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Offizieller Name: Islamische Republik Mauretanien
Hauptstadt: Nouakchott
Fläche: 1.025.520 km²
Landesnatur: Dornsavanne des Sahel im S, im N Sahara, im W Küstenebene, nach
NO anschließend Sandsteinplateaus
Klima: Subtropisches Wüstenklima
Hauptflüsse: Senegal
Höchster Punkt: Kidyat Ijjill 915 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 13 Regionen
Parlament: Nationalversammlung mit 79 für 5 Jahre gewählten Mitgliedern
und Senat mit 56 für 6 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 28. November
Einwohner: 2.598.000 (1999); 3.086.859 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 3 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 54% (1999)
Analphabetenquote: 62% (1999)
Sprache: Amtssprachen sind Arabisch und Wolof; Französisch ist Handels- und Bildungssprache. Die Mauretanier arabischer oder berberischer Abstammung sprechen den arabischen Hassaniya-Dialekt. Daneben auch andere Sprachen, u. a. Solinke und Pulaar.
Religion: Moslems (99,6 % malakitische Sunniten); christliche Minderheiten
Importgüter: Konsumgüter, Nahrungsmittel, Erdölraffinerieprodukte, chemische Erzeugnisse, Maschinen, Fahrzeuge
Exportgüter: Eisenerze, Fisch u. Fischprodukte, Viehzuchtprodukte, Gummiarabikum, Salz
Mauretanien ist ein Wüstenstaat mit einem
Flußufer am Senegal im Süden und einem Küstenstreifen am Atlantischen Ozean im Westen. Nur die in den letzten Jahrzehnten entdeckten, für Touristen schwer und nur kostspielig erreichbaren, archäologischen Funde erinnern noch daran, daß das Gebiet des heutigen Wüstenstaates Mauretanien einst zu großen Teilen fruchtbares Land war. Die Ausbreitung der Wüste ist weniger durch die klimatischen Veränderungen als vielmehr durch menschliches Handeln verursacht worden.
Im südlichen Teil Mauretaniens und hier vor allem in der Nähe des Senegal-Flusses lebten
über viele Jahrhunderte vorwiegend Ackerbau treibende, schwarz-afrikanische Völker. Im Mittelalter gehörten sie zu dem Einzugsbereich des Großreichs von Ghana. Doch schon seit dem 3. Jahrhundert drangen immer wieder berberische und arabische Stämme von Nordafrika her nach
Süden vor. Um das Jahr 1000 beschrieben arabische Reisende den sagenhaften Reichtum und
den für die damalige Zeit hohen Entwicklungsstand der Region. Nach erfolgreicher Invasion
im 11. Jahrhundert herrschten die Almoraviden, deren Dynastie mit dem Kernreich Marokko bis
nach Spanien reichte. Sie islamisierten das Gebiet, doch zerstörten sie dabei die einst blühende Zivilisation in den Gebieten des Senegal-Flusses. |
Nach dem Zusammenbruch des Almoravidenreichs Mitte des 12. Jahrhunderts verblieb der nördliche Teil des heutigen Mauretaniens bei Marokko, der südliche Teil fiel an Mali. Mit den kriegerischen Auseinandersetzungen im Mali-Reich drängten Araber nach Mauretanien, vertrieben die lokale afrikanische Bevölkerung oder machten die in ihrem Gebiet lebenden schwarzen Bewohner zu Sklaven.
Das Interesse der europäischen Kolonialmächte war aufgrund der schlechten Handelsmöglichkeiten lange Zeit gering. Frankreich, das im 18. Jahrhundert seinen Anspruch am Senegal durchsetzen konnte, dehnte seinen Machtbereich erst im 20. Jahrhundert endgültig auf das mauretanische Gebiet aus. Bis 1934 leisteten einzelne der damals noch überwiegend in der Wüste nomadisierenden Gruppen der französischen Kolonialmacht Widerstand. |
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In der Zeit der nur 26 Jahre dauernden französischen Kolonialherrschaft wurde Mauretanien von Senegal aus mitverwaltet. Das Wüstengebiet erlangte 1960, wie alle französischen Kolonien Westafrikas, seine nationale Unabhängigkeit, blieb aber auch in der Folgezeit noch lange dem Einfluß Frankreichs ausgesetzt. Der erste Staatspräsident der Islamischen Republik Mauretanien und Vorsitzender der Einheitspartei "Parti du peuple mauretanien" (PPM) war Moktar Ould Daddah (* 1924). |
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Er setzte sich erfolgreich gegen den marokkanischen König Hassan II. durch, der das mauretanische Staatsgebiet einem großmarokkanischen Reich eingliedern wollte. Doch ließ Daddah sich auch in die nachkolonialen Wirren der ehemals Spanischen Sahara verwickeln, um deren Phosphatvorkommen Marokko mit Waffengewalt stritt. Nachdem Mauretanien 1975 den südlichen Teil der Westsahara besetzt hatte, trugen die ethnisch mit den Mauretaniern verwandten Guerilleros der POLISARIO den Krieg auch in mauretanisches Staatsgebiet. Über Monate legten sie die wichtigste Einnahmequelle des Landes, die Erzminen von Zouirät, lahm. Daraufhin gab Mauretanien seinen Anspruch auf den Südteil der Westsahara auf und schloß einen Friedensvertrag mit der POLISARIO.
