Willkommen in Französisch-Polynesien (F)

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Ländername: Französisch-Polynesien (Polynésie française)
Hauptstadt: Papeetee (Tahiti)
Status: Pays d'autre-mer seit 2003 (erweiterte Autonomie seit 1996); Tahiti seit 1842 französisch - Parlament (Assemblée territoriale) mit 57 Mitgliedern, Wahl alle 5 Jahre - 2 Vertreter in der Nationalversammlung und 1 im Senat
Staatsoberhaupt: Staatspräsident von Frankreich, vertreten durch eine Hochkommissarin
Regierungschef: Präsident von Französisch-Polynesien
Fläche: 4167 km²; 5 Archipele mit 120 Inseln: Archipel de la Societé (Gesellschaftsinseln): Tahiti 1042 km², Moorea 132 km², Maiao 10 km², Mehetia 2,3 km², Tetiaroa (Iles du vent); Raiatea, Tahaa, Huahine, Bora Bora, Maupiti und 4 kleine Atolle 452 km² (Iles sous le vent); Archipel des Tuamotu: 78 Atolle, 774 km²; Archipel des Marquises 1274 km²; Archipel des Gambiers 36 km²; Archipel des Australes 174 km²; Clipperton 7 km², unbewohnt (untersteht der Regierung Französisch-Polynesiens, ist nicht Teil des Territoriums)
Bevölkerung: 245.405 Einwohner (nach letzter Zählung 2002); 277.293 (geschätzt für Juli 2013) 83% Polynesier und Mischlinge, 12% Europäer, 5% Asiaten
Sprachen: Französisch und Tahitisch; polynesische Sprachen
Religion: 54% Protestanten, 38% Katholiken u.a.
Nationalfeiertag: 14. Juli (Tag der Bastille, 1789)

Geschichte und Situation

Die östlichen Inselgruppen Polynesiens bilden das französische Überseeland Französisch-Polynesien (Pays d'outre-mer de la Polynesie Française ). Die über eine Meeresfläche von rund 5 Millionen km² verstreute Inselwelt besteht aus fünf Archipelen - den Gesellschaftsinseln mit Tahiti, den Marquesas-, den Gambier- und Tubuai-Inseln (auch Australinseln) sowie den flachen Riffen und Atollen des Tuamotu-Archipels.
Fernão de Magalhães (Ferdinand Magellan, um 1480-1521) lief als erster Europäer im Jahre 1521 eine Insel des späteren Französisch-Polynesien an. Tahiti wurde verhältnismäßig spät, dafür jedoch gleich zweimal entdeckt. Zuerst von Samuel Wallis (um 1728-1795), der die Insel 1767 für die britische Krone in Besitz nahm und ein Jahr später von Antoine de Bougainville (1729-1811), der in Unkenntnis der Besitzverhältnisse die Insel für Frankreich reklamierte. 1843 erklärte Frankreich die rund 130 Inseln zu Protektoraten.
Von 1881 an gehörten die Inseln zur Kolonie Französisch-Ozeanien, bis sie 1959, ebenso wie Neukaledonien sowie die zwei Inselgruppen Wallis und Futuna, in ein französisches Überseeterritorum übergingen.
In Papeete, dem Hauptort Tahitis, verwaltet ein Hochkommissar aus Frankreich in Gemeinschaft mit einer parlamentarischen Volksvertretung, die sich aus 41 Vertretern mehrerer Parteien zusammensetzt, die Geschicke der Inseln. 1996 wurde die innere Selbstverwaltung vor allem durch den Ausbau wirtschaftlicher Rechte erweitert. 1958 entschieden sich 62% der stimmberechtigten Insulaner, die 1945 die französische Staatsbürgerschaft erhielten, bei Wahlen gegen die Unabhängigkeit und für den Verbleib bei Frankreich. Zwei Abgeordnete vertreten das Überseeland in der französischen Nationalversammlung.
Doch ihr Einfluss war zu gering, um den Protest der Bewohner gegen die von Frankreich seit 1966 im Gebiet Französisch-Polynesiens unternommenen Atombombenversuche durchzusetzen. Diesen Protesten schlossen sich auch Neuseeland und Australien, Chile, Peru und Ecuador an. Doch französische Wissenschaftler versicherten wiederholt, dass von diesen Kernwaffentests keinerlei Gefahr für die Inselbewohner ausgehe.

