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Offizieller Name: Republik Guinea
Hauptstadt: Conakry
Fläche: 245.857 km²
Landesnatur: Flache, regenwaldbestandene Küstenebene, im NO anschließend Bergland der Oberguineaschwelle, im Inneren Feuchtsavannen, im Grenzgebiet zu Mali Trockensavannen
Klima: Feucht-heißes, tropisches Klima
Hauptflüsse: Niger, Konkouré, Tinkisso, Sankarani
Höchster Punkt: Mount Nimba 1752 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Präsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 4 Supra-Regionen, 30 Regionen und Hauptstadtdistrikt
Parlament: Parlament mit 114 für 4 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 2. Oktober
Einwohner: 7.360.000 (1999); 10.211.437 (geschätzt Juli 2008); darunter Fulbe 39,0%, Kissi 6,0%, Kpelle 5,0%, Malinke 23,0%, Sonstige 16,0%, Sussu 11,0%
Bevölkerungsdichte: 30 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 33% (1999)
Analphabetenquote: 58% (1999)
Sprache: Französisch (Amtssprache), Fulfulde, Malinka u.a.
Religion: Moslems 85%, 2% Christen, 13% sonstige und traditionelle Religionen
Importgüter: Erdölprodukte, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge, Nahrungsmittel, Investitionsgüter, Konsumgüter aller Art
Exportgüter: Bergbauprodukte (Aluminiumoxid, Bauxit, Gold, Diamanten), Kaffee, Bananen, Fisch und Fischprodukte
Rund fünfhundert Jahre nach seiner Entdeckung durch den Portugiesen Juan Perez wurde Guinea 1958 eine unabhängige Republik.
Archäologische Funde beweisen, dass Teile des Gebiets ursprünglich von Pygmäen besiedelt waren, die jedoch von einwandernden Mande-Gruppen in die unwegsameren Regionen vertrieben wurden. Im Mittelalter war Guinea mit den großen Reichen des westlichen Sudan, Ghana und Mali, verbunden, deren Reichtum auf den Goldfunden im Unterlauf des Faleme im Fouta-Gebirge beruhte.
Vor der europäischen Kolonisation hatten von Norden eindringende islamisierte Fulbe um Fouta Djalon ein Reich gleichen Namens gegründet. Mit dem ersten "Heiligen Krieg" (1725) wurde die Vorherrschaft der Patoralisten (nomadisierende Viehtreiber) über die zentrale Bergregion Guineas gefestigt. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es an der Küste zu ersten Niederlassungen der Franzosen. Bei ihren Vorstößen ins Landesinnere trafen sie auf ein hochorganisiertes, von Samori Touré (um 1835-1900) gegründetes Reich, das außer weiten Teilen des heutigen Guinea auch Teile von Mali und der Elfenbeinküste umfasste.
Tourés Widerstand konnten die französischen Kolonialtruppen erst 1898 brechen. Unter dem Namen Französisch-Guinea wurde die Kolonie 1904 Französisch-Westafrika angeschlossen, bis sie 1946 in ein französisches Überseedepartement umgewandelt wurde. |
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Die reiche geschichtliche Tradition war dank der mündlichen Überlieferung noch im Volksbewusstsein gegenwärtig, als der Gewerkschaftsführer Sékou Touré (1922-1984) im Jahr 1947 die "Parti Démocratique de Guiné" (PDG) gründete.
Als einzige französische Kolonie entschied sich Guinea in einem Referendum 1958 mit großer Mehrheit gegen das Angebot von General de Gaulle, mit einer Teilautonomie in der "Communauté Française" zu verbleiben. Sékou Touré, der erste Staatspräsident des Landes, prägte den Satz: "Lieber in Armut frei als reich und Sklave." |  |
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Guinea nach der Unabhängigkeit
Frankreich gewährte Guinea zwar die sofortige Unabhängigkeit, versuchte aber, die neue Republik politisch und wirtschaftlich zu isolieren, stellte jede finanzielle und personelle Hilfe ein, zerstörte die gesamte Infrastruktur und zog alles, bis zum sprichwörtlichen letzten Wasserhahn, aus dem Land.
