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Montag 20. Mai 2002, 06:27 Uhr: Neue Zeitrechnung für Ost-Timor

Dili (dpa) - Nach den Feierlichkeiten anlässlich der Unabhängigkeit Ost- Timors beginnt heute für das asiatische Land eine neue Zeitrechnung. Die Inselhälfte war über 400 Jahre portugiesische Kolonie und danach 24 Jahre lang von Indonesien besetzt. UN- Generalsekretär Kofi Annan ließ um Mitternacht Ortszeit in der Hauptstadt Dili zum letzten Mal die Flagge der UN-Übergangsverwaltung einholen. Anschließend wurde das neue Banner des jüngsten Staats der Welt zur Nationalhymne gehisst.

In einer von Freudenkundgebungen begleiteten Zeremonie erklärte der Ostteil der Insel im Pazifik seine Unabhängigkeit. Die politische Macht ging von den Vereinten Nationen auf die neue Regierung über, der ehemalige Guerillakämpfer Xanana Gusmao wurde als ihr erster Präsident vereidigt.

Die ehemalige portugiesische Kolonie hatte sich 1999 in einem Referendum für die Unabhängigkeit entschieden. Nach dem Abzug der Portugiesen war Osttimor 1975 von indonesischen Truppen besetzt und annektiert worden. Nach dem Referendum kam es zu Unruhen; eine UN-Friedenstruppe sicherte schliesslich den Übergang.

Zu der Zeremonie waren UN-Generalsekretär Kofi Annan, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, der portugiesische Präsident Jorge Sampaio und die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri gekommen.
Annan sagte: «Ich beglückwünsche Euch - Volk von Osttimor - zu dem Mut und der Ausdauer, die ihr gezeigt habt.» Ein UN-Friedenssoldat holte die blaue UN-Fahne ein. Sie wurde von der osttimorischen Flagge ersetzt.

In einer Ansprache zu seinem Amtsantritt sagte Gusmao, die schwierige Vergangenheit dürfe Osttimor nicht im Bemühen um eine friedliche Zukunft und um Wohlstand hemmen. Die Unabhängigkeit habe keinen Wert, solange die Menschen weiter in Armut leben müssten. Osttimor gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Etwa 40 Prozent der Einwohner sind Analphabeten, die Arbeitslosigkeit liegt bei 70 Prozent.

Nach dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft folgte eine dreijährige Besatzung durch Japan, danach annektierte Indonesien das Gebiet und regierte 24 Jahre die Provinz. In dieser Zeit kam es immer wieder zu blutigen Gefechten. Als sich die Bürger der Provinz in einem Referendum im August 1999 für eine Loslösung von Indonesien aussprachen, verschlimmerte sich die Lage weiter. Indonesische Truppen und verbündete Milizen zerstörten große Teile von Dili und töteten mehrere hundert Menschen. Die UN-Friedenstruppe sicherte schließlich den Übergang.

Gusmao

Der ehemalige Guerillakämpfer Xanana Gusmao wurde als erster Präsident vereidigt
Osttimor

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Frankfurt/Main (AP) In Osttimor leben mehr als 881.000 Einwohner auf einer Fläche von etwa 15.000 Quadratkilometern - damit ist das seit Montag unabhängige Land etwa so gross wie Schleswig-Holstein. Die Hauptstadt Dili liegt an der Nordküste der Insel, die zwischen den indonesischen Hauptinseln und Australien liegt. Der Westteil gehört weiter zu Indonesien.

Nach dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft 1974 begann der Machtkampf zwischen der Unabhängigkeitsbewegung Fretilin und Indonesien. Die linksgerichtete Organisation erklärte Osttimor im Oktober 1975 für unabhängig. Im Dezember 1975 rückten indonesische Truppen ein; im Juli 1976 wurde Osttimor als 27. Provinz Indonesiens annektiert.
Dem danach einsetzenden Guerillakrieg fielen etwa 200.000 Menschen zum Opfer. Zu den Anführern des Unabhängigkeitskampfes gehörten der katholische Bischof Carlos Filipe Ximenses Belo und der im Exil lebende Bürgerrechtler Jose Ramos Horat. Beide erhielten 1996 den Friedensnobelpreis, weil sie sich für eine gewaltfreie Lösung des Konflikts einsetzten.

Eine Wende in der Osttimor-Politik leitete der indonesische Präsident Habibie ein, der nach dem Sturz von Präsident Suharto im Mai 1998 einem Unabhängigkeitsreferendum unter Aufsicht der Vereinten Nationen zustimmte. Am 30. August 1999 entschieden sich rund 80 Prozent der Bevölkerung für die Unabhängigkeit. Proindonesische Milizen überzogen Osttimor daraufhin mit einer Welle der Gewalt; nahezu 250.000 Einwohner flohen, wurden vertrieben oder nach Westtimor verschleppt. Erst der Einsatz der Blauhelmtruppe INTERFET machte dem ein Ende. Am Montag, den 20. Mai 2002, wurde Osttimor aus der Verwaltung der Vereinten Nationen in die Unabhängigkeit entlassen.

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