877 wurde Königin Viktoria (1819-1901) zur Kaiserin von Indien proklamiert.
Obwohl die Briten zwecks Machterhaltung die sozialen und religiösen Gegensätze zwischen Moslems und Hindus ausnutzten, entstand ein gemeinsames Nationalbewusstsein und Widerstand gegen die Kolonialherren.
Unter der Führung Mahatma Gandhis (1869-1948) begann der gewaltlose Kampf für die Unabhängigkeit Indiens, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum Erfolg führte. Sein Ziel, die beiden Religionen in einer gemeinsamen Nation zu einen, blieb ohne Erfolg, und der indische Subkontinent wurde 1947 in zwei Staaten geteilt: Pakistan und Indien.

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Religionen und Kultur

Die Vielfalt der auf dem indischen Subkontinent vorhandenen Kulturformen, die nicht nur in zeitlicher Abfolge, sondern oft nebeneinander bestanden haben, macht es nahezu unmöglich, ganz allgemein von einer indischen Kultur zu sprechen. Allgegenwärtig ist in Indien jedoch trotz allem das Bewusstsein, eine der ältesten Hochkulturen der Menschheit besessen zu haben. Seit über dreitausend Jahren war und ist die Religion unbestreitbar Träger der "indischen Kultur".
Der Hinduismus ist auch bis heute die weitaus stärkste, aber keineswegs einzige Religion in Indien. Rund 11% der Bevölkerung sind Moslems. Die große islamische Vergangenheit Indiens ist mit der jahrhundertelangen Mogulherrschaft verbunden und hat prägenden Einfluss auf die indische Kultur genommen. Das wird in den räumlichen Zentren des Islam wie Delhi, Hyderabad, Agra und Lucknow mit deren Palästen und Moscheen besonders deutlich.

Regionale Schwerpunkte setzen auch die nur gering vertretenen Religionen: das Christentum in Kerala, Goa und Tamil Nadu, die Religion der Sikhs im Punjab, der Buddhismus in Maharashtra, der Jinismus in Gujarat und Rajasthan und der Parsismus um Bombay. Diese Religionen treten aber nicht nur durch ihre Kultstätten und bestimmte religiöse Feste und Zeremonien in Erscheinung, sondern haben auch bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens beeinflusst. So verdankt Kerala seine hohe Alphabetenrate dem christlichen Schulwesen. Die massiven Autonomiebestrebungen der Sikhs haben den Punjab zu einem schwelenden Krisenherd in Indien gemacht, und die zwar zahlenmäßig unbedeutende, aber wirtschaftlich wichtige Minderheit der Parsen hat die Entwicklung Bombays zur indischen Wirtschaftsmetropole maßgeblich gesteuert.
Mit über 800 Millionen Anhängern ist der Hinduismus die bestimmende Kraft des religiösen, geistigen und kulturellen Lebens, wie es sonst in keinem anderen Land die Religion zu sein vermag. Herausragendes Merkmal des Hinduismus und somit des indischen Kulturkreises ist das  Kastenwesen, das charakteristische soziokulturelle Ordnungssystem schlechthin.

Kumbh Mela

»Kumbh Mela [... von Kumbh (Krug) und Mela (Fest)] gilt als das größte religiöse Fest des Hinduismus (und der Welt). Die Kumbh Mela findet alle zwölf Jahre, dem Zyklus des Jupiters um die Sonne folgend, in vier verschiedenen Orten Indiens statt: Allahabad (Prayag), Haridwar, Ujjain und Nashik. Jeder Ort hat seinen eigenen Zyklus von zwölf Jahren, in denen eine Maha (= große) Kumbha Mela stattfindet. Zudem gibt es noch alle sechs Jahre eine Ardh (= halbe) Kumbh Mela. Die letzte große Kumbh Mela fand in Allahabad 2001 von Mitte Januar bis Ende Februar statt, und wurde von ca. 90 Millionen Menschen besucht. [...]«
Aus: de.wikipedia.org, Kumbh Mela

