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Offizieller Name: Islamische Republik Pakistan (Islami Jamhuriya e Pakistan)
Hauptstadt: Islamabad
Fläche: 796.095 km²
Landesnatur: Im N Karakorum und Himalaya, dann Hügelland, im SW Mittelgebirge und Hochflächen, im SO Industiefland
Klima: Subtropisch-kontinentales Klima
Hauptflüsse: Indus, Chanab, Sutlej
Höchster Punkt: Mount Godwin Austen (K2) 8611 m
Einwohner: 125.331.000 (1999); 162.419.946 (geschätzt Juli 2005); davon 50% Pandschabi, 15% Paschtunen, 15% Sindhi, 5% Belutschen. Über 1,2 Millionen Flüchtlinge, meist Afghanen.
Bevölkerungsdichte: 191 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 37% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 42% (1999)
Analphabetenquote: 56% (1999)
Sprache: Urdu (Amtssprache; von nur 7,6% der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen), Pandschabi (48%), Sindhi (12%, Paschtu (13%), Englisch (auf Regierungsebene)
Religion: Moslems 97% (77% Sunniten; 20% Schiiten), Hindus 2%, Christen 2%, ca. 3 Millionen Ahmadis. Parsen, Sikhs, Bahai'i, Buddhisten
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 4 Provinzen und Hauptstadtdistrikt, außerdem Tribal Areas (27.220 km²) sowie die abhängigen Gebiete Azad Kaschmir und die Northern Areas
Parlament: Zweikammerparlament, bestehend aus Nationalversammlung (Majlis-e-Shura; 217 für 5 Jahre gewählte Mitglieder; 207 Muslime, 10 für Minderheiten) und Senat (87 Mitglieder, von denen alle 2 Jahre ein Drittel für 6 Jahre indirekt gewählt werden). Wahl des Staatsoberhauptes alle 5 Jahre durch Wahlkollegium.
Nationalfeiertag: 23. März


Geschichte

Pakistan ist ein noch junges Land, das mit der Unabhängigkeit des kolonialen Britisch-Indien im Jahre 1947 erstmals auf der politischen Landkarte Südasiens erschien und in seinen bis heute gültigen Grenzen erst seit 1971 besteht. Geschichte und Kultur Pakistans sind jedoch ungleich älter und reicher. Sie lassen die von innenpolitischen Krisen und nationalen Identitätsproblemen häufig erschütterte Republik Pakistan als eines der geschichts- und kulturträchtigsten Länder erscheinen.
Eine 5000 Jahre alte Zivilisation, die bis in die Bronzezeit zurückverfolgt werden kann, wird durch zahlreiche antike Fundstellen der Induskultur dokumentiert, am spektakulärsten durch die ausgegrabenen Städte Mohenjodaro am Indusfluss und Harappa, das am Ufer des Ravi im Punjab liegt. Die Ausgrabungen dokumentieren eine erstaunlich hohe Zivilisationsstufe. Die antike Blüte in dieser Region, begründet durch eine geniale Bewässerungskultur am Indus und seinen Nebenflüssen im Punjab, setzte sich durch die weitere Geschichte fort. So spektakulär auch der Vormarsch von Alexander dem Großen (356-323 v.Chr.) über den Hindukusch bis an den Indus war, die deutlichsten historischen Prägungen des Landes stammen aus verschiedenen persischen und indischen Reichen und Dynastien, womit zugleich islamische sowie buddhistische und hinduistische religiöse wie geistige Strömungen einzogen.

Die zur Gründung Pakistans führende Zugehörigkeit zum Islam, der bis heute die staatstragende Religion ist, stammt aus der Herrschaftszeit der Großmoguln, die Anfang des 16. Jahrhunderts den Subkontinent eroberten und die Verbreitung des Islam durchsetzten. Als das Großmogul-Reich während der britischen Kolonialzeit auseinanderbrach, musste der Islam seine religiöse und geistige Führungsrolle auf dem Subkontinent an den Hinduismus abtreten. Ihre islamische Prägung behielten allerdings der Nordwesten des Subkontinents und Bengalen, die im Zuge der britisch-kolonialen Hinduisierung ihre islamische Bindung eher noch intensivierten, womit sich zugleich der hinduistisch-islamische Kontrast bzw. Konflikt im kolonialen Britisch-Indien verschärfte.
Die Geburt Pakistans als ein eigenständiger Staat für die Moslems wurde durch keinen Geringeren als den berühmten Urdu-Schriftsteller und Philosophen Muhammad Iqbal (1873 bis 1938) in einer Rede auf der Jahrestagung der Moslem-Liga im Jahre 1930 initiiert. Die schon 1906 gegründete Moslem-Liga verstand sich als Sprachrohr und Plattform für die religiöse, kulturelle und politische Emanzipation der moslemischen Minderheit Britisch-Indiens gegenüber den Hindus und ihrer "Indian National Congress Party". Iqbals Vision eines moslemischen Staates im Nordwesten des Subkontinents griff zusehends auf die Regionen der zukünftigen Provinzen Punjab, Kaschmir, Sindh, Belutschistan und North West Frontier Province über: aus ihren Namen wurde schon 1930 der Name des neuen, projektierten Staates, "Pakistan" konstruiert.

