Offizieller Name: Republik Indonesien Hauptstadt: Jakarta Fläche: 1.889.960 km² (einschl. Irian Jaya) Landesnatur: Rund 13.600 Inseln, die zum großen Teil von Gebirgsketten durchzogen sind Klima: Tropisches Monsunklima Hauptflüsse: Mahakam, Musi, Kayan, Kahayan, Barito Höchster Punkt: Puncak Jaya 5030 m Regierungsform: Präsidiale Republik Staatsoberhaupt: Staatspräsident Verwaltung: 26 Provinzen, 3 Sonderbezirke (Jakarta, Yogyakarta, Aceh) Parlament: Beratende Volksversammlung mit 700 Mitgliedern; Abgeordnetenhaus mit 500 Mitgliedern Nationalfeiertag: 17. August Einwohner: 209.255.000 (1999); 241.973.879 (geschätzt für Juli 2005) Bevölkerungsdichte: 110 Ew./km² (1999) Stadtbevölkerung: 40% (1999) Bevölkerung unter 15 Jahren: 30% (1999) Analphabetenquote: 13% (1999) Sprache: Bahasa Indonesia Religion: Moslems 87%, Christen 10%, Hindus 2% (Bali und Ostjava), Buddhisten und Taoisten 1%, Konfuzianer
Exportgüter: Erdöl und Erdgas, Edelhölzer, Kautschuk, Kaffee, Palmöl, Zinn, Tabak, Tee, Kopra, Gewürze Importgüter: Maschinen, Fahrzeuge, Reis, Erdöl, chemische Erzeugnisse, Stahlerzeugnisse
Umgeben vom Südchinesischen Meer, vom Indischen und Pazifischen Ozean erstreckt sich als Brücke vom asiatischen zum australischen Kontinent über mehr als 13.600 Inseln der größte insulare Staat der Welt: die Republik Indonesien. »Tanah Air« (Erde und Wasser) nennen die Indonesier ihre Heimat. Der niederländische Schriftsteller Multatuli (1820-1887), der sich vehement für die Menschenrechte im damaligen Niederländisch-Indien einsetzte, nannte den Archipel poetisch verklärt »ein Smaragdband, das sich um den Äquator schlingt«.
Über prähistorische Landverbindungen und später auf Wasserwegen strömten nördliche, östliche und westliche Einflüsse in den Raum, vermischten sich und schufen eine Symbiose aus chinesischen, indischen und polynesischen Kulturelementen, die bis heute das Bild Indonesiens prägen. Um 3000 v. Chr. kamen die ersten Siedler vom Festland Südasiens. Mit den Kaufleuten aus dem indischen Subkontinent segelten nach Beginn unserer Zeitrechnung die Verkünder der großen asiatischen Religionen ein; Hinduismus, Buddhismus, schließlich auch der Islam verbreiteten sich in der Inselwelt. Von den Monsunwinden getrieben, machten sich auch chinesische Händler auf, um südlich vom Reich der Mitte Geschäfte zu machen. Die Europäer unterwarfen Indonesien vom Beginn des 16.Jahrhunderts an und verkündeten das Christentum.
Mit einem Wort aus dem Sanskrit wird der Wappenspruch formuliert, der seit der Proklamation der
»Republik Indonesia« am 17. August 1945 das staatliche Selbstverständnis und zugleich die immer wieder neu zu erfüllende Aufgabe umreißt: »Bhinneka Tunggal Ika«, die Einheit in der Vielfalt: die Vereinigung von über 200 Millionen Menschen mit ihren unterschiedlichen kulturellen Eigenheiten, vielfältigen ethnischen Gruppen, zahlreichen Religionsgemeinschaften, sozialen Schichtungen und politischen Differenzen innerhalb eines Staatsverbandes kontinentalen Ausmaßes.
Ein Archipel der Widersprüche: Er ist gigantisch in seinen Ausdehnungen und einmalig in seiner geographischen Zerrissenheit, unvergleichlich in seinen landschaftlichen Reizen und beladen mit einer Fülle von Entwicklungsproblemen, deren Lösungen punktuell mit modernster Technologie angegangen werden, während die Mehrzahl der Bevölkerung noch nicht einmal über Elektrizität verfügt. Der Archipel ist reich an Rohstoffen und Naturschätzen, an fruchtbarem Boden und fischreichen Gewässern. Trotz dieser Segnungen weist Indonesien ein tiefes Gefälle zwischen einer reichen Minderheit und der Mehrheit der armen Bevölkerung auf.
Das tropische Klima und die natürliche Schönheit vieler Inseln, vor allem der Insel Bali, sowie das
freundliche Wesen der Indonesier haben den Archipel zu einem attraktiven Ziel des internationalen
Tourismus werden lassen.
