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Offizieller Name: Russische Föderation
Hauptstadt: Moskau
Fläche: 17.075.400 km²
Landesnatur: Im W Osteuropäische Tiefebene, Ural als Grenze zwischen Europa und Asien, nach O folgen Westsibirisches Tiefland, Mittelsibirisches Bergland und Ostsibirisches Gebirgsland, im S Steppengürtel
Klima: Von N nach S Übergang vom arktischen über gemäßigtes zum subtropischem Klima
Hauptflüsse: Ob, Lena, Irtysch, Jenissej, Wolga, Don, Ural, Angara, Amur
Höchster Punkt: Elbrus (Kaukasus) 5642 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Präsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 7 Generalgouvernements, 21 Republiken, 49 Gebiete (Oblast), 6 Bezirke (Kraj), 10 autonome Nationale Kreise (Okrug), Birobidschan (Jüdisches Autonomes Gebiet), Moskau und St. Petersburg mit Sonderstatus
Parlament: : Zweikammerparlament mit Staatsduma (450 für 4 Jahre direkt gewählte Mitglieder) und Föderationsrat (178 für 4 Jahre ernannte Mitglieder aus den Verwaltungseinheiten der Föderation)
Nationalfeiertag: 12. Juni
Einwohner: 142.800.000 (2003); 141.377.752 (geschätzt für Juli 2007); ca. 160 ethnische Gruppen, davon ca. 80% Russen, 3% Tataren, 2% Ukrainer, 1% Tschuwaschen, 1% Baschkiren, 0,8% Armenier, 0,4% Russlanddeutsche
Bevölkerungsdichte: 9 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 78% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 19% (1999)
Analphabetenquote: 0,6% (1999)
Sprache: Russisch; Sprachen der autonomen Nationalitäten sowie über 100 weitere Sprachen und Dialekte
Religion: Russisch-orthodoxe Christen (über 50%), Moslems (5%), Minderheiten von Protestanten, Juden, Buddhisten
Importgüter: Maschinen und Ausrüstungen, Transportmittel, Nahrungsmittel, Textilien, chemische Produkte
Exportgüter: Energieprodukte, Eisen, Metalle und Metallerzeugnisse, Holzwaren, Zellstoff und Papiererzeugnisse, Maschinen und Transportmittel


Russland war das Kernland der Sowjetunion. Häufig wurden die beiden Begriffe im Ausland als Synonyme gebraucht. Das war zwar nicht korrekt, hatte aber insofern Berechtigung, als die Sowjetunion die direkte Nachfolge des russischen Kaiserreichs angetreten hatte, das schon seit Jahrhunderten ein Vielvölkerstaat war. Russen waren die Gestalter und Machthaber in der UdSSR. Es gab jedoch eine große Ausnahme: den Georgier Jossif Dschugaschwili, der aber unter seinem Parteinamen "Stalin" ein radikaler russischer Nationalist wurde.
"Einen unzerstörbaren Bund freier Republiken hat das große Russland auf ewig gestiftet"- mit diesen Worten begann die sowjetische Staatshymne, die unter seiner Herrschaft 1943 eingeführt wurde. Bei allem Pathos klingt in den Versen dann auch die politische Wirklichkeit durch: Die Sowjetunion war kein freiwilliger Zusammenschluss selbständiger Staaten, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger russischer Expansionspolitik. Vom Großfürstentum Moskau ging seit dem 14. Jahrhundert die "Sammlung der russischen Erde" aus, die später imperialistische Züge annahm und erst an den Küsten des Pazifik, des Schwarzen Meeres und der Ostsee haltmachte. Bei der ersten systematischen Volkszählung im Jahre 1897 ergab sich, dass 55% der Untertanen des Zaren nichtrussischen Völkerschaften angehörten. Sie wurden einer brutalen Russifizierung unterworfen.
Die Bolschewiki, die 1917 die Macht ergriffen und 1922 die Sowjetunion gründeten, bekannten sich theoretisch zum Selbstbestimmungsrecht der Völker, gewährten es aber nur jenen, die sie ohnehin nicht im Reichsverband festhalten konnten, wie den Polen, Finnen und Balten. Im übrigen wurde der Besitzstand der Zarenzeit mit Waffengewalt gesichert oder wiederhergestellt, so in der Ukraine und in Transkaukasien. Die fünfzehn Sowjetrepubliken, aus denen die Union seit 1940 bestand, waren nominell gleichberechtigt; tatsächlich blieb die russische Vorherrschaft ungebrochen: noch 1988 saßen im Politbüro, dem obersten Machtorgan, neben zehn Russen nur zwei Nichtrussen.
Nach den Umwälzungen des Herbstes 1991 erklärten im Dezember Russland, Weißrussland und die Ukraine die Sowjetunion für aufgelöst und bildeten eine "Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" (GUS). Estland, Lettland und Litauen waren schon im September aus der Union ausgeschieden. Der GUS traten schließlich außer den baltischen Staaten alle früheren Sowjetrepubliken bei. Sie ist ein lockeres, aber von Russland dominiertes Bündnis geblieben. Russland fordert auch weiterhin seinen Anspruch als Großmacht verbal ein und versucht rücksichtslos seine Herrschaft an den Rändern, so im Kaukasus, zu sichern. Für die nichtrussischen Mitgliedsstaaten steht die eigene Unabhängigkeit im Vordergrund.
Dank des Reichtums an begehrten Bodenschätzen (Erdgas, Erdöl u.v.m.) hat sich Russland seit den späten 1990er Jahren zu einer prosperierenden Wirtschaftsmacht entwickelt. Jedoch dieser neue Wohlstand erreicht die breite Masse der Bevölkerung nicht. Wenngleich Moskau im Jahr 2006 als teuerste Stadt der Welt galt (Lebenskosten-Rating: Moskau teuerste Stadt weltweit), leidet ein Großteil der Bevölkerung außerhalb der großen Städte unter erdrückender Armut.

