Stadtrundfahrt durch Berlin im Jahr 1999




Ich begrüße Sie ganz herzlich zu unserer Stadtrundfahrt durch Berlin. Unsere Tour wird etwa dreieinhalb Stunden dauern und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt abdecken. Wir beginnen die Stadtrundfahrt im Herzen der früheren West-Berliner City am Kurfürstendamm etwa in der Höhe Meinecke Straße. Unser östlichster Punkt wird der "Alexander Platz" im Bezirk Mitte und unser westlichster das "Olympia-Stadion" im Bezirk Charlottenburg sein. Der nördlichste Punkt wird die "Neue Synagoge" im Bezirk Mitte und der südlichste der "Flughafen Tempelhof" im Bezirk Tempelhof sein...

Berlin Stadtplan



Weitere Informationen zu Berlin erhalten Sie auf unserer Seite Berlin.

Mein Fotoalbum: Festival of Lights -- 28 Fotos vom Event im Oktober 2005

 Seite 3 


  • KreuzbergWir biegen in die Großbeerenstraße ein - der Bezirk Kreuzberg mit seiner natürlichen 66 Meter hohen Erhebung. „Kreuzberg“ ist der kleinste und gleichzeitig mit 160.000 Einwohnern am dichtesten bewohnte Bezirk Berlins. Ehemals Arbeiterbezirk. Dann zunehmend von Künstlern, Studenten, Alternativen bewohnt. Wir erreichen die Kreuzbergstraße. Vor uns der 1894 angelegte Viktoriapark (nach Plänen von Mechting; erster öffentlicher Park im Arbeiterbezirk). Auf dem "Gipfel" des Kreuzberg das 1821 errichtete Nationaldenkmal (Sieg gegen Napoleon) mit Eisenkreuz (entworfen von Karl Friedrich Schinkel), das dem Berg seinen Namen gab.


  • Über Kreuzbergstraße rechts in den Mehringdamm zum Luftbrückendenkmal und Flughafen Tempelhof - Der Flughafen Tempelhof erhielt während der Berlin-Blockade zwischen Juni 1948 und Mai 1949 seine bis heute herausragende Bedeutung. Aufgrund der Währungsreform in der neugegründeten BRD sperrten die Sowjets alle Zufahrtmöglichkeiten im Westteil der Stadt, und sie drehten der Stadt allmählich den Strom ab. Das giagantische Unternehmen „Luftbrücke“, organisiert vom Stadtkommandanten Clay und dem Berliner Bürgermeister Ernst Reuter („Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“), beförderte mit ihren „Rosinenbombern“ (Süßigkeiten für die Kinder) 2,3 Millionen Tonnen Güter, u.a. auch ein komplett zerlegtes Kraftwerk. Flughafen TempelhofDie drei Haken des Luftbrückendenkmals weisen auf die drei Luftkorridore von Berlin in den Westen Deutschlands - Hamburg, Stuttgart, Frankfurt - hin. Eine Erinnerungstafel erinnert an die 78 Opfer der Luftbrücke.