Landesnatur
Indonesien vereint nahezu alle Landschaftstypen der Erde in kontrastreicher Vielfalt: Fruchtbares Schwemmland entlang der Flüsse auf Sumatra, üppiggrüne Reisfelder und malerische Reisterrassen auf Java bzw. Bali, savannenähnliche Trockengebiete auf Timor, tropische Regenwälder auf Kalimantan (Borneo), schneebedeckte Berge in Irian Jaya, Palmenstrände auf Bali und im gesamten Archipel Vulkane, die an die Entstehungsgeschichte der Inselwelt erinnern. Erst in der mittleren Steinzeit, also vor nicht mehr als 10.000 Jahren, bildete sich der Archipel in den Umrissen heraus, wie er auf heutigen Landkarten zu sehen ist. Vorausgegangen war ein über Millionen von Jahren währender geologischer Prozess. Was einmal eine Landverbindung zwischen den Großräumen Asien und Australien war, löste sich in ein eigenständiges Inselreich auf.
Die Indonesier haben sich auf einer brüchigen Nahtstelle der Erde angesiedelt. Zwischen Birma und Neuguinea durchzieht eine Vulkankette den indonesischen Archipel, bestehend aus 300 "Feuerbergen" ("Gunung Api", wie sie in indonesischer Sprache heißen), von denen etwa die Hälfte während der vergangenen 150 Jahre ausgebrochen ist. Besonders der Krakatau, in der Sundastraße zwischen Java und Sumatra, kam zu trauriger Berühmtheit. Seine Eruption im August 1883 kostete mehr als 36.000 Menschen das Leben und richtete schwere Verwüstungen an. Die durch den Ausbruch verursachte Rauchentwicklung konnte rund um den Globus beobachtet werden. Heute gelten in Indonesien über siebzig Vulkane als aktiv. Damit ist ein Drittel aller Vulkane der Erde auf indonesischem Gebiet zu orten. Zu den höchsten Vulkanen gehören der Kerinci auf Sumatra (3805 m), der Rinjani auf Lombok (3726 m) und der Semeru auf Java (3676 m). Die meisten Inseln werden von Gebirgen durchzogen, die sich vor allem an deren Südrand gegen den Indischen Ozean erheben. An den südlichen Küsten fällt der Meeresboden bis zu 7450 m ab.
Das Staatsgebiet Indonesiens erstreckt sich über 7 Millionen km² und ist damit fast so groß wie Australien. Die Landfläche macht allerdings nur knapp 2 Millionen km² aus. Gemessen daran ist Indonesien der fünftgrößte Staat Asiens (ohne Russland). Indonesien hat wegen seiner enormen Ost-West-Ausdehnung drei Zeitzonen mit jeweils einer Stunde Unterschied.
Klimatisch wird Indonesien von zwei Monsunzeiten geprägt, der sogenannten trockenen zwischen Juni und September mit Winden aus südöstlicher Richtung und der feuchten zwischen Oktober und April mit Winden aus Nordwest bzw. Nordost. Auch die Regenperiode ist nicht von Dauergüssen gekennzeichnet, sondern von abwechslungsreichem Wetter mit plötzlichen Schauern, zumeist in der zweiten Tageshälfte. Heiß und schwül ist es das ganze Jahr über. Deutliche Temperaturunterschiede sind durch die Höhenlage bedingt. Der Osten Indonesiens hat eine ausgeprägte Trockenzeit zwischen Juni und September. In den Niederungen schwankt die Tagestemperatur zwischen 25 und 35°C. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 80%, kann aber auch über 90% erreichen.
Fruchtbare vulkanische Böden
Bodenbeschaffenheit und regionale Lage gestalten das Landschaftsbild und die Möglichkeiten wirtschaftlicher Nutzung durch den Menschen sehr unterschiedlich. Ohne die fruchtbaren Lavaböden als Folge ungezählter Vulkanausbrüche hätte sich niemals die Kultur des Nassreisanbaus entwickeln können, der vor allem auf Java und Bali große Bedeutung zukommt. Ein Viertel der javanischen Oberfläche besteht aus vulkanischem Material. Tropische Regenwälder, die in früheren Jahrhunderten weite Teile der Inseln bedeckten, sind nur noch in Irian Jaya, auf Sumatra und auf Kalimantan zu finden. Doch durch Abholzung und Brandrodung werden auch diese Waldbestände weiter reduziert. Ökologen befürchten eine Klimaveränderung und die landschaftliche Verödung mit irreparablen Schäden.
Nur auf Kalimantan und im südlichen Sumatra gibt es wasserreiche Flüsse, die auch für den Transport eine wichtige Rolle spielen. Ansonsten haben Wasserläufe nur eine lokale Bedeutung und dienen der Trinkwasserversorgung. Im Norden Sumatras liegt der größte Binnensee Indonesiens, der Tobasee.
Flora und Fauna
Indonesien weist eine unerhört vielfältige Vegetation auf, wobei die Mehrzahl der registrierten 40.000 Pflanzenarten im tropischen Regenwald zu finden ist. Allein die Zahl der Orchideenarten wird mit mehr als 2500 angegeben. Hunderte verschiedener Früchte, die es zum Teil nur in Indonesien gibt, tragen wesentlich zur Ernährung bei.
