Willkommen in Italien

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Offizieller Name: Italienische Republik
Hauptstadt: Rom
Fläche: 301.318 km²
Landesnatur: Von N nach S: Alpenanteil, norditalienische Tiefebene (Poebene), anschließend von N nach S verlaufend der Appenin, im W Hügelland (Latium)
Klima: Im N warmgemäßigt, im S mediterran
Hauptflüsse: Po, Arno, Tiber, Etsch
Höchster Punkt: Mont Blanc 4807 m
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 20 Regionen
Parlament: Senat mit 325 Senatoren (davon 10 Senatoren auf Lebenszeit); Abgeordnetenkammer mit 630 gewählten Abgeordneten; Wahl alle 5 Jahre
Nationalfeiertag: 1. Sonntag im Juni
Einwohner: 49.511.000 (1960) ; 60.098.000 (geschätzt für 2010)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 15% (1999)
Bevölkerungsdichte: 190 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 67% (1999)
Sprache: Italienisch; regional Sardisch, Deutsch (Trentino-Südtirol), Französisch-Provenzalilsch (Aostatal), Ladinisch (Trentino-Südtirol), Slowenisch (in Triest und Gorizia), Friaulisch (Friaul); außerdem Albanisch, Griechisch und Katalanisch
Religion: Katholiken über 90%; ca. 50.000 Protestanten, 38.000 Juden

Kaum ein anderes Land der Welt bietet dem Reisenden solch einen landschaftlichen, historischen und kulturellen Reichtum wie Italien. Von den Bergen im Norden bis zu den Inseln im Süden beeindruckt die Schönheit der Landschaft: Die großen Massive und schneebedeckten Gipfel der Alpen, die oberitalienischen Seen, die sich zur Poebene erstrecken, die Toskana, die abwechslungsreichen Gebirgszüge des Appenin, die mal flachen, mal steilen Küsten im Osten und Westen sowie die Inseln Sizilien und Sardinien. Die Natur fasziniert sowohl als Kulturlandschaft wie auch in ihrer unberührten Form den Betrachter.
Die beliebten Küsten Italiens werden Jahr für Jahr von 100-Tausenden Reisenden besucht. Allerdings ist das Mittelmeer von seiner Qualität her nicht mehr das, was es noch in den 1950er Jahren war. Insbesondere im Sommer macht sich die Verschmutzung des Meeres auch optisch bermerkbar. Dichte Algenteppiche säumen die Küsten. Die Hitzwelle im Sommer 2006 habe sich laut Experten auf das Mittelmeer weiter negativ ausgewirkt und erreiche immer mehr den Zustand der Karibischen See. Die Meeresoberfläche des Mittelmeers hat sich durch Treibhauseffekt und Umweltverschmutzung zwischen den Jahren 1980 und 2000 um vier Grad erwärmt. Bereits in der Adria herrschen im Sommer oft Temperaturen von 32° Celsius.




Amalfi-Küste

Bedeutende Zeugnisse der Geschichte, archäologische Funde, Tempelruinen und Theater, Foren oder Triumphbögen, erinnern daran, dass von Rom aus ein Imperium beherrscht wurde, das fast die ganze damals bekannte Welt einschloss. Mittelalterliche Städte, in ihrem historischen Zentrum weitestgehend erhalten, erzählen vom Leben vergangener Zeiten.
Kunstwerke von hohem Rang, Kirchen und Paläste, Plätze und Brunnen, Treppen und Brücken, Gemälde und Skulpturen, ziehen Besucher aus aller Welt an. Ohne Italien wäre die Welt um eine Kulturstätte ärmer. Ohne die italienischen Schöpfungen im Mittelalter, in der Renaissance und im Barock würde der Kunst Europas das belebende Herz fehlen.

Doch Italien ist nicht nur das Land einer ruhmreichen Vergangenheit. Die Gegenwart wird bestimmt von einem vitalen Volk, das mit seiner Lebenslust und Klugheit, dem Gefallen an äußerlichen Dingen, seiner leichten Nachlässigkeit, die nicht alles ernst nimmt und manches auf morgen verschiebt, und seiner kritischen Distanz zu allen politischen Institutionen einen unverkennbar eigenen Stil und eine eigene Lebensweise gefunden hat. Die Fremden suchen "das Italienische" und erheben es als lockere Lebensart zum Glücksgefühl einer Ferienreise. Wie die Italiener ihr tägliches Leben in Stadt und Land führen, ihre Familie in Ehren halten, wie Mann und Frau miteinander umgehen, was sie essen und trinken, wie sie sich vergnügen und kleiden, Feste feiern und Skandale bestehen, wie trotz allem Wirtschaft und Politik funktionieren, gehört zum festen Bestandteil im bunten Kaleidoskop dieser Welt.
So verwundert es nicht, dass die Völker Europas seit alters einen unwiderstehlichen Drang zu diesem Land im Süden verspürt haben. Zu den Bewunderern Italiens gehörten immer auch namhafte Künstler und berühmte Schriftsteller. Das Land, "wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn" (Goethe), ist das Ziel der Sehnsucht für Unzählige, die dann zu diesem Stück Erde mit seinen unverwechselbaren Bewohnern "in unergründliche Liebe fallen" (Lord Byron). Andere wallfahren in die Heimat der römisch-katholischen Kirche, in das Land der Kirchen, Klöster und Heiligtümer, in die Stadt des Papstes, das "Ewige Rom".

