Frauen in Marokko

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Schönheit von Kopf bis Fuß
Innerhalb eines sehr großen geographischen Bereichs, der sich vom Mittleren Atlas bis zur Sahara erstreckt, existieren immer noch einige Frauen, die traditionelle Kleidung tragen, deren Ursprungsdatum bis in römische Zeiten zurück reicht. Berbische Frauen sind ausgezeichnete Weber. Sie verwenden ihre eigene Wolle oder Baumwolle "izar". Ebenso stellen sie ihre "hendira", eine kleine Wolldecke, die als ein Mantel getragen wird, her - sie repräsentiert den zentralen Artikel berbischer Kleidung. Tattoos, Kopfschmuck, Schmuck, Gürtel und Schuhe weisen allesamt in allen Regionen einen großen Variationsreichtum auf und zeigen die großen Fertigkeiten der marokkanischen Goldschmiedekunst. Jedoch die schnelle Invasion des westlichen Lebensstils sowie industriell hergestellte Materialien, wie Kunststoff, Farben und Kleidung, haben das regionale ländliche Kostüm beeinflusst, das zunehmend seine Authentizität verliert und mehr oder weniger zum einfachen Volkskostüm degeneriert, das lediglich Touristen gezeigt wird.
Beginnend im 19. Jahrhundert wurde die traditionelle Kleidung der Stadtfrauen in Folge des intensiven Austausches mit anderen Ländern beeinflusst. Dies ist der Fall des "Djellabas", das ursprünglich ein männliches Kleidungsstück ist. Es hat viele Änderungen in den letzten vier Jahrzehnten erlebt. Es hat zwar dieselbe Struktur behalten, aber den ursprünglich rigorosen Schnitt und die nüchternen Farben verloren, außer wenn es von konservativeren oder älteren Frauen getragen wird. Der "Kaftan" ist das Grundkleidungsstück der marokkanischen Frau geblieben.
Trotz des starken modernen Einflusses, bildet die traditionelle Kleidung noch immer die Grundgarderobe der marokkanischen Frauen aller sozialen Klassen. Man muss nur zu einer Hochzeit oder einer religiösen Zeremonie gehen, um zu merken, wie sehr marokkanische Frauen und Männer ihren schönsten Traditionen treu bleiben.

Marokkanische Frauen kämpfen für ihre Rechte
Entsprechend der marokkanischen Verfassung hat die marokkanische Frau dieselben politischen Rechte wie der Mann, aber die Tradition fordert, dass sie diskret im Hintergrund bleibt. Sie ist ein Gewerkschafter, der keine Reden hält, aber hinter der Bühne streitet, um ihre vollen Rechte zu erhalten. Und sie erreicht zunehmend, Rechte der aktiven Frau einzuführen. Sie ist auch in der Politik; sie kann Teil des zentralen Kommitees jeder politischen Partei sein. Sie arbeitet sehr schwer um sich und der zukünftigen Generation zu beweisen, dass Frausein und Politik nicht unbedingt inkompatibel sind.
Anfang des 21. Jahrhunderts wurde ein nationales Komitee mit dem Ziel eingesetzt, entsprechend den Idealen der Vereinten Nationen die Frauen stärker am politischen Leben und im nationalem Rat für die Revision des marokkanischen Familiengesetzes teilnehmen zu lassen. Dies ist ein sehr komplexes Feld, wo Religion und sozialer Konservatismus mit der Dringlichkeit der Änderung kollidieren.

Im Artikel 13 der Verfassung des marokkanischen Königreiches wird allen Bürgern das Recht auf Bildung und Arbeit gewährt. Marokko hat den internationalen Vertrag über ökonomische, soziale und kulturelle Rechte ratifiziert. Marokko hat dasselbe mit internationalen Gewerkschaften und Parteien für die Absicherung von Frauen und dem Prinzip der Gleichheit zwischen den Geschlechtern getan. Jedoch behauptet sich die Tradition weiterhin, dass sie gegenüber dem Ehemann die unterwürfige Ehefrau ist. Dabei zeigt der Koran ungeheure Sorge für Frauen.

