Willkommen in Ruanda

[Das Land] [Hutu und Tutsi - der Völkermord] [Literatur] [www-Links]

Offizieller Name: Republik Ruanda
Hauptstadt: Kigali
Fläche: 26.338 km²
Landesnatur: Binnenhochland; östlicher Landesteil Plateau mit abflusslosen Seen, im NO Kagera-Grabensenke, im W Gebirgsrand des Zentralafrikanischen Grabens, der steil zum Kivusee abfällt; im NW Virunga-(Kirunga-)Vulkane
Klima: Wechselfeuchtes, tropisches Klima, infolge der Höhenlage gemäßigt
Hauptflüsse: Akanyaru, Kagera
Höchster Punkt: Karisimbi 4.507 m
Tiefster Punkt: Grabensohle am Kivusee 1460 m. ü. M.
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 4 Provinzen (statt 11), Hauptstadtprovinz Kigali, sowie 30 Distrikte (statt 106); gültig seit 2006 in Folge des Dezentralisierungsprozesses
Parlament: Parlament mit 70 für 5 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 1. Juli
Einwohner: 7.235.000 (1999); 9.736.000 (geschätzt für 2007)
Bevölkerungsdichte: 275 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 6% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 43% (1999)
Analphabetenquote: 39% (1999)
Sprache: Kinyarwanda, Englisch, Französisch, Swahili
Religion: Katholiken 65%, Protestanten 9%, Moslems 10%
Importgüter: Maschinen, Transportausrüstungen, Brennstoffe, Nahrungsmittel, Konsumgüter
Exportgüter: Kaffee, Tee, Zinn, Wolfram, Baumwolle, Ölfrüchte, Pyrethrum, Tabak

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken

Highslide JS
Ruanda.

Highslide JS
Kigali.

Ruandas Staatsgebiet ist ein tropisches Hochland, das von Ost nach West über mehrere Bruchstufen von 1500 auf 3000 m ansteigt und im Norden im 4507 m hohen Karisimbi, dem höchsten der Virunga-Vulkane, gipfelt. Dabei verändert die Vegetation ihr Gesicht: Sie geht von einer ausgedehnten Sumpf- und Seenlandschaft, an die sich eine fast baumlose Trockensavanne anschließt, in eine einst reich bewaldete Bergzone und Feuchtsavanne über. Die Höhenlage mildert das wechselfeuchte, durch zwei Regenzeiten gekennzeichnete tropische Klima. Der reichen Fauna und Flora der Naturparks, die dem Großwild und der vielfältigen Vogel-und Reptilienwelt, vor allem aber den wenigen, noch lebenden Berggorillas Schutz bieten, droht seit Jahrzehnten von skrupellosen Wilderern große Gefahr.

Bevölkerung und Landwirtschaft
Die Bevölkerung Ruandas setzt sich aus den Völkern der Hutu, die die überwiegende Mehrheit stellen, und der Tutsi sowie einer kleinen Gruppe von Twa zusammen. Die ethnischen Konflikte zwischen den verfeindeten Völkern der Hutu und Tutsi haben sich auch angesichts der Überbevölkerung des Landes immer weiter verschärft. Ruanda ist der am dichtesten besiedelte Staat des afrikanischen Festlandes. Zu viele Menschen teilen sich zu wenig Land und geraten in den Teufelskreis von Überbevölkerung und Unterernährung. Ein Programm zur Beschränkung des Bevölkerungswachstums ist bisher ohne Erfolg geblieben. Die katholische Kirche, die in Ruanda über Mission, Schulwesen und soziale Hilfsprojekte seit langem starken Einfluss gewonnen hat, bleibt auch hier bei ihrem kategorischen "Nein" zur künstlichen Geburtenkontrolle. Doch auch im archaischen Weltbild der animistischen Naturreligionen, die noch immer die Lebenswelt breiter Bevölkerungskreise bestimmen, ist für moderne Familienplanung kein Platz.
Die günstigen Klimabedingungen ermöglichen in den meisten Gebieten des Landes zwei Ernten pro Jahr. In den tiefer gelegenen Regionen werden Bohnen, Mais, Maniok und Bananen angebaut, in den höheren Erbsen und Kartoffeln. Zwei Faktoren verhindern trotz der guten natürlichen Ausgangsbedingungen eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung: Nach altem Recht werden bei jedem Erbfall die kleinen Parzellen abermals für die Söhne geteilt, so dass die kleinen Betriebsgrößen heute kaum zur Selbstversorgung der Familien ausreichen. Auch kann mit den traditionellen Anbaumethoden die Produktion nur in geringem Umfang gesteigert werden. Zudem sind die ökologischen Folgen des seit 600 Jahren betriebenen Wanderhackbaus katastrophal. Der exportorientierte Anbau von Tee und Kaffee bietet dem Land angesichts sinkender Weltmarktpreise keine erfolgversprechende Perspektive. Die langen Verkehrswege des Binnenlandes ohne Hafen, Eisenbahn und feste Straßen erschweren die bergbauliche und industrielle Erschließung.
Die seit Jahrhunderten fortschreitende Parzellierung ließ kaum dörfliche oder gar städtische Zentren entstehen. Ausnahmen sind die Hauptstadt Kigali, das Handels- und Verwaltungszentrum, und Butare, das dank eines sehenswerten Nationalmuseums und der Universitätsgründung im Jahr 1963 als kultureller Mittelpunkt der Republik gilt. Typischer für Ruanda sind die über das "Land der 1000 Hügel" verstreuten Einzelgehöfte mit den traditionellen Rundhütten aus Holz, Lehm und Bananenstroh.