Ausschnitte von der Eröffnung der Maha Kumbh Mela in Haridwar im Januar 2010 zeigt dieses Video:

Heilige Stätten des Hinduismus
Der Hinduismus als Religion und Philosophie, erwachsen aus den Glaubensvorstellungen und Mythen der Arier und Draviden, steckt voller metaphysischer Rituale. Sein größtes Heiligtum ist der Ganges, die Mutter allen Lebens, dessen Quell und Ziel. Nach der hinduistischen Mythologie soll er einst dem Fuße Vishnus und der Stirn des Gottes Shiva entsprungen sein. Die wichtigsten Pilgerziele sind bei Hardwar, wo der Ganges den Himalaya verlässt, bei Benares, wo der Fluss eine Biegung nach Norden nimmt und damit gleichsam zum Ursprung der Welt, zu den erhabenen Gipfeln des Himalaya, zurückkehrt, oder Hugli, ein Mündungsarm bei Calcutta, wo durch Zeremonien die Vereinigung allen Lebens mit dem Universum hergestellt werden soll. Benares, die heilige Stadt der 1500 Tempel, und die Berührung mit dem heiligen Gangeswasser sind für jeden Hindu das höchste irdische Glück. Es kann nur noch von der Totenverbrennung auf den Ghats von Benares, den Treppenstufen zum Ganges, eine Steigerung erfahren, die seine Seele vom Körper befreit. Die Hindus glauben an Seelenwanderung.

Nach ihrer Vorstellung haben auch Tiere eine Seele und dürfen deshalb nicht getötet werden. Das gilt besonders für die "heiligen Kühe". Trotz wachsenden Unmuts über deren große Freiheit, ist ihre religiöse Verehrung durch die breite Masse der Inder ungebrochen.
Zum einzigartigen Kulturgut Indiens gehören auch Tanz und Musik, die ebenso ausdruckskräftig wie eigenwillig dargeboten werden. Sie zählen zur ältesten Tradition und werden in ihren klassischen Formen bis heute unverfälscht gespielt. Die Musik war immer ein Teil der Verehrung der Götter in den Tempeln der Hindus.
Die ältesten Werke der indischen Literatur sind in Sanskrit verfasst, das bis heute als Gelehrten- und Literatursprache gepflegt wird. Die Veden, über lange Zeit nur mündlich überliefert, sind überwiegend religiöse Lieder, Beschwörungsformeln und Lehrschriften der Ethik. Generell handelte es sich bei der indischen Literatur über viele Kulturepochen hinweg um ausschließlich religiöse Erläuterungsschriften oder deren Ergänzungen in Gedichtform, wie z.B. das Mahabharata. Daraus entwickelte sich eine hochstehende Erzählkunst in Form von Legenden, Fabeln und Mythen. Immer auch fremdsprachigen Einflüssen ausgesetzt, fanden besonders während der britischen Kolonialzeit nicht nur die englische Sprache, sondern auch westliche Ausdrucksformen und Problemstellungen Eingang in die moderne indische Literatur.

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Benares (Varanasi)

Die Stadt an den Ufern des Ganges ist der wichtigste der sieben heiligsten hinduistischen Wallfahrtsorte. Da von allen frommen Hindus erwartet wird, dass sie mindestens einmal in ihrem Leben Benares besuchen, zieht die Stadt mit ihren über 930.000 Einwohnern und 2000 Tempeln jährlich Hunderttausende von Pilgern an. Für die vielen, die gekommen sind, um hier zu sterben, ist es das letzte Ziel, denn diejenigen, deren Asche über dem heiligen Fluss verstreut wird, erwartet die endgültige Erlösung: der endlose Zyklus von Geburt, Tod und Wiedergeburt wird durchbrochen.

