Willkommen in Äthiopien

[Allgemeine Landesinformation] [Äthiopien] [Das Land] [Der Löwe von Juda]
[Invasion und Renaissance] [Feudale Restauration] [Der "Rote Negus"]
[Afrikas längster Krieg] [Vielvölkerstaat] [Meine Reise nach Äthiopien 1986] [Entwicklungen]
[www-Links] [Literatur]





Auf die Fotos klicken zum Vergrößern !

10 Birr
Highslide JS
10 Birr. 1986.



Äthiopisches Dorf
Highslide JS
Äthiopisches Dorf. 1986.



Echetu, Anna und Freundin
Highslide JS
Echetu, Anna und Freundin auf dem Grundstück in Ambo. 1986.




Trockene Erde in Ambo
Highslide JS
Trockene Erde in Ambo. 1986.



Hirut
Highslide JS
Hirut. 1986.



Kinder in Ambo
Highslide JS
Kinder in Ambo. 1986.



Autopanne am Langano-See
Highslide JS
Autopanne am Langano-See. 1986.



In Ambo
Highslide JS
Romana in Ambo (Schoa). 1986.



Wonschi
Highslide JS
Im Wonschi-Krater. 1986.



Mehr Fotos in meinem Fotoalbum:
pics.muz-online.de
Offizieller Name: Demokratische Bundesrepublik Äthiopien
Hauptstadt: Addis Abeba
Fläche: 1.104.300 km²
Landesnatur: Im Zentrum Äthiopisches Hochland, das von SW nach NO von einem Teil des Ostafrikanischen Grabens durchzogen wird, im NO Danakil-Senke
Klima: Tropisches Hochlandklima mit relativ niedrigen Temperaturen und hohen Niederschlägen, im Tiefland trockenheiß
Hauptflüsse: Blauer Nil, Awash, Wabi Shebele
Höchster Punkt: Ras Dashen 4.620 m
Tiefster Punkt: Danakil-Senke, 116 m unter dem Meeresspiegel
Regierungsform: Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Premierminister
Verwaltung: 9 Regionen, Hauptstadtdistrikt
Parlament: Rat der Volksabgeordneten mit 548 auf 5 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 6. April
Einwohner: 61.095.000 (1999); 73.053.286 (2005)
Bevölkerungsdichte: 55 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 18% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 35% (1999)
Analphabetenquote: 61% (1999)
Sprache: Amharisch, semitische und kuschitische Sprachen
Religion: Äthiopische Christen 53%, Moslems 30%



"Dreizehn Monate Sonnenschein"

Mit diesem Slogan warb Äthiopien früher erfolgreich um ausländische Besucher. Später blieben die Touristen aus. Die "Wiege der Menschheit", das Wasserreservoir Nordostafrikas, wurde in den 1980er Jahren zum Symbol des Hungers. Stellvertretend stand es damit für das Schicksal des ärmsten Kontinents. Einst ein blühendes christliches Reich mit großer Kultur, ernährte das fruchtbare Hochland leicht seine Bevölkerung. Seit aber der Staat und der Weltmarkt die Bauern nicht länger ihr eigenes Korn anbauen ließen, wuchsen Unordnung und Not von Jahr zu Jahr. Unmut schlug in Revolution um, Verzweiflung in Terror. Erst das Ende des Bürgerkriegs 1991 weckte neue Hoffnungen, die jedoch nach wiederholten Konflikten mit dem 1993 gegründeten Nachbarstaat Eritrea begraben wurden.