Hutu-Rebellen richten Massaker unter der Tutsi-Bevölkerung im Ost-Kongo an

Das Buch "Leichen im Keller", von Markus Frenzel (erschienen im April 2011) macht in erschütternder Weise deutlich, wie »[...] namhafte und international per Interpol gesuchte Kriegsverbrecher und zudem Mörder [...]« von deutsche Behörden geschützt und unterstützt werden.

Der in Deutschland lebende Präsident der Hutu-Miliz FDLR Dr. Ignace Murwanashyaka, hat seine ruandischen Hutu-Milizen gegen die Tutsi-Bevölkerung im Ost-Kongo gehetzt und eine "humanitäre Katastrophe" anrichten lassen.
Zwischen Kirchengang in Mannheim und einem Milchkaffee hat Murwanashyaka mittels einer sms Zehntausende in den Tod befördert. Markus Frenzel macht deutlich, wie mit deutschen Steuergeldern militärische Machthaber ausgebildet und auf den neuestens Stand der Kriegsführung gebracht werden.


Festnahme von FDLR-Präsident Dr. Ignace Murwanashyaka
»[...] Am 17. November 2009 wurde Murwanashyaka in Mannheim wegen des dringenden Verdachts, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben, festgenommen.[...] Ein Bericht der UNO belastet ihn.[...] Im Dezember 2010 klagte die Bundesanwaltschaft Murwanashyaka sowie seinen 49-jährigen Stellvertreter Straton Musoni wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Sie wirft ihnen 26 Verbrechen gegen die Menschlichkeit und 39 Kriegsverbrechen vor, die ihre Milizen 2008 und 2009 in der Demokratischen Republik Kongo begangen haben sollen. Dabei wurden der Bundesanwaltschaft zufolge mehr als 200 Menschen getötet, zahlreiche Frauen vergewaltigt, etliche Dörfer geplündert und gebrandschatzt, Unschuldige als Schutzschild gegen militärische Angriffe missbraucht und Kinder als Kindersoldaten für die Miliz zwangsrekrutiert.[...]
Am 4. Mai 2011 begann vor dem Oberlandesgericht Stuttgart der Prozess gegen Murwanashyaka und Musoni. Es handelt sich um den ersten Prozess in Deutschland auf Grundlage des Völkerstrafgesetzbuches.[15] Ausländische Kriegsverbrecher können damit vor deutschen Gerichten zur Verantwortung gezogen werden. [...]«
Zitiert aus: de.wikipedia.org, Ignace Murwanashyaka

Geschichte und Gegenwart
Ruanda ist mit der schweren Hypothek des historischen Konflikts zwischen der Minderheit der Tutsi und der Mehrheit der Hutu genauso belastet wie der Nachbarstaat Burundi. In einem Referendum unter UN-Aufsicht entschied sich die Mehrheit der Bevölkerung 1961 für die Abschaffung der Tutsi-Monarchie. Bei den darauffolgenden Parlamentswahlen erhielt die Hutu-Partei PARMEHUTU die Mehrheit. In den ersten Jahren nach der 1962 erfolgten Unabhängigkeit kam es zu vereinzelten Auseinandersetzungen zwischen beiden Völkern. Ab 1973 regierte der durch einen Militärputsch an die Macht gekommene Hutu-General Juvenal Habyarimana (*1937; †1994).