Russland leidet unter der globalen Finanzmarktkrise ab 2008. Zeitweise musste der Handel an der russischen Börse eingestellt werden. Das wenig entwickelte Bankensystem ist weltweit mit am stärksten getroffen.
GoogleSearch:  Russland+Wirtschaftskrise 

Neben der unbefriedigenden sozialen Situation, stellt die Verschmutzung der Böden weiter Teile des Landes, mit dem auch die Versorgung mit sauberem Trinkwasser einhergeht, ein weiteres bisher ungelöstes Problem dar (siehe auch: Google-Recherche: Karatschai-See; Blacksmith Institute New York: Die zehn dreckigsten Orte der Welt, 2007; Bericht zu Atommüll-Endlager, 2003; DIE ZEIT, 2007; Planet-Stalker.de u.a.).
Insgesamt verbrauchen etwa 30 Prozent der Bevölkerung nicht qualitätsgerechtes Wasser. Bei einer Untersuchung des Leitungswassers von 78 Städten wurde ermittelt, dass fast überall, außer in Moskau, das Wasser aus den Leitungen ungenießbar sei, was wesentlich auf das hoffnungslos veraltete Wasserversorgungssystem zurückzuführen sei (Info). Dabei verfügt Russland mit seinen unzähligen unterirdischen Quellen, 2,5 Millionen Flüssen und etwa 3 Millionen Seen über mehr als 20% der Weltressourcen und könnte allein mit dem Wasser des Baikal-Sees - jenem größten und reinsten Trinkwasserreservoir der Erde - alle Menschen über mehrere Generationen hinweg mit sauberem Trinkwasser versorgen .

Russland
  Auf der Halbinsel Nowaja Semlja wurde am 30. Oktober 1961 die sogenannte "Zar-Bombe" gezündet. Die Explosion dieser Bombe, die einer Sprengkraft von 50 Millionen Tonnen TNT entsprach, übertraf alle im Zweiten Weltkrieg gezündeten Sprengkörper, inklusive der beiden Atombomben von Hiroshima und Nagasaki, um das Zehnfache.
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Der Staat

Russland hat etwa 142 Millionen Einwohner. Den Großteil der Bevölkerung stellen mit über 80% die Russen (Stand 1989), dennoch ist es ein Vielvölkerstaat. Das Land beherbergt rund einhundert Minderheiten, von denen die Tataren, Ukrainer, Tschuwaschen, Dagestaner, Baschkiren, Weißrussen und Mordwinen die größten Gruppen sind. In der Sowjetära wurden für diese Nationalitäten 16 Autonome Republiken, 5 Autonome Gebiete und 10 Autonome Kreise eingerichtet, wo sie in sehr begrenztem Maße ihre nationale Eigenständigkeit pflegen konnten. Unter den neuen Verhältnissen fordern sie größere Rechte (z.B. die Tataren), manche sogar die volle Unabhängigkeit, wie die Tschetschenen.
Bis 1993 entstanden insgesamt 89 sogenannte Föderationssubjekte, darunter 21 Republiken mit eigener Staatlichkeit und Verfassung. Die übrigen sind "Regionen" und "Gebiete", innerhalb derer östlich des Urals auch "Autonome Kreise" einheimischer Völker und Nationalitäten liegen (Ausnahme: Jüdisches "Autonomes Gebiet" Birobidschan), sowie Moskau und Sankt Petersburg mit Sonderstatus.

Die Ausgestaltung der Kompetenzen dieser Föderationssubjekte sind sehr unterschiedlich. Häufig stehen den Regionen und Gebieten direkt vom Volk gewählte Gouverneure oder Präsidenten vor, die sich mitunter ohne Beachtung gesamtrussischer Vorgaben ein hohes Maß an Autonomie sicherten. Das zentrale Verfassungsorgan der Föderationssubjekte ist der Föderationsrat (178 Sitze). Präsident Wladimir Putin (2000-2008) setzte durch, dass dort ab 2002 nicht mehr die Gouverneure und Parlamentsvorsitzenden ihren Sitz wahrnehmen, sondern diese nur noch Vertreter nach Moskau entsenden. Auch kann der Präsident Provinzchefs wegen Verfassungsverstöße absetzen.
Eigentliche Volksvertretung und zentrales Legislativorgan ist die für vier Jahre gewählte Staatsduma mit 450 Abgeordneten. Ihr steht ein mit großer Machtfülle ausgestatteter Präsident gegenüber, der gegen Gesetze sein Veto einlegen und (was in der Praxis geschieht) per Erlass (Ukas) regieren kann. Auch ernennt und erlässt er den Ministerpräsidenten und die Regierung. Sie müssen zwar durch die Duma bestätigt werden, im Fall mehrmaliger Ablehnung darf der Präsident das Parlament aber auflösen.

