Jungferninseln (USA)


Die Jungferninseln sind eine Inselgruppe der Kleinen Antillen östlich von Puerto Rico. Geologisch bilden sie die Fortsetzung der Großen Antillen. Mit Ausnahme von Anegada, das einen kalkigen Untergrund hat, sind sie aus vulkanischem Gestein aufgebaut. Der Archipel, der sechs größere und eine Vielzahl kleinerer Inseln umfaßt, teilt sich in eine britische Kolonie und ein US-amerikanisches Territorium.

Die bewegte Geschichte der Jungferninseln ist in weiten Zügen exemplarisch für die Geschichte des karibischen Raums. Nach ihrer Entdeckung 1493 durch Christoph Kolumbus (1451-1506) waren Kariben und Arawak-Indianer von den Spaniern bald ausgerottet. Den spanischen Konquistadoren folgten im 17. Jahrhundert englische, dann niederländische Kolonisatoren, bis mit den dänischen Siedlern 1680 auch der Sklavenhandel auf die Inseln kam. Die dänische "West India Company" brachte den Pflanzern Reichtum. Ihre Schiffsladungen lockten englische Piraten an, die die Inseln vorübergehend für die britische Krone zurückgewannen. Zwischen 1801 und 1815 regierten abwechselnd englische und dänische Admiräle, bis die Briten ihre Schiffe abzogen. Aber auch die USA entdeckten Mitte des 19. Jahrhunderts ihr Interesse an den Jungferninseln.

Doch statt Kanonen setzten sie Geld ein, um den Dänen die Inseln abzukaufen. Nach mehrjährigen Verhandlungen gingen 1917 St. Thomas, St. Croix und St. John in US-amerikanischen Besitz über. Kaufbestimmend war die strategische Lage, und bis heute sind die Inseln für die USA als militärische Option im mittelamerikanischen Raum wichtig.
Leben und Ambiente spiegeln die Geschichte der Inseln wider: amerikanischer Lebensstil vor der Kulisse behäbiger dänischer Kleinstädte, eingetaucht in das Licht der Tropen. Auf jeder der drei Inseln findet man eine Farbe dieser reizvollen Mischung besonders stark ausgeprägt.

St. John und St. Thomas
St. John ist ein 49 km² großes Naturparadies, das seine unberührte Schönheit einem Sklavenaufstand und dem amerikanischen Industriellen L. A. Rockefeiler verdankt. 1733 töteten schwarze Sklaven alle weißen Zuckerfarmer und zerstörten die Plantagen, so daß sich nach und nach wieder ein undurchdringlicher Regenwald ausbreitete. 1956 kaufte Rockefeiler die der Natur überlassene Insel und vermachte sie dem amerikanischen National Park Service. Heute ist die Insel ein im karibischen Raum einmaliges Naturschutzgebiet, und Lehrpfade führen in den Regenwald, im Riffgebiet der strandumkränzten Trunk Bay wurde sogar ein Unterwasser-Lehrpfad angelegt. Wenige, aber exquisite Hotels verwöhnen den Besucher der kaum zersiedelten Insel, deren 3000 Einwohner farbige Fischer und Händler, aber auch vermögende US-amerikanische Pensionäre sind.
Eine Stunde braucht das Fährboot zur Nachbarinsel St. Thomas. Hier überwiegt das US-amerikanische Element: eine blühende Tourismusindustrie und der zollfreie Handel mit Luxusgütern aus aller Welt haben St. Thomas zum Mekka der Urlauber aus den Vereinigten Staaten von Amerika werden lassen. Deren jährliche Zahl übersteigt die der rund 16.000 Einwohner der Hauptstadt Charlotte Amalie bei weitem. Von den Hügeln der malerischen, terrassenförmig angelegten Stadt hat man einen prächtigen Ausblick über die dänische Altstadt von Charlotte Amalie, den historischen Hafen und auf die karibische See.

Rathaus, Postamt sowie die evangelisch-lutherische Kirche St. Frederik und zahlreiche schöne Wohnhäuser aus der Kolonialzeit zeigen einen Baustil, wie er im 18. und 19. Jahrhundert in Dänemark zu finden war.
Wer die 83 km² große Insel über eine 400 m hohe Hügelkette Richtung Norden durchquert, wird auf der atlantischen Seite von St. Thomas mit dem Blick auf die Magens Bay belohnt, deren Strand zu den zehn schönsten der Welt zählen soll.

St. Croix
Mit 212 km² ist St. Croix die größte der US-amerikanischen Jungferninseln, und in ihren beiden Städten Christianstedt und Frederikstedt dominiert das dänische Element nicht nur dem Namen nach. Rote Ziegeldächer, pastellfarben getünchte Backsteinfronten und schattige Arkaden erinnern in der sorgfältig restaurierten und unter Denkmalschutz stehenden Altstadt von Christianstedt deutlich an Nordeuropa.
Rathaus und Kirche, Postamt und Handelskontor, die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden, sind Zeugnisse des dänischen Klassizismus. Bürgerhäuser erzählen von alter Kaufmannskultur und das stämmige Fort Christiansvaern von der Verteidigung kolonialen Besitzes. Frederikstedt, das 1878 niederbrannte, ist trotz des weitgehenden Verlustes historischer Bausubstanz eine anziehende und beschauliche Kleinstadt geblieben, wo sich Nordsee-Architektur und tropische Farben ausgesprochen harmonisch ergänzen.
Die freundliche Kulisse verdeckt aber starke soziale Spannungen: Rund 90% der Bevölkerung sind Farbige, von denen die Hälfte in Elendsquartieren lebt; der Rest sind Weiße, die in feudalen Villen residieren.



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