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| Offizieller Name: Königreich Marokko
Hauptstadt: Rabat
Fläche: 458.730 km² (ohne Westsahara)
Landesnatur: Küstenebene im NW, anschließend die Meseta, von SW nach NO verlaufende Gebirge Hoher Atlas und Mittlerer Atlas, im S der Antiatlas, im N das Rifgebirge, im S Sahara
Klima: Subtropisch
Hauptflüsse: Tansift, S'bu, Umm ar Rabiyah, Muluya
Höchster Punkt: Jabal Tubqal 4165 m
Regierungsform: Konstitutionelle Monarchie
Staatsoberhaupt: König
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 16 Regionen
Parlament: Zweikammerparlament: Nationalversammlung mit 325 für 5 Jahre gewählten Mitgliedern und Senat mit 270 für 9 Jahre indirekt gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 30. Juli (Thronbesteigung Mohammeds VI. 1999)
Einwohner: 27.867.000 (1999); 31.968.361 (geschätzt Juli 2011)
Bevölkerungsdichte: 62 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 55% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 33% (1999)
Analphabetenquote: 51% (1999)
Sprache: Hocharabisch (Amtssprache), Berbersprachen, Französisch, Spanisch
Religion: Moslems 99% (Sunniten der malekitischen Rechtsschule), Minderheit von Christen und Juden
INDUSTRIE
Diversifizierte Industrie mit guten Exportchancen. Hergestellt werden Nahrungsmittel, Textilien, Elektronik, Chemikalien und Autoteile
Rohstoffe: Phosphate, Eisenerz, Blei, Kupfer, Zink, Steinkohle, Silber
Importgüter: Erdöl, Weizen, Stahl, Bleche, chemische Erzeugnisse, Zucker, Honig, Holz, Molkereierzeugnisse, Papier, Pappe, Maschinen und Transportmittel
Exportgüter: Nahrungsmittel (v.a. Zitrusfrüchte, Wein, Gemüse, Olivenöl) und Tabak (33%, davon Fisch und Fischereiprodukte 14,5%), Konsumgüter (22,1%), Phosphate (21,7%), Düngemittel (7,5%)
Währung: Dirham
Geschichte
Der arabische Name Marokkos ist "Al Mamlakah al Maghrebija", was "Königreich des Maghreb" heißt. Und "Maghreb" bedeutet wörtlich nichts anderes als "der Ort, wo die Sonne untergeht", also der Westen. Diese Bezeichnung ist aus der Perspektive des östlichen Mittelmeerraums eingeführt worden und bezieht sich auf die Länder Nordwestafrikas. Im engeren Sinn versteht man darunter die drei Atlasländer Marokko, Algerien und Tunesien, aber oft werden auch Libyen und Mauretanien dazu gezählt. Der Anspruch der marokkanischen Monarchie auf diesen ganzen Bereich wird aus der Geschichte abgeleitet: Die Dynastie der Almohaden hatte im Mittelalter schon den ganzen Maghreb beherrscht, und Marokko ist das einzige Land dieser Region, das nicht durch die Osmanen unterworfen wurde.
Das Königreich im äußersten NW Afrikas ist seit je die Brücke nach Europa: An der Straße von Gibraltar ist es nur 15 km vom Kontinent entfernt. |
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Wegen der strategisch günstigen Lage an der Straße von Gibraltar hat Marokko immer wieder das Interesse fremder Mächte auf sich gezogen. Diese haben entweder versucht, das Land zu erobern, oder nur einzelne Stützpunkte errichtet und sich für das Landesinnere nicht weiter interessiert. Prähistorische Funde zeigen, dass auch die Berber nicht die ersten waren, die das heutige Marokko besiedelt haben. Das waren, wie im ganzen Maghreb, die Phönizier, denen dann die Karthager folgten. Vom Jahre 42 n. Chr. bis zum 5. Jahrhundert gehörte das Land zum Römischen Reich. Nach der Herrschaft der Wandalen kam es im 6. Jahrhundert an die Byzantiner.
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Ende des 7. Jahrhunderts begannen die Araber, Marokko zu erobern und unter den dort lebenden Berbern den Islam zu verbreiten, um von hier aus die Eroberung Spaniens in Angriff zu nehmen. Nachdem vorerst noch lokale Stammesfürsten das Landesinnere regiert hatten, wurde es unter den Idrisiden vorläufig vereinigt und kam dann vom 11. bis zum 15. Jahrhundert unter die Herrschaft von drei aufeinanderfolgenden Berberdynastien. Die Almoraviden aus dem Süden Marokkos gründeten ein Reich, das sich von Spanien bis Mauretanien erstreckte, wurden aber schon 1147 von den Almohaden abgelöst. Unter ihrer Herrschaft kam Marokko zu einer kulturellen Blütezeit, aber in ihre Zeit fiel auch die erste Niederlage gegen die Kastilier (1212), die den Rückzug der Mauren aus Spanien einleitete. Schließlich besetzten Portugiesen und Spanier verschiedene Küstenstädte (Ceuta 1415, dann Tanger, Safi u. a.).
Seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist Marokko unter der Herrschaft von Monarchen arabischer Herkunft, deren Souveränität nur durch die Protektoratszeit unterbrochen war. Sie verdrängten die Portugiesen aus dem Land und wehrten die Türken ab, die schon Tunesien und Algerien unter ihre Kontrolle gebracht hatten.
1667 übernahmen schließlich die Aliden (Alawiten) die Führung des Landes. Der berühmteste Sultan dieser Dynastie, Mulai Ismail (Sultan von 1672-1727), eroberte mit einer großen Armee schwarzer Sklaven die Stützpunkte der Spanier und Engländer.
Die Unterstützung des berberischen Emirs Abd Al-Kader (1808-1838) gegen die Franzosen in Algerien durch den marokkanischen Sultan war für diese der Anlass, auch Marokko anzugreifen. Nach der Beschießung Tangers durch die französische Marine 1844 gab der Sultan nach.
Die Franzosen versuchten aber nicht, Marokko zu erobern, da Großbritannien die Unabhängigkeit Marokkos garantierte. Anfang des 20. Jahrhunderts provozierte der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) eine internationale Krise um Marokko, nachdem deutsche Firmen schon angefangen hatten, die Bodenschätze des Landes zu erschließen.
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Beim Wettbewerb der Großmächte um die Vorherrschaft über Marokko setzte sich schließlich Frankreich durch, indem es 1912 das Land zu seinem Protektorat erklärte. Nur den Spaniern überließen sie das Rifgebirge und die Küstenebene im Norden, von wo aus General Franco 1936 den Kampf gegen die spanische Republik begann. Nach einem Beschluss von Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien wurde Tanger 1923 zur internationalen Zone erklärt.
Unter dem französischen Generalresident Louis Hubert Gonzalve Lyautey (1854-1934) wurde die Infrastruktur des Landes, besonders das Straßennetz, entwickelt und mit der Kolonisierung großer Landflächen durch europäische Siedler die Grundlage für die exportorientierte Landwirtschaft gelegt.
Nach einem ersten Bauernaufstand unter der Führung von Abd Al-Krim (1882-1963) gegen die Spanier und dann gegen die Franzosen, der 1926 niedergeschlagen wurde, kam die nationalistische Opposition zunehmend aus den Reihen der intellektuellen Elite und der Arbeiter der Städte. In den 1930er Jahren wurden verschiedene Parteien gegründet, von denen dann die "Istiklal" die Führung der Unabhängigkeitsbewegung übernahm. |
Zu Beginn der 1950er Jahre hatte sie das ganze Volk erfasst und es kam zu Revolten und Aufständen in allen großen Städten. 1956 schließlich entließ Frankreich Marokko in die Unabhängigkeit. Auch Spanien gab 1958 bzw. 1969 seine Besitzungen in Marokko auf und behielt nur noch die Mittelmeerstädte Ceuta und Melilla. Zu Spannungen und Verstimmungen mit Spanien kommt es immer wieder wegen des Rauschgiftschmuggels und der Tätigkeit von Schleuserbanden, die tausende von Marokkanern illegal über die Meerenge von Gibraltar bringen.
Sultan Mohammed V. (1910-1961) ernannte sich 1957 zum König. Nach seinem Tod 1961 folgte ihm sein Sohn als Hassan II. (1929-1999) auf den Thron, der Anfang der 1970er Jahre zwei Putschversuche überstand. Er vertrat eine stärker nationalistische Politik und annektierte 1976 die frühere spanische Westsahara. |  |
Die Belastung der Wirtschaft durch den Krieg gegen die Polisario-Rebellen verschärfte allerdings auch die sozialen Spannungen im Land. Mit der friedlichen Lösung des Westsahara-Konflikts und der Normalisierung der Beziehungen zu Algerien hoffte Hassan II. seinem Traum von einem "Großen Maghreb" näher zu kommen.
Essaouira -- Die Stadt der Kreativität
Die marokkanische Stadt Essaouira war Ab Ende der 1960er Jahre ein Sehnsuchtsort der Hippies. Ihre Träume von einem anderen Sein konnten die jungen Menschen in dieser kleinen, verträumten Fischerstadt ausleben. »[...] Sie liebten die Musik und mystifizierten das einfache Leben.[...]«1 Essaouira war »[...] eines der ersten Aussteiger-Ziele. Jimi Hendrix, Cat Stevens und die Rolling Stones haben hier gelebt, Herbert Grönemeyer und Wolfgang Niedecken (BAB) ließen sich hier inspirieren.[...]«2 In dieser touristischen Märchenstadt finden sich heute, neben viel Kleinkunst und Folklore, auch zahlreiche esoterisch eingerichtete kleine Luxushotels, ausgestattet mit Hamam und Massageräumen, die gern von den älter gewordenen ehemaligen Hippies aufgesucht werden.
