Willkommen in Uruguay

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[Das Land] [Das politische Uruguay; Anfang und Ende der Militärdiktatur] [Das größte Grillfest der Welt]
[Geschichte] [Entwicklungen] [Das neue Uruguay]
[Literatur] [www-Links]

Offizieller Name: Republik östlich des Uruguay
Hauptstadt: Montevideo
Fläche: 175.016 km²
Landesnatur: Im N leicht welliges Hügelland, im S Graslandebene als Fortsetzung der argentinischen Pampa
Klima: Subtropisches, mäßig feuchtes Klima
Hauptflüsse: Uruguay, Río Negro, Rio de la Plata
Höchster Punkt: 501 m Mirador Nacional
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 19 Departamentos
Parlament: Zweikammerparlament, bestehend aus Abgeordnetenhaus mit 99 Abgeordneten und Senat mit 31 Mitgliedern; Wahl alle 5 Jahre
Nationalfeiertag: 25. August
Einwohner: 3.313.000 (1999); 3.415.920 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 19 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 91% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 25% (1999)
Analphabetenquote: 3% (1999)
Sprache: Spanisch
Religion: Katholiken 78%
Importgüter: Erdöl u. -produkte, Maschinen, chemische Produkte, pflanzliche Erzeugnisse, Kunststoff, Kautschukprodukte
Exportgüter: Fleisch und -waren, Wolle, Bekleidung, Reis, Leder, Konserven, Felle, Weizen, Pflanzenöle



Montevideo: Blick in die Avenida 18 de Julio

Das Land

Uruguay, das Land am nördlichen Ufer des großen Mündungstrichters Río de la Plata, ist flächenmäßig das kleinste der drei La-Plata-Länder. Es liegt im warmgemäßigten Klimabereich und empfängt zu allen Jahreszeiten Niederschläge. Die leicht hügelige Landschaft bietet ein einheitliches und kaum akzentuiertes Bild und stellt sich als Übergangsraum zwischen dem argentinischen Tiefland und dem brasilianischen Bergland dar.
Ausgedehnte Rumpfflächen überspannen den weitgehend eingeebneten, 100 bis 150 m hohen Gebirgssockel, der geologisch noch zum Brasilianischen Schild gehört. Größere Erhebungen bilden lediglich die sporadisch auftretenden langgestreckten Höhenzüge, wie z. B. die Cuchilla de Haedo im Nordwesten oder die Cuchilla Grande im Südwesten, die das Rumpfniveau nur etwa 50 m bis l00 m überragen. Im Süden, wo die argentinische Pampa auf das Gebiet von Uruguay übergreift, ist der Sockel mit einer dünnen Lößschicht überzogen. Nach Osten fällt die Rumpffläche sanft zur Flachküste am Atlantischen Ozean ab, begleitet von einem Dünenwall sowie von zahlreichen Nehrungen und Strandseen. Am Río de la Plata ist dagegen eine Steilküste mit Felsvorsprüngen ausgebildet, zwischen denen sich weiße Sandstrände erstrecken.

Von den einst mächtigen, undurchdringlichen Buschwäldern sind nur noch wenige Restbestände erhalten. Die Waldstücke, meist am Unterlauf der Flüsse, nehmen heute insgesamt knapp 5% des Staatsgebietes ein. Dennoch ist Uruguay ein grünes Land geblieben, weil es größtenteils mit üppigem, hohem Präriegras bedeckt ist, das als natürliche Weidefläche den "Reichtum" des Landes darstellt. So wie die vielen klaren, bis vor kurzem wenig belasteten, fischreichen Gewässer, die wie Adern das Territorium durchfließen und den Eindruck landschaftlicher Harmonie verstärken.
Wie ein König unter den Flüssen wirkt der Río Uruguay, jener Strom, der dem Land seinen indianischen Namen gab und die Westgrenze zu Argentinien markiert. Sein Lauf folgt einer tektonischen Störungslinie, überwindet dabei die Stromschnellen oberhalb von Salto, ehe er sich - durchsetzt von vielen Inseln - in zahlreiche Arme auflöst, um sich schließlich ganz im Río de la Plata zu verlieren, dem Mündungstrichter des Río Paraná und Río Uruguay, an dessen Bucht sich Buenos Aires und Montevideo gegenüberliegen.