Benares, das heute auch den Namen Varanasi trägt, ist nicht nur ein Wallfahrtsort der Hindus, sondern auch anderer Religionsgemeinschaften. Nach seiner Erleuchtung hielt Buddha in Sarnath in Benares seine erste Predigt (ab etwa 440 v.Chr.). Diese Stelle ist deshalb eine der vier heiligsten buddhistischen Stätten. Viele Moscheen zieren die Stadt, und verstreute Kirchen aller Konfessionen verkünden die Botschaft Christi. In Benares befindet sich auch eine berühmte Universität, deren Bibliothek über eine Sammlung von mehr als 150.000 alten, bedeutenden Handschriften verfügt.

Aber der kulturelle Glanz von Benares ist nicht allein auf die Religion beschränkt. Indiens berühmteste Musiker, Pandit Ravi Shankar, der Meister der Sitar, und Ustad Bismillah Khan, der beste Shenai-Spieler der Welt, haben hier ihren Wohnsitz gewählt. Kunst und Gewerbe der Stadt genießen seit jeher für ihre Seiden- und Brokatgewebe, Kupfer- und Messingarbeiten einen besonderen Ruf. Die Verkaufsstände, in denen alle erdenklichen Waren angeboten werden, drängen sich in den schmalen Straßen der Stadt. In der westlichen Welt unbekannte Behinderungen verursachen Verkehrsstauungen, so beispielsweise eine auf der Fahrbahn widerkäuende und dösende heilige Kuh oder eine sich nur langsam vorwärtsbewegende Beerdigungsprozession.

Heilige Waschung
Auf einer Strecke von acht Kilometern ermöglichen 52 "ghats", aus breiten Stufen bestehende Treppen, die zum Fluss hinabführen, den Zugang zum Ganges. Fünf davon sind Badetreppen und spielen eine Schlüsselrolle im Leben der Einwohner der Stadt und der zahllosen Pilger. Vor dem ersten Licht der Morgendämmerung versammeln sich große Gruppen von Badenden zum täglichen, heilbringenden Eintauchen in die Wasser des Ganges. Sie werden von freundlichen, stillen Priestern mit ihren charakteristischen, riesigen Strohschirmen erwartet. Wenn die ersten Sonnenstrahlen auf die geduldige Menge, die sich entlang des Ufers aufgestellt hat, fallen, tauchen Kähne und Boote auf dem Fluss ins Morgenlicht, und die mit Goldplättchen verzierten Turmspitzen des Vishwanath-Tempels reflektieren die Strahlen der aufgehenden Sonne. Dieser Tempel ist Shiva geweiht, dem Gott der Zerstörung und der Wiedergeburt. Feierliche Gesänge erklingen aus unzähligen Heiligtümern, wenn die Geburt des neuen Tages mit heiligen Hymnen begrüßt wird.

Die Verbrennungstreppen
Die Badetreppen sind den Lebenden, andere dagegen, die Verbrennungstreppen, den Toten vorbehalten. In Benares finden jährlich über 3000 Feuerbestattungen statt. Die aufgeschichteten Scheiterhaufen schwelen den ganzen Tag, und Flammen durchdringen die Nacht. Manikarnika, die älteste der Verbrennungstreppen, ist nach dem "manikarnika" (Ohrring) Satis, der Gattin Shivas, benannt. Priester der obersten Kaste (Brahmanen) fanden diesen Ohrring, gaben ihn jedoch nicht zurück. Zur Strafe verbannte Shiva sie in eine niedrigere Kaste, "doam" genannt, und übertrug ihnen die Verantwortung für die Scheiterhaufen.
Heute sind die "doam" zuständig für das Management und die Instandhaltung der Verbrennungstreppen und die Säuberung der Stellen, an denen die Scheiterhaufen aufgeschichtet werden. Obwohl sie einer niedrigen Kaste angehören, haben ihnen ihre traditionellen Aufgaben zu beträchtlichem Wohlstand verhelfen. Denn die Gebühren für die Einäscherungen sichern ihnen ein ständiges Einkommen.

