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Offizieller Name: Republik Haiti
Hauptstadt: Port-au-Prince
Fläche: 27.750 km²
Landesnatur: Von NW nach SO verlaufende Gebirgsketten werden schmale, langgestreckte Tieflandsenken voneinander getrennt
Klima: Randtropisches Klima mit Regenzeit im Sommer
Hauptflüsse: Artibonite, Les Trois Rivières
Höchster Punkt: Pic de la Selle 2677 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 9 Départements
Einwohner: 8.087.000 (1999); 9.035.536 (geschätzt Juli 2009, CIA - The World Factbook)
Bevölkerungsdichte: 291 Ew./km²
Stadtbevölkerung: 35%
Bevölkerung unter 15 Jahren: 41%
Analphabetenquote: 51%
Sprache: Französisch (10%), Kreolisch (98%) u.a.
Religion: Katholiken 80%, Baptisten 10%, Wodu-Kulte
Importgüter: Nahrungsmittel, Brenn- und Schmierstoffe, Maschinen, Fahrzeuge
Exportgüter: Textilien, Elektroteile, Spielwaren, Sportartikel, Kaffee, Kakao, Mangos, Sojakuchen, ätherische Öle, Zucker, Sisal
Nach den USA ist Haiti der am längsten unabhängige Staat des amerikanischen Doppelkontinents. Bereits 1804 erfolgte die Ausrufung einer unabhängigen "Negerrepublik", nachdem sich die Sklaven in einem blutigen Aufstand erfolgreich gegen die französischen Kolonialherren erhoben hatten. Heute ist Haiti nach Kuba und der angrenzenden Dominikanischen Republik der drittgrößte Staat im karibischen Raum. Haiti hat etwa 9 Millionen Einwohner. Zusätzlich leben ca. 4 Millionen Haitianer im reicheren Ausland, vor allem in Kanada und den Vereinigten Staaten (rund 1 Million leben in den USA). Viele Haitianer leben und arbeiten in der Dominikanischen Republik.
Der Preis für die Unabhängigkeit ab 1804
»[...] Die Republik Haiti wurde in der Folge von den meisten Staaten anerkannt. Nach mehreren vergeblichen Wiedereroberungsversuchen erkannte selbst Frankreich sie 1825 an, allerdings gegen eine an die ehemaligen Plantagenbesitzer zu zahlende Entschädigung von 150 Mio. Franc, die 1838 bei Gelegenheit des Abschlusses eines Handelsvertrags zwischen Frankreich und Haiti auf 60 Mio., in 30 Raten bis 1867 zu zahlen, herabgesetzt wurde. Bis 1947 lähmte die Schuldenlast die haitianische Wirtschaft und legte den Grundstein für Armut und Korruption. [...]«
Aus: de.wikipedia.org, Geschichte Haitis
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Die Diktatur der Duvaliers
Politische Aufstände und Greueltaten der meist diktatorisch regierenden Staatsführer ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte Haitis des 19. und 20. Jahrhunderts. François Duvalier (1907-1971), ein schwarzer Arzt, wurde 1957 Präsident. Er regierte das Land, das durch die US-amerikanische Besatzungszeit und zahlreiche kurzlebige Diktaturen gekennzeichnet war, mit brutaler Gewalt. 1964 ließ er sich vom haitianischen Volk zum Präsidenten auf Lebenszeit wählen. Seine gefürchteten "Tontons Macoutes", eine Polizeitruppe, wüteten bis 1971, seinem Todesjahr. Danach übernahm sein Sohn Jean-Claude (* 1951) - "Baby Doc" genannt - die Regierungsgewalt. Mit nur neunzehn Jahren wurde auch er zum Präsidenten auf Lebenszeit proklamiert.
Die Duvaliers stürzten das ohnehin wenig entwickelte Land in das totale wirtschaftliche Chaos. Die Befreiung von der Duvalier-Herrschaft geschah letztendlich mit Hilfe der US-Regierung.
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»[...] Mitchell Stuart L. WerBell III. leitet weitere Plots zur Ermordung von Fidel Castro von der Dominikanischen Republik aus. WerBell war ursprünglich als OSS-Agent in Asien mit Lucien Conein und Paul Helliwell und wurde Mitte der 50er Jahre Agent für Fulgencio Batista, wobei er als Informant für die CIA in Bezug auf die revolutionären Aktivitäten in Kuba und der Dominikanischen Republik fungierte. [...] 1967 planen WerBell, Robert K. Brown und Rolando Masferrer die Ermordung von François Duvalier, der den Exilkubanern verbietet, Haiti als Basis für ihre Operationen gegen Kuba zu benützen. Die Operation NASSAU fliegt auf, wofür Masferrer von Richter Ramsey Clark zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt, WerBell jedoch freigesprochen wird. 1969 wird ein Bombenangriff auf den Palast Duvaliers geflogen, der aber an der Luftabwehr scheitert. Die Attentäter müssen landen und werden verhaftet. Duvalier stirbt am 21.4.71, worauf sein Sohn Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier das Zepter übernimmt. [...]«
Aus: us-politik.ch, Mafia, Geheimdienste und Politik der USA, Teil 9
Washington hatte zwar sehr lange die Familien-Dynastie der Duvaliers gestützt, vollzog aber während der Herrschaft von Jean-Claude Duvalier dann doch eine Wende. Hilfsgelder für das Land blieben aus, nachdem Baby Doc nicht bereit war, eine Demokratisierung zuzulassen. Der stets weiter fallende Lebensstandard führte schließlich Anfang 1986 zu größeren Unruhen und zum Sturm auf den Präsidentenpalast, mit der Konsequenz, dass Jean-Claude Duvalier ins Exil nach Frankreich floh (hier lebt er angeblich in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Paris).
Die Interimsregierung des General Henry Namphy (* 1932) brachte im zweiten Anlauf zwar Wahlen, doch der gewählte Staatspräsident, Leslie Manigat (* 1930), konnte sich nicht lange halten. 1988 wurde auch Namphy gestürzt, dem General Prosper Avril (* um 1938) als Machthaber folgte. Aber auch er musste bereits ein Jahr später bei einem Putschversuch seine Position verteidigen und daraufhin im März 1990 zurücktreten.