Die Vision wurde zur Forderung, als auf der Jahrestagung der Moslem-Liga 1940 die sogenannte "Pakistan Resolution" verabschiedet und damit zugleich die "Zwei-Nationen-Theorie" manifestiert wurde; dabei sollten die Rechte von Hindus und Moslems durch zwei eigenständige Staaten gewährleistet werden. Ergänzt wurde die Forderung nach einem einzigen moslemischen Staat Pakistan durch die Einbeziehung von Bengalen, die tatsächlich auch mit der Unabhängigkeit des kolonialen Britisch-Indien Realität wurde: Der neue, im Jahr 1947 gegründete Staat Pakistan bestand aus den beiden, über 1500 km getrennt voneinander liegenden Landesteilen West- und Ostpakistan.

Trotz des Grundprinzips der Grenzziehung zwischen Pakistan und Indien, das die mehrheitlichen Religionsverhältnisse berücksichtigte, war die territoriale Neugliederung des Subkontinents mit erheblichen Problemen verbunden. Gewaltige Flüchtlingsströme bewegten sich zwischen beiden neuen Staaten, die die Wirtschaft mit unersetzbaren Abwanderungen auf der einen und mit nicht zu verkraftenden Zuwanderungen auf der anderen Seite belasteten; darüberhinaus verschärften sich die Probleme der religiösen Minderheiten in den Abwanderungsgebieten. Die praktizierte Grenzziehung zerteilte im Falle des Punjab und Bengalens auch zwei geographisch homogene Räume, und im Falle von Jammu und Kaschmir bestehen bis heute noch provisorische, aus dem Waffenstillstand von 1948 resultierende Grenzen.

Islamabad
Islamabad

Wie prekär im Falle des Punjab die Grenzziehung war, zeigt sich am Schicksal der Sikhs: Aufgrund ihres angespannten Verhältnisses zu den Moslems verließ ein großer Teil der Sikhs ihre angestammte Heimat im westlichen Punjab, als dieser dem neuen Staat Pakistan zufiel.
Der territoriale Zusammenschluss zu Pakistan erfolgte aus ungleichen Räumen, die sich - trotz des religiösen Bindeglieds - in ihrer geschichtlichen und kulturellen Tradition wie auch in der räumlichen Ausstattung unterschieden. Zum Landesteil Westpakistan wurden Sindh, Belutschistan, die North West Frontier Province und Teile des Punjab mit einer Reihe von kleinen Prinzenstaaten zusammengelegt.
Der von Westpakistan durch über 1500 km indischen Territoriums getrennte Landesteil Ostpakistan wurde aus den östlichen Teilen Bengalen und dem größeren Teil des Sylhet-Distrikts gebildet. Nach der Größe und Einwohnerzahl ergaben sich für beide Landesteile sehr unterschiedliche Anteile. Flächenmäßig dominierte Westpakistan mit 85% der Gesamtfläche, während auf Ostpakistan 15% entfielen. Hinsichtlich der Einwohnerzahl aber dominierte Ostpakistan mit 54% gegenüber 46% für Westpakistan. In beiden Landesteilen war die Landwirtschaft der einzige Wirtschaftszweig.