Das so von Frankreich geschaffene Nichts löste die zeitweilige Hinwendung zu sozialistischen Staaten aus. Dennoch versuchte Touré einen politisch eigenständigen Weg zu gehen, beteiligte sich an der Gründung der "Organisation für die Einheit Afrikas" und zählte zu den führenden Mitgliedern der blockfreien Staaten.
Das von Touré als reaktionär erachtete Häuptlingstum wurde abgeschafft und durch die Alleinherrschaft der PDG ersetzt, gesichert vom Geheimdienst, wodurch über Jahre mehr als ein Drittel der Einwohner Guineas in die Nachbarländer getrieben wurde. Von dort aus unternahmen die Führer der Exilgruppen, unter anderem mit französischer und portugiesischer Unterstützung, immer wieder Versuche, Touré zu stürzen. Er reagierte seinerseits mit einer "Radikalisierung der Revolution". Den damit einhergehenden blutigen Säuberungskampagnen, den Verhaftungen, Folterungen und Hinrichtungen fielen zahlreiche Politiker des eigenen Landes zum Opfer. |
Die Auswüchse der Einparteien-Diktatur drängten Guinea immer stärker in die politische Isolation, und die sich verschärfende wirtschaftliche Situation führte im Jahr 1978 zum "Aufstand der Marktfrauen". Danach begann Touré nicht nur eine allmähliche Liberalisierung der Wirtschaft, sondern normalisierte auch die Beziehungen zu Frankreich und zu den afrikanischen Nachbarstaaten. 1984 starb der islamisch geprägte Sozialist Touré in einem amerikanischen Militärhospital.
Nur wenige Tage nach seinem Tod putschte das Militär, das ihm fast drei Jahrzehnte treu gedient hatte, und entmachtete die Staatspartei. Unter dem ebenfalls von Putschversuchen heimgesuchten Lansana Conté (* 1934 † 2008) wurde für eine Übergangszeit ein "Militärkomitee für den Nationalen Wiederaufbau" (CMNR) gebildet, das berüchtigte Foltercamp von Boiro geöffnet, politische Häftlinge wurden freigelassen, die Wirtschaft wurde weiter liberalisiert, und die Beziehungen zu Frankreich wurden noch enger gestaltet. Doch das Land leidet auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch an den Folgen langjähriger staatlicher Misswirtschaft und an fehlenden Investitionen. Nach der neuen Verfassung, die 1991 in Kraft trat, ist Guinea eine Präsidialdemokratie. Auf Basis dieser Verfassung konnten 1995 freie Wahlen stattfinden.
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Das Land
Der weitaus größte Teil der Republik Guinea wird von den westlichen Eckpfeilern der Oberguineaschwelle eingenommen: dem Fouta Djalon und dem Liberianischen Schiefergebirge oder Guineahochland. Dem gebirgigen Inneren ist eine 50 bis 90 km breite Küstenebene vorgelagert, deren flache Uferzone bis auf wenige Ausnahmen von Mangroven und sumpfigen Lagunen durchsetzt ist, denen Nehrungen und Sandbänke vorgelagert sind.
Aus der Küstenebene erhebt sich in Stufen das um 1500 m hohe Tafelland von Fouta Djalon, das größte Hochlandgebiet Westafrikas. Als Hauptwasserscheide ist das Sandsteinplateau Quellgebiet zahlreicher Flüsse. Mit zum Teil steilen Schichtstufen, die die Flüsse durchschneiden und dabei zahlreiche Wasserfälle und -schnellen bilden, bricht das Massiv zu den Flachländern im Westen und Norden ab; süd- und ostwärts läuft es allmählich in die Hochebene der Oberguineaschwelle aus. In der südöstlich gelegenen Waldregion wird das Guineahochland von einzelnen Inselbergen, wie dem Mount Nimba, überragt. |  |
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Guinea liegt im Bereich der tropisch-subtropischen Klimazone. Während der Regenzeiten dringen niederschlagsreiche Luftmassen vom Atlantik ins Land, die von den Hochlandgebieten aufgefangen werden und in der Küstenebene, am Westabfall des Fouta Djalon und im Südosten Guineas abregnen. Landeinwärts wird das sommerfeuchte Klima trockener. Weite Teile des Landes werden von Feuchtsavanne bedeckt. Sie geht im Grenzgebiet zu Mali in Trockensavanne über. In der Trockenzeit von Dezember bis April weht aus der Sahara ein heißer, trockener Wind, der Harmattan. Er lässt die ohnehin hohen Temperaturen auf Werte um 40 °C ansteigen. |
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Bevölkerung
Die Bevölkerung Guineas ist sehr unterschiedlich verteilt. Den Städten, dem Gebiet des Fouta Djalon, der südlichen Waldregion und der Provinz Gueckedou-Kankan als Hauptsiedlungsraum stehen weite, ausgesprochen menschenarme Landstriche gegenüber.
Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung ist sehr vielschichtig. Die Fulbe, die als viehzüchtende Halbnomaden wenig Respekt für die nationalstaatlichen Grenzen zeigen, haben rund 30% Anteil an der überwiegend islamischen Bevölkerung. Weitere wichtige, eher sesshafte und Ackerbau betreibende Völker sind die Angehörigen der Mandingo-Gruppe: Malinke 30%, Sussu 15% und Kissi 6,5%. Seit der politischen Liberalisierung des Landes Mitte der 1980er Jahre ist die Zahl der Franzosen und Libanesen, die überwiegend das Wirtschaftsleben in den Städten bestimmen, wieder gestiegen. Die Amtssprache Französisch bietet häufig die einzige Verständigungsmöglichkeit, da jede stammesmäßig organisierte Gruppe ihre eigene Sprache hat. |
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Wirtschaft
Obwohl Guinea dank seiner reichen Bodenschätze und der vorhandenen Wasserkräfte gute Voraussetzungen für eine Industrialisierung besitzt, leben heute noch rund 85% der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Der Anbau von Feuchtreis im Küstengebiet sowie von Trockenreis, Hirse und Mais im Binnenland gewährleisten schon seit langem nicht mehr die Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln. Der staatliche Export landwirtschaftlicher Produkte, wie Bananen, Ananas oder Kaffee, ist praktisch zur Bedeutungslosigkeit abgesunken. Im Bergland halten sich die Menschen zur eigenen Versorgung Rinder, Ziegen und Schafe; an der Küste betreiben sie Fischfang (Thunfisch).
Export, Devisen- und Staatseinkommen werden seit Anfang der 1960er Jahre zu weit mehr als 80% durch das von ausländischen Unternehmen geförderte Bauxit bestimmt, das in der "Friguia Companie Fria" zu Tonerde veredelt wird. Guinea gehört neben Australien zu den weltweit größten Bauxit-Exporteuren. |
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Pläne für die weitere Erschließung der riesigen Eisenerz-Vorkommen bei Mount Nimba im Grenzgebiet zu Liberia - über dessen Erzbahn sie auch einmal exportiert werden sollen - wurden zurückgestellt. Die im Lande gefundenen Diamanten werden auch heutzutage größtenteils ohne jede staatliche Kontrolle auf den Weltmarkt geschmuggelt.
Das bei westlichen Industrieländern hoch verschuldete Guinea hat sich 1984 unter der Militärregierung vom Staatssozialismus abgewendet und betreibt konsequent den Wandel zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung. |
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Dem Diktat des Weltwährungsfonds folgend, wird der Staatsapparat drastisch beschnitten und der staatliche Rückzug aus den meisten Wirtschaftsbereichen zugunsten einer starken Beteiligung privater Unternehmen eingeleitet. Die wirtschaftliche Entwicklung verlief in den letzten Jahren mit jährlichen Wachstumsraten um 4% zufriedenstellend, so dass sich die internationalen Geldgeber zu neuen Krediten und zu großangelegten Umschuldungsmaßnahmen bereit erklärten. Die Unterentwicklung der Infrastruktur - von Straßen und Hotels - machen selbst den Ansatz eines modernen, devisenbringenden Fremdenverkehrs schwierig. Dabei bietet Guinea mit seiner kunsthandwerklichen Tradition und seiner reizvollen Landschaft viele Attraktionen.