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Tourismus

Indien vereinigt wie kaum ein anderes Land der Erde eine unvorstellbare Vielfalt an kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten, die sich aus der Vergangenheit des südasiatischen Subkontinents ergibt. Eingebettet sind die Monumente, oft Zeugen einer über 3OOO-jährigen Geschichte, in eine ebenso abwechslungsreiche Landschaft, deren Spannbreite von romantischtropischen Badestränden bis zu den schnee- und eisbedeckten Bergregionen des Himalaya, von bizarren Wüsten und Steppen bis zu lieblich anmutenden Almen reicht.
Die Inder begegnen den Besuchern in der Regel mit offenherziger Gastfreundschaft und Toleranz. Doch nur der Tourist, der sich auf die mythenvolle Geistes- und Gefühlswelt der Landesbewohner einlässt, wird deren traditionelle Lebensgewohnheiten, Volksbräuche und religiöse Zeremonien verstehen können. Er wird die Sitten des Landes respektieren, wird sich zur Begrüßung mit auf der Brust verschränkten Händen zu seinem Gegenüber verneigen und die direkte Berührung mit den Händen vermeiden. Er wird weder mit unbedecktem Nacken, Armen oder Beinen eine religiöse Stätte betreten und auch andernorts eine allzu legere Kleidung vermeiden. Wer sich auf diesen Kulturkreis einlässt, erkennt, welch prägende Kraft die drei großen Religionen - Buddhismus, Hinduismus und Islam - über viele Jahrhunderte bis heute auf das Leben der Menschen ausüben.
Der Fremdenverkehr in Indien hat seit den 1970er Jahren im Zeichen des Fernreisebooms der Industrieländer einen kräftigen Aufschwung erfahren und sich zu einem finanzstarken Wirtschaftssektor entwickelt. Aufgrund der zahlreichen historischen Bauwerke steht der Kultur- und Bildungstourismus uneingeschränkt an erster Stelle der Beliebtheitsskala, gefolgt von Badereisen, Gebirgsexpeditionen und Trekking-Urlaub sowie Natursafaris in die Wildschutzgebiete von Tigern, Löwen und Elefanten. Schon lange ein beliebtes Ziel einzelner Individualtouristen, besucht heute die überwiegende Mehrheit der Touristen Indien in einer organisierten Gruppenreise. Hauptreisezeit ist die trockene Wintermonsunperiode von November bis März.
Verschiedene Orte und Regionen in Indien haben sich als Knotenpunkte des Tourismus herausgebildet. Unter den vielen heiligen Städten und Stätten des Landes ist das Mausoleum "Taj Mahal" in Agra wohl der berühmteste Ort. Er weckt mit seinem architektonisch unverwechselbaren Marmorpalast die Erinnerung an die längst vergangene Blüte der Mogulherrscher in Indien und lässt die vielen anderen großen historischen Sehenswürdigkeiten in Agra und Umgebung, wie die alte Palaststadt Fatehpur Sikri, oft verblassen. Zu den vielbesuchten Bauwerken der islamischen Herrscher gehören auch Neu-Delhi, Bombay und Calcutta - hektische Millionenstädte im Spannungsfeld zwischen jahrhundertealter Tradition, kolonialer Prägung und moderner Architektur.
Auch wenn dank der ausgebauten Verkehrsverbindungen per Eisenbahn und Flugzeug der Reisende große Distanzen schnell überwinden kann, so bleibt die Reise mit Überlandbussen - für viele Inder das Hauptbeförderungsmittel - ein unvergeßliches Abenteuer. Zwar nicht sehr bequem, meist hoffnunglos überfüllt und unpünktlich, ist nirgends für den Reisenden der Kontakt zu der Bevölkerung intensiver und die Erfahrung einer anderen Zeitvorstellung deutlicher spürbar. Andere, nicht weniger typische Bilder dieses weiten Landes sind das wüstenhafte Rajasthan, die kolonial-nostalgischen "Blauen Berge" der Nilgiris, die frühlingshaften Täler von Kulu und Kangra im Himalaya oder das tee-duftende Darjeeling.

