STULLE
Die Berliner Variante für die Scheibe Brot kommt wohl aus dem Niederdeutschen. Stulle heißt dort "Stück, Brocken". Das Wort entwickelte sich im 17. Jahrhundert zur Bedeutung "kleiner Brotleib" und wird seither in Berlin als Begriff für die "bestrichene Brotschnitte" benutzt. Das Wort Stulle ist vor allem auch in der Prignitz und im Ruppiner Land verbreitet.
MITTENMANG
In der berlinischen Variante für mittendrin schwingt das Wort "mang" aus dem Französischen mit. Es heißt so viel wie "drin".
DER SECHSA
Der Sechser bezeichnete zunächst eine Münze im Wert von sechs Pfennigen, im 19. Jahrhundert dann einen halben Groschen. Sechser ist ebenso wie "Groschen" fest im Sprachschatz der Berliner verankert. Bis vor einigen Jahren wurde der Begriff für das 5-Pfennig-Stück benutzt. Heute bezeichnet er auch das 5-Cent-Stück.
PULLE
Wer einen Schluck aus der Pulle nimmt, trinkt aus einer Flasche. Das Wort stammt aus dem lateinischen "ampulla". Im Niederdeutschen wurde daraus dann erstmals das Wort Pulle. Selten wird in Berlin für die Flasche auch das Wort "Buddel" benutzt - es stammt vom französischen Wort "bouteille".
BEKLOPPT
Das Wort bekloppt ist eines der beliebtesten Berliner Wörter. Es stammt aus dem Niederdeutschen und heißt übersetzt so viel wie "taub". Jedoch gibt es für bekloppt in Berlin zahlreiche andere Begriffe, die ebenso häufig benutzt werden. So etwa meschugge, malle oder dusselig. Das Wort dusselig leitet sich übrigens vom Wort "dus", also Tor, ab.
PINKEL
Der feine Herr, der übertrieben vornehm tut, wird im Berlinischen abfällig als feiner Pinkel bezeichnet. Hier ist unklar, ob das Wort sich vom englischen Wort "pink", also "schön", ableitet oder seinen Ursprung im hebräischen "pinka" - also Geldbüchse - hat. Das im 18. Jahrhundert in Berlin aufgekommene Wort Fatzke hingegen stammt eindeutig von dem mittelhochdeutschen Verb "fatzen" - also sich possenhaft aufführen - ab.
BERLINER MOLLE
Die Berliner Molle ist für ein Bier in Berlin ebenso geläufig wie etwa in Bayern die Maß. Das Wort stammt von dem norddeutschen Wort "Mulde" ab. Neben der Berliner Molle gibt es noch den Ausdruck "eine Blonde" - gemeint ist dann ein Berliner Weißbier.
AUFPUCKELN
Im Hochdeutschen würde man sagen: "Mir hat jemand Arbeit aufgeladen." Der Berliner sagt: "Die Mistarbeit krieg immer ick uffjepuckelt." Das Wort leitet sich vom Wort buckeln - also einen Buckel machen - ab.
ETEPETETE
"Mann, der is etepetete", hört man von vielen Berlinern. Das Wort stammt vermutlich aus dem Niederdeutschen und leitet sich vom Wort "öt(e)" ab, was so viel wie zärtlich oder überfein heißt. Unwahrscheinlich ist hingegen die Ableitung aus dem französischen "etre peut-etre" - also: im Zweifel sein.
JEGEND
"Ne schöne Jegend is dit hier", sagt der Berliner. Jegend bezeichnet in diesem Falle unwirkliche Orte oder Plätze sowie Gegenden außerhalb von Berlin. Die Redensart geht zurück auf die Glasbrenner: "Weit und breit nüscht wie Jegend" - also: überall nur reine Landschaft.
GRIEBEN
Das Wort Grieben stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet dort so viel wie ausgelassene Fettwürfel. Gemeint sind aber nicht nur die gebräunten Fettrückstände beim Auslassen von Gänseschmalz, sondern auch ein Ausschlag am Mund - also Herpes. Denn Herpes wird häufig durch zu fettes Essen hervorgerufen.
KANONE
"Dit Stück is unter aller Kanone." Wenn ein Berliner das sagt, meint er: Das ist unter aller Kritik. Das Wort stammt aus dem lateinischen "sub omni canone" - wobei die Kanone eigentlich die Richtschnur, also den Bewertungsmaßstab von Schülern bezeichnet. Der Kanonenstöpsel hingegen bezeichnet eine dicke Person.
RAFFKE
Als Raffke oder auch Raffzahn bezeichnet der Berliner jemanden, der in kurzer Zeit viel Geld zusammengerafft hat. Es ist eine Ableitung aus dem Mittelhochdeutschen "raffen" - also zupfen oder eilig an sich reißen. Schleichhändler, Emporkömmling, Kriegsgewinnler, Wucherer, ungebildeter Neureicher. Gehört zu "raffen = gierig an sich reißen", "Raffer = Habgieriger". Umgeformt in Berlin mit der für dort typischen Endung -ke. Aufgekommen bereits im späten 19. Jahrhundert, vermutlich in der Gründerzeit. Allerdings wurde die Vokabel vor allem seit 1918/19 sehr gebräuchlich.
FATZKE
Als Fatzke bezeichnet der Berliner einen aufgeblasenen Menschen. "Sie oller Fatzke" - auch Appelfatzke oder Hannefatzke genannt. Das Wort leitet sich vermutlich aus dem polnischen Vornamen Wacek ab - der Name wiederum geht auf den tschechischen Vaclav zurück. Möglich ist auch die Ableitung vom frühniederdeutschen "fazen" - was so viel wie spotten heißt.
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