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Offizieller Name: Republik Haiti Hauptstadt: Port-au-Prince Fläche: 27.750 km² Landesnatur: Von NW nach SO verlaufende Gebirgsketten werden schmale, langgestreckte Tieflandsenken voneinander getrennt Klima: Randtropisches Klima mit Regenzeit im Sommer Hauptflüsse: Artibonite, Les Trois Rivières Höchster Punkt: Pic de la Selle 2677 m Regierungsform: Präsidiale Republik Staatsoberhaupt: Staatspräsident Verwaltung: 9 Départements Einwohner: 8.087.000 (1999); 9.035.536 (geschätzt Juli 2009, CIA - The World Factbook) Bevölkerungsdichte: 291 Ew./km² Stadtbevölkerung: 35% Bevölkerung unter 15 Jahren: 41% Analphabetenquote: 51% Sprache: Französisch (10%), Kreolisch (98%) u.a. Religion: Katholiken 80%, Baptisten 10%, Wodu-Kulte Importgüter: Nahrungsmittel, Brenn- und Schmierstoffe, Maschinen, Fahrzeuge Exportgüter: Textilien, Elektroteile, Spielwaren, Sportartikel, Kaffee, Kakao, Mangos, Sojakuchen, ätherische Öle, Zucker, Sisal Nach den USA ist Haiti der am längsten unabhängige Staat des amerikanischen Doppelkontinents. Bereits 1804 erfolgte die Ausrufung einer unabhängigen "Negerrepublik", nachdem sich die Sklaven in einem blutigen Aufstand erfolgreich gegen die französischen Kolonialherren erhoben hatten. Heute ist Haiti nach Kuba und der angrenzenden Dominikanischen Republik der drittgrößte Staat im karibischen Raum. Haiti hat etwa 9 Millionen Einwohner. Zusätzlich leben ca. 4 Millionen Haitianer im reicheren Ausland, vor allem in Kanada und den Vereinigten Staaten (rund 1 Million leben in den USA). Viele Haitianer leben und arbeiten in der Dominikanischen Republik.
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»[...] Mitchell Stuart L. WerBell III. leitet weitere Plots zur Ermordung von Fidel Castro von der Dominikanischen Republik aus. WerBell war ursprünglich als OSS-Agent in Asien mit Lucien Conein und Paul Helliwell und wurde Mitte der 50er Jahre Agent für Fulgencio Batista, wobei er als Informant für die CIA in Bezug auf die revolutionären Aktivitäten in Kuba und der Dominikanischen Republik fungierte. [...] 1967 planen WerBell, Robert K. Brown und Rolando Masferrer die Ermordung von François Duvalier, der den Exilkubanern verbietet, Haiti als Basis für ihre Operationen gegen Kuba zu benützen. Die Operation NASSAU fliegt auf, wofür Masferrer von Richter Ramsey Clark zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt, WerBell jedoch freigesprochen wird. 1969 wird ein Bombenangriff auf den Palast Duvaliers geflogen, der aber an der Luftabwehr scheitert. Die Attentäter müssen landen und werden verhaftet. Duvalier stirbt am 21.4.71, worauf sein Sohn Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier das Zepter übernimmt. [...]« Washington hatte zwar sehr lange die Familien-Dynastie der Duvaliers gestützt, vollzog aber während der Herrschaft von Jean-Claude Duvalier dann doch eine Wende. Hilfsgelder für das Land blieben aus, nachdem Baby Doc nicht bereit war, eine Demokratisierung zuzulassen. Der stets weiter fallende Lebensstandard führte schließlich Anfang 1986 zu größeren Unruhen und zum Sturm auf den Präsidentenpalast, mit der Konsequenz, dass Jean-Claude Duvalier ins Exil nach Frankreich floh (hier lebt er angeblich in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Paris). | ![]() |
