Willkommen in Sudan

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Offizieller Name: Republik Sudan
Hauptstadt: Khartoum
Fläche: 2.505.805 km² (davon 1.850.000 km² Nordsudan, 650.000 km² Südsudan)
Landesnatur: Im Zentrum nach N geöffnete Beckenlandschaft des Weißen Nil, im N Nubische und Libysche Wüste, im W Wadai-Dafur-Schwelle mit Jabal Marrah, im SW Asandeschwelle, im S Imatong-Berge, im O Äthiopisches Hochland und Bergland am Roten Meer
Klima: Tropisch. Im N können die Temperaturen im Sommer auf über 50 °C steigen, häufig Sandstürme. Regenfälle sind selten und kurz.
Hauptflüsse: Nil, Weißer Nil, Blauer Nil, Atbarah
Höchster Punkt: Kinjeti 3187 m
Regierungsform: Islamische Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 26 Provinzen
Nationalfeiertag: 1. Januar
Einwohner: 28.855.000 (1999); 40.187.486 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 12 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 36% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 45% (1999)
Analphabetenquote: 43% (1999)
Sprache: Sudanesisches Arabisch, Englisch sowie rund 130 Stammessprachen (nilosaharanische, kuschitische, kordofanische Sprachen)
Religion: Moslems 73%, Christen 9%, Anhänger von traditionellen Religionen
Exportgüter: Baumwolle, Erdnüsse, Sesam, Sorghum, Gummiarabikum, Ölkuchen, Häute


