Willkommen in Libanon

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Offizieller Name: Libanesische Republik
Hauptstadt: Beirut
Fläche: 10.400 km²
Landesnatur: 4 küstenparallele Großlandschaften von W nach O: schmale Küstenebene, Libanongebirge, Beqaaebene, Westhänge des Hermon und des Antilibanon
Klima: Mediterranes Klima
Hauptflüsse: Nahr al-Litani, Orontes, Nahr Ibrahim, Hasbani
Höchster Punkt: Qurnat as Sawda 3083 m
Regierungsform: Parlamentarisch-präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident (maronitischer Christ)
Regierungschef: Ministerpräsident (sunnitischer Moslem)
Verwaltung: 5 Provinzen
Parlament: Nationalversammlung mit 128 für 4 Jahre gewählten Mitgliedern (je zur Hälfte Moslems und Christen); der Parlamentspräsident ist schiitisch
Einwohner: 3.236.000 (1999); 3.097.000 (geschätzt Juli 2009); ca. 4% Armenier
Bevölkerungsdichte: 392 Ew./km² (2009)
Stadtbevölkerung: 90% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 33% (1999)
Analphabetenquote: 14% (1999)
Sprache: Hocharabisch (Amtssprache), levantinisches Arabisch, Armenisch, Französisch, Englisch
Religion: Muslime 60% (mehrheitlich Schiiten; Sunniten, Drusen, Alawiten), Christen 40% (Maroniten, Griechisch-Orthodoxe,Griechisch-Katholisch, Armenisch-apostolische Kirche u.a.)
Währung: Libanesisches Pfund
Importgüter: mineralische Produkte 23%, Maschinen und Anlagen 12%, chemische Erzeugnisse 9%, Fahrzeuge 8%
Exportgüter: Bearbeitete Edelsteine und Schmuck 17%, Maschinen und Anlagen 16%, Nahrungsmittel 9%, chemische Erzeugnisse 8%


Geschichte

Libanon war im Altertum das Land der Phönizier, die von ihren Hafenstädten Sidon (heute 'Sayda), Tyros (Tyrus, Sur) und Byblos (Jubayl) aus zwischen dem 12. und 8. Jahrhundert v. Chr. den Handel des östlichen, später zeitweise des gesamten Mittelmeerraumes beherrschten.
Auch unter der Oberhoheit von Assyrern und Persern dauerte die führende Position des phönizischen Seehandels an, dem die Zerstörung von Tyros (332 v. Chr.) durch Alexander den Großen (356-323 v. Chr.) noch kein Ende setzte. Erst seit der römischen Herrschaft (64 v. Chr.) kann von einer eigenen phönizischen Kultur keine Rede mehr sein.
Das Holz der Zedern von den Bergen des Libanons bildete das erste wichtige Exportgut. Heute ziert die Zeder zwar das Landeswappen, ist aber aus dem Landschaftsbild fast völlig verschwunden. Auf die phönizische Tradition und nicht in erster Linie auf eine arabische berufen sich viele im Libanon, allen voran die Maroniten, die bis zum Bürgerkrieg von 1975 die dominierende Kraft waren.
Die christliche Volksgruppe der Maroniten hatte sich im 7. Jahrhundert in das nördliche Libanongebirge zurückgezogen, um Schutz vor der arabischen Eroberung zu finden. Sie entwickelte sich unter der losen Oberhoheit wechselnder islamischen Dynastien zu einer praktisch unabhängigen "Nation". Auf enge Kontakte in der Kreuzfahrerzeit geht ihre Verbindung mit der römischen Kirche (1181) und mit Frankreich (Schutzbrief Ludwig IX., 1250) zurück. Im Südlibanon breitete sich seit dem 11. Jahrhundert die aus schiitischen Wurzeln hervorgegangene Sekte der Drusen aus.