Bei den Präsidentenwahlen am 2. März 2008 erhielt Wladimir Putins Wunschkandidat Dmitry Medvedev (bislang Vize-Premier und Aufsichtsratchef des Energieriesen Gazprom) mehr als 70 Prozent der Wählerstimmen (an der Abstimmung nahmen laut Protokoll der Zentralen Wahlkommission der Russischen Föderation 74.746.646 Bürger teil) und wurde damit zum neuen Präsidenten des Landes gewählt. Während die Opposition von Wahlfälschung spricht, genoss das Doppelgespann Putin/Medvedev seinen Triumph auf dem roten Platz in Moskau, wo ihnen Tausende Anhänger zujubelten.
Der 42jährige Medvedev, der die Bürgerrechte und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes weiter vorantreiben will, wurde am 7. Mai in sein Amt eingeführt. Putin wird Ministerpräsident und zieht ins zwei Häuser weiter entfernte "Weißen Haus".

Vor der russischen Revolution bekannte sich die Mehrzahl der Russen zum orthodoxen Christentum. Unter dem massiven Druck der kommunistischen Machthaber verlor die russischorthodoxe Kirche jedoch einen Großteil ihrer Gläubigen. Nach dem politischen Machtwechsel erlebte sie einen starken Zulauf, obwohl sie sich durch die Integration in den sowjetischen Herrschaftsapparat zum Teil diskreditiert hatte.

Die Wirtschaft Russlands erlebte mit dem Zerfall der Sowjetunion einen starken Einbruch, sowohl in der Industrieproduktion als auch in der Landwirtschaft. Der nach 1993 wieder einsetzende Aufschwung blieb 1998 in einer nur durch internationale Finanzintervention behobenen Finanzkrise stecken, so dass die Wirtschaftsleistung zu Beginn des 21. Jahrhunderts längst noch nicht wieder das Niveau von 1990 erreichte. Während der Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft einen ungehemmten Kapitalismus mit aus "Raubprivatisierungen" hervorgegangenen großen Unternehmenskomplexen ("Oligarchen") hervorbrachte und eine kleine Schicht Neureicher entstehen ließ, verarmten große Teile der Bevölkerung. Hemmend auf die wirtschaftliche Entwicklung wirkten sich ausbleibende Investitionen aus: Gründe waren u.a. Korruption sowie fehlende Rechtssicherheit und Unternehmenskultur. Bestimmende Branchen und verantwortlich für den größten Teil der Deviseneinnahmen sind der Energiesektor und die rohstoffverarbeitende Industrie, die meist noch unter entscheidendem Einfluss des Staates stehen. Im Agrarsektor versorgen nicht die unproduktiven ehemaligen Kolchosen und Staatsgüter die Bevölkerung, sondern wie zu Sowjetzeiten die Nebenerwerbslandwirtschaft. Die Zahl der freien Bauern ist auch aus historischen Gründen verschwindend gering.

Trotz ihrer Vorzugsstellung als "staatstragende" Nation wurden auch die Russen von der Woge nationalen Aufbegehrens erfasst, die in den 1980er Jahren durch die Sowjetunion ging. Man wollte sich auf die nationalen Wurzeln und Traditionen besinnen, wollte bewusst wieder Russe und nicht bloß Sowjetbürger sein. Der neue russische Nationalismus hat viele Gesichter. Die extreme Richtung will zurück zum dörflichen "echten Russentum"; sie verabscheut den "dekadenten Westen", lehnt Demokratie und Individualismus ab und geht meist mit Antisemitismus einher. Diese dumpfe Ideologie hatte Anfang der 1990er Jahre bedrohlich viele Anhänger gewonnen, auch unter Intellektuellen. Die Mehrheit vertritt einen demokratischen Patriotismus, der durch den Sieg des Volkes über die reaktionären Putschisten im August 1991 einen mächtigen Auftrieb erfahren hatte. Sie will Russland zu einem modernen, westlich orientierten Land machen. Ihr führender Repräsentant war Boris Jelzin, ab Juni 1991 - erneut gewählt 1996 - der erste vom Volk gewählte Präsident Russlands (bis 1999), dessen Amtsführung freilich auch autoritäre Züge zeigte.
Die politische Kultur genügt daher nur zu einem geringen Teil demokratischen Standards; die Bildung von Parteien ist, mit Ausnahme der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation, weniger von politischen Anschauungen als von einzelnen Personen und ihren Interessen (auch des Präsidenten) inspiriert. Die Pressefreiheit wird durch massive Interventionen "aus dem Kreml" immer wieder bedroht.

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Landesnatur

Die Russische Föderation ist ein Land von kontinentalem Ausmaß. Es ist mit über 17 Millionen km² fast doppelt so groß wie die USA und erstreckt sich von der Ostsee und dem Schwarzen Meer im Westen über Osteuropa und Sibirien bis zum Pazifik im Osten wobei es 11 Zeitzonen von GMT+2 bis GMT+12 durchläuft (Russlands Zeitzonen). Die osteuropäische Tiefebene ist das Kernland Russlands. Es ragt nur in den flachwelligen Höhenrücken, die ebenso wie die Seenplatten das Ergebnis der pleistozänen Vereisung sind, über die 200-Meter-Höhenlinie hinaus.

