Willkommen in Niger

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Offizieller Name: Republik Niger
Hauptstadt: Niamey
Fläche: : 1.267.000 km²
Landesnatur: Im SW Nigerbecken, im SO Tschadbecken, im N Aïr-Gebirge, im W Wüste Talak, im O Sandwüste Ténéré, im NO Plateau du Djado
Klima: Trockenheißes Klima, lm SW Sudanklima mit Sommerregen, nach NO in extremes Wüstenklima übergehend
Hauptflüsse: Niger
Höchster Punkt: Gréboun 1944 m
Tiefster Punkt: Ufer des Tschadsee 240 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 8 Departements
Parlament: Nationalversammlung mit 83 für 5 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 18. Dezember
Einwohner: 10.400.000 (1999); 11.665.937 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 8 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 21% (1999)
Analphabetenquote: 84% (1999)
Sprache: Französisch (Amtssprache), Fulfulde, Hausa, Zarma
Religion: Moslems 80%, Anhänger von traditionellen Religionen, Christen
Importgüter: Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse, Nahrungsmittel, Fahrzeuge
Exportgüter: Uranerze, Erdnüsse, Gemüse, Vieh, Zinn, Fische, Gummiarabikum, Salz


Der an der Nahtstelle zwischen weißem und schwarzem Afrika gelegene Staat Niger ist das größte westafrikanische Land. In den letzten Jahrzehnten gemachte Funde beweisen, dass schon vor Beginn des christlichen Zeitalters im Gebiet des heutigen Staates Niger auf der Basis spezialisierten Handwerks und des Handels komplexe und hochentwickelte soziale Organisationen existierten. In der Neuzeit lagen Teile oder ganz Niger im Einzugsbereich des westlich gelegenen Mali- bzw. Songhai-Reiches. Die Stadt-Königreiche oder Emirate der Hausa kontrollierten die zentralen und südlichen Regionen, während die Bornu-Dynastie neben Teilen von Nigeria und Tschad auch den Osten Nigers beherrschte. Alle Königreiche basierten auf Sklavenhaltung und waren durch eine bis heute in der Gesellschaft fortwirkende, stark hierarchische Struktur geprägt. Ein anderes bestimmendes Element war die bereits im 10. Jahrhundert einsetzende Islamisierung, besonders der Oberschicht. Bei der Masse der ländlichen Bevölkerung setzte sich der Islam jedoch erst rund neun Jahrhunderte später durch.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts bereiste eine Vielzahl europäischer "Entdecker" das heutige Niger, doch erst gegen Ende des Jahrhunderts entsandte Frankreich Militär-Expeditionen in das Land, um die heftigen Widerstände der Bevölkerung, vor allem der Tuareg, niederzuringen und eine sichere Verbindung zwischen seinen Kolonien Französisch-Westafrika und Französisch-Zentralafrika zu schaffen.

Auch nachdem das Gebiet 1901 zum "Militär-Territorium" erklärt worden war, dauerten die blutigen Aufstände noch bis zur Eingliederung der Kolonie in den Verbund Französisch-Westafrika Anfang der 1920er Jahre an. Um auch nur eine minimale Kontrolle zu gewährleisten, setzte Frankreich eigens willfährige Häuptlinge ein, doch die wahre Macht blieb in den Händen der entsandten französischen Kommandanten.
Als Folge der Zwangsrekrutierungen in den beiden Weltkriegen wanderten wesentliche Teile der nigrischen Jugend in die anglophilen Küstenkolonien ab. In den 1950er Jahren entwickelte sich gegen das von Frankreich gefestigte Feudalsystem ein Nationalismus, der zur Gründung der "Fortschrittspartei" (Parti Progressiste Nigérien) führte. 1958 wurde Niger autonome Republik innerhalb der französischen Gemeinschaft. Noch vor Erlangung der Unabhängigkeit im Jahre 1960 wurden die radikalen Führer der "Fortschrittspartei", die auch Einheitspartei war, ins Exil gezwungen, von wo sie über mehrere Jahre, zum Teil guerillaartig, gegen die neue Staatsführung operierten.
Das Regime unter dem konservativen Präsidenten Hamani Diori (1916-1989) wurde auch nach der Staatsgründung von den im Land verbliebenen französischen Truppen unterstützt. Diori setzte sich für eine prowestliche Außenpolitik und eine weiterhin starke Anlehnung an Frankreich ein. Der wirtschaftlich kaum überlebensfähige Staat verkam jedoch zum "Kein-Parteien-Staat". Die Kontrolle übte eine kleine Gruppe von Beamten der Hausa aus, aber noch stärker war der Einfluss einer Elite der Hausa und reicher Händler.