Ab 1974 wurden die Atomtest unterirdisch innerhalb des Sockels der Atolle von Mururoa und Fangataufa (Tuamotu-Archipel) durchgeführt. Die letzten der insgesamt 160 Atombombenversuche fanden 1995/96 statt; danach schloss die französische Regierung das Testgelände.
Französisch-Polynesien nimmt über das Mutterland am Europäischen Binnenmarkt teil, wobei es aber nicht Teil der EU ist. Seine Bürger sind zwar EU-Bürger und dürfen bei EU-Parlamentswahlen ihre Stimme abgeben. Die sonst für EU-Bürger geltende Arbeitsplatzregelung gilt hier jedoch nicht. Französisch-Polynesien ist in hohem Maße von Einfuhren (meist aus Frankreich), Subventionen und dem Tourismus abhängig. Diese "privilegierte" Stellung machte das Überseeterritorium (bis 2004, seitdem Überseeland mit erweiterter Autonomie) zwar zu einem der wohlhabendsten Gebiete in Ozeanien, allerdings zum Preis großer sozialer Unterschiede und einer weit verbreiteten Unterbeschäftigung.

Zu den Folgeerscheinungen der Atomversuche zwischen 1966 und 1974
Das epidemiologische Institut für Krebsforschung stellte Anfang August 2006 Forschungeergebnisse vor, die den eindeutigen und direkten Zusammenhang zwischen den Atomversuchen auf den polynesischen Atollen zwischen 1966 und 1974 und dem Auftreten von Schilddrüsenkrebs unter der polynesischen Bevölkerung bestätigen. 1994 und 1997 hatte es eine solche Kausalität noch abgestritten und damit die offizielle Beteuerung gestützt, die Atomversuche seien "sauber und gefahrlos" gewesen. Im Februar 2006 hatte ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Überseedepartements einen ersten umfassenden Forschungsbericht präsentiert, in dem diese These widerlegt wurde (Aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.190).

Gesellschaftsinseln
Die bedeutendste und bekannteste Inselgruppe Französisch-Polynesiens sind die Gesellschaftsinseln (Archipel de la Societé) mit der größten Insel Tahiti.
Hier, im geographischen Zentrum Polynesiens, liegt nicht nur das heutige Handels- und Gewerbezentrum Französisch-Polynesiens, von hier gingen auch die wichtigsten Ausstrahlungen polynesischer Kultur aus. Der englische Seefahrer James Cook (1728-1779) erforschte die Inseln im Jahr 1769 und benannte den Archipel nach seinem Auftraggeber, der Königlich-Britischen Gesellschaft der Wissenschaften.
Je nach ihrer Lage zum Südostpassat sind sie in die "Inseln über dem Winde" und in die "Inseln unter dem Winde" aufgeteilt. Das Klima ist feucht-tropisch mit geringfügig schwankenden Monatstemperaturen um 26°C. Der stetig wehende Südostpassat bringt den Luvseiten besonders in den Monaten Dezember bis Februar reichlich Niederschlag.

Die Vegetation ist je nach Bodenbeschaffenheit, Regenmenge und Höhenlage sehr unterschiedlich. Auf den durchlässigen Kalksteinböden der Koralleninseln wachsen hauptsächlich Kokospalmen. Das Spektrum der Pflanzenwelt auf den gebirgigen Vulkaninseln reicht von Brotfruchtbäumen und Kokospalmen an den Küsten über üppigen tropischen Regenwald bis zu dichten Farnwäldern in den höheren Lagen.

Mit der Ankunft der Europäer und der Bekehrung zum christlichen Glauben veränderte sich die stark hierarchisch gegliederte Gesellschaft und ihre traditionelle Kultur. Heute besteht die Bevölkerung, wie auch auf den anderen Inselgruppen, etwa zu zwei Dritteln aus Polynesiern. Rund ein Achtel sind Franzosen und etwa 15% Mischlinge. Der Rest entfällt auf Chinesen und Inder, die als Händler oder Geschäftsleute tätig sind.
Weit über die Hälfte der über 270.000 Bewohner Französisch-Polynesiens lebt auf Tahiti, davon ein großer Teil in der Hauptstadt Papeete. Sie sprechen das vokalreiche Tahitianisch, das den Dialekten der Hawaiianer, der Samoaner und der Maori auf Neuseeland verwandt ist.
Immer mehr verdrängt der westliche Lebensstil die polynesischen Traditionen. Auf Tahiti und seinen touristisch erschlossenen Nebeninseln Moorea und Bora-Bora werden die rot-weiß leuchtenden, blumengemusterten Hüfttücher, die "Pareos", heute mehr von Touristen als von Tahitianern getragen. Die traditionellen Auslegerboote findet man als Museumsstücke vor Hotels aufgestellt. Das ursprüngliche Polynesien liegt meist auf einer fernen, unbekannten Nebeninsel, auf der es weder Hotels noch Kinos, bestenfalls eine Krankenstation und Missionsschulen gibt.