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Der Staat

Mit der Gründung des eigenständigen Staates Pakistan im Jahre 1947 hatten sich die Forderungen nach einem islamischen Heimatland auf dem indischen Subkontinent erfüllt. Für den jungen Staat Pakistan galt es zu demonstrieren, dass der Islam als religiöses Fundament auch ein geistiges und politisches Instrument auf dem Wege zu einer homogenen Nation darstellen und den Gefahren eines Regionalismus zwischen beiden Landesteilen begegnen kann.
Pakistan hat dieses zu hoch gesteckte Ziel nicht erreicht. Sowohl politisch als auch wirtschaftlich war das Land auf die Unabhängigkeit kaum vorbereitet. Die Kräfte zur Durchsetzung der geistig-religiösen Ziele des jungen Staates erlahmten, als schon ein Jahr nach der Gründung Pakistans dessen geistiger Vater Mohammed Ali Jinnah (1876-1948) starb und drei Jahre später der erste Ministerpräsident Liakat Ali Khan (1895-1951) ermordet wurde. Die Folge waren Unruhen, Streiks und Massendemonstrationen, die nur zwei Jahre nach der Verabschiedung der ersten Verfassung von 1956 sowie der Ausrufung der "Islamischen Republik Pakistan" zur Ablösung der Demokratie durch eine elf Jahre dauernde Militärdiktatur führte. Die zweite Verfassung, 1962 verabschiedet, berücksichtigte zwar in stärkerem Maße die Interessen Ostpakistans und zeitigte sogar teilweise als vorbildlich anerkannte wirtschaftliche Erfolge, dennoch blieb eine dauerhafte innenpolitische und wirtschaftliche Stabilisierung aus. Der stärker werdenden öffentlichen Kritik beugte sich der Militärdiktator Ayub Khan (1907-1974), dessen Nachfolger General Jahja Khan (1917-1980) im Jahre 1969 die Verfassung außer Kraft setzte, die Nationalversammlung auflöste und das Kriegsrecht verhängte.

Im Zeichen wachsender Entfremdung der bengalischen Bevölkerung Ostpakistans fanden gegen Ende 1970 die ersten freien und direkten Wahlen zur Nationalversammlung statt. Das Wahlergebnis bestätigte jede der beiden Regionalparteien für ihren Landesteil als Wahlsieger und untermauerte offenkundig die Teilung Pakistans. Durch das Ergebnis der Wahlen hinsichtlich der Autonomiebestrebungen bestärkt, führte der sich immer stärker artikulierende ostpakistanische Regionalismus zur Proklamation des eigenständigen Staates Bangladesch. Nach dem Einmarsch westpakistanischer Truppen griff auch Indien in den Bürgerkrieg ein und erzwang als Verbündeter Ostpakistans die Kapitulation Westpakistans.

Damit war die Sezession Ostpakistans als neuer Staat Bangladesch vollzogen, und gleichzeitig erfolgte im Dezember 1971 die Berufung des westpakistanischen Wahlsiegers Zulfikar Ali Bhutto (1928-1979) zum neuen Präsidenten. Sein Versuch einer Konföderation mit Ostpakistan scheiterte, was den Bruch zwischen den beiden pakistanischen Landesteilen endgültig besiegelten.
Unter Bhutto gab sich Pakistan im Jahre 1973 eine neue Verfassung, die am staatstragenden Prinzip des islamischen Sozialismus auf der Grundlage einer föderativen Republik festhielt. Nach dem Wahlsieg des Präsidenten und seiner regierenden "Pakistan People's Party" 1977 kam es zu blutigen Unruhen und Streiks, da man Wahlfälschungen der Regierungspartei vermutete. Nach einem Militärputsch übernahm General Zia ul-Haq (1924-1988) die Macht in Pakistan, verbannte den abgewählten Präsidenten ins Gefängnis und ließ ihn 1979 hinrichten. Zias sozialistisches Regime endete 1988 durch seinen Tod bei einem Flugzeugunglück. Die anschließenden Wahlen gewann Benazir Bhutto ( 1953-2007) an der Spitze der von ihrem Vater gegründeten "Pakistan Paople's Party". Sie bildete eine Koalitionsregierung, die jedoch bereits 1990 wegen des Vorwurfs der Korruption vom Staatspräsidenten entlassen wurde. Auch die islamistische Regierung von Nawaz Sharif (* 1949) konnte sich nur kurze Zeit im Amt halten. Nach den vorgezogenen Neuwahlen 1993 übernahm wieder Benazir Bhutto das Amt des Regierungschefs.
Schon bald zeigte sich, dass auch diese neue Regierung Bhutto nicht in der Lage war, die vielfältigen innenpolitischen Probleme des Landes zu lösen. Dies betraf sowohl das Erstarken des islamischen Fundamentalismus als auch die schlechte Wirtschaftslage. Vor diesem Hintergrund konnte die erneute Amtsenthebung Benazir Bhuttos im Oktober 1996 nicht überraschen. Nach wiederum vorgezogenen Neuwahlen wurde Nawaz Sharif Premierminister. Im Oktober 1999 wurde die Regierung durch einen Putsch gestürzt. Die Regierungsgeschäfte übernahm ein sogenannter Sicherheitsrat. Präsident ist Pervez Musharraf.