Zitat1: www.g26.ch, Fluchtpunkt Essaouira
Zitat2: marokko.com, Essaouira an der Atlantikküste
| Musik-Festival Gnaoua in Essaouira
»Das Festival Gnaoua ist ein Musikfestival zu dem Künstler und Musikliebhaber aus der ganzen Welt kommen.
Das Festival fand das erste Mal 1998 statt und hat sich seitdem, dank der Teilnahme von zahlreichen, internationalen Künstlern und Fans, als Kulturereignis von höchster Bedeutung durchgesetzt. [...]
Das Festival beinhaltet alle musikalischen Strömungen, konzentriert sich aber auch auf die Werke von Musikern aus Essaouira und Umgebung.
Gnaouas sind die Nachkommen der ehemaligen Sklaven aus Schwarzafrika. Nun in Brüderlichkeit in Marokko vereinigt, sind Gnaouas die Musiker und Zauberer (Maâlem) des Landes, Schlangenbeschwörer, Hellseher, Medizinmänner, ... Durch die Praxis ihrer Künste vermischen sie afrikanische mit arabisch-berberischen Traditionen. Obwohl sie muslimisch sind, haben sich die Gnauoas ihren Glauben an das Dasein der "Jinns" (Geister) und ihre Riten zu afrikanischen Besitzverehrungen bewahrt. [...]«
Zitiert aus: essaouira.costasur.com |
Der Staat
Marokko ist nach seiner Verfassung eine "konstitutionelle demokratische und soziale Monarchie", die aber nicht unbedingt an westlichen Vorstellungen von Demokratie und Sozialstaat gemessen werden kann. Der König ist die mächtigste und in allen Fragen entscheidende Instanz des Staates, und die Gesellschaft ist durch große soziale Gegensätze und patriarchalische Strukturen charakterisiert. Im religiösen und kulturellen Bereich ist Marokko eines der liberalsten islamischen Länder. |
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König Mohammed VI. von Marokko ist der dritte König des Landes und der 18. Monarch der seit über drei Jahrhunderten herrschenden Dynastie der Alawiden. Der König ist nicht nur Staatsoberhaupt Marokkos, sondern auch "Führer der Gläubigen", also geistliches Oberhaupt der moslemischen Bevölkerung. In der Politik des Landes steht er über allen anderen Institutionen und hat damit mehr Macht als die europäischen Monarchen. Die Bedeutung der Monarchie zeigt sich auch daran, dass der Tag der Thronbesteigung des früheren Königs Hassan, des Vaters von Mohammed VI. Nationalfeiertag ist. Durch seine politischen Funktionen und durch seinen Reichtum, der in einem krassen Gegensatz zur Armut eines großen Teils der Bevölkerung stand, besaß der von 1961 bis 1999 amtierende König Hassan II. auch große wirtschaftliche Macht.
Mit der Verfassungsreform nach einem Referendum im Juli 2011 verliert der König einige Rechte. |
Trotzdem hatte Hassan II. durch mehrere Verfassungsrevisionen eine gewisse politische Liberalisierung zugelassen. Seit der Revision vom 13.9.1996 verfügt das Land über ein parlamentarisches Zweikammersystem. Die erste Kammer ist die Nationalversammlung, deren Mitglieder für eine Legislaturperiode von 5 Jahren direkt gewählt werden.
Die Mitglieder der zweiten Kammer (Senat) werden auf regionaler Ebene oder durch Berufsorganisationen bestimmt. Die Partei der Unabhängigkeitsbewegung ("Istiqlal") und andere linke Parteien (z. B. die "Union Socialiste des Forces Populaires") waren lange Zeit in der Minderheit.
Dies lässt sich durch das in Marokko weit verbreitete System der "Patronage" erklären. Das bedeutet, dass lokale Fürsten, Großgrundbesitzer und Honoratioren dem "kleinen Mann" Arbeit verschaffen und dafür von ihm politische Unterstützung erwarten. Erst 1998 konnten die bisherigen Oppositionsparteien eine Mitte-Links-Regierung bilden. Damit besteht die Hoffnung, dass König Mohammed VI. (seit 1999) den Kurs einer vorsichtigen Liberalisierung fortsetzt.
29. November 2011: Abdelilah Benkirane (PJD) neuer Ministerpräsident
Am 29. November wurde der Chef der PJD, Abdelilah Benkirane, von König Mohammed VI. zum Ministerpräsidenten ernannt und mit der Bildung einer Koalitionsregierung beauftragt, bei der voraussichtlich die konservativ-nationalistische Unabhängigkeitspartei des bisherigen Ministerpräsidenten Abbas al Fassi und die Sozialisten vertreten sein werden.