Die anderen Inseln Französisch-Polynesiens
Den nördlichen Teil des Uberseegebiets bilden die 13 Marquésas-Inseln (Îles Marquises) mit einer Fläche von 1274 km² und etwa 7500 Einwohnern. Sie wurden im 3. Jahrhundert v. Chr. von Polynesiern besiedelt. Zu den größten der bis zu 1232 m hohen (Potianui auf Uapou) Vulkaninseln mit ihren schroffen Steilküsten gehören Nuku Hiva (Nordwestgruppe) und Hiva Oa (Südostgruppe); dort verbrachte der französische Maler Paul Gauguin (1848-1903) seine letzten Lebensjahre. Der Chansonier Jacques Brel lebte hier von 1975 - 1978. Der Kettenraucher Brel, der 1978 im Alter von 49 Jahre in Paris an Lungenkrebs verstarb, fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof von Atunoa unweit der Grabstätte von Paul Gauguin. Seinen letzten Chanson - Les Marquises - widmete er dieser Inselgruppe.

Die ersten Europäer, Spanier, landeten 1595 auf den Inseln, die später Walfangstützpunkte waren und 1842 in den Besitz Frankreichs übergingen.
Auf den 45 bewohnten von insgesamt 80 Atollen des Tuamotu-Archipels (Fläche: 774 km²) leben rund 12.000 Menschen; er erstreckt sich in zwei Ketten über 1500 km nordöstlich der Gesellschaftsinseln. Hauptinsel ist Rangiroa. Südöstlich schließen sich die neun Gambier-Inseln (rund 600 Einwohner) an; sie sind auf drei Seiten von einem Korallenriff umgeben. Hauptinsel ist Mangareva. Vulkanischen Ursprungs sind die meisten Tubuai-Inseln 600 km südlich der Gesellschaftsinseln. Fünf von ihnen sind bewohnt; die 7000 Einwohner leben überwiegend auf Rurutu und Tubuai, erste Anlaufstation der von Tahiti geflohenen legendären Meuterer der "Bounty".

Tahiti
Tahiti, die größte Insel Französisch-Polynesiens, ist für viele Menschen der Inbegriff der Südseeromantik. Die von Korallenriffen umgebene, malerische Insel besteht aus zwei erloschenen Vulkanen, die zwei rundliche Halbinseln bilden und durch eine schmale Landenge miteinander verbunden sind. Die Gipfel, mit dem 2241 m hohen Mont Orohena, sind meist von einem Wolkenkranz umgeben. Das Innere der Insel ist ein unwegsames, unbewohntes Bergland mit zerklüfteten Bergen und Hügeln. Auf den zum Meer abfallenden Bergrücken wuchert üppigste Südseeflora. Häufige Regenschauer, besonders zwischen Oktober und Mai, berieseln die Täler, in denen die Nahrung der Eingeborenen - Yamswurzeln und Maniok, Süßkartoffeln und Riesenrettiche, Bananen und Brotfrucht - in tropischer Fülle gedeiht. Das Meer versorgt die Tahitianer mit Seegetier aller Art, von Thunfischen bis zu Krabben und Kraken.

Der immerwährende Sommer - im Durchschnitt schwankt die monatliche Temperatur nur geringfügig um 26°C - erlaubt es den Insulanern, fast zu jeder Jahreszeit zu pflanzen und zu ernten. So können sie gewissermaßen von der Hand in den Mund leben. Aus den Blättern und Stämmen des Pandanusbaumes bauen sie ihre Hütten, sie trinken Kokosmilch und baden an den zahlreichen Wasserfällen. Man sieht kupferfarbene Frauen und Männer mit Hibiskus- und Bougainvilleablüten im schwarzen Haar oder hinter dem Ohr, nur mit einem "Pareo", einem bunten Hüfttuch, bekleidet.