Geschichte

"Bilad al-Sudan", Land der Schwarzen, nannten die Araber jene Gegenden hinter der großen Wüste, aus denen Gold und Elfenbein kamen und fern in den Mondbergen der mächtige Nil entsprang. Jahrhundertelang lockte die Tiefe Afrikas mit sagenhaften Schätzen. Heute dagegen bestimmen Dürre und Flut, Krieg und Hunger die Schlagzeilen. Schwerpunktland deutscher Entwicklungshilfe, scheint der flächenmäßig größte Staat Afrikas ohne ausländische Unterstützung kaum überlebensfähig.
Im Schatten des Pharaonenreiches entfaltete sich ab 1000 v.Chr. in Nubien der Staat Kusch, der am ägyptischen Erbe festhielt, als dieses in Ägypten selbst bereits zerfiel. Von 745-655 v.Chr. saßen die Könige von Kusch sogar auf dem Pharaonenthron. Später verlagerte sich das Zentrum des Reiches nach Süden, wo in Meroë eine faszinierende Synthese aus ägyptischer Tradition, hellenistischer Modernität und nubischer Eigenständigkeit gelang; die meroitische Schrift harrt bis heute ihrer Entzifferung. Während Ägypten und Äthiopien nach dem 2. bzw. im 4. oder 5. Jahrhundert christlich wurden, bewahrte Nubien den Isis-Kult, und als 640 islamische Heere das Niltal eroberten, verteidigte Nubien den eben erst übernommenen byzantinischen Glauben.
Drei christliche Staaten entstanden, die nur langsam, zwischen 1200 und 1500, von arabischen Nomaden und ägyptischen Kaufleuten unterwandert wurden. 1504 gründeten die schwarzafrikannischen Fundsch das Reich von Sannar (Sennar). Zunächst nur oberflächlich islamisiert, holten die neuen Herrscher zu ihrer Unterstützung Missionare aus Arabien, Ägypten und Marokko, die zusammen mit dem Islam die mystischen Bruderschaften und die arabische Sprache einführten. So entwickelte sich im Niltal die typisch sudanesisch-islamische Kultur, die ihr nubisches Gesicht nicht verleugnet, zugleich aber tiefe Bindungen an die übrige islamische Welt empfindet.
Unabhängig von Sannar entstand seit dem 17. Jahrhundert im Westen, am fruchtbaren Marahgebirge, das Sultanat von Darfur, ebenfalls auf Karawanenhandel und Ackerbau gegründet. Dieses zweite große islamische Zentrum im Sudan, das sich jedoch der Arabisierung widersetzte, verlor seine politische Unabhängigkeit endgültig erst 1916 und bewahrt bis heute kulturelle Eigenständigkeit.
Der Südsudan trat dagegen erst im Zuge der Kolonialisierung ins Licht der Geschichte. 1821 hatte der ägyptische Vizekönig Mohammed Ali (1769-1849), der Ägypten zu einer Großmacht europäischen Stils machen wollte, das Reich von Sennar erobert. 1839 ließ er die bis dahin unzugänglichen Sümpfe und Wälder für den Sklavenhandel öffnen. Gewalt und Ausplünderung bestimmten auf Dauer das Bild, das die schwarzafrikanischen Völker des Südens von der Regierung in der neugegründeten Hauptstadt Khartoum (Al-Khartoum) bekamen. Doch auch der Norden litt schwer unter den fremden Steuereintreibern. Gegen die harte Ausbeutung einigte 1885 der Mahdi Mohammed Ahmed (1844-1885) die Völker, vor allem des Nordens unter der Fahne eines geeinigten und erneuerten Islam. Bei der Eroberung von Khartoum wurde der britische Gouverneur, General Charles Gordon (1833-1885), getötet. Europa empfand diesen ersten Erfolg einer antikolonialen Bewegung in Afrika als Affront, den es wieder gutzumachen galt. 1898 fielen bei Omdurman über 10.000 Sudanesen unter dem Kugelhagel britischer Maschinengewehre.
Die britische Kolonialzeit war durch eine effektive und sparsame Verwaltung gekennzeichnet. Baumwollanbau wurde zum Zentrum der Wirtschaftsaktivität, und die Infrastruktur des Landes wurde ganz auf den Abtransport der Baumwolle and Rote Meer ausgerichtet.
1956 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen, fanden sich zwei Landesteile zusammengeworfen, die kulturell entgegengesetzt gepolt und wirtschaftlich verschieden stark entwickelt waren. Diese Spannungen - im Westen oft als religiöse missverstanden - führten sofort zu einem Bürgerkrieg, der erst 1972 beigelegt werden konnte. Aber als General Numeiri (*1930), der den Frieden geschlossen hatte, die Autonomie des Südens aushöhlte und 1983 die islamische Gesetzgebung (Scharia) einführte, griff die "Befreiungsarmee der Völker des Sudan" (SPLA) wieder zu den Waffen. Seither verschlingt der Krieg ein Fünftel der Staatsausgaben und forderte auch unter der Zivilbevölkerung unzählige Menschenleben.
Oft wird in Khartoum der Sudan als Brücke zwischen der arabischen und der afrikanischen Welt dargestellt. Dabei wird allerdings impliziert, die Kultur des Nordens sei der wahre Ausdruck der Verschmelzung der beiden Welten. Die SPLA empfindet das als Bevormundung und kämpft für eine Zurückdrängung des islamischen Einflusses, insbesondere die Abschaffung der Scharia. Khartoum verspricht dem Süden rechtliche Autonomie. Was aber soll mit den nichtmoslemischen Minderheiten im Norden geschehen? Dort lebt inzwischen auch ein Drittel aller Südsudanesen. Arbeitsmigration, Dürre und Krieg haben die ethnische Landkarte durcheinandergeworfen. Die sudanesischen Politiker stehen vor ganz neuen Herausforderungen. Werden diese nicht ernstgenommen, so wird der Zyklus von Militär- und Zivilregierungen weiter anhalten und damit auch eine Beendigung des Bürgerkriegs unwahrscheinlich.
Bei der Unabhängigkeit 1956 erbte der Sudan eine parlamentarische Ordnung nach britischem Muster. Obwohl das Land seither nur zehn Jahre Demokratie erlebte, blieb eine starke demokratische Tradition stets lebendig. Doch der Machtkampf zwischen den beiden größten Parteien, der Umma ("Volkspartei") und der DUP ("Unionisten"), legte alle seit 1956 gewählten Regierungen lahm. Keine inhaltlichen Unterschiede, sondern traditionelle regionale Loyalitäten waren dafür verantwortlich. Seit Beginn der 1980er Jahre boten sich die Fundamentalisten als ideologische Alternative an. Nach dem Sturz Numeiris 1985 gelang keine innenpolitische Stabilisierung. 1989 putschte erneut das Militär. Der neue starke Mann Omar Hassan Ahmad Al Bashir (*1942) begann umgehend mit der Umwandlung des Landes in eine islamische Republik. Dadurch rückte ein Ausgleich mit den Rebellen des Südens in weite Ferne. Auch internationale Vermittlungsbemühungen brachten bis in die heutige Zeit keinen Frieden. Bislang sind fast 4 Millionen Menschen aus den Bürgerkriegsgebieten geflohen. Eine ausreichende Lebensmittelversorgung ist nicht gesichert.

