Willkommen in Benin

[Geschichte] [Land und Bevölkerung] [Voodoo] [Die Wirtschaft]
[Literatur] [www-Links]


Translate this page



Offizieller Name: Republik Benin
Hauptstadt: Porto Novo
Fläche: 112.622 km²
Landesnatur: Versumpfte Küstenebene, nach N anschließend Teil der Oberguineaschwelle, dann zum Niger hin abfallend
Klima: Feuchtheißes, tropisches Klima
Hauptflüsse: Ouémé, Okpara
Höchster Punkt: 635 m im Atakoragebirge
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 12 Regionen
Parlament: Nationalversammlung mit 83 für 4 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 1. August
Einwohner: 5.937.000 (1999); 8.294.941 (geschätzt Juli 2008)
Bevölkerungsdichte: 53 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 42% (1999)
Analphabetenquote: 62% (1999)
Sprache: Französisch; Sprachen der Ethnien
Religion 2002: 42,8% Christen (27,1% Katholiken, 5% Celestial Church of Christ, Pfingstler u.a. Protestanten), 24,4% Muslime, 23,3% Anhänger indigener Religionen (17,3% Voodoo/Vodoun)
Exportgüter: Baumwolle, Palmkerne, Palmöl, Kakao, Erdnüsse, Kaffee, Rizinus, Erdöl- und -produkte


Geschichte

Benin erlangte 1960 die Unabhängigkeit als Republik Dahomey, abgeleitet vom Namen des großen vorkolonialen westafrikanischen Königreichs "Abomey", dessen Zentrum in der gleichnamigen Stadt im Süden des Landes lag. Von hier hatten die zum Volk der Ewe gehörenden Fon mit Hilfe einer straff organisierten, wohlausgerüsteten Armee, zu der zeitweise auch Amazonen gehörten, ihren Einfluss bis in das heutige Nigeria und Togo ausgedehnt. Sie trieben den europäischen Händlern Sklaven zu, die vom portugiesischen Fort Ouidah aus nach Übersee verschifft wurden. Nach dem Ende der Sklaverei kehrten befreite Sklaven aus Brasilien zurück und gewannen an wirtschaftlicher Bedeutung.
Ende des 19. Jahrhunderts begannen die kriegerischen Auseinandersetzungen mit französisch-senegalesischen Truppen, in deren Verlauf das Land zur Kolonie erklärt wurde. Von 1960 - dem Jahr der Unabhängigkeit - bis 1972 konkurrierten Mitglieder der kleinen bürgerlichen Schicht und die aus der ehemaligen Kolonialarmee entlassenen Militärs um die Vorherrschaft im Land. Häufige Umstürze, Verfassungs- und Präsidentenwechsel charakterisierten diese Jahre, bis Mathieu Kérékou (* 1933) die Macht durch einen Militärputsch übernahm.
Er erklärte den Staat 1975 zur sozialistischen "Volksrepublik" und benannte das Land - in Anlehnung an das in Nigeria gelegene historische Königreich - in Benin um. Aufgrund des Misserfolgs der staatlichen Wirtschaftsvorhaben bemühte er sich im Hinblick auf dringend benötigte Unterstützung um gute Beziehungen zu den westlichen Industrieländern, ohne dabei jedoch den Kontakt zu den sozialistischen Staaten zu vernachlässigen.

Die dort einsetzenden politischen Veränderungen zwangen auch Kérékou 1989, den demokratischen Bewegungen im eigenen Land nachzugeben und ein Mehrparteiensystem zuzulassen. Im Jahr 1991 unterlag er bei den Präsidentschaftswahlen Nicéphore Soglo (* 1933) und wurde somit als erster Staatschef auf dem afrikanischen Kontinent durch ein demokratisches Verfahren seines Amtes enthoben. Er konnte aber bereits nach den Wahlen 1996 wieder ins Präsidentenamt zurückkehren.