Maroniten und Drusen lebten unter loser türkischer Oberhoheit meist friedlich zussammen. Nach blutigen Bürgerkriegen im 19. Jahrhundert bedurfte es allerdings erheblicher Bemühungen der türkischen Regierung und europäischer Einflussnahme, um einen Modus vivendi für ein friedliches Zusammenleben im "Mont Liban", dem autonomen Libanongebirge, zu finden.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Libanon französisches Völkerbundsmandat. Dabei wurde das Gebiet des Mont Liban durch überwiegend islamisch besiedelte Gebiete im Norden, Süden und Osten sowie die Küstenstädte Beirut, Tripoli (Tarabulus Ash-Sham), Sidon Und Tyros erweitert.
Die Maroniten bildeten zwar noch die größte Bevölkerungsgruppe, aber nicht mehr die Mehrheit. Grundlage der bestehenden politischen Ordnung und Machtverteilung ist ein mündlich vereinbarter "Nationalpakt" aus dem Jahre 1943, der zwischen dem damaligen christlichen Staatspräsidenten und dem moslemischen Ministerpräsidenten ausgehandelt worden war und bis heute gültig blieb. Danach ist der Staatspräsident immer ein Maronit, der Ministerpräsident ein Sunnit, der Präsident des Parlaments ein Schiit.
Der Sinn des "Nationalpakts" war nicht nur die sorgfältige Verteilung von Ämtern und Positionen, sondern auch die Festlegung der Grundlinien der Außenpolitik.

Die Christen hatten sich verpflichtet, das Land nicht einseitig an eine westliche Macht (gedacht war an Frankreich) zu binden, die Moslems versprachen, ohne die Zustimmung der Christen keinen Anschluss an ein arabisches Land anzustreben (gedacht war an Syrien, das, gestützt auf die Verwaltungsgliederung der Türkenzeit, bis heute Ansprüche erhebt).
Der Libanon ist unter den arabischen Ländern, mit Ausnahme des Inselstaats Bahrain, das kleinste. Nicht nur in der ethnischen und religiösen Zusammensetzung seiner Bevölkerung, sondern auch im Landschaftscharakter bietet der Libanon eine große Vielfalt. Bevor das Land 1975-90 im Chaos des Bürgerkriegs versank, erinnerte es in den Landschaftsformen, in der Wirtschaftsstruktur und im Lebensstil der Bewohner eher an Südeuropa als an den Orient.

Der Staat

Nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 befanden sich etwa 80.000 Flüchtlinge im Land, die größtenteils in der Wirtschaft integriert wurden. Bis 1967 stellten sie keine politische Belastung dar. Die vom ägyptischen Präsidenten Gamal Abd An Nasser (1918-1970) ausgelöste panarabische Unruhe führte 1958 zum Bürgerkrieg, der durch die bloße Anwesenheit von Präsident Camille Chamoun (1900-1987) gerufenen Kontingents von US-Marineinfanterie so weit gedämpft wurde, dass die Ruhe durch die Überlassung einiger Posten in der Regierung, Armee und Verwaltung an Nasser-Anhänger wiederhergestellt werden konnte.

Nach dem Sechstagekrieg 1967 begannen die Palästinenser von Libanon aus mit Angriffen gegen Israel, die Gegenschläge und eine Fluchtbewegung aus dem Süden nach Beirut auslösten. Die Armee und später christliche Milizen konnten die Palästinenser nicht bremsen. Diese breiteten systematisch die Situation vor, die dann 1975 den Bürgerkrieg auslöste. Obwohl sie 1969 als Gegenleistung für die Erlaubnis, in ihren Lagern bewaffnete Einheiten aufzustellen und im Grenzgebiet Stützpunkte zu errichten, versprochen hatten, die Souveränität des Libanon zu achten, destabilisierten sie das Land.

Aus Überfällen und örtlichen Gefechten wurde ein offener Bürgerkrieg. Die Palästinenser hatten sich mit linksgerichteten Milizen und Verbänden der Drusen verbündet und diese auch aufgerüstet. Als 1976 die Palästinenser und ihre Verbündeten, die vom Drusenführer Kamal Djumblat (1919-1977) geführt wurden, vor dem Sieg standen, griffen die Syrer, die bisher die Palästinenser gestützt hatten, zugunsten der Christen ein, weil ein palästinensisch beherrschter Libanon nicht im Interesse Syriens lag. Die Syrer gingen bald wieder zur Unterstützung der Palästinenser über. Eine kurze Besetzung des Südlibanon durch Israel (1978), der Einsatz einer UNO-Friedensgruppe und einer Miliz aus Christen und Schiiten unter dem ehemaligen libanesischen Major Haddad, die mit Israel zusammenarbeitete, und auch ein mit Hilfe der USA 1981 ausgehandelter Waffenstillstand sorgten immer nur vorübergehend für Ruhe an Israels Nordgrenze. Ab Juni 1982 besetzten israelische Truppen erneut den Süden und stießen bis Beirut vor (1. Libanon-Krieg). Ein großer Teil der PLO-Verbände wurde in West-Beirut eingeschlossen, von wo sie nach einem Waffenstillstand in andere arabische Länder evakuiert wurden.