Schon die ersten Siedler haben Reis, Ananas und Bananen kultiviert. Der Reichtum an Gewürzen wie etwa Pfeffer, Nelken, Zimt und Muskat lockte einst die Europäer an. Sie begründeten auch die Plantagenwirtschaft für Tabak, Tee, Kaffee und Kautschuk (vor allem im nordöstlichen Sumatra) sowie die Anlage ausgedehnter Zuckerrohrfelder (vor allem auf Java). Darüber hinaus sind Bambus und Palmen unentbehrliche Nutzpflanzen.
Die ursprünglich reiche Tierwelt ist durch die immer weitere Ausdehnung menschlicher Siedlungen und Ausbeutung natürlicher Ressourcen stark vermindert worden. Viele Tierarten sind ausgestorben, bedroht oder nur noch in wenigen Exemplaren anzutreffen. Dazu gehören Tiger, Elefanten, Panther, Wildschweine und Krokodile. Streng geschützt sind Orang-Utans, die ihre Heimat auf Kalimantan und Sumatra haben. In Reservaten leben die Panzernashörner Javas. Als ein letzter Überlebender prähistorischer Zeit gilt der nur auf der Insel Komodo lebende Riesenwaran, der bis zu drei Meter lang werden kann.
Regenwälder in Gefahr
Man schätzt, dass in ganz Südostasien drei Viertel des Regenwalds im Laufe des 20. Jahrhunderts zerstört worden sind. In Indonesien sind rund 1,1 Millionen km² Regenwald, was etwa 60% der gesamten Landesfläche entspricht. Aber Jahr für Jahr werden hier über 6000 km² Regenwald zerstört. Mit Ausnahme von Brasilien geht in Indonesien somit jedes Jahr mehr Regenwald verloren als in irgendeinem anderen Land der Welt: fast ein Zehntel des gesamten Regenwaldverlustes.
Bevölkerungsexplosion und Holzeinschlag
Der Regenwald wird von mehreren Seiten angegriffen. Angesichts der schnell wachsenden Bevölkerung Indonesiens, die zusammengedrängt auf den Hauptinseln lebt, beschloss die Regierung, die Menschen in weniger bevölkerte, von Regenwald bedeckte Inseln umzusiedeln. Aber die Böden sind dort weit weniger fruchtbar und eignen sich kaum für einen intensiven Ackerbau, wie er auf den fruchtbaren Inseln, wie Java und Bali, betrieben werden kann.
Die Bauern können nur für kurze Zeit ein Stück Land kultivieren. Wenn sie es schließlich verlassen, wird es schnell von Elefantengras (alang-alang) überwuchert, welches jede weitere Bearbeitung unmöglich macht. Solchermaßen brachliegendes Land braucht Jahrzehnte, um sich wieder zu erholen.
Der Regenwald wird ebenfalls durch kommerzielles Holzschlagen und durch die holzverarbeitende Industrie bedrängt, von der im ganzen Land errichtete Anlagen zeugen. Die Ausfuhr von Holzerzeugnissen, wie Papier und Zellstoff, ist extrem angestiegen. Komplett vorgefertigte Teakhäuser im balinesischen Stil werden nach Japan und Australien exportiert. Allerdings werden aufgrund der anhaltenden Kritik an der Ausbeutung der Wälder keine neuen Lizenzen an ausländische Investoren vergeben.
Indonesien ist auch weltweit der größte Exporteur von Furnierholz. Die Kapazität der Produktionsfabriken von Furnierholz ist seit den 1980er Jahren enorm gestiegen. Neue holzverarbeitende Anlagen zur Herstellung von Holzspänen und Zellstoff sind in den 1990er Jahren in Irian Jaya errichtet worden. An der Ostküste von Kalimantan (Borneo) werden sogar Mangroven aus den Sumpfgebieten gefällt, um aus ihnen Holzspäne zu machen, wodurch die Gefahr einer Küstenabtragung und Vernichtung der Fischbestände entsteht.
»Palmöl – Die indonesische Tragödie
Von CHRISTIANE ZANDER und KLAUS SCHENCK,
31. MAI 2011 -
Im größten Inselstaat der Welt fallen Urwaldriesen für Ölpalmen – Tag für Tag. Auf neun Millionen Hektar bedecken gewaltige Monokulturen inzwischen das Land – das entspricht einem Viertel der Fläche Deutschlands. Indonesien ist Weltmeister im Palmölexport, weil die reichen Länder des Nordens nach immer mehr billigem Pflanzenöl verlangen: für die Nahrungsmittel- und Chemie-Industrie, zum Heizen, Stromerzeugen oder Autofahren. Den Preis zahlen die Menschen, Tiere und Pflanzen in einem der artenreichsten Regenwaldgebiete der Erde. [...]«
Zitiert aus: www.hintergrund.de, 31. Mai 2011
Schutzmaßnahmen seitens der Regierung
Die Regierung hat Schritte unternommen, um die Auswirkungen der Holzwirtschaft zu kontrollieren und zu regulieren. 1981 wurde die Ausfuhr unbearbeiteter Baumstämme verboten; ab Mitte der 1980er Jahre wurden weitergehende Maßnahmen ergriffen und Neuanpflanzungen gefördert. Besonderes Augenmerk wurde auf die Anlage von Baumkulturen für die Papier- und Zellstoffindustrie gelegt. Der Sengonbaum, ein schnell wachsendes Hartholz, das nach 5 bis 8 Jahren geschlagen werden kann, wird auf großen Teilen Javas angepflanzt. Mit Hilfe eines Aufforstungsprogramms sollen in den nächsten Jahren jährlich 15 bis 20 Millionen Sengonsämlinge neu angepflanzt werden. Man nimmt an, dass diese den Bedarf der Papier- und Zellstoffindustrie werden decken können, ohne weitere Umweltschäden in Form von Raubbau im Regenwald zu verursachen.