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Mit großer Mehrheit wurde 1991 der Armenpriester und Befreiungstheologe Jean-Bertrand Aristide (* 1953) zum neuen Präsidenten gewählt. Er wurde jedoch bereits im gleichen Jahr durch einen Militärputsch, angeführt vom CIA gestützten Brigadegeneral Raoul Cédras gestürzt. Dieser Putsch rief schwere Proteste der Organisation Amerikanischer Staaten hervor. Mit Hilfe der US-Streitkräfte kehrte Aristide nach dreijährigem Exil (Venezuela, USA) zurück in sein Amt. Aus dem einst sozial engagierten Menschen Aristide, der sich für Gerechtigkeit und für die Armen stark gemacht hat, wurde nun ein Despot, der mit Terror seine Bevölkerung unterdrückt hat und Gegner von seiner Schlägertruppe "Chimères" beseitigen ließ.
1995 wurde René Préval (* 1943) zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Aristide musste für eine Amtszeit aussetzen, wie es die Verfassung Haitis verlangt. Im Februar 2001 wurde Aristide erneut Staatsoberhaupt trotz des Vorwurfs massiver Wahlfälschung. Bei den Wahlen im Mai 2003 kam er nach amtlichen Ergebnissen auf fast 92 Prozent der Stimmen.
Im März 2004 wurde Aristide nach heftigen, wochenlangen Tumulten entmachtet, woraufhin er Haiti verließ und sich zunächst in der Zentralafrikanischen Republik, dann auf Jamaika und zuletzt in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria niederließ (seit 31. Mai 2004).
»[...] Anhänger der von den US-Amerikanern abgesetzten Militärdiktatur, ehemaligen Soldaten und Bandenmitgliedern marschierten 2004 auf die Hauptstadt. Angeführt wurden sie vom ehemaligen Polizeichef Guy Philippe, der eine wichtige Rolle im Drogengeschäft spielen soll [...]« (spiegel.de, 15.01.2010).
Aufgrund der von Haiti ausgehenden Bedrohung des Weltfriedens und der Gefährdung der Sicherheitslage in der Region, beschloss der UN-Sicherheitsrat am 30. April 2004 einstimmig die Entsendung einer internationalen Stabilisierungs-Truppe nach Haiti (MINUSTAH). Diese Truppe besteht zu Beginn ihres Mandats aus 6.700 Soldaten, 1.600 internationalen Polizisten, einem zivilen Stab, bestehend aus knapp 550 internationalen Mitarbeitern, rund 150 Freiwilligen der Vereinten Nationen sowie fast 1.000 Ortsansässigen.
Brasilien, mit 1300 Soldaten an der Mission beteiligt, stellt mit João Batista Bernardes den Oberbefehlshaber der MINUSTAH. Für Brasilien ist dieser Einsatz damit der größte und wichtigste seit Bestehen der UNO. Wesentliche Aufgabe der MINUSTAH ist die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit. In den ersten Jahren kämpften die UNO-Truppen gegen die bewaffneten Gangs, die die Elendsviertel (z.B. "Cité Soleil") in Port-au-Prince kontrollierten.
Mit den Wahlen im Februar/März 2006 wurde die Interimsregierung mit Boniface Alexandre als Staatspräsident abgelöst. Staatsoberhaupt wurde, wie schon 1995, René Préval.
Aristide betrachtet sich immer noch als rechtmäßiges Staatsoberhaupt. Aus seinem Exil in Südafrika hat er immer wieder mit seiner Rückkehr gedroht, zuletzt nach dem Erdbeben im Januar 2010. Dies jedoch dürfte lediglich Rethorik sein. Kaum jemand wünscht Aristide zurück nach Haiti.
transgallaxys.com, 24.3.2004, Pyramidensysteme und Korruption: »[...] Einstürzende Pyramidensysteme, die Tausende von Menschen ruinierten, waren die einzige ökonomische Initiative während der Aristide-Ära.
Haitianer verkauften Autos und andere Wertgegenstände und verloren ihre etwa 200-Millionen-Dollar-Investitionen in diese betrügerischen Systeme, die als "co-operatives" bekannt waren und die mit dem Versprechen von 10-prozentigen Zinserträgen köderten. Die Co-op-Initiatoren kauften sich von den Einkünften Transportunternehmen, Hotels und Tankstellen.[...]«
Januar 2010
Wie der US-Fernsehprediger Pat Robertson sagte, habe Haiti Ende des 18. Jahrhunderts einen "Pakt mit dem Teufel" geschlossen, woraufhin die Haitianer die Franzosen erst entmachten konnten. »[...] Die Folgen dieses Pakts seien bis heute zu spüren (wie z.B. das Erdbeben im Januar 2010, wie Robertson meint; Anm. muz-online.de). Denn offenbar stehe Haiti unter einem Fluch. [...] 2003 hatten Voodoo-Priester Haiti mit Tieropfern erneut dem Teufel geweiht. Der damalige Staatspräsident Jean-Betrand Aristide hatte ein halbes Jahr zuvor den Voodoo-Kult zur zweiten Staatsreligion neben dem Katholizismus erklärt. [...] Mit magischen Handlungen soll es seinen Anhängern möglich sein, Rache zu nehmen und Menschen zu Tode zu bringen. 2004 hatten rund 100.000 Evangelikale aus Anlass des 200. Jahrestages der Unabhängigkeit Haiti Jesus Christus geweiht. Ziel war es auch, die Vorherrschaft des Voodoo-Kultes zu brechen. [...]«
Erdbeben eine Folge vom 'Pakt mit dem Teufel'?, kath.net, 17.01.2010
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Das afrikanische Erbe
Der hohe Anteil schwarzer Bevölkerung in Haiti liegt in seiner Wirtschaftsentwicklung begründet. Die ehemals reiche französische Plantagenkolonie führte immer mehr Sklaven aus Westafrika ein. Ende des 18. Jahrhunderts wurden über 20.000 Sklaven pro Jahr nach Haiti verschleppt. So wird es verständlich, dass es zu jener Zeit neben 30.000 Weißen über 400.000 schwarzafrikanische Sklaven auf der Insel gab. Die Nachkommen dieser afrikanischen Sklaven pflegen heute noch zahlreiche afrikanische Sitten und Bräuche bzw. haben diese in eine haitianische Kultur integriert. Am bekanntesten ist der Wodu-Kult (Voodoo), in dem sich afrikanische Glaubensinhalte mit der in der französischen Kolonie verbreiteten Christenlehre mischten.