Die Estancia El Ceibo wurde 1849 gegründet. Die Ranch war 60 Jahre lang Sitz des regionalen Friedensrichters (1882 - 1942), ein Indiz für ihre Bedeutung.

San Pedro ist zweifellos eine der luxuriösesten Estancias von Uruguay und zugleich eine der traditionellsten (gegründet 1854). Rustikalität und moderner Komfort verschmelzen hier auf gelungene Weise zu einem Fünf-Sterne-Landhotel, ohne daß San Pedro deswegen an Authenzität verlieren würde. Das historische Haupthaus wurde 1997 zum nationalen Kulturdenkmal erklärt.

Montevideo
Montevideo, 1724 aus der Rivalität zwischen Spaniern und Portugiesen entstanden, ist eine der jüngsten Hauptstädte Südamerikas. Es ist zugleich Industriemetropole und Hafenstadt sowie erstes Seebad in einer Reihe von beliebten Bade- und Kurorten entlang der Atlantikküste, unter denen das mondäne Punta del Este das weltweit bekannteste ist.
Der älteste Teil Montevideos liegt auf einer in den La Plata vorspringenden Halbinsel. Wie alle spanischen Kolonialstädte ist auch sie nach dem üblichen Schachbrettmuster angelegt worden. Heute greift Montevideo aber weit auf das Festland über. Es ist eine moderne und betriebsame Stadt, in der jedoch alles etwas weniger hektisch zugeht als in der nahegelegenen argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Mehr als andere Städte Südamerikas trägt sie europäische Züge, ist geprägt von den sogenannten 500 "alten Familien", den Nachfahren der Konquistadoren, sowie den Einwanderern, insbesondere aus Italien und Spanien.
Uruguay gilt generell als eines der "weißesten" Länder Südamerikas. Die indianischen Ureinwohner wurden bis zum Jahre 1832 ausgerottet, und die Zahl der Mischlinge ist so gering, dass kaum noch von einem indianischen Erbe in der uruguayischen Bevölkerung gesprochen werden kann.

Wirtschaft
Rund 91% der Gesamtbevölkerung Uruguays sind Städter. Und dennoch ist Uruguay kein Industrieland, sondern das Musterbeispiel eines exportorientierten Agrarstaats. Zwar hat die Landwirtschaft nur zu rund 8% Anteil am Bruttosozialprodukt, doch entfallen auf sie etwa 90% des Ausfuhrwertes, wobei die tierischen Produkte überwiegen (Uruguay exportierte 2007 Rindfleisch im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar).
Die überragende Bedeutung der Viehwirtschaft, besonders der Rinderund Schafzucht, spiegelt sich auch in der Landnutzung wider. Mehr als vier Fünftel der Gesamtfläche werden landwirtschaftlich genutzt, aber nur etwa 7% ständig als Ackerland. Angebaut werden vor allem Reis und Weizen, ferner Mais, Zuckerrohr, Sonnenblumen, Feinsaat und Erdnüsse. Fast alle Produkte, die das Land hervorbringt, fließen nach Montevideo, wo sich schon frühzeitig eine verarbeitende Industrie für Agrarprodukte entwickelt hat. Neben der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sind die Textil- und die Lederproduktion die wichtigsten Erwerbszweige.
Ein schwerwiegendes Hemmnis für den Ausbau agrarunabhängiger Industrien, die seit dem Zweiten Weltkrieg gefördert werden, ist das Fehlen von eigenen Rohstoffen. Für die Energiegewinnung besitzt Uruguay jedoch große Möglichkeiten auf dem Gebiet der Wasserkraftnutzung.
Nach wie vor ist das Land in starkem Maße von der Fleisch- und Wollproduktion und deren Weltmarktpreisen abhängig.
Die verschiedenen Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte führten zu einer Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums, was sämtliche soziale Schichten durch empfindliche Einbußen im Realeinkommen zu spüren bekamen. Am stärksten sind aber die Gauchos und Peones - die Viehhirten und Landarbeiter - betroffen, die bis heute vergeblich für die Durchführung einer gerechten Landreform kämpfen. Wie sehr das Land, wie sehr Montevideo von diesen Menschen abhängig ist, wird trotz des für sie geschaffenen Denkmals auf der Plaza Lorenzo Justiniano Pérez oftmals vergessen.