Die vornehmlich im südlichen Sahel-Streifen lebenden Hausa stellen mehr als die Hälfte der Einwohner Nigers. Jede Rücksichtnahme auf die künstlichen nationalen Grenzen im Bereich der Groß-Sahara ablehnend, haben viele der in Niger lebenden, kleinen Volksgruppen sämtliche nigrischen Regime immer wieder gewaltsam herausgefordert.

Mehr noch als die anderen Völker des Niger wurden die Tuareg und ihre Herden Opfer der beiden großen Dürren Anfang der 1970er und Mitte der 1980er Jahre.
Die erste große Dürre war es auch, die im April 1974 den Sturz des ersten Präsidenten durch eine Militärjunta und die Machtübernahme durch Seyni Kountché (1931-1987) auslöste. Gegen die skandalöse Bereicherung des alten Regimes setzte Kountché eine rigorose Erziehungsdiktatur. Er löste das Parlament auf und verbot alle Parteien, doch setzte er sich ebenso energisch für die Belange der Masse von Bauern und Viehzüchter ein. Nur kurze Zeit nach einem missglückten Putschversuch verstarb Kountché Ende 1987. Sein Nachfolger Ali Seybou (* 1940) ließ Anfang der 1990er Jahre einen politischen Demokratisierungsprozess zu. Bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 1993 konnte sich der Sozialdemokrat Mahamane Ousmane durchsetzen. Er wurde bereits 1996 durch einen Militärputsch gestürzt. Neuer Machthaber wurde Ibrahim Baré Maïnassara. Nach dessen gewaltsamen Tod wurde Mamadou Tandja (* 1938) im November 1999 zum Staatsoberhaupt gewählt. Seit dem Ende der Militärdiktatur fließt auch wieder ausländische Finanzhilfe ins Land.

Das Land

Der Name dieses Staates leitet sich zwar von der westafrikanischen Lebensader, dem Niger, ab, doch hat das Land nur im äußersten Südwesten Anteil an diesem einzigen ganzjährig wasserführenden Fluss. Obwohl der größte Teil des Landes von der Sahara eingenommen wird, ist Niger noch kein Wüstenstaat. Das bis auf die Erhebungen des Aïr-Gebirges im Norden fast flache Land droht in seiner Entwicklung diesem Bild jedoch immer schneller entgegenzustreben. Aber nicht die Wüste "rollt wie eine Dampfwalze" südwärts, sondern die moderne "Entwicklung" ist die Hauptursache für die zunehmende Verwüstung. Mit Hilfe der Veterinärmedizin und durch das Bohren ganzjährig wasserführender Brunnen ist seit den 1930er Jahren der Viehbestand ständig gewachsen. Die früher üblichen, jahreszeitlichen Wanderungen unterblieben weitgehend und die anfälligen Böden in der Sahelzone wurden kahlgefressen.

Ferner löste die verbesserte gesundheitliche Versorgung einen in der bisherigen Geschichte der Region unbekannten Bevölkerungsanstieg aus, der zu Versorgungsschwierigkeiten führte. Um die Steuern an den Kolonial- dann National-Staat entrichten zu können, waren die Bauern gezwungen, immer größere landwirtschaftliche Nutzflächen mit den für den Export bestimmten Produkten, wie Erdnuss und Baumwolle, zu bestellen, und vernachlässigten dadurch den Anbau lebenswichtiger Nahrungsmittel. Die im Sahel erforderlichen langen Brachezeiten unterblieben. Schon geringfügige Regenausfälle verursachten Defizite bei den Ernteerträgen, wodurch die Lebensmittelversorgung nachhaltig gestört wurde und Massenhunger drohte.

Ende der 1960er Jahre schien das in der Wüste bei Arlit geförderte Uran eine Lösung der wirtschaftlichen Probleme zu bringen. Seit der Machtübernahme Kountchés wurde das zeitweise hohe Deviseneinkommen zugunsten der Bauern und Viehzüchter eingesetzt. Beiden Gruppen wurden Steuern erlassen, so dass vor allem die Bauern von den Exportkulturen wieder auf Nahrungsmittel für den Eigenbedarf umstellen konnten. Durch den raschen Bau von Straßen konnten Hirse, Sorghum und andere typisch afrikanische Nahrungsmittel aus Überschussgebieten in Defizitgebiete transportiert werden. Zeitweise konnte Niger sogar Überschüsse in Dürreländer exportieren.