Trotz dieser Bemühungen herrscht noch immer große Sorge um die Zukunft von Indonesiens Regenwäldern. Das Holzschlagen wirkt sich nicht nur auf den Holzbestand aus, er verändert oder zerstört das empfindliche Gleichgewicht des Waldes durch den Bau von Straßen, die Zugang ins Waldesinnere schaffen sollen, oder durch den vermehrten Wasserabfluss in die Flüsse. In den Regenwäldern lebt eine immense Vielfalt von Tier- und Pflanzengattungen, deren Aussterben unermessliche Schäden verursachen würde.
Ein unwiederbringliches Ökosystem
Eine der gegenwärtig wichtigsten Aufgaben ist die Erstellung einer Studie, die Auskunft über Bestand und Gefährdung der Tier- und Pflanzenarten gibt. Medizinische Forscher und pharmazeutische Unternehmen möchten den tropischen Regenwald in unberührtem Zustand erhalten, da sie davon überzeugt sind, dass viele wichtige und sogar lebensrettende Arzneimittel aus der natürlichen Flora hergestellt werden können.
Artenverlust, Umsiedlung der Waldbewohner, Bodenerosion: all dies geschieht in Indonesien bereits als Folge der Abholzung des Regenwaldes.
Komodowaran - Seine Vorfahren können bis zu 50 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurückverfolgt werden
Der Komodowaran (Varanus komodoensis; von den Inselbewohnern "Ora" genannt) ist die größte lebende Echsenart und wird zu den Drachenarten gezählt. Er kommt nur auf einigen zu Indonesien gehörenden Inseln vor (Komodo, Rinca, Gili Dasami, Gili Motang und in küstennahen Bereichen im Norden und Westen der Insel Flores). Er ist in bis zu 800 m Meereshöhe zu finden. Zum Schutz der bedrohten Art wurde 1980 der Komodo-Nationalpark gegründet, »[...]später wurden noch im Westen von Flores das Wae Wuul Reserve und im Norden das Wolo Tado Reserve gegründet. Die Tiere sind behördlich in Indonesien streng geschützt. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen listet den Komodowaran ..., somit ist ohne Sondergenehmigungen jeglicher Handel mit lebendigen Komodowaranen oder Körperteilen von ihnen (z. B. Häute) verboten. [...]«
Der Bestand des Komodowarans könnte im Jahr 2010 auf unter 3000 gesunken sein.
Zitat: de.wikipedia.org, Komodowaran
Der Staat
Hinduistisch-buddhistisch geprägte Großreiche bildeten zwischen dem 7. und 15. Jahrhundert
die ersten Machtzentren, von denen aus die Entwicklung zu einem, den gesamten Archipel
umfassenden Staatsverband einsetzte. Srivijaya mit seinem Mittelpunkt im östlichen Sumatra
und später Majapahit mit seiner Hauptstadt im östlichen Java waren die bedeutendsten dieser
frühen Reiche. Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert erfolgte eine weitreichende Islamisierung, von der nur das bis heute hinduistisch bestimmte Bali sowie küstenferne Regionen unberührt geblieben sind. Nach der Entdeckung des Seeweges um Südafrika im Jahre 1497/98 kamen als erste Europäer die Portugiesen nach Indonesien und kontrollierten innerhalb kurzer Zeit große Teile des Handels. Im Wettlauf um die begehrten Gewürze der östlichen Inseln, der Molukken, blieben die Niederländer schließlich Sieger. Von 1602 an, der Gründung der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC),
bestimmten sie über 300 Jahre lang die politische und wirtschaftliche Entwicklung dieser Region.
Um die Jahrhundertwende formierten sich die Nationalisten, die schließlich mit dem Ingenieur
Achmed Sukarno (1901-1970) an der Spitze am 17. August 1945 die Unabhängigkeit proklamierten und die Republik ausriefen.