25. November 2011: Parlamentswahlen
Die Parlamentswahl am 25. November hat die gemäßigt islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) gewonnen. Bei nur 45,4 Prozent Wahlbeteiligung errang sie 107 von 395 Sitzen und muss nun »[...] eine Regierungskoalition bilden. [...]« 1
Einige Oppositionsgruppen, darunter die "Bewegung des 20. Februar", hatten zuvor zum Boykott der Wahl aufgerufen. »[...] "Das System ist korrupt, hunderte Aktivisten sitzen im Gefängnis, viele wurden gefoltert. Die Entourage des Palasts wacht darüber, dass sie Macht und Einfluss behält. [...]" [...]« 2, so ein Aktivist der "Bewegung des 20. Februar".
Zitat1: www.focus.de, Gemäßigte Islamisten stärkste Partei in Marokko, 27.11.2011
Zitat2: www.tagesschau.de, Marokko wählt neues Parlament, 25.11.2011
Siehe auch: www.tagesschau.de, Neuer Ministerpräsident ernannt, 29.11.2011
»[...] Bemüht, das demokratisch freiheitliche Image seiner Partei zu betonen, äußerte sich Benkirane zur künftigen Ausrichtung der PJD, die vor allem in westlichen Medien voreilig als "islamistische" Bewegung wahrgenommen wurde:
"We are going to rule as a political and not a religious party. Religion belongs to mosques and we are not going to interfere in people’s personal lives."
Ihren hohen Zulauf verdankt die PJD offenbar vor allem ihren jüngsten wirtschaftspolitischen Ansätzen wie der Erhöhung des Mindestlohns um 50 Prozent, die gerade bei der armen Bevölkerung Marokkos auf Gehör stießen. [...]«
Zitat: www.eufrika.org, Parlamentswahlen in Marokko: Realpolitik als Alternative zur Revolution? 28.11.2011.
1. Juli 2011: Verfassungsreferendum
»[...] Gemäß der Reform verlor der König einen Teil seiner bisherigen Rechte und gilt nicht mehr als geistliches Oberhaupt aller Marokkaner. Er wurde außerdem verpflichtet, den Regierungschef aus der Partei mit den meisten Parlamentssitzen auszuwählen. Im weiteren sieht die neue Verfassung eine Gleichberechtigung der Berbersprache Tamazight mit dem Arabischen und eine deutlichere Trennung von Judikative und Exekutive vor. [...]« 1
»[...] Bei einem Referendum haben in Marokko mehr als 98 Prozent der Wähler für die Verfassungsreform zur Einschränkung der Machtkompetenzen von König Mohammed VI. gestimmt. [...]
Durch die geänderte Verfassung werden die Befugnisse von Ministerpräsident, Parlament und Justiz erweitert. Der König wird aber weiterhin eine zentrale Rolle im politischen System einnehmen: Er bleibt oberster Befehlshaber der Armee, darf weiterhin das Parlament auflösen und behält das letzte Wort in Fragen von Religion und Justiz. [...]«2
Zitat1: de.wikipedia.org, Parlamentswahlen in Marokko 2011
Zitat2: www.tagesschau.de, 98 Prozent für Verfassungsreform, 2. Juli 2011
17. Juni 2011: König Mohammed VI. stellt Reformpläne vor
»[...] Nach monatelangen Demostrationen für mehr Demokratie und Menschenrechte in Marokko, will König Mohammed ... Vorschläge für eine Verfassungsreform vorstellen. [...] Mohammed reagierte damit auf wachsende Kritik der Bevölkerung an seinem autokratischen Regierungsstil.
Denn auch in Marokko war es im Rahmen des arabischen Frühlings (ausgehend von Tunesien im Januar 2011; Anm. muz-online.de) zu Demonstrationen für mehr Demokratie und Bürgerrechte gekommen. [...]«
Die Reformplänen beinhalten, dass der Regierungschef und das Parlament mehr Rechte erhalten sollen. In der Folge sollen die Regionen mehr Macht erhalten. Das Justizwesen soll dementsprechend reformiert werden. Außerdem sollen die Rechte der Frauen gestärkt werden.
Bei allem Reformwillen will der König jedoch weiterhin seinen Einfluss als Staatschef und oberste Religionsinstanz behalten. Deshalb sind der Opposition die Reformankündigungen zuwenig.