Montag, 14. Juli 2008 --- n-tv.de:
» Der Chefankläger beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, Luis Moreno-Ocampo, hat einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir beantragt. Er beschuldigt ihn des Völkermords an der schwarzafrikanischen Bevölkerung in der Region Darfur. Das geht aus einer in Den Haag veröffentlichten Erklärung Moreno-Ocampos hervor. Danach wirft der Chefankläger Al-Baschir vor, den "ganzen Staat" mobilisiert zu haben, "um die zweieinhalb Millionen Menschen in den Flüchtlingslagern physisch zu vernichten". [...] «

Bürgerkrieg und Friedensprozess

Ende Juli 2005 verunglückte der sudanesischen Vizepräsident und frühere Rebellenchef John Garang tödlich. Daraufhin brachen am 1. August Unruhen in Khartum aus, bei denen mehr als 20 Menschen ums Leben kamen. Mit dem Tod Garangs wurde nun befürchtet, dass die nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg gerade erst begonnene Aussöhnung im Sudan in Gefahr geraten könnte.

Seit Beginn des Bürgerkriegs 1983 kamen im Sudan rund zwei Millionen Menschen ums Leben. Erst im Januar 2005 war nach langen Verhandlungen ein Friedensvertrag zwischen den verfeindeten Parteien erreicht worden. Am 9. Juli war Garang dann als Geste der Aussöhnung der Regierung beigetreten. Beobachter zeigten sich besorgt, dass Garangs Volksbefreiungsbewegung SPLM nun zerbrechen und die Gewalt in dem Land neu entfachen könnte.

Der 60 Jahre alte Garang hatte etwa zwei Jahrzehnte die Rebellenbewegung im längsten Bürgerkrieg des Kontinents angeführt. Der Krieg war ausgebrochen, als die Regierung in Khartum die islamische Rechtsprechung im christlich und animistisch geprägten Süden einführen wollte. Er verschlimmerte sich mit der Entdeckung großer Ölvorkommen im Süden. In den vergangenen beiden Jahren handelte Garang mit dem damaligen Vizepräsidenten Ali Osman Taha ein Friedensabkommen aus, nachdem der Süden weitgehend eigenständig wird und die Hälfte der Öleinnahmen bekommen soll. (APA/Reuters/dpa/red)




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Brücke von Omdurman nach Khartum
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Brücke von Omdurman nach Khartum. Weißer und Blauer Nil fließen hier zusammen. 1986.


Kassala im Ostsudan
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Feldbewässerung in Kassala. 1986.




Tee und Kaffee in Omdurman/Khartum
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Tee und Kaffee im Vorhof der Moschee von Omdurman (Khartum). 1986.


Durra-Händler
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Durra-Händler in Al Qadarif. 1986.


Baumwollplantage -- Al Jazirah
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Baumwollplantage -- Al Jazirah. 1986.


Markt in Kassala
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Markt in Kassala. 1986.


In Wadi Halfa -- Nile Hotel
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In Wadi Halfa -- Nile Hotel. 1986.


Ein Zir -- Trinkwasserkrug
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Kühles und frisches Trinkwasser aus dem Zir (Trinkwasserkrug). 1986.


Fahrt von Sannar nach Sinjah
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Busfahrt von Sannar nach Sinjah. 1986.


Von Sannar Richtung Dinder Nationalpark
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Fröhliche Busfahrt von Sannar nach Sinjah. "Ein Loch ist im Eimer, oh Henry, oh Henry...". 1986.


Fahrt zur Insel Aba
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Bootsfahrt zur Insel Aba. 1986.


Bootsfahrt zur Insel Aba
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Ausflug von Kusti zur Insel Aba. 1986.


Fähre bei Sinjah
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Fähre bei Sinjah. 1986.


Bahnfahrt von Khartum nach Wadi Halfa
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Mit der Bahn von Khartum durch die Nubische Wüste nach Wadi Halfa. 1986.