Erst nach langwierigen Verhandlungen und militärischer Konfrontation billigten die Niederlande am 27. Dezember 1949 Indonesien die staatliche Souveränität zu. Sukarno wurde der erste Präsident. Auf seine Vorstellungen des nationalen Neubeginns gehen die Prinzipien der Staatsphilosophie »Pancasila« zurück, die fünf Grundpfeiler umfasst: 1. Glaube an einen Gott, 2. Humanität, 3. nationale Einheit, 4. Demokratie, 5. soziale Gerechtigkeit.Die Grenzen der Republik folgen dem einstigen Herrschaftsbereich der niederländischen Kolonialverwaltung. Der Westteil Neuguineas, West-Irian, wurde erst nach jahrelangem, auch militärisch geführtem Streit im Jahre 1963 an Indonesien übergeben und heißt seither Irian Jaya. Die einzige Region, die aus einem anderen
Kolonialbereich annektiert wurde, ist der östliche Teil der Insel Timor. Nach Abzug der portugiesischen Verwaltung wurde Osttimor 1976 als 27. Provinz der Republik angegliedert. Ein
Referendum machte 1999 den Weg zur staatlichen Unabhängigkeit Osttimors frei. Im Mai 2002 erlangte Osttimor schließlich seine volle Souveränität als eigenständiger Staat.
Außenpolitisch schloss sich Indonesien den Ländern der Dritten Welt an, die im Ost-West-Konflikt
einen eigenständigen Weg suchten. Sukarno war ein Vorkämpfer der blockfreien Bewegung, deren erste, historisch gewordene Konferenz im April 1955 in Bandung stattfand.
Innenpolitisch sollte mit den sehr allgemein gehaltenen Idealen der »Pancasila« der Ausgleich im spannungsgeladenen Vielvölkerstaat Indonesien mit über 250 Volksgruppen und ebenso vielen Sprachen gefunden werden. Sukarno verfolgte das Ziel, einander stark widerstrebende Interessen wie die einer orthodoxen islamischen Minderheit, die bis heute vergeblich die Schaffung des Islamstaates fordert, die der kommunistischen Bewegung und die der Armee, die ihren alleinigen Machtanspruch aus der Unabhängigkeitsbewegung ableitet, zu versöhnen.
Aber die Gegensätze blieben indes unvereinbar. Vor dem Hintergrund katastrophaler wirtschaftlicher Verhältnisse entluden sich die Spannungen am 30. September 1965 in einem angeblich kommunistischen Putsch, dessen genauer Ablauf und Hintermänner bis heute umstritten sind. Der niedergeschlagene Putsch leitete den antikommunistischen Machtwechsel ein und brachte den Armeegeneral Suharto (1921-2008) ins Amt des Präsidenten. Unter seiner Herrschaft kam es zur Massenverfolgung und -ermordung
von Kommunisten und deren Sympathisanten. »Pancasila« wurde zur Staatsdoktrin erhoben und erlangte 1985 für jedermann verbindliche Gesetzeskraft. Es wurde als Machtinstrument politischer Gleichschaltung benutzt, wobei Regierungspolitik und Staat als identisch galten.
Unter Suharto kam es zu einer engeren Anlehnung an den Westen und zunächst zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Dank der beträchtlichen Einnahmen aus dem Erdölgeschäft konnten vor allem umfangreiche Projekte bei der Förderung der Infrastruktur, der Selbstversorgung mit dem Grundnahrungsmittel Reis und der Industrialisierung begonnen werden. Die Wirtschaftskrise in Südostasien führte 1998 zu politischen und sozialen Konflikten. Nach schweren Unruhen mußte Suharto
zurücktreten. Es folgte Bacharuddin Jusuf Habibie, der das Amt des Staatschefs nach nur 17 Monaten 1999 an Abdurrahman Wahid von der neugegründeten islamischen Partei des
nationalen Erwachens (PKB) übergeben musste.
Zu Beginn des 21. Jahrhundert verschärften sich sowohl die Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Inseln als auch die politisch-religiösen Auseinandersetzungen innerhalb des Vielvölkerstaates.
Die Menschen
Die indonesische Bevölkerung setzt sich aus vielen unterschiedlichen Volksgruppen zusammen. Sie besteht größtenteils aus Indonesiern - Javanen, Sundanesen, Maduresen, Balinesen u. a. - sowie aus einigen malaiischen und weddiden Urvölkern sowie Chinesen, Indern und Weißen. Der überwiegende Teil der Indonesier sind Moslems. Buddhisten, Christen und Hindus bilden religiöse Minderheiten.
Eine ungleiche Bevölkerungsverteilung
Indonesiens Bevölkerung wächst jährlich um 1,9%, was bei der nach wie vor hauptsächlich agrarisch strukturierten Wirtschaft schon schwierig genug wäre. Doch die Mehrzahl der Menschen drängt sich auf den Inseln Java, Madura und Bali zusammen, die aber nur etwa 8% der Landfläche ausmachen. Auf diesen Inseln beträgt die Siedlungsdichte über 400, auf Java sogar über 600 Menschen je km². Auf den äußeren Inseln jedoch sind es durchschnittlich weit unter 100: auf Sumatra beispielsweise 38 Menschen je km², in der Provinz Ostkalimantan nur 6.