Nach Osten wird es vom 2000 km langen Uralgebirge begrenzt, das mit seinem steilen und unvermittelten Ostabfall die orographische Grenze zwischen Europa und Asien bildet. Östlich des Urals folgen das Westsibirische Tiefland, das zu den größten Tiefländern der Erde zählt, das Mittelsibirische Bergland und das Ostsibirische Gebirgsland. Im Süden Russlands erstreckt sich ein breiter ebener Steppengürtel, der von mächtigen Lößdecken überzogen ist.
Der geeignete Schlüssel zum Verständnis des sich 9000 km von West nach Ost und 4000 km vom nördlichen Eismeer bis zu den Hochgebirgen von Kaukasus, Altai, Sajan und Transbaikalien im Süden erstreckenden Landes ist die unterschiedliche regionale Ausprägung des Klimas. Es überlagern sich zwei Tendenzen: zunehmende Sonneneinstrahlung und damit Wärme von Nord nach Süd, zunehmende winterliche Kälte und Trockenheit von West nach Ost (Kontinentalität). Das Klima ist ganz wesentlich an der Bildung der "großen Zonen der Natur" beteiligt, die in der Regel nach der natürlichen Vegetation benannt werden - auch wenn diese heute schon oft durch Kulturvegetation ersetzt ist.

Tundra und Taiga
Südlich der Eismeerküste erstreckt sich die Tundrazone wie ein Band, das wegen der zunehmenden Kontinentalität des Klimas nach Osten hin breiter wird. Selbst am Südrand dieser Zone übersteigen die Sommertemperaturen im Julimittel nicht 10°C. Die Durchschnittstemperatur im Januar liegt im europäischen Landesteil bei - 8°C bis - 20°C, in Sibirien bei - 20°C bis - 34°C. Trotz geringer Niederschläge ist die Luftfeuchtigkeit (Nebel, starke Bewölkung) hoch. Hier fehlen Bäume vollkommen. Die Strauchvegetation erreicht in windgeschützten Niederungen Hüfthöhe. Ansonsten dominieren Flechten und Moose. Als Lebensraum für den Menschen kommt die Tundrazone nur inselhaft in Betracht - in Bergbausiedlungen wie Workuta und Norilsk oder Verkehrssiedlungen wie Murmansk.
Nach Süden folgt die Taiga, ein ausgedehnter Waldgürtel des gemäßigten Klimabereichs. Die Durchschnittstemperaturen des wärmsten Monats liegen zwischen 10°C im Norden und 20°C im Süden. Die Winter haben im Westen Januarmittel von - 10°C, im Osten bis - 45°C und sind somit kälter als in der Tundra.
In der Regel fallen mehr Niederschläge als an Feuchtigkeit verdunstet - außer in den innersten und damit auch wintertrockensten Teilen Sibiriens. Die Böden sind meist mineral- und humusarm und bieten für eine ackerbauliche Nutzung nur begrenzte Möglichkeiten. Dies ändert sich zum Südrand der Taiga. Dort werden die Böden humusreicher, die Temperaturen wärmer und die Vegetationszeiten länger.

Wald- und Steppenland
Im europäischen Landesteil und im Fernen Osten folgen auf die Taiga natürliche Misch- und Laubwaldgebiete. In Sibirien sind sie - wegen der großen Winterkälte - unterbrochen. Der osteuropäische Mischwald ist ein "Geschenk" relativ feuchter atlantischer Luftmassen. Die Wintertemperaturen liegen im Westen um - 3°C, im Osten, etwa an der mittleren Wolga, bei - 12°C. Obwohl dieses Gebiet weder durch Fruchtbarkeit noch mit nennenswerten Rohstoffen gesegnet ist, bildete es das Kernland des spätmittelalterlichen russischen Reiches. Hier liegen Moskau und Sankt Petersburg.
Die nach Süden folgende Waldsteppenzone verbindet die natürlichen Gunstfaktoren von Wald- und Steppenland in beinahe optimaler Weise: die Feuchtigkeit des Waldlandes mit der Sommerwärme und der Länge der Vegetationszeit sowie den humusreichen Böden der Steppe.

Besonders im Westen, der heute zum Staatsgebiet der Ukraine gehört, findet die Landwirtschaft hervorragende Verhältnisse vor, vor allem für den Anbau von Weizen und Zuckerrüben. Aus diesem Grund musste die ursprüngliche Vegetation einer intensiven Kultivierung weichen. Östlich des Dnjepr Richtung Don und Wolga wird die Waldsteppe trocken, Bodenerosion zerreißt die Lößdecke in tiefe Schluchten - gelegentlich versalzen die Böden.
Damit beginnen die Steppen-, Wüstensteppen- und Wüstenzonen der zentralasiatischen Staaten. Anteil an der eurasischen Steppenzone hat Russland am unteren Don, dem nördlichen Vorland des Kaukasus, an der unteren Wolga und dann - unterbrochen von den Steppenregionen Kasachstans - im Vorland von Altai und Sajan am oberen Irtysch und Ob.

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Sibirien

Auch wenn Russland schon an der Ostsee beginnt und seine kulturellen Zentren in Europa liegen, nimmt doch der Landesteil östlich des Urals mit einer Fläche von 10 Millionen km² den größten Teil der Russischen Föderation ein: Sibirien.

