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Der Süden der USA


Südlich der Mason and Dixon Line, einer von den englischen Landmessern Charles Mason und Jeremiah Dixon von 1763-1767 gezogenen Grenze zwischen Pennsylvania, Maryland und Virginia, beginnt eine andere Welt der USA, die Welt des US-amerikanischen Südens. Sie umfaßt die Bundesstaaten Alabama, Arkansas, Delaware, Florida, Georgia, Kentucky, Louisiana, Maryland, Mississippi, North Carolina, South Carolina, Tennessee, Virginia und West Virginia. Hier hatte sich eine ländlich-koloniale Plantagenwirtschaft mit Hilfe der gesetzlich erlaubten Haltung von Sklaven entwickelt. Diese menschenverachtende Sozialordnung führte zu Spannungen mit den Nordstaaten und schließlich im Jahr 1861 zur Abspaltung der Südstaaten, die sich in einem neuen Staatenbund, der "Konföderation", zusammenfanden. Als Folge brach 1861 der sogenannte Sezessionskrieg aus, der 1865 mit der Niederlage der Südstaaten endete und den Niedergang der Plantagenwirtschaft brachte. Der Süden blieb danach bis in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich weit hinter dem Norden zurück und auch kulturell vom Rest des Landes isoliert. Doch gab es deutliche Unterschiede zwischen dem "Oberen" und dem "Unteren Süden", auch "tiefer Süden" genannt.
In Delaware, West-Virginia, North Carolina, Kentucky, Tennessee, Arkansas und Oklahoma ("Oberer Süden") ist die Mehrzahl der Bevölkerung angelsächsisch-protestantischer Abstammung. Dieses Gebiet wird auch die "Bibelzone" ("Bible Belt") der USA genannt, da die Mehrzahl der Bevölkerung einer extrem religiös-konservativen Weltanschauung anhängt. Dieses Gebiet ist entwicklungsmäßig dem Norden zuzurechnen. Im "tiefen Süden" jedoch stammt ein Großteil der Bevölkerung von den ehemaligen schwarzen Sklaven ab, deren noch heute zum Teil exotisch anmutende Lebensweise und Mentalität mit dem humiden subtropischen Klima in Verbindung gebracht wird (Georgia, Alabama, Virginia, Louisiana, Mississippi, South Carolina, Florida). Die Südstaaten sind eine deutlich vom Rest der USA unterschiedene Kulturregion mit dem typisch südlichen Akzent der Sprache, eigener Volkskunst einschließlich Dixieland- und Jazzmusik, besonderen sozialen und politischen Verhaltensweisen und typischen Speisen wie Grütze, Barbecue oder Wassermelone. Millionen armer schwarzer Landarbeiter zogen im Ersten und Zweiten Weltkrieg in die Industriestädte der Nordstaaten. Erst in den 1970er Jahren begann der Süden zu erwachen und ein geradezu revolutionärer Aufschwung setzte ein. Der "Sonnengürtel" ("Sun Belt") zog Millionen von Rentnern an, die sich hier im wärmeren Klima ansiedelten.

Landwirtschaft und Industrie
In der Landwirtschaft wurden die in traditionellen Monokulturen angebauten Produkte Baumwolle und Tabak von anderen verdrängt, etwa durch den Gemüse- und Obstbau oder durch die Viehzucht, die sowohl Milch als auch Rind- und Schweinefleisch liefert. Auch die verarbeitende Industrie erlebte einen spektakulären Auftrieb. Ursprünglich war Textilerzeugung die vorherrschende industrielle Grundlage der Südstaaten. Noch heute kommen in den USA über 90% der Baumwoll-, 75% der synthetischen und 40% der Wollstoffe aus Fabriken im Süden. Doch ist die industrielle Basis der Südstaaten in den letzten 40 Jahren ganz wesentlich erweitert und vertieft worden. Papier, Möbel, Lebensmittel und Gebrauchsgüter werden in zahllosen neuen Kleinfabriken in den Landstädten produziert. Entlang der Golfküste gibt es Industriebetriebe, die mit eingeführtem Bauxit Aluminium und Aluminiumprodukte herstellen. Eine vielseitige chemische Industrie ist auf der Basis der hier entdeckten reichen Öl- und Erdgasvorkommen entstanden. Stahl wird im Raum Birmingham-Gadsden (Alabama) produziert. In Atlanta (Georgia) ist neben einer weitverzweigten Kleinindustrie vor allem die Flugzeugindustrie zu nennen. Im Dienstleistungssektor sind ebenfalls große Fortschritte gemacht worden. In Florida sind von Jacksonville über Orlando bis Tampa-St. Petersburg und um Miami riesige neue dienstleistungsorientierte Stadt-Land-Regionen entstanden. Unterhaltung und Tourismus, z. B. Disneyworld und Seaworld, High Technology, etwa das Kennedy Space Center bei Orlando, Versicherungs- und Finanzwesen und Großfirmenverwaltungen, sowie die lukrative Kongreßhotelindustrie und andere Dienstleistungen haben die Städte im Süden zu sogenannten "Boomtowns" gemacht. Trotzdem stecken noch große Teile der ländlichen Gebiete in schlimmer Armut. Auch hier ist die "Dritte Welt" der USA nie sehr weit vom Glanz der neuen Städte, der Luxushotels, der Golfplätze, der Country Clubs und der Phantasiewelt von Walt Disney entfernt.



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