 | Etwa 250.000 Kindersklaven in Haiti
»[...] Die UN-Kinderhilfsorganisation Unicef schätzt, dass in Haiti bis zu 250.000 Kinder als Haussklaven zur Arbeit gezwungen werden. Bekannt sind sie als „Restavec“, abgeleitet vom französischen „rester avec“ – „bei jemandem bleiben“. Rund zehn Prozent von ihnen sind jünger als zehn Jahre. Sie müssen sich um den Haushalt kümmern, waschen Geschirr und Wäsche, holen Wasser, gehen zum Markt, putzen. Zu essen bekommen sie meist das, was ihre Arbeitgeber übrig lassen. Sind ein Drittel der haitianischen Kinder ohnehin unterernährt, sind die „Restavecs“ noch ärmer dran. [...] 60 Prozent der Kindersklaven sind Mädchen. Das geht aus einem UN-Bericht hervor. Sie werden nicht nur zur Arbeit gezwungen, sondern auch regelmäßig vergewaltigt. Wird ein Mädchen schwanger, landet es meist auf der Straße. Und dann bleibt vielen nur mehr die Prostitution, um zu überleben. [...]«
Aus: diepresse.com, 24.1.2010
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Port-au-Prince: Karibische Hauptstadt mit vielen Gesichtern
Die ca. 1,3 Millionen Einwohner (2006) zählende Hauptstadt Haitis bietet dem Fremden ein farbenfrohes Bild und täuscht damit allzu leicht über die gravierenden Probleme der Stadt hinweg. Nirgendwo in der Karibik sind die Elendsviertel, hier "bidonvilles" genannt, so zahlreich wie in Port-au-Prince. Die Arbeitslosenquote erreicht erschreckende Prozentsätze. Tausende von Straßenhändler, Schuhputzer, Altwarensammler und Losverkäufer versuchen sich jeden Tag auf Neue im Überleben. Das Straßenbild von Port-au-Prince wird überdies von den buntbemalten "Tap-Taps" gekennzeichnet. Diese wichtigsten öffentlichen Verkehrsmittel sind klapprige Kreuzungen zwischen einem Lastwagen und einem Omnibus. Nur stellenweise ist Port-au-Prince eine moderne Großstadt. Im Rahmen der Industrialisierungsbestrebungen entstand seit den 1970er Jahren im Norden der Hauptstadt der "Parc Industriel Métropolitain", ein moderner Industriepark mit 2000 Arbeitsplätzen. Die meist aus Nordamerika stammenden Investoren sind vor allem durch das Vorhandensein billiger Arbeitskräfte und durch nierdrige Steuern angelockt werden. Die Betriebe stellen aus importierten Rohstoffen und Halbfertigprodukten Exportgüter wie Textilien, Sportartikel und Elektrogeräte her. Doch angesichts der schwierigen Lage des Landes ist kaum zu erwarten, dass sich weitere Investoren für die Ansiedlung von dringend benötigten Industrien finden lassen. Wegen der schlechten Infrastruktur in den anderen Landesteilen sind Kapitalinvestitionen ohnehin nur in der Hauptstadtregion zu erwarten. Dies wiederum beschleunigt jedoch den Zuzug ländlicher Massen in die Hauptstadt Port-au-Prince, ein Problem, das bisher noch keine Regierung auch nur annähernd lösen konnte.
Am 12. Januar 2010 wurde Port-au-Prince von einem Erdbeben zu 70 Prozent zerstört.
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Das Land
Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Im Jahr 2007 lag das durchschnittliche pro-Kopf-Einkommen bei rund 600 US-$. Etwa 80% der im Land lebenden Haitianer haben 2 US-$ am Tag zur Verfügung, ein großer Teil von ihnen muss mit noch weniger auskommen. Vier Fünftel der ländlichen Bevölkerung Haitis leben unter dem absoluten Armutsniveau (laut Weltbank gilt als absolut arm, wer weniger als 1,25 PPP US-$ pro Tag zum Leben hat; PPP = Kaufkraftparität). Die Landwirtschaft ist hier nach wie vor der wichtigste Wirtschaftszweig, dessen Anteil am Bruttosozialprodukt knapp 30% beträgt. Noch deutlicher kommt ihre Rolle in der Erwerbsstruktur zum Ausdruck: Für über 60% der Bevölkerung ist sie immer noch die entscheidende Lebensgrundlage. Rund 40% des Exports entfallen auf Agrarprodukte, wovon Kaffee am wichtigsten ist. Er wird aber wenig systematisch angebaut, wie überhaupt die landwirtschaftlichen Produktionsmethoden äußerst primitiv sind. Obwohl das Land ein ausgesprochener Agrarstaat ist, kann der einheimische Bedarf an Milch und Milchprodukten, Ölen, Fetten und Körnerfrüchten nur zu drei Vierteln gedeckt werden. Allgemein verhindern die historisch gewachsene Sozialstruktur in der Landwirtschaft und der niedrige Entwicklungsstandard des Landes eine zügige Entwicklung. Der Selbstversorgungscharakter der Landwirtschaft ist auch dadurch bedingt, dass der größte Teil der Nutzfläche sich auf Kleinstbetriebe mit weniger als zwei Hektar verteilt. Etwa 8% der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden von Großbetrieben genutzt, die meist in ausländischem Besitz sind und rund 30% der Agrarproduktion erzeugen.