Mit großer Mehrheit wurde 1991 der Armenpriester und Befreiungstheologe Jean-Bertrand Aristide (* 1953) zum neuen Präsidenten gewählt. Er wurde jedoch bereits im gleichen Jahr durch einen Militärputsch, angeführt vom CIA gestützten Brigadegeneral Raoul Cédras gestürzt. Dieser Putsch rief schwere Proteste der Organisation Amerikanischer Staaten hervor. Mit Hilfe der US-Streitkräfte kehrte Aristide nach dreijährigem Exil (Venezuela, USA) zurück in sein Amt. Aus dem einst sozial engagierten Menschen Aristide, der sich für Gerechtigkeit und für die Armen stark gemacht hat, wurde nun ein Despot, der mit Terror seine Bevölkerung unterdrückt hat und Gegner von seiner Schlägertruppe "Chimères" beseitigen ließ. »[...] Anhänger der von den US-Amerikanern abgesetzten Militärdiktatur, ehemaligen Soldaten und Bandenmitgliedern marschierten 2004 auf die Hauptstadt. Angeführt wurden sie vom ehemaligen Polizeichef Guy Philippe, der eine wichtige Rolle im Drogengeschäft spielen soll [...]« (spiegel.de, 15.01.2010). Mit den Wahlen im Februar/März 2006 wurde die Interimsregierung mit Boniface Alexandre als Staatspräsident abgelöst. Staatsoberhaupt wurde, wie schon 1995, René Préval. Aristide betrachtet sich immer noch als rechtmäßiges Staatsoberhaupt. Aus seinem Exil in Südafrika hat er immer wieder mit seiner Rückkehr gedroht, zuletzt nach dem Erdbeben im Januar 2010. Dies jedoch dürfte lediglich Rethorik sein. Kaum jemand wünscht Aristide zurück nach Haiti. |
Das afrikanische Erbe
Der hohe Anteil schwarzer Bevölkerung in Haiti liegt in seiner Wirtschaftsentwicklung begründet. Die ehemals reiche französische Plantagenkolonie führte immer mehr Sklaven aus Westafrika ein. Ende des 18. Jahrhunderts wurden über 20.000 Sklaven pro Jahr nach Haiti verschleppt. So wird es verständlich, dass es zu jener Zeit neben 30.000 Weißen über 400.000 schwarzafrikanische Sklaven auf der Insel gab. Die Nachkommen dieser afrikanischen Sklaven pflegen heute noch zahlreiche afrikanische Sitten und Bräuche bzw. haben diese in eine haitianische Kultur integriert. Am bekanntesten ist der | Etwa 250.000 Kindersklaven in Haiti »[...] Die UN-Kinderhilfsorganisation Unicef schätzt, dass in Haiti bis zu 250.000 Kinder als Haussklaven zur Arbeit gezwungen werden. Bekannt sind sie als „Restavec“, abgeleitet vom französischen „rester avec“ – „bei jemandem bleiben“. Rund zehn Prozent von ihnen sind jünger als zehn Jahre. Sie müssen sich um den Haushalt kümmern, waschen Geschirr und Wäsche, holen Wasser, gehen zum Markt, putzen. Zu essen bekommen sie meist das, was ihre Arbeitgeber übrig lassen. Sind ein Drittel der haitianischen Kinder ohnehin unterernährt, sind die „Restavecs“ noch ärmer dran. [...] 60 Prozent der Kindersklaven sind Mädchen. Das geht aus einem UN-Bericht hervor. Sie werden nicht nur zur Arbeit gezwungen, sondern auch regelmäßig vergewaltigt. Wird ein Mädchen schwanger, landet es meist auf der Straße. Und dann bleibt vielen nur mehr die Prostitution, um zu überleben. [...]«Aus: diepresse.com, 24.1.2010 |
Das Land
Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Im Jahr 2007 lag das durchschnittliche pro-Kopf-Einkommen bei rund 600 US-$. Etwa 80% der im Land lebenden Haitianer haben 2 US-$ am Tag zur Verfügung, ein großer Teil von ihnen muss mit noch weniger auskommen. Vier Fünftel der ländlichen Bevölkerung Haitis leben unter dem absoluten Armutsniveau (laut Weltbank gilt als absolut arm, wer weniger als 1,25 PPP US-$ pro Tag zum Leben hat; PPP = Kaufkraftparität). Die Landwirtschaft ist hier nach wie vor der wichtigste Wirtschaftszweig, dessen Anteil am Bruttosozialprodukt knapp 30% beträgt. Noch