Schon zur niederländischen Kolonialzeit wurde mit der behördlich angeordneten Umsiedlung begonnen. Die Regierung unter dem früheren Präsident Suharto (*1921) hatte diese Transmigration (»Transmigrasi«) zum nationalen Programm erhoben und forciert. Folgt man den offiziellen Daten, so sind seit Mitte der 1960er Jahre nur etwa vier Millionen Menschen umgesiedelt worden, was nicht einmal die Zuwanderung von den äußeren Inseln nach Java ausgleicht, geschweige denn den Geburtenüberschuss auffängt. Die Umsiedlungspolitik ist sehr umstritten, weil die Bewohner der äußeren Inseln eine Javanisierung ihrer Lebensweise befürchten. Außerdem kommt Kritik von Umweltschutzorganisationen, die in der rigorosen Urbarmachung bislang noch relativ unberührter
Regionen tropischen Regenwaldes eine weitere Zerstörung dieses für den gesamten Naturhaushalt Indonesiens lebenswichtigen Raumes sehen. Die ungleiche Bevölkerungsverteilung auf dem
Archipel ist die Folge natürlicher Gegebenheiten. Der auf den fruchtbaren vulkanischen Böden
Javas und Balis betriebene intensive Anbau von Naßreis lässt sich nicht auf die gerodeten Waldflächen der äußeren Inseln übertragen, deren Böden schnell auslaugen, erodieren und somit unfruchtbar werden.
Um dem Bevölkerungsdruck entgegenzuwirken, wird für die Zwei-Kinder-Familie geworben. Eine der populärsten Abkürzungen der nationalen Sprache »Bahasa Indonesia« heißt »KB« für »Keluarga Berencana«, Familienplanung. Noch gilt auch in Indonesien: Je ärmer die Menschen, desto größer der Kindersegen. Daher ist die Akzeptanz dieser Aktion je nach sozialem Milieu sehr unterschiedlich.
Die Verstädterung ist vor allem in Jakarta überwältigend. 1945 lebten dort 600.000 Menschen, fünf Jahrzehnte danach sind es mehr als neun Millionen (Ballungsraum: 11,5 Millionen). Zur Jahrtausendwende sollte nach den Hochrechnungen der Vereinten Nationen die 15. Million überschritten werden. Damit bietet Jakarta ein eindrucksvolles Beispiel für die städtische Explosion in einem Entwicklungsland. Längst haben die Behörden einen Zuzugstopp für Jakarta verhängt und immer wieder werden gewaltsam Slumviertel aufgelöst. Doch damit lassen sich die Probleme nicht beheben. Die regionalen Planungsbehörden haben den Großraum Jakarta bereits mit einem Akronym aus den
Anfangsbuchstaben der umliegenden Städte benannt: JABOTABEK für Jakarta, Bogor, Tangerang, Bekasi, die zusammengewachsen sind und in ihrem Einzugsbereich mehr als elf Millionen Menschen zählen.
Eine ähnlich rasante Entwicklung haben auch die anderen Großstädte auf Java zu verzeichnen: Bandung, Yogyakarta, Surabaya ebenso wie Medan und Padang auf Sumatra und Ujung Pandang im Südep Sulawesis (Celebes). Das am westlichen Vorbild orientierte Leben in den urbanen Zentren hat entscheidend zu einem Wertewandel beigetragen, der seit der Unabhängigkeit und dem wirtschaftlichen Aufschwung eingesetzt hat.
Die städtische Sogwirkung trägt zu Wandlungsprozessen in den von vielfältigen kulturellen Eigenheiten geprägten Volksgruppen bei. Der Familienzusammenhalt spielt zwar noch immer eine wichtige Rolle, beginnt aber lockerer zu werden. Noch werden vor allem von der älteren
Generation die alten Riten und religiös motivierten Bräuche, die Tänze und Lieder gepflegt, die
in den Weiten der Inselwelt so vielfarbig sind. Doch das Lokalkolorit schwindet mehr und
mehr. In den touristischen Zentren verkommt es zu Folklore, die nicht gelebt, sondern vorgeführt
wird.
Eine gesamtindonesische Kultur mit der Dominanz der großen Volksgruppen zeichnet
sich ab. Für zahlreiche Minoritäten heißt dies, sich anzupassen oder zu verkümmern, was - gemessen an den regionalen Traditionen - im Endeffekt auf dasselbe hinausläuft. Besonders gefährdet in ihrem Selbstverständnis sind die Eingeborenen Irian Jayas, die Dayak-Völker auf Kalimantan und die Sakuddei auf den Mentawai-Inseln.
Die Problematik des Vielvölkergemisches äußerte sich Ende des 20. Jahrhunderts nicht nur in verstärkten Unabhängigkeitsbestrebungen von Osttimor, Irian Jaya und der rohstoffreichen Provinz Aceh, sondern auch in religiös und sozial motivierten blutigen Konflikten auf den Molukken und auf Kalimantan.