nach oben

Land und Bevölkerung

Lebensraum für über 60 Völker und Stämme
Benin ist ein schmaler, sich von der feucht-heißen Guineaküste 700 km weit nordwärts bis in den Sahel erstreckender Kunststaat französischer Kolonialschöpfung. In der feuchten, heute fast ganz entwaldeten flachen Küstenregion leben die Mehrheitsvölker der Yoruba und Fon, zu wesentlichen Teilen bereits als Städter im Großraum der Hauptstadt Porto-Novo und des Regierungssitzes Cotonou. Der beninische Teil der gebirgigen Oberguineaschwelle weist die für alle Küstenstaaten Westafrikas in dieser Breite typische feuchte Baumsavanne auf. Von dort fällt Benin nordwärts zum Niger-Fluss und dem in den letzten Jahren stets weiter austrocknenden Sahel hin ab. In dieser Region leben die Bariba und Fulbe sowie viele kleine Stämme, die traditionell nomadisierende Viehzucht treiben sowie Hirse, Erdnüsse und Baumwolle anbauen.

nach oben

Voodoo

Voodoo (Betonung auf der Endsilbe) ist die Bezeichnung eines Glaubens und des auf ihm beruhenden Geheimkultes. Da in ihm Tänze eine zentrale Stellung einnehmen, assoziierte man ihn mit dem Tanz um das goldene Kalb aus der Moses-Geschichte des Alten Testamentes und meinte dann, das Wort Voodoo (graphische Varianten: Voudou, Voudoux, Vodou, Wodu, Wodun) vom Französischen veau d'or, "goldenes Kalb", herleiten zu können.

Tatsächlich ist das Wort westafrikanischen Ursprungs. Es lautet im Ewe Wodu und im Fon Wodun und bedeutet in beiden Fällen Numen, Genius, Schutzgeist.
Im Wodu-Kult besteht der Sinn der kultischen Übungen der gläubigen Gemeinde in der Herstellung einer Verbindung zu ihren Göttern. Diese Verbindung wird in ganz spezifischer Weise vorgestellt und erlebt. Es besteht die Ansicht, dass diejenigen Kultteilnehmer, die bei den rituellen Tänzen von einem Gott besessen werden, von diesem "geritten" würden. Als Terminus hierfür wird der französische Ausdruck chevauché gebraucht. Als Appellativ für diese die Zeremonialteilnehmer "reitenden" Götter kommt in erster Linie das Wort Wodu in Betracht. Außer ihm und in gleicher Bedeutung sind auch die Begriffe orixa und loa üblich. Gelegentlich kommen auch die aus dem Christentum übernommenen französischen Bezeichnungen anges und saints vor.

An der Spitze des Wodu-Pantheons steht Bon Dieu, der "gute Gott". Er gehört zum Typ eines Hochgottes, der über die Welt erhaben ist und wenig Anteil nimmt am irdischen Geschehen. Man glaubt, dass er nicht durch Gebet oder Kult zum Eingriff in das menschliche Schicksal veranlasst werden könne, und man sagt, wenn man sich in dieses Geschick fügt, im Hinblick auf den obersten Gott, den "guten Gott": Wenn Gott will.
Im praktischen religiösen Leben haben Göttergestalten, die dem Bon Dieu rangmäßig untergeordnet sind, eine ungleich bedeutendere Stellung. Hier ist in erster Linie Legba oder Papa Legba zu nennen. Dieser Gott hat in Afrika und auf Haiti die Funktion eines Mittlers zwischen Göttern und Menschen.

Diese Funktion ist im afrikanischen Bereich dahingehend spezialisiert, dass der Gott Legba die Gebete der Menschen den Göttern in deren Sprache übersetzt, mithin als Dolmetscher zu wirken hat. Im Wodu-Kult öffnet Legba die Schranken, die die Welt der Götter von derjenigen der Menschen trennen.
Diese Funktion Legbas kommt zum Ausdruck in seinem Symbol, das ein Kreuz darstellt. Der senkrechte Balken dieses Legba-Kreuzes symbolisiert die Verbindung der oberen zur irdischen Welt und stellt damit den Weg dar, auf dem die Götter zur Erde hinabsteigen. Der Fuß dieser Weltachse steht nach Wodu-Vorstellung in Afrika, womit sehr deutlich die religiöse Überwertigkeit der früheren Heimat der Wodu-Anhänger zum Ausdruck kommt. Der waagerechte Balken des Legba-Kreuzes ist Symbol für die irdische Lebenswelt der Menschen.

