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Offizieller Name: Haschemitisches Königreich Jordanien
Hauptstadt: Amman
Fläche: 89.342 km²
Landesnatur: Jordangraben, Ostjordanisches Bergland (Gilead, Ammon, Moab, Edom), Ostjordanisches Wüstenplateau
Klima: Kontinentales Klima
Hauptflüsse: Jordan, Nahr al-Zarqa
Höchster Punkt: Jabal Ram 1754 m
Tiefster Punkt: Totes Meer -399 m
Regierungsform: Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt: König
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 12 Governorate (Bezirke)
Parlament: Abgeordnetenversammlung (Madschlis al-Umma) mit 110 für 4 Jahre gewählten Mitgliedern (9 Sitze sind für Christen, 3 für Tscherkessen, 6 für Frauen reserviert); Senat mit 55 vom König ernannten Mitgliedern
Einwohner: 6.482.000 (1999); 6.343.000 (geschätzt 2010)
Bevölkerungsdichte: 59,4 Ew./km² (2010)
Stadtbevölkerung: 74% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 42% (1999)
Analphabetenquote: 10% (1999)
Sprache: Arabisch; Sprachen der Minderheiten
Religion: Moslems 94% (92% Sunniten, 2% Schiiten), Christen 6% (Orthodoxe, Katholiken, Protestanten), Dusen u.a.
Währung: Jordan-Dinar
BSP je Einwohner/Jahr: 2840 US-$ (2007)
Importgüter: 25% Maschinen/Transportausrüstungen, 22% Treib-und Schmierstoffe (darunter 15% Rohöl), 18% Fertigwaren, 13% Nahrungsmittel/lebende Tiere, 9% Chemikalien; Länder 2007: 24% Saudi-Arabien, 11% VR China, 9% Deutschland, 5% USA, 5% Ägypten
Exportgüter: 32% sonstige Fertigwaren (darunter 27% Bekleidung), 24% Chemikalien, 14% Rohmaterialien, 13% Nahrungsmittel/lebende Tiere (darunter 9% Gemüse); Länder 2007: 22% USA, 13% Irak, 8% Indien, 8% VAE, 7% Saudi-Arabien
Nationalfeiertag: 25. Mai (Unabhängigkeit am 25. Mai 1946; davor britisches Mandatsgebiet)
Geschichte
Seit der jordanische König Hussain II. (1935-1999) im Sommer 1988 offiziell die Bindungen seines Landes zu den im Jahr 1950 annektierten Gebieten westlich des Jordans gelöst hat, besteht das Land wieder aus der Ostflanke des großen Grabenbruchs der Jordansenke mit den begleitenden Bergzügen der biblischen Länder Moab, Edom und Ammon, die teilweise 1700 m Höhe überschreiten, während die Jordansenke bis auf 400 m unter den Meeresspiegel absinkt.
An die weithin gut beregneten Bergländer, die mit ihren Tälern die wirtschaftlichen Zentren des Landes bilden, schließt sich nach Osten ein ausgedehntes Wüstenplateau an, das 700 bis 1000 m über dem Meeresspiegel liegt und nur als Weidegebiet von nomadisierenden Beduinenstämmen genutzt wird.
Jordanien gehört zu den Nachfolgestaaten des Osmanischen Reiches. Diese entstanden nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, als die beiden Hauptsiegermächte, Großbritannien und Frankreich, eine Neuordnung des arabischen Raumes erzwangen, den die in Istanbul/Konstantinopel residierenden Sultane seit Jahrhunderten beherrscht hatten.