Äthiopien -- top

Der Löwe von Juda

Drei bis vier Millionen Jahre alt sind die Gebeine von "Lucy", die 1974 im Awash-Tal auf äthiopischem Boden gefunden wurden und somit zu den ältesten Skeletten eines Hominiden zählen. Im gleichen Jahr wurde das älteste Kaiserhaus der Welt gestürzt. Der "Negus" Haile Selassie (1892-1975) entstammte jener Dynastie, die - laut äthiopischem Nationalepos - um 1000 v.Chr. von Menelik I., einem Spross aus der Verbindung König Salomons von Juda mit der Königin von Saba, begründet wurde.
Diese Legende spiegelt die enge Verbindung Äthiopiens zu Saba in Südarabien wider, von woher seit vorchristlicher Zeit Semiten einwanderten, die dem Land den Namen "Abessinien" ("Völkergemisch") gaben. Das griechische "Aithíopes" ("verbrannte Gesichter") bezeichnete zunächst alle Afrikaner südlich von Ägypten. Die sabäischen Einwanderer gründeten das Reich von Aksum, das vom Handel mit der hellenistischen Welt lebte und im Jahre 330 zum Christentum bekehrt wurde. Doch schon mit dem Bekenntnis zum monophysitischen Glauben (451) lockerten sich die Bande zur römischen Kirche, und im 7. Jahrhundert isolierte der Siegeszug des vordringenden Islam die Abessinier von Europa. Sie gaben den Handel auf und zogen sich als Bauern in die Berge zurück; es entstanden die beiden Völker Amhara und Tigre.
Seit Beginn des 11. Jahrhunderts herrschte die nicht-semitische Dynastie der Zagwe. Als eifrige Christen erbauten sie inmitten eines wilden Olivenhains das "afrikanische Jerusalem" Lalibela (siehe großes Foto) . Seit 1270 verdrängten amharische Prinzen der salomonischen Dynastie die Zagwe und unterwarfen im 14. Jahrhundert die islamischen Sultanate im Südosten. Ihre militärische Macht ermöglichte ihnen sogar den Schutz der ägyptischen Christen, und wirtschaftliches Wohlergehen begünstigte eine kulturelle Hochblüte. Die Kirche war wichtigste Stütze des Kaisers. In den Klöstern entstand eine eigene Nationalliteratur.
Abessinien besann sich nun vermehrt auf das eigene Erbe, baute neu, was in den Wirren zerstört worden war. In Gondar, Hauptstadt seit 1636 und nach Kairo zweitgrößte Stadt Afrikas, entstanden zahllose Kirchen und Klöster. Ein Juwel ist die Kapelle Debre Berhan Selassie, deren Wand- und Deckenbemalung oft kopiert wurde. Auch auf stillen Inseln im Tanasee verstecken sich viele herrliche Klöster, die nur mit schmalen Papyrusbooten erreichbar sind. Der streng wirkende Kaiserpalast zu Gondar zeigt indisch-portugiesischen Stil: die amharische Renaissance ließ sich geistig durchaus von den Mächten befruchten, die sie politisch vor der Tür hielt.

Äthiopien - top

Invasion und Renaissance

1498 entdeckten die Portugiesen den Seeweg nach Indien. Die Herstellung direkter Beziehungen zu dem Gewürzland schaltete den Zwischenhandel über das Rote Meer aus, der bislang in den Händen der Moslems gelegen hatte. Das hatte empfindliche wirtschaftliche Konsequenzen für die Sultanate im Süden. Als Portugal versuchte, Abessinien für einen Stellvertreterkrieg gegen den Islam zu gewinnen, drang Ahmad Grañ (1506-1543) in einer Serie von Feldzügen bis ins Herz des Hochlandes vor. Gleichzeitig begannen die Oromo, animistische Nomaden, nach Norden zu ziehen. Nur mit portugiesischer Hilfe konnte Grañ 1543 besiegt werden. Die Oromo-Invasion zerstörte die Sultanate vollends.

Feudale Restauration

Nach 1750 zerfiel das Reich in Teilfürstentümer. Mächtige Feudalherren schwangen sich zu unabhängigen Provinzfürsten (Ras) auf. Erst angesichts der wachsenden Bedrohung durch ägyptische und europäische Kolonialinteressen gelang seit 1855 schrittweise die Wiedervereinigung. Kaiser Menelik II. (1844-1913) konnte die Errichtung einer italienischen Kolonie am Roten Meer (Eritrea) zwar nicht verhindern, doch nach seinem Sieg über Italien 1896 schob er in Verträgen mit den europäischen Mächten Äthiopiens Grenzen weit nach Südosten ins somalische Gebiet vor.
Der Konkurrenz der Europäer untereinander und dem diplomatischen Geschick des Kronprinzen Ras Tafari Makonnen von Schoa, der sich 1930 als Haile Selassie zum "König der Könige" ("negus negesti") krönen ließ, verdankte Äthiopien seine Unabhängigkeit. 1926 wurde das Land in den Völkerbund aufgenommen, doch verhinderte dies nicht den Überfall italienischer Truppen, die 1936 durch Giftgaseinsatz Äthiopien eroberten. Der "Negus" verließ sein Land. 1941 wurden die Italiener wieder vertrieben. In den folgenden Jahren suchte Kaiser Haile Selassie amerikanische Unterstützung für ein Modernisierungsprogramm des Landes, das jedoch an seiner autokratischen Herrschaft und der feudalistischen Gesellschaftsstruktur nichts änderte.
Anfang der 1970er Jahre war das feudalistische Regierungssystem Haile Selassies am Ende. Die verarmten Bauern litten unter den Abgaben an die Großgrundbesitzer, das städtische Bürgertum sah sich in seinen Entfaltungsmöglichkeiten eingeengt. Die Inflation im Gefolge der Dürrekatastrophe von 1973 löste in Äthiopien Massendemonstrationen und Streikwellen aus und leitete die Revolution von 1974 ein. Doch schnell übernahm die Armee die Macht.

