Willkommen in der Republik Côte D'Ivoire (Elfenbeinküste)

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Offizieller Name: Republik Côte D'Ivoire
Hauptstadt: Yamoussoukro
Regierungssitz: Abidjan
Fläche: 322.463 km²
Landesnatur: Küstenebene, anschließend Hochebene mit Inselbergen, im W Nimbabergland
Klima: Tropisches Klima
Hauptflüsse: Komoé, Bandama, Sassandra
Höchster Punkt: Mount Nimaba 1752 m
Einwohner: 14.526.000 (1999); 21.952.093 (geschätzt Juli 2012); insgesamt über 60 Ethnien (überwiegend Gur- und Mande-Gruppen)
Bevölkerungsdichte: 45 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 46% (1999)
Analphabetenquote: 53% (1999)
Sprache: Französisch; Baulle, Bete, Diula und Senufo
Religion: Moslems 27%, Katholiken 21%, Anhänger von traditionellen Religionen
Exportgüter: Kakao und Kakaoprodukte, Erdölprodukte, Kaffee, Fisch, Holzprodukte, Baumwolle


Mit annähernd quadratischer Gestalt, liegt Côte D'Ivoire an der der Nordguineaküste in Westafrika. Der westliche Küstenabschnitt ist durch vorspringende felsige Halbinseln und sandige Buchten gegliedert und geht nach Osten allmählich in eine flache, fast geradlinig verlaufende Ausgleichsküste mit zahlreichen Nehrungen und mangrovenbestandenen Sümpfen über. Der hier einst vorherrschende Regenwald ist den großen Plantagen zum Opfer gefallen.
Von der Küstenebene steigt das feucht-tropische Land stufenartig zu den inneren, bis 500 m über dem Meeresspiegel liegenden Hochebenen an, auf denen die großen Flüsse, von zahlreichen Stromschnellen und Wasserfällen unterbrochen, nahezu parallel in Nord-Süd-Richtung zum Golf von Guinea fließen. Im Nordwesten hat Côte D'Ivoire Anteil am Hochland von Guinea und erreicht im westlichen Nimbagebirge an der liberianischen Grenze Höhen bis knapp 1800 m. An der Grenze zu Mali und Burkina faso geht die Feucht- allmählich in Trockensavanne über. Stärker noch als in der südlichen Waldzone haben sich hier ab den 1970er Jahren Brandrodungsfeldbau und Überweidung ertragsmindernd für den Anbau von Hirse, Sorghum, Süßkartoffeln und Reis zur Eigenversorgung ausgewirkt.

Geschichte und Staat

Der "Vater der Nation", Präsident HouphouŽt-Boigny (1905-1993), hat es so verfügt: die "Elfenbeinküste", so benannt nach ihrem einst wichtigsten Exportprodukt, darf seit Ende der 1980er Jahre nur noch mit dem französischen Kolonialnamen "Côte D'Ivoire" geführt werden. Während einige Staaten sich unter anderem durch Namensänderung von ihrem kolonialen Erbe befreien und mit Bezeichnungen aus der eigenen Historie ihre Identität wiederfinden wollten, hielt Côte D'Ivoire auch nach der Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1960 an den engen Verbindungen zum ehemaligen französischen Mutterland fest.

Geschichte und Ära HouphouŽt-Boigny
Schon seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließen sich französische Seefahrer und Missionare an der Küste des heutigen Côte D'Ivoire nieder. Nach der kolonialen Besitznahme durch Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Entwicklung zu einer weltmarktorientierten tropischen Landwirtschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand das Land aus zwei politisch unterschiedlichen Teilen. Die aus dem benachbarten Ghana zugewanderten Baule schufen im 18. Jahrhundert kleinere Staatengebilde, während das von Samori Touré (um 1835-1900) gegründete Fulbe-Reich von Guinea aus auch Teile des heutigen Côte D'Ivoire kontrollierte. Touré leistete mit seinen Kriegern bis zu seiner Verhaftung im Jahr 1898 den französischen Kolonialtruppen erbitterten Widerstand. Auch nachdem dieses Küstengebiet 1893 Teil des französischen Kolonialreiches wurde, dauerte es mehrere Jahrzehnte, bis der Widerstand endgültig gebrochen werden konnte.