Bereits 1916 hatten sich Großbritannien und Frankreich weitgehend über die Aufteilung des Raumes geeinigt. Allerdings gab es nach dem Krieg vor allem in Palästina noch gewisse Verschiebungen zugunsten des britischen Herrschafts- oder Einflussgebiets, als die Vereinbarungen der Siegermächte Bestandteil des Abkommens von San Remo im April 1920 über die Bildung der Mandatsgebiete und der Friedensverträge mit der Türkei von Sèvres (1920) und Lausanne (1923) wurden. |
Diese Vereinbarungen bezogen sich ebenso wie der formelle Beschluss des Völkerbundrates über die Errichtung des britischen Mandats für Palästina (27.7.1922) auf ein Gebiet beiderseits des Jordan. Sie enthielten auch die Verpflichtungen, die Großbritannien mit der sogenannten Balfour-Deklaration (2.11.1917) übernommen hatte. Dabei handelte es sich um den Brief eines britischen Außenministers an einen englischen Zionistenführer, in dem Großbritannien Unterstützung für die Gründung eines "jüdischen Nationalheims" in Palästina zugesagt hatte. Dieser Brief, dessen rechtliches Gewicht durchaus zweifelhaft ist, erhielt durch die internationale Zustimmung, wie sie sich u.a. durch die Aufnahme in die Verträge und Abkommen ausdrückt, völkerrechtliche Bindekraft. |
Problematisch wurde die Situation im Palästina-Mandat beiderseits des Jordan aus zwei Gründen: Zum einen lehnten sich die Araber von Anfang an gegen eine jüdische Ansiedlung auf, zum anderen waren schon seit 1918/19 in Transjordanien Tatsachen geschaffen worden: Während britische Truppen im Jahr 1918 westlich des Jordan die Türken zurückdrängten, hatten sich östlich des Flusses arabische Truppen unter Führung Faisals I. (1885-1933), eines Sohnes Ibn Ali Hussains I. (1853-1931), des Sherifen von Mekka (Makkah) und Königs von Hedjas (Al Hijaz), festgesetzt.
Faisal sollte nach dem Wunsch des Allgemeinen Syrischen Nationalkongresses zunächst König von Groß-Syrien werden, wurde aber von den Franzosen im Juli 1920 aus Damaskus vertrieben und von den Briten im März 1921 als König des Irak ausersehen. Gleichzeitig bot der englische Kolonialminister Winston Churchill (1874-1965) dessen Bruder Abdallah Ibn Hussain (1882-1951) das Emirat Transjordanien an, das dieser am 27./28.3.1921 akzeptierte.
Schon im August 1921 wurde in den Entwurf des Beschlusses über das Völkerbundsmandat Palästina eine Klausel über die faktische Abtrennung Transjordaniens bzw. die Nichtanwendung der Bestimmungen über das "jüdische Nationalheim" eingefügt. Das bedeutete für Transjordanien das Verbot jüdischer Einwanderung und jüdischen Landerwerbs. |  |
Offiziell wurde Transjordanien dann am 25.3.1923 ein selbständiges Emirat unter britischem Mandat. Das Land erhielt 1925 Zugang zum Roten Meer, als der Hafen von Al Aqabah (Aqaba) erworben wurde. Großbritannien behielt die Verantwortung für Außenpolitik und Finanzen. Als offizielles Unabhängigkeitsdatum gilt der 22.3.1946, der Tag, an dem die Mandatsherrschaft endete.
Auch danach blieben britische Truppen im Land stationiert. Darüber hinaus stand auch die Armee, die aus der von den Briten geschaffenen "Arabischen Legion" entstanden war und seit 1939 von General John Bagot Glubb (1897-1986) geführt wurde, unter dem Befehl englischer Offiziere. Erst mit dem Abzug der letzten englischen Truppen am 2.7.1957 war die Unabhängigkeit vollständig.
Inzwischen hatte die Armee sich während des israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948/49 als einzige arabische Streitmacht behauptet. Beim Waffenstillstand vom 3.4.1949 hielt sie Ost-Jerusalem und die später sogenannte Westbank besetzt. Auf Bitten von Repräsentanten der Flüchtlinge aus den israelisch gewordenen Gebieten, der Stammesführer und religiöser Autoritäten kam es am 1.4.1950 zur formellen Vereinigung der von der Arabischen Legion besetzten Gebiete mit Transjordanien zum Haschemitischen Königreich Jordanien.
Diese Vereinigung, die von den übrigen arabischen Staaten, aber auch einem großen Teil der palästinensischen Bevölkerung als Annexion empfunden wurde, ist von König Hussain II. am 31.7.1988 rückgängig gemacht worden.
Dazwischen liegen fast vier Jahrzehnte. Hussain hatte nach der Ermordung seines Großvaters Abdullah 1951 und der Absetzung seines kranken Vaters Talal (1909-1972) 1952 mir Erreichen der Volljährigkeit 1953 den Thron bestiegen. Seit dem 10.6.1967, nach dem für Jordanien unglücklichen Ausgang des Sechstagekrieges mit Israel, beschränkt sich das Staatsgebiet auf Transjordanien.
