Die Geschichte Chinas

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Geschichte (bis 1912)

Die chinesische Geschichtsschreibung pflegt von "5000 Jahren Geschichte" zu reden, bezieht also auch die mythische Zeit mit ein, die bei den "Drei Erhabenen" (huang) 2952-2673 v.Chr. beginnt, über die "Fünf Urkaiser" (di) (2673-2184) weiterführt und in die "Drei Erbdynastien" (2184 bis ungefähr 250 v.Chr.) einmündet, von denen die erste, nämlich die der "Xia" (wörtlich "Sommer"), noch im Dunkeln, die zweite und die dritte, nämlich die Epochen der Shang und der Zhou, dagegen bereits im Lichte der Geschichte liegen. Den "Erhabenen" und den "Urkaisern" werden fast alle Tugenden und materiellen Erfindungen zugeschrieben - stets nach dem Grundsatz "Je älter, desto besser".

Die Kaiser von China
Einem Zeitalter einander bekämpfender Adelsstaaten, in dessen Verlauf China ins Licht der Geschichte eintritt und das sich mit dem Begriff "Östliche Zhou" (771-221 v.Chr.) flächenmäßig umschreiben lässt, folgt die staatliche Einheit unter dem "Ersten Kaiser". Seine Qin-Dynastie regierte allerdings nur während 15 Jahren (221-206 v.Chr.) und wurde anschließend durch die kraftvolle vierhundertjährige Han-Dynastie (206 V.-220 n. Chr.) abgelöst.
Nach dem Niedergang der Han spaltete sich China zuerst in "Drei Reiche" (220-265) auf und wurde schließlich von nicht weniger als neun "Süd- und Norddynastien" regiert. Während dieser rund 400 Jahre wurde der gesamte Norden von "Barbaren", d. h. von Stämmen aus Zentralasien beherrscht, die vor allem für die Ausbreitung des Buddhismus sorgten. Von 581 bis 907 konnte sich das Reich dann unter den Sui (581-618) und den Tang (618-907) wieder zu einer Einheit zusammenfinden und sich zu einem wirtschaftlich blühenden, politisch mächtigen und kulturell fruchtbaren Gemeinwesen entfalten, dessen Glanz chinesische Patrioten noch heute mit Stolz erfüllt.
Der Niedergang der Tang war eine der schlimmsten Katastrophen in der chinesischen Geschichte: Auf der Höhe seines Ruhms stürzte das Reich jäh ab und löste sich im Zeichen der "Fünf Dynastien" (907-960) erneut in mehrere Teile auf. Mit der Song-Dynastie (960-1279), die eine neue, wenn auch höchst zerbrechliche Einheit herbeiführte, verlagerte sich der Schwerpunkt des Reiches von Norden nach Süden, d. h. von der Weizenanbau- in die Reisanbauregion. Dieser Vorgang wurde von zahlreichen technischen Innovationen und umwälzenden Erfindungen (Druckkunst, Schießpulver, Kompass, Rechenbrett etc.) begleitet, gleichzeitig aber auch vom Unwillen des misstrauisch gewordenen Mandarinats gegen die neu nach oben strebenden mittelständischen Schichten. Mit der Song-Zeit erreichte der Aufstieg des Mandarinats seinen Höhepunkt. Dieses bestand aus einer Schicht von grundbesitzenden Beamten, die sich durch staatliche Prüfungen qualifiziert hatten und die dafür sorgten, dass die Herrschaft des Blutadels nun endgültig durch einen Prüfungsadel abgelöst wurde.
Auf der Flucht vor den aus dem Norden angreifenden Mongolen zog der Song-Hof immer tiefer in den Süden und musste schließlich kapitulieren. Damit folgte ein Jahrhundert der mongolischen Fremdherrschaft, die unter dem Dynastienamen "Yuan" (1279-1368) in die Geschichte eingegangen ist. In dieser Zeit blieb China zwar eine Einheit, aber als solche nur Teil des sich über fast ganz Asien erstreckenden Mongolenreichs. Im Zeichen der damaligen "Rassengesetzgebung" wurden Mongolen und andere zentralasiatische Völker an die Spitze der Gesellschaftspyramide, Südchinesen dagegen an die unterste Stelle gesetzt. Gegen die mongolische Fremdherrschaft erhob sich eine mächtige "nationale" Bewegung, die zur Vertreibung der Mongolen und zur Gründung der Ming-Dynastie (1368-1644) führte. Der tatkräftige Begründer der Ming, der aus einer niederen Gesellschaftsschicht stammte, schuf neue Institutionen, die bis ins 20. Jahrhundert hinein wirken: die Verlegung der Hauptstadt nach Peking, die Festlegung zahlreicher Grenzen, die Einteilung der Provinzen, das Aufkommen eines dauerhaften chinesischen Nationalbewusstseins, die autokratische Ausprägung des kaiserlichen Systems, die Einführung eines einheitlichen Reichskatasters und eines neuen Steuersystems.
Unverträglichkeiten zwischen den starren automatischen Institutionen der Ming-Kaiser und den um 1550 einsetzenden sozioökonomischen Wandlungen führten zu Spannungen, die den Staat von innen heraus so sehr aufweichten, dass am Ende das lediglich zwei Millionen zählende Volk der Mandschu, aus dem Nordosten das Reich erobern und fast 300 Jahre lang (1644-1912) beherrschen konnte.