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Landschaft

Italien erstreckt sich vom Hauptkamm der Alpen und der südlich anschließenden Poebene über die gesamte Apenninhalbinsel; es umfasst außerdem die Inseln Sizilien und Sardinien sowie einige kleinere Archipele. Der Apennin, der mit seinen bis fast auf 3000 m Höhe ansteigenden Bergen, mit sanften Hügeln, engen Flusstälern, weiten Ebenen und breiten Becken die eigentliche Halbinsel formt, verläuft von Nordwesten nach Südosten. Die Apenninhalbinsel ragt als oft beschriebener "Stiefel" des europäischen Kontinents in das Mittelmeer, im Osten vom Adriatischen, im Westen vom Ligurischen und Tyrrhenischen, im Süden vom Ionischen Meer umspült. Die Küstenlänge beträgt, die Inseln eingeschlossen, rund 8000 km.

Klima
Die Veränderung des Klimas ist von Nordwesten nach Südosten durch den Temperaturanstieg deutlich zu spüren. Nach Norden ist Italien durch die Barriere der Alpen vor den Nordwinden geschützt. In den Alpen herrscht ein mitteleuropäisches Gebirgsklima mit überwiegend Sommerniederschlägen und Temperaturen entsprechend der Höhenlage. Die oberitalienischen Seen bilden in dieser Region wärmebegünstigte Klimainseln. Die Poebene trennt den Alpenraum von der Apenninhalbinsel.

Die heißen Sommer lassen die Nähe des Südens ahnen, während die Winter kalt und feucht sind. Im Apennin überwiegt kontinentales Klima mit ausreichenden Niederschlägen und gemäßigten Temperaturen. Zu den Küsten des Adriatischen und Tyrrhenischen Meeres hin erhöhen sich die Durchschnittstemperaturen. In Süditalien, vor allem in Kalabrien und Apulien sowie auf den Inseln, herrscht das typische mediterrane Klima, das vom Wechsel zwischen heißen, trockenen Sommern und milden, feuchten Wintern bestimmt wird.

Landschaft und Vegetation
Die Pässe und Flusstäler der Alpen gewähren vom nördlichen Europa aus den Zugang nach Italien. Die Vegetation an den oberitalienischen Seen, die in die Berglandschaft des Alpensüdrandes eingebettet sind, vermittelt einen südländischen Eindruck: Zitronen und Orangen, Palmen und Magnolien wachsen an geschützten Stellen. Die vertrauten Blumen des Nordens nehmen eine üppigere Pracht und kräftigere Farben an. Knorrige Olivenbäume glitzern mit silbernen Blättchen, dunkle schlanke Zypressen setzen südliche Akzente. Der Alpenbogen wird im Süden hauptsächlich aus Kalkgestein und Dolomit aufgebaut, die kahle Steilwände oder, wie in den Dolomiten, bizarre Felstürme und Zinnen bilden. Die reißenden Bäche haben starkes Gefalle, die Täler sind eng und karg, so in Piemont, der Lombardei oder im Aostatal, in Südtirol oder im Trientinischen, in Venetien oder Friaul.

Der Charakter der Landschaft wird durch stadtartig enge Siedlungen, die an die Stelle der Dörfer und auseinandergezogenen Gehöfte treten, hervorgehoben.
Die Poebene erscheint auf den ersten Blick eintönig. Doch in dem flachen Land der Lombardei, der Emìlia und Venetiens hat der Mensch die Landschaft verändert, hat Pappeln, Platanen und Maulbeerbäume, Espen, Erlen und Weiden gepflanzt, Dämme gegen das allgegenwärtige Wasser der Alpen- und Apenninflüsse errichtet, doch auch unregulierte Auen gelassen, Entwässerungsgräben gezogen und Reisfelder angelegt. Das Kulturwerk wird gekrönt von drei Städte-Reihen, die in dieser Dichte mit unermesslichem Reichtum an Kunstwerken in Europa nicht ihresgleichen finden. Mailand, Bergamo, Brescia, Verona, Vicenza, Padua und Venedig; Turin, Pavia, Cremona, Mantua und Ferrara; Piacenza, Parma, Mòdena, Bologna und Ravenna.
Wie man nördlich der Poebene immer wieder die Alpen erblickt, wenn nicht gerade im Sommer Dunst oder im Winter dichter Nebel die Sicht verwehrt, so tauchen südlich die Berge des Apennin auf. In Ligurien sind es jene, die der Riviera ihre geschützte Lage sichern, in der Emìlia-Romagna jene, die nach Mittelitalien zum toskanischen Hügelland und in die Marken überleiten. Sie bilden hier ein welliges Mittelgebirge, aus dem sich nur einzelne schroffe Bergmassive erheben.

Die Apenninhänge sind zerklüftet und unwegsam, ein Hinweis auf die geologisch junge Entstehung des Gebirges, das - wie die Alpen - in der Kreide- und Tertiärzeit gefaltet wurde. Beispiele sind die Apuanischen Alpen mit dem berühmten Marmor von Carrara oder die rauhen, abweisenden Abruzzen mit dem fast 3000 m hohen Massiv des Gran Sasso d'Itàlia. Doch die Berge lassen in der Toskana und in Umbrien, in den Marken und in Latium noch genügend Platz für Ebenen und Becken, ausgedehnte Talsenken und Flussniederungen, die bis zu den Meeren reichen.
Unmerklich vollzieht sich der Übergang von Mittel- zu Süditalien. Zu den Zypressen treten Pinien, an die gewohnten Obstplantagen schließen sich Olivenhaine sowie Kulturen mit Orangen und Zitronen, Mandel- und Feigenbäumen an, immer begleitet von der Weinrebe, der bestimmenden Kulturpflanze Italiens. Stets dominiert der Apennin, den weiter nach Süden die Sonne zu kahlen Erhebungen und Bergabbrüchen ausbrennt.
Doch dazwischen gibt es Landschaften von ganz besonderer Prägung: das sumpf reiche Küstenland der Maremmen, die unverkennbaren Hügel der Toskana, die Hochtäler der Abruzzen, die fruchtbare Campagna um Rom, der Golf von Neapel mit dem Vulkankegel des Vesuv und den vielbesuchten Inseln Capri und Ischia, das Vorgebirge des Monte Gargano und die Agrarzonen in Apulien sowie die Küstengebiete der Basilicata und Kalabriens.