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Der Staat
Die Frage nach der Grundlage des politischen "Wunders", das die lange Herrschaftszeit König Hussains darstellt, wird immer wieder aufgeworfen. Sein von Natur aus eher armes Land bietet kaum Voraussetzungen für eine gesicherte und dauerhafte Herrschaft. Doch trotz des Misserfolgs im Sechstagekrieg mit Israel im Jahre 1967, trotz vielfacher Anfeindung von außen und von innen und trotz der außerordentlich bescheidenen Ressourcen seines Landes hat sich König Hussain II. (1935-1999) als der mit großem Abstand "dienstälteste" Staatschef der Region und somit als politischer "Überlebenskünstler" erwiesen. |
Die Frage nach der Stabilität der Monarchie wird nach seinem Tod vor allem von denjenigen gestellt, die in Jordanien den "Staat der Palästinenser" sehen. Man findet diese Auffassung in Israel, aber auch weithin im Ausland wie in Jordanien selbst. Ihre Vertreter verweisen darauf, dass zwischen 40% und 60% der Bewohner des heutigen Jordanien aus den palästinensischen Gebieten westlich des Flusses stammen. Die Palästinenser, so sagen die Verfechter dieser Meinung, hätten ja bereits ihren Staat, und treten damit der Forderung nach einem Staat Palästina auf der Westbank entgegen.
Zweifellos stellt diese Argumentation die größte Gefahr für den jordanischen Thron dar. Das regierende Haus der Haschemiten hat sich diese Bedrohung selbst eingehandelt: Jordanien war der einzige arabische Nutznießer des israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948/49, da seine Armee den größten Teil des für einen arabischen Palästinastaat von den Vereinten Nationen vorgesehenen Gebietes besetzt hielt, als der Krieg endete. 1950 annektierte Jordanien diese Gebiete einschließlich Ost-Jerusalem.
Hussain verstand es, durch rasch wechselnde Anlehnungen und Bündnisse immer wieder Gefahren sowohl für die Unabhängigkeit seines Landes wie für seinen Thron abzuwehren.
In den 1960er Jahren setzte Hussain zunächst auf die Militär- und Finanzhilfe der USA und ein Bündnis mit Saudi-Arabien. Ein Pakt mit Gamal Abd An Nasser (1918-1970) verwickelte ihn dann 1967 in den Sechstagekrieg und kostete die Gebiete westlich des Jordan.
Danach sah sich der König einem wachsenden Einfluss der Organisation zur Befreiung Palästinas (PLO) gegenüber, den er schließlich mit Hilfe seiner Beduinenarmee in äußerst blutigen Kämpfen im September 1970 und Juli 1971 brechen konnte.
Anschließend blieb Hussain bei der Anlehnung an die USA und Saudi-Arabien, suchte aber auch Kontakte zur Sowjetunion und zu Syrien. Im sogenannten Golfkrieg zwischen Iran und Irak, der von 1980-1988 dauerte, stellte er seinen Hafen Al Aqabah für den Waffennachschub des Irak zur Verfügung. Er unterstützte in vorsichtiger Form die ägyptische Friedenspolitik gegenüber Israel und suchte in den 1980er Jahren mehrfach Verhandlungen mit Israel. Dabei strebte er eine gemeinsame jordanisch-palästinensische Delegation an, die aber nicht zustande kam.
Mit der Aufgabe der westjordanischen Gebiete im Juli 1988 hatte Hussain politisch "Ballast" abgeworfen, seine internationale Stellung im arabischen Raum aber kaum gestärkt. Dies suchte er im Februar 1989 wettzumachen, indem er die Gründung eines "Arabischen Kooperationsrats" initiierte, der die beiden regionalen "Großmächte" Ägypten und Irak mit Jordanien und Nordjemen zusammenschloss. |
Wie gefährdet das Regime blieb, zeigte sich im April 1989, als es - ausgelöst durch eine krisenhafte Entwicklung der Wirtschaft - zu blutigen Unruhen kam, diesmal nicht unter den Palästinensern, sondern unter den "transjordanischen Jordaniern". Hussain stützte sich vor allem auf die Beduinen, die zwar nur 5% der Bevölkerung bilden, aber die Mehrheit des Offizierskorps stellen. Durch die irakische Annexion Kuwaits im August 1990 sah sich Hussain in eine kritische Lage versetzt, da ihn seine politische Abhängigkeit vom Irak zu einer Politik des Lavierens zwang, die Jordanien in der westlichen Staatenwelt in Misskredit brachte. Auch das vorher gute Verhältnis zu den USA wurde dadurch verschlechtert. Trotzdem beteiligte sich Jordanien an den Nahostfriedensgesprächen. 1991 ließ der König als Signal für eine innenpolitische Öffnung eine Nationalcharta verabschieden. Außerdem fanden wieder Wahlen statt. 1994 schlossen Israel und Jordanien einen Friedensvertrag. Nach Hussains Tod im Februar 1999 versprach sein ältester Sohn und Thronfolger Abdullah (Abdullah II.) die Politik seines Vaters fortzusetzen.