Zitat: de.euronews.net, Marokko vor Reformen, 17. Juni 2011
Siehe auch: www.zeit.de, Marokkos König gibt kleinen Teil seiner Macht ab, 18. Juni 2011
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Einschließlich der von Marokko besetzten Westsahara ist das Land in 16 Regionen unterteilt. Obwohl Marokko einen geringeren Wüstenanteil als Algerien hat, ist auch hier die Bevölkerung sehr ungleichmäßig über das Land verteilt: Auf einem Zehntel der Fläche - auf dem Küstenstreifen im Nordwesten - leben zwei Drittel der Einwohner des Landes. Durch die wirtschaftliche Entwicklung in den Städten und die Verarmung der ländlichen Gebiete gibt es eine starke Landflucht, durch die in den Zentren die sozialen Probleme noch verschärft werden. Die dünner besiedelten Regionen Marokkos sind die Wohngebiete der ethnischen Minderheiten, der Berber und der Haratin. Die Berber als ursprüngliche Bevölkerungsgruppe haben sich in den Gebirgen ziemlich rein erhalten, während sie sich in den Städten und Ebenen mit der arabischen Bevölkerung vermischt haben. Die Haratin - Nachkommen schwarz-afrikanischer Sklaven - fallen vor allem in den Oasen südlich des Atlasgebirges auf. |
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Eine weitere Minderheit sind die Juden, die hier eine bessere gesellschaftliche Stellung haben als in den anderen arabischen Ländern. Nachdem zur Zeit des Protektorats rund 200.000 Juden in Marokko gelebt hatten, sind es heute mit etwa 30.000-40.000 immer noch viel mehr als in den Nachbarländern des Maghreb. Sowohl die Industrie als auch das Bildungs- und Gesundheitswesen sind nach wie vor auf den Einsatz ausländischer Experten - deren Zahl sich gegenwärtig auf etwa 100.000 beläuft - angewiesen. Aber auch mit diesen ist etwa die Versorgung mit Ärzten noch schlecht, vor allem auf dem Land.
Ob sich nach einer Lösung des Westsahara-Konflikts solche Mängel beheben und die soziale Lage der Bevölkerung verbessern lassen, hängt auch vom Weltmarktpreis des Phosphats ab und vom Umfang der Entwicklungshilfe, von der Marokko bisher schon mehr als die anderen Maghreb-Länder profitiert hat.
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Die Berber
Das Volk der Berber hat seinen Namen von den Römern verliehen bekommen. Für die Römer waren alle Völker, die nicht der griechischen oder römischen Zivilisation angehörten, "Barbaren". Später wurde diese Bezeichnung von den Arabern auf die Völker des nordwestlichen Afrika begrenzt und in diesem Sinn von den europäischen Sprachen als "Berber" übernommen. Die Berber selbst nennen sich als Volk "Imazighen", das heißt "die freien Menschen". Tatsächlich leben sie in ihren Dörfern auch freier als die Araber, zumindest was die Stellung der Frauen betrifft.
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Nur von ihrer Sprache her sind die Berber als Volk zu definieren, und selbst diese ist in eine Vielzahl von Dialekten aufgesplittert. Von der ethnischen Herkunft her ist die Bezeichnung "Berber" dagegen ein Überbegriff für Völker verschiedener Rassen aus Nordafrika, die zur Völkerfamilie der Hamiten gehören. |
Nach der Anzahl der verschiedenen Berberdialekte gibt es schätzungsweise über zehn Millionen Berber in Marokko und den anderen Maghreb-Ländern. In Marokko leben Berber vor allem im Rifgebirge und in den Atlasgebirgen sowie in den Oasen südlich davon. Die wichtigsten Volksgruppen der Berber in Algerien sind die Kabylen in der Kabylei, die Chaouia, die Mozabiten und die auch in anderen Saharaländern verbreiteten Tuareg. Auch in Tunesien leben Berber, so die Bewohner der Insel Djerba (Jazirat Jarbah) und die Nomaden im Süden des Landes. Außerdem werden einige Oasen in der östlichen Sahara, zum Beispiel Siwah in Ägypten, von Berbern bewohnt. | |
Schon bei einem Blick auf die Landkarte fällt bei den von Berbern besiedelten Gebieten auf, dass es dort viele Namen mit einem "t" am Anfang und am Ende gibt, zum Beispiel Telouet, Tafilal't, Tidekelt. Dieses doppelte "t" weist auf das weibliche Geschlecht der entsprechenden Wörter hin. So heißt der Stier "afunes" und die Kuh "tafunest". Solche Eigenheiten der Sprache sind allen Dialekten gemeinsam, aber vor allem im Wortschatz und vom Lautsystem her unterscheiden sie sich erheblich. |
 | Die Herkunft der Berber-Schrift, die heute fast nur noch von den Tuareg gebraucht wird, ist größtenteils bekannt. Sie entspricht etwa der Schrift der Garamanten, der früheren Bewohner des heutigen Libyen, die ihr Alphabet von den Phöniziern übernommen hatten.