Das politische Uruguay; Anfang und Ende der Militärdiktatur

In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1989 wurde Montevideos Hauptstraße, die Avenida 18 de Julio, zum Schauplatz zweier Freudenfeste. Es hatten allgemeine Wahlen stattgefunden, die ersten wirklich freien Wahlen nach einer zwölfjährigen Militärdiktatur (1973-1985). Zum einen trafen sich die Anhänger der alten Konservativen Partei, der "Blancos" (Weiße), um ihren Kandidaten Luis Alberto Lacalle (*1941) als neuen Staatspräsidenten hochleben zu lassen. Zum anderen feierten die zumeist jungen Anhänger des "Frente Amplio" (Breite Front) die Wahl ihres Kandidaten, des Sozialisten Tabaré Vázquez (*1940), zum neuen Bürgermeister von Montevideo, jener Stadt, in der knapp die Hälfte der uruguayischen Bevölkerung lebt. Das Volksfrontbündnis aus Christdemokraten, Kommunisten, Sozialisten und Sozialdemokraten war 1971 zum ersten Mal angetreten, um das traditionelle und erstarrte Zwei-Parteien-System der "Blancos" und "Colorados" aufzubrechen. Doch schon zwei Jahre nach seiner Gründung wurde es Opfer der Militärdiktatur.
1994 gewann der Colorado Julio Sanguinetti (*1936) die Präsidentschaftswahlen. Er hatte dieses Amt bereits von 1985 bis 1990 ausgeübt. Im März 2000 wurde er von Jorge Batlle Ibáñez (*1927) als Staatschef abgelöst.
Die traditionellen Parteien, in denen fast alle politischen Strömungen vertreten sind, sind seit ihrer Gründung in den Unabhängigkeits- und Bürgerkriegen "Caudillo"-Parteien gewesen. Man wurde als "Blanco" oder "Colorado" geboren, als Mitglied oder Abhängiger "alter" Familien. Keine Partei hatte ein klares Programm, und in ihrer ideologischen Ausrichtung unterschieden sie sich nur in Nuancen.

Anfang und Ende der Militärdiktatur
Die Liberale Partei der "Colorados" sieht sich als Nachfolger des uruguayischen Befreiers und Staatsgründers José Gervasio Artigas (1764-1850). Ihr Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 1989 war Jorge Batlle Ibáñez, der Enkel des legendären José Batlle y Ordóñez, dem die "República Oriental del Uruguay" den Ruf verdankte, ein Wohlfahrtsstaat zu sein, und der zum Inbegriff einer toleranten bürgerlichen politischen Kultur wurde. Batlles siegreicher Kontrahent hingegen, Luis Alberto Lacalle, ist der Urenkel Luis Alberto Herreras, des Begründers der "Blancos".



Asado - ein Bericht eines Freundes
Uruguay ist seit Sonntag, dem 13. April 2008, Guinness-Rekordhalter wegen des größten Asados der Welt: 12.000 Kilo Fleisch (Exportqualitaet) für 23.000 Menschen, zubereitet auf einem Riesengrill von anderthalb Kilometer Länge und bedient von 1.254 Asadores (Grillmeistern). Der Eintritt kostete 60 Pesos (zwei Euros), Essen inklusive. In der Zeitung steht, der Grill sei 13.000 Tonnen schwer gewesen, aber da haben sie sich wohl in der Rekord-Euphorie um drei Nullen vertan. Vermutlich meinten sie 13 Tonnen (= 13.000 Kilo). 60 Grillmeister mussten wegen des anfänglich aufsteigenden Qualms bei Asthmapumpen Zuflucht suchen zwecks Sauerstoffzufuhr (es wurde mit Holzkohle gearbeitet, nicht, wie sonst hier üblich, mit Holz), 100 wurden vom Roten Kreuz behandelt, weil sie sich im Eifer des Gefechts in die Finger geschnitten hatten. Ich selbst war nicht Augenzeuge dieser Megafresserei, sondern hab mir in Ruhe zuhause was gebrutzelt.
Siehe auch: Das Weblog über unsere Erlebnisse in Uruguay