Mit dem Wort verbinden sich unterschiedliche Vorstellungen: die unendlichen Nadelwälder der Taiga; Sumpf und Myriaden von Mücken im kurzen Sommer, eisige Kälte im langen Winter; reiche Rohstoffvorkommen und gigantische Umweltzerstörung; Verbannung und Straflager; schließlich die heroische Leistungen der Sibiriaken, die Flüsse stauten, Städte und riesige Industriekomplexe aus dem Permafrostboden stampften und Gleise bis an den Pazifischen Ozean verlegten. In Sibirien trifft der imperiale Anspruch Russlands auf die harte Realität eines Halbkontinents, dessen Erschließung von Wirtschaftsstrategen gefordert, von Ingenieuren geleistet und von der Natur bezahlt wird.

Natur, Wirtschaft, Verkehr
Die Geographen teilen Sibirien in drei Großräume auf: das Westsibirische Tiefland, das Mittelsibirische Bergland zwischen Jenissej und Lena und Ostsibirien bis zur pazifischen Wasserscheide. Im Nordosten erstreckt sich eine gewaltige Gebirgslandschaft, der sich die Tiefebenen der Tundra anschließen. Im Süden speichert der bis 1637 m tiefe Baikalsee, das "heilige Meer" Sibiriens, ein Fünftel der Welt-Süßwasserreserven und gibt, von Gebirgen umrahmt, einer einzigartigen Tierwelt ihren Lebensraum. Das extrem kontinentale Klima mit nur geringem Niederschlag zeigt sich in den großen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter, wo an den Kältepolen der Erde bei Werchojansk und Ojmjakon im Nordosten schon einmal -70 °C erreicht werden können (der kälteste Ort der Welt war bis 1983 das 1000-Seelen-Dorf Ojmjakon, 640 km nordöstlich von Jakutsk, wo im Winter 1926 eine Temperatur von -71,2°C gemessen wurde. Als kälteste Stadt der Welt rühmt sich auch die 2000 Einwohner zählende Stadt Werchojansk, wo 1885 ein Verbannter des Zarenreichs -67,8°C gemessen hat. Seit 1983 ist die russische Forschungsstation Wostok in der Antarktis der Kältepol der Erde. 1983 wurden hier -89,2°C und 1997 angeblich -91,5°C gemessen). Im Winter bleibt die eher dünne Schneedecke dann acht Monate liegen, bevor der kurze Frühling im Mai den Dauerfrostboden (der Unterboden ist bis in die Tiefe von 1500 m gefroren) an der Oberfläche aufweicht und im sechs- bis achtwöchigen Sommer wieder Schiffe die mächtigen Ströme Sibiriens befahren können. Der Rohstoffreichtum Sibiriens macht die Bedeutung Russlands als Industrienation aus. Ohne Brennstoff aus Sibirien, d. h. Erdöl und Erdgas von der Halbinsel Jamal und den sumpfigen Weiten Westsibiriens, Kohle aus dem Kusnezker Becken und Jakutien, Strom aus den Bratsker Turbinen, würden die Hütten-, Stahl-und Aluminiumwerke des Landes stillstehen und die Lichter in weiten Teilen Europas ausgehen. Hinzu kommen die verschiedensten Erze vom Alatau im Süden bis Norilsk im Norden. Rohstoffgewinnung und Erschließung gehören vor allem in Sibirien zusammen. Es ist kein Zufall, daß die seit Ende des 16. Jahrhunderts im Auftrag des Moskauer Zaren angelegten Städte erst mit der Eisenbahn zu großen Industriezentren und Verkehrsknotenpunkten wurden. So wurden die Schienenstränge der 1898-1916 erbauten Transsibirischen Eisenbahn und die 1984 in großen Teilen fertiggestellte Baikal-Amur-Magistrale (BAM) zum Mythos, den, die Transsib betreffend, in "voller Länge" aufzuspüren heute in erster Linie ausländischen Touristen vorbehalten bleibt. Das moderne russische "Biziness" hat mit Pipeline und Flugzeug schnellere Transport- und Kommunikationsmittel zur Verfügung.

Die Menschen
Sibirien hat schon den Menschen der Stein-, Bronze- und Eisenzeit Lebensraum geboten. Die vielfältigen Kulturen, die sich auf seinem Boden ausbreiteten und die gar nicht selten über die weiten Steppen nach Westen kamen, leben in den zahlreichen indigenen Völkern des Landes fort, auch wenn sie heute kaum 10% der Bevölkerung stellen. Ewenken, Jakuten oder Burjaten haben sich dabei kaum der dauerhaften und stellenweise massiven Russifizierung und den Ansprüchen der Industrialisierung widersetzen können. Ihre ursprüngliche Lebensweise hat sich nur noch in Inseln erhalten, gewinnt aber im Zuge eines neuen kulturellen Selbstbewusstseins wieder an Bedeutung. Erleichtert wird die Suche nach der eigenen Geschichte und Identität durch den Wegzug der russischen "Pioniere", die in der Sowjetzeit durch gute Bezahlung und Privilegien in die unwirtlichen Weiten gelockt und gehalten wurden.
Der (russische) Sibiriak lebt zu zwei Dritteln in der Stadt, wobei "Stadt" sowohl die Millionenmetropolen Nowosibirsk und Omsk als auch verlorene Außenposten wie Tixi am Ufer der Laptewsee bedeuten kann. Die meisten Großstädte Sibiriens liegen im Süden in den klimatisch gemäßigteren Gebieten an Irtysch, Ob, Jenissej und Angara sowie im Kusnezker Becken und weiter ostwärts am Grenzfluss Amur. Die "Kuriere des Zaren" und Kosaken der Kaufleute Stroganow brauchten weniger als 70 Jahre, um den Pazifik zu erreichen. Auch wenn der Zar weit weg in Moskau saß, verkündete er doch am anderen Ende der Welt, gleichsam in Stein gehauen, sein umfassendes Ziel: "Beherrsche den Osten!" - Wladiwostok.

