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Die okkulte Seite Uruguays:
Umbanda und Voodoo

Geschrieben von Manfred Burger
Sonntag, 11. Oktober 2009

Hexerei und schwarze Magie sind zentrale Elemente des uruguayischen Alltags, wichtiger noch als Mate-Tee, Asado, Fußball und José Artigas.
Die skeptischen Uruguayer sagen dazu: "Ich glaube nicht daran, aber was es gibt, das gibt es." ("Yo no creo, pero que las hay, las hay.") Soweit die Skeptiker.
Die weniger Skeptischen, und das sind grob geschätzt 95% der uruguayischen Bevölkerung, konsultieren regelmäßig Hellseher, Geistheiler und Voodoo-Priester, was nicht heißt, daß die "Skeptiker" das nicht auch täten, gelegentlich...
Die meisten Einwanderer und Besucher Uruguays aus der nördlichen Hemisphäre interessiert dieses Thema wahrscheinlich herzlich wenig. Schließlich ist man ja ein aufgeklärter und moderner Mensch, der 'primitive' Anschauungen wie Naturreligionen und Aberglauben evolutionstechnisch weit hinter sich gelassen hat.

Der Autor dieses Artikels, ich, kam 1992 mit einem absolut klaren Weltbild nach Uruguay, das von (Natur)Wissenschaft, Logik und gesundem Menschenverstand geprägt war. Dieses Weltbild wurde hier durch konkrete Erfahrungen gründlich aus den Angeln gehoben, oder, um es positiv zu formulieren: Es wurde erweitert - mit der Brechstange, denn ich habe um diese 'Erweiterungen' nicht gebeten. Mir wäre mein klares, einfaches und rationales Weltbild von vorher lieber gewesen.

Herkunft und Wesen der Umbanda-Religion

Umbanda ist eine brisante Mischung aus afrikianischer Naturreligion, indianischem Schamanismus, katholischem Heiligenkult, spiritistischen Praktiken (v.a. nach Alain Kardec) und einigen metaphysischen Lehren (v.a. nach Conny Méndez). Entstanden ist die Umbanda im kulturellen Schmelztiegel Brasiliens, im Umfeld der afrikanischen Negersklaven bzw. deren Nachkommen, wo all die erwähnten Elemente zusammen kamen und einen idealen Nährboden für die Entstehung einer solchen Religion bildeten.

1908 entstanden (s.u.), hat sich die Umbanda-Religion Anfang des 20. Jahrhunderts in den städtischen Zentren Südostbrasiliens etabliert und dann von dort aus in der ganzen Region ausgebreitet. Das heutige Zentrum der Umbanda-Religion und verwandter Kulte ist das brasilianische Bahía, aber Uruguay steht dem, was die Durchdringung der Bevölkerung mit diesem Kult angeht, nicht weit nach.

Nach umbandistischem Selbstverständnis hat das Geistwesen "Sieben Kreuzzüge" (Caboclo "Siete Encrucijadas") über sein Medium Zélio Fernandino de Moraes am 15. 11. 1908 in Río de Janeiro der Menschheit die Prinzipien der Umbanda-Religion durchgegeben.

Das Wort "Umbanda" kommt nach dem Selbstverständnis dieser Glaubensrichtung aus dem Sanskrit und bedeutet in etwa "Göttliches Prinzip", "Verbindung mit Gott", so der erste spiritistisch-umbandistische Kongreß ("Primer Congreso de Espiritismo de Umbanda"), veranstaltet im Oktober 1941 in Río de Janeiro.

Die Essenz der umbandistischen Praxis sind

  • Geisterbeschwörungen (Invokationen von Verstorbenen und sog. Geistwesen),
  • Inkorporationen (Adepten der Umbanda-Religion nehmen Geistwesen vorübergehend in sich auf und verleihen ihnen Körper und Stimme) und
  • schwarzmagische Rituale, verbunden mit Tieropfern (meist Hühner, aber auch Katzen, Ziegenböcke und andere Lebewesen) und anderen Opfergaben (Alkohol, Tabak, Lebensmittel und Anderes).

Voodoo und Umbanda: dieselben Wurzeln

In Lateinamerika und der Karibik gibt es verschiedene Kultformen afrikanischen Ursprungs. "Voodoo", "Santería", "Batuque", "Candomblé", "Umbanda", "Macumba" usw. sind nichts weiter als verschiedene Ausdrucksformen von Ein und Demselben (siehe z.B. www.macumba.de). All diese Kulte haben ihren Ursprung, ihre tiefste Wurzel in der Religion der Yoruba, eines westafrikanischen Volksstammes mit Hauptsiedlungsgebiet im heutigen Nigeria, und das heißt: im Voodoo (vgl. dazu die Wikipedia-Einträge über die Religion der Yoruba und Voodoo).

Die 'schwarze Linie' der Umbanda wird "Kimbanda" genannt (auch "Quimbanda"), was zu übersetzen ist mit Satanskult und schwarze Magie, mit der für nicht legitime Ziele gearbeitet wird. Zur Kimbanda bekennt sich natürlich niemand, denn gemäß ihrer Selbstdarstellung sind alle Umbanda-Priester/innen selbstverständlich 'weiß', d.h. sie arbeiten für das 'Gute'.

Spontan fragt man sich natürlich, wie eine so 'gute' Religion wie die Umbanda überhaupt eine 'schwarze' Linie haben kann. Kann man sich beispielsweise eine 'schwarze Linie' des Buddhismus vorstellen?

Die Ausbreitung der Umbanda-Religion in Uruguay

Umbanda ist Volkskultur

Die Umbanda ist mit der uruguayischen Geselschaft auf das Engste verwoben. Der mit zahlreichen Heiligen und Marien-Jungfrauen hier nach wie vor prosperierende Katholizismus steht dazu nicht im Gegensatz, sondern bildet eher eine Art Nährboden für diese Art von Kult. [...]

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