Die Kurden in Irak
Der Irak war der erste Staat mit einer beträchtlichen
kurdischen Minderheit, der in einem Verfassungsdokument 1958 die nationalen
Rechte der kurdischen Bevölkerung anerkannte: Dieser Nation gehören Araber und
Kurden an, die Verfassung garantiert ihre nationalen Rechte im Rahmen des
irakischen Gemeinwesens. Diese Rechte standen jedoch nur auf dem Papier. 1970
kam es mit den 1968 an die Macht gekommenen sozialistischen Baathisten zu einem
Abkommen, das eine Autonomie nach einer Übergangszeit von vier Jahren vorsah.
Umgesetzt wurde es nicht. Gegen die Kurden wurde eine Politik der Umsiedlung und
Vertreibung, der Bombardements und Arabisierung durchgeführt, die
Widerstandskämpfe und eine Massenflucht von Kurden in den Iran zur Folge hatte.
In den 80er Jahren wurde ein beispielloser Vernichtungsfeldzug gegen die Kurden
geführt. Am 16. März 1988 wurde die kurdische Stadt Halabja
mit Giftgas bombardiert. Mehr als 5000 Frauen und Kinder starben damals qualvoll
an den Folgen des Giftgases. Tausende erduldeten unter dem Baathregime des
Präsidenten Saddam Hussein Folter, Hunger, Gefangenschaft, Deportation und
Massenbegräbnisse bei lebendigem Leibe. Insgesamt wurden 4500 Dörfer, rund 90
Prozent der ländlichen Region, völlig zerstört und dem Volk damit die materielle
und kulturell-soziale Lebensgrundlage geraubt. Nach der Befreiung durch die
Allierten des Golfkrieges wurde für Irakisch Kurdistan durch die UNO-Resolution
688 eine Schutzzone nördlich des 36. Breitengrades eingerichtet. Sie soll die
Menschen vor den Überfällen des irakischen Präsidenten Saddam Hussein schützen.
Bis heute existiert die Schutzzone, die alle sechs Monate
erneut bestätigt werden muß, weiter. Sie bietet die einzige Chance für die dort
lebenden Kurden, ihre Dörfer und Äcker wieder nutzbar zu machen, eine eigene
Verwaltung aufzubauen. Im Mai 1992 konnten unter dem Schutz der Alliierten in
Irakisch-Kurdistan die ersten freien Wahlen stattfinden. Die beiden großen
Parteien, der Wahlsieger Demokratische Partei Kurdistans KDP und die
Patriotische Union Kurdistans PUK, einigten sich auf ein Patt (50:50), die KDP
trat außerdem Sitze an die Kommunisten, die Assyrer und die Ismalisten ab.
Gegenseitige Vorwürfe führten dann im Dezember 1993 zum Zerwürfnis zwischen KDP
und PUK, das in der Besetzung des Parlaments durch Peshmargas der PUK gipfelte.
Dies führte zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, die im Frühjahr 1994
eskalierten und zu einer Zweiteilung des Nordirak führten (Nordwesten: KDP,
Südosten: PUK). Im Sommer 1995 meldete auch die PKK Ansprüche im Nordirak an;
sie stellte sich an die Seite der PUK und gegen die KDP. Nach einem
Waffenstillstand (und auf Druck der USA) unterzeichneten die beiden Parteien
1998 einen Friedensvertrag.
Breite Teile der irakischen Kurden unterstützen den im März 2003 begonnenen Irak-Krieg der USA mit ihren Verbündeten in der Hoffnung, dass mit der Vernichtung des Systems Saddam Husseins die eigene Situation im Lande gefestigt und gesichert würde. Allerdings besteht ebenfalls ein großes Misstrauen, da auch davon ausgegangen wird, dass weniger Interesse an den Kurden als vielmehr an den in der Region vorhandenen Ölvorräte besteht.
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