Dieses einfach anmutende, naturverbundene Leben der Insulaner, die ihre materiellen Bedürfnisse auf das Nötigste beschränken und ihre Zeit anstelle mit Handel und Geschäften lieber mit Freude und Muße verbringen, erschien den Matrosen, die im 18. Jahrhundert mit den Entdeckern nach Tahiti kamen, wie das irdische Paradies. Sie ließen sich von der Schönheit und dem Charme seiner Bewohner verzaubern und glaubten, dass kein Gesetz das Leben auf der Insel einschränken würde. Doch bei Ankunft der Europäer bestand auf der Insel eine ausgeprägte hierarchische, nach den Regeln des Kastenwesens gegliederte Gesellschaft, angeführt von den Häuptlingen.
In der Inselhauptstadt Papeete ist heute von dem einfachen Leben der Insulaner nicht viel zu spüren. In mehrstöckigen Betonhäusern haben sich ausländische Handelsfirmen, Behörden, Supermärkte und Boutiquen eingerichtet. Autos verstopfen zu Stoßzeiten die Straßen, Mopeds verpesten die Luft.

An den aus Vulkanerden bestehenden, schwarzsandigen Strandabschnitten bei Papeete trifft man auf die Verbotsschilder privilegierter Villenbesitzer und des französischen Militärs. Ihre Anwesenheit erklärt sich aus der Geschichte der Insel, die seit 1843 französisches Protektorat war und 1959 in das neukonstituierte Überseeterritorium Französisch-Polynesien überging.
Auf einer Inselrundfahrt kann man Tahiti noch von seiner ursprünglichen Seite kennenlernen. Man kommt in das Reich der Orchideen und Weihnachtssterne, der Hibiskus- und Vanilledüfte und zu stillen Lagunen mit smaragdgrünem Wasser. Das Picknick unter Palmen und die Siesta unter Fischern gehören ebenso dazu wie ein Abstecher zu Grotten und Wasserfällen, der Gang durch die Bambusalleen des botanischen Gartens von Papeari und der Besuch des Gauguin-Museums. Der französische Maler Paul Gauguin (1848-1903) hat in bewusster Abwendung von der modernen Zivilisation auf Tahiti gelebt.
Die Fahrt über die gut hundert Kilometer lange Küstenstraße wäre ein ungetrübtes Vergnügen, wenn man nicht wiederholt Menschen begegnete, die von Lepraleiden und von der Elefantiasis entstellt sind. Man würde unbekümmert im Meer schwimmen, gäbe es nicht Haie und den zwischen spitzem Korallengestein lauernden Drückerfisch mit seinen gefährlichen Rückenstacheln. Auch im vermeintlichen Paradies der Südsee birgt die Schöpfung Gefahren, kann die Natur furchterregend sein.

Bevölkerung
Die meist aus Frankreich stammenden Europäer, die Chinesen, die überwiegend im Handel und in der Wirtschaft tätig sind, und die Eingeborenen leben mehr neben- als miteinander. Die einen können sich nicht die Haut des westlichen Leistungsmenschen abstreifen, den anderen ist Ehrgeiz und das Streben nach materiellen Reichtümern eher fremd. Die Seelenruhe der Polynesier sei Gleichgültigkeit, sagen langansässige Europäer. Manche sehnen sich nach Europa zurück. Andere hingegen verfallen den Reizen Polynesiens - den Farben und Düften der Natur, den Tänzen und Gesängen, den anmutigen Bewegungen der Menschen und ihrem unkomplizierten Lebensstil.
Ein jüngeres Problem der Inselwelt ist, dass sich viele Polynesier - ähnlich wie in mitteleuropäischen Ländern und in den USA - immer mehr zu fetthaltigen, ungesunden Speisen hingezogen fühlen und - Dank McDonalds und Co - zu dick und deshalb stärker als in früheren Jahren für Krankheiten anfälliger geworden sind.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.448 ff.



www-Links



Frankreich
CIA - World Factbook - French Polynesia
Jane's Tahiti Home Page
French Polynesia News - Topix
Languages of French Polynesia
Des Magiers Homepage - Jacques Brel
Jacques Brel - Wikipedia
Hiva Oa

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