Entwicklungen
Präsident Conté, Machttaktiker auf Verfassungsbasis mit 46 Oppositionsparteien und einer mächtigen Polizei, tritt öffentlich nur noch auf Wahlplakaten in Erscheinung ("Das Phantom von Conakry"). Das rohstoffreiche Land leidet unter Korruption, Gewalt und Regierungswillkür. Im Januar 2006 entging Conté einem Mordanschlag.
» [...] Der schwer kranke Präsident Lansana Conté, der das Land seit 23 Jahren autokratisch regiert, geriet [...] zunehmend unter Druck. Ein von den beiden größten Gewerkschaftsverbänden organisierter Generalstreik legte ab dem 10.1.2007 über Wochen das gesamte öffentliche Leben lahm. Täglich zogen tausende Anhänger von Gewerkschaften und Oppositionsparteien durch die Straßen der Hauptstadt Conakry und forderten den Rücktritt des Präsidenten [...] Am 22.1. eskalierte die Gewalt, als die Polizei allein in Conakry etwa 20 Demonstranten erschoss und es mehr als 140 Verletzte gab. Unter dem massiven Druck der sich zum Volksaufstand ausweitenden Massenproteste ernannte Conté am 9.2. seinen engen Vertrauten, den bisherigen Minister für Präsidentschaftsfragen, Eugène Camara zum neuen Regierungschef. Die Gewerkschaften und Oppositionsverbände bezeichneten Camara als Marionette Contés, riefen zur Fortsetzung des Generalstreiks auf und forderten den Rücktritt beider Politiker. In mehreren Städten kam es erneut zu Protesten und blutigen Zusammenstößen, binnen zwei Tagen wurden mindestens 23 Personen getötet. Nachdem Conté am 12.2. den Notstand ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt hatte, spitzte sich die Situation weiter zu, sodass der Präsident Camaras Ernennung rückgängig machte und mit dem Diplomaten Lansana Kouyaté einen Konsenskandidaten zum neuen Ministerpräsidenten ernannte. Kouyaté wurde am 1.3. vereidigt und stellte am 28.3. sein Kabinett vor, dem hauptsächlich unabhängige Technokraten angehören. Er versprach, Frieden und innere Sicherheit wiederherzustellen und politische Reformen durchzuführen.
Wenige Wochen nach den Unruhen, die insgesamt mindestens 100 Menschen das Leben gekostet hatten, kam es Anfang Mai zu einer Militärrevolte, bei der sechs Personen getötet und Dutzende verletzt wurden. In Conakry und anderen Städten plünderten marodierende Soldatentrupps Geschäfte und forderten eine seit langem versprochene Erhöhung ihres Solds, verbesserte Arbeitsbedingungen sowie die Entlassung unliebsamer Generäle. Nach dreitägigen landesweiten Straßenblockaden ab dem 10.5. beugte sich Präsident Conté schließlich dem Druck und entließ den Verteidigungsminister, den Armeechef sowie fünf weitere hochrangige Militärs.«
Zitiert aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S.212.
23.12.2008: Präsident Conté ist tot - Militär putscht gegen Regierung
Guineas Präsident Lansana Conté ist nach langer Krankheit gestorben.
»[...] Nach dem Tod des Staatschefs von Guinea, Lansana Conté, hat das Militär einen Putsch verübt. Die Regierung sowie andere Institutionen der Republik seien aufgelöst und die Verfassung außer Kraft gesetzt, teilte ein Armeekommandeur über den staatlichen Rundfunk mit. Journalisten des Radiosenders erklärten, eine Gruppe Soldaten habe sie dazu gezwungen, die Meldung zu verlesen. [...]«
Aus: tagesschau.de (23.12.2008)
24.12.2008: Hauptmann Moussa Dadis Camara übernimmt die Macht
Moussa Dadis Camara, der viele Jahre in Deutschland gelebt hat und dort von der Bundeswehr zwischen 1996 und 2005 zum Elitesoldaten und Hauptmann ausgebildet wurde, ist ab 24.12.2008 bis zum Attentat auf ihn am 3. Dezember 2010 de facto Präsident des Landes.