In den ländlichen Gebieten leben die Berber in "Ksar" genannten befestigten Dörfern, die meistens aus Lehmziegeln gebaut sind. Unterwegs und in diesen Dörfern ist der auffallendste Unterschied zur arabischen Gesellschaft, dass sich die Frauen der Berber unverschleiert zeigen. Auch im Verhältnis zu den Männern sind die Berberfrauen freier als die Araberinnen. Einer vorislamischen Tradition entsprechend, können sie sich ihre Partner sogar, in einem gewissen Rahmen, frei wählen. Für die äußere Erscheinung der Frauen ist bei den Berbern auch der Gebrauch der Hennapflanze mit ihrem roten Farbstoff charakteristisch. Diese hat nicht nur eine kosmetische und dekorative Funktion, sondern soll auch bestimmte Krankheiten heilen und böse Geister vertreiben.
Außerdem ist Henna ein Symbol der Eintracht und des Friedens - das Wort "Henna" bedeutet auch "es schenkt Frieden". Die Dorfversammlungen, in denen Vertreter der Familienclans über die Angelegenheiten des Dorfes beraten und entscheiden, sind jedoch auch bei den Berbern reine, Männersache.
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Die Berber hatten in ihrer langen Geschichte mehrfach eigene Staaten, wie die Königreiche von Tahert, Tlemcen und Kairouan, aber da sie heute in den Maghreb-Ländern überall eine Minderheit darstellen, haben sie in keinem dieser Länder mehr politische Macht. Die heutigen Konflikte zwischen Arabern und Berbern sind zum Teil von den Franzosen vorbereitet worden, da diese schon in der Kolonialzeit die beiden Völker gegeneinander ausgespielt und die Elite der Berber bevorzugt hatten.
Das "Berberproblem" in Algerien ist brisanter als in Marokko, da der algerische Staat nach der Unabhängigkeit erst ein Nationalbewusstsein in der Bevölkerung entwickeln musste und deshalb die Kultur von Minderheiten noch weniger tolerierte, und weil gerade die Kabylen schon vor und während der französischen Kolonialzeit wirtschaftlich und sozial eine führende Rolle gespielt hatten.
Die oppositionellen Organisationen der Berber wurden nach der Unabhängigkeit weiterhin von Frankreich unterstützt. 1980 führte die Unzufriedenheit der Kabylen zu gewalttätigen Demonstrationen. Im Zuge der seit Ende der 1980er Jahre begonnenen Liberalisierung werden aber auch in Algerien den Berbern mehr Rechte zugestanden. In Tunesien sind die Berber fast vollständig in die arabische Gesellschaft integriert.
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Städte
Marokko ist bekannt durch seine "Königsstädte", wie es überhaupt ein Land der großen Städte ist. Über ein Drittel der Bevölkerung lebt in großen städtischen Zentren mit mehr als 300.000 Einwohnern. Das liegt zum einen daran, dass die marokkanischen Sultane und Könige seit langem abwechselnd in mehreren Städten residieren, die sich dann als sogenannte Königsstädte zu Großstädten entwickeln konnten. Zum anderen haben auch die Hafen- und Industriestädte die Landbewohner angezogen, so dass Marokko so viele Großstädte besitzt wie ähnlich große europäische Länder.
Königsstädte sind Fes, Marrakesch, Meknes und Rabat, von denen jede ihren eigenen Charakter hat und jede für den König und das Land andere Funktionen erfüllt.
Fes ist die älteste Königsstadt. Seine Altstadt ist Anfang des 9. Jahrhunderts unter den Idrisiden, der ersten in Marokko herrschenden Araberdynastie, gegründet worden. In der Vergangenheit war Fes nicht nur die Hauptstadt Marokkos, sondern auch die wichtigste Stadt des ganzen Maghreb - in religiöser, politischer und kultureller Hinsicht. Aus allen Epochen ihrer Geschichte sind Paläste und Moscheen erhalten, und ihre Universität (gegründet 859) ist zusammen mit der von Kairo die älteste der islamischen Welt. Wegen ihrer historischen Bedeutung ist Fes heute noch der Austragungsort für Gipfelkonferenzen der arabischen Staaten und andere internationale Treffen. |  |
Im Gegensatz zu der arabischen Stadt Fes hat Marrakesch typisch berberischen Charakter. Die auch "Perle des Südens" genannte Stadt gilt als eine der schönsten des Maghreb und ist deshalb nach dem Badeort Agadir das zweite Touristenzentrum des Landes. Wie groß Marrakesch schon früher gewesen ist, zeigt die Medina, die Altstadt arabischer Städte, die von einer 12 km langen Mauer umgeben wird. In der Altstadt befindet sich auch der farbenprächtige Souk (Suk, Suq), das Marktviertel, in dem die Gasse der Färber die größte Attraktion ist.