Eine Begegnung der menschlichen mit der göttlichen Sphäre kann nur stattfinden im Schnittpunkt beider Balken. Und dieser Ort ist es, über den Legba als Gott wacht. Aus dieser für die Kommunikation der Menschen mit den Göttern entscheidenden Wächterfunktion des Legba resultiert seine vorrangige Bedeutung für den Wodu-Kult und für die Möglichkeit einer Realisation seines im Ritual erstrebten Zieles einer Begegnung mit den Göttern. Deshalb wird Legba angerufen:

Papa Legba, öffne die Schranke für mich,
öffne die Schranke, auf dass ich eintreten kann.
Wodu Legba, öffne die Schranke für mich.
Wenn ich zurückkehre, werde ich den Göttern danken.


Die Stellung Legbas ist für das Ritual des Wodu-Kultes von zentraler Bedeutung. Aber auch andere Gottheiten werden durch die Riten der Wodu-Anhänger herbeigerufen. Ein Gott der Fruchtbarkeit ist Dambala. Seine tierische Erscheinung ist die Schlange. Wegen dieser Verehrung eines in der tierischen Gestalt der Schlange manifestierten Numens sind die Wodu-Anhänger früher häufig als Schlangenanbeter angesehen worden.

Weitere Götter sind:
Agwe - der göttliche Herr der Meere. Sein Symbol und Kultinstrument ist das Muschelhorn. Dieses Muschelhorn erlangte historische Bedeutung in der Zeit der Sklavenaufstände, denn mit diesem kultischen Muschelhorn wurden die Schwarzen aufgerufen zur Rebellion gegen die weißen Herren.
Ava - Gott für eheliche Treue
Dangbé - Schlangengott; steht für Reichtum, Wohlergehen und Gesundheit; einer der höchsten vodu.
Djagli - Gott der Stärke; seine Verehrer bleiben auch gegen schlimmste Schmerzen unempfindlich; seine Anhänger verfolgen und bestrafen "Hexen".
Egungun - Gott der Ahnen.
Ezili - Göttin der Liebe.

Gun - Gott des Eisens und somit Gott der Metallarbeiter; in neuerer Zeit Beschützer der Arbeit im Allgemeinen.
Hevioso - Gott des Himmels, Blitzes und Donners; wer vom Blitz erschlagen wird, gilt als ertappter Dieb (Azaka oder Azaka-Tonnerre - ein Gott, der Blitz und Donner herabschleudert. Seine Hauptfunktion ist jedoch die Fürsorge für das Bauerntum. Hierauf verweisen auch die Korbgefäße, die als seine Symbole gelten).
Hou - Gott des Meeres.
Legba - Gott der Fruchtbarkeit und des Wissens; in dieser Funktion ist ein kleiner Erdhügel sein Symbol; einer der wenigen Götter, denen auf keinen Fall Alkohol geopfert werden darf.
Mahou - der oberste Gott, der im Gegensatz zu den anderen Gottheiten, die ihm als Mittler dienen, nicht als Person, sondern als Kraftquelle gedacht wird; das Praktizieren von Vodoo wird als Mittel eingesetzt, diese Ur-Energie zu erreichen; weder gibt es ein Bild von Mahou, noch wird ihm an Altären geopfert.

Mammi Wata - Göttin des Reichtums, der von außen kommt; wird mit dem Meer assoziiert, das einen langen Weg symbolisiert.
Ogun - Gottheit des Eisens und des Feuers (Eisen-Ogun, Ogun des Krieges).
Sakpata - gefürchteter Pockengott; ahndet Diebstahl mit Krankheit; wird bei Disharmonie angerufen, um Harmonie wieder herzustellen.
Zangbeto - die "Vodoo-Polizei"; gleich wirbelnden Strohhaufen rasen die Mitglieder dieser Geheimgesellschaft durch die Straßen, um Diebe zu fangen.

Todesgottheiten - zusammengefasst in der Gruppe der Ghede. Das wichtigste dieser Numina ist der Maître-Cimetière-Boumba. Sein Symbol ist das Kreuz.