    Der Flughafen Tempelhof, gleich hinter dem Luftbrückendenkmal, blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. nutzte das Feld am Südrand des heutigen Kreuzberges und damaligen Tempelhofer Berges erstmals als Parade- und Exerzierplatz. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts fanden hier riesige Paraden im Frühjahr und LuftbrückendenkmalHerbst statt. In der Zeit vor 1900 auch öffentliches Sportgelände. 1908 testeten auf diesem Gelände die Brüder Wright ihr erstes Motorflugzeug. 1924 eröffnete auf dem östlichen Teil des Tempelhofer Feldes der Zentralflughafen. 1926 wurde die Lufthansa gegründet. 1937 wurde der Flughafen nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel (Reichsluftfahrtministerium) zum größten Flughafen des Kontinents und zweitgrößten Gebäudekomplex der Welt (nach dem Pentagon DC) ausgebaut. Riesige Räume befinden sich unter der Erde. Über dem Haupteingang thronte ein überdimensionierter Nazi-Adler mit der Weltkugel in seinen Krallen. Die amerikanischen Besatzer schafften diese Trophäe 1961 in ein Armeemuseum in die USA. Mitte der achtziger Jahre tauchte dann ein Teil dieses Symbols nationalsozialistischen Größenwahns wieder auf. Der Kopf des Adlers wurde zum Symbol amerikanisch-deutscher Freundschaft. Der Flughafen wurde erst kurz nach dem Krieg vollständig fertiggestellt. Er diente der US-Army als unverzichtbare Nachschubbasis. Seit einigen Jahren verkehren hier wieder kleinere Propellerflugzeuge für die kürzeren und schwächer frequentierten Flugstrecken. Im Oktober 2008 wurde der gesamte Flughafenbetrieb für immer eingestellt.
    Ab dem Jahr 2013 beginnt die Umwandlung des riesigen Flugfeldes in eine attraktive Parklandschaft, die verschiedensten Nutzerbedürfnissen von Sport (u.a. ein 60 m hoher Kletterfelsen) und Unterhaltung bis Entspannung gerecht werden will. Im Jahr 2017 soll dann hier die Internationale Gartenausstellung (IGA) stattfinden.


  • Kraftverkehrsamt
  • Vom Columbiadamm biegen wir links in die Friesenstraße ein. Auf der rechten Seiten fällt uns sofort der große rote Backsteingebäudekomplex auf. Hierbei handelt es sich um einen typischen Kasernenbau des späten 19. Jahrhunderts. Das Königin-Augusta-Garde-Grenadier-Regiment No. 4 und das Garde-Kürassier-Regiment waren hier stationiert. Heute hat sich dort die Polizeidirektion 5 etabliert. Auch das zentrale Kraftverkehsamt, wo jeder Berliner sein Auto anmelden muss, befindet sich auf diesem Gelände.


  • Im Gebiet der Friesenstraße fanden in den 70er und 80er Jahren die Hausbesetzungen statt. Zum Teil mit Erfolg wurden die stuckverzierten Häuser der Jahrhundertwende unter Denkmalschutz gestellt. Die Gegend diente als Kulisse berühmter Filme wie „Cabaret“ mit Liza Minelli, „Das Schlangenei“ und Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“.


  • Marheinicke MarkthalleAn der Bergmannstraße stoßen wir auf die Marheineke-Halle. Von den alten Markthallen gibt es nur noch drei. Nur noch der Eingangsbereich zur Zossenerstraße hin ist in der ursprünglichen Gestalt erhalten geblieben. Die 1891-92 gebaute Halle wurde 1945 zerstört und 1952-53 neu aufgebaut. An ihren Außenwänden sind altbekannte Berliner Originale zu sehen: Der Leierkastenmann - ein ständiger Gast in den Höfen der Mietskasernen (vor hundert Jahren mussten Steuern nur für die Vorderhäuser gezahlt werden. So kam es, dass soweit wie möglich nach hinten gebaut wurde - oft mit bis zu zehn Hinterhöfen; in den Seiten- und Quergebäuden wohnten die Leute meist nur in Küche und Stube. Es gab kein Bad, und die Gemeinschafts-Toilette befand sich im Treppenhaus. 1871 wohnten etwa 160.000 Menschen mit fünf Chamissoplatzbis sechs und mehr Personen pro Zimmer - Küchen eingerechnet -, 1910 immer noch etwa 140.000 = 7% der Berliner Bevölkerung; die Wohnung diente vielen auch noch als Arbeitsplatz; oft wurden auch noch junge „Schlafburschen“ gegen Bezahlung aufgenommen; der enge Kontakt der vielen Menschen zueinander ließen die „Schwindsucht“, TBC, zur Massenkrankheit der armen Schichten Berlins werden. Eine solche Zusammenballung von Häusern und Menschen verhalf vielen Spekulanten zu einem Millionenvermögen. Der Schöpfer dieses Bebauungsplanes war James Hobrecht - „soziale Durchmischung verschiedener Gesellschaftsschichten“); die Harfenjule - die Sängerin mit der Harfe in Straßen und Kneipen des südlichen Berlin; der Wurstmaxe; der eiserne Gustav - der bekannteste Kutscher der Stadt und Kämpfer gegen die Motorisierung der Droschken; der Scherenschleifer und der Kohlenträger, Bergmannstrasseder auch heute noch mit seinen Brikettkästen die Mieter in den Altbauten beliefert. Heute ist die Markthalle ein lebendiger Ort. Es geht laut, offen, direkt, herzlich zu. Hier kreuzbergern sie auf türkisch, arabisch, deutsch und griechisch, handeln und feilschen miteinander.