Hutu und Tutsi

Bei dem Konflikt zwischen Hutu und Tutsi handelt es sich nicht, wie vielfach geglaubt wird, um einen ethnischen Konflikt im eigentlichen Sinne. Hutu und Tusi gehören einer Ethnie an. Die Begriffe dienten in vor-kolonialer Zeit offenbar einzig der sozialen Einordnung, ohne statischer Inhärenz. Aus einem Hutu konnte ein Tutsi werden und umgekehrt. Es war auch möglich, sowohl Hutu als auch Tutsi zu sein. In der vor-kolonialen Zeit konnte nicht von Ethnien, nicht einmal im weiteren Sinne, gesprochen werden. Erst »[...] die Belgier begannen 1933 mit der rassischen Klassifizierung in den Ausweisen in Hutu und Tutsi - in Folge ebenfalls mit der Bevorzugung der Tutsi beim Einsatz für Aufgaben in Staat und Verwaltung. [...]« Eheschließungen zwischen Hutu und Tutsi kamen damit fast völlig zum Erliegen.
Zitat von www.uni-protokolle.de, "schelm", 28.06.2009.
Johanna Richter schreibt in ihrem Blog, dass die »[...] Ruander vor der Kolonialzeit nicht verschiedenen Ethnien angehörten, sondern vielmehr in soziale Kategorien eingeteilt werden konnten. Vielleicht trifft die Bezeichnung "soziale Klassen" den Kern. Der eigene Erwerb des Einzelnen war ausschlaggebend für die individuelle Namensgebung 'Hutu’ oder 'Tutsi'. [...]
Mit den Zentralisierungsprozessen des Königreiches Ruanda im 19. Jahrhundert wurden auch die Begriffe 'Hutu' und 'Tutsi' neu gebraucht. Da fast ausschließlich den Tutsi die Machtpositionen gegönnt waren, setzten die Einwohner Ruandas diesen Begriff auch bald mit "diejenigen, die die Macht inne haben und ausüben" (Harding, 1998: 19) gleich. Für die Hutu war es zwar möglich, Macht über gewisse Ressourcen zu erlangen, es war aber mit mehr Schwierigkeiten verbunden. So erhielten die Hutu im Volksmund auch bald den Beinamen "die Beherrschten". [...]«
Zitiert von: perspektive89.com, Die Bedeutung der Begriffe 'Hutu' und 'Tutsi' im Ruanda vor der Kolonialzeit

Siehe auch: »[...] Rasse, Kaste, Klasse, Stamm, Ethnie - es ist kaum möglich den passenden Begriff für die Hutu und Tutsi zu finden. Manche Historiker haben sich darauf geeinigt, den Begriff der "politisierten Ethnizität" zu verwenden. [...]«
Zitiert aus: www.aufenthaltstitel.de, Hutu-Tutsi-Konflikt

nach oben

Auslöser für den Völkermord
6. April 1994: Juvenal Habyarimana getötet

»[...] Habyarimana wurde gemeinsam mit seinem burundischen Amtskollegen Cyprien Ntaryamira und dem Armeechef Déogratias Nsabimana getötet, als ihr Flugzeug am 6. April 1994 kurz nach 20.00 Uhr beim Landeanflug auf den Flughafen Kigali von zwei Raketen getroffen wurde. Sofort nach Habyarimanas Tod begannen radikale Hutu einen systematischen Völkermord an den Tutsi und gemäßigten Hutu, in dessen Verlauf mindestens 800.000 Menschen getötet wurden. [...]«

Zitat: de.wikipedia.org, Juvénal Habyarimana

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes von Habyarimana begannen radikale Hutu einen systematischen Völkermord an den Tutsi und gemäßigten Hutu. Innerhalb von annähernd 100 Tagen (6. April bis Mitte Juli) wurden ca. 800.000 Menschen ermordet: 75 Prozent der Tutsi-Minderheit und Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten bzw. aktiv dagegen waren.

Die Täter des Völkermords

»[...] Die Täter kamen aus den Reihen der ruandischen Armee, der Präsidentengarde, der Nationalpolizei (Gendarmerie) und der Verwaltung. Zudem spielten die Milizen der Impuzamugambi sowie vor allem der Interahamwe eine besonders aktive Rolle. Auch weite Teile der Hutu-Zivilbevölkerung beteiligten sich am Völkermord. Der Genozid ereignete sich im Kontext eines langjährigen Konflikts zwischen der damaligen ruandischen Regierung und der Rebellenbewegung Ruandische Patriotische Front (RPF). [...]«