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Geschichte

In der Geschichte Italiens kommt dem Römischen Kaiserreich eine herausragende Bedeutung zu. Die römische Zivilisation, die sich vor mehr als 2000 Jahren aus dem Erbe des Hellenismus in Italien ausgebildet hat, prägt bis heute die abendländische Kultur.
Frühe archäologische Funde weisen eine Besiedlung verschiedener Gebiete der Appeninhalbinsel schon in der Altsteinzeit nach. Bereits am Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. gab es Verbindungen zwischen Süditalien und den alten Kulturen des Mittelmeeraums. Eine für die gesamte Mittelmeerwelt entscheidende Veränderung beginnt mit den indogermanischen Wanderungen, die um 1200 v. Chr. einsetzten und in deren Verlauf Italiker, Illyrer und Kelten in Italien eindrangen.
Den ersten großen Herrschaftsverband schufen die vielleicht aus Kleinasien eingewanderten, möglicherweise aber auch in Mittelitalien alteingesessenen Etrusker. Während ihrer meist friedlich verlaufenden Expansion im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. überzogen sie das Gebiet vom nördlichen Appenin bis vor die Tore Neapels mit einem Netz von etruskisch beherrschten Stadtstaaten. Die Kultur der Etrusker hat ihre Herrschaft überdauert und viele Völker beeinflusst, die mit ihnen in Berührung kamen. Unter diesem Einfluss stand auch das um 750 v. Chr. gegründete und zeitweise von einem etruskischen Stadtkönig beherrschte Rom (Gründung am 21. April 753 v. Chr.). Hieran erinnert auch die Sage von Romulus und Remus, den durch die etruskische Wolfsgöttin gesäugten "Gründern" Roms. Funde deuten jedoch darauf hin, dass schon um 1000 v. Chr. Latiner auf den Hügeln von Rom siedelten.
Seit Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. wurden die Etrusker von den Griechen bedroht. Diese gründeten zwischen 750 und 550 v. Chr. von Tarent über Sizilien bis Neapel unabhängige Stadtstaaten, die in loser Verbindung mit ihrer jeweiligen Mutterstadt standen. Zur Abwehr der vorstrebenden Griechen gingen die Etrusker ein Bündnis mit den Karthagern ein, deren Handelsstützpunkte auf Sizilien durch die griechische Kolonisation gefährdet waren. In der Seeschlacht von Cumae (Kyme) fiel 474 v. Chr. die Entscheidung zugunsten der Griechen, die Karthager wurden zurückgedrängt und die Flotte der Etrusker vernichtend geschlagen. Der Verfall der etruskischen Macht wurde damit eingeleitet.

Römisches Reich
Am Anfang des 5. Jahrhunderts v. Chr. wurde die etruskische Fremdherschaft in Rom gestürzt und die römische Republik gegründet. Der Adel stellte mit der Versammlung der patrizischen Familienoberhäupter das höchste Staatsorgan: den Senat. Bei ihm lag das eigentliche Zentrum der politischen Willensbildung, trotz des Rechts der Volksversammlung zum Volksentscheid. An der Spitze des Staates standen zwei jährlich gewählte Konsuln. Mit der Fixierung dieser Verfassung wurde die Grundlage für das römische Recht gelegt.

Colosseum
Colosseum in Rom

Die Patrizier - Ritter aus dem ehemaligen königlichen Heer - schlossen jedoch zunächst auch die Oberschicht der "Plebejer", der bodenständigen bäuerlichen Grundbesitzer, von der Herrschaft aus. Ihre Gleichberechtigung mussten sich die Plebejer in den rund zwei Jahrhunderte währenden Ständekämpfen erst mit Gewalt erzwingen.
In zahlreichen Kriegen unterwarf Rom zwischen 340 und 266 v. Chr. weite Gebiete zwischen dem Nordbogen des Appenin und dem Golf von Tarent. Oft folgte Rom dabei Hilferufen bedrängter Städte. Aus einer Vielzahl von Bündnissen und Verträgen entstand das von Rom entwickelte römische Bundesgenossensystem, das die Vorherrschaft der römischen Herrschaft in Italien sicherte.

