Commonwealth der Nördlichen Marianen-Inseln (USA)


Auf dem Flug von Tokyo nach Saipan sieht man die nördlichen Marianen wie eine Inselgirlande unter sich liegen. Sie reicht von Farallon de Pajaros im Norden bis Guam im Süden. Die Inseln sind die Gipfel eines riesigen untermeerischen Gebirgssystems, das aus gehobenem Korallenfels mit vulkanischem Kern besteht.
Die Inselgruppe im Nordwesten Mikronesiens liegt am Rande des kerntropischen Bereichs. Das Klima ist ausgeglichen warm und durch hohe Luftfeuchtigkeit gekennzeichnet. Die von Süden nach Norden zunehmenden Niederschlagsmengen liegen zwischen 2000 und 4000 mm im Jahr.
Die Eingeborenen der Marianen nennen sich Chamorros. Die Bevölkerung ist heute eine Mischung aus einheimischen Mikronesiern mit Spaniern, Filipinos und Chinesen. Auf den Inseln sieht man hier und da noch Steinsäulen. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Gebäudereste einer prähistorischen Chamorro-Kultur. Die Chamorro-Dialekte, die nur noch von einer Minderheit gesprochen werden, sind von vielen spanischen und englischen Sprachbrocken durchsetzt. Die Lebensformen sind stark von der spanischen Kolonialkultur geprägt worden. Alte Bräuche haben sich nur wenig erhalten, außer in einigen religiösen Kultformen, die den katholischen Glauben durchdringen. Doch auch auf den Marianen ist der US-amerikanische Einfluß spürbar.
Einige dieser Eilande waren die ersten bewohnten Inseln in Ozeanien, die Fernćo de Magalhćes (F. Magellan, um 1480-1521) im Jahre 1520 im Pazifik sichtete. Schon 1565 wurden die Inseln zum spanischen Hoheitsgebiet erklärt und zu Ehren der spanischen Königin Maria Anna "Marianen" genannt.
Die Kolonisierung begann einhundert Jahre später mit der Ankunft spanischer Jesuiten. Auf Zwangsbekehrung und Versklavungsversuche folgten blutige Revolten, die noch blutiger niedergeschlagen wurden. Um 1700 wurde die stark dezimierte Bevölkerung von den Spaniern für über hundert Jahre nach Guam zwangsumgesiedelt. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg wurde Guam 1898 von den USA in Besitz genommen. Die übrigen Marianen verkaufte Spanien an das deutsche Kaiserreich.
1921 wurden die Marianen, mit Ausnahme von Guam, als Völkerbundsmandat unter japanische Verwaltung gestellt. Die Japaner betrachteten die Inseln jedoch als festen Bestandteil ihres Kaiserreichs und begannen auf einigen Inseln mit dem verstärkten Ausbau von Militärbasen. Die US-Amerikaner hingegen bauten Guam zu einem erstrangigen See- und Luftstützpunkt aus.

Während des Zweiten Weltkriegs kam es hier im Pazifik zu erbitterten und verlustreichen Schlachten zwischen Japanern und US-Amerikanern. Noch heute erinnern viele Panzer-, Flugzeug- und Schiffswracks an jene Zeit. Auf der Insel Tinian weist eine Gedenktafel auf den Einsatz der beiden US-amerikanischen Atombomben hin, die hier im August 1945 verladen und über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden.

Nach der japanischen Niederlage wurden die Marianen den USA von den Vereinten Nationen als Treuhandgebiet zugesprochen. Während sich in den übrigen Regionen des US-amerikanischen Treuhandgebiets Unabhängigkeitsbestrebungen regten, sprach sich die Bevölkerung der nördlichen Marianen in einer Volksbefragung dafür aus, den Status eines "US-Commonwealth-Territory" zu erhalten. Man war damit dem Beispiel Puerto Ricos gefolgt. Gemäß ihrer seit 1978 gültigen Verfassung sind die Marianen für die Regelung interner Angelegenheiten verantwortlich, während die USA für die Außen-und Verteidigungspolitik zuständig sind. Damit besteht die Möglichkeit, gemeinsam mit der Insel Guam ein US-Bundesstaat zu werden.
Die Insel Saipan, mit dem Verwaltungs- und Geschäftszentrum, hat sich mehr als alle anderen Inseln der Marianen dem Fremdenverkehr verschrieben. Die meisten Touristen, die von den Prachtstränden angezogen werden, sind Japaner. Täglich verkehren Linienflüge von Tokyo und Osaka nach Saipan und Guam.

Guam
Guam untersteht nach wie vor dem US-Innenministerium und wird ungeachtet der lokalen Verwaltung in allen wichtigen Fragen von den USA regiert. Es ist das einzige US-amerikanische Territorium in Ozeanien, strebt aber ebenfalls nach dem Status eines US-amerikanischen Commonwealth-Staates. Seine Hauptstadt Agafia hat ihren spanischen Namen beibehalten. Stadtmittelpunkt ist nach wie vor die Plaza de Espaća mit der Kathedrale. Ansonsten aber wirkt die Stadt wie ein nach Mikronesien verpflanztes Stück Nordamerika: Supermärkte, Bürohäuser, Drive-in-Kinos und Banken bestimmen das Bild.

Die Insel kann sich nicht selber mit Nahrungsmitteln versorgen. Fischfang und Kopragewinnung, früher die Haupterwerbszweige der einheimischen Bevölkerung, sind inzwischen fast zum Erliegen gekommen. Zwei Drittel der Landfläche ist militärisches Sperrgebiet und fällt somit für die landwirtschaftliche Nutzung aus. Das US-amerikanische Verteidigungsministerium hat Teile der Insel gepachtet und stützt den Inselhaushalt mit beträchtlichen Zahlungen. Auf Guam sind etwa 30.000 US-amerikanische Soldaten stationiert.
Touristisch gesehen ist Guam fest in japanischer Hand. Seine landschaftlichen Reize liegen außerhalb der Hauptstadt, in historischen Inselstädtchen wie Inarajan und Merizo, an schönen Stranden und erfrischenden Wasserfällen. Die bizarre, stark zerschluchtete Berglandschaft im Süden der Insel besteht aus erloschenen, dicht bewaltdeten Vulkanen.



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