deutlicher kommt ihre Rolle in der Erwerbsstruktur zum Ausdruck: Für über 60% der Bevölkerung ist sie immer noch die entscheidende Lebensgrundlage. Rund 40% des Exports entfallen auf Agrarprodukte, wovon Kaffee am wichtigsten ist. Er wird aber wenig systematisch angebaut, wie überhaupt die landwirtschaftlichen Produktionsmethoden äußerst primitiv sind. Obwohl das Land ein ausgesprochener Agrarstaat ist, kann der einheimische Bedarf an Milch und Milchprodukten, Ölen, Fetten und Körnerfrüchten nur zu drei Vierteln gedeckt werden. Allgemein verhindern die historisch gewachsene Sozialstruktur in der Landwirtschaft und der niedrige Entwicklungsstandard des Landes eine zügige Entwicklung. Der Selbstversorgungscharakter der Landwirtschaft ist auch dadurch bedingt, dass der größte Teil der Nutzfläche sich auf Kleinstbetriebe mit weniger als zwei Hektar verteilt. Etwa 8% der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden von Großbetrieben genutzt, die meist in ausländischem Besitz sind und rund 30% der Agrarproduktion erzeugen. »[...] Nach der Krönung von Baby Doc begannen amerikanische Planer in und außerhalb der US-Regierung mit ihren Plänen der Umwandlung Haitis in das "Taiwan der Karibik". Diesem kleinen, armen Land in angenehmer Nähe zu den Vereinigten Staaten wurde aufgetragen seine landwirtschaftliche Vergangenheit aufzugeben und einen stabilen, exportorientierten Produktionssektor zu entwickeln. Dies, so sagte man Duvalier und seinen Verbündeten, sei der Weg in die Modernisierung und wirtschaftliche Entwicklung. |
Besonders am Fuß der leeseitigen, regenarmen Gebirge kommt es zu einer fortschreitenden Vernichtung der Anbauflächen. Manch einer spricht sogar von einem "physischen Untergang" des Landes. Unter dem Bevölkerungsdruck werden immer steilere Berghänge von der Landwirtschaft genutzt. Die Vernichtung der natürlichen Vegetation, die noch durch den chronischen Holzmangel im Lande und die Folgen der Energiekrise beschleunigt wird, führt zur schweren Schädigung der Landschaft und zu einer Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts. Unregelmäßig fallende Starkregen verursachen an Berghängen eine Abtragung des Oberbodens sowie eine Versandung von Flusstälern und der in Jahren mühsam erbauten Rückhaltebecken. Mancherorts ist bereits ein Absinken des Grundwasserspiegels beobachtet worden. Da eine wasserspeichernde Vegetation fehlt, fördern die klimatischen Veränderungen das Vordringen der Trockenpflanzen. In der Durchführung angepasster kulturtechnischer Maßnahmen ist daher heute in Haiti der wesentliche Ansatz einer erfolgreichen Agrarentwicklung zu sehen. |
»[...] Knapp die Hälfte der rund 9,5 Millionen Einwohner haben noch nicht einmal einen Euro am Tag zur Verfügung. Fast zwei Millionen Haitianer leben inzwischen im Ausland. Ohne die Auslandsüberweisungen in Höhe von 1,8 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr könnten die Armen und Ärmsten der Armen nicht überleben. [...]« Beobachter befürchten für Haiti nun einen Rückfall in politisches Chaos und Anarchie. Als Gründe für die gestiegenen Preise werden die Konkurrenz der Biosprit-Produktion, die höheren Energiekosten, verursacht durch Spekulanten und durch die Nachfrage-Explosion von China und Indien angegeben (vgl. sc.tagesanzeiger.ch, 13. April 2008, Voller Tank, leere Mägen). »[...] Folgen der Wirtschaftsliberalisierung |
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12. Januar 2010: |
Machtpoker um Einfluss auf Haiti |