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Goa

Goa erstreckt sich über faszinierende 133 km an der mittleren Westküste Indiens. Sein größter Charme und sein größtes Kapital sind die malerischen Strände, die schon die Hippies der späten 1960 Jahre zu schätzen wussten und die seit einigen Jahren immer stärker vom internationalen Badetourismus entdeckt und vereinnahmt werden. Die an etlichen Landspornen unübersehbaren Forts sind bis heute ein lebendiges Zeugnis einer großen und eigenwilligen kulturhistorischen Tradition, die von der portugiesischen Kolonialherrschaft bestimmt worden ist.
Die Küstenlandschaft ist von einer lebhaften Verzahnung von Land, Meer und Flüssen geprägt. Das Hinterland besteht aus den Lateritplateaus und den Sahyadri-Bergen der Westghats. Die Plateaus sind durch kräftige Monsunregen stark zertalt und erodiert worden, in den Sahyadris machen dichtbewaldete Bergketten und enge Täler mit zahlreichen Wasserfällen den landschaftlichen Reiz aus.
Um die Besonderheiten Goas erkennen und verstehen zu können, muss man seine geschichtliche Entwicklung betrachten. Schon im indischen Nationalepos Mahabharata wird das Land erwähnt, das ab dem 11. Jahrhundert ein Hindu-Königreich war und 1469 unter moslemische Herrschaft geriet.
Seit der Portugiese Alfonso de Albuquerque (1453-1515) im Jahr 1510 mit 1200 Soldaten das Reich des Sultans eroberte, bestimmte der Katholizismus das Leben auf Goa. Die Hindus wurden mit oft grausamen Mitteln zum Christentum bekehrt. Als erster Stützpunkt der Portugiesen in Indien entwickelte sich Goa zur "Hauptstadt des Ostens" und erlebte im 16. und 17. Jahrhundert seine wirtschaftliche Blütezeit. Im 19. Jahrhundert versuchten Niederländer, Briten und Franzosen Goa zu besetzen, aber die Bemühungen blieben erfolglos. Auch Indien bemühte sich ab 1947, zunächst auf friedlichem Wege, Goa zu gewinnen. Doch 1961 besetzte das indische Militär Goa und beendete so die über 451 Jahre dauernde portugiesische Kolonialzeit. Goa wurde mit den Enklaven Daman und Diu zum Unionsterritorium erklärt. Seit dem 30. Mai 1987 ist es indischer Bundesstaat. Daman und Diu bilden weiterhin ein Territorium.