Ein Jahrhundert später erstreckte sich das Römische Reich bereits von Spanien über Südfrankreich, Norditalien, die Ostküste der Adria und Griechenland bis nach Kleinasien. Kriegsbeute und Kriegsentschädigungen flossen in riesigem Umfang nach Rom. Die Gewinner der Kriege waren die Adligen, die im entvölkerten Land große Gutsbetriebe errichteten, sowie die Statthalter und Steuereintreiber in den Provinzen, die deren Bevölkerung ausbeuteten. Rom trieb in ein Jahrhundert der Bürgerkriege.
Erst Gaius Julius Cäsar (100-44 v. Chr.), der mit seinem Heer Gallier und Germanen unterwarf, konnte nach der Vereinigung aller Staatsgewalten in einer Hand damit beginnen, die verworrenen Verhältnisse neu zu ordnen. Nach seiner Ermordung konnte sein Großneffe Gaius Octavius (63 v. Chr.-14 n. Chr.) die wieder aufgeflammten inneren Machtkämpfe beenden, die Republik auflösen und als Kaiser Augustus in den 41 Jahren seiner Herrschaft den alten Traum von der Weltherrschaft in einem durch Rom befriedeten Reich verwirklichen. Die Provinzen wurden neu gegliedert und einer geordneten Militärverwaltung unterstellt.
Theodosius I. (347-395) gelang es letztmalig, das Römische Reich unter eine einheitliche Regierungsgewalt zusammenzufasen, indem er das schon weit verbreitete Christentum zur Staatsreligion machte. Das Römische Reich wurde so zum Träger einer Weltreligion und seiner Mission. Die Teilung des Reiches unter seine Söhne brachte 395 die Spaltung in ein Oströmisches (Byzantinisches) und ein Weströmisches Reich. Doch gegen die sich seit dem Jahr 375 mehrenden Germaneneinfälle konnte sich das Weströmische Reich kaum noch wehren. 410 fielen die Westgoten in Rom ein. 476 setzte der germanische Heerführer Odoaker (um 430-493) den letzten römischen Kaiser Romulus Augustulus ab. Das Römische Reich hatte aufgehört zu bestehen.

Der Weg zur Einheit
Von Byzanz unterstützt, gelang es dem Ostgotenkönig Theoderich dem Großen (um 454-526) ab 493, Italien unter seiner Herrschaft noch einmal zu einen. Doch wie viele Reichsgründungen jener Zeit wurde auch Theoderichs Reich bald wieder in die Wanderbewegung der Völker hineingerissen. Nach schweren Kämpfen mit den Streitkräften des oströmischen Kaisers Justinian I. (482-565) wurde Italien 553 oströmische Provinz. Von Norden fielen ab 568 Langobarden ein, drangen bis Unteritalien vor und drängten die byzantinische Herrschaft zurück.

Die Spanische Treppe in Rom
Die Spanische Treppe in Rom

Mit der Teilung des Landes in ein langobardisches und ein byzantinisches Herrschaftsgebiet begann eine Zeit, in der Italien nur noch ein geographischer Begriff war. Es entstanden viele politische Einheiten mit unterschiedlicher Verfassung.
Da sich das Papsttum in Rom, das sich von Byzanz gelöst hatte, von den Langobarden bedroht fühlte, übertrug Papst Stephan II. dem Karolingerkönig Pippin (um 715-768) die Würde des Schutzherren über Rom. Dieser drängte die Langobarden zurück und sicherte dem Papsttum durch die "Pippinische Schenkung" den Besitz von Rom, Ravenna und Perùgia, woraus der spätere Kirchenstaat hervorging. Sein Sohn Karl der Große (748-814) eroberte das norditalienische Langobardenreich, vereinigte es mit dem Frankenreich und ließ sich 800 von Papst Leo III. zum römischen Kaiser krönen. Nach dem Zerfall des Karolingerreichs übernahm der deutsche König Otto I. (912-973) die Herrschaft in Oberitalien. Das Schutzverhältnis zwischen Kaiser und Papst verwandelte sich jedoch in ein Konkurrenzverhältnis. Die Päpste strebten selbst nach weltlicher Macht in einem Kirchenstaat und lösten sich im Investiturstreit (1075-1122) von der deutschen Vorherrschaft. Auch die oberitalienischen Städte wie Florenz, Genua, Mailand und Venedig nutzten ihre wirtschaftliche und politische Macht zur Gründung unabhängiger Stadtstaaten.
In den byzantinischen Gebieten Süditaliens und Siziliens übernahmen die Normannen im Laufe des 11. Jahrhunderts die Gewalt. Die verschiedenen normannischen Fürstentümer wurden 1130 von König Roger II. (1095-1154) zum sogenannten Reichsitalien geeint und durch den Papst legitimiert.
Unter dem Stauferkönig Friedrich II. (1194-1250) fiel zum ersten Mal seit dem Untergang des Weströmischen Reichs fast ganz Italien in eine Hand. Sein Vorhaben, Italien zu einem zentralistisch geführten Staat zu einen, ließ erneut den Konflikt zwischen Kaiser und Papst aufflammen. Obwohl ein Teil der oberitalienischen Städte durchaus kaiserlich gesinnt war (Ghibellinen), scheiterten diese Pläne an dem Widerstand des Lombardischen Städtebunds (Guelfen) und dem Papst.
Die italienischen Stadtstaaten, die durch den Handel zwischen Europa und Byzanz reich und mächtig wurden, übernahmen vom 14. bis in das frühe 17. Jahrhundert auch die kulturelle Führung Europas. Humanismus und Renaissance öffneten die Augen für eine neue Sicht der Antike. Künstler mit universaler Begabung revolutionierten Techniken und die Formenwelt der Baukunst, der Bildhauerei und der Malerei.
Die naturwissenschaftlichen Entdeckungen, zumal die Forschungen Galileo Galileis (1564-1642), sprengten das mittelalterliche Weltbild.
Mit der Entdeckung der Neuen Welt verloren die norditalienischen Städte ihre wirtschaftliche Schlüsselstellung. Das aufsteigende Frankreich entwickelte sich zur politischen und kulturellen Führungsmacht Europas.