Das Land

Sanfte Hügel, von Hirse bewachsen. Flache Täler, voll schwarzer Erde. Wilder Thymian, Wacholderbüsche, Kandelabereuphorbien. Ein freundliches, fruchtbares Land, das sich plötzlich in steilen, engterrassierten Abhängen in die Tiefe stürzt. Tausend Meter und tiefer bricht ein Fluss sich seine Bahn durch präkambrisches Gestein, ziehen riesige Viehherden durch die gelbe Savanne zum Horizont. Äthiopien ist, im Kern, ein reiches Land. Dennoch hat es fast das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen der Erde, werden Tausende von Menschen Opfer von Hungersnöten.

Das Dach von Afrika
Der Gegensatz zwischen dem gemäßigten, regenreichen Hochland und den heißen, trockenen Tiefebenen bestimmt die Landesnatur Äthiopiens.
Das Hochland ist kein geschlossener Gebirgsblock, sondern besteht aufgrund seiner geologischen Vergangenheit und der formbildenden Verwitterungskräfte aus recht unterschiedlichen Hochflächen, Bergstöcken, Tafelbergen und Vulkankuppen, die von steilen Tälern begrenzt werden. Die tropische Sonnenglut wird durch die Höhenlage erheblich gemildert, die jährlichen Temperaturschwankungen sind gering, und der Wechsel von Regen- und Trockenperioden bestimmt die Jahreszeiten. Drei Viertel der Bevölkerung leben im Hochland, in Höhen zwischen 2000-2500 m liegen alle wichtigen Städte.

Besonders intensiv bebaut ist die warm-gemäßigte Zone ("Woina Dega"), die Heimat der amharischen Kleinbauern. In der kühl-gemäßigten "Dega" bis etwa 3000 m wachsen Gerste und Weizen, und oberhalb der Baumgrenze (3000 m) nähren weite Berggrasländer Rinder und Schafe. In der "Tschoke" (um 4000 m) sprießen Erika und Riesenlobelie umgeben vom vorherrschenden nackten Fels: im wild zerklüfteten Ras Dashen (4620 m) nordöstlich von Gondar gipfelt das Gebirge.
Im Osten und Süden des Hochlandes zeugen heiße Quellen, Erdbeben und Vulkane davon, dass hier die Erdrinde noch nicht zur Ruhe gekommen ist. An dem tief eingeschnittenen Cañon des Abay, dem Oberlauf des Blauen Nils, hat sich der Fluss durch die vulkanischen Decken und die darunterliegenden Sandsteine und Kalke gegraben. Kurz nach seinem Ausfluss aus dem Tanasee stürzt er auf 500 m Breite tosend in die Tiefe. Die Fälle von Tissisat ("Feuersrausch") gehören zu den schönsten Wasserfällen der Erde.
Zur Regenzeit bilden die Schluchten wochenlang unpassierbare Barrieren zwischen den einzelnen Provinzen. Die wichtigste natürliche Grenze ist jedoch das 30-40 km breite Rift Valley, Teil des gigantischen Ostafrikanischen Grabensystems, das sich vom Jordan zum Sambesi zieht und geologisch die Afrikanische Tafel von Asien trennt. Eine Kette vogelreicher Seen schmückt das Tal, das sich im Osten zum Afartiefland weitet und nicht nur die Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean markiert, sondern auch zwischen amharischer und islamischer Kultur.
Klimatisch zählen die Täler im Zentralmassiv bereits zur subtropischen "Kolla". Darunter versteht man das Land unterhalb 1800 m, das bei mittleren Temperaturen von 26-30°C weniger als 500 mm Regen im Jahr erhält. Während die Dornbusch- und Akaziensavannen im Süden Zentren nomadischer Weidewirtschaft sind, gehört die bis zu -116 m tiefe Danakil-Wüste am Roten Meer zu den ungastlichsten Gegenden der Erde.