»[...] Camara ist im Gegensatz zur Mehrheit der Bevölkerung Guineas Christ. Er gehört der Volksgruppe der Guérzé an und entstammt somit keiner der drei großen Ethnien Mandingo, Peul oder Susu, die zumeist in Guinea um die Macht rivalisieren. Er ist verheiratet, hat sechs Kinder [...] und spricht fünf Sprachen: Kpèlé, Susu, Malinké, Französisch und Deutsch. [...]«
Zitiert aus: de.wikipedia.org, Moussa Dadis Camara
Das rote Barett
Moussa Dadis Camara war ab Anfang der 1990er Jahre Zögling des damaligen Staatschefs Lansana Conté. Im Alter von 32 wurde Camara 1996 auf eine Liste für Austauschsoldaten gesetzt, die nach Deutschland zur Ausbildung bei der Bundeswehr dürfen. Von der Bundesregierung erhielt er ein Stipendium, das sämtliche anfallende Kosten abdeckte, einschließlich jene für Unterkunft und Versorgung plus einem monatlichen Taschengeld in Höhe von umgerechnet 400 Euro.
Camaras Lehrgangsprogramm war auf drei Jahre angelegt. In dieser Zeit erlernte er die deutsche Sprache und wurde zum Fachmann für Logistik ausgebildet.
Während seiner Zeit in Deutschland konnte Camara um sich herum ein Netzwerk aus ebenfalls in Deutschland zur Ausbildung lebenden Militärs aus Guinea aufbauen, bei dem Camara eindeutig der Kopf war. Camara hat es verstanden, seine Vertrauten immer enger an sich zu binden. Später bildeten alle Netzwerkmitglieder den Kopf der Militärjunta in Guinea.
Im Oktober 1999 hat Moussa Dadis Camara seinen Abschluss in Dresden gemacht. Er hat die Ausbildung zum Kompaniechef erfolgreich bestanden und ging zurück nach Guinea.
Im Oktober 2004 kehrte Camara für ein weiteres Jahr nach Deutschland zurück. Er machte die Ausbildung zum Hauptmann. Neben einem vierwöchigen Lehrgang zum Einzelkämpfer, nahm er an einem Fallschirmspringerlehrgang teil, der für Camara hohen Symbolcharakter hatte. In Afrika gelten die Fallschirmspringer als Elite.
Nach seiner Ausbildung zum Fallschirmspringer besorgte er sich in einem NATO-Shop das deutsche Fallschirmspringerabzeichen, das er sich auf einem roten Barett einer anderen Armee montierte: das französische Fallschirmjägerbarett mit deutschem Abzeichen. Dieses Zeichen hat er nie mehr abgelegt. Selbst als Junta-Chef ist er immer mit diesem Barett herumgelaufen.
28. September 2009: Protest gegen die Militärjunta - Das Massaker von Conakry
Am Morgen des 28. September 2009 marschierten Zehntausende von Menschen zum nationalen Fußball-Stadion in Conakry, um gegen die Nation Militärjunta zu demonstrieren. Am Anfang war die Stimmung im Stadion wie beim Karneval, mit Gesang, Tanz, Gesang für Freiheit und Demokratie. Die Leute riefen: "Lang lebe die Nation! Ende der Militärherrschaft!" An einem Punkt, hatten sich Dutzende von Demonstranten knieten, um auf dem Spielfeld zu beten.
Zentrum des Protestes war Moussa Dadis Camara, ein früherer Armee-Kapitän, der neun Monate zuvor die Macht in Guinea ergriffen hatte, nur wenige Stunden nachdem der bisherige Staatschef Lansana Conté verstorben war.