ENTWICKLUNGEN

Zum ersten Mal seit dem Putsch von Musharraf im Oktober 1999 war die Bevölkerung am Donnerstag, den 10. Oktober 2002, zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Der neue Ministerpräsident wurde am 2. November vereidigt, die Politik im Land wird er jedoch kaum ändern können. Musharraf sicherte vor der Wahl seine Macht: Er kann das Parlament auflösen und den Regierungschef entlassen.
Indien und der indisch-pakistanische Konflikt: Ereignisse ab November 2002.

»[...] Der Abriss einer illegal errichteten Moschee in der Hauptstadt mündete ab Februar 2007 in eine offene Missachtung der staatlichen Ordnung in Islamabad durch bewaffnete Koranschüler der Roten Moschee, eine Hochburg des islamischen Fundamentalismus. Die radikalen Schülerrinnen und Schüler predigten den Heiligen Krieg und forderten die Errichtung eines islamischen Gottesstaates; sie besetzten mit Waffengewalt die Bibliothek der Schule und verwüsteten zwischen März und Juni mehrfach Internetcafés, Geschäfte und Bordelle, konnten aber von Polizeikräften nicht wirkungsvoll bekämpft werden. Zusammen mit dem Vorsteher der Koranschule, dem radikalen Prediger Abdul Rashid Ghazi, verschanzten sich Hunderte Extremisten mit Frauen und Kindern, die sie als menschliche Schutzschilde missbrauchten, in der Moschee und lieferten sich Anfang Juli heftige Kämpfe mit den pakistanischen Sicherheitskräften. [...]«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.375.

Mit einer blutigen Militäraktion wurden am 10. Juli 2007 die Aktivitäten der islamistischen Extremisten in der Roten Moschee von Islamabad beendet. Mindestens 100 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter auch Abdul Rashid Ghazi. Daraufhin kam es zu einer Welle von Selbstmordanschlägen, vor allem gegen Einrichtungen und Angehörige von Militär und Sicherheitskräften.
Im November 2007 rief Musharraf den Notstand aus. Er erließ eine provisorische Verfassungsordnung und ging gegen regierungskritische Institutionen und Personen vor. Auch auf internationalen Druck hin, entspannte sich die Situation gegen Ende November.
Ende November 2007 legte Musharraf sein Amt als Armeechef nieder und ließ sich für weitere 5 Jahre als ziviler Präsident wählen.
Für die Parlamentswahlen und Wahlen zu den Provinzversammlungen im Januar 2008 stellten sich nun auch wieder Benazir Bhuto (PPP) sowie Nawaz Sharif (PML N) zur Wahl. Am 27. Dezember 2007 wurde Benazir Bhutto jedoch Opfer eines Selbstmordanschlags, zu dem sich, wie aus Regierungskreisen vermeldet, die islamistische Organisation Al-Qaida bekannt haben soll. Es ist aber auch nicht völlig auszuschließen, dass das Attentat von "Elementen innerhalb der Regierung" organisiert worden ist, was Bhuttos Ehemann Asif Ali Zardari (Co-Chairman der PPP) vermutet.
Bei den von Gewalt überschatteten Parlamentswahlen am 18.02.08 wurde die Volkspartei (PPP) stärkste Kraft und erhält 87 Sitze. Die Pakistanische Muslim-Liga (Nawaz; PML N) des Musharraf-Gegners und Ex-Premierministers Nawaz Sharif folgt mit 66 Sitzen. Die Regierungspartei Muslim-Liga (Quaid-e-Azam; PML Q) erhielt nur 38 Sitze (Pakistan Elections 2008).
Asif Ali Zardari, der in Pakistan eher einen zweifelhaften Ruf genießt (DIE ZEIT: Blutige Wahlen), und Nawaz Sharif haben unterdessen erste Koalitionsgespräche geführt (Amin vows to create no rifts in PPP).

  • Musharraf hat am 18. August 2008 seinen Rücktritt vom Präsidentenamt erklärt und ist so einem drohenden Amtsenthebungsverfahren zuvorgekommen.
  • Wahlen zu einem neuen Präsidenten finden am 6. September statt. Zardari hat sich zur Kandidatur entschlossen nachdem er von seiner Partei PPP einstimmig nominiert worden war.
  • Am 25. August zerbrach das Regierungsbündnis von PPP und Muslim-Liga. Nawaz Sharif verließ mit seiner PML N die Regierung und ging in die Opposition.
  • Am 6. September wurde Zardari, Witwer der ermordeten Benazir Bhutto, zum neuen Präsidenten des Landes gewählt und drei Tage später vereidigt.