Heimat des Kaffees
Äthiopiens Hinterhof liegt im Südwesten. Reiche Niederschläge haben hier einen noch weitgehend naturbelassenen tropischen Regenwald hervorgebracht. Hier befindet sich die Heimat des wildwachsenden Kaffeestrauchs. Ende des 19. Jahrhunderts finanzierten Araber erstmals die Anlage von Plantagen.
Kaffee erbringt heute durchschnittlich 60 % der Exporterlöse, Tierhäute und Ölsaaten je 5 %. Jedoch bauen die Bauern, die von der Landwirtschaft leben, hauptsächlich ihre eigene Nahrung an, vor allem Tef, ein nur in Äthiopien vorkommendes Getreide, aus dem man das Nationalgericht "injera" bereitet.
Noch ist Äthiopien vergleichsweise wenig in den Weltmarkt integriert, der Gesamtexport beläuft sich auf nur rund ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts. Der Anbau von Exportprodukten soll aber durch Staats- und Kollektivfarmen gesteigert werden. Neben dem Südwesten wird vor allem im Awash-Tal der mechanisierte Bewässerungsfeldbau gefördert.

Dürren und Hungersnöte
So fruchtbar das Land im Grunde genommen ist, so deutlich haben die vergangenen Jahrzehnte gezeigt, daß Äthiopien in unregelmäßigen Abständen von Dürre- und damit verbundenen Hungerkatastrophen heimgesucht wird. Aber die Hungersnöte der letzten Jahre haben alle bisherigen in den Schatten gestellt. Ein Grund ist, neben klimatischen und politischen Faktoren, die Bevölkerungsexplosion in Äthiopien: In 30 Jahren hat sich die Einwohnerzahl des Landes verdoppelt. Brennholzeinschlag und Ausdehnung der Landwirtschaft führten zu einer rapiden Abholzung. 1900 waren noch 40 % der Staatsfläche bewaldet, gegenwärtig sind es gerade noch 2 %. Auslaugung des Bodens, Verkarstung und Erosion sind die Folge. Die Bodenverschlechterung zwingt viele Bauern, auf ökologisch labilere Gebiete auszuweichen, die auf Überbeanspruchung noch anfälliger reagieren: ein Teufelskreis. Die "Jahrhundertdürre" von 1984/85 kostete Hunderttausende das Leben, und auch danach blieb der Regen häufiger aus. Die Natur schlägt in immer kürzeren Zeitabständen zurück.

Äthiopien -- top

Der "Rote Negus"

Im September 1974 wurde Kaiser Haile Selassie I. nach fast sechzigjähriger Herrschaft abgesetzt. Die Staatsgewalt übernahm ein "provisorischer militärischer Verwaltungsrat" (Derg), der Äthiopien 1975 zur Republik erklärte.
Aus blutigen inneren Machtkämpfen ging 1977 Mengistu Haile Mariam (*1937) als stärkster Mann im Derg hervor, doch dauerte es ein weiteres Jahr, bis die Machtfrage endgültig geklärt war - eine Zeit, die von Einschüchterungs- und Unterdrückungskampagnen gekennzeichnet war und in der mehrere tausend Menschen dem "Roten Terror" zum Opfer fielen. Ein Versuch des Nachbarlandes Somalia, die Wirren zur Eroberung des somalisch bewohnten Ogaden auszunutzen, wurde mit Hilfe kubanischer Truppen und sowjetischer Berater 1978 zurückgeschlagen.
Das Militär wurde zur Staatskaste, die sozialistische Slogans benutzte, um ihre Privilegien zu sichern. Über die Hälfte der Aktivisten der 1984 gegründeten "Äthiopischen Arbeiterpartei" (WPE) waren Soldaten. Neben diesen blieben arme Städter, denen man Wohnung und Brot gab, sowie die vom feudalen Joch befreiten Bauern die Hauptstützen des Regimes.

Äthiopien -- top

Afrikas längster Krieg

Im Zentrum des Landes konnte Mengistu seine Gegner ausschalten, doch in den Provinzen herrschte weiterhin Krieg. Seit 1961 forderte Eritrea seine Unabhängigkeit, seit 1976 kämpfte Tigre für Autonomie. Kleinere Guerillagruppen operierten unter den Oromo, Somali und Afar. In Eritrea leben christliche Hochlandbauern und moslemische Nomaden. Durch die Unabhängigkeitsbewegung entwickelte sich ein eritreisches Nationalbewusstsein. Angesichts der Aufhebung der Autonomie (1962) griff man zur Waffe.