Zitat: de.wikipedia.org, Völkermord in Ruanda

11. Januar 2012. »Neue Studie: Völkermord an den Tutsis war lange geplant

[...] Von welchem Hügel aus wurde das Flugzeug des ruandischen Präsidenten Juvenal Habyarimana am 6. April 1994 abgeschossen? [...]
Die französischen Untersuchungsrichter Marc Trévidic und Nathalie Poux sind der Frage knapp zwei Jahre lang nachgegangen. Am Dienstagabend legten sie eine bahnbrechend neue Erkenntnis vor: Die Rakete, die den Falcon-Jet nicht weit vom Flughafen Kigali vom Himmel holte und den Genozid an der Tutsi-Minderheit auslöste, stammte nicht von der Masaka-Erhebung, wo sich Tutsi-Rebellen hielten, sondern vom Kanombe-Hügel, der in der Hand der Hutus war.
Eine frühere, ebenfalls französische Untersuchung behauptete im Gegenteil, die anglophonen Tutsi-Milizen hätten den Hutu-Präsidenten Habyarimana ermordet und damit das folgende Abschlachten selber verursacht. Das widerlegt die neue Studie. Ob hinter dem Anschlag mafiöse Elemente aus der Präsidentengarde oder andere Hutu-Fanatiker stammten, lassen Trévidic und Poux offen. Viel wichtiger ist die Schlussfolgerung, dass der Genozid wahrscheinlich von langer Hand geplant worden war.
Die neue Studie wirft auch neue Fragen zur französischen Verwicklung in den Völkermord auf. [...]
(Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2012)«
Zitat: derstandard.at, 12.01.2012

Im Sommer 1994 setzte sich der Tutsi Paul Kagame (*1958) an die Spitze der Ruandischen Patriotischen Front (RPF) und marschierte - aus dem ugandischen Exil kommend - in Ruanda ein und beendete das Morden.



Entwicklungen

Paul Kagame wurde im April 2000 neuer Präsident. Zwar prägten den Alltag des hoch verschuldeten Landes jener Zeit noch immer die Kriegsfolgen sowie das große Misstrauen zwischen der Hutu-Mehrheit und den als Aristokratenvolk geltenden Tutsi, doch war Kagame entschlossen, die Wende herbeizuführen.
Im Oktober 2002 hat Ruanda seine Truppen aus der Demokratischen Republik Kongo offiziell abgezogen. Gegen Hutu-Millizionäre wurden Todesurteile und langjährige Haftstrafen wegen Völkermordes verhängt. Seit Mai 2003 hat Ruanda eine neue Verfassung, die insbesondere das Verwaltungwesen, die Parteienpolitik, Menschen-und Bürgerrechte sowie die Umweltpolitik in einer modernen Weise reguliert (siehe: Innenpolitik).

»[...] Aufarbeitung des Völkermords: 15 Jahre nach dem Völkermord an den Tutsi, dem etwa 800.000 Menschen zum Opfer fielen, ging die justizielle Aufarbeitung weiter. Vor dem Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda (ICTR) in Arusha (Tansania), der bis Ende 2009 tätig sein wird, gingen weitere Verfahren zu Ende, so etwa im April 2009 der seit 2001 verhandelte "Butare-Prozess", bei dem u. a. die ehemalige Familien- und Frauenministerin Ruandas, Pauline Nyiramasuhuko, wegen Völkermords zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Bereits am 18.12.2008 war Oberst Theoneste Bagosora, einer der Drahtzieher des Völkermords, in Arusha ebenfalls zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. [...]
24. Juni 2011: Nach zehn Jahren Prozess wurde Pauline Nyiramasuhuko (65) jetzt wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem UN-Tribunal in Arusha (Tansania) zu lebenslanger Haft verurteilt.

»[...] Mit ihrem Sohn Arsene Shalom Ntahobali organisierte sie die Verschleppung und Vergewaltigung Tausender Tutsi-Frauen und -Mädchen.
Außerdem war sie an der Entscheidung beteiligt, Milizen zur Tötung der Tutsi einzurichten. Ihr Sohn, der bei den Massakern erst Anfang 20 war, wurde ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt.[...]«
Zitiert aus: www.bild.de, 24.06.2011
Siehe auch:
Pauline Nyiramasuhuko »[...] ist die einzige Frau, die vor dem UN-Tribunal in Arusha vor Gericht stand und nach Angaben der Rechtsexpertin des Haager Asser-Instituts, Hanna Brollowski, die erste Frau überhaupt, die wegen Völkermords schuldig gesprochen wurde. [...]«
Zitiert aus: www.20min.ch, 24.06.2011

Zusammenarbeit mit der DR Kongo: Durch die gemeinsame Operation der ruandischen und kongolesischen Armee gegen die Hutu-Miliz Forces Démocratiques de Libération du Rwanda (FDLR) im Januar und Februar 2009 im Osten Kongos verbesserte sich das Verhältnis der beiden Nachbarstaaten deutlich. Ruanda hatte am 4.12.2008 mit der DR Kongo vereinbart, seine Unterstützung der Tutsi-Rebellen unter Laurent Nkunda auf kongolesischem Gebiet einzustellen, im Gegenzug aber mit regulären Truppen im Nachbarland gegen die Hutu-Milizen vorgehen zu können (...). [...]