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Langjähriger Stabschef Salva Kiir neuer Vize-Präsident

Der langjährige Stabschef der südsudanesischen Rebellenarmee, Salva Kiir, wurde im August 2005 als Nachfolger des tödlich verunglückten John Garang vereidigt. Der international wenig bekannte Kiir ist ein langjähriger Vertrauter, aber auch Rivale des Ex-Rebellenchefs. Wie Garang gehört er dem Volksstamm der Dinka an. Ihm wird ein kollegialerer Führungsstil nachgesagt als Garang, der den Ruf eines brutalen Alleinherrschers hatte.

Der Darfur-Krieg
Der Bürgerkrieg in Darfur ist nicht mit demjenigen zu vergleichen, der seit Jahrzehnten im Südsudan geführt wird. In Darfur handelt es sich um einen Krieg, in welchem Täter wie Opfer Muslime sind, eine Tatsache, die allerdings den tief verwurzelten Rassismus nicht mindern konnte. Die Ursache des Problems ist die Marginalisierung der afrikanischen Bevölkerung zugunsten der arabischen Minderheit. Einige Hundert Dörfer wurden von der Armee und arabischen Melizen (Djandjawid), die von der Regierung in Khartum unterstützt wird, ausgeplündert und teils durch Luftangriffe niedergebrannt.

Hintergründe zum Darfur-Krieg (pdf)

Ein erstes Friedensabkommen wurde im April 2004 zwischen den Konfliktparteien vereinbart. Dieses Friedensabkommen wird seitdem von der 7000 Mann starken Friedensmission der Afrikanischen Union (AU) im Sudan, AMIS (African Union Mission in Sudan), überwacht, die größtenteils von der Europäischen Union, den USA und Kanada finanziert wird.
AMIS ist jedoch ziemlich machtlos und kann angesichts der zahlreichen Verstöße aller Konfliktparteien gegen das Abkommen kaum ihre Aufgabe erfüllen.
Als sich die Lage in Darfur ab September 2005 zunehmend verschlechterte und es zu heftigen Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen, sowie zu Angriffen auf die Bevölkerung und Hilfsorganisationen kommt, wird eine neue Friedensinitiative gestartet.

Am 5. Mai 2006 wurde in der nigerianischen Hauptstadt Abuja schließlich ein Friedensvertrag für die Region zwischen der sudanesischen Regierung und der größten Rebellenorganisation, der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA),unterzeichnet.
Allerdings wird das von der Europäischen Union, den USA und der Afrikanischen Union unterstützte Abkommen von einer kleineren Fraktion der SLA und von der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) abgelehnt. Deren Chefunterhändler Ahmed Tugod verlangt für seine Organisation das Amt eines zweiten Vizepräsidenten in der Regierung.

Unterdessen gehen die Kämpfe unvermindert weiter. Immer mehr Helfern wird der Zugang in die Region verwehrt, obwohl die Einwohner dringend Hilfe brauchen. Nur noch vier Prozent der Haushalte in Darfur sind in der Lage, sich selbst mit Nahrungsmitteln aus eigener Produktion zu versorgen, berichtete das Welternährungsprogramm im Mai 2006.

Zur Überwachung des Friedensvertrages wollen die Vereinten Nationen Truppen in die Region entsenden. Im Zuge dessen soll die Friedensmission der Afrikanischen Union (AMIS) in die Verbände der Vereinten Nationen überführt werden. Eine Stationierung von "Blauhelm"-Truppen wurde bislang allerdings von der Regierung in Khartum abgelehnt. Erst Mitte April 2007 kam die Zustimmung von der sudanesischen Regierung, dass die UN mit 3000 "Blauhelmen" die 7000 Mann starke, aber ziemlich unwirksame Truppe der afrikanischen Union verstärken dürfe.

Der eigentliche Friedensplan sieht eine weitgehende Autonomie Darfurs sowie eine größere Teilhabe der Region an der Macht und dem Reichtum des Landes vor.

Dem seit Februar 2003 andauernden Darfur-Krieg fielen jüngsten Schätzungen zufolge bislang bis zu 300.000 Menschen (laut UN, Stand April 2008) - durch Krieg, Hungersnöten und Krankheiten - zum Opfer - Tendenz steigend. Fast die Hälfte der Dörfer im Westen des Sudan wurde mittlerweile zerstört. Etwa 2,45 Millionen Menschen sind obdachlos und vertrieben worden. Hunderttausende sind auf der Flucht. Nach Schätzung der Uno sind von den sechs Millionen Einwohnern Darfurs inzwischen fast 4,3 Millionen von dem Konflikt direkt betroffen.
Der Führung in Khartum werden völkermordartige Methoden im Kampf gegen die Rebellen vorgeworfen.