Die Menschen
Nach dem Verzicht auf das Westjordanland hat das Königreich etwa 6,5 Millionen Einwohner (1999), eine Zahl, die derzeit jährlich um den erstaunlich hohen Wert von annähernd 3% wächst. Über 40% der Bevölkerung sind jünger als fünfzehn Jahre.
Über 80% der Bewohner Jordaniens sind Moslems sunnitischer Richtung, 3% Schiiten. Die Zahl der Christen wird mit knapp 5% angegeben. Neben Arabern, davon 5% Beduinen, gibt es vor allem in Amman eine kleine Minderheit moslemischer Tscherkessen, ferner einige Tausend Armenier, Kurden und Türken.
Im Tal des Wadi Zarqa (Sarqa) an der Straße von Damaskus in den Hedjas befand sich in römischer Zeit die Siedlung "Philadelphia". Während der Ort vom 13. - 19. Jahrhundert bedeutungslos war, entwickelte sich hier, begünstigt durch den Bau der Hedjasbahn (um 1900), die Hauptstadt Amman. Ihre Bevölkerung lag 1994 bei 1,3 Millionen. Zwei weitere Großstädte sind Az Zarqa mit über 600.000 und Irbis mit 385.000 Einwohnern. Diese Städte sind auch die Hauptstandorte der Industrie, die Baustoffe, chemische Produkte, Nahrungsmittel und Textilien herstellt.
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Entwicklungen
Februar 2011: Forderung nach Reformen
Ähnlich wie in Ägypten, Tunesien, Algerien, Libyen, Jemen u.a. leiden insbesondere die jüngeren Menschen unter hoher Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Sie wollen irgendwann einmal heiraten, eine eigene Familie haben, doch müssen die meisten von ihnen wegen zu geringer finanzieller Mittel bei ihren Eltern ausharren.
Seit Anfang Januar 2011 gehen immer mehr Menschen - mal Hundert mal einige Tausend - auf die Straßen und fordern Reformen. Die Proteste richteten sich zunächst gegen die korrupte Regierung von Ministerpräsident Samir Rifai, die nur zögerlich Reformen voranbrachte, dafür aber die Lebenssituation der Menschen durch stark gestiegene Lebensmittel- und Benzinpreise zunehmend erschwert hat.
Wenn in den o.g. Ländern ein Regimewechsel gefordert wurde/wird, so will man in Jordanien lediglich umfangreiche Reformen, die für die Menschen eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebenssituation bewirken.
Nach tagelangen Protesten hat König Abdullah II. am 1. Februar 2011 die Regierung von Ministerpräsident Samir Rifai abgesetzt und den früheren Ministerpräsidenten Maruf al Bakhit aufgefordert, »[...]ein neues Kabinett zu bilden und umgehend politische Reformen einzuleiten. [...]«
Zitiert aus: www.focus.de, Proteste – König setzt Regierung ab, 1. Februar 2011
Die Menschen wollen soziale und politische Rechte
»[...] "Die Menschen wollen soziale und politische Rechte, keine islamische Lösung", sagt einer der Demonstranten. "In den letzten 15 Jahren hat die Regierung den öffentlichen Sektor privatisiert und das Land modernisiert, aber es gab keine sozialen und politischen Reformen." Viele Menschen wurden entlassen, ein kleiner Kreis von mit der Regierung verbandelten Geschäftsleuten ist reich geworden.
So protestieren sie hier also für alles: gegen Korruption, für schärferes Mietrecht, für höhere Löhne, mehr Freiheit und mehr politische Beteiligung. Auch für eine Verfassungsänderung, die die Rechte des Königs beschneiden soll. "Wir wollen unseren Premierminister wählen", rufen sie. Und, gleich danach: "Hoch lebe seine Majestät König Abdullah II." Man kann in Jordanien momentan gegen alles sein, nur nicht gegen den König. Aber das wollen sie auch nicht. Der König wird als Stabilisator gesehen in einem zwischen Beduinen-Clans, Jordaniern und Palästinensern gespaltenen Land. [...]«
www.spiegel.de, Nieder mit der Regierung! Es lebe der König! 4. Februar 2011.