  • Etwa einen Kilometer entfernt liegen die Friedhöfe vor dem Halleschen Tor - Am Mehringdamm, gegenüber der ehemaligen Dragonerkaserne, liegt der Eingang zum Jerusalemer Kirchhof. An ihn schließen sich die Friedhöfe der Neuen und der Dreifaltigkeitsgemeinde an. Die Baruther, Zossener und Blücherstraße begrenzen die im 18. Jahrhundert vor dem Stadttor angelegten Begräbnisplätze der Kirchengemeinden der Friedrichstadt. Auf diesen Friedhöfen finden wir Berühmtheiten wie Ernst Schering, Wilhelm A. Lette, Adolf Glaßbrenner, E.T.A. Hoffmann, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Langhans (Brandenburger Tor), Henriette Hertz, die Brüder Humboldt, Mirabeau, Fichte, Schleiermacher, Jean Paul und viele andere.


  • Hinter der Blücherstraße steht die Heilig Kreuz Kirche - sie wurde innen vollständig zum Veranstaltungsraum umgebaut. Hier finden Ausstellungen aber auch weltliche musikalische Darbietungen u.a. statt. Messen gibt es hier nur selten. Da die Zahl der Protestanten in Kreuzberg von einst 98.000 auf 5000 zurückgegangen ist, war das Kirchenhaus nicht mehr mit Messen allein zu füllen.
    In der Kirche laufen die Fäden der Berliner Obdachlosenarbeit zusammen. Stadtbekannt ist die Suppenküche. Hier bekommen Obdachlose und andere Bedürftige regelmäßig ihr Gratis-Gericht, 300 Arme aus der ganzen Stadt. Hier können sie essen, reden, sich medizinisch versorgen lassen, sich neu einkleiden. Heilig-Kreuz-KircheSelbst einen neuen Haarschnitt gibt es hier, auch kostenlos. Jedes Jahr kommen kurz vor dem Weihnachtsfest zwischen 600 und 800 Arme in die Kirche. Jeder bekommt ein halbes Hähnchen und ein kleines Geschenk, und es gibt eine richtige Feier. Männer und Frauen, die auf der Straße leben, sind dabei mit ihren Plastikbeuteln und ihren Hunden. Da wird die Kirche zur großen Festhalle.


  • Hallesches Tor - Der Name weist auf eines der Tore der historischen Stadtmauer hin. Auf der Fahrt mit der U-Bahn-Linie 1 begegnen uns noch die Tore Kottbusser und Schlesisches Tor. Östlich vom Halleschen Tor verläuft die Hochbahn fast exakt auf der Trasse, die bis zu ihrem Abbruch 1867-68 von der letzten Berliner Stadtmauer eingenommen wurde. Fundamentreste sind in der Stresemannstraße, nicht weit vom Mehringdamm entfernt, auf dem Mittelstreifen zu sehen. Sie wurden bei Arbeiten für eine Stadtmauerimitation 1987 entdeckt. Die sogenannte Neue Stadtmauer wurde 1732 vom „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I angelegt. Angrenzend legte er die neue Friedrichstadt an. Sie verlief strahlenförmig vom Halleschen Tor nach Norden hin.


  • Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die südliche Friedrichstadt zu einem Zentrum von Behörden und großen Verwaltungen. Das größte Bürogebäude der Reichshauptstadt war 1905 das neu bezogene "Kaiserliche Patentamt" Gitschiner, Ecke Alte Jakobstraße. Zehntausende von Patenten registrierte das Amt jährlich, bis 1945 waren es 2,4 Millionen. Das Patentamt zog nach Gründung der BRD als „Bundespatentamt“ nach München. Im Gebäude ist heute nun der Schriftenvertrieb untergebracht. Über sieben Millionen Patentdokumente werden jährlich in alle Welt verschickt. Auch das „Europäische Patentamt“ hat hier eine Dienststelle. Hier befindet sich auch das Bundeszentralregister, das die „Polizeilichen Führungszeugnisse“ ausstellt, und eine Finanzbehörde.


  • Wir kommen in die Lindenstraße, vorbei am Haus des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes (nach Plänen von Erich Mendelssohn 1929-30). Drei Jahre am 2. Mai 1933 wurde der verband aufgelöst. Die „Deutsche Arbeitsfront“ zog ein. Nach dem Kriege nahm die Industriegewerkschaft Metall, Verwaltungstelle Berlin, hier ihren Sitz. Gleich hinter diesem Gebäude in der Lindenstraße 2/3 stand früher das Gebäude der Parteizentrale der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Hier wurde das Zentralorgan „Vorwärts“ gedruckt. Die Nr.3 beherbergte Büros und die Parteischule der SPD. Neben Franz Mehring war vor dem Ersten Weltkrieg u.a. auch Rosa Luxemburg Lehrerin an dieser Schule. Der Krieg zerstörte die Gebäude vollständig.


  • In der Lindenstraße steht mit dem Haus Nr.14 das älteste Gebäude der südlichen Friedrichstadt im 18.Jahrhundert: das ehemalige Kollogienhaus. 1735 wurde es als Sitz des Kammergerichts und anderer königlicher Verwaltungen von Johann Phillip Gerlach errichtet (preußischer Barock). Das Kammergericht war das oberste Gericht Preußens. Der prominenteste Richter, der in diesem Haus gearbeitet hat, war E.T.A. Hoffmann. Das Kammergericht zog 1913 in den Neubau am Kleistpark um. Nach starken Kriegszerstörungen war es erst 1969 wieder zugänglich. Das neugegründete Berlin-Museum fand hier einen Platz für seine Bestände (Geschichte Berlins und Mark Brandenburg). Das Gebäude ist das einzige in West-Berlin noch vorhandene Stadthaus.


  • Gleich daneben befindet sich das neue Jüdische Museum. Seit 1975 hat sich die GESELLSCHAFT FÜR EIN JÜDISCHES MUSEUM dafür eingesetzt, dass in Berlin wieder ein Jüdisches Museum entstehen Jüdisches Museumkann. Sie steht damit in der Tradition des 1929 von Max Liebermann gegründeten Berliner Jüdischen Museumsvereins. 1998 wurde schließlich die die rechtliche Grundlage für ein autonomes Jüdisches Museum geschaffen. Das nach Plänen des Architekten Daniel Liebeskind geschaffene Gebäude wurde Ende 1999 der Öffentlichkeit übergeben. Der Direktor ist der ehemalige U.S. Finanzminister Michael Blumenthal, der aus Oranienburg stammt, mit seinen Eltern während der Nazi-Zeit nach Shanghai und schließlich in die USA immigrierte.

    Die südliche Friedrichstadt wurde in einer Bombennacht völlig zerstört. Etwa pro m² fiel eine Bombe. Die Umgebung des Berlin-Museums war 1984/87 größtes Wettbewerbsgebiet der Internationalen Bauausstellung im Neubaubereich. Was dabei herauskam ist eher traurig und trägt deutlich den Stempel der Interessen stadtbekannter Abschreibungsspekulanten - wie der Architekt Klingbeil, der auch für den „Sozialpalast“ (ehemals „Sportpalast“) verantwortlich ist.