Hausa, Djerma, Songhai und Fulani
Durch den raschen Ausbau von Telefon, Radio und Fernsehen wurden nationale Kommunikation, Erziehung und das Zusammenwachsen der verschiedenen Völker gefördert. Von den geschätzten 10,4 Millionen Einwohnern gehören über 50% der Volksgruppe der Hausa an, die vornehmlich im südlichen Sahel-Streifen leben. Die vor allem im Südwesten lebenden Djerma und Songhai stellen etwa 21% der Bevölkerung. Das in ganz Westafrika anzutreffende, meist viehzüchtende Volk der Fulani lebt eng mit den Hausa zusammen. Zahlenmäßig deutlich kleiner sind die in Niger lebenden Gruppen der Kanuri in der Nähe des Tschadsees im Osten, der Tibbu an der Grenze zu Tschad und Libyen sowie der Tuareg.

Zu den in Niger immer wieder ausbrechenden sozialen Unruhen hat auch eine Reihe von Entwicklungen außerhalb der nationalen Grenzen beigetragen. Schon immer war ein großer Teil der bäuerlichen Jugend Nigers in das Erdölland Nigeria abgewandert. Nach Ausbruch einer dortigen Wirtschaftskrise wurden mehrere hunderttausend Nigrer binnen Wochenfrist ausgewiesen. Durch eine fast zweijährige Grenzschließung kamen zumindest der offizielle Export von Vieh und die dringend benötigten Benzinimporte aus Nigeria zum Erliegen. Die Wirtschaftskrise in den Küstenstaaten Côte d'Ivoire, Togo und Benin und der dadurch geförderte Fremdenhass haben dort ebenfalls eine massive Rückwanderung von jungen Nigrern ausgelöst.

Mehr noch als den Erfolg der "Pan-Sahara"-Propaganda des libyschen Staatschefs Al Ghadafi bei den Tuareg, fürchten die Regierungen in Niamey den Einfluss der islamischen Fundamentalisten. Deren "Kreuzzüge" haben im ethnisch verwandten, grenznahen Hausaland in Nigeria seit 1980 bereits Tausende von Toten gefordert. Um dieser Gefahr zu begegnen, hatte Kountché versucht, das traditionelle dörfliche System der "Samaria" oder Jugendgruppen wiederzubeleben. Mit diesem System sollte nicht nur soziale Kontrolle ausgeübt und die Kriminalität bekämpft, sondern auch die Selbsthilfe auf dörflicher und städtischer Ebene angeregt werden. In diese Bewegung sollten auch die immer noch einflussreichen, feudal gesinnten Kräfte und die vermögenden Hausa-Händlerfamilien eingebunden werden.

Das Militärregime sollte allmählich durch eine "Entwicklungsgesellschaft" ersetzt werden. Konkrete Versuche kamen aber seit Mitte der 1980er Jahre durch wirtschaftliche Krisen, durch eine von der Weltbank auferlegte Sparpolitik, durch soziale Unruhen und durch Putsche zum Erliegen. Unter Kountchés Nachfolgern Ali Seybou, M. Ousmane, I. B. M. Manassara und Mamadou Tandja hatten diese Entwicklungsprogramme bisher wenig Chancen. Ebenso wenig wie die in der vorwiegend islamischen Gesellschaft mit großer Vorsicht unternommenen Versuche, durch Aufklärungskampagnen das viel zu rasche Bevölkerungswachstum einzudämmen.

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Entwicklungen

Präsident »[...] Tandja hatte 2009 seine Machtbefugnisse ausgebaut, was die Spannungen im Land anheizte. Das Staatsoberhaupt hatte das Parlament aufgelöst und eine Verfassungsreform durchgesetzt, um nach Ablauf seiner zweiten fünfjährigen Amtszeit im Dezember 2009 an der Spitze des Staates bleiben zu können. Das Verfassungsgericht erklärte ein von ihm dazu angesetztes Referendum für illegal. Daraufhin löste Tandja das Gericht auf und besetzte es mit Vertrauten. [...]«
Am 19. Februar 2010 putschte schließlich das Militär gegen Tandja, nahm ihn und weitere Minister gefangen und rief eine Ausgangssperre aus. Einen Tag später hatte sich die Lage dann wieder einigermaßen beruhigt. Die Ausgangssperre wurde aufgehoben. Der neugebildete Oberste Rat der Putschisten kündigte die Freilassung der festgesetzten Minister an. Tanja werde aber weiterhin an einem sicheren Ort festgehalten.

Zitat: tagesschau.de, Internationaler Protest nach Staatsstreich in Niger. Militärs haben "die Lage unter Kontrolle", 20.2.2010.

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1042 f.



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www-Links



Beziehungen zwischen Niger und Deutschland
CIA - The World Factbook -- Niger
eirene.org: Niger-Reisebericht
Die GTZ im Niger
Die Ernährungskrise ist kein vorübergehendes Problem : Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen
Friends of Niger (FON)
Governments on the WWW: Niger
Niger: Einer der zehn ärmsten Staaten der Welt
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