Meknes, westlich von Fes gelegen, ist die drittälteste der vier Königsstädte Marokkos. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Stadt von Sultan Mulay Ismail als "marokkanisches Versailles" zur Residenzstadt ausgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das Bab Mansur, das größte Stadttor Marokkos.
Die Hauptstadt Rabat, nach Casablanca die zweitgrößte Stadt des Landes, ist die vierte der Königsstädte. Als Stadt stammt auch Rabat aus dem Mittelalter, aber politische Bedeutung bekam sie erst 1912, als der französische General Lyautey aus ihr die Verwaltungshauptstadt des Protektorats machte. Neben Baudenkmälern aus der Almohadenzeit besitzt Rabat auch das Mausoleum von Mohammed V.
Vier andere große Städte stehen beispielhaft für das moderne Marokko - jede von ihnen aus einem anderen Grund: Tanger (Tanjah), Casablanca, Oujda (Ujdah) und Agadir. |
 | Tanger an der Straße von Gibraltar ist zwar eine der ältesten Städte Marokkos - gegründet als phönizische Handelsniederlassung -, hatte aber seine Blütezeit erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese wurde möglich durch den besonderen Status Tangers während der Protektoratszeit, als die Stadt unter internationaler Verwaltung von Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien stand. In dieser Zeit entwickelte sie sich zu einem bedeutenden Handelszentrum - und zu einer Stadt der Schmuggler und Agenten. Mit der Unabhängigkeit Marokkos wurde auch das Sonderstatut Tangers aufgehoben, nur ein gewisser Mythos ist geblieben. Auch Casablanca, die mit fast drei Millionen Einwohnern größte Stadt Nordwestafrikas, lebt mit einem Klischeebild, das durch den gleichnamigen Film entstanden ist. In der Realität ist "Casa" eine nach wie vor in stürmischem Wachstum begriffene Hafen- und Industriestadt. Aus der Kleinstadt, die Casablanca bis 1900 gewesen ist, machten die Franzosen durch den Hafen, vor allem für den Phosphatexport, und durch Industrieansiedlungen das wirtschaftliche Zentrum. |
Bei dem überaus schnellen Wachstum der Stadt konnte der Wohnungsbau nicht mithalten, so dass große "Bidonvilles" (Slums) entstanden, die erst in den 1970er Jahren durch moderne Wohnviertel ersetzt wurden. Durch seine rasche industrielle Entwicklung - mit entsprechender Umweltverschmutzung - und seine sozialen Gegensätze ist Casablanca
auch ein Symbol für den problematischen Übergang der Dritten Welt zur Industriegesellschaft. Agadir im Südwesten und Oujda im äußersten Osten Marokkos stehen für die zukünftige Entwicklung des Landes. Agadir bietet schon deshalb das Bild einer modernen Stadt, weil es nach dem schweren Erdbeben von 1960 völlig neu aufgebaut werden musste. Geprägt wird Agadir vor allem durch die zahlreichen Hotelkomplexe, da es durch seine langen Sandstrände und sein mildes Klima zum wichtigsten Fremdenverkehrszentrum geworden ist. Oujda ist durch die in der Nähe abgebauten Bodenschätze (Anthrazit, Mangan) vor allem eine Industrie- und Handelsstadt. Die Funktion als Handelszentrum wird in nächster Zeit mit der Normalisierung des Verhältnisses zu Algerien noch größere Bedeutung bekommen, da Oujda auch eine wichtige Station für den Eisenbahn- und Straßenverkehr mit dem Nachbarland ist.
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Westsahara
Offizieller Name: Demokratische Arabische Republik Sahara
Hauptstadt: AI Aaiún
Fläche: 266.000 km², hauptsächlich Wüste
International nicht allgemein anerkannte Republik, seit August 1979 von Marokko annektiert; Exilregierung; die Unabhängigkeitsbewegung POLISARIO ist von Algerien aus aktiv
Bevölkerungszahl: 273.000 (1999); rd. 80.000 Sahraouis leben z. Zt. in Flüchtlingslagern in Algerien
Sprache: Arabisch, Spanisch, Berberdialekte
Religion: Moslems der sunnitischen Glaubensrichtung
Währung: Marokkanischer Dirham
Exportgüter: Phosphat, Salz, Viehzuchtprodukte, Fisch
Importgüter: Nahrungsmittel, Maschinen u. a. |
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Der "Wüsten-Staat" mit einer Fläche von 266.000 km² ist fast menschenleer, doch reich an Phosphat und - in der 2OO-Meilen-Zone der Atlantikküste - an Fischvorkommen. Dies erklärt, warum während des Rückzugs Spaniens aus seiner ehemals größten Besitzung in Afrika Mitte der 1970er Jahre die Nachbarn Marokko im Norden und Mauretanien im Süden um ihre Besitzansprüche in diesem Gebiet stritten.
