Aus: www.sueddeutsche.de
Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes geht so schnell voran wie nie zuvor.
»[...] Zwischen August und Dezember 2007 seien bis zu siebentausend Quadratkilometer Wald geschlagen worden, teilte das Umweltministerium mit. Das entspricht etwa der Hälfte der Waldfläche der Schweiz. Die Zerstörung sei viermal so hoch wie im Vergleichszeitraum 2004. Etwa ein Fünftel des Urwalds im Amazonas-Becken ist bereits vernichtet.[...]
Die Rodungen in Brasilien gehen schneller voran als bislang gedacht.[...]
Danach kommen die Rinderherden, die den Rest der Vegetation abfressen, anschließend Landwirtschaft, zumeist Zuckerrohr für die Ethanolproduktion und Soja.[...]
Seit 1970 hat der Amazonas 700.000 Quadratkilometer Wald verloren. Das entspricht nahezu der zweifachen Fläche Deutschlands.[...]«
Siehe auch www.tagesschau.de: Dramatische Zerstörung des brasilianischen Regenwalds - Achse des Bösen am Amazonas

Siehe auch: www.faszination-regenwald.de
Der Amazonas führt etwa viermal so viel Wasser wie der zentralafrikanische Kongo (Zaire) und etwa zwölfmal so viel wie der Mississippi. Er transportiert täglich rund eine Million Tonnen Schwebstoffe ins Meer.
Erforschung
Weder die spanischen Konquistadoren noch die Portugiesen, die sich im 16. Jahrhundert in den
östlichen Randgebieten Amazoniens niedergelassen hatten, waren sonderlich daran interessiert, in die Tiefen der unwirtlichen Wälder vorzudringen. Die Erforschung des Landesinneren erfolgte später durch Forschungsreisende und Missionare unter mehr wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Viele von ihnen berichteten von der ungeheuren Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt, die sie dort vorgefunden hatten.
Mitte des 17. Jahrhunderts kursierten in den Hauptstädten Europas Gerüchte über die Reichtümer der Amazonasregion und ihre geschickte Nutzung durch die Indios.
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich das Tempo der Erforschung beschleunigt. Die Wissenschaftler begannen nicht nur die Bedeutung der immensen Ansammlung von Tieren und Pflanzen zu erkennen, sondern auch die komplexe Systematik der Nahrungskette zu verstehen. - Die ersten Spanier waren auf der Suche nach dem mythischen Königreich "Eldorado" nach Südamerika gekommen, dessen Herrscher der Sage nach seinen Körper mit Goldstaub puderte. Eldorado hatten sie zwar nicht gefunden, aber der Ruf Amazoniens als mögliche Lagerstätte großer Goldvorkommen war begründet worden.
Die ersten Forschungsreisenden hatten über die Verbreitung der Hevea brasiliensis berichtet, eines mächtigen Baumes, aus dessen Saft sich Kautschuk gewinnen ließ. Doch erst die Erfindung_ der Heißvulkanisation des Kautschuks zu Gummi durch Charles Goodyear (1839) und des Luftreifens durch John Dunlop (1888) läuteten in Amazonien die "Kautschukära" ein. Das 1600 km landeinwärts gelegene Manaus entwickelte sich zu einer eleganten Stadt. Seit 1853 verkehrten regelmäßig Dampfschiffe, die Güter aller Art nach Manaus transportierten. 1911 kam es jedoch durch das Absinken des Weltmarktpreises für Kautschuk zum wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die Hauptstadt Amazoniens verlor an Bedeutung.
Ursache dieses Kollapses war die Ausdehnung des Kautschukanbaus auf andere geeignete Gebiete (beispielsweise Malaysia), was durch aus dem Amazonasregenwald herausgeschmuggelten Heveasamen ermöglicht worden war. Um von den Lieferungen der asiatischen Plantagen unabhängig zu werden, versuchte der Automobilhersteller Henry Ford, an einem Amazonasnebenfluss Kautschukplantagen anzulegen. Das Vorhaben schlug jedoch fehl.
Erschließung
Seit den 1970er Jahren haben die Bemühungen um die Erschließung der Reichtümer in der Amazonasregion die verschiedensten Aktivitäten zur Folge. Die Projekte reichen von der Nutzung des Waldes zur Produktion von Pulpe und Papier bis zur Rinderzucht auf Riesenfarmen, dem sogenannten Ranching, und zum Abbau mineralischer Rohstoffe. Durch die SUDAM, die für die Entwicklung der Amazonasregion zuständige Behörde, treibt die brasilianische Regierung die rasche Erschließung energisch voran, unter Hinzuziehung einer Vielzahl kapitalkräftiger ausländischer Investoren. Manaus wurde zur Freihandelszone erklärt.
Inzwischen sind jedoch die Reichtümer Amazoniens in zunehmendem Maße als globale und nicht nur als nationale Ressourcen erkannt worden. Die Ursachen hierfür sind offensichtlich: in dieser Region befindet sich die Hälfte der noch erhaltenen Regenwälder der Erde; zwischen 30% und 50% des weltweit produzierten Sauerstoffs entsteht hier, und das Gebiet enthält nahezu ein Viertel des gesamten Süßwasservorrates der Erde.