    Islamischer Fundamentalismus
    Angst vor weiterer Talibanisierung Pakistans


  • Aus tagesschau.de, 24.2.2009:
    Waffenruhe mit Taliban in Nordwest-Pakistan perfekt - Scharia als Preis für den Frieden
    »[...] Nach zähen Verhandlungen und dem Abschluss eines international heftig kritisierten Abkommens über die Einführung des islamischen Rechts haben die radikalen Taliban und die Regierung Pakistans eine dauerhafte Waffenruhe im umkämpften Swat-Tal vereinbart. [...]«
  • Aus spiegel.de, 14.4.2009
    »[...] Pakistans Präsident erlaubt Scharia[...]
    Das Swat-Tal, etwa 160 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt, war einst ein beliebtes Erholungsziel für pakistanische Stadtbewohner. Dort befindet sich das einzige Skigebiet des Landes. Im Herbst 2007 übernahmen Islamisten die Kontrolle über die Region. Sie versuchten seither gewaltsam, die Einführung der Scharia in der Region durchzusetzen. Das Abkommen mit der Provinzregierung kritisierten zahlreiche Länder deshalb als Kapitulation. [...]«
  • Aus tagesschau.de, 6.5.2009:
    »[...]Besorgt blicken die USA auf die jüngsten Entwicklungen in Pakistan. Denn der Einfluss der Taliban im Land wächst. Schuld daran ist nach Meinung von Experten auch die Regierung. Pakistans Präsident Zardari beruhigt indes: Die Atomwaffen des Landes seien in sicheren Händen. [...]«
  • 5. Mai 2009. »Die Taliban-Offensive hat die US-Regierung in Alarmstimmung versetzt. Präsident Barack Obama hat ein Krisentreffen mit den Präsidenten Pakistans und Afghanistans einberufen. [...]« (siehe diepresse.com, 5.5.09).
    Nach dem Treffen in Washington am 6. Mai, bei dem sich die Parteien auf ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Taliban und Al-Qaida verständigt haben, begannen pakistanische Kampfflugzeuge Bombenangriffe auf Stellungen der Taliban im Distrikt Swat zu fliegen. »[...] Anschliessend hätten Helikopter die Aufständischen mit Raketen beschossen, verlautete aus der Armee. Bodentruppen rückten gegen die Stellungen der Taliban in den Bergen vor. [...]« (Aus: bielertagblatt.ch, 7.5.09)
    Die Taliban, die nach eigener Darstellung 90% des Swat-Tals kontrollieren, hatten sich nicht an das im Februar geschlossene Friedensabkommen mit der Regierung gehalten und versuchten ihren Einfluss nach Osten hin auszuweiten. Sie rückten in den angrenzenden Bezirk Buner vor, nur rund 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad (siehe auch: diepresse.com, 6.5.2009).
    Zuvor hatten US-Kampfflugzeuge Taliban-Stellungen in der afghanischen Grenzregion Farah bombardiert, bei denen mehrere Dutzend Menschen getötet worden seien.