Die wirtschaftliche Krise und die innenpolitische Auseinandersetzung um die Sahara-Politik
bewirkten den Sturz der ersten zivilen Regierung im Jahre 1978 und einen raschen Wechsel
in der Führung der Militärregierungen. |
Ab 1984 war Oberst Mawiya Ould Sid' Ahmed Taya
(* 1943) Staatsoberhaupt des Landes. Auch ihm ist es, wie seinen Vorgängern, nicht gelungen,
neben der anhaltend schwierigen Situation das ethnische Problem in dem Land zu lösen.
Trotz
Integrationsversuchen ist die Vorherrschaft der weißen Mauren über die schwarze Minderheit
ungebrochen. Auch nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei durch das Gesetz von
1980 werden heute immer noch Schwarzafrikaner von den Mauren zur Sklaverei gezwungen. Die "mauretanische Apartheid" verschlechtert zunehmend auch das Verhältnis zum Nachbarstaat Senegal, der nach den großen Dürrekatastrophen für viele Mauretanier zum Zufluchtsort wurde. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel in 1999 führte einerseits zu massiven Protesten in arabischen Staaten, andererseits wurden dem Land Schulden in Höhe von über 1 Mrd. US-Dollar erlassen.
Oberst Mawiya Ould Sid' Ahmed Taya wurde im August 2005 in einem Putsch gestürzt. Sein Nachfolger ist seitdem Ely Ould Mohamed Vall.
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Das Land
Die Bevölkerung Mauretaniens besteht zu über drei Vierteln aus hellhäutigen Mauren, einer Mischung aus Arabern, Berbern und einem geringen Teil Schwarzafrikanern. Nur im südlichen
Teil des Wüstenstaates leben mehrheitlich Schwarzafrikaner, und zwar Volksgruppen der
Fulani oder Fulbe, Tukulor und Soninke sowie kleinere Gruppen von Bambara und Wolof. Die
unterschiedliche Lebensweise und Sprache schüren seit Jahrhunderten den ethnischen Konflikt
zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen und erschweren noch heute die Bildung einer Nation,
deren einziges verbindendes Element die Staatsreligion, der Islam sunnitischer Richtung, ist. |
Seit dem Einzug der Araber im 13. Jahrhundert nahm die schwarzafrikanische Bevölkerung
in Mauretanien in der Gesellschaftsstruktur die unterste Ebene der Sklaven ein. Erst 1980 wurde
die Sklaverei offiziell abgeschafft, doch noch heute hält die Diskriminierung der Schwarzafrikaner an. Die forcierte Arabisierung drängte die schwarzafrikanische Bevölkerung in Staat und Wirtschaft immer mehr ins Abseits.
Die rasch aufeinanderfolgenden Regierungen waren unfähig, eine der wichtigsten Einnahmemöglichkeiten des Landes, die Fänge ausländischer Fischereiflotten vor ihrer Küste, zum Nutzen der Bevölkerung zu kontrollieren. Die fortschreitende Verwüstung des Landes ließ zudem
die ohnehin kleinen Weideflächen im Sahel rasch weiter schrumpfen. Deshalb versuchten
die Regierungen mit der Erschließung des schmalen landwirtschaftlich nutzbaren Streifens
am Nordufer des Senegal-Flusses, dem Grenzfluß zum Nachbarland Senegal, die Abhängigkeit von lebensnotwendigen ausländischen Nahrungsmittelhilfen zu drosseln. |
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Wasser, das kostbare Gut
Ende der 1980er Jahre waren die beiden gemeinschaftlich von den drei Staaten Mauretanien,
Senegal und Mali errichteten Dämme von Diama, nahe der Mündung auf senegalesischem
Gebiet, und Manantali, am Oberlauf in Mali, fertiggestellt. Sie sollten eine ganzjährige Bewässerungslandwirtschaft ermöglichen und mit der Schiffbarmachung des Flusses neue Verkehrswege erschließen. Für den Bau von Bewässerungskanälen und anderen landwirtschaftlichen Einrichtungen fehlte jedoch das Geld.
