Ton-Dokumente aus den Jahren 1948-1989
(gekürzt)

Übernommen von: DER SPIEGEL, Hauptstadt Berlin, 1992, Bestell-Nr. CD 00020
SPIEGEL-Verlag, Vertriebsabteilung, Brandstwiete 19, 2000 Hamburg 11

Ernst Reuter (1889 - 1953)

Oberbürgermeister von Berlin 1947. 1948 Oberbürgermeister der drei Westsektoren (West-Berlin). Erster Regierender Bürgermeister von West-Berlin ab 1951 - Am 24. Juni 1948 versuchten die Sowjets, die West-Sektoren der Stadt von der Außenwelt abzuschneiden. Beginn der Berlin-Blockade. Nachdem kommunistische Störer am 6. September 1948 das Gebäude der Berliner Stadtverordnetenversammlung im Ostteil gewaltsam besetzt hatten, protestierten drei Tage später rund 350.000 Menschen vor dem Reichstagsgebäude. Wortgewaltig gab der "Frontstadtkämpfer" Reuter in seiner Rede Durchhalteparolen aus und rief die "Völker der Welt" dazu auf, Berlin als "Vorposten der Freiheit" zu verteidigen. Im Mai 1949 lenkte Moskau ein und hob die Blockade wieder auf.

Ernst Reuter

Konrad Adenauer (1876-1967)

Bundeskanzler von 1949 bis 1963 - Ein großer Freund der alten Reichshauptstadt ist der rheinisch-katholische Anti-Preuße nie gewesen. Im Gegenteil: Berlin galt ihm als Moloch und Verkörperung jenes "preußischen Geistes", dessen nationalistischer und militaristischer Größenwahn Deutschland ins Verderben gestürzt hatte. In der Westverlagerung - auch von Hauptstadt und Regierungssitz - und Westverankerung sah der "Alte aus Rhöndorf" deshalb die einzige Chance für die junge Bonner Republik, Souveränität zu erringen. Für diese Freiheit, die bis 1955 unter alliierten Vorbehalten stand, nahm Adenauer die Teilung Deutschlands in Kauf. Die Einheit verlegte der listige Pragmatiker in die - ferne - Zukunft. Offiziell zum ersten Mal seit 1945 wurde am 18. April 1950 im Titania-Palast wieder die dritte Strophe des Deutschlandliedes gesungen - angestimmt von Adenauer ("heiliges Gelöbnis"), der damit die SPD und die Westmächte verprellte.

Konrad Adenauer

Walter Ulbricht (1893 - 1973)

Staatsratsvorsitzender der DDR von 1960 bis 1971 - Im Sommer 1961 schwoll der Flüchtlingsstrom aus der DDR dramatisch an, das SED-Regime befürchtete den wirtschaftlichen Kollaps. Am frühen Morgen des 13. August riegelten Einheiten der Volkspolizei und DDR-Betriebskampfgruppen die Sektorengrenze in Berlin mit Stacheldraht ab. Ohnmächtig beobachteten die Bevölkerung, Politiker und die alliierten Schutzmächte, wie quer durch die Stadt eine Mauer gebaut wurde. Noch am 15. Juni 1961 antwortete Ulbricht bei einer Pressekonferenz auf die Frage einer Korrespondentin der Frankfurter Rundschau, ob seine Regierung daran denke, die Sektorengrenze dicht zu machen: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!" Tatsächlich hatte Ulbricht schon einige Tage zuvor im Kreis der Führer des Warschauer Pakts auf eine Abschottung gedrängt.

Walter Ulbricht

John F. Kennedy

Nie wieder löste der Besuch eines US-Präsidenten bei den Deutschen solche Begeisterung aus wie 1963, als sich Amerikas Hoffnungsträger, John F. Kennedy, mit dem Schicksal der geteilten Stadt identifizierte: "Ich bin ein Berliner" (Ansprache vor dem Rathaus Schöneberg, am 26. Juni 1963). Immer wieder warnte der in der Deutschlandpolitik stark engagierte amerikanische Präsident seinen Gegenspieler in der Sowjetunion vor dem gefährlichen Irrtum, die Westmächte "aus Berlin hinauswerfen" zu können - wohl wissend, dass dies alles war, was er tun konnte. Denn jenseits der Mauer musste er den Kommunisten freie Hand lassen, sollte die Berlin-Krise nicht zum Schießkrieg eskalieren. Schon vor dem Mauerbau hatte er entschieden, dass die Nato eingreifen würde, "wenn Cruschtschow etwas mit West-Berlin anzustellen versucht, aber nicht, wenn er nur in Ost-Berlin etwas unternimmt".