2009
»[...] Papstbesuch: Papst Benedikt XVI. traf am 8.5.2009 in Jordanien als der ersten, dreitägigen Station seiner Nahostreise ein, wo er von König Abdullah begrüßt wurde. Bei seinem Gespräch mit muslimischen Notablen und Universitätsrektoren am 9.5. in der Hussein-Moschee in Amman warnte er vor dem politischen Missbrauch von Religionen. Am 10.5. feierte er in einem Stadion in Amman eine Messe, an der Zehntausende von Christen aus Jordanien, dem Westjordanland, Libanon und Irak teilnahmen.
Beziehungen zu Israel: König Abdullah forderte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bei dessen Besuch am 14.5.2009 in Akaba auf, die Gründung eines palästinensischen Staates anzustreben. Der Vorschlag des Knesset-Abgeordneten Arieh Eldad, Palästinensern die jordanische Staatsangehörigkeit zu verleihen, rief den scharfen Protest des jordanischen Außenministers am 26.5. hervor; das israelische Außenministerium distanzierte sich am 27.5. von Eldads Ideen.[...]«
Zitiert aus: Der Fischer Weltalmanach 2010, S. 291.
2006/2007
»[...] Flüchtlinge: Nach Angaben des UNHCR vom 17.4.2007 leben 750.000 irakische Flüchtlinge in Jordanien. Dies hat für das Land erhebliche Auswirkungen. So sind Wohnungsmieten und Preise wie im Nachbarland Syrien deutlich angestiegen, die Schulen überfüllt. Die Verschärfung der Grenzübergangsbestimmungen durch die Behörden führte dazu, dass der Zustrom geringer wurde. So können Iraker z. B. nur mit einem neuen Pass, der erst seit 2006 erhältlich ist, einreisen.
Außenpolitik: Jordanien diente, wie schon in den vergangenen Jahren, als diplomatische Drehscheibe der
Nahostregion, da das Land fest im arabischen Lager verankert ist, als pro-westlich gilt und zugleich gute Beziehungen zu Israel wie zu den Palästinensern unterhält. Auch das Verhältnis zu Hamas, das sich durch Verhaftung von mutmaßlichen Waffenschmugglern im Dienste der Hamas durch die jordanische Polizei im April 2006 deutlich verschlechtert hatte, verbesserte sich wieder. Mit seiner Einladung vom 26.12.2006 an den palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija zu einem Versöhnungstreffen mit Präsident Mahmud Abbas versuchte König Abdullah vermittelnd in die innerpalästinensischen Auseinandersetzungen einzugreifen. Am 19.12. stattete Israels Ministerpräsident Ehud Olmert dem jordanischen König einen unangekündigten Besuch ab, um bilaterale Angelegenheiten sowie die Entwicklung in den palästinensischen Gebieten zu erörtern.
Am 30.11.2006 traf US-Präsident George W. Bush in Jordanien ein, um dort, nach einem Zusammentreffen mit König Abdullah, mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki die Lage in Irak zu erörtern. US-Außenministerin Condoleezza Rice hielt sich während ihrer mehrere Länder umfassenden Nahostreisen stets auch in Jordanien auf.
Für Russlands Präsident Wladimir Putin war Jordanien am 12. /13.2.2007 die letzte Station seiner Nahostreise. Mit König Abdullah besprach er den Nahostkonflikt, insbesondere die innerpalästinensischen Auseinandersetzungen, das iranische Atomprogramm und die Lage in Irak. Anschließend rief Putin erneut zu einer internationalen Nahost-Friedenskonferenz unter Einschluss Libanons und Syriens auf. Kurz vor seinem Abflug traf er auf dem Flughafen in Amman auch mit Abbas zusammen, dem gegenüber er sich jedoch ausgesprochen unverbindlich äußerte.
Bundeskanzlerin Angela Merke! begann ihre Nahostreise - auch in ihrer Eigenschaft als amtierende EU-Ratspräsidentin - am 31.3. in Jordanien, wo sie mit König Abdullah in dessen Sommerresidenz in Akaba zusammentraf. Dabei war vor allem der Nahostkonflikt Thema der Gespräche. Merkel wie ihr Gastgeber sahen in dem jüngsten Angebot der Arabischen Liga an Israel eine wichtige Grundlage für Fortschritte in der Lösung des Nahostkonflikts. [...]«
Zitiert aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S. 267
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