Der Bau der Großdämme hat nicht nur wesentlich zur Verschuldung aller drei Staaten beigetragen. Es verschärften sich auch die seit Jahrhunderten bestehenden Spannungen zwischen den herrschenden, meist nomadisierenden weißen Mauren und den vornehmlich als Ackerbauern lebenden schwarzafrikanischen Völkern. In der Region konkurrierten seit arters die Bauern und die Viehzüchter um das knappe und durch Wasservorräte wertvolle Land. |
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Während die maurischen Viehzüchter früher immer zu Beginn der jährlichen Trockenzeit mit ihrem Vieh an den Fluß gezogen waren, blieben jetzt viele von ihnen an Ort und Stelle. Viehzüchter, die durch die großen Dürren im Sahel viehlos geworden sind, versuchten sich nun als seßhafte Bauern.
Die ethnischen Auseinandersetzungen in Mauretanien führten auch zu Spannungen im
Verhältnis zum Nachbarstaat Senegal. Das Land beherbergt nicht nur Anhänger der
schwarzafrikanischen mauretanischen Befreiungsbewegung sondern auch mehrere Tausend
weiße Mauren, die schon lange als Händler ihren Lebensunterhalt im Senegal verdienen und
in den Städten und Dörfern des Landes den gesamten Kleinhandel beherrschen. In Solidarität
mit ihren schwarzen Stammesbrüdern begann eine Hetzjagd der Senegalesen gegen die weißen
Mauren, die um ihr Leben fürchten mußten. Die Verfolgten wurden mit Hilfe einer Luftbrücke
nach Mauretanien ausgeflogen. Im Gegenzug entledigte sich das "weiße" Mauretanien in den
Wochen und Monaten danach systematisch seiner schwarzen Mitbürger. Die massenhafte Rückwanderung der Auslandsmauren und die Verzögerung von geplanten technologischen Vorhaben am Senegal-Fluß
verschärften die wirtschaftlichen Probleme des Landes. Das von Dürren, Krieg und durch den
Preisverfall seiner Erze geschwächte "Bindeglied zwischen dem weißen und dem schwarzen Afrika" ist ein "weißer", berberisch-arabisch-islamischer Staat geworden. Im Innern hoffnungslos zerstritten und wirtschaftlich nicht überlebensfähig, wird heute eine stärkere Anbindung an den nordafrikanischen Maghreb gesucht. |
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Nouakchott
Die Hauptstadt Nouakchott bestand zum Zeitpunkt ihrer Gründung im Jahr der Unabhängigkeit nur aus einer Ansammlung von Zelten. Der kurzfristige Erzboom des Landes förderte den Ausbau von Staat, Verwaltung und modernen Bauten, die im traditionellen Berberstil errichtet
worden sind. Heute ist die Stadt zum Wohnort etwa eines Viertels der Gesamtbevölkerung
Mauretaniens angewachsen. Zahlreiche Bewohner sind ehemalige maurische Nomaden, die
nach dem Verlust ihrer Herden vor der Dürre und der zunehmenden Verwüstung geflohen
sind, um in der Hauptstadt ein neues Leben zu beginnen. Doch in der Stadt, in der es kaum
Arbeitsplätze in der Industrie gibt, führen sie nicht selten ein Leben in Armut in den Elendsvierteln, den Zeltslums von Nouakchott.
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Literatur
Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.932 f.
www-Links
Beziehungen zwischen Mauretanien und Deutschland
Mauretanien - aktuelle Reisemedizin
Uhrzeit und Landesinfo
Nomaden auf der Schiene - Der längste Zug der Welt
Mit Frauen-Power durch die Wüste
Online Reiseführer Mauretanien
Mauretanien - Städte & Provinzen - Einwohnerzahlen & Karten
Mauretanien (Friedensratschlag). Uni Kassel, AG Friedensforschung: Berichte, Analysen, Informationen
Botschaft der Islamischen Republik Mauretanien in Deutschland
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Mauretanien
Die GTZ in Mauretanien
Meeresalgen und Wüstensand - Ein Reisebericht von Kai Hoppe
ÄRZTE OHNE GRENZEN - Mauretanien: Cholera-Ausbruch in der Hauptstadt Nouakchott
irinnews.org - United Nations - OCHA IRIN Africa News
CIA - The World Factbook -- Mauritania
Mauritania Travel Information | Lonely Planet Destination Guide
A Country Study: Mauritania
Amnesty International - Reports
Languages of Mauritania
Mauritania - photos, informations and reservations
Islam
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