Die Auflistung der pflanzlichen und tierischen Vielfalt dieser Region ist ebenso eindrucksvoll. Im Amazonasregenwald gedeihen unzählige Pflanzenarten, die als Rohstoffe zur Nahrungsmittelversorgung, zur industriellen Produktion und für medizinische Zwecke genutzt werden können. 70% der Pflanzen, die bei der Krebsbekämpfung eingesetzt werden können, stammen aus dem Regenwald. Das Gleichgewicht dieses empfindlichen Ökosystems ist jedoch bedroht. Wissenschaftler, Umweltschützer und Meteorologen warnen, dass das Ausmaß der Zerstörung des Amazonasregenwaldes zu einer Katastrophe führen könnte - nicht nur für Brasilien, sondern auch für die gesamte Erde.

Die Menschen
Millionen von Jahren überdauerte das Ökosystem des Amazonastieflands ohne nennenswerte Störungen. Jetzt gehen nach Angaben des Brasilianischen Instituts für Weltraumforschung jährlich 200.000 km² Regenwald in Flammen auf. US-Satellitenaufnahmen ergaben, dass es in nur zwei Monaten in Amazonien an über 59.000 Stellen brannte (Stand 2001).
Mit dem Feuersturm und dem Kahlschlag des Waldes geht die Verdrängung und Ausrottung der Urwaldindianer einher. Überall, wo sich Indianer dem Expansionsdrang entgegenstellten oder nur im Wege waren, wurden sie vertrieben oder vernichtet. Aber auch friedliche Kontakte zwischen Weißen und Indianern führten durch Ansteckungskrankheiten wie Grippe und Masern, gegen die sie keine Abwehrkräfte besitzen, zur Dezimierung. Alkohol und Zwang zur Prostitution trugen ihr Teil zur psychischen Schwächung bei. Der Schock des Kontakts mit der sogenannten Zivilisation brachte den Verlust der kulturellen Identität und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit.
Jahrtausendelang haben die Urwaldindianer mit großen Kenntnissen über das Gleichgewicht der Natur gelebt. Hunderte von Pflanzen für den täglichen Gebrauch, Früchte, Heil- und Gewürzpflanzen, Säfte, Fasern, Wachse sowie die unterschiedlichsten Baumaterialien bildeten die Grundlage zur Sicherung ihres Lebensunterhalts. Sie reglementierten Jagd und Fischfang, um die Artenvielfalt und somit die eigene Lebensgrundlage zu erhalten. Selbst ihre Brandrodungen haben keine erkennbaren Schäden im ökologischen Gefüge des Regenwaldes hinterlassen. Hinter den alltäglichen Arbeiten der Indianer und den begrenzten Eingriffen in die Natur stand und steht eine Lebensethik, die auf den Schutz der Umwelt ausgerichtet ist, um den Nachkommen einen intakten Lebensraum zu erhalten. Dieses Wissen wurde und wird auch weiterhin von den fremden Eindringlingen und Eroberern ignoriert.
Die Erschließung Amazoniens
Die wirtschaftliche Erschließung Amazoniens begann Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem die Vulkanisierung von Rohkautschuk zu Gummi erfunden worden war. Viele Menschen wurden an den Amazonas gelockt, wo sie für eine kleine Gruppe von Waldbesitzern und Konzessionären die Milch des Gummibaumes (Hevea brasiliensis) zapften und zu Rohkautschuk verarbeiteten. Der Kautschukboom brachte den wenigen Eigentümern der Ländereien ungeheuren Reichtum. Mit den riesigen Gummibaumplantagen in Südostasien sowie der Entdeckung des synthetischen Herstellungsverfahrens konnte die Sammelwirtschaft am Amazonas aber nicht Schritt halten. Der Gummiboom war schlagartig beendet.
Doch erst mit dem Bau der 5300 km langen Transamazonica von Recife und João Pessoa an der Atlantikküste nach Cruzeiro do Sul an der peruanischen Grenze begann Anfang der 1970er Jahre der wirtschaftliche Großangriff auf Amazonien. Rund 150.000 arme Familien aus den Dürregebieten des Nordostens und aus dem übervölkerten Süden folgten dem lockenden Ruf an den Rand der endlosen Straße. Sie siedelten, betrieben Brandrodungen und vernichteten unwiederbringlich den Regenwald. Geringe Bodenerträge, ungeeignetes Saatgut, fehlende Beratung und Vermarktungsmöglichkeiten sowie Tropenkrankheiten ließen zahlreiche enttäuschte Siedler wieder abwandern.
Die Ost-West-Achse Transamazonica - die Straße ist heute noch nicht vollendet - sollte die wirtschaftliche Erschließung des Amazonastieflandes möglich machen. Der Abbau riesiger Eisenerzvorkommen, die Ausbeutung von Gold- und Erdölfunden und der Bau von gigantischen Wasserkraftwerken wurde vom Staat forciert und mit ausländischem Kapital sowie hohen Steuervergünstigungen beschleunigt.
Durch steuerliche Anreize hat sich die Rinderweidewirtschaft auf Rodungsweiden in Amazonien schnell entwickelt. Träger dieser Entwicklung waren jedoch nicht die traditionellen Rinderzüchter, sondern wirtschaftliche Interessengruppen wie Banken und Versicherungen, einheimische und ausländische Industriekonzerne, die sich infolge der geringen Landpreise in den tropischen Regenwäldern Amazoniens Großgrundbesitz sicherten. |