Der "Piefke"

In Berlin meint "Piefke" einen kleinen Jungen bzw. steht für einen Prahler oder einen Wichtigtuer (bei den älteren Berlinern noch bekannt). Ebenso geläufig für den kleinen Jungen sind in Berlin die Ausdrücke Knirps oder Rotznase. Ursprünglich ist Piefke die norddeutsche Form von "Pfeifchen", was hier so viel wie kleiner Penis meint.
Meist abwertend gemeint, werden in Österreich (insbesondere im Osten) mit dem Wort Piefke die Deutschen bezeichnet. Möglicherweise wurde das Wort Piefke erstmals in dieser Weise gebraucht, nachdem Österreich und Preußen im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 mit der Erstürmung der Düppeler Schanzen die Dänen besiegt haben und der preußische Musiker Gottfried Piefke daraufhin den Düppeler Sturmmarsch komponiert hat. »[...] Der Preuße Piefke sei ein sehr "preußischer" Preuße gewesen, der auf seine österreichischen Mitstreiter einen derart nachhaltigen Eindruck hinterlassen habe, dass sein Name zum Sinnbild des zackigen und ruppigen Preußen geworden sei.[...]« Als "Schimpfwort" dürfte der Ausdruck Piefke dann von den Österreichern verstärkt übernommen worden sein, nachdem die Preußen im Deutschen Krieg von 1866 über den Deutschen Bund und die Österreicher gesiegt haben. Johann Gottfried Piefke komponierte zur Feier des preußischen Sieges den Königgrätzer Marsch. »[...] Am 31. Juli 1866 fand nach Ende des preußisch-österreichischen Krieges im Marchfeld bei Gänserndorf ca. 20 km vor Wien eine große Siegesparade statt. Unter den herbeigeeilten Wienern soll sich der Ruf "Die Piefkes kommen" verbreitet haben [...]« (Zitate siehe: de.wikipedia.org, Piefke).
Vergleichbar in der Qualität mit "Ösi" der Deutschen für Österreicher oder auch "Preiß" der Bayern für Preußen, gehört "Piefke" zur Gruppe der Ethnophaulismen (abwertenden Fremdbezeichnungen für Volksgruppen). Den Österreichern ist oft die abwertende Bedeutung nicht bewusst; meist wird dieser Begriff als Synonym für Deutsche allgemein gebraucht und beinhaltet dabei keine bewusste Wertung.


Hier zwei bekannte preußische Märsche von Gottfried Piefke:

1. Düppeler Sturmmarsch
Sieg der Preußen und der Österreicher über die Dänen im Deutsch-Dänischen Krieg. Preußen und Österreich kämpften hier ein letztes Mal Seite an Seite.
2. Königgrätzer Marsch
»[...] Gottfried Piefke komponierte nach dem Sieg der preußischen Truppen über die Österreicher in der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 den Königgrätzer Marsch.[...]«
de.wikipedia.org, Königgrätzer Marsch

Die Titel werden nacheinander abgespielt



Weitere Ethnophaulismen:

  • Marmeladinger: - oft gebraucht in Ost-Österreich für Deutsche (entstanden in der Zeit des 1. Weltkriegs; die Soldaten konnten sich keine Butter leisten und bestrichen ihr Brot statt dessen mit billiger Marmelade; siehe: de.wikipedia.org).
  • Tschusch: Als "Tschuschn" wurden die Soldaten der russischen Besatzungsmacht benannt. Erst später, nach deren Abzug hat sich das Wort für Jugoslawen, bzw. den Bewohnern des Balkans und auch oft als Bezeichnung für Ausländer allgemein, eingebürgert. Es »[...] kommt vom serbischen "tschuesch" (="hörst Du?") und stammt aus der Zeit der Monarchie, als Serben beim Eisenbahnbau eingesetzt wurden. [...] Das Wort ist in verschiedenen Sprachen mit der Bedeutung "fremd" zu finden. [...] Die abwertende Verwendung des Wortes hat sich erst im Laufe der Zeit ergeben. [...]«
    Aus: www.ostarrichi.org, Österreichisches Wörterbuch