Israel zog seine Truppen bis zum Juni 1985 mit Ausnahme einer schmalen Sicherheitszone an seiner Nordgrenze zurück. Es hatte zwar die PLO erheblich geschwächt (ein übriges taten Syrer, indem sie immer wieder Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen schürten), seine Hoffnung auf ein dauerhaftes Bündnis mit einem christlich beherrschten Libanon aber erfüllte sich nicht. Der Bürgerkrieg flackerte stets erneut auf, obwohl syrische Truppen immer größere Teile des Landes besetzten. Besonders kompliziert wurde die Lage, nachdem 1988 alle Versuche scheiterten, einen neuen Präsidenten durch das Parlament wählen zu lassen. Als letzte Amtshandlung ernannte der scheidende Amtsinhaber Amin Gemayal (* 1942, ab 1982) den christlichen Armeeführer Michel Aoun zum Chef einer Übergangsregierung, neben der aber die bisherige Regierung unter dem Sunniten Salim al-Hoss (* 1929) weiter amtierte. Aoun versuchte, die Waffenimporte der Milizen unter Kontrolle zu bringen, wodurch es ab März 1989 zu einer Verschärfung des Bürgerkriegs und zur direkten Konfrontation mit den Syrern kam. Nach verlustreichen Kämpfen vermittelte die Arabische Liga im September 1989 einen Waffenstillstand, der aber brüchig blieb. Im Oktober 1990 wurden die Truppen Aouns endgültig geschlagen. Das Land stand nun unter syrischer Kontrolle und die Milizen wurden entwaffnet. Nach den Parlamentswahlen 1992, die von der christlichen Opposition boykottiert wurden, wurde Rafik Al Hariri (* 1944; † 2005) Regierungschef . Seine Regierung begann mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des schwer geschädigten Libanon. Sie musste sich dabei auch an Syrien orientieren, das 40.000 Soldaten im Land stationiert hatte. Ein innenpolitischer Machtfaktor, vor allem im Süden des Landes, blieb die 1982 gegründete schiitische Hisbollah (Hizbullah, siehe auch: Wikipedia), die in den 1990er Jahren immer wieder militärisch gegen Israel und die Streitkräfte in der Sicherheitszone operierte. Die Situation änderte sich im Mai 2000, als Israel seine Truppen abzog und die Hisbollah sowie die libanesische Armee und UNO-Friedenstruppen in die Stellungen nachrückten.

Hariri ermordet. Israel verantwortlich für den Anschlag ?

Am 14. Februar 2005 wurde Rafik Al Hariri (Ministerpräsident von 1992 bis 1998 und 2000 bis 2004) bei einem Bombenattentat auf seinen Wagenkonvoi in Beirut getötet. Wie im August 2010 veröffentlichte Videoaufnahmen zeigen, war offenbar Israel an der Ermordung Hariris beteiligt. Siehe: alles-schallundrauch.blogspot.com, 10. August 2010.

Der 2. Libanon-Krieg

Am 12. Juli 2006 überfielen offiziellen Meldungen zufolge Hisbollah-Milizen eine israelische Grenzpatrouille. Dabei töteten sie acht israelische Soldaten. Zwei weitere israelische Soldaten nahmen sie in ihre Gewalt und forderten von Israel die Freilassung eigener Leute. Israel ließ sich auf diesen Handel nicht ein und antwortete umgehend mit massiven Luftangriffen gegen Stellungen der Hisbollah im Süden und Osten des Landes, dem aber auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen. Israel wollte mit seiner Aktion "Angemessener Preis" die Hisbollah aus dem Südlibanon vertreiben. Seit März 2007 wird der israelisch/libanesische Konflikt offiziell als "2. Libanon-Krieg" bezeichnet.
Nach tagelanger internationaler Vermittlung einigte man sich am 14. August auf einen Waffenstillstand und auf die Stationierung internationaler "Blauhelm"-Truppen zur Sicherung der Grenzgebiete. Israel behielt sich vor, bis zum Eintreffen der Truppen weiterhin gegen Stellungen der Hisbollah vorzugehen.
Der mehr als 30 Tage dauernde Krieg hat die Infrastruktur des Landes stark geschädigt.
Für den Wiederaufbau des Landes leistete die Hisbollah - Dank Milliarden schwerer Dollar-Geschenke aus Iran - einen erheblichen Beitrag. Jede Person, die Verluste erlitten hat, wurde von der Hisbollah sofort großzügig entschädigt. Wegen ihres sozialen Engagements erfreut sich die Hisbollah (verfolgt als eines ihrer Ziele die Auslöschung Israels) bei der Mehrheit der Libanesen ohnehin seit Jahren großer Beliebtheit.