Untersuchungskommission zur französischen Beteiligung am Völkermord von 1994: Nachdem der französische Richter Jean-Louis Brugiére im November 2006 gegen neun ruandische Offiziere und Vertraute des Präsidenten Paul Kagame, denen er vorwarf, für den Abschuss des Flugzeuges des Ex-Präsidenten Habyarimana 1994 verantwortlich zu sein, Haftbefehle erlassen hatte, legte die ruandische Regierung am 5.8.2008 den Bericht einer "unabhängigen" Untersuchungskommission vor, in dem Frankreich beschuldigt wird, aktiv am Völkermord beteiligt gewesen zu sein. Ruanda hatte im November 2006 seine diplomatischen Beziehungen zu Frankreich abgebrochen.

Konflikt mit Deutschland: Aufgrund des internationalen Haftbefehls des Richters Brugiére wurde am 9.11.2008 Rose Kabuye, Protokollchefin des Präsidenten und ehemaliger Oberstleutnant der FPR, auf dem Flughafen in Frankfurt am Main (Deutschland) festgenommen und am 19.11. an Frankreich ausgeliefert. Ruanda hatte daraufhin am 11.11. vorübergehend den deutschen Botschafter des Landes verwiesen und den ruandischen Botschafter aus Berlin zurückgerufen. Rose Kabuye, die in Frankreich wegen "Mordbeteiligung in Verbindung mit Terrorismus" angeklagt wurde, wurde nach ihrer Überstellung nach Paris am 20.11. auf freien Fuß gesetzt. [...]«
Zitiert aus: DER FISCHER WELTALMANACH 2010, S. 416

2010: Ruanda - die "Schweiz Afrikas"
»[...] Als der heute 52 Jahre alte Kagame an die Herrschaft kam, ähnelte sein Land einem riesigen Friedhof, knapp 300 000 Kinder waren Waisen.
Ruanda gilt heute als afrikanisches Musterland. Nur 16 Jahre nach dem Völkermord ist Ruandas Wirtschaft eine der stabilsten auf dem Kontinent. Investoren schätzen Pünktlichkeit, Disziplin und Zuverlässigkeit der "Schweizer Afrikas". Korruption ist im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten ein geringes Problem, Kriminalität ebenfalls. [...]«
Doch Menschenrechtler warnen auch vor den Schattenseiten.
Zitat: www.rhein-zeitung.de, Ruanda wählt: Die „Schweiz Afrikas“ bekommt erste Risse, 9. August 2010
Bei den Präsidentenwahlen im August 2010 wurde
Paul Kagame mit 93 Prozent der Wählerstimmen im Amt bestätigt

»[...] Einige Oppositionspolitiker haben erklärt, sie seien vor der Wahl massiv eingeschüchtert worden. Der Vorsitzende der nicht registrierten Grünen Partei, Frank Habineza, sagte am 14. Juli, der Vizepräsident seiner Partei sei tot aufgefunden worden. Die Leiche von Andre Kagwa Rwisereka habe Folterspuren aufgewiesen, und er glaube nicht den Angaben der Polizei, sein Parteifreund sei in einem geschäftlichen Streit getötet worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat eine Aufklärung des Falles gefordert. Zuvor waren zwei weitere regierungskritische Personen getötet worden. [...]«
Zitat: www.focus.de, 11. August 2010
Siehe auch: www.spiegel.de, Erst der Wohlstand, dann die Moral, 11.08.2010

nach oben

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1186 f.



nach oben

www-Links



 Demokratische Republik Kongo
www.rapha-in-ruanda.de
www.nzz.ch, Der gute Diktator
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Ruanda
Internationale Politik und Gesellschaft, Rohstoffe, Ressentiments und staatsfreie Räume. Die Strukturen des Krieges in Afrikas Mitte. 2003.
Beziehungen zwischen Ruanda und Deutschland
Botschaft der Republik Rwanda, Deutschland
RUANDA ai Jahresbericht 2005
CIA - The World Factbook -- Rwanda
Languages of Rwanda
IRIN News - Rwanda
Rwanda 1994 - 800000 Deaths

nach oben