»[...] Einer verarmten kreol-sprechenden, schwarzen Mehrheit steht eine französisch-sprachige Minderheit gegenüber. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über nahezu die Hälfte aller Güter und Besitztümer der Insel [...]« (siehe: evangelisch.de, 13.1.2010, Haitis bewegte Geschichte).
Die starke Besitzsplitterung sowie die zunehmende Bodenzerstörung der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen verhindern eine Steigerung der Produktion. Angesichts eines starken Bevölkerungswachstums gerät so die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ins Hintertreffen.
»[...] Nach der Krönung von Baby Doc begannen amerikanische Planer in und außerhalb der US-Regierung mit ihren Plänen der Umwandlung Haitis in das "Taiwan der Karibik". Diesem kleinen, armen Land in angenehmer Nähe zu den Vereinigten Staaten wurde aufgetragen seine landwirtschaftliche Vergangenheit aufzugeben und einen stabilen, exportorientierten Produktionssektor zu entwickeln. Dies, so sagte man Duvalier und seinen Verbündeten, sei der Weg in die Modernisierung und wirtschaftliche Entwicklung.
Aus Sicht der Weltbank und der US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) war Haiti der perfekte Kandidat für dieses neoliberale Facelifting. Die Armut, welche die haitianischen Massen plagte, könnte dazu verwendet werden, die Menschen in schlecht bezahlte Jobs zu zwingen bei denen sie Baseballs zusammennähen und andere Produkte zusammenbauen. [...]«
Lesen Sie mehr über Was sie nicht über Haiti hören (aber wissen sollten) von www.propagandafront.de
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Besonders am Fuß der leeseitigen, regenarmen Gebirge kommt es zu einer fortschreitenden Vernichtung der Anbauflächen. Manch einer spricht sogar von einem "physischen Untergang" des Landes. Unter dem Bevölkerungsdruck werden immer steilere Berghänge von der Landwirtschaft genutzt. Die Vernichtung der natürlichen Vegetation, die noch durch den chronischen Holzmangel im Lande und die Folgen der Energiekrise beschleunigt wird, führt zur schweren Schädigung der Landschaft und zu einer Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts. Unregelmäßig fallende Starkregen verursachen an Berghängen eine Abtragung des Oberbodens sowie eine Versandung von Flusstälern und der in Jahren mühsam erbauten Rückhaltebecken. Mancherorts ist bereits ein Absinken des Grundwasserspiegels beobachtet worden. Da eine wasserspeichernde Vegetation fehlt, fördern die klimatischen Veränderungen das Vordringen der Trockenpflanzen. In der Durchführung angepasster kulturtechnischer Maßnahmen ist daher heute in Haiti der wesentliche Ansatz einer erfolgreichen Agrarentwicklung zu sehen. |
Entwicklungen ab 2008
Die Welternährungskonferenz hat Haiti völlig zu Recht in die Gruppe der Staaten eingereiht, die mit den größten Ernährungsproblemen zu kämpfen haben. Die haitianische Regierung zog bis heute aber noch nicht entsprechende Konsequenzen aus dieser verhängnisvollen Entwicklung. Bis vor wenigen Jahren flossen jährlich weniger als 10% aller eingesetzten Investitionsmittel zur Modernisierung und Technisierung in die Landwirtschaft.
Ab Anfang April 2008 erschütterten heftige (Hunger-)Unruhen das Land und führten Mitte April dazu, dass Ministerpräsident Jacques Edouard Alexis mitsamt des kompletten Kabinetts vom Senat gestürzt wurden. Grund: Die Masse der Menschen kann sich aufgrund explosionsartig gestiegener Lebensmittelpreise (der Preis für Reis hat sich verdoppelt) nicht mehr ausreichend mit Lebensmittel versorgen.
Siehe auch: www.handelsblatt.com, Haitis Regierung gestürzt, 13.04.2008 |
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»[...] Knapp die Hälfte der rund 9,5 Millionen Einwohner haben noch nicht einmal einen Euro am Tag zur Verfügung. Fast zwei Millionen Haitianer leben inzwischen im Ausland. Ohne die Auslandsüberweisungen in Höhe von 1,8 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr könnten die Armen und Ärmsten der Armen nicht überleben. [...]«
taz.de, 09.04.2008, Kampf ums bezahlbare Essen
Beobachter befürchten für Haiti nun einen Rückfall in politisches Chaos und Anarchie. Als Gründe für die gestiegenen Preise werden die Konkurrenz der Biosprit-Produktion, die höheren Energiekosten, verursacht durch Spekulanten und durch die Nachfrage-Explosion von China und Indien angegeben (vgl. sc.tagesanzeiger.ch, 13. April 2008, Voller Tank, leere Mägen).
In diesen Tagen zeigt sich aber auch deutlich, was jahrzehnte- oder jahrhundertelange Ausbeutung von Erde und Menschen, Diktaturen, Anarchie und politisches Chaos dem Land angetan haben, sodass es heute fast alle Grundnahrungsmittel einführen muss und kaum mehr selbst produziert.
»[...] Folgen der Wirtschaftsliberalisierung
Den Angaben der "Diakonie Katastrophenhilfe" zufolge litten Mitte 2008 auf Haiti 2.5 Millionen Menschen an Hunger, das entspricht knapp einem Drittel der gesamten Bevölkerung (Lateinamerika Nachrichten 408, Juni 2008).