Die bis in die 1940er Jahre von Frankreich angeordnete Zwangsarbeit auf privaten Plantagen oder zugunsten öffentlicher Baumaßnahmen führte zur Verarmung und massenhaften Abwanderung der Bevölkerung. Gegen diese Zwangsrekrutierung wandte sich seit den 1930er Jahren eine Gruppe relativ wohlhabender und westlich gebildeter Einheimischer. Das von dem Häuptlingssohn, Mediziner und Pflanzer Felix HouphouŽt-Boigny 1944 mitbegründete "Syndicat Agricole Africain" war eine Schutzorganisation afrikanischer Pflanzer gegen die Diskriminierung durch europäische Pflanzer. Daraus entwickelte sich 1946 die "Parti Démocratique de Côte D'Ivoire" (PDCI), die nationale Sektion der überregionalen nationalistischen Bewegung "Rassemblement Démocratique Africain".

Elfenbeinküste

1951 wurde HouphouŽt-Boigny zum Präsidenten der Territorialversammlung gewählt. Seither bestimmte er bis zu seinem Tod im Jahr 1993 die Politik des Landes. 1958 entschied sich die autonome Republik für einen Verbleib in der "Communauté FranÁaise". Kurze Zeit später widersetzte sich HouphouŽt-Boigny dem Plan einer Föderation der frankophilen westafrikanischen Staaten und führte das wirtschaftlich relativ gut entwickelte Land 1960 in die nationalstaatliche Unabhängigkeit, mit weiterhin starker politischer, wirtschaftlicher und militärischer Anbindung an Frankreich und die übrigen westlichen Staaten. Besonders enge Bindungen knüpfte er auch zu Israel, den USA sowie - in Herausforderung des übrigen Afrika - zur Republik Südafrika, mit deren Regierung er bereits früh einen erfolglosen "Dialog" zur Überwindung der Apartheid führte.

Mit dem "Dialog" als Instrument der politischen Auseinandersetzung versuchte HouphouŽt-Boigny zeitlebens, auch die widerstreitenden Interessen der überaus zahlreichen ethnischen Gruppen im eigenen Land zu einen. Geschickt verstand er es, die Macht durch eine kunstvolle Kabinetts-Arithmetik auf eine breite Basis zu verteilen. Oppositionelle Kräfte band er in den ersten zwei Jahrzehnten, in denen sich das Land mit ausländischer Hilfe zum "Wirtschaftswunderland" entwickelte, durch Posten- und Kontraktvergabe in das System ein. Die demokratische Ordnung, die Zulassung von Oppositionsparteien und die Abschaffung der diktatorischen Einheitspartei PDCI scheiterten lange Zeit an seinem Widerstand. Doch monatelange Streiks und Protestaktionen im ganzen Land zwangen HouphouŽt-Boigny 1990 schließlich, politische Reformen, so auch das Mehrheitsparteiensystem, einzuleiten. Nach seinem Tod 1993 wurde Henri Konan Bédié (* 1934) neuer Staatschef. Er wurde 1999 nach einem Putsch des Armeechefs General Robert Guéi (* 1941) abgelöst, der eine Übergangsregierung bildete. Im Oktober 2000 wurde Laurant Gbagbo zum Staatsoberhaupt gewählt. Dieser wurde am 21. Mai 2011 nach langanhaltenden blutigen Auseinandersetzungen von Alassane Ouattara abgelöst.

Alassane Ouattara - ein Mann des Internationalen Währungsfonds (IWF)

Alassane Ouattara war zwischen 1968 und 1990 sowie von 1994 bis 1999 beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Zwischen 1994 und 1999 war er Vizedirektor beim IWF und von 1990 bis 1993 war er letzter Premierminister unter Felix HouphouŽt-Boigny.
Siehe auch: de.wikipedia.org, Alassane Ouattara

Ungewisse Zukunft
Angesichts wachsender Jugendarbeitslosigkeit und bei gleichzeitig weitreichender Beherrschung der Wirtschaft durch Franzosen und Libanesen wuchs in dem Land die Sorge über die politische und wirtschaftliche Entwicklung nach dem Ableben des Patriarchen. Das politische Überleben des "Systems HouphouŽt-Boigny", der in seinen letzten Lebensjahren noch eine friedensstiftende Rolle in Afrika spielte, ist seit dem Militärputsch Ende 1999 gefährdet.