Die bereits im Libanon stationierte 2000-Mann starke UNIFIL-Truppe sollte ab Ende August 2006 auf rund 15.000 UN-Soldaten aufgestockt werden, darunter etwa 9000 europäische Soldaten. Deutschland wollte rund 2400 Soldaten (Marine) entsenden.
Im November 2006 belief sich die Anzahl der Blauhelme tatsächlich auf knapp 10.000 Mann. Der UN-Statistik zufolge war Deutschland zu diesem Zeitpunkt mit 941 Soldaten an der Aktion beteiligt. Die deutsche Marine sichert zusammen mit Blauhelmen aus der Türkei, Griechenland, Bulgarien, Norwegen, Dänemark und Schweden die libanesische Küste und soll den Waffenschmuggel für die pro-iranische Hisbollah-Miliz auf dem Seeweg verhindern. Mitte Oktober 2006 hatte Deutschland offiziell das Kommando der Küstenoperation übernommen (siehe auch: auswaertiges-amt.de: Die Kämpfe im Sommer 2006 und Resolution 1701). Im Land sind Frankreich, Italien und Spanien mit jeweils mehr als 1600 Soldaten am stärksten vertreten. Weitere Truppensteller sind Belgien, China, Ghana, Finnland, Indien, Irland, Nepal und Polen (Stand: 11/2006).

Geplant sei auch gewesen, das libanesische/syrische Grenzgebiet zu überwachen um Waffenlieferungen von Syrien nach Libanon zu unterbinden. Syrien lehnte ein solches Vorgehen entschieden ab.

»[...] Die heute ca. 12.000 Soldaten aus zeitweise über 18 Ländern fungieren als eine Art Puffer zwischen der israelischen IDF und der Hizbollah. Neben Ihrer Beobachtungsmission, hat sie seit 2006 auch die Aufgabe, die Wiederbewaffnung der Hizbollah zu verhindern.
Die größten Kontingente stellen Italien, Frankreich, Spanien, China und Indonesien. Deutschland ist mit 240 Marinesoldaten vor der libanesischen Küste aktiv. Der Fokus dieses Einsatzes ist in den letzten Jahren von der Sicherung der Seegrenzen zur Ausbildung der libanesischen Seestreitkräfte verlagert worden.[...]«
Zitat: www.alsharq.de, Syrischer Briefkasten in Saida? Anschlag auf die UNIFIL im Libanon, 28. Mai 2011
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Entwicklungen



Mai 2008: Eskalation des Konflikts zwischen Hisbollah und der libanesischen Regierung

Ab Anfang Mai 2008 eskaliert der Konflikt zwischen Hisbollah und der libanesischen Regierung von Fuad al Siniora. Hassan Nasrallah, Gründungsmitglied und oberster Kopf der Hisbollah, spricht von einer neuen Ära des Krieges. In einer von arabischen TV-Sendern übertragenen Rede sagte er, die Regierung habe den "Krieg" gegen die Hisbollah beschlossen. Siniora und dessen Bündnispartnern warf er vor, Befehle von der US-Regierung entgegenzunehmen. "Das ist kein Staat, das ist eine Bande", beschimpfte Nasrallah die Kabinettsmitglieder.
Am 10. Mai hat die Hisbollah nach Kämpfen mit regierungsfreundlichen Sunniten den Großteil der libanesischen Hauptstadt Beirut unter ihrer Kontrolle.
»[...] Die Straßenkämpfe und der Einsatz von Artillerie im Chouf-Gebirge erinnerten an den Bürgerkrieg und bewegten die Arabische Liga dazu, eine Ministerdelegation unter Leitung des katarischen Außenministers und des Generalsekretärs der Liga nach Beirut zu entsenden. Unter ihrer Vermittlung nahm die Regierung die Beschlüsse gegen die Hisbollah zurück, die im Gegenzug ihre Barrikaden räumte. Bei anschließenden fünftägigen Verhandlungen in Doha, die mehrfach durch die katarische Führung vor dem Scheitern bewahrt werden mussten, einigten sich alle libanesischen Parteien schließlich auf die Wahl Sulaimans zum Präsidenten, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit mit 11 von 30 Posten für die Opposition, die damit Regierungsentscheidungen blockieren kann, sowie ein neues Wahlgesetz. Am 25. Mai 2008 wurde Michel Sulaiman im Beisein sowohl des iranischen und syrischen als auch des saudischen und französischen Außenministers zum Präsidenten gewählt. [...]«
Zitat: de.wikipedia.org, Libanon