Nach Einschätzung der spanischen NGO Intermon Oxfam ist die neoliberale Politik seit 1986 verantwortlich für die aktuelle Ernährungskrise. Der Direktor der NGO stellt fest: "Vor 1986 befriedigte die lokale Reisproduktion 80% der Nachfrage, doch heute wird mehr als 80% des konsumierten Reises importiert. Das gleiche gilt für Mais, Bohnen und Hühnereier" (IPS, 14.1.09). Auch die Hilfsaktivistin Marie Josée Laguerre weist darauf hin, dass die Liberalisierung der Wirtschaft dazu führte, dass Ende der 1980er Jahre Reis aus den USA den haitianischen Markt zu Dumpingpreisen überschwemmte und die einheimischen Bauern und Bäuerinnen dem Billigkonkurrenzdruck nicht stand halten konnten und pleite gingen. Mehr als 100.000 Reisbauern und -bäuerinnen verloren so ihre Existenzgrundlage. Ähnlich erging es den Bauern und Bäuerinnen, die von der Haltung des Schwarzschweines abhingen. Auf Druck der US-Regierung und mit deren finanzieller Unterstützung wurde Anfang der 1980er Jahre während der Diktatur von Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier das Schwarzschwein unter dem Vorwand einer Schweinepest auf Haiti ausgerottet und durch das weniger anpassungsfähige Hausschwein ersetzt. Das amerikanische Hausschwein benötigte eine spezielle Pflege, für deren Kosten die Bauern und Bäuerinnen nicht mehr aufkommen konnten (Lateinamerika Nachrichten 413, November 2008).
Die Umbruchssituation nach dem Sturz der Diktatur von "Baby Doc" Duvalier durch eine Massenbewegung 1986 wurde von der Weltbank und USAID ausgenutzt, um Haiti eine streng neoliberale Wirtschaftspolitik zu verordnen. Noch 1986 trat ein neues Handelsrecht in Kraft, das die Importsteuern auf Nahrungsmittel und andere Gebrauchsgüter drastisch senkte. Durch die durch den Import erreichte Vergrößerung des Angebots an Nahrungsmitteln sollte für die Bevölkerung der Zugang zu billigeren Lebensmitteln erleichtert werden. Es wurde dabei einkalkuliert, dass durch die massenhafte Einfuhr von günstigem Reis und Geflügel aus den USA die lokalen Bauern und Bäuerinnen verdrängt wurden, ebenso wie die folglich einsetzende Landflucht. Nach der Vorstellung der Weltbank sollte die in die Städte zuziehende Landbevölkerung Aufnahme in den parallel dazu geförderten Billiglohnfabriken (Sweatshops) der Montageindustrie finden. "Die Folgen dieser Politik waren für Haiti verheerend: Die Nahrungsmittelproduktion pro Kopf ging um über ein Drittel zurück. Besonders betroffen waren die Grundnahrungsmittel Reis, Hirse und Bohnen [..]. Heute importiert Haiti rund 80 Prozent seines Bedarfs an Reis, während viele bäuerliche Familien auf die reine Subsistenzwirtschaft zurückgeworfen oder gezwungen wurden, in die Städte zu ziehen ..." (Lateinamerika Nachrichten 408, Juni 2008). [...]«
Aus: oneworld.at, Bauern fordern aktives Vorgehen gegen Ernährungskrise
»[...] Hurrikankatastrophen: Die ohnehin katastrophale Lage der Bevölkerung, die trotz gefallener Preise für Nahrungsmittel und Energie laut einem Bericht der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) immer noch weit mehr für den Grundbedarf ausgeben muss als vor 2007/08, verschlimmerte sich im Sommer 2008, als die Region ungewöhnlich heftig von Hurrikans heimgesucht wurde: In den Monaten August und September zogen ein Tropensturm und drei Hurrikans (Fay, Gustav, Hanna, Ike) über den Karibikstaat und richteten starke Verwüstungen an. Nach Angaben der haitianischen Zivilschutzbehörde kamen dabei insgesamt fast 800 Menschen ums Leben, 548 wurden verletzt, 300 Menschen blieben vermisst; etwa 1 Mio. Menschen wurden obdachlos. Allein Hurrikan "Hanna" forderte über 500 Menschenleben. Am schlimmsten betroffen war der Norden des Landes, insbesondere die Stadt Gonaïves, die nahezu komplett überflutet und tagelang von der Außenwelt abgeschnitten war. Zehntausende Menschen wurden obdachlos. Die Regierung rief landesweiten Notstand aus. Die Verteilung von Hilfsgütern durch die Soldaten der UN-Friedensmission MINUSTAH und durch internationale Hilfsorganisationen wurde durch unpassierbare Verkehrswege und durch Überfälle der bedürftigen Bevölkerung auf die Hilfstransporte erschwert. [...] Um einer weiteren Zuspitzung der prekären Lage der verarmten Bevölkerung Haitis entgegenzuwirken, beschloss eine von der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der haitianischen Regierung einberufene Geberkonferenz aus mehr als 30 Teilnehmerstaaten und Organisationen Mitte April 2009 in Washington (USA), Haiti in den kommenden Jahren mit 324 Mio. US-$ Finanzhilfe zu unterstützen. Der haitianischen Regierung zufolge werde das Land für den Wiederaufbau des Bildungs- und Gesundheitswesens sowie der maroden Infrastruktur und für die Sanierung des völlig überschuldeten Staatshaushalts allein in den nächsten beiden Jahren 900 Mio. US-$ benötigen. [...]«
Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 241 ff.
12.8.2009: Rückgabe der blockierten Gelder von Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier
»[...] Gemäß dem Entscheid der II. Beschwerdekammmer des Bundesstrafgerichts im schweizerischen Bellinzona (Urteil RR.2009.94 vom 12.8.2009) sollen die die seit 2002 blockierten Gelder von Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier nun an Haiti zurückgegeben werden. [...] Am 11. Februar 2009 wurde schließlich durch das Bundesamt für Justiz (BJ) die Freigabe der Gelder in Höhe von rund sieben Millionen Schweizer Franken angeordnet. Daraufhin erhob eine in Liechtenstein ansässige Stiftung des kriminellen Duvalier-Clans Beschwerde, welche jedoch mit dem jetzigen Urteil abgewiesen wurde, da kein einziger Beweis über die legale Herkunft der Gelder erbracht werden konnte. Der Entscheid ist rechtsgültig, sofern dieser nicht innerhalb von zehn Tagen beim Bundesgericht in Lausanne angefochten wird. Nach früheren Angaben sollen die Gelder an Hilfsorganisationen weitergeleitet werden. Parallel läuft zudem gegen Jean-Claude Duvalier, der heute in Paris lebt, in Haiti ein Strafverfahren wegen der Veruntreuung von circa. 100 Millionen US-Dollar. Jean-Claude Duvalier, auch "Baby Doc" genannt, hatte sich nach dem Tod seines Vaters François Duvalier (ein ehemaliger Arzt der als "Papa Doc" 1957 auf Haiti eine Familiendiktatur errichtete) im Jahr 1971, wie dieser zuvor, als Präsident auf Lebenszeit ausgerufen.