Entwicklungen

Etwa 750 zumeist muslimische Armeeangehörige, die aus der Armee entlassen worden waren, hatten sich am 18. September 2002 zusammengetan und versucht, gegen die Regierung zu putschen. Bei den anfänglichen Kämpfen wurden mindestens 270 Menschen getötet und 300 verletzt. Unter den Toten war auch der ehemalige Junta-Chef, General Robert Guei, der zunächst für den Aufstand verantwortlich gemacht wurde. Zwar wurde der Putsch abgewendet, dennoch beherrschten die gut organisierten und ausgerüsteten Rebellen den größten Teil des ärmeren muslimischen Norden des Landes. Die Aufständischen fanden weitestgehend Unterstützung bei der Bevölkerung.

Wegen anhaltender Unruhen verhängte der UN-Sicherheitsrat November 2004 ein sofortiges Waffenembargo gegen das westafrikanische Land. Die Konfliktparteien wurden in der einstimmig beschlossenen Resolution ermahnt, binnen eines Monats den Friedensprozess wieder aufzunehmen. Andernfalls würden zusätzlich Reisebschränkungen erlassen und Konten eingefroren.

Die Vereinten Nationen haben in Côte díIvoir 6.300 Blauhelmsoldaten stationiert, darunter sind 4.500 Franzosen. Sie überwachen die Waffenstillstandslinien zwischen den Rebellen der Forces Nouvelles (FN) und den Truppen von Präsident Laurent Gbagbo. Seit Herbst 2002 ist das Land faktisch geteilt. Im Norden herrschen die Rebellen, im Süden versuchte die Regierung ihre Autorität aufrecht zu halten.

Bevölkerung und Wirtschaft

Ein großer Teil der aus etwa 60 ethnischen Gruppen zusammengesetzten Bevölkerung lebt heute in dem rund 60 km breiten und durchschnittlich 200 m hoch liegenden Küstenstreifen. Hier befindet sich auch der hauptstädtische Großraum von Abidjan, in dem heute vermutlich etwa 3 Millionen Menschen leben. Das für seine beeindruckenden handwerklichen Fertigkeiten bekannte Volk der Baule, aus dessen Häuptlingsschicht auch der 1993 verstorbene Präsident HouphouŽt-Boigny stammt, stellt rund 23% der Gesamtbevölkerung. Im Westen des Landes leben die Bete, die einen Anteil von etwa 18% stellen, und die Senufo, im Norden Malinke und Fulbe, die Agni im Osten sowie die Kru an der Küste.
Die bereits während der frühen Kolonialzeit einsetzende Anwerbung afrikanischer Gastarbeiter, vornehmlich aus dem Sahel, und die Einwanderung von Flüchtlingen aus Ghana und Guinea hat in den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs weiter zugenommen. Sie sind überwiegend als Plantagen- und Hilfsarbeiter in Industrie, Bauwesen, Handel, Transport und Verwaltung tätig und - in Zeiten wirtschaftlicher Krisen - immer wieder Opfer von Ausweisungen. Die Zahl der in Regierung, Verwaltung, Industrie und Handel tätigen Franzosen hatte sich seit der Unabhängigkeit vervierfacht, die große Zahl der französischen Berater wird jedoch seit Ausbruch der Wirtschaftskrise zugunsten der Beschäftigung einheimischer Fachkräfte schubweise reduziert.
Ein größeres soziales Konfliktpotential bieten bei der heutigen angespannten Wirtschaftslage die vermutlich weit über 100.000 libanesischen Händler und Geschäftsleute. Denn das über zwei Jahrzehnte von jährlich hohen Zuwachsraten geprägte "Wirtschaftswunder" ist seit 1979 zusammengebrochen. Das "Wunder" basierte auf einer überaus liberalen Wirtschaftspolitik, die den Zufluss französischen Kapitals sicherte, sowie auf den Gewinnen aus dem Kakao - und Kaffeexport.