Seit Ende der 1980er Jahre verdichtete sich der Widerstand gegen die Zentralregierung. 1991 stürzten verschiedene Rebellengruppen unter Führung der "Volksdemokratischen Revolutionsfront" (EPRDF) das Mengistu-Regime. Mengistu floh außer Landes.
Eine Nationalkonferenz setzte einen Staatsrat mit der Aufgabe ein, demokratische Strukturen und Institutionen zu etablieren, was mit der neuen Verfassung von 1994 umgesetzt wurde. Nach einem von der UNO überwachten Referendum wurde die Provinz Eritrea am 24.5.1993 zum selbständigen Staat. Ministerpräsident Meles Zenawi (*1955), der frühere Generalsekretär der EPRDF, betreibt die juristische Aufarbeitung der Mengistu-Ära und versucht, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu forcieren. Seit der Staatsgründung Eritreas kam es wiederholt zu bewaffneten Konflikten zwischen Truppen beider Staaten.

Vielvölkerstaat

Die Bevölkerung setzt sich aus über 100 Nationalitäten und ethnischen Gruppen zusammen. Seit dem 13. Jahrhundert bestimmte jedoch die Minderheit der christlichen Amharen die Geschicke des Landes. Gestützt auf die Kirche breitete sich ihr Feudalstaat immer weiter nach Süden aus. Dabei wurden Teile der Oromo assimiliert. Erheblichen Widerstand leistete die islamische Bevölkerung.

Äthiopien -- top
"Leichen im Keller"
Autor: Markus Frenzel
(April 2011)

Dieses Buch sollte unbedingt gelesen werden !!! Die 15 Jahre sozialistische Militärdiktatur haben Land und Volk schwerste Schäden zugefügt. Was nach dem "roten Terror" unter Mengistu folgte war jedoch nicht besser. Nachdem das Militärregime 1990 »[...] aus dem Land vertrieben war, setzte sich die geeinte Rebellenfront in den höchsten Staatsämtern fest. [...] An der Spitze steht nun der Berufsrebell Meles Zenawi. Der neue starke Mann [...] hat sich [...] in den vergangenen Jahren zu einem eiskalten Gewaltherrscher entwickelt. 15 Jahre nach der Machtübernahme terrorisieren die neuen Herrscher ihre Kritiker und Gegner genauso wie einst der Derg [...]«
Zitiert aus: Leichen im Keller, S. 315 f.

Einer Neuorganisation der 14 Provinzen nach ethnischen Kriterien warf man vor, statt einer Dezentralisierung nur neuen Eliten zu dienen. Die stärkste Kritik aber erntete das Umsiedlungsprogramm: 1985 wurden 600.000 "Freiwillige" aus dem trockenen, übervölkerten Norden in neuen Dörfern im fruchtbaren Südwesten angesiedelt. Damit wurden sie dem Einfluss des Widerstands in Eritrea und Tigray entzogen und halfen mit, die ansässige Bevölkerung zu kontrollieren. Aufgrund internationaler Proteste wurde die Zwangsumsiedlung 1986 vorübergehend gestoppt.

Aufgabe der neuen Regierung hätte nun sein müssen, ohne Zwangsmaßnahmen einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu finden. Doch nachdem die Rebellen aus dem Norden die Macht total an sich gerissen hatten, dominiert die Volksgruppe der Tigray - eine der kleinsten des Landes - die anderen Ethnien und zeigt, dass sie nicht besser ist als ihre Vorgänger.