Tradition: Maultrommelspiel
In Sacha-Jakutien ist eines der weltweit wichtigsten Zentren des Maultrommelspiels und der Maultrommelproduktion. Die Maultrommeln von Gogolew, Burtsew, Innokenti und Michailow zählen zu den weltweit besten. Traditionell gilt die Maultrommel (Chomus) in Jakutien als Instrument, auf welchem die Frauen ihre Gefühle ausdrücken. So liegt der Schwerpunkt im jakutischen Maultrommelspiel weniger auf der Melodie als vielmehr auf der Wiedergabe von individuellen Stimmungen, von charakteristischen Atmosphären und Lauten in der Natur, sowie von Texten, – sogenannte "sprechende Maultrommel". In Viljuisk wird immer noch die traditionellste Form des Maultrommelspiels gepflegt. Diese zeichnet sich durch feste Rhythmen und die "sprechende Maultrommel" aus.

Wegen der Nähe zum Schamanismus war das Maultrommelspiel unter Stalin verboten und wurde verfolgt. Erst in 1970er Jahren erfuhr die Chomus, vorangetrieben von Iwan Alexejew, eine Wiederbelebung. Alexejew ist Gründer und Leiter des Ensembles "Algys", Lehrmeister der besten Maultrommelspieler Jakutiens, Präsident der jakutischen Chomus-Organisation und unermüdlicher Förderer der internationalen Maultrommelforschung und –renaissance.

Als bester Maultrommelspieler der Welt gilt Spiridon Shishigin, der oft auch mit einer Heilerin als Musiktherapeut zusammenarbeitet.
In Jakutsk, der Hauptstadt von Sacha-Jakutien, befindet sich das erste Maultrommelmuseum der Welt und 1991 fand hier das 2.Internationale Maultrommelfestival statt.

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Geschichte

Um die Mitte des 9. Jahrhunderts errichteten normannische Händler und Krieger (Waräger) auf dem Weg von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer ein loses Herrschaftssystem in dem von ostslawischen Völkern dünn besiedelten Land. Dieses diente als Basis für den Handel mit den "Griechen" wie auch für Angriffe auf Byzanz. Nowgorod im Norden und Kiew im Süden wurden die Mittelpunkte des "Kiewer Reiches" (auch "Rus"), das nach der Annahme des Christentums in seiner ostkirchlichen Form (988) eine kulturelle Blüte erlebte. Die Übernahme des orthodoxen Glaubens sollte später mit dazu beitragen, dass Reformation und Renaissance, die das westeuropäische Geistesleben entscheidend formten, an Russland vorbeigingen. Mit dem Tode Jaroslavs (1019-1054) wurde die Rus durch Erbteilung in zahlreiche Fürstentümer zersplittert.
In eine schwere Krise gerieten die russischen Fürstentümer im 13. Jahrhundert, als die "Goldene Horde" Kiew und andere russische Fürstenstädte verwüstete. Auch nach dem 1241 erfolgten Abzug der Mongolen aus Ostmitteleuropa blieb ein Großteil der russischen Fürstentümer etwa zwei Jahrhunderte lang unter ihrer Oberhoheit.
In dieser Situation begann der Aufstieg Moskaus, eines kleinen Teilfürstentums, das in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zur dauernden Fürstenresidenz wurde. Im 14. und 15. Jahrhundert wuchs es durch die "Sammlung der russischen Erde" zu einem bedeutenden Machtzentrum, dessen Herrscher sich zu Großfürsten, ja zu Zaren erhoben. Das Moskauer Reich trat mit dem katholischen polnisch-litauischen Doppelreich, das in den Besitz eines großen Teils der westlichen russischen Fürstentümer geraten war, in eine jahrhundertelange Konkurrenz.
Das Moskauer Reich vergrößerte im 16. Jahrhundert unter Zar Iwan IV. (1533-1584), dem Schrecklichen, sein Territorium nach Osten zur Wolga und jenseits des Urals. Damit wurde der Herrschaftsanspruch auf Räume ausgedehnt, die nie zur Kiewer Rus gehört hatten und nie russisch besiedelt waren.

Der Aufstieg zur europäischen Großmacht
In der Periode Zar Peter des Großen (1682 bis 1725) begann die Modernisierung Russlands. Mit Reformen nach westeuropäischem Muster versuchte er, die "moskowitische Rückständigkeit" zu überwinden. Der lange "Nordische Krieg" mit Schweden endete 1721 siegreich: Schwedens Vormacht an der Ostsee war gebrochen, und Russland - jetzt ein Kaiserreich mit der neu erbauten Hauptstadt Sankt Petersburg - hatte im Baltikum festen Fuß gefasst. Peter der Große hatte Russland ins europäische Mächtesystem eingefügt und "das Fenster nach Europa auf gestoßen".
Peters Nachfolger haben selbst dann, wenn sie schwach waren, sein Erbe nicht verspielt. Aus ihnen ragt vor allem Kaiserin Katharina II. (1762-1796) hervor: Während ihrer Regentschaft stieß Russland durch die Annexion der südlichen Ukraine auf Kosten des Osmanischen Reiches ans Schwarze Meer vor und beteiligte sich an den "Teilungen" Polens, das damit für über ein Jahrhundert von der Landkarte verschwand.