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Die Menschen

Die Bevölkerung Pakistans, bezogen auf das heutige Staatsgebiet, hat sich nach der Staatsgründung im Jahre 1947 von rund 30 Millionen auf über 160 Millionen (2005) vergrößert. Dieser rasante Zuwachs erklärt sich aus den durchschnittlich hohen Wachstumsraten von jährlich 4,7% in den 1960er Jahren, 2,9% in den 1970er Jahren, 3,3% in den 1980er Jahren und 2,8% in den 1990er Jahren sowie aus den gewaltigen Flüchtlingsströmen aus Indien (nach der Unabhängigkeit des südasiatischen Subkontinents) und aus Afghanistan (während der sowjetischen Besatzung des Landes) in den 1980er Jahren. Eine weitere Belastung ergab sich während der letzten Phase der Taliban-Herrschaft in Afghanistan und einer weiteren Flüchtlingswelle aus Afghanistan während der US-Luftangriffe wenige Wochen nach dem Terroranschlag gegen die USA am 11. September 2001. Diese "Bevölkerungsexplosion" stellt das Land inzwischen vor schier unlösbare sozio-ökonomische Probleme.
Hauptursache für das anhaltend rasche natürliche Bevölkerungswachtum in Pakistan ist die konstant hohe Geburtenrate, die ein Scheitern der staatlichen Familienplanung offenbart. Da es an sozialer Sicherheit im Alter mangelt, gelten viele Kinder immer noch als beste Altersversorgung. Die Sterberate ist nach wie vor ziemlich hoch, was auf schlechte hygienische und sanitäre Verhältnisse und auf mangelnde Ernährung mit der Folge eines insgesamt anfälligen Gesundheitszustandes weiter Kreise der Bevölkerung schließen lässt. Wenn 12% der Neugeborenen vor Vollendung des ersten Lebensjahres und 25% vor Vollendung des fünften sterben, wenn annähernd drei Viertel der Bevölkerung noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, so sind das untrügliche Zeichen für eine unzureichende Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung. Die von staatlicher Seite unternommenen Anstrengungen zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur des Landes werden von der Bevölkerungsexplosion aufgezehrt. Eine Senkung der hohen Wachstumsrate der Bevölkerung bleibt deshalb die Grundforderung, deren Durchsetzbarkeit angesichts so vieler sozialer Defizite allerdings in den nächsten Jahren kaum möglich sein wird.
Neben einer starken Überjüngung der Bevölkerung - über 40% aller Einwohner sind unter 15 Jahre - bedeutet auch die extrem ungleiche Verteilung der Bevölkerung eine demographische Belastung. Allein über die Hälfte aller Einwohner lebt in dem nur ein Viertel des Landes umfassenden Punjab. Im Vergleich zum Flächenanteil ist auch das untere Industiefland, vor allem die Provinz Sindh, relativ übervölkert, ebenso, in jedoch noch stärkerem Maße, die nordwestlichen Bergländer bzw. die North West Frontier Province.
Mit den vier großen Landesteilen stimmt weitgehend die ethnische Gliederung der Bevölkerung überein, die zugleich auch eine sprachliche ist. Danach ist Punjabi die führende, von der Hälfte aller Einwohner gesprochene Sprache, mit großem Abstand gefolgt von den Sindhi sprechenden Einwohnern des Sindh und den Paschtu sprechenden Bewohnern der nordwestlichen Bergländer. Sprachlich und ethnisch in der Minderzahl sind auch die Volksgruppen der Brahui und Belutschi in Belutschistan. Amtssprache in Pakistan ist Urdu, während Arabisch Kultursprache des Islam und Englisch die Umgangssprache der Elite und Oberschicht ist. Die Vielfalt der gesprochenen und geschriebenen Sprachen erschwert den nationalen Zusammenhalt Pakistans.
Die Grenzlage des Landes zwischen Vorder- und Südasien hat im Laufe der Zeit zu vielfältigen Einflüssen wie auch Vermischungen zwischen den unterschiedlichen Volksgruppen geführt, sichtbar in verschiedenartigsten Farb- und Typschattierungen.

Das soziale und religiöse Leben ist nachdrücklich vom Islam, dem fast alle Einwohner angehören, und in praktischer Hinsicht von der Lehre und den Pflichten des Koran und von der Tradition geprägt.
Im pakistanischen Alltag ist der Freitag der höchste Feiertag, der vor allem mit dem Mittagsgebet und der Predigt in den Moscheen begangen wird; das Geschäftsleben soll am Nachmittag ruhen. Auch in zahlreichen religiösen Sitten schlägt sich die starke islamische Bindung nieder, wobei in Pakistan mehr als anderswo der Geburtstag des Propheten den ganzen dritten Mondmonat hindurch gefeiert wird. Vielerorts in Pakistan finden auch lokale Heiligenfeste statt.
Pakistans Bevölkerung lebt bis heute zum überwiegenden Teil auf dem Lande, und Dörfer bilden die typische Siedlungsform. In ihnen ist nach wie vor die traditionelle Gliederung der Einwohnerschaft in zwei tragende soziale Gruppen anzutreffen: die Landbesitzer und die Handwerker. Hinzu kommt ein breites Bauerntum, bestehend aus freien Bauern mit eigenem Landbesitz, Halbpächtern, Kleinpächtern und Landarbeitern.
Der Anteil der städtischen Bevölkerung wächst überproportional schnell, bedingt durch einen starken Zustrom Jugendlicher vom Lande und insbesondere durch die gewaltigen Flüchtlingsströme, die in die Städte und dabei vor allem nach Karatschi gerichtet sind. Die erste Hauptstadt Pakistans (bis 1959) hat sich seit 1947 von rund 800.000 auf heute über 10 Millionen Einwohner (unter Einbeziehung des städtischen Umlands) explosionsartig vergrößert - mit nicht mehr zu verkraftenden jährlichen Wachstumsraten zwischen 6 und 8%, die das hoffnungslos übervölkerte Karatschi in ein unvorstellbares Chaos an sozialen und hygienischen Missständen stürzen. Die von Menschenmassen überquellende Stadt, deren Elendsviertel und Slums in schockierender Weise ausgeufert sind, kann längst nicht mehr ihre öffentlichen Versorgungs- und Dienstleistungsaufgaben erfüllen. Die Strom- und Wasserversorgung ist für große Teile der Stadt nicht gegeben; die Missstände der sozialen Infrastruktur sind unaufholbar geworden.