1958 erhielten sie zum ersten Mal nach 93 Jahren die Mehrheit im Parlament. Doch der langsame Niedergang wirtschaftlicher Macht seit Beginn der 1950er Jahre und die daraus erwachsenden sozialen Spannungen riefen sozialrevolutionäre Kräfte hervor. Aus ihnen entstand 1963 Südamerikas schlagkräftigste Stadtguerilla, die unter dem Namen Tuparamos weltweite Publizität errang. Sie bekämpfte vor allem die bestehenden Herrschaftsstrukturen und fand in breiten Schichten der Bevölkerung Sympathie. Diese schwand jedoch mit der Zunahme ihrer bewaffneten Aktionen, die zudem eine Reihe staatlicher Repressalien auslösten.
Der aus den Präsidentschaftswahlen 1971 als Sieger hervorgegangene Juan María Bordaberry (*1928) verhängte mehrmals einen befristeten Ausnahmezustand und rief das Militär zu Hilfe, das mit großer Grausamkeit ohne Wahrung der Menschenrechte die Bewegung zerschlug. Nachdem Bordaberry 1973 die Parlamentsmehrheit verloren hatte, schaltete er, angesichts der Erfolgschancen sozialrevolutionärer Parteien bei freien Wahlen, das Parlament durch einen Staatsstreich aus.

Wiederum fand er Unterstützung beim Militär, das seither die bestimmende Kraft im Lande war. Unter dem Vorwand, Uruguay vor Linksextremismus schützen zu müssen, wurden alle liberalen Organisationen verboten. Das Gefängnis, das die Diktatur nach den modernsten Erkenntnissen psychologischer Kriegsführung für ihre Feinde errichten ließ, taufte sie "Libertad" (Freiheit), während sie Uruguay in das "Folterhaus Lateinamerikas" verwandelte; ein Land, in dem es 150 Jahre lang beinahe selbstverständlich war, die von repressiven Regimen Verfolgten aufzunehmen und zu schützen. Andersdenkende wurden jetzt in Uruguay straflos gemordet oder in die "Freiheit" gebracht. Jeder dritte uruguayische Staatsbürger ist während der Militärdiktatur gefoltert, eine weit größere Zahl ist verhaftet worden. Und dennoch fanden die Uruguayer nach sieben Jahren des Terrors den Mut, ihren Widerstand offen zum Ausdruck zu bringen, nicht zuletzt in dem klaren Nein, mit dem die Mehrheit 1980 eine sogenannte neue Verfassung, durch die die Macht der Militärs gesichert werden sollte, niederstimmte. Ein für das Militär vollkommen überraschendes Nein, das schließlich jedoch zum politischen Kurswechsel zwang.

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Geschichte

Die Entdeckung des heutigen Uruguay begann Anfang des 16. Jahrhunderts, als der Spanier Díaz de Solís auf der Suche nach einer Südwestpassage zur pazifischen Seite des Kontinents den Mündungsbereich des Río de la Plata erreichte. Damit begann die sich über mehrere Generationen hinziehende Erforschung und Eroberung der riesigen Ebenen und Waldregionen, der sich die hier ansässigen Ureinwohner ebenso zur Wehr setzten wie den Missionierungsversuchen spanischer Franziskaner und Jesuiten. Dabei machten sich die nomadisierenden Charrua-Indianer die von den Spanieren mitgebrachten Pferde zunutze und entwickelten sich zu einem verwegenen und schlagkräftigen Reitervolk. Doch im Zusammenprall der Weltanschauungen und der Waffen erwiesen sich die Spanier letztendlich als die Stärkeren.
Die erhofften Schätze, deretwegen der Río de la Plata seinen Namen - Silberfluss - erhielt, suchte man vergebens. Dafür entwickelten sich die von den Spaniern ausgesetzten Pferde und Rinder auf den weiten Grasfluren der Pampa zu großen Herden, die die Grundlage für den wirtschaftlichen Reichtum des Landes stellten.