Den Göttern des Wodu-Kultes werden Opfer dargebracht, die zumeist mit rituellen Tötungen von Tieren verbunden sind. Die wichtigsten dieser Opfertiere sind Hähne; aber auch Schweine und Stiere kommen in Betracht. Das Tier wird in indirekter Weise über sein Einverständnis befragt. Dabei werden dem Tier Speisen gereicht. Verweigert es die Annahme der Nahrung, so wird es sofort vom Opfer ausgeschlossen und durch ein anderes Tier ersetzt.

Eine gegenüber dem Opfer ungleich zentralere Stellung aber nehmen die Tänze des Wodu-Kultes ein. Es handelt sich um festgelegte Riten.

Für den institutionellen Charakter des Voodoo sprechen die Existenz spezieller Kulträume und der Besitz eines eigenen Priestertums.
Das Priestertum ist aufgegliedert hinsichtlich seiner Ränge und seiner Funktionen. Der gewöhnliche Priester heißt Hungan, die Priesterin Mambo. Ein höherer klerikaler Würdenträger, der etwa im Rang eines Bischofs steht, ist der "Gottesvater", der Papaloa. Ihm entspricht im weiblichen Priestertum die Großpriesterin oder "Gottesmutter", die Mamaloa.

Derjenige Priester, der die tänzerischen Riten leitet, wird auf Französisch mit La Place bezeichnet.
Alle Priester sind ausgezeichnet durch feierliche, meist schwarze Gewänder und durch den Besitz einer Kürbisrassel, die zugleich Abzeichen priesterlicher Würde und Instrument zum Dirigieren der Kulthandlungen ist.

nach oben

Die Wirtschaft

Ein wirtschaftlich bankrotter Staat
Die zwangsweise Anlage von Ölpalmplantagen hat wesentlich zum Rückgang der selbstversorgenden Landwirtschaft, dem Anbau von Mais, Maniok, Yams und Süßkartoffeln, geführt.

Überalterter Baumbestand, rückständige Anbaumethoden, Naturkatastrophen sowie sinkende Weltmarktpreise für Exportprodukte, wie Kakao, Kaffee, Baumwolle und Erdnüsse, haben des weiteren zu einer Zuspitzung der Wirtschafts- und Finanzkrise geführt.
Versuche, Benin an den internationalen Ferntourismus anzubinden, sind fehlgeschlagen. Jahrelange Suche nach Öl- und Gasvorkommen im grenznahen Küstenbereich zu Nigeria blieben bislang erfolglos. Die krisenhafte Entwicklung in Nigeria und in den großen frankophonen Staaten West- und Zentralafrikas führte zudem zu einer massenhaften Rückkehr der zuvor über Jahrzehnte "exportierten" Handwerker, Hilfsarbeiter und Intellektuellen. Dadurch verschärften sich die sozialen und politischen Spannungen.

Ende der 1980er Jahre konnte der bankrotte Staat vor einem Aufstand der seit Monaten unbezahlten Beamten und der weiter verarmenden, zahlenmäßig starken städtischen Bevölkerung nur durch großzügige Geldzuwendungen von Frankreich und Nigeria gerettet werden. Erst Soglo versuchte, marktwirtschaftliche Reformen durchzusetzen, um die ökonomische Situation zu verbessern.

nach oben

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.186 f.



www-Links



CIA -- The World Factbook -- Benin
An MBendi Profile: Benin - Overview
allAfrica.com: Benin
Slave Routes - Africa - Benin
Languages of Benin
Auswärtiges Amt: Benin
Benin - Cuisine
Benin Page
Königreich Benin
Abomey - Königreich der Sklavenhändler
Benin - Der quadratische Kreis des Voodoo - schwarzaufweiss
Papa Legba
Die SOS-Kinderdorf-Arbeit in Benin
Stiftung Mondo Gemeinnützigkeit Entwicklungshilfe Benin
Voodoo in Benin -- Fotos
For the people of Benin Ouidah is especially famous for its powerful voodoo priests and fetishes
Vodun is sometimes called Voodoo, Vodoun, Vodou. Religions related to Vodun are: Candomble, Lucumi, Macumba, and Yoruba)
Voodoo-Musik

nach oben