Äthiopien -- top

Meine Reise nach Äthiopien 1986

Äthiopien. Zu Gast in Ambo/Shoa

Aus Rainers Reisetagebuch: Am Nachmittag um 16.00 Uhr landete unsere kleine, klapprige Iljuschin-Maschine auf dem Flughafen von Addis Abeba. Der Höhenunterschied fiel mir sofort nach Betreten des Erdbodens auf - ich fühlte mich etwas wacklig (Addis liegt 2420 Meter über dem Meeresspiegel). Die Sonne jedenfalls schien, und es waren etwa 20°C. Romanas ältere Schwester Gabi, Ehemann Stephan und die zweijährige Tochter Anna warteten bereits auf uns. Die Freude war riesig. Ich kannte die Leute nicht, so dass ich mich bei der Begrüßung diskret zurückhielt. Schnell wurde unser Gepäck in den Datsun Patrol verstaut. Ich war müde, und die Luftumstellung fiel mir schwer. Stephan, Romanas Schwager, nervte. Er erzählte, wie hässlich und was für eine miese Stadt Addis doch sei. Mein erster Eindruck war eher positiv. Ich war das erste Mal leicht sauer... Wir fuhren nicht direkt nach Ambo, sondern in die Stadt zu Geli und Michael (beide DED-Entwicklungshelfer). Die beiden servierten selbstgerösteten, würzigschmeckenden Kaffee. Dazu gab es noch Tee und Kuchen. Es wurde viel erzählt, und ich merkte, dass mir alles auf die Nerven ging - es war mir zu viel. Ich wollte mir meinen eigenen Eindruck von diesem Land machen und mir nicht schon am ersten Tag mit solch negativem Gerede die Stadt, das Land, vermiesen lassen ...  Weiterlesen...

Entwicklungen

Trotz beständigem Wirtschaftswachstum zählt Äthiopien auch im Jahr 2010 zu den ärmsten Ländern der Welt. »[...] Schätzungsweise 49% der Bevölkerung sind unterernährt, [...] auch in "guten" Erntejahren bleiben Millionen Äthiopier auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Ursachen des Hungers sind Dürre und Überschwemmungen – verschärft durch verbreitete Entwaldung und Erosion –, ein Bevölkerungswachstum um 2 Millionen jährlich in den letzten zehn Jahren, aber auch der Verfall der Kaffeepreise führte 2003 zu einem Anstieg des Hungers in manchen Landesteilen. Während Dürreperioden früher in Abständen von 25 bis 30 Jahren auftraten, kommt es mittlerweile in Abständen von vier bis fünf Jahren zu Dürren.
Die Nahrungsmittelhilfe wird zumeist aus dem Ausland eingeführt, während Nahrungsmittel aus Gebieten mit Überschüssen in Äthiopien selbst wegen der mangelhaften Infrastruktur nur schwer in hungerbetroffene Landesteile transportiert werden können. Die Abhängigkeit von auswärtiger Hilfe und ihre problematischen Folgen tragen ebenfalls ihren Teil zum Hungerproblem bei und sollen mit längerfristig angelegten Entwicklungsstrategien der äthiopischen Regierung und internationaler Hilfsorganisationen verringert werden.
Zugang zu sauberem Trinkwasser, seit 2010 ein Menschenrecht der UNO, besitzt laut WHO und Unicef nicht einmal jeder zweite äthiopische Bürger.
Kinderarbeit ist weit verbreitet:. 58,1% der Jungen und 41,6% der Mädchen zwischen 5 und 14 Jahren arbeiten regelmäßig, die überwiegende Mehrheit (95 %) in der familiären Landwirtschaft. In den großen Städten leben mehrere Hunderttausend Straßenkinder. [...]«

Spannungen mit Eritrea
Der 1993 ausgehandelte Frieden zwischen Äthiopien und Eritrea konnte fünf Jahre lang einigermaßen stabil gehalten werden. »[...] Grenzstreitigkeiten und vermutlich auch ökonomische Zwiste führten 1998 jedoch erneut zum Krieg der beiden Länder. Nach Bombardements der äthiopischen Luftwaffe auf die eritreische Hauptstadt Asmara und einer Invasion äthiopischer Bodentruppen zogen sich die äthiopischen Bodentruppen kurz vor Asmara stehend zurück. Somit ging aus dem Krieg keine Konfliktpartei siegreich hervor. Der Konflikt wurde durch den Friedensvertrag von Algier im Dezember 2000 beendet, dem zufolge die Blauhelm-Soldaten der United Nations Mission in Ethiopia and Eritrea (UNMEE) den (fragilen) Frieden überwachen. Am 13. April 2002 gab die unabhängige Grenzkommission eine endgültige Empfehlung zur Beilegung der Streitigkeiten ab (Eritrea Ethiopia Boundary Commission, EEBC). Ein Jahr nach der Bekanntmachung lehnte Äthiopien diese jedoch mit der Begründung ab, die Stadt Badme, die auslösender Streitpunkt des Krieges gewesen war, solle anders als von der Kommission vorgeschlagen auch weiterhin zu Äthiopien gehören. Seitdem herrscht zwischen beiden Kriegsparteien ein unruhiger Frieden. [...]«
Zitate aus: de.wikipedia.org, Äthiopien

Parlamentswahlen von 2005
Aus den Parlamentswahlen von 2005 ging die seit 1991 regierende Koalition der Revolutionären Demokratische Front der Äthiopischen Völker (EPRDF) als Sieger hervor.