Stationen zur Unabhängigkeit
Im Grenzgebiet zwischen spanischem und portugiesischem Kolonialreich war das Gebiet des heutigen Uruguay im 18. Jahrhundert heftig umkämpft, auch nachdem es 1776 Teil des spanischen Vizekönigreichs Río de la Plata geworden war. 1807 besetzten britische Truppen Montevideo, wurden aber noch im selben Jahr von den Spaniern vertrieben. Deren liberale Zollpolitik förderte jedoch das Unabhängigkeitsstreben der führenden Schicht. 1811 begann der Unabhängigkeitskampf unter der Führung von General José Gervasio Artigas, der 1764 in Montevideo geboren wurde und 1850 im Exil in Paraguay starb. Weil dieser Mann noch heute von den Uruguayern als Nationalheld verehrt wird, seien zwei Stationen aus dem langen Befreiungskrieg herausgehoben, den Artigas gegen zwei Kolonialmächte, gegen Spanien (Argentinien) und Portugal (Brasilien) gleichzeitig führen musste. Nach dem Sieg über die Spanier bei Las Piedras leitete Artigas die Belagerung von Montevideo ein. Als portugiesische Truppen den bedrängten Spaniern zur Hilfe eilten, musste er weichen und zog mit den Gauchos, die sich "Tupamaros" nannten, zurück. 16.000 Menschen - rund ein Viertel der damaligen Bevölkerung - folgten "dem Beschützer der Hälfte der Neuen Welt" in das Landesinnere, das die heutigen argentinischen Grenzprovinzen am Río Uruguay einschloss. Sie begründeten dort 1815 den "Estado Libre de la Provincia Oriental", den "freien Staat der Östlichen Provinz", in dem unter anderem eine Agrarreform, die erste Lateinamerikas, durchgeführt wurde. Sie war eine von ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn bestimmte Reform, die jedoch die noch verbliebenen Ureinwohner, die Charrua-Indianer, vor allen anderen begünstigte. Diese neu geschaffene Welt ging in einem einzigen Blutbad verloren, nachdem Artigas von einem seiner Leute an die portugiesischen Truppen verraten worden war. Das portugiesische Brasilien annektierte Uruguay 1821 als Provinz Cisplatina. Doch Artigas hatte das Nationalbewusstsein der Uruguayer geweckt. Mit argentinischer Hilfe und einer schlagkräftigen Streitmacht unter Führung Juan Antonio Lavallejas wurde 1825 die Unabhängigkeit Uruguays proklamiert, die dank britischer Vermittlung 1828 von Argentinien und Brasilien anerkannt wurde.

Doch mit der ersten Verfassung von 1830 begann weder der Friede im Lande, noch konnte sich Uruguay den Einmischungen seiner beiden großen Nachbarn Brasilien und Argentinien entziehen. Die inneren Streitigkeiten zwischen konservativen Blancos und liberalen Colorados verhinderten die Entwicklung des Landes und entfesselten mehrere Bürgerkriege. Erst die Wirtschafts- und Sozialreformen José Batlle y Ordóñez' (1856-1929) leiteten eine für Südamerika beispiellose lange Phase politischer Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwungs ein. In den beiden Perioden seiner Präsidentschaft (1903-1907 und 1911-1915) wurde Uruguay in vieler Hinsicht zum fortschrittlichsten Staat der Welt. Die Verfassung auf Grundlage des Kollegialsystems löste zeitweise das Präsidialsystem ab und brachte Uruguay den Namen "Schweiz Südamerikas" ein. Im Rahmen eines Sozialstaats initiierte Batlle eine vorbildliche Sozial- und Arbeitsgesetzgebung, wie z.B. Festlegung von Mindestlöhnen, Achtstundentag, Arbeitslosenunterstützung, Altersrenten. Er schaffte die Todesstrafe ab, vollzog die Trennung von Staat und Kirche und forderte gleiche Rechte für Frauen. Seine Missbilligung der Beteiligung von ausländischen Gesellschaften an öffentlichen Unternehmen und der Privatwirtschaft rief starke Proteste bei den Konservativen hervor.
Doch Batlle war ein Demokrat, der weniger herrschen als überzeugen wollte. Als politischer Journalist schrieb er viel und stellte seine Ideen zeitlebens, insbesondere in der Tageszeitung "El Día", zur Diskussion. Und jeder konnte ihn lesen. Es gab kaum noch Analphabeten in Uruguay, da gemäß seiner Auffassung von sozialer Gerechtigkeit das umfassende und kostenlose Schul- und Bildungssystem zu den Grundlagen gehörte, ohne die das Recht auf Würde und auf Freiheit nicht zu erringen sei.