2008/2009: Libanons Beziehungen zu Israel und Syrien; Wirtschaft

»[...] Mit einer im Parlament nicht unumstrittenen Grundsatzerklärung bekräftigte die Regierung am 5.8.2008 den nationalen Widerstand gegenüber Israel, wodurch die Hisbollah einmal mehr von der Pflicht, ihre Waffen abzugeben, ausgenommen wurde. Laut Berichten arabischer Medien soll die schiitische Miliz ihr Raketenarsenal wieder deutlich verstärkt haben. Nasrallah selbst erklärte am 16.2.2009, die Hisbollah verfüge nun auch über hochentwickelte Raketen und drohte der israelischen Luftwaffe bei erneuten Angriffen "böse Überraschungen" an. Für jene Raketen, die während der israelischen Offensive im Gazastreifen und am 21.2. auf Israel abgefeuert wurden, übernahm die Hisbollah jedoch keine Verantwortung; sie sollen von Palästinensern im Süden des Landes abgefeuert worden sein.
Mit einer Demonstration am 13.5.2009 in Beirut erinnern Eltern an ihre seit dem Bürgerkrieg vermissten Söhne.

Syrien: Bei dem ersten Gipfeltreffen der Union für das Mittelmeer in Paris am 13.7.2008 vereinbarten die Präsidenten Libanons und Syriens, Suleiman und Baschar al-Asad, unter Vermittlung von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und des Emirs von Katar, Hamad bin Khalifa AI Thani, die volle gegenseitige Anerkennung. Syrien hatte jahrzehntelang nicht die volle Eigenstaatlichkeit des Nachbarlandes akzeptiert, sondern Libanon als Kreation französischer Kolonialisten, die das Gebiet von Syrien abgetrennt hätten, dargestellt und daher auch keine diplomatischen Beziehungen zu diesem unterhalten. Während des Bürgerkriegs in Libanon und darüber hinaus war Syrien militärisch im Nachbarland präsent und dominierte es politisch bis zum erzwungenen Abzug 2005.
Bei der Staatsvisite von Präsident Suleiman in Damaskus am 13./14.8.2008 wurde offiziell die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen bekanntgegeben und eine bilaterale Kommission mit der von Libanon seit langem gewünschten Demarkation der Grenze betraut. Die Grenzziehung im Gebiet der sogenannten Chebaa-Höfe, die derzeit von Israel besetzt sind, machten beide Staaten von einem Friedensabkommen mit Israel abhängig, wenngleich Syrien schon zuvor festgestellt hatte, dass das Gebiet zu Libanon gehöre. Außerdem erklärte sich Damaskus bereit, zur Aufklärung des Schicksals jener Libanesen beizutragen, die während der fast 30-jährigen Präsenz Syriens in Libanon verschwunden waren. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass sich ca. 650 Libanesen in syrischen Gefängnissen befinden oder in syrischem Gewahrsam verstorben sind. Mit dem Amtsantritt des syrischen Botschafters in Beirut am 29.3.2009 und des libanesischen in Damaskus am 20.4. war der Prozess der diplomatischen Anerkennung abgeschlossen.
Wirtschaft: Wie Zentralbankchef Riad Salameh Anfang Mai 2009 feststellte, blieb Libanon von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise weitgehend verschont. Dies lag darin begründet, dass Salameh 2004 den Banken des Landes Investitionen in US-Subprime-Kredite verboten hatte. Die Überweisungen der Auslands-Libanesen, ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, sind kaum zurückgegangen. Für 2009 erwartete Salameh ein Wirtschaftswachstum von 6%.«
Zitat: DER FISCHER WELTALMANACH 2010, S.335
Wahlen vom 8. Juni 2009: Neuer Ministerpräsident wurde Saed Hariri
»[...] Schlappe für die Islamisten der israelfeindlichen Hisbollah: Die Libanesen stützen das pro-westliche Bündnis aus Sunniten, Christen und Drusen. Im Nahen Osten atmen die friedlichen Kräfte auf. [...] Die libanesischen Parlamentswahlen brachten den Extremisten der Region, angeführt vom Iran und seinem libanesischen Vasallen der Hisbollah, einen unerwarteten Rückschlag und verliehen den Pragmatikern Auftrieb. Große Teile des Libanons wollen die Annäherung an den Westen. Der scheidende Ministerpräsident Fuad Siniora sprach gestern von einem "außergewöhnlichen Tag für die Demokratie im Libanon". [...]«
Neuer Ministerpräsident wurde Saed Hariri, Sohn des 2005 ermordeten Ex-Regierungschefs Rafik al-Hariri.
Zitat: www.rp-online.de, 9.6.2009