Nationalstaat
Bis zum Einmarsch Napoleons I. (1769-1821) im Jahre 1797 bewegten sich der Kirchenstaat und die teils mit Österreich, teils mit Spanien verbundenen italienischen Fürstentümer auf den Bahnen der europäischen Staatenwelt.
1805 schuf Napoleon das Königreich Italien. Nach dem Zusammenbruch seiner Herrschaft wurde zwar die alte, von Österreich dominierte Staatenordnung wiederhergestellt. Wie unter anderen europäischen Völkern verbreitete sich aber auch unter den Italienern die Idee der Freiheit und Unabhängigkeit in einem geeinten Nationalstaat. Die 1848 in Italien ausgebrochene Revolution wurde von den konservativen Mächten Österreichs, Frankreichs und des Kirchenstaats noch einmal niedergeschlagen.
In den folgenden dreizehn Jahren konnten indes das Königreich Sardinien, dessen Ministerpräsident Camillo Cavour (1810-1861) eine geschickte Bündnispolitik betrieb, und die von Guiseppe Garibaldi (1807-1882) geführten Freischaren die Einheit erkämpfen. 1870 besetzten italienische Truppen auch das Restgebiet des Kirchenstaates. Rom wurde somit wieder Hauptstadt (Italien 1870 - 1914).
Im Gegensatz zu den liberalen Ideen der Unabhängigkeitsbewegung, des "Risorgimento", entwickelte sich im neuen Königreich Italien eine starke nationalistisch-imperialistische Bewegung. Sie wurde zum Träger des Wunsches nach Kolonialbesitz in Nordafrika und Abessinien. Die am Ende des Ersten Weltkriegs erhobenen und nur teilweise erfüllten Gebietsforderungen führten zu einer Dauerkrise des Staates, aus der die faschistische Bewegung des Benito Mussolini (1883-1945) erwuchs. Durch den "Marsch auf Rom" (1922) wurde er unter Beibehaltung der Monarchie Führer eines totalitären Staates, der seine Nachahmer in anderen Ländern Europas fand. Mit Deutschland verbündet, trat Italien 1940 in den Zweiten Weltkrieg ein. Der sich abzeichnende Sieg der Alliierten beschleunigte den Sturz des Diktators.

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Die Menschen

Im Jahr der staatlichen Einigung 1870 zählte Italien innerhalb der nationalen Grenzen 28 Millionen Einwohner. Seither hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Heute ist es, verglichen mit anderen südeuropäischen Ländern, verhältnismäßig dicht besiedelt. Dabei sind regionale Unterschiede in Bevölkerungsverteilung und -zuwachs deutlich sichtbar.
Die Küstenebenen sind im allgemeinen dichter besiedelt als die Bergregionen im Landesinneren. Der industrialisierte Norden weist trotz sinkender Geburtenrate eine hohe Bevölkerungsdichte auf, während sich im dünnbesiedelten Süditalien die Geburtenrate nicht nennenswert verändert hat. Die Zeit der massenhaften Binnenwanderungen von Süd nach Nord im Gefolge der wirtschaftlichen Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg ist zwar vorbei, doch noch immer übt der Norden mit seinen bedeutenden Wirtschaftszentren und Metropolen eine große Anziehungskraft gerade auf die jungen, arbeitssuchenden Menschen aus dem Mezzogiorno aus.

Die regionalen Unterschiede
Die Italiener sind ein Volk, das im Laufe der Geschichte aus den ursprünglichen Bewohnern der Apenninhalbinsel und zugewanderten Stämmen zusammengewachsen ist, aber durch die erst rund einhundert Jahre bestehende staatliche Zusammengehörigkeit seine typischen regionalen Charakteristika hat bewahren können. Besonders deutlich werden die ethnischen Unterschiede in Süditalien und auf Sizilien, wo die Normannen und Araber ihre Spuren hinterlassen haben. In Kalabrien leben griechische und albanische Minderheiten. Nahe der slowenischen Grenze ist das slawische Element erkennbar, in Südtirol lebt eine große deutschsprachige Bevölkerungsgruppe.
Vergleichbare Unterschiede gibt es auch in der Sprache.

Italienisch gehört zu den romanischen Sprachen und ist offizielle Staatssprache. Daneben gibt es mehr als tausend Dialekte, die je nach Region deutsche, französische, spanische oder arabische Elemente aufweisen. Amtssprachen für anerkannte Minderheiten sind Französisch im Aostatal, Deutsch in Südtirol und Slowenisch in Friaul-Julisch-Venetien.
Auch wenn so manche Eigenart verlorengegangen ist, sind zahlreiche tiefgreifende Unterschiede erhalten geblieben. Da wird die Grenze zwischen Nord und Süd gezogen, da wollen Mailänder anders sein als Römer. Piemontesen und Lombarden, Toskaner und Umbrier, Kalabrier, Sizilianer und Sarden legen Wert auf ihre eigene Identität, ihre Traditionen, Heiligenfeste und Sprache, die lokale Küche und die Weine. Dann werden diese Regionalisten sogleich zu eigenwilligen Städtern, zu Bergamasken und Turinern, Florentinern oder Neapolitanern. Selbst die Bewohner kleinerer Orte wissen bestimmte Besonderheiten ihrer Heimat hervorzuheben.

Die urbane Kultur
In den Städten Italiens hat sich, im Schatten des Campanile, des Glockenturms, eine ausgeprägte urbane Kultur entwickelt. Nicht die Gemeinschaft des Dorfes, dessen Lebensbedingungen sich überall ähneln, sondern die Stadtgemeinde stand im Mittelpunkt. Bis heute ist dafür die Piazza, der Hauptplatz eines Städtchens, die bevorzugte Bühne des bürgerlichen Lebens, an der Kirche und Rathaus als prächtige Kulisse stehen. Jung und Alt treffen sich dort, reden unendlich lang über schier unerschöpfliche Themen. Distinguierte Herren und elegante Damen eilen geschäftig über die Piazza, selbst wenn sie nicht auf ihrem Weg liegt. Hier spielt sich das wirkliche Leben ab.