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Er gewährt ihr viele Rechte: sie ist danach ebenso frei wie der Mann; sie kann Eigentum besitzen und hat vollständige Kontrolle darüber; sie muss in die Ehe einwilligen. Der Islam erlaubt und beschränkt auch Polygamie. Jedoch kann eine Frau eine Zusatzklausel zum Ehevertrag fordern, die angibt, dass der Ehemann monogam bleibt.

Die marokkanische Frau ändert ihre Stellung in der Gesellschaft
Seit 1989 ist die Analphabetenrate der Frauen Dank des gemachten Fortschritts seit der Unabhängigkeit Marokkos zurückgegangen, mit dem Erfolg, dass es zu einer relativen Überqualifizierung weiblicher Tätigkeit geführt hat. Seit den achtziger Jahren nahmen marokkanische Frauen auf dem ökonomischen Sektor mehr und mehr Stellen in der Stadt ein. Sie sind repräsentiert in allen Industriezweigen, sozialen Dienstleistungen, Bildung, sowohl Haushalttätigkeiten als auch in ihrem eigenen Geschäft. Viele Frauen wollen sich in viele Berufsfelder etablieren, die sonst nur den Männern vorbehalten waren: Fluggesellschaftspiloten, Journalisten, Schriftsteller und Forscher. Marokkanische Frauen sind Romanautoren, Schriftsteller, Dichterinnen, Schauspielerinnen oder Journalisten, die ihre Inspiration im Alltäglichen, Historischen, Phantastischen oder bei den Romantiker finden. Die Mentalität der marokkanischen Menschen hat sich geändert. Die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen nimmt offensichtlich ab..
Auch auf dem Land sind Frauen sehr aktiv. Sie machen fast 50% der aktiven ländlichen Bevölkerung aus und bilden damit die Mehrheit der Arbeiterschaft.

Gleichzeitig ist die marokkanische Frau in der Rolle der Mutter eine wahre Hüterin der Traditionen. Sie ist die nahrhafte Mutter und der Pädagoge. Sie erhält das Leben aufrecht, zementiert Identität und hält Traditionen aufrecht. Sie bleibt jedoch in dieser patriarchalischen Gesellschaft auf dem zweiten Rang hinter dem Vater oder dem Ehemann. In der Welt der Musik gibt es viele Frauen, die verschiedene Instrumente in traditionellen oder modernen Orchestern spielen, unter ihnen Ghislane Hamadi, die viele internationale Preise gewonnen hat. Viele andere Sängerinnen sind in Marokko oder in der arabischen Welt im allgemeinen sehr hochgeschätzt .

- Amin Dabbagh, International Community, Vol.VIII, No.1, S.6ff. (aus dem Englischen übersetzt)

Die Mourchida (Religionslehrerin)
König Mohammed VI. will die Rolle der Frauen stärken, und die Rechtsprofessorin Raja Naji erklärt den Männern, warum das nicht im Gegensatz zum Islam steht. Raja Naji durfte im Ramadan 2004 als erste Frau in der Geschichte Marokkos vor dem König eine religiöse Ansprache halten. Ihrer Auffassung nach seien die Frauen im Islam einst sehr viel mehr eingebunden gewesen als heute. Es habe dann politische Probleme gegeben, Frauen seien als Sklaven genommen oder entführt worden. Um sie zu schützen, habe man sie ins Haus verbannt und schaltete sie aus dem gesellschaftlichen Leben aus.
Nun, seit 2006, darf sich eine Frau zur sogenannten Mourchida (religiöse Führerin) ausbilden lassen. Die Ausbildung zur Mourchida entspricht den Inhalten jener zum Imam und findet gemeinsam mit den Männern im selben Unterrichtsraum statt. Hierbei dürfen die Frauen derzeit den Koran jedoch nur leise rezitieren. Auch sonst ist die Mourchida dem Imam nicht gleichgestellt (der malekitische Islam erlaubt nicht, dass die Frau in der Moschee vor der gesamten Gemeinde als Vorbeterin steht). Dennoch darf diese Neuerung durchaus als kleine Revolution in der marokkanischen Gesellschaft betrachtet werden. So düfen die Mourchidates in Schulen, Krankenhäusern und Gefängnissen Koranunterricht erteilen, sowie innerhalb der Moschee vor Frauen predigen und mit den Frauen Gebete sprechen, ebenso geben sie Ratschläge in Lebensfragen.

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