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Der Iran zählt in religionsgeschichtlicher Hinsicht zu den interessantesten Ländern der Welt. Die Tatsache, dass er sich heute offiziell als islamische Republik bezeichnet, verstellt sowohl den Blick auf die reiche religiöse Vergangenheit als auch auf die immer noch pluralistische Gegenwart der religiösen Traditionen. Der Grund dafür, dass diese Mannigfaltigkeit religiöser Traditionen weiten Kreisen unbekannt ist, mag auch darin begründet liegen, dass keine der auf iranischem Boden entstandenen Religionen sich zu einer langfristig bestehenden Weltreligion wandeln konnte. |
Der Einfluss der iranischen Religionen lässt sich nur indirekt in anderen größeren Religionen ermitteln, wogegen die Zahl der Bekenner der iranischen Religionen selbst relativ gering blieb.
Die älteste iranische Religion, die bis in unsere Zeit überlebt hat, ist der Zoroastrismus, der sich auf den Propheten Zarathustra zurückführt. Über die Lebensdaten dieses Propheten herrscht unter den Fachgelehrten keine Einigkeit. Datierungen reichen von 2000 bis etwa 600 vor unserer Zeitrechnung. Der Zoroastrismus, der in seiner Grundlage ein dualistisches Weltbild vertritt, war im Laufe seiner Geschichte kein einheitliches Phänomen und hat zahlreiche Untergruppen hervorgebracht. So sind in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung sowohl der Zurvanismus als auch der Mazdakismus in ihm als Strömungen aufgetreten, die beide jedoch nicht von langer Dauer waren. Heutzutage leben die meisten Zoroastrier allerdings nicht im Iran selbst, sondern in Indien, wo sie unter dem Namen Parsen bekannt sind. In ihrem Ursprungsland gibt es nur noch etwa 20000 Anhänger, die hauptsächlich im Süden des Landes in der Umgegend von Yazd und Kerman angesiedelt sind. |
Von großer Bedeutung war in antiker Zeit die Verehrung des Gottes Mithra, die teilweise in den Zoroastrismus integriert war, aber vorzoroasterischen Ursprungs ist. In abgewandelter Form breitete sich seine Verehrung im römischen Reich insbesondere unter Soldaten aus und bis heute lassen sich Mithraheiligtümer in allen Gebieten des ehemaligen römischen Reiches finden.
Eine weitere Religion, die fast den Charakter einer Weltreligion hatte und ebenfalls von Iran ihren Ausgangspunkt nahm, war der Manichäismus. Er entstand im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und führte sich auf den Propheten Mani zurück. Er verbreitete sich sowohl nach Westen in Nordafrika als auch in östlicher Richtung bis hin nach China. In seiner Grundlage eine gnostische Religion, nahm er vor Ort zahlreiche Einflüsse sowohl aus dem Zoroastrismus als auch aus dem Christentum und dem Buddhismus auf. Bei den Uiguren in Zentralasien war er von 763 bis 840 sogar Staatsreligion, jedoch schwand sein Einfluss im Zuge der zunehmenden Islamisierung und schließlich ging diese Religion vollständig unter. |  |
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Der Islam in Iran war nie ein einheitliches Phänomen. Es gab immer unterschiedliche Gruppen von Muslimen innerhalb des Landes. So kam es sogar zur Bildung charidschitischer Fürstentümer und lange Zeit waren auch die Isma'iliten sehr einflußreich im Lande. Eine gewisse Vereinheitlichung brachten jedoch im 16. Jahrhundert die Safawiden, die im Iran die zwölferschiitische Richtung des Islam zur Staatsreligion machten. Seit dieser Zeit ist der Iran das einzige Land, dessen Bevölkerung sich zu über 90% zu dieser Form des Islam bekennt. Freilich bestehen daneben auch zahlreiche mystische Bruderschaften, wie die Ne´matollahi, die Gunabadi und andere, die eigene Anliegen vertreten und oft in einem Widerspruch mit der zwölferschiitischen Orthodoxie stehen. Kurden, Turkmenen und einige sonstige kleinere Gruppen bekennen sich zur sunnitischen Form des Islam. Aus dem Zwölferschiismus sind im 19. Jahrhundert der Babismus und aus diesem die Bahai-Religion entstanden, die heutzutage auf der ganzen Welt verbreitet ist. Innerhalb ihres Herkunftlandes sind beide als nachislamische Religionen jedoch nicht anerkannt und ihre Anhänger werden verfolgt. |
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