Bauernbefreiung und Revolution
So grenzte Russland im 19. Jahrhundert und bis zum Ersten Weltkrieg an Preußen und an Österreich. Russland zog sich in dieser Zeit als erzkonservative Macht bei den europäischen Liberalen starke Abneigung zu, die bis weit ins 20. Jahrhundert erhalten blieb. Hinzu kam Russlands Rückständigkeit: Dass es dort zwischen dem Adel und den Massen der bis zur Bauernbefreiung von 1861 noch leibeigenen Bauern nahezu kein Bürgertum gab, behinderte die Industrialisierung, mit der das übrige Europa schon weit vorangekommen war. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, rund ein Jahrhundert später als in England, begann die Industrialisierung auch in Russland und löste einen erheblichen sozialen Wandel aus. Die erste russische Revolution, die 1905 während des japanisch-russischen Krieges ausbrach, wurde nicht nur von einer bürgerlichliberalen Bewegung, sondern auch bereits von der Industriearbeiterschaft getragen. Eine erste Rätebewegung wurde zwar noch unterdrückt, der Zar wurde aber gezwungen, durch die Einführung einer Verfassung mit einem Parlament, der Duma, das bis dahin autokratische System zu mäßigen. So war das folgende Jahrzehnt durch Reformen im öffentlichen Leben, auch im Agrarsystem, gekennzeichnet; diese Jahre galten als ein "silbernes Zeitalter der russischen Kultur".
Es ist eine kaum lösbare Streitfrage, ob der Ausbruch des Ersten Weltkriegs die dennoch bestehenden Spannungen im Russischen Reich eher eingedämmt und die Revolutionen von 1917 verzögert hat oder ob die begonnenen Reformen, wären sie nicht durch den Weltkrieg unterbrochen worden, Russland auch ohne Revolution auf den Weg einer friedlichen Entwicklung zu einem modernen Industriestaat geführt hätten.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste Russland innerhalb von zwei Jahren empfindliche militärische Niederlagen hinnehmen. Die Wirtschaft stand am Rand des Ruins. Die Blutopfer auf dem Schlachtfeld, der Hunger in den Städten und die ungeklärte Landfrage mündeten im Februar 1917 in Massendemonstrationen und Streiks, bei denen Brot, Frieden und Land gefordert wurden. Als sich die Soldaten in Petrograd (Sankt Petersburg) mit den Demonstranten verbrüderten, war das Ende des Zarismus besiegelt.
Am 3. März 1917 musste Zar Nikolaus II. abdanken. Nach dem Vorbild der ersten russischen Revolution von 1905 bildete sich ein Arbeiter- und Soldatenrat (Sowjet), der sich als höchste Autorität verstand. Aus liberalen Kreisen der letzten "Duma" entstand parallel dazu eine provisorische Regierung, die die Regierungsgeschäfte übernahm. Keine der beiden Institutionen hatte genug Macht, die Herrschaft selbst zu übernehmen. Dies gelang Lenins (1870-1924) linken Sozialdemokraten, den Bolschewiki, erst unter Leitung des Vorsitzenden des Petrograder Sowjets Leo Trotzkij (1889 bis 1940) in der "Oktoberrevolution" von 1917. Sie errichteten unter Führung Lenins eine Räteregierung.

Stalin usurpiert die Macht
Nach den schwierigen Jahren des Bürgerkriegs (1918-1921) und der Härte des "Kriegskommunismus" wurde die Wirtschaftspolitik im Rahmen der "Neuen ökonomischen Politik" (NEP) neu gestaltet. Das politische Leben - 1922 wurde die Sowjetunion gebildet - wurde jedoch zunehmend restriktiver. Die Herrschaft der Arbeiterklasse wurde durch die Herrschaft der Partei ersetzt, die der Partei durch das Zentralkomitee, und dieses wurde schließlich durch die Diktatur eines einzelnen - Stalins - abgelöst. Nach dem Tode Lenins begann ein erbitterter Kampf um seine Nachfolge, aus dem schließlich der damalige Generalsekretär Stalin als Sieger hervorging. Dabei ging er wechselnde Bündnisse ein und schaltete so zunächst die "Linken" Trotzkij und Radek (1885-1939), dann Sinowjew (1883-1936) und Kamenew (1883-1936) aus und anschließend den "Block der Rechten" Bucharin (1888-1938), Tomskij und Rykow (1881-1938). Die soziale Basis, auf die er sich in seinem Machtkampf stützen konnte, war die immer weiter ausufernde Partei- und Staatsbürokratie, die mit Privilegien korrumpiert wurde. In den 1930er Jahren wurden die Oppositionellen, fast die gesamte alte Garde der Bolschewik!, in einer Reihe von Schauprozessen als Verräter und Agenten verurteilt und hingerichtet. Den Säuberungswellen der 1930er Jahre fielen neueren Forschungsergebnissen zufolge zwischen sechs und acht Millionen Menschen zum Opfer. Millionen Tote forderte auch der 1928/29 eingeleitete Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik: Eine forcierte, auch jugendlichen Enthusiasmus (Komsomolzen) nutzende Industrialisierung und die Kollektivierung der Landwirtschaft ersetzten die NEP. Dadurch wurde eine große Hungersnot, vor allem in der Ukraine, provoziert und ungefähr zehn Millionen Bauern wurden von ihrem Land vertrieben und nach Sibirien verbannt. Dennoch - diese menschenverachtende Politik und die planwirtschaftliche Kommandowirtschaft förderten die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Deutsches Kapital finanzierte die Oktoberrevolution