Die kirchlichen Gemeinden erstarkten religiös und zivil unter der Leitung des Bischofs in der Stadt. Für Jahrhunderte waren in Italien Katholizismus, Kirche und urbane Kultur eins, vollzog sich das Leben in den Traditionen, Festen und Feiern des Glaubens. Noch heute sind dessen Formen allgegenwärtig, selbst wenn sein Inhalt für die Gesellschaft nicht mehr allgemein verbindlich und der Katholizismus auch offiziell nicht mehr Staatsreligion ist. Schienen Papst und Kirche lange Zeit in Italien allmächtig zu sein, so bildete sich doch immer eine Opposition. Ein Gegensatz zur Kirche blieb erhalten, auch als der Papst seinen Staat und die Kirche ihre allesdurchdringende Macht verloren hatte. Er wird von den laizistischen Liberalen des italienischen Bürgertums und den Anhängern der Kommunistischen Partei gebildet. Da werden Scharmützel ausgetragen, wie zwischen Don Camillo und Peppone, dem katholischen Pfarrer und dem kommunistischen Parteifunktionär in den bekannten Romanen von Giovannino Guareschi.

Hinter der städtischen Kultur Italiens tritt das ländliche Leben zurück, doch vielleicht nur scheinbar. In Wahrheit hat jeder Italiener einen Stützpunkt "auf dem Land", dort, wo die wirklichen oder vermeintlichen Ursprünge der Familie liegen, wo man noch aufrichtige Freundschaft und Erholung von dem alltäglichen Kampf in der Stadt findet, wo Essen und Trinken noch eine menschenverbindende Handlung sind, der Wein rein, Obst und Gemüse unverdorben sind, das Brot und die Pasta von der eigenen Hand zubereitet werden. Auf diese, wenn auch nur eingebildete, romantische Idylle mag man nicht verzichten.

Der Staat

Unruhen und Krisen scheinen Staat, Gesellschaft und Politik in Italien zu kennzeichnen. Zwischen 1945 und 2000 haben 58 Kabinette einander abgewechselt. Streit gibt es nicht nur zwischen Regierung und Opposition, sondern ebenso zwischen den verschiedenen Parteien der jeweiligen Koalition.
Der Staat hat stets mit mannigfachen Schwierigkeiten zu kämpfen: mit einer hohen Verschuldung der öffentlichen Hand, mit Inflation und einer chronisch schwachen Währung (bis 31.12.2001 die Italienische Lira; seit 1.1.2002 EURO: 1 € = 1936,27 ₤), mit einer mäßigen Verwaltung und unzulänglichen öffentlichen Diensten, mit Streiks und Skandalen, mit Terrorismus und dem organisierten Verbrechertum der Mafia und besonders mit den gravierenden wirtschaftlichen Unterschieden zwischen Nord und Süd.
Dennoch herrschten zugleich Kontinuität und Stabilität. Seit Kriegsende wurden die Regierungen häufig von der Christlich Demokratischen Partei (DC) geführt. Auch wenn sie nicht immer den Ministerpräsidenten stellte, wurde die "Democrazia Cristiana" bis 1992 immer als stärkste Partei von den Wählern bestätigt. Der zweitstärksten politischen Partei Italiens, der "Partito Comunista", der mächtigsten kommunistischen Partei in der westlichen Welt, gelang es bis dahin nicht, sich den Wählern als Alternative zu präsentieren. 1993 kam es zu einem Umbruch in der Parteienlandschaft. Die DC, deren Ansehen in der Öffentlichkeit rapide abgenommen hatte, zerfiel in mehrere Nachfolgeorganisationen. Neue Gruppierungen wie Forza Italia unter der Führung des Medienmagnaten Silvio Berlusconi (* 1936) betraten die politische Bühne. Die Bevölkerung sprach sich in einem Referendum für politische Reformen aus. Das war ein Zeichen dafür, dass sich das politische Klima verschlechtert hatte. Die Wirtschaftsentwicklung wurde durch die hohe Staatsverschuldung blockiert. Mordanschläge der Mafia bewiesen Defizite im Bereich der inneren Sicherheit.
Die Grundausrichtungen der Republik Italien blieben trotz der innenpolitischen Turbulenzen konstant: ihr freiheitlich demokratischer Charakter, der Platz in der Europäischen Union, die Einbindung in die NATO und eine leistungsfähige soziale Marktwirtschaft.

Staatsoberhaupt ist der Präsident der Republik, der für sieben Jahre gewählt wird. Die 325 Senatoren und 630 Abgeordneten werden alle fünf Jahre gleichzeitig in geheimen Wahlen bestimmt, wenn nicht vorgezogene Neuwahlen notwendig werden. Der Ministerpräsident legt die allgemeinen Richtlinien der Regierungspolitik fest, während die Minister jeweils für ihr Ressort verantwortlich sind. Die Regierung wird, wie in einer Demokratie üblich, vom Vertrauen des Parlaments getragen, dem die Gesetzgebung obliegt. Eine unabhängige Justiz gewährleistet die Gewaltentrennung.