Der Kampf um die Westsahara
Marokkos König Hassan II. (1929-1999) verwies auf die lange gemeinsame Geschichte der Regionen und setzte 1975 mehrere hunderttausend Marokkaner zu Fuß und mit einfachen Fahrzeugen in Bewegung. Diesem "Grünen Marsch" zur friedlichen Besetzung des nördlichen Teils der Westsahara folgte ein Jahr später die marokkanische Armee. Sie bekämpfte die nationalistische Volksfrontbewegung POLISARIO (Frente Popular para la Liberación de Saguia el-Hamra y Río de Oro, so der Name der beiden Landesteile der Westsahara), die ihrerseits die Unabhängigkeitsbestrebungen Westsaharas 1976 durch die Proklamation der "Demokratischen Arabischen Republik Sahara", (DARS) verdeutlichte.
Mauretanien hielt bis 1979 den südlichen Teil des Landes besetzt. Weil der nie offen erklärte Krieg aber immer wieder auf das mauretanische Staatsgebiet übergriff, gab die Regierung in Nouakchott schließlich ihren Anspruch auf und unterstützte fortan die POLISARIO im Kampf gegen Marokko. Das wiederum annektierte nach dem Rückzug Mauretaniens 1979 die gesamte Westsahara. Nach anfänglich militärischen Erfolgen der POLISARIO ließ Marokko einen Teil Westsaharas mit Befestigungswällen umgeben, die seit 1985 mit einer Länge von etwa 2400 km das Gebiet unterteilen.
Inzwischen wurde die POLISARIO von vielen Nationen offiziell als Vertreterin der Sahraouis, der Bevölkerung Westsaharas, anerkannt. Doch Marokko widersetzte sich beharrlich allen Beschlüssen der Vereinten Nationen und der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), in diesem Gebiet das Recht auf Volksabstimmung zuzulassen. Erst 1988 kam es zu einer Annäherung im Westsahara-Konflikt durch den Stimmungswandel des marokkanischen Königs zugunsten eines Referendums. Er hoffte auf Zustimmung der im Land verbliebenen Sahraouis für seine seit 1975 betriebene Investitionspolitik in den phosphatreichen Gebieten der Westsahara. Zusammen mit den Stimmen der im Rahmen der "Marokkanisierung" angesiedelten Marokkaner könnte die Volksabstimmung zugunsten des Anschlusses an Marokko ausfallen, doch das Referendum wurde immer wieder verschoben. Während Marokko vom Westen kontinuierlich mit modernsten Waffen und elektronischen Systemen versorgt wurde, baute die Schutzmacht Algerien allmählich ihre Unterstützung für die Befreiungsbewegung ab. Internationale Kritik zwang Marokko 1991 zu einem Waffenstillstand und der Zustimmung zu einem UN-Friedensplan.
Seitdem sind UNO-Blauhelme in der Westsahara stationiert. Hinsichtlich der Durchführung des Referendums verfolgte Marokko eine Verschleppungstaktik, um einen Erfolg der POLISARIO zu verhindern. Erst im Jahr 1997 kam es unter Vermittlung der UNO zu einer Einigung, die eine Durchführung der Abstimmung bis Ende 1998 vorsah. Unter Vermittlung der Vereinten Nationen verhandelten Vertreter Marokkos und der POLISARIO im September 2000 über eine politische Lösung des Konflikts. Die Gespräche endeten ohne Ergebnisse.
Bereits während der spanischen Kolonialzeit waren in der Sahara große Phosphatminen eröffnet und das Phosphat zum Hafen AI Aaiún transportiert worden. Die Industrialisierung aber auch die politischen Unruhen haben binnen weniger Jahrzehnte das Leben der Menschen grundlegend verändert. Transsahara-Kamelkarawanen, Hirtennomadismus und Oasen-Landwirtschaft sind wie in den Anrainerstaaten bedeutungslos geworden. Die Mehrheit der Bewohner ist heute in den beiden einzigen Städten AI Aaiún und Ad Dakhlah sesshaft geworden. Viele der früheren Wüsten-Nomaden sind in kürzester Zeit von den Kamelen auf moderne Transportfahrzeuge umgestiegen.
Der Fischfang entlang der Atlantikküste wird in Zukunft einen Wesentlichen Beitrag zum Einkommen und zur Ernährung der ansässigen Bevölkerung der "neuen marokkanischen Süd-Provinz" aber auch Marokkos leisten. Schon heute ist Westsahara durch eine Teerstraße an Marokko angebunden und wird sich nach einem endgültigen Friedensschluss touristisch möglicherweise zu einem Anhängsel des von Marrakesch und Agadir operierenden exklusiven Wüsten- oder Abenteuer-Tourismus entwickeln.
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