[...]«
Aus: quetzal-leipzig.de, 16. August 2009, Rückgabe von Duvalier-Geldern durch die Schweiz
12. Januar 2010: Schwerstes Erdbeben seit 200 Jahren verwüstet Haiti
Am Nachmittag (Ortszeit) des 12. Januar 2010 hat ein Erdbeben der Stärke 7,0 auf dem ohnehin bitterarmen Inselstaat eine beispiellose Verwüstung angerichtet. Mit Zehntausenden Toten wird gerechnet. Mindestens 1 Million Menschen wurden obdachlos. Das Epizentrum lag lediglich 16 Kilometer von Port-Au-Prince entfernt.
Siehe: tagesschau.de, Nach dem verheerenden Erdbeben. Zehntausende Tote in Haiti befürchtet, 13.01.2010
Ende Januar wurde von Seiten der haitianischen Regierung gemeldet, dass dem Erdbeben mehr als 180.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Diese Zahl wird jedoch täglich weiter nach oben hin korrigiert, da bei den Aufräumarbeiten immer wieder Leichen geborgen werden.
Siehe auch: swissinfo.ch, 14 Januar 2010, Nicht nur vom Erdbeben erschüttert
Machtpoker um Einfluss auf Haiti
»[...] Die USA haben ein geostrategisches Interesse an Haiti. Das Land befindet sich knapp tausend Kilometer von Miami entfernt, rund eine Million Haitianer leben in den USA. Der völlige politische und ökonomische Kollaps und die Bebenkatastrophe könnten eine neue gewaltige Flüchtlingswelle auslösen, sorgt sich die Regierung in Washington, die im eigenen Land noch mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu kämpfen hat.
Außerdem ist Haiti ein Drehkreuz für den Drogenschmuggel – und ein weiteres Puzzlestück im regionalen Machtpoker um den Einfluss in Lateinamerika. Auch der Gegner hat bereits Zeichen gesetzt: Das erste Flugzeug, das nach der Katastrophe in Port-au-Prince landete, kam aus Venezuela. Der dortige Machthaber Hugo Chavez, Obamas linker Rivale, will die Nase vorn haben im bizarren Wettlauf um die Solidarität.
Chavez lieferte der Halbinsel bereits seit Jahren Erdöl zu Vorzugspreisen, und auch sein Verbündeter, das kommunistische Kuba, ist seit Langem präsent auf Haiti: 400 kubanische Ärzte arbeiten seit Ende der neunziger Jahre in dem Karibikstaat und haben einen wichtigen Beitrag zum Erhalt eines bis zu dem Erdbeben halbwegs funktionierenden Gesundheitssystem geleistet. Nun bietet das Beben beiden Ländern die Gelegenheit, ihren Einfluss auszuweiten. [...]«
Aus: zeit.de, US-Engagement in Haiti, 15.1.2010
amerika21.de, Fidel Castro: Die Lehre von Haiti. Kubas ehemaliger Staats- und Regierungschef zu den Hintergründen der Naturkatastrophe, 15.1.2010
stern.de, USA übernehmen Krisenmanagement, 16.1.2010
»[...] Bis Montag sollen 9000 bis 10.000 US-Soldaten in Haiti oder auf Schiffen vor der Küste im Einsatz sein, wie der Vorsitzende der Vereinten Stabschefs, Admiral Mike Mullen, mitteilte. Bis Freitag waren zunächst 4200 Mann vor Ort, darunter die Besatzung des Flugzeugträgers "USS Carl Vinson". [...]«
spiegel.de, 18.1.2010: Haiti entwickelt sich wieder zur Kolonie
alles-schallundrauch.blogspot.com: gemäß den Aussagen der Wissenschaftler Daniel und Ginette Mathurin im Januar 2008, soll es unter Haitis Boden riesige Erdölreserven geben, die um ein Vielfaches die Erdölvorkommen Venezuelas übertreffen. Außerdem soll es Uran 238 und 235 sowie Zirconium geben.
Siehe auch:
ezili_danto, 13.10.2009: Oil in Haiti - Economic Reasons for the UN/US occupation
amerika21.de, 14.12.2009, ALBA warnt vor Offensive der USA
onlinejournal.com, 22.1.2010: HAARP, Haiti, Brzezinski and the NWO
US-Katastrophenhilfe für Haiti: eine humanitäre Operation oder eine Invasion ?