Koalition gescheitert
Nur 14 Monate lang konnte sich die Regierungskoalition ("Bündnis der nationalen Einheit") halten, bis sie Anfang Januar 2011 im Streit über die Aufklärung des Mordes an Rafik al-Hariri, Vater des amtierenden Ministerpräsidenten Saed Hariri, auseinanderbrach. Von den insgesamt 30 Ministern der Regierung haben am 12. Januar sämtliche 10 Minister der Hisbollah sowie ein Minister aus dem Lager des christlichen Generals Michel Aoun das Kabinett verlassen.
»[...] Präsident Michel Suleiman muss nun Gespräche mit den Parteien aufnehmen, um die Möglichkeiten der Bildung eines neuen Kabinetts auszuloten. Bis dahin bleiben Saad al-Hariri und seine verbliebenen Minister als Übergangsregierung im Amt. [...]«
Zitat: www.welt.de, 14. Januar 2011

Libanon wird "Vorhof" des Iran: Hisbollah-Kandidat Mikati ist neuer Regierungschef
Am 25. Januar 2011 wurde der frühere Ministerpräsident Nadschib Mikati zum neuen Regierungschef ernannt. »[...] Er war von der pro-iranischen Hisbollah vorgeschlagen worden. [...] Anhänger des von der Hisbollah gestürzten Ministerpräsidenten Saad Hariri hatten zuvor gegen die Ernennung des Milliardärs protestiert. Zu Tausenden waren sie auf die Straße gegangen, um so Hariri zu unterstützen. [...]«
Zitat: www.tagesschau.de, Hisbollah-Kandidat Mikati ist neuer Regierungschef, 25.01.2011

Die »[...] Mehrheit erhielt der Hisbollah-Kandidat auch, weil der Block von Drusenführer Walid Dschumblatt Mikati unterstützte. [...] Die Hisbollah hatte angekündigt, als eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung die Kontakte zum internationalen Libanon-Tribunal zu kappen. [...]«
Zitat: www.spiegel.de, Hisbollah installiert Premier. "Partei Gottes" übernimmt Macht im Libanon, 25.01.2011
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Die Menschen

Die Bevölkerung des Libanon ist außerordentlich vielfältig zusammengesetzt. Bis in die jüngste Vergangenheit war das Land der einzige arabische Staat, in dem Christen die Mehrheit bildeten und politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich entscheidenden Einfluss hatten. Dies sowie das unternehmerische und händlerische Geschick, das viele Libanesen auf das Erbe der Phönizier zurückführen, begründen die einzigartige Stellung des Libanon im Orient.
Schon seit dem 19. Jahrhundert ist der Libanon ein Auswanderungsland. 1932 lebte über ein Drittel der christlichen Libanesen im Ausland, heute werden es, einschließlich der Nachkommen, zwei Drittel sein. Aber auch viele sunnitische Moslems sind emigriert.
Genaue Angaben über die Gesamtzahl sind ebenso unmöglich wie über die Anteile der einzelnen Volksgruppen. Die Volkszählung von 1932 wurde zur Grundlage des verfassungsmäßigen Konfessions- und Volksgruppenproporzes, auf dem die Staatsordnung basiert. Und alle Schätzungen sind unsicher, da ihre Autoren von dem Interesse geleitet sind, das bestehende System zu stürzen oder zu stützen. Deshalb besagt es nicht viel, wenn die meisten Autoren heute behaupten, dass das Verhältnis von Christen zu Moslems nicht mehr 6 : 5 sei, sondern 5 : 6 oder gar 4 : 6, dass also die Moslems nunmehr die Mehrheit bilden. Andere gehen weiterhin von einer christlichen Mehrheit aus.