Die letzte Dynastie
Die beiden Kaiser der Qing-Dynastie, wie sich das Mandschu-Reich benannte, Kangxi (1662-1722) und Qianlong (1736-1796) gelten als besondere Förderer der chinesischen Kultur. Die Niederlage gegen die Briten im Opiumkrieg (1840-1842) und einer der blutigsten Aufstände in der Menschheitsgeschichte, die Taiping-Revolution (1850-1864), die rund 30 Millionen Menschen das Leben kostete und weite Teile Chinas in Trümmer fallen ließ, leiteten den Verfall des Qing-Reiches ein.
Nachdem verschiedene Reformversuche am Ende des 19. Jahrhunderts gescheitert waren, nachdem ferner eine neue politische Öffentlichkeit dem Mandarinat die Regierung streitig zu machen und China abermals in Regionen zu zerfallen begann, musste die Qing-Dynastie 1912 abdanken. 1912 wurde die Republik China gegründet.

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Geschichte 20.Jahrhundert

Das Ende des Kaiserreichs war keine Götterdämmerung, sondern eine Beerdigung dritter Klasse. Vorausgegangen war die demütigende, mit territorialen Verlusten verbundene militärische Niederlage Chinas gegen Japan (1894/95). Angesichts des allgemeinen Vertrauensschwunds geriet die Monarchie immer stärker in Bedrängnis und mußte abdanken. Die unter Führung Sun Yatsens (1866-1925) stehenden Republikaner mussten die neugewonnene Macht an den ehemaligen Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, Yuan Shikai (1859-1916), abgeben. Nach dessen Tod war ganz China in "Warlord"-Reiche zerfallen, die teils miteinander paktierten, teils einander bekämpften. Die nationalistische Bewegung Sun Yatsens hatte sich inzwischen nach Canton zurückgezogen und dort mit Hilfe der Moskauer Komintern ihre Partei, die "Guomindang" (GMD), neu organisiert.

Der "Lange Marsch"
Von Canton aus begann die Revolutionsarmee 1926 den "Marsch nach Norden", dessen Ziel es war, ganz China erneut im Zeichen der Republik zu einigen. Während des Feldzugs, der von Chiang Kai-shek (1887-1975) militärisch geleitet wurde, kamen jedoch die Spannungen zwischen linken (KPCh) und rechten (GMD) Kräften zum Ausbruch.
Chiang nutzte einen kommunistischen Aufstandsversuch in Shanghai im April 1927 zum Gegenschlag aus und fügte der KPCh eine deutliche Niederlage zu.
Die zerschlagene Linke konnte ihre noch verbliebenen Reststreitkräfte ins südostchinesische Xing'an-Gebirge retten und dort unter der Führung Mao Zedongs (1893-1976) eine Armee aufbauen, die den neuen Stützpunkt in den Jahren 1927 bis 1934 zur "Sowjetrepublik" Jiangxi erweiterte. Die Guomindang-Regierung führte mehrere Einkreisungs- und Vernichtungsfeldzüge gegen die "Sowjetrepublik" und zwang deren Armeen zum Abzug aus Südchina. Der damit eingeleitete "Lange Marsch" (1934-1935) über 12.500 km führte zu einer Verlegung der Truppen Mao Zedongs nach Nordchina in die Provinz Shaanxi.
Im Gefolge des japanischen Angriffs auf China im Juli 1937 bildeten GMD und KPCh eine "antijapanische Einheitsfront", die es den Kommunisten ermöglichte, immer weitere Gebiete zu "befreiten Stützpunkten" auszubauen. In den von Chiang Kai-shek regierten Gebieten ging der Zerfall der politischen Institutionen mit der Zunahme von Korruption und gewaltsamer Herrschaft einher. Demgegenüber gewann die KPCh durch die Disziplin ihrer Truppen und die Errichtung eines funktionsfähigen Gemeinwesens ständig an Einfluss. Nach der Kapitulation der Japaner kam es zum Bürgerkrieg, der mit einer Niederlage Chiangs und dessen Flucht nach Taiwan endete.