»[...] Seit den Wahlen 2005 konnte die Regierung die politische Stabilität im Land nicht mehr garantieren. Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten waren gespannt, auch das Verhältnis zur westlichen Gebergemeinschaft hatte sich stark abgekühlt. Nur im wirtschaftlichen Bereich gab es positive Entwicklungen.

Gewaltkonflikte: Am 8.8.2006 desertierte ein äthiopischer Brigadegeneral mit mehreren hochrangigen Offizieren und Hunderten von Soldaten nach Eritrea. Mehrere prominente Offiziere, die der Volksgruppe der Oromo angehören, schlossen sich im September den Rebellen der Oromo Befreiungsfront (OLF) an, die seit 1991 für mehr politische Rechte innerhalb des äthiopischen Staates kämpfen. Im Grenzkonflikt mit Eritrea beschuldigte Äthiopiens Ministerpräsident Meles Zenawi (...) am 19.10.2006 die eritreische Regierung, das Friedensabkommen zu brechen und mit bis zu 10 000 Soldaten und Panzern in die von den UN geschützte Sicherheitszone entlang der Grenze vorzurücken. In den folgenden Monaten blieb die Situation entlang der Grenze jedoch ruhig. [...]
In der von ethnischen Somaliern bewohnten östlichen Region Somali (früher Ogaden) kam es Ende April 2007 nach Überfällen einer lokalen Rebellenorganisation auf eine von der VR China betriebene Erdölanlage zu heftigen Gefechten, bei denen auch zahlreiche Regierungssoldaten ums Leben kamen. Bei dem Überfall auf das Ölfeld am 24.4. in der Nähe der Stadt Jijiga waren neben 65 Äthiopiern auch neun chinesische Arbeiter getötet und sieben weitere entführt worden, die später an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben wurden. Die Nationale Befreiungsfront Ogaden (ONLF) kämpft in der Provinz für mehr Unabhängigkeit und gegen ausländische Firmen, die mit der Regierung zusammenarbeiten. [...]«

[Zur Intervention Äthiopiens im Nachbarland Somalia:  Somalia.]

»[...] Prozesse: Der Bundesgerichtshof in Addis Abeba sprach am 12.12.2006 den früheren Staatschef Mengistu Haile Mariam (1977-91) in Abwesenheit des Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig. Mengistu lebt seit seinem Sturz im Exil in Simbabwe. Unter seiner Herrschaft waren tausende Regimekritiker umgebracht worden oder bei Zwangsumsiedlungen ums Leben gekommen. Am 11.1.2007 wurde das Strafmaß auf lebenslänglich festgelegt. Auch 58 Mitglieder von Mengistus Militärregierung wurden verurteilt, darunter elf ebenfalls zu lebenslangen Haftstrafen. Der Prozess gegen Mengistu und sein Regime hatte 1994 begonnen. [...]

Opposition: In einem Bericht vom 9.2.2007 erhob amnesty international schwere Vorwürfe gegen die äthiopische Regierung wegen Inhaftierungen und Folterung von Oppositionellen, die im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen nach den Parlamentswahlen 2005 erfolgt waren (...). Die Regierung wies die Vorwürfe zurück. [...]

Naturkatastrophen: Bei schweren Überschwemmungen im Osten und Süden des Landes kamen zwischen Ende Juli und Anfang August 2006 mehr als 600 Menschen ums Leben. Am schwersten betroffen war das Gebiet am Fluss Omo im Süden Äthiopiens. Knapp 200 000 Menschen wurden durch die Überschwemmungen obdachlos.«
Zitate aus: Der Fischer Weltalmanach 2008, S. 64 f.