Nirgends sonst in Indien waren die portugiesischen Einflüsse so prägend wie in Goa. Die Bevölkerung ist zu fast einem Drittel katholisch, und selbst eigene christliche Kasten haben sich in Goa herausgebildet. Zum religiösen Leben der Katholiken gehört die Messe zur Sonntagsheiligung ebenso wie die Teilnahme an großen Wallfahrten.
Größtes Heiligtum und Pilgerziel für Wallfahrer aus ganz Indien und sogar aus Übersee ist der Schrein des Heiligen Franziskus von Xavier in der Basilika Bom Jesus in Velha Goa. Dieses kleine Dorf Velha Goa (bzw. Alt-Goa), nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Panjim entfernt, ist das eindrucksvollste zeitgeschichtliche Dokument der portugiesischen Kolonialzeit.
Schon im 11. Jahrhundert gegründet, erhoben die Portugiesen diesen Ort zum wichtigsten Handelsplatz zwischen Ost und West und zum Zentrum ihrer eigenen Kultur in Asien. Hier entstand 1557 die erste Universität in Indien und 1544 der erste Gerichtshof Asiens. Zeitgenössische Dichter priesen gar das "goldene" Goa, und der Satz "Wer Goa gesehen hat, muss sich Lissabon nicht mehr ansehen" rühmt einmal mehr die hohe, heute freilich welke Blüte einer unvergessenen geistigen und künstlerischen Zeit in Goa.
Die starke europäische Prägung Goas wird in vielen alltäglichen Gewohnheiten, wie zum Beispiel bei den Essgewohnheiten, deutlich. Statt des typischen indischen Verzehrs des Essens mit den Fingern der rechten Hand gebraucht man in Goa Besteck, und statt eines Blattes benutzt man Essgeschirr. Auch wird ein Stuhl dem Erdboden als Sitzgelegenheit vorgezogen.
Seit der Zugehörigkeit zu Indien haben aus Sorge um die Zukunft viele Goanesen ihre Heimat verlassen, um vorzugsweise in arabischen Golfstaaten zu arbeiten. Andererseits kommen viele Hindus nach Goa, um an dem für indische Verhältnisse relativ hohen Lebensstandard teilhaben zu können. Es verfügt über die reichsten Erz- und Manganerzvorkommen in Indien, besitzt mit dem Naturhafen Marmagao einen der leistungsstärksten Häfen Indiens und hat fruchtbare Tiefländer für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung, vor allem für Reisanbau. Auch als Industriestandort hat Goa längst eine überregionale gesamtindische Bedeutung erringen können.
Seit einigen Jahren ist der internationale Tourismus die stärkste wirtschaftliche Wachstumskomponente. Die rasch wachsende Nachfrage hat inzwischen eine voll funktionierende und konkurrenzfähige Tourismusindustrie etabliert. Der besondere Reiz von Goa liegt in seinen verlockenden Tropenstränden, ergänzt durch die sprichwörtlich goanesische Weltoffenheit und das antiquierte portugiesische Flair.

Goa gilt als das ultimative Paradies des indischen Subkontinents, neben Aussteigern und Freaks, wohlhabenden Indern sowie Touristen aus aller Welt wurden auch VIPs wie Jade Jagger, Kate Moss, Richard Gere und Giorgio Armani an den idyllischen Stränden von Arambol oder Morjim gesichtet. Um die besondere Stimmung zu beschreiben, die Goa so einzigartig macht, benutzen Einheimische das Wort "susegad". Damit ist eine höchst entspannte, friedliche und sorglose Atmosphäre gemeint.
Kritiker bemängeln gern, zu viel "susegad" habe Goa längst verdorben. Zuviel Tourismus, zu viele Partys, zuviel Kommerz, gäbe es. Aus dem Aussteiger-Paradies für Alternative, heißt es, sei ein exotisches Benidorm für die Massen geworden. Vergeistigten Indien-Fans war die sonnige Urlaubswelt ohnehin schon immer ein Dorn im Auge: Hier regieren nicht Askese und Armut, sondern Spaß und Oberflächlichkeit.

Angesichts dieser Vorwürfe muss sich jeder, der den kilometerlangen Arossim Beach entlangschlendert, fragen, ob er im falschen Goa gelandet ist. Kaum ein Mensch ist am breiten, feinsandigen Strand zu sehen. Dafür stehen sanft gebogene Kokospalmen und vereinzelte Fischerboote in den Dünen, weiter hinten haben Einheimische ein paar Bretterbuden in den Sand gestellt. Tagsüber vermieten sie Liegen und Sonnenschirme, abends werden Fische, Langusten und Krebse auf langen Spießen im Tandoor-Ofen gegrillt. Kunden haben sie kaum, und so vertreiben sie sich mit Netzflicken und Brettspielen die Zeit.
Tatsächlich hat Goa zwei völlig verschiedene Seiten zu bieten. Während in den alteingesessenen Hippie-Hochburgen wie Calangute, Candolim und Baga in Nord-Goa das Leben tobt und selbst um Mitternacht Strandrestaurants, Bars und Geschäfte noch voller Menschen sind, ist Süd-Goa still und beschaulich geblieben. Eine Handvoll Luxusherbergen teilen sich den Küstenstreifen, dahinter stehen die imposanten, portugiesisch geprägten Villen der wohlhabenden Goaner. Hier und dort sorgen ein kleiner Markt, eine Kirche, ein Schulhaus für etwas Geselligkeit - von Highlife keine Spur. Hier ist Goa auch noch im Jahr 2009 ein wenig so wie in den späten 1960er Jahren, als die Portugiesen abzogen und das Kommando von der Flower Power-Generation übernommen wurde.