»[...] Das US-Südkommando (SOUTHCOM) mit Hauptquartier in Miami ist federführend in Haiti. Als regionales Kommando verfügt es über ein Mandat zur modernen Kriegführung. Offiziell gilt, dass es in Lateinamerika und der Karibik "militärische Operationen ausführen und Sicherheitskooperationen voranbringen soll, um US-strategischen Zielen zu dienen." Die Kommandeure sind dafür ausgebildet, "Theater-Operationen" (milit.: Kampfeinsätze) durchzuführen, Polizeiaufgaben zu übernehmen sowie Aufstandsbekämpfung in Lateinamerika und der Karibik zu betreiben. Dazu gehört auch, die jüngste Einrichtung einer US-Militärbasis in Kolumbien in der Nähe der Grenze Venezuelas zu überwachen. [...] US-SOUTHCOM soll den massiven Aufmarsch von Militärmaterial inklusive verschiedener Kriegsschiffe, eines Flugzeugträgers, Luftwaffenkampfeinheiten etc. durchführen: "Wir sind darauf ausgerichtet, das Kommando, die Kontrolle und die Kommunikation dort zu übernehmen, sodass wir wirklich ein besseres Verständnis davon bekommen können, was vor sich geht. MINUSTAH (United Nations Stabilization Mission in Haiti) hat die Kkontrolle über die Kommunikation verloren, als ihr Hauptquartier teilweise einstürzte, und so werden wir darum bemüht sein, diesen Teil der Kommunikation ebenso zu übernehmen und zu stabilisieren." [...] Die unausgesprochene Mission von US SOUTHCOM mit dem Hauptquartier in Miami und den US-Armee-Stützpunkten in ganz Lateinamerika hat das Ziel, die Beibehaltung unterwürfiger nationaler Regime zu sichern, genauer gesagt, die US-nahen Regierungen, die sich dem Washington Consensus (neokonservative wirtschaftspolitische Vereinbarung nach John Williamson) und der neoliberalen politischen Agenda verpflichtet fühlen.
Während also US-Soldaten zunächst aktiv in die Katastrophen- und Rettungshilfe involviert sein werden, bedeutet diese Erneuerung militärischer Präsenz der USA, einen Anker im Land zu werfen, um die strategischen und geopolitischen Ziele der USA im karibischen Becken zu verfolgen, die langfristig auf Cuba und Venezuela ausgerichtet sind. [...]
Das US-Militär in Haiti strebt die Oberaufsicht über alle Aktivitäten von weltweit anerkannten Hilfsorganisationen an. Außerdem stellt es in Aussicht, die humanitären Aktivitäten von Venezuela und Kuba zu unterbinden. [...]
In den USA wurde die Militarisierung von Katastrophenhilfe während der Hurrikan-Katrina-Krise initiiert, als die US-Armee gerufen wurde, um eine führende Rolle zu übernehmen. Das Konzept der Katastrophenintervention von SOUTHCOM entspricht dem von NORTHCOM, dem eine "Führungsrolle" innerhalb der USA bei inneren Katastrophenszenarien zugesprochen worden war. [...]«
Aus: Hintergrund, Das Nachrichtenmagazin, 2. Quartal 2010, S. 32 ff.
Siehe auch: Hintergrund, online
Siehe auch ► Afghanistan, wo die verschiedenen NROs (Nicht-Regierungs-Organisationen), die im Rahmen der Zivilen Konfliktbearbeitung (ZKB) in den Konfliktgebieten arbeiten, eng in das NATO-Konzept Civil Military Cooperation, CIMIC, eingebunden sind und dem Militär unterstehen.
► muz-online.de, Venezuela: von 13 US-Militärbasen umzingelt
► muz-online.de, Kolumbien
Cholera Epidemie
Seit Oktober 2010 leidet Haiti unter einer Cholera-Epidemie, die bis Anfang Dezember mindestens 2100 Todesopfer gefordert hat. Die Zahl der Infizierten liegt offiziell bei etwa 90.000 Menschen. Die Dunkelziffer jedoch liegt Schätzungen zufolge viermal so hoch. Besonders prekär sei die Lage in den großen Elendsvierteln der Hauptstadt Port-au-Prince, wo eine halbe Million Menschen eng zusammengepfercht unter unhygienischen Bedingungen leben. Internationale Gesundheitsexperten rechnen damit, dass sich in den kommenden zwölf Monaten bis zu 400.000 Menschen anstecken könnten. Eigentlich erstaunlich, denn die Cholera ist relativ einfach zu heilen. Doch die Krankheit breitet sich weiter aus. Nicht wenige Menschen vermuten deshalb, dass bestimmte Interessengruppen ein Interesse daran hätten, die Bevölkerung zu dezimieren (Depopulation Agenda) und das Land weiter zu destabilisieren (wird Haiti der 51. Bundesstaat der USA ?).
Im November wurde bereits vermutet, dass nepalesische UN-Soldaten die Krankheitserreger verbreitet haben könnten. »[...] Jetzt scheint sich dieser Verdacht zu bestätigen: Einem französischen Bericht zufolge haben nepalesische UN-Blauhelme die Cholera eingeschleppt. "Der Krankheitsherd war im nepalesischen Lager", sagten mit der Untersuchung befasste Kreise. Eine große Menge Fäkalien sei wahrscheinlich vom nepalesischen Lager auf einen Schlag in den Fluss Artibonite gelangt und habe diesen mit den Krankheitserregern verseucht. [...] Die ersten Cholera-Fälle waren im Oktober entlang des Artibonite im Zentrum des Landes aufgetreten. Weiter flussaufwärts liegt ein Stützpunkt nepalesischer UN-Blauhelme. [...]«
www.tagesspiegel.de, Betrug und Cholera: Tote bei Unruhen nach der Wahl, 9. Dezember 2010
Cinema for Peace unterstützt Haiti
In Berlin fand am 14. Februar 2011 »[...] zum zehnten Mal die Wohltätigkeitsgala „Cinema for Peace“ statt. Sie gilt als gesellschaftlicher Höhepunkt am Rande der Berlinale, gehört aber nicht zum Festivalprogramm. [...]«
Mit den Spenden, die auf der Gala gesammelt wurden, sollt im Jahr 2011 hauptsächlich die Hilfsorganisation J/P HRO von Schauspieler Sean Penn in Haiti unterstützt werden. Penn betreibt ein Camp für 55.000 Menschen.
»[...] Der 50 Jahre alte Penn sagte: "Wir müssen den Menschen ein normales Leben ermöglichen, und das kostet Geld." [...]«
Penn erhielt für sein Engagement in Haiti den Ehrenpreis der Gala.