Kulturelles Erbe
Das moderne kulturelle Leben auf Java und Bali ist das Ergebnis vieler Einflüsse, die über Tausende von Jahren hinweg auf die Inseln eingewirkt haben. Jede neue Völkerwanderung fügte
eine neue kulturelle Schicht hinzu, manchmal alte Traditionen überlagernd, sie jedoch meistens
aufnehmend und mit dem neuen vermischend. Als Folge davon gibt es auf den Inseln heute eine
ungewöhnliche Verschmelzung vielfältigen Brauchtums und verschiedener Kulturen.
Indonesien liegt am Kreuzungspunkt der großen Seewege, die über 2000 Jahre lang von Reisenden und Händlern befahren wurden. Die lange Verbindung mit Menschen aus China, Indien und der Arabischen Welt sowie die spätere Anwesenheit der Europäer bewirkte, dass eine Folge verschiedener kultureller Einflüsse die Inseln prägten. Besonders nachhaltig haben die buddhistische, hinduistische und islamische Religion Verhalten, Gewohnheiten und künstlerisches Schaffen beeinflusst.
Frühe Kulturen
Vor ca. 3000 Jahren wanderten die Vorfahren der heutigen Indonesier aus Südchina und Südostasien ein. Diese frühen Bewohner von Java und Bali entfalteten eine hochentwickelte Zivilisation, die auf dem Ackerbaugesetz (»adat«) von Java basierte, von dem viele Elemente noch heute erhalten sind. Zusätzlich entstand in dieser frühen javanischen Kultur der Glaube an die Beseeltheit der Natur und an die Existenz von Geistern. Die Javaner glaubten, daß es wichtig sei, mit der sie umgebenden Welt in Harmonie und Frieden zu leben. Buddhistische und hinduistische Kulturen wetteiferten um die Vormachtstellung, bestanden aber oftmals auch nebeneinander. Das letzte große javanische Königreich
mit einem starken hinduistischen Einfluss beherrschte Java und Bali vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. Bedeutendstes Bauwerk der buddhistischen Zeit ist Borobudur, eine javanische Kultstätte des 8./9. Jahrhunderts, aus der Zeit der Shailendra-Dynastie. Die Tempelanlage ist als abgestumpfte Pyramide mit neun Terrassen gestaltet. Sie gipfelt in einem Stupa inmitten von 72 kleineren Stupas.
Der Einfluss des Islam
Durch den Islam wurde der kulturellen Verschmelzung, die auf den Hauptinseln von Indonesien bereits bestand, eine weitere Schicht hinzugefügt. Wieder einmal war es der Handel, der es dem Islam ermöglichte, mit Kaufleuten aus dem indischen Gujarat in das Land Einzug zu halten. Diese Kaufleute waren vermutlich die ersten Moslems, die nach Indonesien kamen. Der Islam hatte jedoch vorerst keinen großen Einfluss auf die Menschen auf Java und noch weniger auf Bali. Sogar als der Islam Wurzeln schlug, war er oft noch mit früheren kulturellen Traditionen vermischt.
Heute ist Indonesien mit 175 Millionen Moslems das größte islamische Land der Welt, das heißt, dass hier mehr Moslems leben als in irgendeinem anderen Land; dennoch wird es selten als islamische Nation angesehen.
Auf Java stellen sich gesellschaftliche Gewohnheiten und Kultur dem Außenstehenden als verwirrende Mischung aus Traditionen und Widersprüchen dar. Elemente von Mystizismus und Hingabe sind immer noch reichlich vorhanden, was Moslems aus anderen Teilen der Welt nicht verstehen oder gar tolerieren würden. Auf Bali, wo die meisten Bewohner dem Hinduismus angehören, gehören zu gesellschaftlichen Zusammentreffen und Festen viele Zeremonien, die wiederum indische Hindus höchst seltsam finden
würden.
Das traditionelle Wayang-Stabpuppen- oder Schattenspiel ist typisch für die Kultur auf Java
und Bali. In diesen Aufführungen erscheinen Figuren und Geschichten aus den vielen kulturellen Vermächtnissen der Inseln, und sowohl moslemische Javaner als auch hinduistische Balinesen identifizieren sich mit den Charakteren aus Volkserzählungen und Heldengedichten, die
ständig verändert und verfeinert werden.
Eine andere Kunstform auf den Inseln Java und Bali ist das Gamelanorchester, das hauptsächlich aus Trommeln und gongähnlichen Instrumenten aus Metall und Bambus besteht. Die Bedeutung von Gamelan kann aus der Tatsache ersehen werden, daß das Wort »Gong« eines der wenigen javanischen Wörter ist, das in die englische Sprache aufgenommen wurde. Die anmutigen Tänze werden von Gamelanorchestern begleitet.
Auch im persönlichen Verhalten und in gesellschaftlichen Bräuchen drückt sich die Verschmelzung der Kulturen aus. Islamische Formalität und Höflichkeit verbinden sich mit der althergebrachten javanischen Sehnsucht nach Harmonie, nach guten Beziehungen mit der Außenwelt und den Mitmenschen. Es wird als höchst unhöflich angesehen, die Stimme zu erheben oder die Geduld zu verlieren. Das zu tun, bedeutet auch den Verlust von innerer persönlicher Harmonie und Ausgeglichenheit.