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Hauptstädte der Bundesstaaten und Unionsterritorien
Die Hauptstadt von Indien ist New Delhi (Neu-Delhi)
       
Bundesstaaten Hauptstädte Bundesstaaten Hauptstädte
Andrah Pradesh Hyderabad Nagaland Kohima
Arunachal Pradesh Itanagar Orissa Bhubaneswar
Assam Dispur Punjab Chandigarh
Bihar Patna Rajasthan Jaipur
Chhattisgarh Raipur Sikkim Gangtok
Goa Panaji Tamil Nadu Chennai (Madras)
Gujarat Gandhinagar Tripura Agartala
Haryana Chandigarh Uttar Pradesh Lucknow
Himachal Pradesh Simla Uttaranchal Dehradun
Jammu und Kashmir Srinagar  West Bengal Kolkata (Calcutta)
Jharkand Ranchi Unionsterritorien  
Karnataka Bangalore Andamanen und Nikobaren Port Blair
Kerala Trivandrum Chandigarh Chandigarh
Madhya Pradesh Bhopal Dadra und Nagar Haveli Silvassa
Maharashtra Mumbai (Bombay) Daman und Diu Daman
Manipur Imphal Delhi Neu-Delhi
Meghalaya Shillong Lakshadweep Kavaratti
Mizoram Aizawl Pondicherry Pondicherry
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Erdbeben und andere Katastrophen

Januar 2001: Ein schweres Erdbeben im Nordwesten Indiens (Gujarat) forderte mehr als 100.000 Opfer.
Am 26. Januar um 8:46 Uhr wurde der Bundesstaat Gujarat vom schwersten Erdbeben heimgesucht, das Indien seit etwa 50 Jahren erleben musste. Es war weltweit das schwerste Erdbeben der letzten 10 Jahre und erreichte die Stärke 7,9 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag 20 Kilometer nordöstlich der Stadt Bhuj. Offiziellen Regierungsangaben zufolge verloren 20.000 Menschen ihr Leben, 166.000 wurden verletzt. Inoffizielle Berichte sprechen von 100.000 bis 200.000 Todesopfern. Insgesamt sind 20 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen, und 7.904 Dörfer sind fast völlig zerstört. Der Gesamtschaden wird auf umgerechnet 10 Milliarden DM geschätzt.
Das Erdbeben in Gujarat zerstörte 350.000 Häuser und beschädigte 900.000. Ein erdbebensichereres Haus wieder aufzubauen kostet 1.000 US$. Nach dem Erdbeben von 2001 in Gujarat investierten 9.800 Familien der Elendsviertel der Stadt Bhuj aus Eigenmitteln 290.000 US$, um ihre Häuser und Existenzgrundlagen zu verbessern.

Katastrophen in ländlichen Regionen Indiens
Im Zeitraum 1994 - 2003 forderten "Naturkatastrophen" und technologische Katastrophen in Indien 68.671 Todesopfer und fügten 68 Millionen Menschen pro Jahr anderweitigen Schaden zu.

www: Naturkatastrophen
9. Oktober 2005: Über 30.000 Tote bei Erdbeben in Kaschmir


Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.565 f.



www-Links

( = Seiten von MUZ)



 INDIEN - Teil 2: Die Menschen - Die Wirtschaft - Monsanto, mit Gift und Genen - Die Naxaliten

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Die größten Agglomerationen der Welt (2005-01-30)
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