Der Konflikt im Osten
Am 14. Oktober 2006 haben die sudanesische Regierung und die Rebellen der sogenannten Ostfront einen Friedensvertrag für die nächsten zehn Jahre unterzeichnet. Der seit den 1990er Jahren anhaltende Konflikt zwischen der Zentralregierung und den marginalisierten ethnischen Gruppen des Ostens wurde von der Öffentlichkeit kaum beachtet. Obwohl der Ostsudan reich an natürlichen Ressourcen ist (z.B. Gold, Erze) und diese auch abgebaut werden, hat sich die wirtschaftliche Situation in der Region kaum verbessert. Das soll sich nun ändern. Die Region soll finanziell stärker unterstützt werden und die Interessen der "afro"-afrikanischen Gruppen sollen stärker beachtet werden.
Für den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan Al-Bashir beweise dieser Vertrag, dass der Sudan seine Probleme auch ohne internationale Hilfe lösen könne.

"Failed State"
Die Krisenregion Darfur, aber auch chronische Instabilität, der langjährige Bürgerkrieg zwischen Norden und Süden sowie niedrige Weltmarktpreise für landwirtschaftliche Produkte und Rohstoffe sind dafür verantwortlich, dass ein Großteil der Bevölkerung im Sudan für Jahre unter der Armutsgrenze bleiben wird. Die Institutionen werden ebenfalls nicht ausreichend unterstützt, um ihre Aufgaben ordnungsgemäß zu erfüllen. Der Sudan steht vor dem Zerfall.
In dem von Foreign Policy publizierten Index der "failed states" (2006) rangiert Sudan auf Platz 1 (von 148 Staaten).

Die Menschen

Der Norden und der Süden Afrikas grenzen im Sudan aneinander, daraus entsteht eine bunte und lebhafte Mischung unterschiedlicher ethnischer Gruppen. Hier verschmilzt auch das arabische Nordafrika mit den Stammeskulturen des Südens. Der Islam (79%), die Staatsreligion, koexistiert mit dem Christentum (9%) und dem animistischen Glauben der Naturreligionen zahlreicher Stämme. Stämme wie die Nuba, Nuer, Dinka und Azande verkörpern das Überleben unterschiedlicher Lebensweisen, die so alt sind wie die lebensspendenden Flüsse.
Die rund 40 Millionen Menschen verteilen sich auf 572 Stämme. Dabei können diese auf nur wenige Hauptgruppen verteilt werden. So sind im Norden die arabisch-islamische Bevölkerungsgruppe (39%) und nubische Stämme (ca. 8%) anzutreffen. Im Osten finden wir Rasheida- und Beja-Stämme, die im 19. Jh. aus Saudi Arabien zugezogen waren. Im Westen leben vorwiegend die nomadischen Beggara-Stämme (insges. 20%), Fur, Zaghawa, Nuba-Bevölkerung, die alle überwiegend islamisch sind, sowie 40% Afars, 5% Araber, zusätzlich ca. 50.000 überwiegend somalische Flüchtlinge. Im Zentrum des Landes sowie im Süden sind dunkelhäutige nilotische Stämme vorherrschend, wie Dinka, Nuer, Shilluk u.a. (ca. 30% der Bevölkerung), die hauptsächlich Anhänger verschiedener Naturreligionen oder Christen sind.

Die Nuba
Die Nuba leben in den Nubabergen im Zentrum des Sudan, einer Region an der Südgrenze der Wüste und dem nördlichen Rand des Gebiets, dessen Böden ihre Fruchbarkeit den regelmäßigen Überschwemmungen verdanken. Ihr Ursprung geht auf eine Gruppe von Hirten zurück, die vor mehr als fünf Jahrhunderten in den Bergen Schutz vor den Arabern suchte.
Den größten Teil des Jahres weiden die Nuba ihr Vieh auf den Ebenen, in der sommerlichen Regenzeit treiben sie es zumeist in die Berge. Dornige Zäune schützen das Vieh vor dem zugriff wildlebender Tiere, und Rauchfeuer aus brennendem Dung vertreiben die krankheitsübertragenden Moskitos. Da diese Hochlandregion niederschlagsreicher ist als die sie umgebenden Ebenen oder die von den Nuern und Dinka bewohnten Sumpfgebiete, sind ihre Dörfer das ganze Jahr über bewohnbar.
Viele Nubastämme bekennen sich zum Islam, die südlichen Gruppen glauben allerdings an die Existenz einer starken Lebenskraft, begründet in erster Linie auf der Fruchtbarkeit, die für das Leben im gesamten Universum verantwortlich ist. Dieser Glaube äußert sich in einem auf die physische Kraft und den menschlichen Körper zentrierten Kult. Zur Erntezeit tragen die stolzen, von Kopf bis Fuß mit heiliger Asche bedeckten jungen Männer der Nuba Ringerwettkämpfe aus.