Entwicklungen

Batlles Reformen bestimmten lange das soziale und wirtschaftliche Leben. Mit Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums führte aber der enger werdende ökonomische Verteilungsspielraum zu einer spürbaren Verschlechterung der Lebensbedingungen, die eine politische Radikalisierung zur Folge hatte.
Die verschiedenen Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts führten zu einer Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums, was sämtliche soziale Schichten durch empfindliche Einbußen im Realeinkommen zu spüren bekamen. Am stärksten waren aber die Gauchos und Peones - die Viehhirten und Landarbeiter - betroffen, die für die Durchführung einer gerechten Landreform kämpfen. Wie sehr das Land von diesen Menschen abhängig ist, wird trotz des für sie geschaffenen Denkmals auf der Plaza Lorenzo Justiniano Pérez in Montevideo oftmals vergessen.
Am Ende des 20. Jahrhunderts litt Uruguay, wie auch Brasilien und Argentinien, unter einer heftigen Wirtschaftskrise. Der Peso büßte seit Jahresbeginn 2002 mehr als 46 Prozent an Wert ein. Die Arbeitslosigkeit betrug in dem einst wohlhabenden Land 16 Prozent; in ärmeren Orten waren bis zu zwei Drittel der Bevölkerung ohne Arbeitsplatz.

Mit den anhaltenden wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre verstärkte sich auch die Unzufriedenheit der Bürger mit der Regierungsarbeit. Die meisten Menschen trauten den Traditionsparteien schließlich nicht mehr zu, die anstehenden Probleme des Landes zu lösen. Bei den Wahlen im Oktober 2004 gaben 51% der Wähler der bisherigen Opposition "Encuentro Progresista - Frente Amplio" (EP-FA) den Regierungsauftrag. Im Senat und Abegeordnetenhaus erhielt EP-FA ebenso die absolute Mehrheit. Damit stellen erstmals in der 180jährigen Geschichte Uruguays weder Blancos noch Colorados die Regierung. Präsident und Regierungschef war ab 01.03.2005 Dr. Tabaré Vázquez (Frente Amplio).
Im November 2009 durfte Vázquez laut Verfassung kein weiteres Mal mehr zur Wahl antreten. Frente Amplio schickte als nächsten Kandidaten für das Präsidentenamt Jose Mujica (74; in den 1960er Jahren Mitbegründer der linksextremistischen Gruppierung "Tupamaros"), ins Rennen.

Das neue Uruguay

»Ohne jede Übertreibung und ohne pathetisch zu werden kann man sagen, dass die erste Frente-Amplio-Regierung Uruguays unter der Ägide von Tabaré Vázquez ein neues Uruguay geschaffen hat: moderner, sozialer, partizipativer.

Unter der ersten Frente-Amplio-Regierung wurde hier zum ersten Mal seit der Proklamation der nationalen Unabhängigkeit am 25. August 1825 eine Politik für ALLE Uruguayer/innen gemacht, nicht nur für die Wohlhabenden. [...]

Das wichtigste erklärte Ziel der Regierung Vázquez war die Bekämpfung der Armut, verbunden mit einer Erhöhung der Chancengleichheit und der gesellschaftlichen Integration sowie der Schaffung einer gerechteren Einkommensverteilung. Und dabei ist sie auch einen großen Schritt vorangekommen, wurde doch der Prozentsatz der Armen in der Bevölkerung in den zurückliegenden fünf Jahren um über 35% reduziert, von über einer Million Anfang 2005 auf ungefähr 650.000 heute. Das entspricht aktuell rund 20% der Bevölkerung. [...]