Die Volksrepublik China
Am 1. Oktober 1949 wurde in Peking die Volksrepublik China ausgerufen. Die Kommunisten begannen sofort mit einer Bodenreform sowie mit dem Aufbau eines neuen Staatsapparats. Die Jahre 1953 bis 1957 standen im Zeichen der Nachahmung des auf die Entwicklung der Schwerindustrie hin orientierten Sowjetvorbilds.
Ab 1958 revidierte die Partei ihre Politik im Zeichen der sogenannten Drei Roten Banner - ein Konzept, das die Neuformulierung der Generallinie des Aufbaus, den "Großen Sprung" und die Volkskommunenbewegung beinhaltete. Ziel des "Großen Sprungs" war es, durch politische Massenmobilisierung die permanente Revolution voranzutreiben. Die Volkskommunen, die sich auf ihre eigenen Kräfte stützen mussten, sollten Produktion, Verteilung, Industrialisierung (Hochöfen), Schulwesen, Verteidigung (Volksmilizen) und Verwaltung miteinander verschmelzen lassen. Der Kurswechsel war innerhalb der kommunistischen Partei stark umstritten. Im Gefolge der Kontroversen entstanden regelrechte Fraktionen, die einander zunächst mit Worten und später mit physischer Gewalt bekämpften. Der neue Weg endete mit einer wirtschaftlichen Katastrophe, deren Folgen jedoch durch einen liberalen Reformkurs zwischen 1961 und 1965 aufgefangen wurden. Private bäuerliche Betriebe und freie lokale Märkte blühten wieder auf. In den Fabriken wurde die Arbeiterselbstverwaltung durch ein autoritäres Leitungssystem abgelöst, das aber über finanzielle Leistungsanreize den materiellen Vorsprung der Arbeiter gegenüber den Bauern ausdehnte.

Kulturrevolution und "Viererbande"
Mitte der 1960er Jahre begann unter der Führung Mao Zedongs eine erneute Kampagne, die sogenannte Große Proletarische Kulturrevolution (1966-1969). In ihrem Verlauf versuchte Mao, seine innerparteilichen Gegner, die Machthaber auf dem kapitalistischen Weg, wie er sie bezeichnete, kaltzustellen und ihrer Strategie den Todesstoß zu versetzen. In dieser Zeit geriet das Land an den Rand eines Bürgerkriegs. Erst 1971, nach dem Sturz des linksradikalen Verteidigungsministers Lin Biao (1907-1971), konnten gemäßigte Kräfte um Ministerpräsident Zhou Enlai (1898-1976) allmählich die in der Kulturrevolution verbannten Kader rehabilitieren. An erster Stelle ist Deng Xiaoping (1904-1997) zu nennen, der bereits 1973 wieder in führende Amter eingesetzt wurde. Aber der radikale Flügel, die sogenannte Viererbande um Jiang Qing (1913-1991), Maos letzte Ehefrau, gab sich noch nicht geschlagen. Die Demonstrationen für den verstorbenen Zhou Enlai und die von ihm vertretene Politik im April 1976 nahm sie zum Anlass, Deng erneut zu stürzen. Doch knapp ein halbes Jahr später, nach dem Tode Maos, wurde die Viererbande entmachtet und verhaftet.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.247 f.



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www-Links

( Seiten von muz-online.de)



China, Land und Leute, Traditionen
Religion in China. Erinnerungen an den Chinamissionar Pater Dr. Theobald Diederich. China-Zentrum.
Hongkong
Tibet
Buddhismus
Globalisierung und Neoliberalismus
chinaseite.de, Das chinesische Horoskop
China intern - nicht kommerzielle Webseite mit Informationen über Wirtschaft, Menschenrechte und Kultur
China und seine Kultur
Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und Deutschland
Index Mundi: Arbeitslosigkeit in China
Chinas Wirtschaft: Ein Luftschloß ? (2002)
China's Official Gateway to News & Information
CIA - The World Factbook -- China
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Das vergessene Volk der Uiguren
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ai: Waffen aus China heizen Konflikte an
China: Secretive arms exports stoking conflict and repression
Amnesty International: China Reports
e-politik.de, 31. März 2006, Mao verantwortlich für 70 Millionen Tote

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