Zitat aus: www.rbb-online.de, 14.02.2011
Siehe auch: www.derwesten.de, Das Hilfscamp von Sean Penn, 11.01.2011: Sein Lager gilt als vorbildlich. | Haiti hat gewählt
Nach Bekanntgabe der Ergebnisse aus den Präsidentschaftswahlen Ende November 2010, versinkt Haiti immer mehr im Chaos. »[...] Tausende strömten auf die Straßen und errichteten Barrikaden aus brennenden Autoreifen auf den großen Achsen der Hauptstadt Port-au-Prince. Die überdimensionierten Wahlplakate des Regierungskandidaten Jude Célestin wurden zu Boden gerissen und zertrampelt, Büros der Wahlbehörde zerstört und der sofortige Rücktritt der Regierung gefordert.
Auch in vielen anderen Städten fanden gewalttätige Demonstrationen statt, erste Todesopfer sind bereits zu beklagen. [...] Das verkündete Wahlergebnis sieht den Regierungskandidaten Célestin mit 22,48 Prozent nur wenige Zehntel Prozentpunkte vor dem Drittplatzierten, dem poulären Sänger Michel Martelly, der laut Wahlrat auf 21,84 Prozent der Stimmen kam. In der Stichwahl im Januar soll demnach zwischen der konservativen christdemokratischen Mirlande Manigat (31,37 Prozent) und Célestin, dem ungeliebten Schwiegersohn des amtierenden Präsidenten Préval, entschieden werden. [...]«
Zitiert aus: amerika21.de, Auf Wahlen in Haiti folgen Proteste, 09.12.2010
Siehe auch:
amerika21.de, Chaos in Haiti nach der Wahl, 29.11.2010
www.spiegel.de, 8. Februar 2011: Aufgrund der Verzögerungen beim Wahlverfahren verlängerte der amtierende Präsident Préval seine Amtszeit. Die nächste Stichwahl soll am 20. März erfolgen. Hier stehen sich nur noch die frühere First Lady Mirlande Manigat und der populäre Sänger Michel Martelly gegenüber. |
Jean-Claude Duvalier "Baby Doc" zurück in Haiti
Jean-Claude Duvalier "Baby Doc" kehrte am 16. Januar 2011 nach 25 Jahren Exil in Frankreich überraschend nach Haiti zurück. Wie er sagte, sei er gekommen "um zu helfen".
Unterdessen hat die haitianische Justiz gegen "Baby Doc" »[...] ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption und Veruntreuung eingeleitet. [...] Menschenrechtsorganisationen fordern zudem, Duvalier wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während seiner Herrschaft von 1971 bis 1986 vor Gericht zu stellen. Sie machen ihn für die Ermordung und Folter Tausender Gegner verantwortlich. Nach Angaben des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCR) könnte Duvalier wegen dieser Verbrechen belangt werden. [...]«
Zitat aus: www.tagesschau.de, Haitianischer Ex-Diktator von Justiz verhört, 19.01.2011
Siehe auch www.taz.de, 31.01.2011: Mit der Lockerung des Schweizer Bankgeheimnisses können »[...] die auf Schweizer Bankkonten deponierten Gelder des Exdiktators Jean-Claude Duvalier (...) an Haiti zurückgehen. Es geht um Millionen. [...]«
Jean-Bertrand Aristide bereitet Rückkehr vor
Auch der bis 2004 amtierende Präsident Jean-Bertrand Aristide, im Exil in Südafrika, hat einen Anwalt damit beauftragt, seine Rückkehr nach Haiti vorzubereiten.
Am 18. März, zwei Tage vor den Präsidentschaftswahlen, kehrte der 2004 er aus dem Exil zurück in seine Heimat. Er selbst steht nicht zur Wahl, auch seine Partei war nicht zur Wahl zugelassen worden. In seiner Ankunftsrede »[...] noch im Sicherheitsbereich des Flughafen sagte Aristide in mehreren Sprachen, dass er froh sei, wieder zurück zu sein. Er habe seine Heimat nie vergessen: "1804 war das Jahr, als sich Haiti von der Sklaverei befreit hat. Den heutigen Tag können die Haitianer betrachten als das Ende meines Exils und des Staatsstreichs. Friedlich müssen wir vorankommen in Richtung sozialer Teilhabe aller Menschen." [...]«
Zitiert aus: www.tagesschau.de, Der einst verjagte Aristide kehrt zurück, 18.03.2011
April 2011: Haiti hat den berühmten Sänger Michel Martelly "Sweet Mickey" zum Präsidenten gewählt
Die Bekanntgabe des Wahlergebnisses vom 20. März erfolgte am 4. April. Nach offiziellen Berichten erhielt Martelly 67,57 Prozent der Stimmen (716.986), die ehemalige First Lady Mirlande Manigat nur 31,74 Prozent (336.747). Martelly ist damit der 56. Präsident von Haiti nach der Unabhängigkeit.
Das Volk erwartet nun "Großes" von Martelly: Essen, Gesundheit, bezahlte Arbeit, Bildung und eine Zukunft für die Kinder – z.B. unentgeltliche Schulen – Friede und Sicherheit.
Januar 2012: Zwei Jahre nach dem Erdbeben
Zwei Jahre nach dem Erdbeben »[...] liegt die Hauptstadt Port-au-Prince noch immer großteils in Trümmern [...]«, wie auch einige bedeutsame Gebäude, wie die Kathedrale "Notre-Dame de L'Assomption" oder der Präsidentenpalast. »[...] Zwei Jahre nach dem Erdbeben lebt nach wie vor eine halbe Million Menschen in Zeltstädten. Der Wiederaufbau geht nur schleppend voran. Auch die Choleraepidemie haben die Behörden noch nicht in den Griff bekommen. [...] unverändert lebt eine halbe Millionen Menschen nun schon seit zwei Jahren in Zeltstädten [...] Teile der Camps wurden zwar geräumt, die Menschen in neue Fertigteilhäuschen übersiedelt. Doch noch immer liegt Schutt in den Straßen, von dem keiner so richtig weiß, wohin damit. [...]« Die Cholera-Epidemie konnte man auch noch nicht in den Griff bekommen. Täglich kämen angeblich 200 Neuinfektionen hinzu.
Zitate: diepresse.com, Haiti liegt noch immer in Trümmern, 11. Januar 2012
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