Einschränkung wesentlicher Freiheits- und Grundrechte
Bis 2010 wurden wesentliche Freiheits- und Grundrechte eingeschränkt. Außenpolitisch dominieren weiterhin die Spannungen mit dem nördlichen Nachbarland Eritrea, insbesondere nach dem Ende der UNMEE-Friedensmission am 31.7.2008. Der schwelende Grenzkonflikt mit Eritrea droht wieder zu einem offenen Krieg zu werden. »[...] Seit dem Abzug (der UNMEE-Soldaten; Anm. muz-online.de) sind die Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea stark angestiegen, insbesondere wegen der anhaltenden eritreischen Unterstützung islamistischer Milizen in Somalia. Die Afrikanische Union (AU) forderte deswegen am 22.5.2009 erstmals den UN-Sicherheitsrat zu Sanktionen gegen ein eigenes Mitgliedsland auf, nämlich Eritrea. Damit eng verknüpft war der Rückzug der äthiopischen Armee aus Somalia im Januar 2009, der in Eritrea die Furcht vor einer zunehmenden Präsenz äthiopischer Truppen in der äthiopisch-eritreischen Grenzregion aufkommen ließ. [...]

Gewaltkonflikte: Nach mehreren Bombenanschlägen in den vergangenen Jahren blieb die Region Somali (früher Ogaden) der stärkste Krisenherd des Landes und erlebte zahlreiche Aufstände der Nationalen Befreiungsfront Ogadens (ONLF). Die ONLF ging insbesondere nach dem äthiopischen Einmarsch in Somalia vom Dezember 2006 verstärkt gegen die Zentralregierung vor. Die äthiopischen Sicherheitskräfte reagierten mit großer Härte, was zu stark zunehmender Kritik zahlreicher Menschenrechtsorganisationen führte (...).

Schärfer wurden auch Konflikte um Wasser und Boden: Nachdem schon im März 2008 im Süden des Landes bei Kämpfen zwischen Oromo-Gruppen mehr als 30 Menschen getötet worden waren, wurden auch in anderen Landesteilen Konflikte zwischen Nomaden und sesshaften Bauern vermehrt gewaltsam ausgetragen. [...]

Wirtschaft: Bis zum Ausbruch der Weltwirtschafts- und Finanzkrise Mitte 2008 setzte sich der äthiopische Wirtschaftsboom fort. Vier Jahre lang verzeichnete das BIP jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Bereich (2005:12,6% 2006:11,5% 2007:11,5%, 2008:11,6%). Ab Mitte 2008 wurden insbesondere aufgrund sinkender Entwicklungshilfegelder und rückläufiger Überweisungen von Auslandsäthiopiern deutliche Wachstumsrückgänge registriert. Steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise machten der äthiopischen Volkswirtschaft zudem zu schaffen: So stieg die Inflation im Verlauf des Jahres 2008 auf etwa 25%. Die hohen Nahrungsmittelpreise haben die Lebensbedingungen der Bevölkerung, die zu einem großen Teil schon bisher unter der absoluten Armutsgrenze lebte, nochmals verschärft. 2008 litten ca. 6,4 Mio. Menschen unter akuter Nahrungsmittelknappheit, darunter 1,9 Mio. in der Region Somali.«
Zitiert aus: Der Fischer Weltalmanach 2010, S. 94 f.

Parlamentswahlen 2010
»[...] Die letzten Parlamentswahlen fanden im Jahr 2010 statt. Das Regierungsbündnis EPRDF erhielt zusammen mit den regionalen Regierungsparteien insgesamt 99,6 % und somit der 545 der 547 Parlamentssitze in Volksrepräsentantenhaus. Die Opposition unter der Parteienkoalition Forum für Demokratischen Dialog (Medrek) erhielt lediglich einen Sitz, während unabhängige Kandidaten ebenfalls nur einen Sitz erhalten konnten. Anlässlich des von der Opposition vorgeworfenen Wahlbetrugs wurde der EPRDF vorgeworfen, dass sie autoritär regiere und die Opposition unterdrücke.[...]«
Zitiert aus: de.wikipedia.org, Äthiopien
Äthiopien -- top

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.124 f.



www-Links



Beziehungen zwischen Äthiopien und Deutschland
Brot für die Welt: Zur Situation in Äthiopien
Menschen für Menschen - Äthiopien - Karl Heinz Böhm
ÄTHIOPIEN
Homepage von Selamawit: Äthiopien - Ethiopia
Äthiopien -- Bildershow -- Feldforschung
Business and Human Rights: a resource website
Human Rights Watch -- Ethiopia
The Ethiopian News Headlines
Ethiopian Economic Association Home Page
The Addis Tribune
Links to Ethiopia - Links zu Äthiopien
Gesellschaft und Kultur
Ethiopia on the Web -- Internet Ressources
CIA -- The World Factbook

Äthiopien -- top