Dadis hatte Anfangs versprochen, schnell den Weg frei zu machen für demokratische Wahlen. Es wurde aber bald schon klar, daß er kein Interesse daran hatte, sondern vielmehr eine dauerhafte Militärdiktatur errichten wollte - mit sich selbst als Chef. Auffällig war, dass Dadis Camara anfällig war für heftige Stimmungsschwankungen. Er umgab sich mit einer Gruppe bewaffneter junger Männer, die Presidenten Wachen, auch die Roten Barette genannt.22. Januar 2007:
Bereits im Januar 2007 ließ der damalige Hauptmann Camara auf Geheiß von Präsident Lansana Conté seine Roten Barette auf Demonstranten schießen, wobei mehr als 200 Personen starben. Camara genoss das Vertrauen von Conté.
Im August 2009 hatte Camara angekündigt, dass die Wahlen im Januar 2010 stattfinden würden. Er sagte aber auch, dass alle Mitglieder der herrschenden Junta sich frei fühlen sollte und gehen könnten, wenn sie dies wünschten. Daraufhin beschloss die Opposition zu handeln. In den Tagen vor dem 28. September, dem Jahrestag der Unabhängigkeit Guineas von Frankreich im Jahr 1958, rief die aus Führer politischer Parteien und Gewerkschaften bestehende Koalition "Forces Vives" (Kräfte) ihre Anhänger auf, gegen die Militärjunta zu demonstrieren.
Nach dem fröhlichen Beginn wechselte die Stimmung im Station gewaltig. Nach dem Gebete feuerten rund 1130 Soldaten Tränengas in die Masse, was zu einer Panik unter den Demonstranten führte. Hunderte von Roten-Barett-Soldaten, Spezial-Kräfte der Polizei und Polizisten in Zivil, hatten sich plötzlich vor Ausgänge des Stadions positioniert und Leute am Verlassen des Stadions gehindert. Einige der Camara treuen Kräfte eröffneten dann das Feuer auf die Menge mit Maschinenpistolen. Andere begannen Unschuldiger mit Macheten zu ermorden. Etwa eine Stunde lang zogen Dadis Männer durch die Menge, hackend, schießend und schlagend und töteten dabei mindestens 156 Personen. Außerdem wurden mehr als hundert Frauen beraubt und vergewaltigt, mit Bajonetten, Schuhen, Holzstücken und Gewehrläufe. Ein Opfer, das diesen Terror überlebt hat, sah, wie einem Mädchen, das neben ihm auf dem Boden lag, eine Kalaschnikow in die Vagina gesteckt wurde und dann ermordet wurde.
Außerhalb des Stadions wurde am Nachmittag und die Nacht hindurch Jagd auf Regimegegner oder solche, die dafür gehalten werden, gemacht. Es kam zu regelrechten Gewaltorgien.
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| Internationale Verurteilung des Camara-Regimes
Beweise für das Massaker tauchten schnell in Form von Handy-Videos, Fotos und Zeugenaussagen auf, was die internationale Verurteilung des Camara-Regimes provoziert hat. Camara reagierte mit einer Reihe von defensiven und widersprüchliche Aussagen. Zuerst sagte er, er wäre unfähig gewesen die Gewalt zu verhindern, weil er als "Geisel" der Armee über das was stattfand keine Kontrolle hatte. Ein paar Tage später bestritt er, dass es überhaupt zu einem Massaker gekommen sei.
Bernard Kouchner, der Französisch Außenminister sagte, er glaube, dass Camara hauptverantwortlich für das Vorgehen gegen die Demonstranten im Stadion war und forderte internationale Intervention. Daraufhin beschuldigte Camara Frankreich zusammen mit der Opposition Guineas der Verschwörung gegen ihn und meinte, dass Frankreich immer noch koloniale Ambitionen in Guinea hegen würde.
Am 5. Oktober flog der stellvertretende US-Außenminister für afrikanische Angelegenheiten, William Fitzgerald, nach Conakry zu einem Treffen mit Dadis Camara. Danach erzählte Fitzgerald der Presse, dass der Diktator sich recht offen gab, aber anscheinend vergessen hatte, welche Empörung das Massaker in der Welt ausgelöst hat.