Empfehlung:
Literatur
Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.603 f.
Wamena - West Papua
Der nachfolgende Bericht entstammt der Zeitschrif "in Asien", Heft 1, Januar, 2001, S.11-13.
Das Baliem-Tal ist das einzige Hochtal Westpapuas, wie Irian Jaya seit Anfang des Jahres wieder genannt wird. Auf 1900 Metern liegt das Kalksteinmassiv auf 12 Kilometer Breite und 50 Kilometer Länge nur sanft da, umgeben von bis zu 4000 Meter hohen Gipfeln. Was dahinter kommt, wissen nur wenige. Die schneebedeckte Carstensz-Pyramide, der höchste Gipfel zwischen Himalaya und Anden, die Sümpfe des Asmat, Flussnomaden, die Baumhäuser der Kuruwai, die Geisterhäuser der Abelam.
Wamena, die 12.000-Einwohner-Stadt im Baliem-Tal, ist die letzte Versorgungsstation vor dieser Wildnis.
Alles, was die 50.000 Bewohner des Tals und die dreiviertel Million Bergpapuas im umliegenden Hochland nicht selbst erwirtschaften können, aber zum Leben brauchen, muss von der Hafen- und Hauptstadt Jayapura heraufgeflogen werden. Ganz Wamena kam so hier hoch. Denn vor 20 Jahren stand dort nur ein kleiner Dani-Weiler, ein Dorf des ansässigen Volksstammes. Dann wurde Salz geflogen, Zucker, Glas, Zement, Möbel, Nippes und Wellblech. 1983 hingen die ersten Autos an Helikoptern. Wellblech kommt, Benzin in Fässern. Immer noch, bis heute. Jeden Tag bis zu achtmal Fracht - aber nur einmal Passagiere. Und auch die sitzen auf den sehr mobilen Flugsesseln hinter mehr oder weniger gut festgezurrten Waren. Und wenn die Zahl der Menschen nicht ausreicht, um auf die kostendeckenden vier Tonnen Gewicht zu kommen, wird auf Fracht gewartet. Das kann Tage dauern.
Die alte Fokker 27 schraubt sich über die dicken Wasserarme des Membrano-Flusses, über dichten Bergregenwald hinauf in das Pass Valley. Der schmale Einschnitt zwischen den 3500 Meter hohen Bergen ist seit seiner Entdeckung 1943 immer noch der einzige Weg, auf dem Reisende nach Wamena gelangen können. Die Maschine taumelt durch dichten Nebel an schroffen Steinflanken vorbei, springt über Dunstbrocken und fällt in silbrige Löcher. 50 Minuten dauert der Tanz, bis sich das Baliem-Tal unter dem Besucher auftut; mit den hellgrünen Feldern der Sagopalmen, mit endlosen filzbezogenen Hügeln, versprengten dani-Weilern und dunklen, hohen Steinmassiven am Horizont. Eine Schneise gräbt sich von Wamena ein Stück weit in Richtung des massiven Felsgürtels des Pass Valley. Keine Ingenieurleistung vermochte die 450 Flugkilometer zwischen den Städten auf dem Landweg zu überwinden. Es gab nicht genug Steine, nicht genug Maschinen.
Das Volk der Dani
Die Behausungen der Dani sind sehr überschaubar, selten leben mehr als fünf Familien rund um einen Platz aus festgestampfter Erde in der Umfriedung aus Holzpfählen oder -brettern. Immer dem Eingang gegenüber liegt, strategisch günstig, der große Rundbau des Männerhauses mit bestem Blick auf freund und Feind. Hier hocken die Alten jeden Abend im Rauch vor dem Feuer, gedenken der Ahnen und Gott in gutem Einvernehmen, sprechen vielleicht über ihre Eheprobleme mit der einen oder den drei Frauen, über eigene Gedanken und Taten. Und wenn der männliche Nachwuchs ungefähr das neunte Lebensjahr erreicht hat, findet auch er Zugang und erfährt über seine künftige Welt all das, was ihm Schule und Kirche nicht bieten können.
Das lange Kochhaus zieht sich über eine Seite des Dorfes. Jede Familie hat ihre eigene Feuerstelle und ein wenig Geschirr aus Ton, Holz oder Flaschenkürbis. Frauen und Mädchen kochen täglich Süßkartoffeln, Taro-Knollen, Kohl und Karotten. Je nach Jagdeifer und -glück ihrer Männer und Brüder gibt es dazu Fisch, Vogel oder Flusskrebs. Was die Dani zum Leben brauchen, erwirtschaften sie selbst. Nach Wamena zieht es sie nur, wenn sie etwas zu verkaufen haben. Zurück kommen sie dann manchmal mit einem Faltenrock aus Trevira statt des üblichen Gras- oder Rotang-Geflechts, das sie selbst herstellen. Dem Kochhaus gegenüber stehen die kleinen Familienhütten mit einem Boden aus fester Erde, Lehm und Gras und sonst nichts. Ein Feuer vertreibt des nachts die Außentemperatur von zehn Grad Celsius.