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Das Land

Der Naturraum Pakistans wird durch den augenscheinlich zutagetretenden Gegensatz zwischen Hochgebirge und Tiefland gekennzeichnet. An der Nordwestflanke des südasiatischen Subkontinents gelegen, hat Pakistan in den nördlichen und westlichen Landesteilen Anteil an den jungen Faltengebirgssystemen, die den Subkontinent umrahmen. Vom Gebirgsfuß bis zum Arabischen Meer erstreckt sich das vom Indus und seinen Nebenflüssen gebildete Tiefland. Die gegensätzliche Naturlandschaft Pakistans ist durch eine landschaftliche Vielfalt geprägt, deren Extreme karge Wüsten und schroffe, teils vergletscherte Hochgebirge auf der einen, blühende, fruchtbare Schwemmländer auf der anderen Seite sind. Die Gebirgsketten im Norden und Westen des Landes leiten in das gebirgige Zentralasien über; dagegen ist der Osten Pakistans mit teils unwirtlichen Landschaften (wie die Wüste Thar und die Salztonebene Rann von Kutch) nach Indien hin geöffnet, der Süden grenzt an das Arabische Meer.
Pakistan wird in vier Naturräume unterteilt: das Industiefland im Osten, die Hochgebirge im Norden, die Bergländer im Nordwesten und Belutschistan im Westen.
Das Industiefland ist der größte Lebensraum und damit der wirtschaftliche Kernraum Pakistans. Sein nördlicher Teil heißt Punjab - das Fünfstromland. Es besteht aus den flachen Schwemmfächern der im Himalaya entspringenden Flüsse Jhelum, Chanab, Ravi, Beas uund Sutlej, die sich zum Punjnad vereinigen und in den Indus münden. Den südlichen Teil nehmen die weiten Aufschüttungsebenen und das Mündungsdelta des uunteren Indus ein. Der in eine bis zu 150 km breite Stromoase eingebettete Indus hat in seinem Unterlauf, bedingt durch ein extrem niedriges Gefälle und jahreszeitlich stark schwankende Abflussmengen, im Laufe der Geschichte häufig sein Flussbett verändert und dabei große Flächen bewässerten Kulturlands zerstört. Die Wasserführung des Indus variiert bei Hochwasser im Sommer und Niedrigwasser im Winter/Frühjahr zwischen 30.000 und 560 m³/sec. Die hohe Sedimentfracht des Indus hat dazu geführt, dass sich das Delta in den vergangenen 2000 Jahren um 60 bis 100 km meerwärts vorgeschoben hat. Mit zunehmender Intensivierung der Bewässerungslandwirtschaft und dem Bau von modernen Stauwerken am Indus ist die Sedimentfracht zwar nicht reduziert, aber die Ablagerungen sind stromaufwärts sowie auf die Nebenflüsse verlagert worden.

K2

Pakistan hat im Norden Anteil an den Gebirgssystemen Karakorum (mit dem K2, dem zweithöchsten Berg der Erde, 8.611 m), Himalaya und Hindukusch. Die teils vergletscherten und unwegsamen Gebirgszüge sowie die entlegenen Hochtäler bilden den gebirgigsten und damit am schwertsen zugänglichen Landesteil. In die abgeschiedenen Hochtäler haben sich kleine Völker mit ausgeprägter sprachlicher und kultureller Eigenständigkeit zurückgezogen und Fürstentümer, z.B. Swat, Chitral und Dir, gebildet. Bis zur Staatsgründung von Pakistan konnten sie ihre politische Autonomie bewahren. Mit dem Bau des Karakorum Highway durch das Hunza-Tal sind sie auch verkehrsmäßig angebunden, so dass sie für Handel und Tourismus geöffnet sind.