Côte D'Ivoire entwickelte sich zum größten Kakao- und Kaffeexporteur der Welt, muss aber heute, da der Selbstversorgungsanbau immer stärker durch Monokulturen zurückgedrängt wird, einen großen Teil der benötigten Grundnahrungsmittel, wie Weizen und Mais, importieren.
Um die hohe Abhängigkeit von den Hauptausfuhrprodukten zu verringern, wird von staatlicher Seite vor allem der Anbau von Baumwolle, Kautschuk und Palmöl gefördert und intensiviert. Die Ausfuhr tropischer Edelhölzer wird wegen allmählicher Erschöpfung der Vorräte in Zukunft weiter abnehmen.
Die Anfang 1980 unter Beteiligung von amerikanischen und französischen Firmen in Küstennähe begonnene Erdölförderung ist aufgrund der hohen Erschließungskosten zunächst nicht weiter ausgedehnt worden.
War der Kakao einst das wichtigste Exportprodukt, so hat es diesen Status mittlerweile an die Erdölprodukte verloren.

"Schmutzige Schokolade"

Auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste, woher mehr als zwei Drittel des weltweit verkauften Kakaos stammt, arbeiten meist Kinder. Sie stammen u.a. aus Burkina Faso und Mali, wo sie in die Fänge organisierter Menschenhändler geraten waren. Auf den Plantagen arbeiten die Kinder ohne Bezahlung und bekommen gerade so viel zu essen, dass sie nicht verhungern. Nachts werden sie eingesperrt.

Die positive wirtschaftliche Entwicklung führte nicht nur zum Ausbau von Staat und Verwaltung und zu staatlichen Leistungen in den Sektoren Gesundheit und Erziehung, sondern ermöglichte auch den Aufbau einer - zum Teil überdimensionierten - landesweiten Verkehrs- und Stadtinfrastruktur. Gleichzeitig entwickelte sich vor allem im Großraum von Abidjan eine in Westafrika einzigartige Weiterverarbeitungs- und Zulieferindustrie.
Nach dem 1979 einsetzenden - und bis in die 1990er Jahre anhaltenden - Niedergang der Weltmarktpreise für die wichtigsten Exportprodukte Kakao und Kaffee verschuldete sich das Land rasch. Das "Wirtschaftswunderland" wurde zahlungsunfähig, musste bei den staatlichen und privaten Gläubigern um alljährliche Umschuldung nachkommen und die Vorschriften des Weltwährungsfonds nach sparsamer Haushaltsführung befolgen.

Die Elfenbeinküste, die rund 40% der weltweiten Kakaoproduktion stellt, durfte sich zu Beginn des Jahres 2010 freuen: Der Preis für Kakao erreichte ein 30-Jahreshoch. Für eine Tonne Kakao wurden an der Londoner Terminbörse Nyse Liffe 2732 Pfund bezahlt. Doch die Freude hielt nicht lange an. Schon wenig später war der Preis auf 1900 Pfund abgestürzt. Im Jahr 2011 brach der Kakaopreis so stark ein, wie zuletzt 1999. Erst im Februar 2012 konnte sich der Preis für Kakao wieder erholen. Der Preis für die Tonne stieg auf 1483 Pfund, was daran lag, dass wegen der gerade herrschenden Dürre die Lieferungen aus der Elfenbeinküste deutlich zurückgegangen waren.

Angesichts großer sozialer Kontraste wuchs indes bei schnell steigender Arbeitslosigkeit die soziale Unsicherheit. Soziale Krise und Verarmung machten sich Anfang der 1990er Jahre auch in einer wachsenden Kriminalität in den rasch gewachsenen Städten bemerkbar. So vor allem in der Metropole Abidjan, Sitz vieler internationaler Organisationen, die mit ihren Luxushotels auch ein Zentrum des internationalen Konferenz-Tourismus geworden ist.

Inzwischen hat sich die Wirtschaft des Landes erholt. Im Jahr 2009 hat die Elfenbeinküste die stärkste Wirtschaft der westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion.

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Readerīs Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.302 f.



www-Links



www.amnesty.de, Jahresbericht 2009
allafrica.com -- Aktuelle Nachrichten aus der Elfenbeinküstea>
CIA -- The World Factbook -- Cote d'Ivoire
Languages of Côte d'Ivoire
Côte d'Ivoire and the IMF
An MBendi Profile: Côte d'Ivoire - Overview
Abidjan News - current events and news
washingtonpost.com: Côte d'Ivoire
Afrika im Internet - Elfenbeinküste
 muz-online.de: Islam
 muz-online.de: Neue Weltordnung

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