Zur Lage der palästinensischen Flüchtlinge in Libanon

dradio.de, Nicht in der Fremde, nicht zu Hause
Sendung: Das Schicksal palästinensischer Flüchtlinge im Libanon, HINTERGRUND, 12.01.2012

»[...] Während die palästinensischen Flüchtlinge in Syrien und Jordanien Einheimischen rechtlich weitgehend gleichgestellt sind, werden sie im Libanon nach wie vor ausgegrenzt. Sie dürfen keine Immobilien erwerben, nur eingeschränkt arbeiten und leben abgeschottet in Camps. [...]«
Das Flüchtlingslager »[...] Al Baddawi liegt am äußersten Rand von Tripoli, der zweitgrößten Stadt des Libanon, hinter den Hafenanlagen und hinter einem großen Schrottplatz. Rund 30.000 Menschen leben hier auf engstem Raum. Das Camp ist von einer Mauer umgeben, am Eingang kontrolliert ein libanesischer Armeeposten die Passanten. Es ist eines von zwölf Camps, in denen die meisten Palästinenser leben, die im Libanon als Flüchtlinge registriert sind. Ihre ökonomische und soziale Lage ist desolat. So liegt die Arbeitslosigkeit - laut Angaben der Vereinten Nationen - derzeit bei 56 Prozent. Zwei Drittel der Flüchtlinge gelten als arm, da sie von weniger als sechs Dollar am Tag leben müssen. 95 Prozent der Menschen verfügen über keinerlei öffentliche oder private Gesundheitsvorsorge. Die Wohnsituation ist katastrophal - 40 Prozent der Wohnungen - stellt das Flüchtlingshilfswerk der UNO fest - haben feuchte Wände und undichte Dächer.[...]«

Die komplette Sendung (mp3)

Libanon

Maroniten, Schiiten, Sunniten, Drusen
Es gibt 17 anerkannte Religionsgemeinschaften, davon elf christliche Gruppen, fünf islamische oder aus dem Islam hervorgegangene Gruppen und eine kleine jüdische Minderheit.
Unter den Christen sind die mit der römisch-katholischen Kirche unierten Maroniten die größte Gruppe, die von einem Patriarchen mit Sitz in Bkerke bei Juniya (Joûniyé) geleitet wird und einen Bevölkerungsanteil von 25% hat. Von den übrigen katholischen Kirchen ist die griechisch-katholische der Melkiten mit etwa 5% die größte; daneben gibt es armenische, syrische, chaldäische und römische Katholiken (Lateiner), zusammen etwa 2,5%. Etwa 7% sind Griechisch-Orthodoxe, 4% Armenisch-Orthodoxe (Gregorianer) und zusammen etwa 1% Syrisch-(Jakobiten) und Assyrisch-Orthodoxe (Nestorianer) sowie knapp 1% Protestanten.
Heute sollen die Schiiten die größte Religionsgruppe sein; die Angaben liegen bei 32%. Die Sunniten, bis 1980 stärker als die Schiiten, dürften einen Anteil von etwas mehr als 21% haben. Daneben gibt es die in Libanon besonders traditionsreichen Drusen (7%), in deren vor Fremden geheimgehaltenen Glauben der fatimidische Imam-Kalif Al Hakim, der von 996 bis 1021 in Ägypten regierte, eine besondere Rolle spielt.