Die Nuer
Das außergewöhnlich hochgewachsene Volk der Nuer bewohnt das Feuchtgebiet am Zusammenfluss des Weißen Nil mit zwei seiner wichtigsten Nebenflüsse. Inmitten der Reihen hoher Papyrusstauden blockieren häufig aus treibenden Pflanzen bestehende Inseln die Flüsse. Daher rührt auch der Name dieser Region: Sudd (arabisch "Barriere"). Wenn die Flüsse über die Ufer treten, wandern die Nuer regelmäßig in höhergelegene Gebiete.
Die Rinder bestimmen das Leben der Nuer, die sich hauptsächlich von Milch und Milchprodukten ernähren. Das Ansehen eines Mannes ist von seinem Viehbesitz abhängig, und bei der Zeremonie der Einführung in das Mannestum erhalten die jungen Männer Rinder als Geschenk. Streitigkeiten um das Vieh sind alltäglich und führen häufig zu langen Fehden.

Die Dinka
Westlich der von den Nuer bewohnten Gebiete leben die Dinka, eines Stammesgruppe, die ihre Rinder über alles schätzt. Die Dinka bauen auch Hirse an, eines ihrer Hauptnahrungsmittel. Entwicklungshelfer scherzen oft darüber, dass ein Dinka sein Vieh ebensowenig zum Pflügen verwenden würde wie ein Bewohner des Abendlandes sein Auto. Das Vieh ist von wirtschaftlicher, sozialer und religiöser Bedeutung, und die Größe des Viehbesitzes bestimmt das Prestige des einzelnen in der Gemeinschaft. In ihren Liiedern und Tänzen imitieren sie ihre Rinder, und die jungen Männer führen den Namen des Ochsen, der ihnen während ihrer Initiationszeremonie geschenkt wurde, ihr Leben lang.
In der Regenzeit wandern die Dinka von den Weiden an den Flüssen in die höhergelegenen Savannen. Aufgrund ihrer alljährlichen Wanderung haben die Dinka außer einigen Kleidungsstücken und Werkzeugen nur wenig persönlichen Besitz. Anstelle eines Oberhaupts wählen sie den "Meister des Fischspeers", eine Repräsentationsfigur, von deren Gesundheit das Wohlergehen des Stammes abhängig ist. Wie die anderen Völker des südlichen Sudan kennen die Dinka keine Klassenunterschiede.

Weiter südlich leben die Azande, eiine Gemeinschaft von Ackerbauern, die die Wälder und Savannen an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo bewohnen. Die dortige Verbreitung der Tsetsefliege macht die Viehzucht unmöglich. Daher leben sie in Dauersiedlungen, und ihre Ackerflächen sind die Grundlage ihrer Gemeinschaft.

Die Lebensweise der vielen ethnischen Gruppen des Sudan wird heute durch die wirtschaftliche Entwicklung und die im Verlauf des langen Bürgerkriegs zwischen der Regierung und den Rebellengruppen des Südens entstandene Verunsicherung gefährdet. Die Nuba bewohnen ein Gebiet, in dem wertvolle Uranerzvorkommen entdeckt wurden. Der Jonglei-Kanal, dessen Bau 1983 eingestellt wurde, sollte den Lauf des Weißen Nils durch die Sümpfe des Sudd verändern und hätte die Lebensweise der Nuer zerstört. In den 1970er und 80er Jahren veranlassten Dürre, die die Nahrungsmittelversorgung zum Problem werden ließen, viele Landbewohner, in die Stadt zu ziehen. 1988 bedeuteten katastrophale Überschwemmungen für das Land eine weitere Belastung.

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1346 f.

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