Nach den Wahlen von 1996 wurde Romano Prodi (* 1939) Ministerpräsident. Er stand an der Spitze des Mitte-Links-Bündnisses L'Ulivo. Von der 1991 gegründeten "Partito Democratico della Sinistra" (PDS; bestehend aus den Mitte-Links-Bündnissen L'Ulivo und L'Unione, sowie Kommunisten) spaltete sich 1998 der Teil der fundamentalistischen Kommunisten ab und gründete ihrerseits die Partei "Partito della Rifondazione Comunista". 1998 entstanden die "Democratici di Sinistra" (DS) als Zusammenschluss der PDS mit einigen kleineren Linksgruppen, wie den Christsozialen, der Arbeiterpartei und den Vereinigten Kommunisten. Prodi wurde im Oktober 1998 von seinem Parteifreund Massimo d'Alema im Amt des Ministerpräsidenten abgelöst. Seit April 2000 war Giuliano Amato Chef einer Mitte-Links-Regierung.

Bei den Parlamentswahlen im Mai 2001 gewann das von Silvio Berlusconi geführte Mitte-Rechts-Bündnis, in dem die Forza Italia die stärkste Gruppierung ist, in beiden Kammern des Parlamentes die absolute Mehrheit.

»[...] Nach dem Beschluss des IV. Parteikongresses (19.-21. April 2007) gingen die DS mit der christdemokratischen Partei La Margherita und anderen Gruppierungen des Mitte-Links-Lagers am 14. Oktober 2007 in der neu geschaffenen Demokratischen Partei ("Partito Democratico") auf. [...]«
Zitat: de.wikipedia.org, Democratici di Sinistra

Im Mai 2006 wurde Romano Prodi erneut Regierungschef. Seit dem 8. Mai 2008 ist Berlusconi (nach 1994 und 2001) zum dritten Mal Ministerpräsident (Mitte-Rechts-Bündnis aus Popolo della Libertà, Lega Nord und Movimento per l’Autonomia).

»[...] Auf einem Gründungskongress in Rom (27.-29.3.2009) transformierte sich das bisherige Wahlbündnis Popolo della Libertà (Volk der Freiheit) zur gleichnamigen Partei. Neben den beiden Regierungsparteien, Berlusconis konservativer Forza Italia (FI) und der postfaschistischen Alleanza Nazionale (AN), die sich zu diesem Zweck am 22.3. aufgelöst hatte, gingen auch mehrere Kleinparteien in der neuen Sammelpartei auf. Die rd. 6000 Delegierten wählten den bisherigen FI-Chef Silvio Berlusconi zum Parteivorsitzenden. Berlusconi qualifizierte die Entstehung der neuen "Partei aller Italiener" als "bürgerliche Revolution, volksnah und moderat". Sie werde die institutionelle Architektur des Staates moderniseren, er wolle "ein Führer sein, der sein Volk zusammenruft".[...]«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten , S. 280 ff.

Gesellschaft und politisches Leben
Das politische Leben Italiens wird neben den Parteien zudem von den einflußreichen gesellschaftlichen Kräften bestimmt. Zu den mächtigsten Interessenvertretern gehören die katholische Kirche, die vielen Verbände sowie die Gewerkschaften, die ihre eigene Dynamik entwickelten und oft Regierungen und Unternehmern sowie häufig auch der Bevölkerung mit Streiks das Leben schwer machen.
Die italienische Gesellschaft zeigt sich in sehr unterschiedlichen Gruppierungen und Schichten, doch stets in erstaunlicher Vitalität. Einerseits stoßen sich die Bürger an dem schlechten Zustand der öffentlichen Einrichtungen und Dienste. Zum anderen können sich die Italiener auf vielen Gebieten frei entfalten; ihre Leistungen in Wirtschaft und Kultur zeugen davon.

»[...]
Erdbebenkatastrophe: Bei einem Erdbeben von der Stärke 5,8 in den Abruzzen am 6.4.2009 kamen mindestens 289 Menschen ums Leben, 55.000 wurden obdachlos. Große Teile der Regionalhauptstadt L'Aquila wurden zerstört, was auch der systematischen Missachtung von Baunormen angelastet wurde. Das Kabinett verabschiedete am 22.4. ein Dekret über Wiederaufbauhilfen in Höhe von rd. 8,5 Mrd. € [...]
Wirtschaftliche Entwicklung:
Der italienische Finanzmarkt war von der weltweiten Krise (internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007, Anm. d.Verf.) weniger betroffen als die meisten anderen Staaten in Europa. Dennoch geriet die stark exportabhängige Wirtschaft im Herbst 2008 in eine tiefe Rezession. [...] Die EU-Kommission ging in ihrer Frühjahrsprognose für 2009 davon aus, dass das BIP um 4,4% schrumpfen und sich die Arbeitslosenquote um zwei Prozentpunkte auf 8,8% erhöhen werde. Bedingt durch die Konjunkturmaßnahmen werde das Haushaltsdefizit von 2,7 auf 4,5% des BIP ansteigen, die Staatsverschuldung von 105,8 auf 113% des BIP. [...]«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 280 ff.