Fitzgerald sagte, er habe Camara gesagt, dass man in Amerika der Ansicht sei, dass Moussa Dadis Camara nicht Präsident sein könne und die Macht abgeben müsse. | |
Die Vereinigten Staaten und der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten verabschiedeten dann ein Waffenembargo gegen Guinea, gleichzeitig kündigten die USA und die Afrikanische Union ein Paket von Sanktionen an, einschließlich einem Reiseverbot und das Einfrieren des Vermögens von Dadis Camara und einigen seiner Mitarbeiter.
Die meisten dieser Maßnahmen wurden rasch von der Europäischen Union übernommen. Bald danach gab Human Rights Watch einen vorläufigen Bericht, in der sie feststellten, dass die Angriffe gegen die Demonstranten im Stadion - bei denen es zu Vergewaltigungen und Morden kam - vorsätzlich waren, und von Präsident Dadis Camara und einigen seiner leitenden Erfüllungsgehilfen angeordnet wurden.
Der UN-Bericht stellt fest, dass »[...] "[...]die Verbrechen, die am 28. September 2009 und in der Zeit danach begangen wurden, als Verbrechen gegen die Menschlichket bezeichnet werden können. Diese Verbrechen gehören zu einem breit angelegten und systematischen Angriff gegen die Zivilbevölkerung. Dahinter stehen die Präsidentengarde sowie verschiedene Polizeieinheiten." Abschließend appelliert die Kommission an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag, gegen die Drahtzieher zu ermitteln - namentlich den Präsidenten Hauptmann Moussa Dadis Camara und den Chef der Nationalen Polizei Generalmajor Mamadouba Toto Camara. Beide wurden jahrelang von der Bundeswehr ausgebildet. [...]«
Zitiert aus: Leichen im Keller, S. 167. |
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November 2010: Attentat auf Camara. Wahlen. Präsident wurde Alpha Condé.
»[...] Alpha Condé gehörte die letzten Jahrzehnte zu den zentralen Oppositionsführern Guineas. Schon unter Sékou Touré wurde er zum Tode verurteilt und musste daher lange Jahre im Exil in Frankreich leben. Später, unter Lansana Conté, kam er ins Gefängnis, weil er es gewagt hatte, gegen ihn bei Wahlen anzutreten.
Kurz nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt im November 2010 kam es zu Straßenschlachten. Das unterlegene Lager wollte das Ergebnis nicht akzeptieren. Die Armee verhängte den Notstand über das Land. [...] Ob sich die Situation trotzdem wieder entspannt, ob sich Alpha Condé diesmal gegen die Junta wird durchsetzen können, ob die Offiziere einen zivilen Staatschef überhaupt akzeptieren werden, lässt sich nicht vorhersehen. Entscheidend wird sein, wie das Massaker vom 28. September aufgearbeitet wird und wer die Verantwortung dafür tragen soll. Freiwillig gehen die Hintermänner der Junta sicher nicht ins Gefängnis. Momentan läuft in Guinea ein Experiment ab - Ausgang offen.
Möglich wurde der politische Umschwung nur, weil der Diktator Moussa Dadis Camara am 3. Dezember 2009 einem Attentat zum Opfer gefallen ist. Sein Leibwächter hatte ihn in den Kopf geschossen, wahrscheinlich weil erfürchtete, als Sündenbock für das Massaker herhalten zu müssen. Camara wurde danach schwer verletzt nach Marokko ausgeflogen, von wo er nach vielen Monaten im Krankenhaus schließlich in Burkina Faso Asyl bekam. Nach Guinea wird er wohl nicht mehr zurückkehren. Dafür wollen die Vereinten Nationen und die USA sorgen, die Druck auf das westafrikanische Land ausüben. Die Bundesregierung hat sich in der Sache bedekct gehalten. Übereinstimmend sagen Afrikaexperten, dass dem Kontinent wohl ein blutrünstiger Diktator vom Format eines Idi Amin erspart geblieben ist. [...]«
Zitiert aus: Leichen im Keller, S. 181 f.
Alpha Condé, vom Volk der Mandinka, trat am 21. Dezember 2010 sein Amt als neuer Staatspräsident an. | 
"Leichen im Keller"
Autor: Markus Frenzel
(April 2011) |
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