Während Maroniten, Schiiten und Drusen traditionell vorwiegend Landbewohner sind (die Maroniten im gesamten Libanongebirge, die Drusen im südlichen Libanongebirge und die Schiiten im Südlibanon und in der Beqaaebene), konzentrieren sich die Sunniten, mit Ausnahme von einigen Landgebieten im Norden, sowie die kleineren christlichen Gruppen auf die Städte. Viele Maroniten und Schiiten sind auch nach Beirut gezogen bzw. geflohen.
Die soziale Differenzierung ist bei den Christen geringer als bei Moslems und Drusen. Sie wirken dadurch insgesamt wohlhabender. Vor allem die Maroniten verfügen über ein relativ breites, selbständiges Kleinbauerntum und haben einen großen Anteil an der städtischen Mittelschicht, die in Handel, Gewerbe und Verwaltung oder als Facharbeiter tätig ist. Ihr Anteil an der engeren Oberschicht ist dagegen eher geringer als bei Moslems und Drusen, wobei zu den Schiiten und Drusen vor allem Großgrundbesitzer von häufig feudalem Zuschnitt und zu den Sunniten die städtischen Kaufmannsfamilien gehören. Der islamische Mittelstand ist weniger ausgeprägt, die Unterschicht um so stärker. Zu ihr gehören auch viele abhängige Kleinpächter, vor allem aber Flüchtlinge und Einwanderer ohne Staatsbügerschaft. Diese von außen kaum zu durchschauenden religiös-sozialen Strukturen führten zu politisch wechselnden Bündnissen unter dem Dach einer komplizierten Verfassungskonstruktion, die auszutarieren den Staat immer wieder vor Probleme stellte.

Der schon in der Türkenzeit nach dem Bürgerkrieg zwischen Drusen und Maroniten (1860) im Libanongebirge eingeführte Konfessionalismus, die weitgehende Autonomie der Einzelgruppen, wurde durch den "Nationalpakt" von 1943 perfektioniert. Danach verteilten sich die Parlementssitze im Verhältnis 6 : 5 zwischen Christen und Moslems (mit den Drusen). Nach dem Wahlgesetz von 1995 ist das Verhältnis 1 : 1, und es sind 128 Abgeordnete, davon 34 Maroniten, 14 Griechisch-Orthodoxe, 8 Griechisch-Katholiken, 5 Armenisch-Orthodoxe, 27 Sunniten, 27 Schiiten und 8 Drusen.
Der Konfessionalismus wirkt trotz der inzwischen erfolgten Verfassungsmodifikationen allen Tendenzen zu einer Verschmelzung und zur Herausbildung einer gemeinsamen nationalen Identität entgegen. Dennoch hat der institutionalisierte religiöse Pluralismus die Freiheit der Minderheiten gesichert und die kulturelle Vielfalt des Libanon begründet.
Wenn all das, was dem Land einst den Beinamen einer "Schweiz des Orients" gab, im Bürgerkrieg zerfiel, weil das Land in den Strudel der Auseinandersetzung um Israel/Palästina geraten war und weil fanatische schiitische Fundamentalisten mit terroristischer Gewalt eine "islamische Republik" erzwingen wollten, so bedeutet das eine Verarmung der ganzen Region.

Party in Beirut

Zu den zehn besten "rooftop bars" weltweit gehört die "Sky Bar" in Beirut.
Die SkyBar ist alles: Restaurant, Bar, Club und Lounge.
75% der Besucher sind männlich.
Homepage: www.sky-bar.com

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.858 f.



www-Links



Libanon.de
Informationen, Fotos und Videos ueber und zum Libanon
Beziehungen zwischen Libanon und Deutschland
Libanon Info-Portal
Libanon im Netz der Reisespinne
Reisefotos vom Libanon
Libanon -- Archäologie Online : Guide
Lebanon, Libanon, lebanese and Beirut. Arab musik, fairouz
Wikipedia: Hisbollah
Al Manar (der Hisbollah nahestehender Fernsehsender)
Libanon Live Radio
Wissenswertes zum Islam mit zahlreichen www-Links
Lebanon.com
CIA - The World Factbook -- Lebanon
Online version of this Lebanese English-language daily
Islamic Republic News Agency ( IRNA )
Lebanon Links, The Official Directory for Lebanon
LEBANON - A Country Study
Official site of the President of the Lebanese Republic
Telepolis News
Lonely Planet World Guide | Destination Lebanon |
Lebanon Times
Governments on the WWW: Lebanon
Lebanon World is dedicated to all people interested in the Lebanese situation
Lebanese Foundation for Peace
The Lebanon War
Human Rights Watch: Lebanon
A/G Church Of Lebanon
Is Lebanon a haven for terrorists?
Languages of Lebanon

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