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Sizilien und Sardinien

Sizilien
Wer vom "Kontinent" die Straße von Messina überquert, die an ihrer schmälsten Stelle knapp drei Kilometer misst, betritt eine andere Welt. Gemeint ist Sizilien, die größte und volkreichste Insel des Mittelmeers, gelegen zwischen der Apenninhalbinsel und dem afrikanischen Kontinent. Sie gehört zu Italien, doch sie erweitert das Italienische um geschichtliche Spannungen, fremde Kulturen und eine beinahe irreale Lebenseinstellung.
Griechen und Karthager, Germanen und Byzantiner, Araber und Normannen, französische Anjou und deutsche Staufer, Spanier von Aragon und Österreicher aus Wien stritten um ihren Besitz. Die Sizilianer fügten sich scheinbar ohne Widerstand den Eroberern und bewahrten doch ihre Eigenart, jene traurige Melancholie, deren Weisheit über die vergänglichen Dinge des Lebens erhaben scheint. Sie sind auch daran gewöhnt, dass alle Welt ihren Namen mit der Mafia in Verbindung bringt, einem organisierten Verbrechertum besonderer Art, das einst Schutzfunktionen wahrnahm. Feudale Strukturen haben hier länger gehalten als im übrigen Italien, die Landreformen der 1950er Jahre konnten das System von Großgrundbesitz und Kleinpächtern nicht gänzlich aufbrechen, und die Industrieansiedlungen konnten nicht die alte Mentalität überwinden.
Im Mittelalter war Sizilien der modernste Beamtenstaat Europas, heute hat es mit der Durchsetzung offener Gesellschaftsformen, die eine Kontrolle über Macht und Reichtum erlauben und jedem Bürger ein Leben in Sicherheit und Wohlstand ermöglichen, viel Mühe.
Der Reisende wird zunächst davon nur wenig merken, auch wenn Armut und Unterentwicklung im Vergleich zu Norditalien und Mitteleuropa nicht zu übersehen sind. Man wird zuerst fasziniert sein von der wilden Naturschönheit der Insel sowie jener der umliegenden kleineren Inseln, von dem Zusammenspiel zwischen Land und Meer an der Küste, von dem noch tätigen Vulkan, dem 3340 m hohen Ätna, von den fruchtbaren Küstenebenen, von den kargen Bergen im Inneren der Insel, von der trockenen Gluthitze des Sommers und der feuchten Milde im Winter.
Zur Schönheit der Landschaft gesellt sich die der Kunst. Bei einer Rundfahrt durch die autonome Region Sizilien mit den neun Provinzen findet man in der zuweilen bedrückenden Gegenwart grandiose Denkmäler einer kulturreichen Vergangenheit. In der Hauptstadt Palermo stößt man auf die Spuren der Araber und Normannen, in den Tempeln von Segesta, Selinunt, Agrigento und Syrakus auf die der Griechen und Römer. In der Provinz Ragusa im Südosten entdeckt man einen strahlenden Barock und in Taormina Bauwerke der Antike in einer unvergleichlichen Umgebung am Fuß des Ätna. Piazza Armerina mit der römischen Villa, Tindari mit dem Theater über dem Meer, Cefalù mit dem erhabenen Dom, die schwarze, aus Vulkangestein erbaute Stadt Catània im Osten oder die weißen, von Kalk getünchten Städte Tràpani und Marsala im Westen bleiben unvergesslich.

Sardinien
Mit einer Fläche von rund 24.000 km² ist Sardinien die zweitgrößte Insel des Mittelmeers. Von der im Norden liegenden, zu Frankreich gehörenden Insel Korsika wird sie durch die Straße von Bonifacio getrennt. Vom italienischen "Kontinent", wie die Sarden Italien nennen, trennt sie das Tyrrhenische Meer.
Sardinien ist ein Teil Italiens, eine autonome Region. Es ist eine Insel voller Geheimnisse und widersprüchlicher Fremdheit. Man gerät unversehens wenige Kilometer von der Küste entfernt in unzugängliches Bergland, wo nur die Gesetze der Natur und das Recht des Stärkeren zu gelten scheinen. Man wird versöhnt durch den Anblick von Schafherden und silbernen Ölbäumen, wird durch die Nuragen, jene kegeligen Steinbauten und Wahrzeichen der Insel, zurückversetzt in eine über 3000 Jahre zurückliegende Zeit und sieht Korkeichen mit nackten, braunen Stämmen in sonnengelben Feldern. Nicht weniger typisch ist das türkis und kristallklar funkelnde Wasser und der goldene Sand der Strände. An der Costa Smeralda, der Smaragdküste, im Nordosten hat sich ein ausgedehntes Touristengebiet entwickelt. Der Wohlstand dort steht im Kontrast zu der nicht selten anzutreffenden Armut und Schlichtheit der Insulaner.
So vielfältig wie die Landschaft ist auch die Bevölkerung der Insel. Die Sarden vereinen verschiedenste Rassen, Charaktere und Sprachen. Es gibt allein drei sich völlig voneinander unterscheidende Hauptsprachen auf der Insel. Sie sind ein Kaleidoskop der zahlreichen Kulturen, die mit den Eroberern auf die Insel gekommen sind. Die fremden Herrscher hinterließen eindrucksvolle Kirchen, Burgen und Türme; aus der Jahrtausende währenden Unterdrückung rührt aber auch eine unverkennbare Egozentrik der Sarden. Dunkle Augen in verschlossenen Gesichtern schauen jeden Fremden prüfend an, skeptische Zurückhaltung oder Gastfreundschaft im Blick.
Die Bevölkerung lebt noch weitgehend von der Landwirtschaft, dem Anbau von Getreide und Wein, Oliven und Obst, Gemüse und Tabak. Im Bergland werden Schafe und Ziegen gehalten. Die Sarden gelten als Experten für Viehzucht. Seit langem versucht man, auch Industrie auf Sardinien anzusiedeln, metallverarbeitende Fabriken und Chemiewerke, mit unterschiedlichem Erfolg. Der Tourismus hat zweifellos als Wirtschaftszweig seine Bedeutung, auch wenn seine Auswirkungen bei den Sarden nicht unumstritten sind.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.669 f.

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