Die Wirtschaftspolitik der Regierung Vázquez war sehr erfolgreich, was sich niederschlug in (immer bezogen auf den Fünfjahres-Zeitraum der Regierungsperiode):

  • ...einem dramatischen Anstieg des Bruttoinlandprodukts um die 40%;
  • ...einer drastischen Reduktion der Arbeitslosigkeit, die von 13% auf 7,5% fiel - ein historischer Tiefststand;
  • ...einem deutlichen Anstieg der Reallöhne um durchschnittlich rund 20%.

Energiepolitisch schloss die Vázquez-Regierung strategische Abkommen u.a. mit Venezuela und Bolivien (siehe z.B. Evo Morales in Uruguay: Erdgas gegen Meerzugang). Das erste Abkommen mit Venezuela war gleich nach Vázquez's Regierungsantritt paraphiert worden. Hugo Chavez war eines der sieben lateinamerikanischen Staatsoberhäupter gewesen, die anlässlich der Regierungsübernahme von Tabaré Vázquez nach Montevideo gekommen waren. [...]«

Aus: uruguay-magazin.com, Manfred Burger, 19. Februar 2010


Wahlen 2009
Bei den Wahlen im November 2009 konnte sich Mujica gegen seinen Herausforderer der konservativen Nationalpartei, Luis Lacalle, durchsetzen. Für Mujica, dessen Amtszeit offiziell am 1. März 2010 begann, sprachen seine Glaubwürdigkeit sowie die erfolgreiche Regierungszeit von Dr. Tabaré Vázquez in den letzten fünf Jahren.
»[...] Vazquez hatte in Uruguay beispielsweise ein progressives Einkommensteuermodell eingeführt, mit dessen Einnahmen eine allgemeine Gesundheitsversicherung und Programme für den Kampf gegen die Armut finanziert wurden. [...]«
Zitat: dw-world.de, Wahlsieg für Ex-Guerillero in Uruguay
Die agrarbasierte Wirtschaft Uruguays gilt heute als eine der stabilsten in Lateinamerika und ist seit 2005 um jährlich durchschnittlich sieben Prozent gewachsen. Nach fünf Jahren Wirtschaftswachstum, ist die Armutsrate von 32 auf 20 Prozent und die Arbeitslosigkeit von 13 auf sieben Prozent gesunken.

Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst
Uruguay und die Uruguayer sind ärmer geworden sind. »[...] In Montevideo sieht man, wenn man früh morgens im Zentrum oder in der Altstadt unterwegs ist, deutlich mehr Obdachlose auf den Straßen liegen als noch vor einem Jahr. In der Altstadt kann man sich praktisch in kein Restaurant mehr setzen, zumindest nicht im Freien, ohne mit bettelnden Kindern konfrontiert zu werden. [...] Arbeit scheint es immer weniger zu geben, die Geschäfte scheinen immer weniger gut zu laufen. "Es zirkuliert kein Geld auf der Straße, die Leute sind blank."[...]« Geklagt wird auch, dass von 2007 bis 2010 die normalen Lebenshaltungskosten sehr deutlich angestiegen seien. »[...] Während man vor etwa drei Jahren den Wagen im Supermarkt mit 1.000 Pesos gut voll machen konnte, muß man da jetzt mit 500 oder besser 800 Pesos mehr rechnen. Vielerorts, wo man vor drei Jahren noch für 200 Pesos gut und reichlich Essen gehen konnte, muß man jetzt das Dreifache hinlegen.[...]«
Aus uruguay-magazin.com, 20. Juni 2010, "Gefühlte Temperatur in Uruguay: Es ist kühler geworden..."

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1480 f.

Literatur aus unserem Buchladen:  ► Uruguay



www-Links



 Die okkulte Seite Uruguays: Umbanda und Voodoo (mit weiteren Artikeln von Manfred Burger zu Geschichte und Kultur Uruguays)
CIA -- The World Factbook -- Uruguay
Beziehungen zwischen Uruguay und Deutschland
Derechos Humanos en Uruguay
Country, Economy and Regional Information
CATHOLIC ENCYCLOPEDIA: Uruguay
All about Uruguay
WWW-VL HISTORY: URUGUAY
Political Resources on the Net - Uruguay
News sources from Uruguay
La musica del Uruguay
Languages of Uruguay
www.amnesty.org -- Uruguay
AI: Jahresbericht 2005
Tango in Montevideo, Uruguay
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