Die Bergländer im Nordwesten Pakistans sind überwiegend kahl, zum Teil verkarstet, aber dank zahlreicher eingesenkter Becken, von denen Peshawar, Bannu und Kohat die wichtigsten sind, seit altersher durch intensive künstliche Bewässerung blühende Agrarregionen. Seitdem die reichlich vorhandene Wasserkraft zur Energiegewinnung genutzt wird, haben sich hier einige der bedeutendsten Industriestandorte Pakistans entwickelt. Zentrum dieser überiwegend von Pathanen bewohnten Region ist Peshawar, dessen traditionell große wirtschaftliche Bedeutung durch die Lage am östlichen Zugang zum Khaibarpaß begründet ist.
Die zum Iranisch-Afghanischen Hochland gehörende Region Belutschistan besteht in ihrem östlichen Teil aus zahlreichen Gebirgsketten aus Kalken und Sandsteinen, die nach Süden hin fingerförmig und zugleich verflachend auseinanderstreben, während den westlichen Teil abflusslose Hochbecken, Sandwüsten und Salztonebenen einnehmen. Die durch die ariden klimatischen Verhältnisse spärlichen landwirtschaftlichen Ressourcen ermöglichen nur eine auf Selbstversorgung gerichtete Oasenwirtschaft, ergänzt durch nomadische Viehhaltung.
In Pakistan herrschen große klimatische Unterschiede. Das Tiefland im Süden des Landes liegt im subtropischen Klimabereich und wird östlich der Sülaimanketten von den Ausläufern des Monsuns beeinflusst. Westlich der Gebirgsketten und zu den Hochgebirgen hin geht es in Kontinentalklima über mit einer langen Winterperiode von Oktober bis April. Während dieser Zeit sinken die Temperaturen auf Werte, die deutlich unter dem Gefrierpunkt liegen.
Hier liegt die Regenzeit im Winter mit Niederschlägen über 1000 mmm, dagegen fallen im Süden in den Monaten Mai bis September, zur Zeit extrem hoher Temperaturen (über 30°C), die Hauptniederschläge bei einem Jahresmittel von 100 bis 200 mm.
Die Pflanzenwelt ist in Pakistan aufgrund der landschaftlichen Vielfalt sehr artenreich uund reicht von tropischer und subtropischer Vegetation bis zu den tundrenartigen Rasen der Hochgebirgsregion. Doch die Gras- und Strauchfluren der Steppen und Wüsten beherrschen das Landschaftsbild und gehören zu den charakteristischen Vegetatinsformationen des Landes. Überweiduung und Abholzung haben das spärliche Pflanzenkleid und die Wälder entlang der Flüsse weitestgehend vernichtet. Auch in den Gebirgen sind die einst ursprünglichen Eichen- und Koniferenwälder stark zurückgedrängt worden. Heute sind nur noch 2% der Landsfläche bewaldet.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1107 f.



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Erdbeben

Am 9. Oktober 2005 hat ein Erdbeben der Stärke 7,6 den Norden Pakistans schwer getroffen. Zahlreiche Ortschaften wurden zerstört. Das Hauptbeben erschütterte die Region am Samstagvormittag 30 Sekunden lang. In den ersten 24 Stunden nach dem Hauptbeben hätten mindestens 20 Nachbeben der Stärke 5 bis 6 die Katastrophenregion heimgesucht. Das Epizentrum des Bebens befand sich rund hundert Kilometer nördlich von Islamabad an der Trennlinie zwischen den von Indien und Pakistan kontrollierten Teilen Kaschmirs. Seine Ausläufer waren noch in der rund 900 Kilometer entfernten pakistanischen Wüstenstadt Quetta zu spüren. Nach Angaben eines führenden pakistanischen Meteorologen war es das schwerste Erdbeben in der Region seit 100 Jahren. Für die pakistanischen Streitkräfte war das der größte Katastropheneinsatz seit Gründung des Staates im Jahr 1947.

www-Links



9. Oktober 2005: Über 30.000 Tote bei Erdbeben in Kaschmir
Die Erdbeben der letzten 4 Wochen (Karte)
Earthquake in Pakistan
Pakistan News
Islamic Republic of Pakistan
CIA -- The World Factbook -- Pakistan
Political Resources on the Net - Pakistan
Pakistan Virtual Library
The Internet Edition of Dawn, a leading daily English newspaper of Pakistan
Chronik wichtiger politischer Ereignisse in Indien und im indisch-pakistanischen Konflikt
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Texte zu Pakistan (und Afghanistan)
Beziehungen zwischen Deutschland und Pakistan
Pacistan-Facts
Pakistan (Landesinfos mit Fotos)
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Die Religion der Sikhs

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