Wie aus einem Artikel der London Times vom 27. Dezember 1917 hervorgeht, wurde die Oktoberrevolution von deutschen Bankiers mitfinanziert. Es gibt Schätzungen, dass bis zu 50 Millionen Mark geflossen sind, was umgerechnet heute mindestens eine halbe Milliarde Euro entspricht.
Wichtiger Wegbereiter für die deutschen Finanztransfers war der damalige Finanzattaché der deutschen Gesandtschaft, Dr. Fritz Warburg, dessen Bruder Paul Warburg (eingebürgerter US-Amerikaner) bei der Gründung der Federal Reserve (Fed) 1913 in den USA eine herausragende Rolle gespielt hat.
Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch
Siehe auch:  Auf dem Weg zu einer Neuen Weltordnung.

Das Straflager-System G U L A G
(Glawnoje Uprawlenie Lagerej, "Hauptverwaltung Lager")

Josef Wissarionowitsch Dschugaschweli (Kampfname Stalin, "der Stählerne") ist zwischen 1902 und 1917 achtmal verhaftet und verurteilt worden, u.a. wegen Bankraubs. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitgefangenen Wladimir Iljitsch Uljanow (Kampfname Lenin) erschaffte er das größte und tödlichste Straflager-System, das die Welt bis heute gesehen hat, bekannt als GULAG. Das Buch "Der Archipel Gulag" von Alexander Solschenyzin (1918-2008), der selbst acht Jahre in Lagern verbracht hat, vermittelt einen erschütternden Eindruck dieses menschenverachtenden und -vernichtenden Systems. Das Buch wurde 1973 im Westen ein Bestseller. In der Sowjetunion durfte es ab 1989 erscheinen. Seit September 2009 (ein Jahr nach dem Tod von Solchenyzin) wurde "Der Archipel Gulag" zur Pflichtlektüre an Russlands Schulen.
In den Lagern kamen zwischen 1918 und 1991 bis zu 39 Millionen Menschen ums Lebens.

Der "Große Vaterländische Krieg"
Trotz dieser Gewaltmethoden wird Stalin bis heute von Teilen der Bevölkerung geschätzt. Diese Achtung hat er sich in ihren Augen während des Zweiten Weltkrieges, der auf russischer Seite als der "Große Vaterländische Krieg" bezeichnet wird, erworben. Nur - die Sowjetunion hat diesen Krieg nicht wegen Stalin, sondern trotz Stalin gewonnen: Er hatte in den Säuberungen der 1930er Jahre fast das ganze höhere Offizierskorps vernichtet, und er glaubte nicht den vielfältigen Warnungen vor einem deutschen Angriff, weil er (zumindest vorerst) auf den 1939 mit Hitler geschlossenen Nichtangriffspakt vertraute.

Nur unter größten Opfern - man spricht von 27 Millionen Kriegstoten - gelang es, den Angreifer zurückzuschlagen. Der Sieg brachte der Sowjetunion beträchtliche Gebietsgewinne und eine große Einflußsphäre durch einen Gürtel von "Satellitenstaaten" in Ost- und Mitteleuropa.

Das Ende der Sowjetunion
Stalin starb 1953. Unter seinem Nachfolger Chruschtschow (1894-1971) wurde der Terror gemildert und etwas mehr Rechtssicherheit und kultureller Spielraum gewährt. Das Wesen der kommunistischen Parteidiktatur blieb in dieser Phase des "Tauwetters" davon unberührt. In den beiden Jahrzehnten der Regierung Breschnews (1906-1982) - später als Stagnationsperiode" bezeichnet - wurden viele Reformen Chruschtschows rückgängig gemacht. Weltpolitisch erreichte die Sowjetunion den strategischen Gleichstand mit den USA.
1985 übernahm Michail Gorbatschow (* 1931) die Führung der Sowjetunion. Unter dem Schlagwort "Perestrojka" (Umbau) leitete er Reformen ein, die das System nicht abschaffen, sondern effizienter machen sollten. Aber die Bewegung, die er in Gang setzte, gewann Eigendynamik. In wenigen Jahren entwickelte sich eine demokratische Bewegung, die das Machtmonopol der KPdSU hinwegfegte. Die Reformer um den russischen Präsidenten - die Ära Jelzins (bis 2000) -, der sich 1993 gewaltsam gegen ein reformfeindliches Parlament durchsetzte, bescherte den Menschen demokratische Freiheiten, die jedoch durch die Ansprüche eines autoritären Staates und soziale Verwerfungen immer wieder bedroht waren.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1195 f.

Russland: Diverse Literatur
Russland: Politik & Geschichte
Russland: Sibirien
Sowjetunion
Lenin
Russland: Belletristik



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