  • Wir biegen nach links in die Kochstraße ein. Rechts das Bürohaus des Axel Springer Verlages (seit Januar 2004 besteht die Axel Springer Passage). Bereits 1925 konzentrierten sich um die Kochstraße herum 64 der 120 Berliner Großdruckereien mit zwei Drittel aller Beschäftigten des Gewerbes.
    Seit der Reichsgründung wuchsen an der Jerusalemer, Zimmer- und Kochstraße Ullstein, Scherl und Mosse zu den drei Giganten des deutschen Pressewesens heran. Mosses „Berliner Axel Springer und BundesdruckereiTageblatt“ (1909 eine Auflage von 150.000. zweimal täglich, mehrere Beiblätter in der Woche). Mosse gilt als „Vater der Sensationspresse“. Er baute als erster ein Netz von Sonderkorrespondenten in aller Welt auf. 1932 machte das Verlagshaus Mosse Konkurs. Es konnte sich gegen die aggressive Konkurrenz - besonders von Scherl - nicht mehr behaupten. Scherl gab ab 1883 den „Berliner Lokalanzeiger“ heraus (200.000 Exemplare). Ein weiteres Erfolgsblatt war die Fotoillustrierte „Die Woche“; sie konnte mit aktuellen Schnappschüssen aufwarten; stets waren auch Abbildungen des Kaisers zu sehen. 1916 verkaufte Scherl sein Imperium an eine Gruppe Schwerindustrieller aus dem Ruhrgebiet, die Alfred Hugenberg als Chef des Hauses einsetzten. Er machte aus den monarchischen Blättern Sprachrohre rechtsradikaler Strömungen. Der Soldatenbund „Stahlhelm“ und Adolf Hitler wurden protegiert. Dritter Herrscher des Zeitungsviertels war Leopold Ullstein, Jude, Mitglied der Fortschrittspartei. Seine „Berliner Zeitung“ wurde in der Zeit des Sozialistengesetzes (1878-90) mehrmals Opfer der Pressenzensur. Doch die Auflage stieg. Besonderen Erfolg hatte Ullstein mit der 1898 gegründeten „Berliner Morgenpost“. Um 1930 war die „Berliner Morgenpost“ mit einer Auflage von 623.000 Exemplaren die größte deutsche Tageszeitung. Auch die Neugründung „BZ am Mittag“, nach der Einstellung der „Berliner Zeitung“, war ein voller Erfolg. Schon 1934 hatten die Nationalsozialisten mit Hilfe von Strohmännern die gesamte Konkursmasse des Mosse-Verlages unter ihre Kontrolle gebracht. Auch die Blätter des Scherl-Hauses waren bereits mühelos "gleichgeschaltet" (ein typisches Wort der Nazizeit) worden. Übrig blieb Ullstein. Der Verlag wurde so stark in Schwierigkeiten gebracht, dass die Ullsteins ihn am 10. Juni 1934 einer Tarnfirma der NSDAP verkaufen mussten. Die Ullsteins emigrierten. 1949 kam der letzte der fünf Brüder, Rudolf Ullstein, von London nach Berlin zurück und gründete die „Morgenpost“ und die „BZ“ neu.
    1959 kaufte ihm dann der neue Imperator des fast völlig zerstörten Viertels den Verlag ab: Axel Caesar Springer. Er beherrschte von der Kochstraße aus über 80% des Berliner Zeitungsmarktes. Auf dem traditionsreichen Boden des Scherl-Verlagshauses errichtete er ein 19stöckiges Büro- und Redaktionshaus und ein Druckereigebäude von 142 Metern Frontlänge, in dem täglich 95 Tonnen Papier bedruckt wurden. Schon 1968 richtete sich massiver Protest gegen den Springer-Konzern. Der Attentäter, der Rudi Dutschke niederschoss, gab an, er sei durch die Lektüre der „Bild-Zeitung“ zur Tat angestachelt worden. Eine „Enteignet Springer“-Kampagne wurde gestartet. Bei einer Demonstration setzten Demonstranten mehrere verlagseigene Lieferwagen auf dem Springergelände in Brand. Seit 1989 existiert die linke tageszeitung (taz) in der Kochstraße 18 nahe Friedrichstraße. Im April 2008 wurde der Abschnitt der Kochstraße zwischen Friedrichstraße und Lindenstraße in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt. Das Axel-Springer-Haus hat nun die Anschrift Rudi-Dutschke-Straße 4-8.




  weiter zu Seite 4