Als der US-Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas (Texas) ermordet wurde, brachte eine philippinische Tageszeitung schon Stunden VOR seiner Ermordung einen exakten Bericht über das Attentat sowie eine detaillierte Biographie des vermeintlichen Kennedy-Mörders Lee Harvey Oswald.

Wie war das möglich? Dallas liegt in der Zeitzone GMT -6. Manila, die Hauptstadt der Philippinen, liegt auf der anderen Seite des Globus in der Zeitzone GMT +8. Das heißt, als an diesem 22. November um 12.30 Ortszeit Dallas die tödlichen Schüsse auf den 35. Präsidenten der USA fielen, war in Manila schon der nächste Tag angebrochen: Es war der 23. November, 2.30 Uhr (14 Stunden Zeitunterschied). Das Blatt hatte ein Briefing über die Ermodung Kennedys am 22. 11. bekommen, wie so viele andere, das es brav am gewünschten Tag veröffentlichte, wie so viele andere. Nur zu dumm, daß der 22. 11. 1963 philippinischer Zeit früher stattfand als der 22. 11. in Texas.

Interessante Zeitdokumente: Das Video von Abraham Zapruder, der am 22. November 1963 als Zuschauer den Kennedy-Besuch in Dallas filmte, und die Stimme von Lee Harvey Oswald nach seiner Verhaftung, der Reportern erklärt: "I don't know what this is all about... I am working in this building... I am just a patsy [Sündenbock]." Wenig später wurde er erschossen.

John F. Kennedy


John F. Kennedy (* 29. 5. 1917 in Brookline, Massachusetts; † 22. 11. 1963 in Dallas, Texas) hatte kurz vor seiner Ermordung ein Dekret unterzeichnet, durch das die Fed durch eine staatliche Zentralbank ersetzt werden sollte: die Executive Order No. 11110 vom 4. Juni 1963. Die US-Regierung sollte wieder in die Lage versetzt werden, ihr eigenes Geld zu drucken. Und damit begann Kennedy auch ohne zu zögern.

John F. Kennedy vs The Federal Reserve
John F. Kennedy Biografie

Dies und der beabsichtigte Rückzug aller US-Truppen aus Vietnam bis 1965 hätten die wichtigsten Einnahmequellen der Fed versiegen lassen. Sein Nachfolger, Lyndon B. Johnson, sorgte denn auch umgehend dafür, daß dieses Dekret nicht weiter zur Anwendung kam. Und der Vietnamkrieg ging bis 1973/1975 weiter...

Ronald Reagan (1911-2004)

Präsident der Vereinigten Staaten vom 1981 bis 1989
Ronald Wilson Reagan
Besuch zur 750-Jahr-Feier Berlins. Ansprache vor dem Brandenburger Tor, am 12. Juni 1987. Jubel und Gegendemonstrationen empfingen 1987 den amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan in Berlin. Das geteilte Echo entsprach der Weltlage. Noch war die in der Reagan-Ära bedrohlich zugespitzte Konfrontation der Supermächte nicht überwunden. Doch seit dem Amtsantritt von Michail Gorbatschow in Moskau 1985 hatten sich die frostigen Beziehungen zwischen dem "Reich des Bösen" (Reagan) und Washington spürbar verbessert. Reagans ebenso dramatischen wie damals utopisch klingenden Appell an den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow, die Mauer niederzureißen und das Brandenburger Tor zu öffnen, verband er mit dem Vorschlag, die Olympischen Spiele demnächst in beiden Teilen Berlins auszutragen.

Ronald Reagan

Walter Momper



   Biografie

Als das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 um 18:57 Uhr Pressevertretern in Ost-Berlin lapidar mitteilte, ab sofort könnten DDR-Bürger ohne weiteres Reisen ins Ausland beantragen, war zunächst niemanden so recht klar, was diese Nachricht bedeutete. Rund drei Stunden später stand fest: Die Mauer war gefallen. Tausende zogen noch in der Nacht los, drängten an den Grenzübergängen auf Durchlass und konnten schließlich ungehindert passieren. Berlin feierte, an der Mauer und auf der Mauer, das Ende von 28 Jahren Trennung. Am folgenden Tag sprachen vor dem Rathaus Schöneberg neben Willy Brandt und Helmut Kohl auch der Regierende Bürgermeister von Berlin Walter Momper. "Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk auf der Welt", beglückwünschte Momper die DDR-Bürger zu ihrer "friedlichen und demokratischen Revolution".